Stoff, Wirkung oder Frage
Berberitze & Goldsiegel · 96 Studien und Übersichten ausgewertet

Berberin

Gelbes Pulver aus der Berberitze, als Kapsel, Pflaster oder Mischung mit Rotschimmelreis: Berberin gilt als pflanzlicher Helfer gegen hohen Blutzucker und Übergewicht. Bei einigen Laborwerten stimmt das, beim Abnehmen kaum.

Berberin-Kapseln auf salbeigrünem Grund
Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202696 QuellenLesezeit 18 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Berberin senkt bei Typ-2-Diabetes den Langzeitzucker und bei erhöhten Blutfetten LDL-Cholesterin und Triglyceride, das ist gut belegt. Auch der Entzündungswert CRP sinkt. Beim Gewicht ist die Abnahme ebenfalls belegt, aber mit knapp einem Kilo klein. Für Berberin-Pflaster gibt es keine Studie. Weil Berberin den Abbau vieler Medikamente bremst und Behörden vor Risiken warnen, gehört es nicht unbedacht in den Alltag.

Im Labor schimmert Berberin leuchtend gelb, und genau so sieht auch das Pulver in vielen Kapseln aus. Der Stoff stammt aus der Wurzel der Berberitze und anderer Heilpflanzen, die in China seit Langem gegen Durchfall eingesetzt werden. Heute wird Berberin vor allem mit zwei Versprechen verkauft: Es soll den Blutzucker senken und beim Abnehmen helfen, neuerdings auch als Pflaster. Das erste stimmt erstaunlich gut, das zweite kaum. Wer die Studien liest, findet für einen Pflanzenstoff ungewöhnlich viele Daten, aber auch deutliche Warnungen von Behörden.

Diese Spannung zieht sich durch alles, was folgt. Denn ein Stoff, der Laborwerte zuverlässig verändert, greift in den Stoffwechsel ein, und genau das macht ihn für Menschen mit Medikamenten, für Schwangere oder Herzkranke heikel.

Was ist Berberin, und was macht es im Körper?

Berberin ist ein gelber Pflanzenstoff aus Berberitze, Goldsiegel und chinesischen Heilpflanzen, der in Kapseln meist als Salz verkauft wird. Chemisch gehört er zu den Alkaloiden, einer Gruppe stark wirksamer Pflanzenstoffe. Dazu passt, dass in Singapur zwei berberinhaltige Heilpflanzen seit Jahrzehnten verboten sind, weil sie Neugeborenen schaden könnten.1 Ein harmloses Würzmittel ist Berberin also nicht.

Was Berberin im Körper macht, ist nur zum Teil verstanden. Erstaunlich ist, wie wenig davon ins Blut gelangt. So fand eine kleine Messung nach einer Kapsel mit 500 mg kaum nachweisbare Spiegel,2 und trotzdem verändert der Stoff in vielen Studien Blutzucker und Blutfette. Wie das zusammenpasst, ist nicht abschließend geklärt. Sicher ist dagegen, dass Berberin Enzyme der Leber bremst, die viele Medikamente abbauen,3 und das hat Folgen für die Sicherheit.

Wofür ist Berberin gut, und welche Wirkung ist belegt?

Gut belegt sind vor allem Wirkungen auf Langzeitzucker, Blutfette und Entzündungswerte, beim Gewicht ist der Effekt klein. Für diesen Überblick haben wir 40 mögliche Wirkungen und Risiken erfasst. Bei sechs reicht die Studienlage für ein klares Ja, bei einer Kombination mit Mariendistel für ein Wahrscheinlich, und bei den meisten übrigen ist die Lage offen, weil es nur wenige oder offene Studien ohne Scheinpräparat (Placebo) gibt. Jede Zeile der Übersicht lässt sich anklicken und zeigt die Begründung.

Auffällig ist die Herkunft der Daten. So stammen fast alle Studien aus China, viele sind klein und dauerten nur einige Monate. Außerdem prüften zahlreiche Studien Berberin nicht allein, sondern zusätzlich zu Medikamenten, ohne Scheinpräparat in der Vergleichsgruppe. Solche Zusatzstudien zeigen oft große Effekte, die sich in verblindeten Studien nicht wiederfinden. Wo die Übersicht von einem Zusatz spricht, ist genau das gemeint.

Körpergewicht und Taillenumfang verringerngut belegt23 Studien (Elahi Vahed 2026, Personenzahl im Abstract nicht genannt); nur Placebo: 8 Studien, 684 Pers. (Liu 2025, BMI)Gewicht −0,88 kg, BMI −0,48 kg/m², Taillenumfang −1,32, Taille-Hüft-Verhältnis unverändert

Erwachsene mit Übergewicht, Diabetes, Fettleber, PCOS oder metabolischem Syndrom; Kontrollen gemischt

Ergebnisse: Gewicht −0,88 kg (−1,36 bis −0,39), BMI −0,48 kg/m², Taillenumfang −1,32, Taille-Hüft-Verhältnis unverändert (Elahi Vahed 2026); Gewicht −0,11 kg (−0,99 bis 0,76), nicht signifikant, in 10 Studien (Xiong 2020); −2,07 kg in 12 Studien (Asbaghi 2020); Taillenumfang −3,27 cm in 12 Placebo-Studien (Liu 2025); BRAVO (337 Pers., 6 Monate): Bauchfett im CT unverändert (+1,4 %; −2,4 bis 5,2)

Dass Berberin das Körpergewicht etwas senkt, ist gut belegt: Drei Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Abnahme, die neueste und größte mit 23 Studien von knapp einem Kilogramm gegenüber den Kontrollgruppen. Das ist ein kleiner Effekt, den man auf der Waage kaum bemerkt. In der bisher größten Placebo-Studie über sechs Monate mit 337 Menschen mit Adipositas und Fettleber nahm das Bauchfett unter Berberin nicht ab. 18, 19, 20, 7, 8

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (3 Meta-Analysen einig, größte mit 23 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Langzeitblutzucker (HbA1c) bei Typ-2-Diabetes senkengut belegt31 Studien, 2.683 Pers. (Xie 2022, Placebo- und offene Zusatzstudien); nur Placebo: 7 Studien, 756 Pers. (Zhao 2023)HbA1c −0,63 Prozentpunkte

Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, Berberin allein gegen Placebo bzw. Lebensstil; meist 0,9 bis 1,5 g/Tag über 1 bis 3 Monate; fast alle Studien aus China

Ergebnisse: HbA1c −0,63 Prozentpunkte (−0,72 bis −0,53) (Xie 2022, alle Kontrollen); gegen Placebo −4,48 mmol/mol (−6,53 bis −2,44) (Zhao 2023); −0,54 (−0,93 bis −0,15) in 28 Studien, Wirkung nach mehr als 90 Tagen, über 2 g/Tag und ab 60 Jahren nicht mehr gesichert (Liang 2019); größte Placebo-Studie (PREMOTE, 409 Pers.): −0,99 vs. −0,59 Prozentpunkte unter Placebo

Berberin senkt den Langzeitblutzucker HbA1c bei Typ-2-Diabetes: Mehrere Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Senkung um etwa einen halben Prozentpunkt, auch die Auswertung nur der Placebo-Studien. Die größte Placebo-Einzelstudie mit gut 400 neu diagnostizierten Patienten aus 20 chinesischen Kliniken bestätigte den Vorteil. Fast alle Studien stammen aus China und dauerten nur wenige Monate; ob Berberin Folgeschäden des Diabetes verhindert, wurde nicht untersucht. 4, 5, 11, 49, 48, 10, 6, 9, 50

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (4 Meta-Analysen einig, größte mit 31 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
LDL-Cholesterin senkengut belegt25 Studien, 3.042 Pers. (Zhao 2020); nur Placebo: 14 Studien, 1.447 Pers. (Blais 2023)LDL −0,46 mmol/l, Gesamtcholesterin −0,48 mmol/l, Apolipoprotein B gesenkt, HDL +0,06 …

Erwachsene, meist mit erhöhten Blutfetten, Typ-2-Diabetes oder metabolischem Syndrom; 0,9 bis 1,5 g/Tag über 4 bis 24 Wochen; 15 von 18 Placebo-Studien aus China und Hongkong

Ergebnisse: LDL −0,46 mmol/l (−0,62 bis −0,30), Gesamtcholesterin −0,48 mmol/l, Apolipoprotein B gesenkt, HDL +0,06 mmol/l (0,00 bis 0,11; bei Frauen +0,11, bei Männern −0,07) (Blais 2023, nur Placebo); −0,38 mmol/l in 16 Studien (Ju 2018); Berberin allein in einer weiteren Meta-Analyse LDL −9,26 mg/dl (−20,31 bis 1,78), nicht signifikant (Hernandez 2024); 6-Monats-Studie BRAVO (337 Pers.): LDL −7,72 mg/dl gegenüber Placebo

Berberin senkt das LDL-Cholesterin: Sechs Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Senkung, die Auswertung nur der Placebo-Studien um knapp 0,5 mmol/l. Die größte Placebo-Einzelstudie über sechs Monate maß eine kleinere, aber gesicherte Senkung um knapp 8 mg/dl. Die meisten Studien stammen aus China; ob Berberin Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert, wurde nicht untersucht. 59, 13, 60, 61, 14, 62, 8, 63

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (6 Meta-Analysen einig, größte mit 25 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Triglyceride (Blutfette) senkengut belegt18 Placebo-Studien, 1.661 Pers. (Blais 2023)Triglyceride −0,34 mmol/l

Erwachsene mit erhöhten Blutfetten, Diabetes oder metabolischem Syndrom

Ergebnisse: Triglyceride −0,34 mmol/l (−0,46 bis −0,23) (Blais 2023, nur Placebo); −0,367 mmol/l bei metabolischem Syndrom (Liu 2025, nur Placebo); −0,28 mmol/l (Ju 2018); −0,50 mmol/l (Dong 2013); in einzelnen Placebo-Studien (84 Männer aus Hongkong; BRAVO, 337 Pers.) kein gesicherter Unterschied

Berberin senkt die Triglyceride: Fünf Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Senkung um etwa 0,3 bis 0,5 mmol/l, die Auswertung von 18 Placebo-Studien um 0,34 mmol/l. Einzelne Placebo-Studien, darunter die große BRAVO-Studie, sahen keinen gesicherten Unterschied. Ob das Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert, wurde nicht untersucht. 13, 7, 60, 61, 63

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (5 Meta-Analysen einig, größte mit 18 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Entzündungswerte (CRP) im Blut senkengut belegt12 Studien (Asbaghi 2020, Gesamtzahl über mehrere Messwerte); 5 Studien zum CRP (Beba 2019)CRP −0,64 mg/l

Erwachsene mit metabolischem Syndrom, Diabetes, Fettleber oder Herz-Kreislauf-Erkrankung; CRP ist ein Laborwert ohne nachgewiesenen eigenen klinischen Nutzen

Ergebnisse: CRP −0,64 mg/l (−0,67 bis −0,61) (Beba 2019); CRP −1,33 mg/l, IL-6 −1,18 pg/ml (Vahedi-Mazdabadi 2023, Berberin und Berberitze gemischt); CRP SMD −1,54 (Lu 2022, überwiegend offene Zusatzstudien); kein CRP-Effekt in einer Auswertung sehr niedriger Qualität (Zamani 2022); BRAVO (337 Pers.): hs-CRP −0,072 mg/dl gegenüber Placebo

Berberin senkt den Entzündungswert CRP im Blut: Zwei Meta-Analysen fanden das übereinstimmend, weitere Auswertungen und die große BRAVO-Studie zeigen in dieselbe Richtung. Die Einzelstudien sind aber oft klein und offen, und die Senkung in der Placebo-Studie war gering. CRP ist ein Laborwert; ob die Senkung vor Krankheiten schützt, wurde nicht untersucht. 20, 84, 85, 24, 8

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (2 Meta-Analysen einig, größte mit 12 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Cholesterin mit Kombipräparaten aus Berberin und Rotschimmelreis senken (Kombination)gut belegt12 verblindete Studien, 1.050 Pers. (Cicero 2021); 14 Studien, 3.159 Pers. (Pirro 2016)LDL −26,67 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,07 mg/dl, Triglyceride −11,47 mg/dl, hs-CRP …

Kombinationspräparate mit Berberin, Rotschimmelreis (Monacolin K) und meist Policosanol; die Wirkung ist nicht Berberin zuzuordnen, da Monacolin K chemisch dem Cholesterinsenker Lovastatin entspricht

Ergebnisse: LDL −26,67 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,07 mg/dl, Triglyceride −11,47 mg/dl, hs-CRP −0,61 mg/l (Cicero 2021); Berberin plus Rotschimmelreis LDL −18,79 mg/dl (−28,03 bis −9,54) (Hernandez 2024)

Kombinationspräparate aus Berberin, Rotschimmelreis und Policosanol senken das LDL-Cholesterin, in zwölf verblindeten Studien um gut 26 mg/dl. Diese Wirkung lässt sich aber nicht Berberin zuschreiben: Rotschimmelreis enthält Monacolin K, das chemisch mit dem Statin Lovastatin identisch ist, und welcher Anteil auf Berberin entfällt, hat keine Studie geprüft. Die Auswertungen betreffen im Wesentlichen ein einziges Kombinationspräparat, mehrere Autoren beraten den Hersteller. 15, 14, 64, 65

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (3 Meta-Analysen einig, größte mit 14 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Ausführlich im Artikel →
Beschwerden beim Reizdarm mit Durchfall (RDS-D) lindernunklarerste Hinweise1 Placebo-RCT, 132 Pers. (Chen 2015); 19 Kombinationsstudien, 1.489 Pers. (Liu 2026)Durchfall-, Bauchschmerz- und Stuhldrang-Häufigkeit stärker gesenkt als unter Placebo, …

Erwachsene mit Reizdarmsyndrom vom Durchfall-Typ; eine Placebo-Studie, sonst Kombinationen mit Darm-Hirn-Medikamenten

Ergebnisse: Durchfall- (p = 0,032), Bauchschmerz- und Stuhldrang-Häufigkeit stärker gesenkt als unter Placebo, 400 mg/Tag über 8 Wochen (Chen 2015); Berberin plus Darm-Hirn-Medikament gegen Medikament allein: Ansprechen OR 4,19 (3,13 bis 5,61), Symptomscore SMD −3,47 (Liu 2026, Evidenz unzureichend)

Eine Placebo-Studie mit 132 Patienten fand unter Berberin seltener Durchfall, Bauchschmerzen und Stuhldrang. Daneben gibt es viele kleine chinesische Studien, in denen Berberin zusätzlich zu anderen Reizdarm-Mitteln gegeben wurde; die Autoren der Meta-Analyse halten deren Beweiskraft selbst für unzureichend. Das sind erste Hinweise, unabhängige Bestätigungsstudien fehlen. 29, 81

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Männliche Hormone (Testosteron) und Insulinresistenz bei PCOS senkenunklar8 Studien, 577 Frauen (Xie 2019, ohne Integritätsprüfung); Integritätsprüfung: alle 4 prüfbaren Studien, 452 Frauen, ausgeschlossen (Perera 2026)Gesamttestosteron MD −0,34 gegen Placebo bzw

Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS); Vergleich gegen Placebo oder keine Behandlung; eine Integritätsprüfung schloss alle prüfbaren Placebo-Studien aus

Ergebnisse: Gesamttestosteron MD −0,34 (−0,47 bis −0,20) gegen Placebo bzw. keine Behandlung, LH/FSH-Quotient −0,44 (Xie 2019); offene Zusatzstudien: Testosteron SMD −0,70 (Ha 2024); alle 4 auf Vertrauenswürdigkeit geprüften RCTs (452 Frauen) mit hohem Risiko für fehlende Datenintegrität, keine Auswertung möglich (Perera 2026)

Ältere Meta-Analysen berichteten, dass Berberin bei PCOS das Testosteron senkt, gestützt auf acht Studien mit 577 Frauen. Eine Übersicht von 2026 prüfte die Studien gezielt auf Vertrauenswürdigkeit und schloss alle vier prüfbaren Studien mit 452 Frauen aus, unter anderem wegen fehlender Registrierung und möglicher Datendopplung; eine Berechnung war danach nicht mehr möglich. Welche Studien betroffen sind, ist öffentlich nicht einsehbar, daher lassen sich derzeit keine verlässlichen Schlüsse ziehen. 35, 34, 73, 74, 75, 37

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
gut belegtwahrscheinlichunklarspricht dagegennicht untersuchtSo bewerten wir
Alle 30 untersuchten Wirkungen ansehennach Bereichen geordnet, mit Studien und Begründung der Stufe

Hier steht jede Wirkung, die bei Berberin in kontrollierten Studien am Menschen untersucht wurde. Jede Stufe entsteht nach festen Regeln aus zwei unabhängigen Recherchen derselben Studien; weichen sie voneinander ab, gilt die vorsichtigere Stufe. Studien mit Infusionen im Krankenhaus sind gekennzeichnet, denn sie sagen nichts darüber, was eine Tablette bewirkt.

30 untersuchte Wirkungen in 3 Bereichen · Bereich öffnen zum Anzeigen

Blutzucker & Insulin 7

1 gut belegt · 4 unklar · 1 spricht dagegen · 1 nicht untersucht
Langzeitblutzucker (HbA1c) bei Typ-2-Diabetes senkengut belegt31 Studien, 2.683 Pers. (Xie 2022, Placebo- und offene Zusatzstudien); nur Placebo: 7 Studien, 756 Pers. (Zhao 2023)HbA1c −0,63 Prozentpunkte

Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, Berberin allein gegen Placebo bzw. Lebensstil; meist 0,9 bis 1,5 g/Tag über 1 bis 3 Monate; fast alle Studien aus China

Ergebnisse: HbA1c −0,63 Prozentpunkte (−0,72 bis −0,53) (Xie 2022, alle Kontrollen); gegen Placebo −4,48 mmol/mol (−6,53 bis −2,44) (Zhao 2023); −0,54 (−0,93 bis −0,15) in 28 Studien, Wirkung nach mehr als 90 Tagen, über 2 g/Tag und ab 60 Jahren nicht mehr gesichert (Liang 2019); größte Placebo-Studie (PREMOTE, 409 Pers.): −0,99 vs. −0,59 Prozentpunkte unter Placebo

Berberin senkt den Langzeitblutzucker HbA1c bei Typ-2-Diabetes: Mehrere Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Senkung um etwa einen halben Prozentpunkt, auch die Auswertung nur der Placebo-Studien. Die größte Placebo-Einzelstudie mit gut 400 neu diagnostizierten Patienten aus 20 chinesischen Kliniken bestätigte den Vorteil. Fast alle Studien stammen aus China und dauerten nur wenige Monate; ob Berberin Folgeschäden des Diabetes verhindert, wurde nicht untersucht. 4, 5, 11, 49, 48, 10, 6, 9, 50

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (4 Meta-Analysen einig, größte mit 31 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Nüchternblutzucker bei Vorstufe oder metabolischem Syndrom senkenunklarwidersprüchlich6 Placebo-Studien, 578 Pers. (Liu 2025, Nüchternzucker); genauerer Wert HbA1c: 2 Placebo-Studien, 337 und 148 Pers., ohne Unterschied (BRAVO 2026, Ming 2021)Nüchternzucker −0,515 mmol/l

Erwachsene mit metabolischem Syndrom, erhöhten Blutfetten oder Prädiabetes (ohne behandelten Diabetes)

Ergebnisse: Nüchternzucker −0,515 mmol/l (−0,847 bis −0,183) (Liu 2025, nur Placebo-Studien); HbA1c ohne Unterschied zu Placebo nach 6 Monaten (BRAVO, 337 Pers.) und −0,06 Prozentpunkte (−0,21 bis 0,10) (Ming 2021); Prädiabetes-Pilotstudie (34 Pers.) mit HbA1c-Senkung gegenüber Placebo (Panigrahi 2023)

Beim Nüchternblutzucker zeigen sechs kleine Placebo-Studien bei metabolischem Syndrom eine Senkung um etwa 0,5 mmol/l. Beim genaueren Langzeitwert HbA1c fand aber die größte Placebo-Studie mit 337 Menschen ohne Diabetes nach sechs Monaten keinen Unterschied, eine zweite mit 148 Teilnehmenden ebenfalls nicht; nur eine Pilotstudie mit 34 Personen sah einen Vorteil. Ob Berberin den Übergang in einen Diabetes verhindert, wurde nicht untersucht. 7, 47, 51, 8, 52

Warum diese Stufe? Die maßgebliche Meta-Analyse ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. (maßgebliche Meta-Analyse (Liu et al. 2025, 6 Studien) positiv)
  • genauerer Messwert widerspricht (Lei et al. 2026 (BRAVO))
Unsere Regeln
Insulinresistenz (HOMA-IR) verringernunklarwidersprüchlich12 Placebo-Studien, 1.065 Pers. (Zhao 2023, HOMA-IR); genauerer Wert (Clamp): 1 Placebo-Studie, 116 Pers., ohne gesicherten Unterschied (Zhang 2008)HOMA-IR −0,85, Nüchterninsulin −2,36 mU/l

Erwachsene mit und ohne Diabetes, Placebo-Studien; Insulinresistenz ist ein Laborwert, kein klinischer Endpunkt

Ergebnisse: HOMA-IR −0,85 (−1,16 bis −0,53), Nüchterninsulin −2,36 mU/l (11 Studien, 966 Pers.) (Zhao 2023, nur Placebo); Umbrella-Review: HOMA-IR −1,04 (−1,66 bis −0,42) (Nazari 2024); mit Insulin-Clamp gemessen in einer Placebo-Studie kein gesicherter Unterschied (Zhang 2008, p = 0,063)

Den aus Nüchternzucker und Insulin errechneten Index HOMA-IR verringerte Berberin in zwölf Placebo-Studien deutlich. Mit der genaueren Clamp-Messung, die die Insulinwirkung direkt bestimmt, fand die einzige Placebo-Studie dazu aber keinen gesicherten Unterschied zu Placebo. Weil der genauere Messwert nicht mitzieht, bleibt die Wirkung offen; die Studien stammen fast alle aus China und sind klein. 5, 53, 9

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (3 Meta-Analysen einig, größte mit 12 Studien, keine große widerspricht)
  • genauerer Messwert widerspricht (Zhang et al. 2008)
Unsere Regeln
Blutzucker zusätzlich zu Diabetes-Medikamenten wie Metformin senken (Zusatz)unklarwidersprüchlich25 Studien (Wang 2024, Personenzahl im Abstract nicht genannt), fast alle offen ohne PlaceboKombination gegen Medikament allein: HbA1c −0,69 %, Nüchternzucker −0,99 mmol/l

Typ-2-Diabetes; Berberin zusätzlich zu Metformin, Sulfonylharnstoff, Glitazon oder Insulin gegen das Medikament allein; Zusatzstudien, fast alle offen und ohne Placebo

Ergebnisse: Kombination gegen Medikament allein: HbA1c −0,69 %, Nüchternzucker −0,99 mmol/l (Wang 2024); Berberin plus Tabletten besser als Tabletten allein (Dong 2012, Lan 2015, Liang 2019)

Kam Berberin zu einem Diabetes-Medikament wie Metformin hinzu, sanken Langzeit- und Nüchternblutzucker stärker als mit dem Medikament allein, im Mittel um etwa 0,7 Prozentpunkte HbA1c. Diese Zusatzstudien waren aber fast alle offen, ohne Scheinpräparat und aus China; ein Placebo-Effekt lässt sich so nicht abgrenzen, deshalb bleibt der Nutzen offen. Weil sich die blutzuckersenkenden Wirkungen addieren können, gehört eine solche Ergänzung in ärztliche Begleitung. 11, 10, 54, 48

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (2 Meta-Analysen einig, größte mit 25 Studien, keine große widerspricht)
  • positive Studien nur ohne Placebo (offene Studien)
Unsere Regeln
Ausführlich im Artikel →
Blutzucker mit dem Arzneistoff Berberin-Ursodeoxycholat senkenunklarerste Hinweise4 Placebo-RCTs, 1.169 Pers. (Ji 2026, Ji 2026, Ji 2025, Harrison 2021), alle vom Hersteller getragenHbA1c gegenüber Placebo −0,7 Prozentpunkte nach 24 Wochen

Arzneimittel-Studien mit dem Prüfpräparat HTD1801, einem Salz aus Berberin und Ursodeoxycholsäure; Typ-2-Diabetes bzw. Fettleber mit Diabetes; alle Studien vom Hersteller getragen; kein Nahrungsergänzungsmittel, nicht frei erhältlich

Ergebnisse: HbA1c gegenüber Placebo −0,7 Prozentpunkte nach 24 Wochen (SYMPHONY-1, 407 Pers.); zusätzlich zu Metformin −0,5 Prozentpunkte (Ji 2026, 549 Pers.); −0,4 bzw. −0,7 Prozentpunkte je nach Dosis (Ji 2025, 113 Pers.); Leberfett −4,8 vs. −2,0 Prozentpunkte (p = 0,011) (Harrison 2021)

Berberin-Ursodeoxycholat ist ein Arzneistoff in der Entwicklung, kein Nahrungsergänzungsmittel. In vier Placebo-Studien mit zusammen gut 1.100 Menschen mit Typ-2-Diabetes senkte er den HbA1c um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte stärker als Placebo, auch zusätzlich zu Metformin. Alle Studien wurden vom Hersteller getragen und eine unabhängige Bestätigung fehlt; über Berberin-Kapseln sagen sie nichts aus. 12, 55, 56, 57

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Ausführlich im Artikel →
Blutzucker so gut senken wie Metformin oder andere Tabletten (Vergleich)spricht dagegen6 Vergleichsstudien, 414 Pers. (Dong 2012)HbA1c gegenüber Tabletten gegen Diabetes −0,11 Prozentpunkte, nicht signifikant

Typ-2-Diabetes, Berberin allein gegen Metformin, Glipizid oder Rosiglitazon; Vergleichsstudien, meist klein und offen

Ergebnisse: HbA1c gegenüber Tabletten gegen Diabetes −0,11 Prozentpunkte, nicht signifikant (p = 0,28) (Dong 2012); gegen Metformin 0,05 Prozentpunkte, gegen Glitazone −0,24 Prozentpunkte, beides nicht signifikant (Wang 2024)

In Vergleichsstudien senkte Berberin den Langzeitblutzucker weder besser noch schlechter als Metformin oder andere Tabletten gegen Diabetes: kein Unterschied. Die Studien sind klein und meist offen, eine Gleichwertigkeit ist damit nicht bewiesen. Ein Ersatz für ein verordnetes Diabetes-Medikament ist Berberin nach diesen Daten nicht. 10, 54, 11

Warum diese Stufe? Die maßgeblichen Studien finden keinen Unterschied zu Placebo. (maßgebliche Meta-Analyse (Dong et al. 2012, 6 Studien) ohne Effekt)Unsere Regeln
Nieren bei Diabetes schützen (Eiweiß im Urin)nicht untersuchtkeine Placebo-Studie; 1 offene RCT, 114 Pers. (Li 2018)Albumin/Kreatinin-Quotient im Urin 47 vs

Typ-2-Diabetes, Berberin 1,2 g/Tag zusätzlich zu Diabetes-Medikamenten gegen Medikamente allein, offen, ohne Placebo; Tierstudien-Meta-Analysen hier nicht gezählt

Ergebnisse: Albumin/Kreatinin-Quotient im Urin 47 vs. 68 mg/g (p = 0,039), Cystatin C 0,83 vs. 0,96 mg/l (p = 0,041) gegenüber Kontrolle nach 6 Monaten

Mit Placebo-Kontrolle ist der Nierenschutz bei Diabetes nicht untersucht. Nur eine offene Studie aus Shanghai mit 114 Typ-2-Diabetikern fand mit Berberin zusätzlich zur Diabetes-Behandlung nach sechs Monaten weniger Eiweiß im Urin als ohne. Harte Endpunkte wie Nierenversagen oder Dialyse wurden nicht erfasst. 58

Warum diese Stufe? Keine placebokontrollierte Studie am Menschen. (keine placebokontrollierte Studie am Menschen)Unsere Regeln

Gewicht, Blutfette & Leber 8

4 gut belegt · 1 wahrscheinlich · 3 unklar
LDL-Cholesterin senkengut belegt25 Studien, 3.042 Pers. (Zhao 2020); nur Placebo: 14 Studien, 1.447 Pers. (Blais 2023)LDL −0,46 mmol/l, Gesamtcholesterin −0,48 mmol/l, Apolipoprotein B gesenkt, HDL +0,06 …

Erwachsene, meist mit erhöhten Blutfetten, Typ-2-Diabetes oder metabolischem Syndrom; 0,9 bis 1,5 g/Tag über 4 bis 24 Wochen; 15 von 18 Placebo-Studien aus China und Hongkong

Ergebnisse: LDL −0,46 mmol/l (−0,62 bis −0,30), Gesamtcholesterin −0,48 mmol/l, Apolipoprotein B gesenkt, HDL +0,06 mmol/l (0,00 bis 0,11; bei Frauen +0,11, bei Männern −0,07) (Blais 2023, nur Placebo); −0,38 mmol/l in 16 Studien (Ju 2018); Berberin allein in einer weiteren Meta-Analyse LDL −9,26 mg/dl (−20,31 bis 1,78), nicht signifikant (Hernandez 2024); 6-Monats-Studie BRAVO (337 Pers.): LDL −7,72 mg/dl gegenüber Placebo

Berberin senkt das LDL-Cholesterin: Sechs Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Senkung, die Auswertung nur der Placebo-Studien um knapp 0,5 mmol/l. Die größte Placebo-Einzelstudie über sechs Monate maß eine kleinere, aber gesicherte Senkung um knapp 8 mg/dl. Die meisten Studien stammen aus China; ob Berberin Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert, wurde nicht untersucht. 59, 13, 60, 61, 14, 62, 8, 63

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (6 Meta-Analysen einig, größte mit 25 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Triglyceride (Blutfette) senkengut belegt18 Placebo-Studien, 1.661 Pers. (Blais 2023)Triglyceride −0,34 mmol/l

Erwachsene mit erhöhten Blutfetten, Diabetes oder metabolischem Syndrom

Ergebnisse: Triglyceride −0,34 mmol/l (−0,46 bis −0,23) (Blais 2023, nur Placebo); −0,367 mmol/l bei metabolischem Syndrom (Liu 2025, nur Placebo); −0,28 mmol/l (Ju 2018); −0,50 mmol/l (Dong 2013); in einzelnen Placebo-Studien (84 Männer aus Hongkong; BRAVO, 337 Pers.) kein gesicherter Unterschied

Berberin senkt die Triglyceride: Fünf Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Senkung um etwa 0,3 bis 0,5 mmol/l, die Auswertung von 18 Placebo-Studien um 0,34 mmol/l. Einzelne Placebo-Studien, darunter die große BRAVO-Studie, sahen keinen gesicherten Unterschied. Ob das Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert, wurde nicht untersucht. 13, 7, 60, 61, 63

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (5 Meta-Analysen einig, größte mit 18 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Cholesterin mit Kombipräparaten aus Berberin und Rotschimmelreis senken (Kombination)gut belegt12 verblindete Studien, 1.050 Pers. (Cicero 2021); 14 Studien, 3.159 Pers. (Pirro 2016)LDL −26,67 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,07 mg/dl, Triglyceride −11,47 mg/dl, hs-CRP …

Kombinationspräparate mit Berberin, Rotschimmelreis (Monacolin K) und meist Policosanol; die Wirkung ist nicht Berberin zuzuordnen, da Monacolin K chemisch dem Cholesterinsenker Lovastatin entspricht

Ergebnisse: LDL −26,67 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,07 mg/dl, Triglyceride −11,47 mg/dl, hs-CRP −0,61 mg/l (Cicero 2021); Berberin plus Rotschimmelreis LDL −18,79 mg/dl (−28,03 bis −9,54) (Hernandez 2024)

Kombinationspräparate aus Berberin, Rotschimmelreis und Policosanol senken das LDL-Cholesterin, in zwölf verblindeten Studien um gut 26 mg/dl. Diese Wirkung lässt sich aber nicht Berberin zuschreiben: Rotschimmelreis enthält Monacolin K, das chemisch mit dem Statin Lovastatin identisch ist, und welcher Anteil auf Berberin entfällt, hat keine Studie geprüft. Die Auswertungen betreffen im Wesentlichen ein einziges Kombinationspräparat, mehrere Autoren beraten den Hersteller. 15, 14, 64, 65

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (3 Meta-Analysen einig, größte mit 14 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Ausführlich im Artikel →
Körpergewicht und Taillenumfang verringerngut belegt23 Studien (Elahi Vahed 2026, Personenzahl im Abstract nicht genannt); nur Placebo: 8 Studien, 684 Pers. (Liu 2025, BMI)Gewicht −0,88 kg, BMI −0,48 kg/m², Taillenumfang −1,32, Taille-Hüft-Verhältnis unverändert

Erwachsene mit Übergewicht, Diabetes, Fettleber, PCOS oder metabolischem Syndrom; Kontrollen gemischt

Ergebnisse: Gewicht −0,88 kg (−1,36 bis −0,39), BMI −0,48 kg/m², Taillenumfang −1,32, Taille-Hüft-Verhältnis unverändert (Elahi Vahed 2026); Gewicht −0,11 kg (−0,99 bis 0,76), nicht signifikant, in 10 Studien (Xiong 2020); −2,07 kg in 12 Studien (Asbaghi 2020); Taillenumfang −3,27 cm in 12 Placebo-Studien (Liu 2025); BRAVO (337 Pers., 6 Monate): Bauchfett im CT unverändert (+1,4 %; −2,4 bis 5,2)

Dass Berberin das Körpergewicht etwas senkt, ist gut belegt: Drei Meta-Analysen fanden übereinstimmend eine Abnahme, die neueste und größte mit 23 Studien von knapp einem Kilogramm gegenüber den Kontrollgruppen. Das ist ein kleiner Effekt, den man auf der Waage kaum bemerkt. In der bisher größten Placebo-Studie über sechs Monate mit 337 Menschen mit Adipositas und Fettleber nahm das Bauchfett unter Berberin nicht ab. 18, 19, 20, 7, 8

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (3 Meta-Analysen einig, größte mit 23 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Blutfette und Blutzucker mit Berberin plus Mariendistel verbessern (Kombination)wahrscheinlich5 Placebo-Studien, 497 Pers. (Fogacci 2019)LDL −29,1 mg/dl, Triglyceride −28 mg/dl, Nüchternzucker −7,5 mg/dl

Kombination aus Berberitzen-Extrakt (Berberis aristata) und Mariendistel-Extrakt (Silymarin), Erwachsene mit erhöhten Blutfetten oder Diabetes

Ergebnisse: LDL −29,1 mg/dl (−39,7 bis −18,6), Triglyceride −28 mg/dl, Nüchternzucker −7,5 mg/dl (Fogacci 2019); Leberwerte ALT −0,39 und AST −0,44, nicht signifikant (Mohtashaminia 2022, 5 Studien, 549 Pers.)

In fünf doppelblinden Placebo-Studien mit knapp 500 Teilnehmenden senkte die Kombination aus Berberitzen-Extrakt und Mariendistel LDL-Cholesterin, Triglyceride und Nüchternzucker. Geprüft wurde nur das Kombinationspräparat; welchen Anteil Berberin daran hat, lässt sich nicht sagen. Die Leberwerte veränderten sich in einer zweiten Auswertung nicht. 16, 66

Warum diese Stufe? Die maßgebliche Meta-Analyse ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. (maßgebliche Meta-Analyse (Fogacci et al. 2019, 5 Studien) positiv)Unsere Regeln
Ausführlich im Artikel →
Fettleber (MASLD/NAFLD) bessern: Leberfett und Leberwerteunklarwidersprüchlich8 Studien, 720 Pers. (Nie 2024, Leberwert ALT); genauerer Wert Leberfett: größte Placebo-Studie, 337 Pers., ohne Unterschied (BRAVO 2026)Leberfett im CT +0,9 Prozentpunkte, kein Unterschied zu Placebo nach 6 Monaten

Erwachsene mit nicht-alkoholischer bzw. stoffwechselbedingter Fettleber; Leberfett per Bildgebung zählt vor Leberwerten

Ergebnisse: Leberfett im CT +0,9 Prozentpunkte (−0,4 bis 2,1), kein Unterschied zu Placebo nach 6 Monaten (Lei 2026); offene Studie mit Lebensstil (184 Pers.): Leberfett −52,7 vs. −36,4 % (p = 0,008) (Yan 2015); Leberwerte ALT SMD −0,72, AST −0,79, GGT −0,62 (Nie 2024); Placebo-Studie mit 70 Pers.: ALT gesenkt (p = 0,0105) (Koperska 2024)

Meta-Analysen kleiner, meist offener chinesischer Studien fanden bei Fettleber niedrigere Leberwerte unter Berberin. Das Leberfett selbst, der genauere Messwert, sank nur in einer offenen Studie mit Lebensstilprogramm stärker als ohne Berberin. Die bisher größte verblindete Placebo-Studie mit 337 Teilnehmenden fand nach sechs Monaten keinen Rückgang des Leberfetts; die Belege sind widersprüchlich. 8, 22, 67, 23, 68, 69

Warum diese Stufe? Die maßgebliche Meta-Analyse ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. (maßgebliche Meta-Analyse (Nie et al. 2024, 8 Studien) positiv)
  • genauerer Messwert widerspricht (Lei et al. 2026 (BRAVO))
Unsere Regeln
Blutdruck senkenunklar3 Placebo-Studien, 214 Pers. (Liu 2025, systolischer Blutdruck)systolischer und diastolischer Blutdruck nicht signifikant verändert

Erwachsene mit metabolischem Syndrom, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Risiko

Ergebnisse: systolischer und diastolischer Blutdruck nicht signifikant verändert (Liu 2025, nur Placebo-Studien); systolisch −5,46 mmHg (−8,17 bis −2,76) in einer Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse mit gemischten Kontrollen (Zamani 2022); systematischer Review: Daten zu heterogen für eine Meta-Analyse, Evidenz unzureichend (Suadoni 2021); Placebo-Studie mit 84 Männern: kein Unterschied

Ob Berberin den Blutdruck senkt, ist offen. Die Auswertung nur der Placebo-Studien bei metabolischem Syndrom fand keine Wirkung, eine Meta-Analyse mit gemischten Kontrollgruppen und Berberitzen-Präparaten dagegen eine Senkung um gut 5 mmHg systolisch. Ein systematischer Review hielt die Studienlage für zu uneinheitlich und von zu geringer Qualität für eine Aussage. 7, 17, 70, 63

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Gewichtszunahme und Stoffwechselstörung durch Antipsychotika bremsenunklarerste Hinweise2 Placebo-Studien zum Gewicht, 3 Studien, 233 Pers., zum BMI (Xie 2026)Gewicht SMD −0,56, BMI SMD −0,51, Taillenumfang SMD −0,31, Triglyceride −0,31

Erwachsene mit Schizophrenie unter Antipsychotika, Berberin zusätzlich, Placebo-kontrolliert

Ergebnisse: Gewicht SMD −0,56 (2 Studien), BMI SMD −0,51 (3 Studien), Taillenumfang SMD −0,31, Triglyceride −0,31; LDL, HDL, HbA1c, Blutdruck nicht signifikant (Xie 2026); größte Einzelstudie (113 Pers.): Gewicht −1,08 kg (−1,76 bis −0,40) gegenüber Placebo (Chan 2022); in einer zweiten Meta-Analyse senkte Berberin den systolischen Blutdruck, nicht das Gewicht (Di Francesco 2026)

Bei Menschen, die unter Antipsychotika ein metabolisches Syndrom entwickelt hatten, verbesserte zusätzliches Berberin in zwei bis drei kleinen Placebo-Studien Gewicht, BMI und einige Blutfette leicht. Die größte Studie mit 113 Teilnehmenden fand nach zwölf Wochen gut ein Kilogramm weniger Gewicht als unter Placebo. Das sind erste Hinweise; eine zweite Meta-Analyse sah vor allem einen Effekt auf den Blutdruck. 71, 21, 72

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln

Darm, Hormone (PCOS) & Sonstiges 15

1 gut belegt · 14 unklar
Entzündungswerte (CRP) im Blut senkengut belegt12 Studien (Asbaghi 2020, Gesamtzahl über mehrere Messwerte); 5 Studien zum CRP (Beba 2019)CRP −0,64 mg/l

Erwachsene mit metabolischem Syndrom, Diabetes, Fettleber oder Herz-Kreislauf-Erkrankung; CRP ist ein Laborwert ohne nachgewiesenen eigenen klinischen Nutzen

Ergebnisse: CRP −0,64 mg/l (−0,67 bis −0,61) (Beba 2019); CRP −1,33 mg/l, IL-6 −1,18 pg/ml (Vahedi-Mazdabadi 2023, Berberin und Berberitze gemischt); CRP SMD −1,54 (Lu 2022, überwiegend offene Zusatzstudien); kein CRP-Effekt in einer Auswertung sehr niedriger Qualität (Zamani 2022); BRAVO (337 Pers.): hs-CRP −0,072 mg/dl gegenüber Placebo

Berberin senkt den Entzündungswert CRP im Blut: Zwei Meta-Analysen fanden das übereinstimmend, weitere Auswertungen und die große BRAVO-Studie zeigen in dieselbe Richtung. Die Einzelstudien sind aber oft klein und offen, und die Senkung in der Placebo-Studie war gering. CRP ist ein Laborwert; ob die Senkung vor Krankheiten schützt, wurde nicht untersucht. 20, 84, 85, 24, 8

Warum diese Stufe? Mindestens zwei Meta-Analysen kommen zum selben Ergebnis, keine große widerspricht. (2 Meta-Analysen einig, größte mit 12 Studien, keine große widerspricht)Unsere Regeln
Männliche Hormone (Testosteron) und Insulinresistenz bei PCOS senkenunklar8 Studien, 577 Frauen (Xie 2019, ohne Integritätsprüfung); Integritätsprüfung: alle 4 prüfbaren Studien, 452 Frauen, ausgeschlossen (Perera 2026)Gesamttestosteron MD −0,34 gegen Placebo bzw

Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS); Vergleich gegen Placebo oder keine Behandlung; eine Integritätsprüfung schloss alle prüfbaren Placebo-Studien aus

Ergebnisse: Gesamttestosteron MD −0,34 (−0,47 bis −0,20) gegen Placebo bzw. keine Behandlung, LH/FSH-Quotient −0,44 (Xie 2019); offene Zusatzstudien: Testosteron SMD −0,70 (Ha 2024); alle 4 auf Vertrauenswürdigkeit geprüften RCTs (452 Frauen) mit hohem Risiko für fehlende Datenintegrität, keine Auswertung möglich (Perera 2026)

Ältere Meta-Analysen berichteten, dass Berberin bei PCOS das Testosteron senkt, gestützt auf acht Studien mit 577 Frauen. Eine Übersicht von 2026 prüfte die Studien gezielt auf Vertrauenswürdigkeit und schloss alle vier prüfbaren Studien mit 452 Frauen aus, unter anderem wegen fehlender Registrierung und möglicher Datendopplung; eine Berechnung war danach nicht mehr möglich. Welche Studien betroffen sind, ist öffentlich nicht einsehbar, daher lassen sich derzeit keine verlässlichen Schlüsse ziehen. 35, 34, 73, 74, 75, 37

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Schwangerschafts- und Geburtenrate bei PCOS mit Kinderwunsch erhöhenunklar1 Placebo-RCT, 644 Frauen (Wu 2016)Lebendgeburten Letrozol plus Placebo 36 %, Letrozol plus Berberin 34 %, Berberin allein …

Frauen mit PCOS und unerfülltem Kinderwunsch; Berberin allein, zusätzlich zu Letrozol/Clomifen bzw. vor künstlicher Befruchtung

Ergebnisse: Lebendgeburten Letrozol plus Placebo 36 %, Letrozol plus Berberin 34 %, Berberin allein 22 % (Wu 2016); Berberin zusätzlich zu Standardmedikamenten: klinische Schwangerschaft RR 1,96 (1,59 bis 2,41), Eisprung RR 1,41, Lebendgeburten nicht berichtet (Ha 2024, offen); Lebendgeburten niedriger als mit Letrozol RR 0,61 (Xie 2019)

In der größten Studie mit 644 Frauen mit PCOS brachte Berberin zusätzlich zu Letrozol keine zusätzlichen Geburten; allein war es Letrozol klar unterlegen. Offene Zusatzstudien fanden zwar mehr Schwangerschaften, berichten aber keine Geburten. Eine kleinere Placebo-Studie vor künstlicher Befruchtung mit mehr Lebendgeburten wird hier nicht gewertet, weil sie vermutlich zu den Studien gehört, die eine Integritätsprüfung von 2026 als nicht vertrauenswürdig einstufte. 36, 37, 34, 76

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Neue Darmpolypen (Adenome) nach Entfernung verhindernunklarerste Hinweise3 Studien, 1.076 Pers. (Fang 2022); größte Studie 1.108 Pers. (Chen 2020)Wiederauftreten 36 % vs

Erwachsene 18 bis 75 Jahre nach vollständiger Entfernung von 1 bis 6 Adenomen, 0,3 g Berberin 2×/Tag, 7 Kliniken in China

Ergebnisse: Wiederauftreten 36 % vs. 47 % unter Placebo, RR 0,77 (0,66 bis 0,91) (Chen 2020); nach 1 Jahr RR 0,69 (0,57 bis 0,84), nach 2 Jahren RR 0,75 (0,64 bis 0,88) (Fang 2022); Nachbeobachtung 6 Jahre: 34,7 % vs. 52,1 % (Tan 2025, retrospektiv)

In einer großen doppelblinden Studie mit über 1.100 Teilnehmenden aus China traten nach der Entfernung von Darmpolypen unter Berberin seltener neue Adenome auf als unter Placebo, 36 statt 47 Prozent. Eine Nachbeobachtung sah den Unterschied noch Jahre nach Ende der Einnahme. Das sind erste Hinweise: Eine unabhängige Wiederholung außerhalb Chinas fehlt, und ob Berberin Darmkrebs verhindert, ist offen. 28, 77, 78

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Akuten infektiösen Durchfall verkürzenunklar1 Placebo-RCT, 400 Pers., ohne Nutzen (Khin-Maung-U 1985); 1 offene RCT, 165 Pers. (Rabbani 1987)Durchfall ohne Cholera: kein Vorteil gegenüber Placebo, Cholera: keine Wirkung auf die …

Kinder und Erwachsene mit akutem Durchfall; bei Kindern meist als Einlauf gegeben, oft zusätzlich zu Antibiotika oder Montmorillonit; ältere Placebo-Studien bei Erwachsenen mit Cholera bzw. E.-coli-Durchfall

Ergebnisse: Durchfall ohne Cholera: kein Vorteil gegenüber Placebo, Cholera: keine Wirkung auf die Stuhlmenge (Khin-Maung-U 1985, 400 Pers.); E.-coli-Durchfall: nach 24 h durchfallfrei 42 % vs. 20 % (Rabbani 1987, 165 Pers., ohne Scheinpräparat); Meta-Analyse mit überwiegend Einläufen und Kombinationen: kürzere Durchfalldauer, Evidenz niedrig (Yu 2020)

Berberin wird in China seit Langem gegen Durchfall eingesetzt. In der einzigen verblindeten Placebo-Studie mit 400 Erwachsenen half es bei Durchfall ohne Cholera nicht und verringerte bei Cholera die Stuhlmenge nicht; eine offene Studie sah bei Durchfall durch bestimmte E.-coli-Bakterien einen Vorteil. Eine Meta-Analyse mit vielen Studien mischt Tabletten, Einläufe bei Kindern und Kombinationen mit anderen Mitteln. Flüssigkeitsersatz bleibt die Grundlage der Behandlung. 30, 79, 80

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Beschwerden beim Reizdarm mit Durchfall (RDS-D) lindernunklarerste Hinweise1 Placebo-RCT, 132 Pers. (Chen 2015); 19 Kombinationsstudien, 1.489 Pers. (Liu 2026)Durchfall-, Bauchschmerz- und Stuhldrang-Häufigkeit stärker gesenkt als unter Placebo, …

Erwachsene mit Reizdarmsyndrom vom Durchfall-Typ; eine Placebo-Studie, sonst Kombinationen mit Darm-Hirn-Medikamenten

Ergebnisse: Durchfall- (p = 0,032), Bauchschmerz- und Stuhldrang-Häufigkeit stärker gesenkt als unter Placebo, 400 mg/Tag über 8 Wochen (Chen 2015); Berberin plus Darm-Hirn-Medikament gegen Medikament allein: Ansprechen OR 4,19 (3,13 bis 5,61), Symptomscore SMD −3,47 (Liu 2026, Evidenz unzureichend)

Eine Placebo-Studie mit 132 Patienten fand unter Berberin seltener Durchfall, Bauchschmerzen und Stuhldrang. Daneben gibt es viele kleine chinesische Studien, in denen Berberin zusätzlich zu anderen Reizdarm-Mitteln gegeben wurde; die Autoren der Meta-Analyse halten deren Beweiskraft selbst für unzureichend. Das sind erste Hinweise, unabhängige Bestätigungsstudien fehlen. 29, 81

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Colitis ulcerosa zusätzlich zu Mesalazin (5-ASA) bessern (Zusatz)unklarwidersprüchlich8 offene Zusatzstudien, 778 Pers. (Li 2024, klinisches Ansprechen)klinisches Ansprechen RR 1,22, Krankheitsaktivität SMD −2,93, Schleimhautbefund SMD −1,72

Erwachsene mit Colitis ulcerosa, Berberin zusätzlich zu Mesalazin (5-ASA) gegen Mesalazin allein; offene Zusatzstudien aus China

Ergebnisse: klinisches Ansprechen RR 1,22 (1,15 bis 1,30), Krankheitsaktivität SMD −2,93, Schleimhautbefund (Baron) SMD −1,72 (Li 2024); Phase-1-Studie (16 Pers.): Gewebeentzündung (Geboes) vermindert, eine Leberwerterhöhung Grad 3 unter Berberin (Xu 2020)

In acht chinesischen Studien sprachen Menschen mit Colitis ulcerosa häufiger auf die Behandlung an, wenn sie zusätzlich zu Mesalazin Berberin bekamen. Die Studien waren aber offen, ohne Scheinpräparat und von begrenzter Qualität, deshalb bleibt der Nutzen offen. Eine kleine Placebo-Sicherheitsstudie fand eine geringere Entzündung im Gewebe, aber auch eine deutliche Leberwerterhöhung bei einem von zwölf Patienten. 31, 82

Warum diese Stufe? Die maßgebliche Meta-Analyse ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. (maßgebliche Meta-Analyse (Li et al. 2024, 8 Studien) positiv)
  • positive Studien nur ohne Placebo (offene Studien)
Unsere Regeln
Helicobacter-pylori-Behandlung zusätzlich zu Antibiotika verbessern (Zusatz)unklarwidersprüchlich13 offene Zusatzstudien, 2.111 Pers. (Hu 2019)Ausrottungsrate RR 1,22, Geschwürheilung RR 1,15, Nebenwirkungen RR 0,65

Erwachsene mit Helicobacter-pylori-Infektion in China, Berberin zusätzlich zur Dreifachtherapie aus Antibiotika und Säureblocker gegen dieselbe Therapie allein; offen, ohne Placebo

Ergebnisse: Ausrottungsrate RR 1,22 (1,16 bis 1,27), Geschwürheilung RR 1,15, Nebenwirkungen RR 0,65 (Hu 2019); Ausrottung RR 1,18 bzw. 1,23 je nach Nachweis, Übelkeit und Durchfall seltener (Jiang 2018)

Kam Berberin zur üblichen Dreifachtherapie aus Antibiotika und Säureblocker hinzu, wurde Helicobacter pylori in 13 chinesischen Studien häufiger beseitigt, und es traten weniger Nebenwirkungen auf. Die Studien waren aber offen und ohne Scheinpräparat, deshalb bleibt der Zusatznutzen offen. Berberin ersetzt die Antibiotika nicht, und die Resistenzlage in China kann anders sein als hierzulande. 32, 83

Warum diese Stufe? Die maßgebliche Meta-Analyse ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. (maßgebliche Meta-Analyse (Hu et al. 2019, 13 Studien) positiv)
  • positive Studien nur ohne Placebo (offene Studien)
Unsere Regeln
Bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) beseitigenunklarkeine Placebo-Studie; 1 Vergleichsstudie gegen Rifaximin (Kongressbeitrag) in einer Netzwerk-Meta-Analyse (Zhang 2025)Berberin mit dem höchsten Rangwert für die Beseitigung bei unkomplizierter SIBO, …

Erwachsene mit SIBO; nur indirekte Vergleiche in einer Netzwerk-Meta-Analyse, Effektzahlen für Berberin im Abstract nicht genannt

Ergebnisse: Berberin mit dem höchsten Rangwert (SUCRA) für die Beseitigung bei unkomplizierter SIBO, gestützt auf einen einzigen Vergleich gegen Rifaximin; Autoren werten das als Hypothese (Zhang 2025)

In einem rechnerischen Vergleich vieler SIBO-Behandlungen landete Berberin auf dem ersten Rang. Dahinter steht aber nur eine einzige Studie, die Berberin mit dem Antibiotikum Rifaximin verglich und bisher nur als Kongressbeitrag vorliegt; die Autoren sehen darin selbst nur eine Hypothese. Placebo-Studien gibt es nicht. 33

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Herzschwäche bessernunklarerste Hinweise1 Placebo-RCT, 156 Pers. (Zeng 2003)Auswurfleistung, Belastbarkeit und Atemnot stärker gebessert

Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und Extrasystolen, Berberin 1,2 bis 2,0 g/Tag zusätzlich zur Standardtherapie, Studie aus China

Ergebnisse: Auswurfleistung, Belastbarkeit und Atemnot stärker gebessert; Todesfälle in der Nachbeobachtung (im Mittel 24 Monate) 7 vs. 13 (p < 0,02) (Zeng 2003)

Eine einzige Placebo-Studie aus dem Jahr 2003 mit 156 Patienten mit Herzschwäche fand unter Berberin zusätzlich zur Standardtherapie eine bessere Pumpleistung, mehr Belastbarkeit und weniger Todesfälle. Das sind erste Hinweise: Die Studie wurde seither nicht wiederholt, und die heutige Herzschwäche-Therapie ist eine andere. Weil Berberin den Herzrhythmus beeinflussen kann, gehört die Einnahme bei Herzschwäche in ärztliche Hand. 25, 86

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Herzstolpern (ventrikuläre Extrasystolen) verringernunklarerste Hinweise3 offene Zusatzstudien, 385 Pers. (Qiao 2023)zusätzlich zu Antiarrhythmika höhere Ansprechrate RR 1,26

Patienten mit ventrikulären Extrasystolen in China, Berberin allein oder zusätzlich gegen Antiarrhythmika

Ergebnisse: zusätzlich zu Antiarrhythmika höhere Ansprechrate RR 1,26 (3 Studien, niedrige Evidenz); Berberin allein gegen Antiarrhythmika kein Unterschied (RR 0,91; 0,77 bis 1,07), weniger Nebenwirkungen (RR 0,38) (Qiao 2023)

In drei kleinen chinesischen Studien sprachen Menschen mit Extrasystolen häufiger an, wenn sie Berberin zusätzlich zu einem Rhythmusmedikament bekamen; allein wirkte Berberin ähnlich wie diese Medikamente. Placebo-Vergleiche gibt es nicht, die Belege sind erste Hinweise. Zugleich gibt es Fallberichte über schwere Rhythmusstörungen unter Berberin (siehe Sicherheit), deshalb gehört die Einnahme bei Herzrhythmusstörungen in ärztliche Hand. 26

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Erholung nach Schlaganfall zusätzlich zur Standardbehandlung verbessern (Zusatz)unklarwidersprüchlich17 offene Zusatzstudien, 1.670 Pers. (Luo 2023)NIHSS-Score, hs-CRP, IL-6 und Halsschlagader-Wanddicke stärker gesenkt als mit …

Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall in China, Berberin zusätzlich zur Standardbehandlung, offen

Ergebnisse: NIHSS-Score, hs-CRP, IL-6 und Halsschlagader-Wanddicke stärker gesenkt als mit Standardbehandlung allein; Zahlen im Abstract nicht genannt (Luo 2023); offene Studie (120 Pers.): Behinderungsgrad nach 90 Tagen niedriger (Li 2016)

Chinesische Studien fanden bei Schlaganfall-Patienten, die zusätzlich Berberin bekamen, niedrigere Entzündungswerte und etwas bessere neurologische Werte, eine Studie auch weniger Behinderung nach drei Monaten. Die Studien waren aber offen und ohne Scheinpräparat, deshalb bleibt der Nutzen offen. Langzeitfolgen wie Behinderung oder Tod wertet keine Meta-Analyse aus. 27, 87, 88

Warum diese Stufe? Die maßgebliche Meta-Analyse ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. (maßgebliche Meta-Analyse (Luo et al. 2023, 17 Studien) positiv)
  • positive Studien nur ohne Placebo (offene Studien)
Unsere Regeln
Antriebsmangel und Denkleistung bei Schizophrenie verbessernunklarerste Hinweise2 Placebo-RCTs, 59 und 106 Pers. (Li 2022, Pu 2023)PANSS-Negativskala stärker verbessert nach 8 Wochen

Erwachsene mit Schizophrenie, Berberin 900 mg/Tag zusätzlich zu Antipsychotika, Placebo-kontrolliert, China

Ergebnisse: PANSS-Negativskala stärker verbessert (F = 18,98; p < 0,001) nach 8 Wochen (Li 2022); SANS sowie Trail-Making-Tests A und B nach 3 Monaten besser als unter Placebo (p < 0,05) (Pu 2023)

Zwei kleine chinesische Placebo-Studien fanden, dass Berberin zusätzlich zu Antipsychotika Antriebsmangel und einige Denkleistungen bei Schizophrenie verbesserte und Entzündungswerte senkte. Das sind erste Hinweise; größere und unabhängige Studien fehlen. 38, 39

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Genesung bei COVID-19 beschleunigenunklar1 Placebo-RCT, 40 Pers. (Omidvar Tehrani 2023)an Tag 3, 7 und 14 kein Unterschied zu Placebo bei Symptomen, CRP, Lymphozyten oder …

Ambulante Erwachsene mit COVID-19 im Iran, 3 × 300 mg/Tag über 2 Wochen zusätzlich zur Standardbehandlung

Ergebnisse: an Tag 3, 7 und 14 kein Unterschied zu Placebo bei Symptomen, CRP, Lymphozyten oder Sauerstoffsättigung

In einer kleinen Pilotstudie mit 40 ambulanten COVID-19-Patienten besserten sich Beschwerden und Laborwerte unter Berberin nicht schneller als unter Placebo. Die Studie ist zu klein, um einen Effekt sicher auszuschließen. 40

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Schmerzhafte Mundgeschwüre (Aphthen) mit Berberin-Gel abheilen lassenauf der Hautunklarerste Hinweise1 Placebo-RCT, 84 Pers. (Jiang 2013)Schmerz, Geschwürgröße, Rötung und Belag stärker zurückgegangen als mit wirkstofffreiem …

Erwachsene mit wiederkehrenden kleinen Aphthen in China, Gel mit 5 mg/g Berberin 4×/Tag über 5 Tage auf die Geschwüre

Ergebnisse: Schmerz, Geschwürgröße, Rötung und Belag stärker zurückgegangen als mit wirkstofffreiem Gel (jeweils p < 0,05)

In einer doppelblinden Studie mit 84 Teilnehmenden linderte ein Berberin-Gel auf Mundgeschwüren Schmerz und Größe stärker als ein Gel ohne Wirkstoff, ohne auffällige Nebenwirkungen. Das sind erste Hinweise aus einer einzigen Studie; über Berberin-Kapseln sagt sie nichts aus. Für Berberin-Pflaster auf der Haut gibt es keine kontrollierte Studie am Menschen. 89

Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
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gut belegtwahrscheinlichunklarspricht dagegennicht untersuchtSo bewerten wir

Senkt Berberin den Blutzucker?

Bei Typ-2-Diabetes senkt Berberin den Langzeitzucker, das ist gut belegt. Mehrere Sammelauswertungen (Meta-Analysen) kommen übereinstimmend auf etwa einen halben Prozentpunkt weniger HbA1c, des Werts, der den mittleren Blutzucker der letzten Wochen zeigt, auch wenn man nur Studien mit Scheinpräparat zählt.45 Auch die größte Einzelstudie, die gut 400 neu erkrankte Menschen in vielen chinesischen Kliniken begleitete, bestätigte den Vorteil.6

Bei Menschen ohne Diabetes sieht es anders aus. Bei einer Vorstufe oder dem metabolischen Syndrom, also Übergewicht mit erhöhten Blutfetten und Blutdruck, sank zwar der Nüchternzucker in kleinen Studien,7 doch der genauere Langzeitwert blieb in der größten Placebo-Studie mit 337 Teilnehmenden nach sechs Monaten unverändert.8 Hier ist die Wirkung unklar, und ähnlich steht es um die Insulinresistenz. Ein errechneter Index sank deutlich, die genauere Messung zog aber nicht mit, sodass auch diese Wirkung offen bleibt.9

Kann Berberin Metformin ersetzen? Die Studienlage spricht eher dagegen, denn in direkten Vergleichen senkte Berberin den Zucker nicht besser als Metformin oder andere Tabletten, und die Vergleichsstudien waren klein und offen.10 Ob Berberin die Nieren bei Diabetes schützt, ist mit Scheinpräparat nicht untersucht. Als Zusatz zu Diabetesmitteln senkte Berberin den Zucker in offenen Studien weiter, der Zusatznutzen bleibt aber unklar.11 Der verwandte Arzneistoff Berberin-Ursodeoxycholat wiederum ist ein Medikament in Entwicklung und hat mit Berberin-Kapseln und ihrer Einnahme wenig zu tun.12

So wurde gemessen
  • Typ-2-Diabetes: 31 Studien mit 2.683 Personen, HbA1c minus 0,63 Prozentpunkte gegenüber den Kontrollgruppen;4 nur Placebo-Studien: 7 Studien mit 756 Personen, minus 4,5 mmol/mol.5 Größte Einzelstudie: 409 Personen über 12 Wochen, HbA1c minus 0,99 gegenüber minus 0,59 Prozentpunkten unter Placebo.6
  • Ohne Diabetes: 6 Placebo-Studien mit 578 Personen, Nüchternzucker minus 0,5 mmol/l;7 BRAVO mit 337 Personen über 6 Monate, HbA1c ohne Unterschied.8
  • Insulinresistenz: Index HOMA-IR in 12 Placebo-Studien gesenkt;5 Messung mit der Clamp-Methode bei 116 Personen ohne gesicherten Unterschied.9
  • Vergleich: 6 Studien mit 414 Personen, HbA1c gegenüber Metformin, Glipizid oder Rosiglitazon minus 0,11 Prozentpunkte, nicht gesichert.10

Senkt Berberin Cholesterin und Blutfette?

Berberin senkt das LDL-Cholesterin und die Triglyceride, beides ist gut belegt. In einer Auswertung von 18 Placebo-Studien sank das ungünstige LDL um knapp 0,5 mmol/l und die Triglyceride um gut 0,3 mmol/l.13 Auch die größte Einzelstudie fand nach sechs Monaten eine kleinere, aber gesicherte Senkung des LDL.8 Zum Vergleich: Ein Cholesterinsenker aus der Apotheke erreicht in der Regel deutlich mehr.

Ganz einig sind sich die Studien nicht. Dabei fand eine Auswertung, die Berberin allein von Kombipräparaten trennte, für Berberin ohne Zusätze beim LDL keinen sicheren Effekt.14 Viel stärker wirken Mischungen mit Rotschimmelreis, und das ist gut belegt.15 Der Grund ist aber nicht das Berberin. Rotschimmelreis enthält Monacolin K, das chemisch dem Cholesterinsenker Lovastatin gleicht. Eine Kombination mit Mariendistel verbessert die Blutfette wahrscheinlich.16 Welchen Anteil das Berberin daran hat, lässt sich auch dort nicht sagen.

Ob Berberin den Blutdruck senkt, ist dagegen offen. Die Placebo-Studien bei metabolischem Syndrom fanden keine Wirkung, eine Auswertung mit gemischten Vergleichsgruppen schon.717 Ob die gesenkten Blutfette Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindern, hat keine Studie geprüft.

So wurde gemessen
  • Placebo-Auswertung: LDL aus 14 Studien mit 1.447 Personen minus 0,46 mmol/l, Triglyceride aus 18 Studien minus 0,34 mmol/l, HDL plus 0,06 mmol/l; 4 bis 24 Wochen.13
  • BRAVO: 337 Erwachsene mit Adipositas und Fettleber, 1 g täglich über 6 Monate, LDL minus 7,7 mg/dl gegenüber Placebo.8
  • Berberin allein in einer Auswertung von 41 Studien: LDL minus 9,3 mg/dl, nicht gesichert.14 Rotschimmelreis-Mischung: 12 verblindete Studien mit 1.050 Personen, LDL minus 26,7 mg/dl.15 Mariendistel-Mischung: 5 Placebo-Studien mit 497 Personen, LDL minus 29 mg/dl.16

Hilft Berberin beim Abnehmen und bei der Fettverbrennung?

Berberin hilft beim Abnehmen nur wenig, auch wenn der kleine Effekt gut belegt ist. Die neueste und größte Sammelauswertung mit 23 Studien kam auf knapp ein Kilo weniger als in den Vergleichsgruppen und gut einen Zentimeter weniger Bauchumfang.18 Das ist ehrlich gesagt wenig, auf der Waage geht es im Auf und Ab eines Monats unter. Dagegen fand eine ältere Auswertung gar keinen Unterschied, eine andere gut zwei Kilo.1920

Und die Fettverbrennung? In der bisher größten Placebo-Studie maßen Forschende das Bauchfett im CT, nach sechs Monaten mit Berberin war es nicht geschrumpft.8 Mit modernen Abnehmspritzen hat Berberin deshalb nichts gemein. Bei Menschen, die unter Medikamenten gegen Psychosen zunehmen, gibt es erste Hinweise, dass Berberin die Zunahme etwas bremst, die Lage ist aber unklar.21 Für die beworbenen Berberin-Pflaster gibt es keine einzige Studie.

So wurde gemessen
  • Neueste Auswertung: 23 Studien, Gewicht minus 0,88 kg, BMI minus 0,48, Taillenumfang minus 1,3; Verzerrung durch fehlende Verblindung möglich.18
  • Ältere Auswertungen: 10 Studien, minus 0,11 kg, nicht gesichert;19 12 Studien, minus 2,1 kg.20
  • BRAVO: Bauchfettfläche im CT nach 6 Monaten plus 1,4 Prozent, kein Unterschied zu Placebo.8 Antipsychotika: 113 Personen über 12 Wochen, 600 mg täglich, minus 1,1 kg gegenüber Placebo.21

Welche Wirkung hat Berberin auf die Leber, etwa bei Fettleber?

Bei einer Fettleber ist die Wirkung unklar, weil sich die Studien widersprechen. Sammelauswertungen kleiner, meist offener Studien fanden niedrigere Leberwerte im Blut.22 Das Leberfett selbst, der eigentlich wichtige Wert, ging aber nur in einer offenen Studie mit Lebensstilprogramm stärker zurück als ohne Berberin.23 Doch in der großen verblindeten BRAVO-Studie blieb es nach sechs Monaten gleich.8 Wer eine Fettleber hat, kommt also an Gewichtsabnahme und Bewegung nicht vorbei.

Wirkt Berberin gegen Entzündungen und fürs Herz?

Den Entzündungswert CRP im Blut senkt Berberin, das ist gut belegt, auch wenn der Effekt klein ist. Zwei Sammelauswertungen kamen übereinstimmend auf niedrigere Werte,2024 und auch in der BRAVO-Studie sank das CRP leicht.8 Allerdings ist CRP nur ein Laborwert, und ob Menschen mit niedrigerem CRP durch Berberin seltener krank werden, hat niemand untersucht.

Beim Herzen gibt es nur einzelne Hinweise. In einer Studie aus dem Jahr 2003 ging es Menschen mit Herzschwäche mit Berberin besser, und weniger starben, doch die Studie wurde nie wiederholt.25 Bei Herzstolpern und nach einem Schlaganfall stammen die Daten aus offenen chinesischen Studien, in denen Berberin zur üblichen Behandlung hinzukam.2627 Der Nutzen bleibt in allen drei Fällen offen. Zugleich gibt es Berichte über schwere Herzrhythmusstörungen unter Berberin, sodass es bei Herzkranken nur in ärztliche Hand gehört.

So wurde gemessen
  • CRP: Auswertung von 5 Studien, minus 0,64 mg/l;24 BRAVO, hs-CRP minus 0,07 mg/dl gegenüber Placebo.8
  • Herzschwäche: 156 Personen, 1,2 bis 2,0 g täglich zusätzlich zur Standardtherapie, Nachbeobachtung rund 2 Jahre, 7 gegenüber 13 Todesfälle.25
  • Herzstolpern: 3 offene Zusatzstudien mit 385 Personen.26 Schlaganfall: 17 offene Studien mit 1.670 Personen, Zahlen in der Zusammenfassung nicht genannt.27

Welche Wirkung hat Berberin auf den Darm?

Im Darm gibt es erste Hinweise auf eine Wirkung, gesichert ist sie nirgends. Am überzeugendsten ist eine Studie zu Darmpolypen. Über tausend Menschen in China nahmen nach der Entfernung solcher Wucherungen zwei Jahre lang Berberin oder ein Scheinpräparat, und mit Berberin bildeten sich seltener neue Polypen, bei etwa einem Drittel statt bei knapp der Hälfte.28 Ob das am Ende Darmkrebs verhindert, ist offen, und eine Bestätigung außerhalb Chinas fehlt.

Beim Reizdarm mit Durchfall fand eine Placebo-Studie mit 132 Menschen seltener Durchfall, Bauchschmerzen und Stuhldrang.29 Das klingt gut, doch eine zweite unabhängige Studie gibt es bisher nicht, und der Nutzen bleibt offen. Erstaunlich ist der Befund beim akuten Durchfall, gegen den Berberin traditionell eingesetzt wird: In der einzigen verblindeten Studie mit 400 Erwachsenen half es nicht.30

Bei Colitis ulcerosa und bei der Behandlung des Magenkeims Helicobacter pylori wirkte Berberin in chinesischen Studien als Zusatz zur Standardtherapie, die Studien waren aber offen und ohne Scheinpräparat.3132 Für die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms gibt es nur einen rechnerischen Vergleich, der auf einer einzigen Studie beruht.33 Medikamente ersetzt Berberin in keinem dieser Fälle.

So wurde gemessen
  • Darmpolypen: 1.108 Personen, 0,3 g zweimal täglich bis zu 2 Jahre, doppelblind, neue Adenome bei 36 gegenüber 47 Prozent; keine Darmkrebsfälle.28
  • Reizdarm: 132 Personen, 200 mg zweimal täglich über 8 Wochen, Durchfall, Bauchschmerz und Stuhldrang seltener als unter Placebo.29
  • Akuter Durchfall: 400 Erwachsene, Berberin, Tetracyclin, beides oder Placebo; bei Durchfall ohne Cholera kein Vorteil.30
  • Zusatzstudien: Colitis ulcerosa 8 offene Studien mit 778 Personen;31 Helicobacter 13 offene Studien mit 2.111 Personen.32

Hilft Berberin bei PCOS und für die Hormone?

Bei PCOS, dem polyzystischen Ovarsyndrom, ist die Wirkung unklar, weil die Studien selbst fragwürdig sind. Ältere Auswertungen berichteten, dass Berberin das männliche Hormon Testosteron bei betroffenen Frauen senkt, gestützt auf acht Studien mit knapp 600 Frauen.34 Doch eine Übersicht von 2026 prüfte die Studien gezielt auf ihre Vertrauenswürdigkeit. Alle vier prüfbaren Studien fielen durch, unter anderem wegen fehlender Registrierung und möglicher doppelter Daten, und eine Berechnung war danach nicht mehr möglich.35

Beim Kinderwunsch ist das Bild klarer, wenn auch ernüchternd. So brachte Berberin in der größten Studie mit 644 Frauen zusätzlich zu dem Medikament Letrozol keine zusätzlichen Geburten, und allein war es diesem Mittel klar unterlegen.36 Unklar bleibt die Lage trotzdem, denn andere, offene Studien berichten von mehr Schwangerschaften, aber nicht von mehr Geburten.37 Wer mit PCOS schwanger werden möchte, ist bei den etablierten Behandlungen besser aufgehoben, und Berberin sollte spätestens bei einem positiven Test enden.

Wirkt Berberin auf Psyche und Gehirn?

Für Stimmung, Stress oder Schlaf gibt es keine Studien mit Berberin, nur bei Schizophrenie erste Hinweise. Zwei kleine chinesische Placebo-Studien gaben Menschen mit Schizophrenie Berberin zusätzlich zu ihren Medikamenten, und Antriebsmangel sowie einige Denkleistungen besserten sich.3839 Interessant ist das, aber nicht mehr als ein Anfang. Bei COVID-19 half Berberin in einer kleinen Studie nicht schneller als ein Scheinpräparat.40

Unsere Einordnung

Berberin senkt bei Typ-2-Diabetes den Langzeitzucker und bei erhöhten Blutfetten LDL und Triglyceride, beides ist gut belegt, wenn auch mit Studien vor allem aus China. Beim Gewicht ist der Effekt mit knapp einem Kilo klein, und die starke Wirkung von Mischungen mit Rotschimmelreis stammt vom darin enthaltenen Monacolin K. Bei Darm, PCOS und Herz bleibt die Lage offen.

Welche Versprechen über Berberin halten nicht?

Drei verbreitete Versprechen gehen über die Studien hinaus. Das erste ist das vom natürlichen Abnehmmittel, doch knapp ein Kilo in mehreren Monaten ist kein Abnehmerfolg, und das Bauchfett schrumpfte in der größten Studie nicht.188 Das zweite betrifft die Pflaster, die mit Abstand meistgesuchte Form, doch es gibt keine kontrollierte Studie, und ob überhaupt Berberin durch die Haut ins Blut gelangt, hat niemand gemessen.

Das dritte Versprechen lautet, Berberin sei ein pflanzlicher Ersatz für Metformin. Doch in Vergleichsstudien wirkte es nur ähnlich, und diese Studien waren klein und offen.10 Ein verordnetes Medikament eigenmächtig gegen Kapseln zu tauschen, bleibt deshalb riskant. Und wer bei Cholesterin-Mischungen auf die Natur setzt, nimmt mit Rotschimmelreis im Kern einen Stoff, der einem Statin entspricht.15

Ist Berberin sicher?

Über einige Monate ist Berberin für gesunde Erwachsene meist verträglich, für bestimmte Gruppen aber riskant. Die häufigste Nebenwirkung ist Verstopfung, daneben kommen Blähungen, Übelkeit oder Durchfall vor, meist leicht und nach dem Absetzen vorbei.13 Ernster sind die Wechselwirkungen von Berberin mit Medikamenten, denn Berberin bremst drei wichtige Enzyme der Leber, die viele Medikamente abbauen, und nach Transplantationen stieg der Spiegel des Abwehrmittels Ciclosporin um fast ein Drittel.341 Zusammen mit Diabetesmitteln ist Unterzucker möglich.42

Ob Berberin auch das Herz aus dem Takt bringt, ist ungeklärt. Mehrere Fallberichte beschreiben schwere Herzrhythmusstörungen bis zum Herzstillstand, die nach dem Absetzen verschwanden.43 Bewiesen ist damit nichts. In einer Placebo-Studie mit 156 Herzkranken traten dagegen über rund zwei Jahre keine durch Berberin ausgelösten Rhythmusstörungen auf.25 Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es eine eigene Sorge, denn Berberin könnte bei Neugeborenen mit Gelbsucht das Gehirn schädigen.4445 Die französische Behörde ANSES rät deshalb Schwangeren und Stillenden ab, außerdem Menschen mit Lebererkrankungen und Kindern.42 Wird ein Neugeborenes zunehmend gelb oder sehr schläfrig, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Ein offener Punkt betrifft die Einnahme über Jahre. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA kam Anfang 2026 in einem Entwurf zu dem Schluss, dass sich keine sichere Tagesmenge festlegen lässt, unter anderem wegen Hinweisen aus dem Reagenzglas auf eine Schädigung des Erbguts.46 Ob dieses Risiko im Körper besteht, ist nicht geklärt, und endgültig ist das Gutachten noch nicht.

So wurde gemessen
  • Magen-Darm: 18 Placebo-Studien, Beschwerden unter Berberin bei 2 bis 23 Prozent, unter Placebo bei 2 bis 15 Prozent; keine schweren Ereignisse.13
  • Enzyme: 17 gesunde Männer, 300 mg dreimal täglich über 2 Wochen, CYP2D6 stark, CYP2C9 und CYP3A4 gehemmt.3 Ciclosporin: 104 Nierentransplantierte, Talspiegel 29 Prozent höher.41
  • Herz: Fallbericht einer 36-jährigen Frau mit Torsade de pointes und Herzstillstand nach monatelanger Einnahme.43
  • Neugeborene: im Labor verdrängt Berberin Bilirubin etwa zehnmal stärker als Phenylbutazon.44
Magen-Darm-Beschwerden auslösen (Verstopfung, Durchfall, Übelkeit, Blähungen)ungeklärtNebenwirkungen in 12 von 16 Placebo-Studien berichtet (Blais 2023); 3 RCTs, 1.076 Pers. (Fang 2022)

Ergebnisse: Magen-Darm-Beschwerden eher häufiger als unter Placebo (2–23 % vs. 2–15 %) (Blais 2023); Nebenwirkungen insgesamt RR 2,91 (1,24 bis 6,85), vor allem Verstopfung (Fang 2022); PREMOTE (409 Pers.): mehr Magen-Darm-Nebenwirkungen unter Berberin; bei PCOS Magen-Darm-Beschwerden RR 1,01 (0,76 bis 1,35), nicht häufiger (Xie 2019); Verstopfung 1 % vs. < 0,5 % in der Polypenstudie (Chen 2020)

Magen-Darm-Beschwerden sind die häufigste Nebenwirkung von Berberin: Verstopfung, seltener Durchfall, Übelkeit oder Blähungen. In mehreren Placebo-Studien traten sie unter Berberin häufiger auf, in anderen nicht; schwere Verläufe wurden nicht berichtet, die Beschwerden verschwinden meist nach dem Absetzen. Die französische Behörde ANSES nennt Verdauungsstörungen ausdrücklich als Risiko. 13, 77, 34, 6, 28

Was tun? Mit einer niedrigen Dosis beginnen und die Tagesmenge auf mehrere Einnahmen zu den Mahlzeiten verteilen; bei anhaltender Verstopfung oder Durchfall Dosis senken oder absetzen.

Nicht untersucht bei: Einnahme über mehr als zwei Jahre, Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen außerhalb von Zusatzstudien zu Mesalazin

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Die französische Behörde ANSES nennt Magen-Darm-Störungen neben Unterzucker und niedrigem Blutdruck als Risiken berberinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel; die 13 Fälle in der US-Meldedatenbank betrafen überwiegend Durchfall und Wechselwirkungen. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Unterzucker auslösen, vor allem zusammen mit Diabetes-Medikamentenungeklärt2 Studien, 186 Pers. (Xie 2022); in 7 weiteren Studien keine Unterzuckerung in beiden Gruppen

Ergebnisse: Unterzucker unter Berberin allein oder mit Tabletten gegen Diabetes nicht signifikant häufiger: RR 0,48 (0,21 bis 1,08), Evidenz sehr niedrig (Xie 2022); Berberin plus Tabletten senkt den Blutzucker stärker als Tabletten allein (Wang 2024); Fallbericht: Blutzucker 0,9 mmol/l mit Ohnmacht bei einem Sportler ohne Diabetes (Henshall 2025)

In den Diabetes-Studien kam es unter Berberin nicht gesichert häufiger zu Unterzuckerungen, doch nur wenige Studien haben sie überhaupt gezählt. Weil sich die blutzuckersenkenden Wirkungen addieren, warnt die französische Behörde ANSES vor Unterzucker zusammen mit Diabetes-Medikamenten. Ein einzelner Fallbericht beschreibt eine schwere Unterzuckerung mit Ohnmacht bei einem Sportler ohne Diabetes; ein Zusammenhang ist nicht bewiesen. 4, 11

Was tun? Wer Insulin oder Tabletten gegen Diabetes nimmt, Berberin nur nach ärztlicher Rücksprache und mit engmaschiger Blutzuckerkontrolle einnehmen; bei Zittern, Schwitzen, Heißhunger oder Benommenheit Zucker messen und etwas Zuckerhaltiges essen oder trinken. Bei Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Nicht untersucht bei: Menschen mit Insulintherapie oder Sulfonylharnstoffen in verblindeten Studien, Gesunde mit intensivem Sport oder Fasten

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Ein sportlicher Mann in den Vierzigern ohne Diabetes wurde nach einer Ohnmacht mit einem Blutzucker von 0,9 mmol/l in die Notaufnahme gebracht; er hatte Berberin zur Leistungssteigerung genommen. Nach Behandlung normalisierte sich der Blutzucker. Henshall et al. 2025
  • Die ANSES weist darauf hin, dass Berberin die Wirkung blutzuckersenkender Medikamente verstärkt und dadurch Unterzucker möglich ist, und rät Menschen mit Diabetes von berberinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Gefährliche Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung, Torsade de pointes) auslösenungeklärt2 Placebo-RCTs, 156 und 200 Pers. (Zeng 2003, Zhang 2022); einzelne Fallberichte 2022 bis 2026

Ergebnisse: keine durch Berberin ausgelösten Rhythmusstörungen bei Herzschwäche unter 1,2 bis 2,0 g/Tag (Zeng 2003); nach Bypass-Operation weniger Vorhofflimmern als unter Placebo, 20 % vs. 35 % (Zhang 2022); QT-Zeit in beiden nicht berichtet; Fallberichte: Torsade de pointes mit Herzstillstand (36 Jahre), wiederholte Torsade de pointes mit QTc 669 ms (61 Jahre), polymorphe Kammertachykardie mit QTc 616 ms zwei Wochen nach Beginn (92 Jahre); jeweils Rückbildung nach dem Absetzen

In zwei Placebo-Studien bei Herzkranken traten unter Berberin keine zusätzlichen Rhythmusstörungen auf, nach einer Bypass-Operation sogar seltener Vorhofflimmern; die QT-Zeit wurde dort aber nicht berichtet. Seit 2022 beschreiben einzelne Fallberichte schwere Rhythmusstörungen mit verlängerter QT-Zeit unter Berberin-Präparaten, darunter einen Herzstillstand bei einer 36-jährigen Frau; nach dem Absetzen normalisierte sich das EKG jeweils. Ein Zusammenhang ist nicht bewiesen, Labordaten zeigen aber, dass Berberin Ionenkanäle des Herzens hemmt; wie häufig das vorkommt, ist unbekannt. 25, 90, 91

Was tun? Bei bekannten Herzrhythmusstörungen, verlängerter QT-Zeit oder Einnahme QT-verlängernder Medikamente Berberin nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen; bei neuem Herzstolpern oder Schwindel absetzen und ärztlich abklären lassen. Bei Ohnmacht oder Herzrasen mit Brustschmerz oder Atemnot ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Nicht untersucht bei: Menschen mit angeborener oder erworbener QT-Verlängerung, Einnahme zusammen mit QT-verlängernden Medikamenten

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Eine 36-jährige Frau erlitt bei verlängerter QT-Zeit einen Herzstillstand durch Torsade de pointes; sie hatte mehrere Monate ein online gekauftes Berberin-Präparat genommen. Nach dem Absetzen bildeten sich Beschwerden und EKG-Veränderungen vollständig zurück. Williams et al. 2026
  • Ein 61-jähriger Mann hatte Ohnmachten und wiederholte Torsade de pointes bei einer QTc-Zeit von 669 ms; er nahm Berberin, Dihydroberberin, Kurkuma und Quercetin und hatte einen leichten Magnesiummangel. Nach Absetzen der Präparate normalisierte sich die QT-Zeit. Mohammadi et al. 2026
  • Ein 92-jähriger Mann entwickelte etwa zwei Wochen nach Beginn der Berberin-Einnahme wiederholte Kammertachykardien mit Kreislaufstillstand bei einer QTc-Zeit von 616 ms; nach Absetzen und Behandlung sank die QTc-Zeit auf 454 ms. Mesmin et al. 2026
  • Eine 56-jährige Frau hatte Ohnmachten, niedrigen Blutdruck, verlangsamten Puls und eine verlängerte QT-Zeit; sie nahm seit sechs Wochen 250 mg Berberin täglich und zusätzlich hoch dosiertes Hanföl. Nach Absetzen beider Präparate normalisierte sich das EKG innerhalb von fünf Tagen (Zusammenfassung laut EFSA-Entwurf 2026). Déléaval et al. 2022
Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Abbau anderer Medikamente bremsen (CYP-Enzyme)ungeklärt1 randomisierte Crossover-Studie, 17 Pers. (Guo 2012)

Ergebnisse: CYP2D6-Aktivität stark gehemmt (Dextromethorphan-Quotient 9-fach), CYP2C9 gehemmt (Losartan-Quotient verdoppelt), CYP3A4 gehemmt (Midazolam AUC +40 %, Clearance −27 %); CYP1A2 und CYP2C19 unverändert (Guo 2012); Frauen hatten 2,8-fach höhere Berberin-Spiegel als Männer (Blöcher 2025)

In einer einzigen kontrollierten Studie mit 17 gesunden Männern hemmte Berberin nach zwei Wochen drei wichtige Leberenzyme, die viele Medikamente abbauen: CYP2D6 deutlich, CYP2C9 und CYP3A4 mäßig. Dadurch können Spiegel von Medikamenten wie Blutverdünnern, Herzmitteln, Psychopharmaka oder Immunsuppressiva steigen; ob das im Alltag zu Schäden führt, ist mit einer so kleinen Studie ungeklärt. Die französische Behörde ANSES rät deshalb von Berberin zusammen mit Medikamenten ab, besonders bei solchen mit enger therapeutischer Breite. 3, 92

Was tun? Wer regelmäßig Medikamente nimmt, besonders Blutverdünner, Herzmedikamente, Antidepressiva oder Immunsuppressiva, Berberin nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke einnehmen.

Nicht untersucht bei: Frauen (Enzymstudie nur mit Männern; Frauen erreichen deutlich höhere Spiegel), ältere Menschen mit vielen Medikamenten

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Kurzbericht über eine schädliche Wechselwirkung zwischen dem Blutverdünner Rivaroxaban und Berberin (Abstract nicht verfügbar, Angabe nach Titel). Bonnichsen et al. 2022
  • Die ANSES beschreibt zahlreiche pharmakokinetische und pharmakodynamische Wechselwirkungen und rät von berberinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln zusammen mit einer medikamentösen Behandlung ab, besonders bei Medikamenten mit enger therapeutischer Breite; in der US-Meldedatenbank betrafen gemeldete Fälle Wechselwirkungen mit Tacrolimus und Ciclosporin. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Ciclosporin-Spiegel nach Organtransplantation erhöhenungeklärt1 offene randomisierte Studie ohne Placebo, 104 Pers., plus Pharmakokinetik bei 6 Pers. (Wu 2005)

Ergebnisse: Ciclosporin-Talspiegel nach 3 Monaten um 29,3 % höher als ohne Berberin (p < 0,05); AUC +34,5 %, Clearance −40,4 % (Wu 2005); bei Gesunden AUC +19,2 % bei 3 mg/kg (Xin 2006); bei 22 Herztransplantierten Talspiegel +26 %, Dosis musste gesenkt werden (Huang 2008)

In einer offenen Studie mit Nierentransplantierten lagen die Talspiegel des Immunsuppressivums Ciclosporin mit Berberin nach drei Monaten fast 30 Prozent höher als ohne, bei Herztransplantierten musste die Ciclosporin-Dosis gesenkt werden. Eine verblindete Kontrolle fehlt, deshalb gilt der Schaden nach den Regeln dieser Seite als ungeklärt. Bei einem Medikament mit enger therapeutischer Breite können aber schon kleinere Spiegelanstiege Nebenwirkungen auslösen; die ANSES rät von der Kombination ab. 41, 93, 94

Was tun? Nach einer Organtransplantation oder unter Ciclosporin oder Tacrolimus kein Berberin ohne Absprache mit dem Transplantationszentrum einnehmen; die Spiegel müssten engmaschig kontrolliert werden.

Nicht untersucht bei: Tacrolimus, Sirolimus und Everolimus beim Menschen

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Die ANSES führt in US-Meldedaten Wechselwirkungen von Berberin mit Tacrolimus und Ciclosporin an und rät von Berberin zusammen mit Medikamenten enger therapeutischer Breite ab. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Keine placebokontrollierte Studie am Menschen. (keine placebokontrollierte Studie am Menschen)
  • keine kontrollierte Studie, aber Behördenwarnung (ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095))
Unsere Regeln
Wirkung von Metformin verändernungeklärt1 offene Crossover-Studie, 22 Pers., mit Goldsiegel-Wurzel (Nguyen 2025)

Ergebnisse: Metformin-AUC insgesamt 0,93 (0,86 bis 1,01), keine klinisch bedeutsame Änderung; bei niedriger Metformin-Dosis etwa −20 %, mittlerer −14 %, hoher 0 % (Nguyen 2025, Goldsiegel); Blutzuckersenkung addiert sich (siehe Unterzucker)

Ob reines Berberin die Metformin-Spiegel verändert, wurde beim Menschen nicht untersucht. Goldsiegel, eine berberinhaltige Wurzel, senkte die Metformin-Spiegel in einer Studie mit 22 Menschen mit Diabetes bei niedriger Dosis um etwa ein Fünftel, insgesamt aber nicht in klinisch bedeutsamem Ausmaß. Wichtiger ist, dass sich die blutzuckersenkenden Wirkungen addieren. 95

Was tun? Metformin nicht eigenmächtig durch Berberin ersetzen oder ergänzen; eine Kombination ärztlich begleiten lassen.

Nicht untersucht bei: reines Berberin zusammen mit Metformin (Spiegelmessung beim Menschen)

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Die ANSES weist darauf hin, dass Berberin die Wirkung blutzuckersenkender Medikamente verstärkt, und rät Menschen mit Diabetes von berberinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Gelbsucht und Hirnschädigung (Kernikterus) bei Neugeborenen fördernungeklärtkeine kontrollierte Studie; Labor- und Tierdaten, Behördenwarnungen

Ergebnisse: Berberin verdrängt Bilirubin im Labor etwa zehnmal stärker von Albumin als das bekannte Verdrängungsmittel Phenylbutazon, bei Ratten stiegen freies und Gesamtbilirubin (Chan 1993); in Singapur sind die berberinhaltigen Heilpflanzen Huanglian und Huangbai deswegen seit drei Jahrzehnten verboten (Linn 2012)

Berberin verdrängt im Labor Bilirubin aus seiner Bindung an Bluteiweiß; bei Neugeborenen mit Gelbsucht könnte dadurch mehr freies Bilirubin ins Gehirn gelangen. In Singapur sind berberinhaltige Heilpflanzen deshalb seit Jahrzehnten verboten, nachdem sie mit Kernikterus bei Neugeborenen mit G6PD-Mangel in Verbindung gebracht wurden; die Belege dafür sind allerdings widersprüchlich. Kontrollierte Studien gibt es nicht, Behörden und Fachdatenbanken raten einhellig, Neugeborene keinem Berberin auszusetzen.

Was tun? In Schwangerschaft und Stillzeit kein Berberin einnehmen; Neugeborenen und Säuglingen nie berberinhaltige Mittel geben, auch nicht als Tee oder Salbe. Wird ein Neugeborenes zunehmend gelb, sehr schläfrig oder trinkt es schlecht, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Nicht untersucht bei: Neugeborene und Säuglinge, Übergang in die Muttermilch

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • In Laborversuchen verdrängte Berberin Bilirubin etwa zehnmal stärker von Albumin als Phenylbutazon; bei Ratten stiegen nach einer Woche freies und Gesamtbilirubin dauerhaft an. Die Autoren raten, berberinreiche Mittel bei Neugeborenen mit Gelbsucht und in der Schwangerschaft zu meiden. Chan 1993
  • Die berberinhaltigen Heilpflanzen Rhizoma coptidis und Cortex phellodendri sind in Singapur seit drei Jahrzehnten verboten, weil Berberin mit verschlimmerter Gelbsucht und Kernikterus bei Neugeborenen mit G6PD-Mangel in Verbindung gebracht wurde; die Autoren beschreiben die Literatur dazu als widersprüchlich. Linn et al. 2012
  • Die Stillmedikamenten-Datenbank des US-Kinderheilkunde-Instituts NICHD weist darauf hin, dass Berberin Bilirubin von Albumin verdrängen und so bei Neugeborenen Hirnschäden begünstigen kann; ob Berberin in die Muttermilch übergeht, ist unbekannt. Die meisten Quellen empfehlen, Neugeborene weder über das Stillen noch anders Goldsiegel bzw. Berberin auszusetzen. LactMed: Goldenseal (NICHD, Stand 2025)
  • Die ANSES zitiert die WHO, nach der Berberitze, Coptis und Goldsiegel in Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden sollen, und ESCOP mit einem erhöhten Kernikterus-Risiko am Ende der Schwangerschaft; sie rät Schwangeren und Stillenden von berberinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Keine placebokontrollierte Studie am Menschen. (keine placebokontrollierte Studie am Menschen)
  • keine kontrollierte Studie, aber Behördenwarnung (ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095), LactMed: Goldenseal (NICHD, Stand 2025), Linn et al. 2012)
Unsere Regeln
Schwangerschaft und ungeborenes Kind schädigenungeklärt1 Placebo-RCT, 644 Frauen mit Kinderwunsch, Einnahme nur bis zum Eintritt der Schwangerschaft (Wu 2016, ausgewertet in Xie 2019); Tierstudie (Jahnke 2006)

Ergebnisse: schwere Ereignisse in der Schwangerschaft RR 0,98 (0,70 bis 1,37) gegenüber Placebo (Xie 2019); bei trächtigen Ratten keine Fruchtschäden bis 1.000 mg/kg/Tag, bei Mäusen geringeres Fetalgewicht und Todesfälle bei Muttertieren (Jahnke 2006)

In einer großen Kinderwunschstudie bei PCOS traten nach Berberin nicht mehr schwere Schwangerschaftskomplikationen auf als nach Placebo, doch wurde Berberin dort nur bis zum Eintritt der Schwangerschaft genommen. Studien zur Einnahme während der Schwangerschaft gibt es nicht. WHO, ESCOP und die französische Behörde ANSES raten von Berberin in der Schwangerschaft ab, auch wegen des Kernikterus-Risikos für das Neugeborene; die EFSA sieht in einem Entwurf von 2026 keine sichere Aufnahmemenge. 34, 96, 36

Was tun? Bei Kinderwunsch Berberin nur ärztlich begleitet einsetzen und spätestens bei positivem Schwangerschaftstest absetzen; in Schwangerschaft und Stillzeit nicht einnehmen.

Nicht untersucht bei: Einnahme während einer bestehenden Schwangerschaft, Stillzeit

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Die ANSES rät Schwangeren und Stillenden von berberinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab und verweist auf WHO und ESCOP: Goldsiegel im ersten Drittel wegen möglicher Fruchtschädigung und am Ende der Schwangerschaft wegen Kernikterus-Risiko meiden. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
  • Der am 29. Januar 2026 verabschiedete Gutachten-Entwurf der EFSA kommt zu dem Schluss, dass wegen Sicherheitsbedenken und fehlender Daten für keine berberinhaltige Pflanzenzubereitung eine sichere Aufnahmemenge festgelegt werden kann. EFSA 2026 (Entwurf, NDA-Panel)
Warum diese Stufe? Einzelne, kleine oder widersprüchliche Studien. (einzelne oder widersprüchliche Studien)Unsere Regeln
Leberwerte erhöhen oder die Leber schädigenungeklärt12 Studien (Asbaghi 2020, Gesamtzahl über mehrere Messwerte); Behördenwarnung (ANSES 2019)

Ergebnisse: ALT −1,66 U/l (−3,98 bis 0,65) und AST −0,87 U/l, nicht signifikant verändert (Asbaghi 2020); bei Fettleber ALT, AST und GGT gesenkt (Nie 2024); Phase-1-Studie bei Colitis: 1 von 12 mit Leberwerterhöhung Grad 3 (Xu 2020)

In Placebo-Studien veränderte Berberin die Leberwerte im Mittel nicht, bei Fettleber sanken sie eher. In einer kleinen Studie bei Colitis ulcerosa stiegen die Leberwerte bei einem von zwölf Patienten deutlich an. Die französische Behörde ANSES rät Menschen mit Lebererkrankungen trotzdem von Berberin-Präparaten ab; sie stützt sich auf einzelne Meldefälle von Gelbsucht unter Mehrstoffpräparaten, bei denen sich ein Zusammenhang nicht bestätigen ließ. Nachweislich leberschädigend ist das berberinhaltige Schöllkraut, das aber andere Inhaltsstoffe enthält. 20, 22, 82

Was tun? Bei Lebererkrankungen vorher ärztlich abklären; keine Mehrstoffpräparate mit Schöllkraut verwenden; bei dunklem Urin, Gelbfärbung der Haut oder Oberbauchschmerzen absetzen und Leberwerte prüfen lassen.

Nicht untersucht bei: Menschen mit bestehender Lebererkrankung (außer Fettleber), Einnahme über mehr als zwei Jahre

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Die ANSES fand in kanadischen und US-Meldedaten einzelne Fälle von Gelbsucht und erhöhten Leberwerten unter Mehrstoffpräparaten mit Berberin; ein Zusammenhang ließ sich mangels Angaben in keinem Fall bestätigen. Sie rät Menschen mit Lebererkrankungen von berberinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln ab. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
  • Der EFSA-Entwurf verbindet Zubereitungen aus Schöllkraut (Chelidonium majus) mit nicht vorhersehbaren Leberschäden beim Menschen; für andere berberinhaltige Pflanzen fehlen ausreichende Toxizitätsstudien. EFSA 2026 (Entwurf, NDA-Panel)
Warum diese Stufe? Die maßgeblichen Studien finden keinen Unterschied zu Placebo. (maßgebliche Meta-Analyse (Asbaghi et al. 2020, 12 Studien) ohne Effekt)
  • Behördenwarnung (ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095))
Unsere Regeln
Erbgut schädigen oder Langzeitschäden verursachen (Behördenbewertung)ungeklärtkeine Studie am Menschen; Behördenbewertungen (EFSA-Entwurf 2026, ANSES 2019)

Ergebnisse: Hinweise auf erbgutschädigende Wirkung von Berberin in Laborversuchen, Bestätigung im Tier steht aus; Goldsiegel-Wurzel in Nagetierstudien krebserregend; keine angemessene Langzeit-Toxizitätsstudie mit Berberin allein; keine sichere Aufnahmemenge festlegbar (EFSA 2026, Entwurf)

Die EFSA kam in ihrem Gutachten-Entwurf von 2026 zu dem Schluss, dass sich für berberinhaltige Pflanzenzubereitungen keine sichere Tagesmenge festlegen lässt. Grund sind Hinweise auf eine erbgutschädigende Wirkung von Berberin im Reagenzglas, die im Tier noch nicht geklärt ist, krebserregende Effekte der Goldsiegel-Wurzel bei Nagetieren und fehlende Langzeitstudien. Beim Menschen wurde dieses Risiko nie untersucht; in der zweijährigen Polypenstudie trat kein Darmkrebs auf, das Gutachten ist noch nicht endgültig.

Was tun? Berberin nicht dauerhaft ohne ärztlichen Grund einnehmen; Kinder und Jugendliche nehmen es nach Empfehlung der ANSES nicht.

Nicht untersucht bei: Einnahme über Jahre beim Menschen, Kinder und Jugendliche

Hinweise aus Fallberichten und Behörden (kein Beweis für einen Zusammenhang)
  • Der am 29. Januar 2026 verabschiedete und öffentlich konsultierte Gutachten-Entwurf der EFSA sieht für Berberin ein Erbgutschädigungs-Bedenken aus Laborversuchen, das im Tier bestätigt werden müsste, stuft Goldsiegel-Wurzel nach Nagetierstudien als krebserregendes Risiko ein und hält fest, dass wegen Sicherheitsbedenken und Datenlücken für keine der bewerteten berberinhaltigen Pflanzenzubereitungen eine sichere Aufnahmemenge festgelegt werden kann. EFSA 2026 (Entwurf, NDA-Panel)
  • Die ANSES leitete aus Rattenversuchen mit Goldsiegel-Wurzel einen vorläufigen Richtwert von 1,7 µg Berberin pro kg Körpergewicht und Tag ab und bestätigt pharmakologische Wirkungen ab 400 mg/Tag bei Erwachsenen. ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095)
Warum diese Stufe? Keine placebokontrollierte Studie am Menschen. (keine placebokontrollierte Studie am Menschen)
  • keine kontrollierte Studie, aber Behördenwarnung (ANSES 2019 (Saisine 2018-SA-0095), EFSA 2026 (Entwurf, NDA-Panel))
Unsere Regeln
Berberin: Nebenwirkungen und RisikenVerstopfung in den ersten Wochen ist die häufigste Klage. Seltener, aber ernster sind Wechselwirkungen mit Medikamenten, Einzelfälle von Herzrhythmusstörungen und die Gefahr für Neugeborene.
10 Min. →

Berberin einnehmen: Kapseln, Pflaster oder Tropfen?

Geprüft wurde fast nur Berberin zum Schlucken, in der Regel als Berberin-Hydrochlorid, also ein Salz, in Tabletten oder Kapseln.47 Für Pflaster, Tropfen und Tee gibt es dagegen keine kontrollierte Studie. Neue Formen wie Dihydroberberin bringen zwar mehr Berberin ins Blut, ein zusätzlicher Nutzen ist damit aber nicht gezeigt.2 Was bei Berberin-Kapseln, Pflaster und HCl sonst zu beachten ist, hängt deshalb vor allem davon ab, ob reines Berberin drin ist oder eine Mischung.

Berberin: Pflaster, Kapseln und die richtige EinnahmePflaster zum Aufkleben, Kapseln mit 500 mg, Tropfen, Tee und Mischungen mit Rotschimmelreis: Berberin gibt es in vielen Formen. Geprüft wurde fast nur eine davon.
9 Min. →

Wie viel Berberin am Tag?

In den Studien lagen die Mengen meist bei ein bis anderthalb Gramm am Tag, verteilt auf zwei bis drei Portionen, etwa dreimal 500 mg bei Prädiabetes.47 Mehr bringt dabei nicht unbedingt mehr Wirkung, wohl aber mehr Bauchbeschwerden, denn in einer Auswertung war der Effekt auf den Langzeitzucker bei mehr als zwei Gramm am Tag nicht mehr gesichert.48 Eine Obergrenze, unter der Berberin sicher wäre, gibt es trotzdem nicht. Die EFSA konnte in ihrem Entwurf von 2026 keine sichere Tagesmenge festlegen, und für eine Einnahme über Jahre fehlen die Daten.46 Welche Dosierung von Berberin die einzelnen Studien genau gaben und warum eine einzelne Kapsel mit 500 mg darunter liegt, zeigt der Artikel zu den Formen.

Unsere Einordnung

Wer erhöhte Blutfette oder Diabetes hat, findet bei Berberin eine messbare, gut belegte Wirkung auf die Laborwerte, aber keinen Ersatz für Medikamente. Wer abnehmen will, sollte nicht mehr als ein Kilo erwarten. Zusammen mit Medikamenten, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, Herzrhythmusstörungen oder Lebererkrankungen gehört Berberin nur nach ärztlichem Rat in den Alltag.

Häufige Fragen

Aus welcher Pflanze kommt Berberin, und wo ist es enthalten?

Berberin steckt in der Wurzel und Rinde mehrerer Pflanzen, etwa der Berberitze, der Goldsiegel-Wurzel und chinesischen Heilpflanzen wie Huanglian und Huangbai, außerdem im Schöllkraut.146

Hilft Berberin gegen Krebs?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die einzige große Studie zum Thema prüfte, ob nach der Entfernung von Darmpolypen neue Polypen entstehen, und fand mit Berberin seltener neue Polypen.28 Ob das Darmkrebs verhindert, ist offen, und zu anderen Krebsarten gibt es keine Studien mit Menschen.

Hat Berberin eine Wirkung auf die Psyche?

Bei Stimmung, Stress oder Schlaf ist eine Wirkung nicht untersucht. Zwei kleine Placebo-Studien mit Menschen mit Schizophrenie fanden, dass Berberin zusätzlich zu den Medikamenten Antriebsmangel und Denkleistung etwas verbesserte.3839

Ist Berberin ein natürliches Abnehmmittel?

Nur sehr eingeschränkt. In Sammelauswertungen nahmen Menschen mit Berberin im Mittel knapp ein Kilo mehr ab als ohne, und in der größten Placebo-Studie schrumpfte das Bauchfett nicht.188 Mit Abnehmspritzen ist das nicht vergleichbar.

Mehr zu Berberin

So bewerten wir

Jede Stufe folgt festen Regeln, die für alle Inhaltsstoffe gleich sind. Zwei Recherchen erheben die Studienlage unabhängig voneinander; weichen sie ab, gilt die vorsichtigere Stufe.

StufeWann wir sie vergeben
gut belegtMindestens zwei Meta-Analysen kontrollierter Studien sind sich einig, die größte umfasst 10 oder mehr Studien, und keine vergleichbar große widerspricht. Oder eine sehr große Meta-Analyse mit über 5.000 Teilnehmenden in guter Qualität.
wahrscheinlichDie maßgebliche Meta-Analyse (mindestens 5 Studien) ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt.
unklarNur einzelne oder kleine Studien, oder die Ergebnisse widersprechen sich.
spricht dagegenDie maßgebliche Meta-Analyse oder mehrere Placebo-Studien mit zusammen mindestens 300 Personen finden keinen Unterschied zu Placebo.
nicht untersuchtEs gibt keine placebokontrollierte Studie am Menschen, nur Beobachtungs-, Tier- oder Laborstudien.

Begrenzungen: Kleine Studienbasis (unter 500 Teilnehmende), eine abratende Leitlinie oder überwiegend von Herstellern bezahlte Studien begrenzen die Stufe nach oben. Gezählt wird der klinisch wichtigste Messwert, zum Beispiel der Langzeitblutzucker HbA1c vor dem Nüchternzucker. Studien mit Infusionen gelten nie für Tabletten.

Alle 96 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Linn et al. 2012, Phytother ResÜbersicht zur Sicherheit berberinhaltiger Heilpflanzen in SingapurHuanglian und Huangbai seit drei Jahrzehnten verboten wegen möglicher Gelbsucht und Kernikterus bei Neugeborenen mit G6PD-Mangel; Literatur widersprüchlichÜbersichtsarbeit
2Moon et al. 2021, Nutrients5 junge Männer, doppelblinde Crossover-Pilotstudie, 500 mg Berberin, 100 oder 200 mg Dihydroberberin oder PlaceboBerberin-Spiegel im Blut nach Dihydroberberin höher als nach Berberin; Blutzucker und Insulin unverändert; ein Autor berät einen HerstellerCrossover-Pilotstudie (Aufnahme)
3Guo et al. 2012, Eur J Clin Pharmacolrandomisierte Crossover-Studie, 18 gesunde chinesische Männer (17 ausgewertet, Volltext), 3 × 300 mg/Tag, 2 Wochen gegen Placebo-PhaseCYP2D6 stark, CYP2C9 und CYP3A4 (Midazolam AUC +40 %, Clearance −27 %) gehemmt; CYP1A2 und CYP2C19 unverändertCrossover-RCT (einzige kontrollierte Studie)
4Xie et al. 2022, Front Pharmacol37 RCTs, 3.048 Personen mit Typ-2-Diabetes (HbA1c: 31 Studien, 2.683 Pers.), Berberin allein oder zusätzlich zu Tabletten gegen dieselbe BehandlungHbA1c −0,63 % (−0,72 bis −0,53), Nüchternzucker −0,82 mmol/l, Unterzucker nicht häufiger (RR 0,48; 0,21 bis 1,08)Meta-Analyse (maßgeblich)
5Zhao et al. 2023, J Nutr20 Placebo-RCTs, 1.761 Personen (HbA1c: 7 Studien, 756 Pers.)HbA1c −4,48 mmol/mol (−6,53 bis −2,44); Nüchternzucker −0,52 mmol/l (18 Studien); stärker bei Frauen, Diabetikern und AsiatenMeta-Analyse (nur Placebo)
6Zhang et al. 2020 (PREMOTE), Nat Commun409 neu diagnostizierte Typ-2-Diabetiker, 20 Zentren in China, 12 Wochen, Berberin, Probiotika, beides oder PlaceboHbA1c Berberin allein −0,99 %, mit Probiotika −1,04 %, Placebo −0,59 %, Probiotika allein −0,53 % (p < 0,001); mehr Magen-Darm-Beschwerden unter BerberinPlacebo-RCT (größte Einzelstudie)
7Liu et al. 2025, Front Pharmacol12 Placebo-RCTs, 889 Personen mit metabolischem Syndrom (Nüchternzucker: 6 Studien, 578 Pers.)Nüchternzucker −0,515 mmol/l (p = 0,002), Taillenumfang −3,27 cm, Triglyceride −0,367 mmol/l; HDL und Blutdruck unverändert; Sicherheit wie PlaceboMeta-Analyse (maßgeblich, nur Placebo)
8Lei et al. 2026 (BRAVO), JAMA Netw Open337 Erwachsene ohne Diabetes mit Adipositas und Fettleber, 1 g/Tag, 6 Monate, 11 Kliniken in ChinaBlutzuckerwerte einschließlich HbA1c ohne Unterschied zu PlaceboPlacebo-RCT (Gegenbefund, genauerer Messwert)
9Zhang et al. 2008, J Clin Endocrinol Metab116 Personen mit Typ-2-Diabetes und erhöhten Blutfetten, 1 g/Tag, 3 MonateHbA1c 7,5 → 6,6 %, signifikant gegenüber Placebo (p < 0,0001); Verstopfung bei 5 TeilnehmendenPlacebo-RCT
10Dong et al. 2012, Evid Based Complement Alternat Med14 RCTs, 1.068 PersonenBerberin mit Lebensstil besser als Lebensstil allein; methodische Qualität insgesamt niedrigMeta-Analyse (älter)
11Wang et al. 2024, Front Pharmacol50 RCTs, 4.150 Personen mit Typ-2-Diabetes; 17 Studien Berberin allein, davon nur 4 gegen PlaceboBerberin allein: Nüchternzucker −0,59 mmol/l (p = 0,048), Senkung von HbA1c im Abstract nur für die Kombination berichtet (−0,69 %)Meta-Analyse (größte, überwiegend Kombinationen)
12Ji et al. 2026 (SYMPHONY-1), Diabetes Care407 Personen mit Typ-2-Diabetes, Phase 3, 1.000 mg 2×/Tag gegen Placebo, 24 WochenHbA1c −0,7 Prozentpunkte gegenüber Placebo; Studie vom Hersteller getragenPlacebo-RCT (Arzneimittel, größte Studie)
13Blais et al. 2023, Drugs18 Placebo-RCTs, 1.788 Personen; Nebenwirkungen in 16 Studien berichtetkeine schweren Nebenwirkungen; Magen-Darm-Beschwerden in 12 Studien, eher häufiger unter Berberin (2–23 % vs. 2–15 %)Meta-Analyse (maßgeblich)
14Hernandez et al. 2024, J Diet Suppl41 RCTs, 4.838 Personen mit erhöhten Blutfetten, Berberin allein oder in Kombinationenalle Produkte: LDL −14,98 mg/dl; Berberin allein: LDL −9,26 mg/dl (−20,31 bis 1,78), nicht signifikant, Gesamtcholesterin −12,08 mg/dlMeta-Analyse (Gegenbefund für Berberin allein)
15Cicero et al. 2021, Nutrients12 verblindete RCTs, 1.050 Personen, ein bestimmtes Kombinationspräparat; Autoren beraten den HerstellerLDL −26,67 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,07, Triglyceride −11,47, HDL +1,84, Nüchternzucker −3,52 mg/dl (alle p < 0,05); gut verträglichMeta-Analyse (Kombination, maßgeblich)
16Fogacci et al. 2019, Phytother Res5 doppelblinde Placebo-RCTs, 497 PersonenLDL −29,1 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,3, Triglyceride −28, HDL +6, Nüchternzucker −7,5 mg/dl (alle p ≤ 0,008)Meta-Analyse (Kombination, maßgeblich)
17Zamani et al. 2022, Front NutrRCTs bei Erwachsenen, Dosis-Wirkungs-Analyse (Studienzahl im Abstract nicht genannt)systolisch −5,46 mmHg (−8,17 bis −2,76); Triglyceride −23,70 mg/dl, Gewicht −0,84 kgMeta-Analyse
18Elahi Vahed et al. 2026, Int J Obes23 RCTs bei ErwachsenenGewicht −0,88 kg (p = 0,0003), BMI −0,48 kg/m², Taillenumfang −1,32; Taille-Hüft-Verhältnis nicht signifikant; Verzerrungen durch fehlende VerblindungMeta-Analyse (maßgeblich)
19Xiong et al. 2020, Complement Ther Clin Pract10 StudienGewicht −0,11 kg (−0,99 bis 0,76), nicht signifikant; BMI −0,29 kg/m², Taillenumfang −2,75 cmMeta-Analyse (Gegenbefund)
20Asbaghi et al. 2020, Clin Nutr ESPEN12 RCTs bei ErwachsenenALT −1,66 U/l (p = 0,160), AST −0,87 U/l (p = 0,311), nicht signifikantMeta-Analyse (maßgeblich)
21Chan et al. 2022, Psychiatry Clin Neurosci113 Personen mit Schizophrenie-Spektrum-Störung und metabolischem Syndrom, 600 mg/Tag, 12 WochenGewicht −1,08 kg (p = 0,002), BMI −0,41, LDL −0,52 mmol/l gegenüber Placebo; psychotische Symptome nicht verschlechtertPlacebo-RCT
22Nie et al. 2024, J Transl Med10 RCTs, 811 Personen mit FettleberALT, AST, GGT gesenkt; nur leichte Magen-Darm-NebenwirkungenMeta-Analyse
23Yan et al. 2015, PLoS One184 Personen mit NAFLD, offen, Lebensstil allein, plus Pioglitazon oder plus 3 × 0,5 g Berberin, 16 WochenLeberfett −52,7 % vs. −36,4 % mit Lebensstil allein (p = 0,008)RCT (offen, ohne Placebo)
24Beba et al. 2019, Complement Ther Med5 RCTsCRP −0,64 mg/l (−0,67 bis −0,61)Meta-Analyse
25Zeng et al. 2003, Am J Cardiol156 Patienten mit Herzschwäche und Extrasystolen, 1,2 bis 2,0 g/Tag, Nachbeobachtung im Mittel 24 Monatekeine durch Berberin ausgelösten Rhythmusstörungen, keine erkennbaren NebenwirkungenPlacebo-RCT
26Qiao et al. 2023, Pharm Biol10 RCTs, 896 PersonenZusatz zu Antiarrhythmika RR 1,26 (3 RCTs, 385 Pers.); allein gegen Antiarrhythmika RR 0,91 (nicht signifikant); Nebenwirkungen allein RR 0,38Meta-Analyse (maßgeblich)
27Luo et al. 2023, Phytother Res17 klinische Studien, 1.670 Patienten mit akutem Schlaganfallhs-CRP, MIF, IL-6, NIHSS, LDL, IMT und instabile Plaques mit Berberin plus Standard signifikant niedrigerMeta-Analyse (maßgeblich, Kombination)
28Chen et al. 2020, Lancet Gastroenterol Hepatol1.108 Personen, 0,6 g/Tag, bis 2 JahreVerstopfung 6 von 446 (1 %) vs. 1 von 478; keine schweren NebenwirkungenPlacebo-RCT (n ≥ 1.000)
29Chen et al. 2015, Phytother Res132 Personen mit Reizdarm vom Durchfall-Typ, doppelblind, 2 × 200 mg/Tag, 8 WochenDurchfall (p = 0,032), Bauchschmerz und Stuhldrang (p < 0,01) seltener als unter Placebo; Lebensqualität besser; gut verträglichPlacebo-RCT (maßgeblich)
30Khin-Maung-U et al. 1985, BMJ400 Erwachsene mit akutem wässrigem Durchfall, doppelblind, Berberin, Tetracyclin, beides oder PlaceboBerberin ohne Wirkung gegen die Flüssigkeitsausscheidung bei Cholera; bei Durchfall ohne Cholera kein Vorteil gegenüber PlaceboPlacebo-RCT (maßgeblich, Gegenbefund)
31Li et al. 2024, PLoS One10 RCTs, 952 Personen mit Colitis ulcerosa, Berberin plus 5-ASA gegen 5-ASA allein (klinisches Ansprechen: 8 Studien, 778 Pers.), offenAnsprechen RR 1,22; Krankheitsaktivität SMD −2,93; Nebenwirkungen nicht seltener (RR 0,75; 0,42 bis 1,33)Meta-Analyse (maßgeblich, Zusatz)
32Hu et al. 2019, Front Pharmacol13 offene RCTs aus China, 2.111 Personen, Berberin plus Dreifachtherapie gegen Dreifachtherapie alleinAusrottung RR 1,22 (1,16 bis 1,27), Geschwürheilung RR 1,15, Nebenwirkungen RR 0,65Meta-Analyse (maßgeblich, Zusatz)
33Zhang et al. 2025, Ther Adv GastroenterolNetzwerk-Meta-Analyse, 30 RCTs, 1.552 Erwachsene mit SIBOBerberin höchster SUCRA-Wert bei unkomplizierter SIBO; Ergebnisse als hypothesenbildend bezeichnetNetzwerk-Meta-Analyse
34Xie et al. 2019, Evid Based Complement Alternat Med3 RCTs, 567 Frauen mit PCOSMagen-Darm-Nebenwirkungen RR 1,01 (0,76 bis 1,35) gegenüber PlaceboMeta-Analyse (Gegenbefund)
35Perera et al. 2026, Adv TherSystematischer Review mit Integritätsprüfung (RIGID, TRACT), 4 RCTs, 452 Frauen mit PCOSalle 4 Studien mit hohem Risiko für fehlende Integrität, keine quantitative Auswertung; keine verlässlichen Schlüsse möglichSystematischer Review (Integritätsprüfung, maßgeblich)
36Wu et al. 2016, Fertil Steril644 Frauen mit PCOS und Kinderwunsch, doppelblind, Berberin bis zum Eintritt der Schwangerschaftschwere Schwangerschaftskomplikationen nicht häufiger als unter Placebo; Einnahme in der Schwangerschaft nicht geprüftPlacebo-RCT (größte Studie)
37Ha et al. 2024, Explore (NY)10 RCTs, 713 Frauen mit PCOS, Berberin zusätzlich zur Standardbehandlungklinische Schwangerschaft RR 1,96, Eisprung RR 1,41, Endometrium +1,62 mm, Testosteron und LH gesenktMeta-Analyse (Zusatztherapie)
38Li et al. 2022, Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci59 Personen mit Schizophrenie, 900 mg/Tag zusätzlich, 8 WochenPANSS-Negativskala verbessert (p < 0,001), CRP gesunken; Nebenwirkungen wie PlaceboPlacebo-RCT
39Pu et al. 2023, Chin Med106 Personen mit chronischer Schizophrenie (per Protokoll), 3 MonateSANS, TMT-A und TMT-B verbessert, IL-1β, IL-6 und TNF-α gesunken gegenüber Placebo (p < 0,05)Placebo-RCT
40Omidvar Tehrani et al. 2023, Avicenna J Phytomed40 ambulante COVID-19-Patienten, 2 Wochenkein Unterschied zu Placebo bei Symptomen, CRP, Blutbild und SauerstoffsättigungPlacebo-RCT (Gegenbefund)
41Wu et al. 2005, Eur J Clin Pharmacol104 Nierentransplantierte, randomisiert, Ciclosporin mit oder ohne 3 × 0,2 g Berberin, 3 Monate; Pharmakokinetik bei 6 PatientenTalspiegel 29,3 % höher als ohne Berberin; AUC +34,5 %, Cmin +88,3 %, Clearance −40,4 %; Leber- und Nierenwerte unverändertRCT (offen, maßgeblich)
42ANSES 2019, Agence nationale de sécurité sanitaire (Frankreich)Stellungnahme zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Berberin (Saisine 2018-SA-0095)Risiken: Unterzucker, Magen-Darm-Beschwerden, niedriger Blutdruck, zahlreiche Wechselwirkungen; rät u. a. Schwangeren, Stillenden, Kindern, Menschen mit Lebererkrankung und unter Medikamenten abBehördenbewertung
43Williams et al. 2026, Cureus1 Frau, 36 Jahre, Berberin über MonateHerzstillstand durch Torsade de pointes bei verlängerter QT-Zeit, Rückbildung nach AbsetzenFallbericht
44Chan 1993, Biol NeonateLaborversuche mit Albumin und Versuche an RattenBerberin verdrängt Bilirubin etwa zehnmal stärker als Phenylbutazon; freies Bilirubin bei Ratten erhöhtLabor- und Tierstudie
45LactMed 2025, NICHD, Drugs and Lactation DatabaseEintrag Goldsiegel (Berberin) der US-Datenbank zu Arzneistoffen in der StillzeitBerberin kann Bilirubin verdrängen; Übergang in die Muttermilch unbekannt; Neugeborene sollen kein Berberin erhaltenFachdatenbank
46EFSA 2026 (Entwurf), Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, NDA-GremiumGutachten-Entwurf zu berberinhaltigen Pflanzenzubereitungen, verabschiedet am 29. Januar 2026Bedenken wegen Erbgutschädigung im Labor, Goldsiegel-Wurzel im Nagetier krebserregend, keine sichere Aufnahmemenge festlegbar; noch nicht endgültigBehördenbewertung (Entwurf)
47Panigrahi & Mohanty 2023, BMC Endocr Disord34 Personen mit Prädiabetes in Indien, 3 × 500 mg/Tag, 12 WochenNüchternzucker 6,75 → 5,33 mmol/l, HbA1c 6,40 → 5,43 %, signifikant gegenüber PlaceboPlacebo-RCT (Pilot)
48Liang et al. 2019, Endocr J28 RCTs, 2.313 Personen mit Typ-2-DiabetesHbA1c −0,54 (−0,93 bis −0,15); Effekt nicht mehr gesichert bei mehr als 90 Tagen, über 2 g/Tag und über 60 JahrenMeta-Analyse (Teilgruppen ohne Effekt)
49Guo et al. 2021, Oxid Med Cell Longev46 RCTs, Berberin allein oder zusätzlich zur Standardtherapie bei Typ-2-DiabetesHbA1c −0,73 (−0,97 bis −0,51), Nüchternzucker −0,86 mmol/lMeta-Analyse
50Mansour et al. 2025, Eur J NutrTyp-2-Diabetes, 1.200 mg Berberin plus 600 mg Zimt oder Placebo, 12 WochenHbA1c (p = 0,013) und Nüchternzucker niedriger als unter Placebo; Kombination, sagt nichts über Berberin alleinRCT (Kombination mit Zimt)
51Rondanelli et al. 2023, Eur Rev Med Pharmacol Sci49 Übergewichtige mit erhöhtem Nüchternzucker, Berberin-Phospholipid 2 × 550 mg/Tag, 2 MonateBlutzucker β = −0,24 (p = 0,004), Insulin und Bauchfett ebenfalls niedriger als unter PlaceboPlacebo-RCT
52Ming et al. 2021, Genome MedErwachsene mit neu festgestelltem erhöhtem Blutzucker, mehrere Kliniken in China, doppelblind; Arm Berberin allein gegen PlaceboHbA1c Berberin allein gegen Placebo −0,06 Prozentpunkte (−0,21 bis 0,10), nicht signifikant; Nüchternzucker gesenktPlacebo-RCT (Gegenbefund, HbA1c)
53Nazari et al. 2024, Clin TherUmbrella-Review über Meta-Analysen bis April 2023HOMA-IR WMD −1,04 (−1,66 bis −0,42), Insulin −1,00; Nüchternzucker −0,77, HbA1c −0,57Umbrella-Review
54Lan et al. 2015, J Ethnopharmacol27 RCTs, 2.569 Personen (Diabetes, Fettstoffwechsel, Bluthochdruck)Berberin plus Tabletten senkte Nüchtern-, Nach-dem-Essen-Zucker und HbA1c stärker als Tabletten alleinMeta-Analyse
55Ji et al. 2026, NEJM Evid549 Personen mit Typ-2-Diabetes unter Metformin, zusätzlich Prüfpräparat oder PlaceboHbA1c −0,5 Prozentpunkte gegenüber Placebo plus Metformin; Studie vom Hersteller getragenPlacebo-RCT (Arzneimittel, Zusatz zu Metformin)
56Ji et al. 2025, JAMA Netw Open113 Typ-2-Diabetiker in China, Phase 2, 12 Wochen, 2 Dosen oder PlaceboHbA1c −0,4 % (p = 0,04) bzw. −0,7 % (p < 0,001) gegenüber Placebo; gut verträglich; Autoren teils mit Aktienoptionen des HerstellersPlacebo-RCT (Arzneimittel)
57Harrison et al. 2021, Nat Commun100 Personen mit Fettleber und Typ-2-Diabetes, 18 WochenLeberfett −4,8 vs. −2,0 % (p = 0,011), bessere Blutzuckerkontrolle und Gewichtsabnahme mit 1.000 mg 2×/Tag; häufig Durchfall und BauchbeschwerdenPlacebo-RCT (Arzneimittel)
58Li et al. 2018, Zhonghua Yi Xue Za Zhi114 Typ-2-Diabetiker, 0,4 g 3×/Tag zusätzlich, 6 Monate, Kontrollgruppe ohne BerberinUACR 47 vs. 68 mg/g (p = 0,039), Cystatin C niedriger (p = 0,041); keine nennenswerten NebenwirkungenRCT (offen, ohne Placebo)
59Zhao et al. 2020, Zhongguo Zhong Yao Za Zhi25 RCTs, 3.042 Personen mit Fettstoffwechselstörung (Studienzahl über mehrere Blutfettwerte)LDL-Cholesterin signifikant gesenkt; Kontrollen überwiegend ohne PlaceboMeta-Analyse (maßgeblich, größte)
60Ju et al. 2018, Phytomedicine16 RCTs, 2.147 Personen mit FettstoffwechselstörungLDL −0,38 mmol/l (−0,53 bis −0,22), Gesamtcholesterin −0,47; hohes VerzerrungsrisikoMeta-Analyse
61Dong et al. 2013, Planta Med11 RCTs, 874 PersonenGesamtcholesterin −0,61 mmol/l, LDL gesenkt, HDL +0,05 mmol/l; Qualität niedrigMeta-Analyse (älter)
62Zhang et al. 2019, Am J Chin Med11 RCTs, 1.386 Personengegen Placebo Gesamtcholesterin und LDL signifikant gesenkt; gegen Simvastatin kein Unterschied bei LDLMeta-Analyse
63Zhao et al. 2021, Nutrients84 chinesische Männer mit erhöhten Blutfetten, 2 × 500 mg/Tag, 12 Wochen, HongkongGesamtcholesterin −0,39 mmol/l, HDL −0,07 mmol/l gegenüber Placebo; LDL nur möglicherweise gesenktPlacebo-RCT
64Pirro et al. 2016, Pharmacol Res14 RCTs, 3.159 Personen, Kombinationspräparat aus Berberin, Rotschimmelreis, Policosanol und weiteren StoffenLDL-Cholesterin signifikant gesenktMeta-Analyse (Kombination)
65Millán et al. 2016, Clin Investig Arterioscler11 Studien, 3.924 Personen mit erhöhtem Cholesterin, Kombination aus Berberin, Policosanol und RotschimmelreisLDL-Cholesterin signifikant gesenkt; Finanzierung im Abstract nicht angegebenMeta-Analyse (Kombination)
66Mohtashaminia et al. 2022, Clin Nutr ESPEN5 RCTs, 549 PersonenALT −0,39 (−1,67 bis 0,89), AST −0,44 (−2,02 bis 1,14), nicht signifikantMeta-Analyse (Kombination, Leberwerte ohne Effekt)
67Wei et al. 2016, Evid Based Complement Alternat Med6 RCTs, 501 Personen mit NAFLDGesamtcholesterin, LDL, ALT, HbA1c stärker gesenkt als in den KontrollgruppenMeta-Analyse (älter)
68Koperska et al. 2024, J Physiol Pharmacol70 Personen mit MAFLD, 1.500 mg/Tag, 12 WochenALT (p = 0,0105) und Gesamtcholesterin gesenkt; andere Fett- und Zuckerwerte ohne Unterschied zu PlaceboPlacebo-RCT
69Chen Liang et al. 2026, Gastro Hep AdvNetzwerk-Meta-Analyse, 131 RCTs, 9.191 Personen, viele PflanzenstoffeBerberin senkte AST (MD −19,63) und GGT (MD −9,74); Lebersteifigkeit nur unter Curcumin und Granatapfel verbessertNetzwerk-Meta-Analyse
70Suadoni & Atherton 2021, Complement Ther Clin Pract5 RCTs und 2 nicht randomisierte Studien, 614 Personenzu heterogen für eine Meta-Analyse; Berberin plus Amlodipin nicht besser als Amlodipin allein; Evidenz unzureichendSystematischer Review
71Xie et al. 2026, Front Psychiatry3 RCTs, 233 Personen mit Schizophrenie und metabolischem SyndromBMI SMD −0,51, Taillenumfang −0,31, Triglyceride −0,31, Nüchternzucker −0,30; LDL, HbA1c und Blutdruck nicht signifikantMeta-Analyse (maßgeblich)
72Di Francesco et al. 2026, Pharmacopsychiatry21 Placebo-RCTs, 1.426 Personen, 16 Nahrungsergänzungen und PflanzenmittelBerberin senkte den systolischen Blutdruck; Gewichtsabnahme nur für Omega-3, Probiotika mit Ballaststoffen und eine KräuterabkochungMeta-Analyse (Sammelarbeit)
73Li et al. 2018, Evid Based Complement Alternat Med9 RCTs, PCOS mit Insulinresistenzkein signifikanter Unterschied zwischen Berberin und Metformin; Berberin plus Metformin nicht besser als Metformin allein; Daten unzureichendMeta-Analyse
74Wei et al. 2012, Eur J Endocrinol89 Frauen mit PCOS und Insulinresistenz, Berberin, Metformin oder Placebo jeweils plus Cyproteronacetat, 3 Monategegen Placebo niedrigerer Nüchternzucker, Insulin, HOMA-IR, Blutfette, höheres SHBG (p < 0,05)Placebo-RCT
75Di Pierro et al. 2023, Front Pharmacol130 Frauen mit PCOS in Pakistan, Berberin-Phospholipid 2 × 550 mg/Tag, offen, 90 Tageregelmäßige Periode bei etwa 70 % vs. 16 % der Kontrollgruppe; Hormon- und Stoffwechselwerte ohne UnterschiedRCT (offen, ohne Placebo)
76An et al. 2014, Clin Endocrinol150 Frauen mit PCOS vor künstlicher Befruchtung, Berberin, Metformin oder Placebo 3 Monatehöhere Schwangerschaftsrate mit Berberin oder Metformin; mit Berberin mehr Lebendgeburten als mit MetforminPlacebo-RCT (nicht gewertet, Zweifel an der Datenintegrität)
77Fang et al. 2022, J Ethnopharmacol3 RCTs, 1.076 Personen1 Jahr RR 0,69, 2 Jahre RR 0,75; mehr Nebenwirkungen als Placebo (RR 2,91), keine schwerenMeta-Analyse
78Tan et al. 2025, Cell Rep Med648 Teilnehmende der Studie von Chen 2020 mit Darmspiegelung in der 6-Jahres-NachbeobachtungWiederauftreten 34,7 % vs. 52,1 % nach Ende der EinnahmeNachbeobachtung einer RCT
79Rabbani et al. 1987, J Infect Dis165 Erwachsene mit E.-coli- oder Cholera-Durchfall, 400 mg einmaligE. coli: weniger Stuhlmenge, nach 24 h durchfallfrei 42 % vs. 20 %; Cholera: nur geringe Wirkung, mit Tetracyclin kein ZusatznutzenRCT
80Yu et al. 2020, Ther Adv Gastroenterol38 RCTs, 3.948 Personen (27 Studien mit 2.702 Kindern, davon 22 mit Einlauf)höhere Heilungsrate und kürzere Dauer, auch zusammen mit Antibiotika; keine schweren Nebenwirkungen; Evidenz mittel bis sehr niedrigMeta-Analyse (Begleitbefund, gemischte Darreichung)
81Liu et al. 2026, Front Pharmacol19 RCTs, 1.489 Personen, Berberin plus Darm-Hirn-MedikamenteAnsprechen OR 4,19, Symptomscore SMD −3,47 (−6,65 bis −0,29); kleine Studien, Gesamtevidenz unzureichendMeta-Analyse (Kombination)
82Xu et al. 2020, Cancer Prev Res16 Personen mit Colitis ulcerosa in Remission unter Mesalazin, 900 mg/Tag oder Placebo (3:1), 3 MonateGeboes-Grad gesenkt; je ein Fall Leberwerterhöhung Grad 3 und Übelkeit unter BerberinPlacebo-RCT (Phase 1)
83Jiang et al. 2018, Evid Based Complement Alternat MedRCTs bei Erwachsenen, Berberin plus Dreifachtherapie (Zahl im Abstract nicht genannt)Ausrottung RR 1,18 (Atemtest) bzw. 1,23 (Biopsie); Nebenwirkungen OR 0,59Meta-Analyse (mit Kombinationspräparaten)
84Vahedi-Mazdabadi et al. 2023, Phytother Res18 kontrollierte Studien, 1.600 Erwachsene, Berberin oder BerberitzeCRP −1,33 mg/l, IL-6 −1,18 pg/ml, TNF-α −3,72 pg/ml; geringe Studienqualität, hohe HeterogenitätMeta-Analyse (Berberin und Berberitze gemischt)
85Lu et al. 2022, Inflammopharmacology52 RCTs, 4.616 chinesische Patienten mit metabolischem Syndrom und verwandten ErkrankungenCRP SMD −1,54, TNF-α −1,02, IL-6 −1,17; IL-1β nicht signifikantMeta-Analyse (nur China)
86Tang et al. 2026, BMC Cardiovasc DisordNetzwerk-Meta-Analyse, 28 RCTs, 3.650 Patienten, 15 PflanzenextrakteBerberin eingeschlossen, in keinem Endpunkt auf dem ersten Rang; keine Effektzahl für Berberin im AbstractNetzwerk-Meta-Analyse (Sammelarbeit)
87Yang et al. 2023, Phytomedicine44 RCTs, 4.606 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Berberin allein oder plus StatinBerberin allein senkte NIHSS, hs-CRP, IL-6, TNF-α und IMT stärker als Routinebehandlung; Blutfette gegen Statin oder Routine ohne UnterschiedMeta-Analyse
88Li et al. 2016, Zhongguo Zhong Yao Za Zhi120 Personen mit akutem ischämischem Schlaganfall, 900 mg/Tag zusätzlich, offen, ohne PlaceboBehinderungsgrad (mRS) nach 90 Tagen und NIHSS nach 14 Tagen niedriger als mit Standardbehandlung alleinRCT (offen, ohne Placebo)
89Jiang et al. 2013, Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol84 Erwachsene mit wiederkehrenden kleinen Aphthen, doppelblind, 5 TageSchmerzscore, Größe, Rötung und Belag gegenüber Placebo-Gel reduziert (p < 0,05); keine auffälligen NebenwirkungenPlacebo-RCT (einzige Studie)
90Masoumi et al. 2026, Curr Rev Clin Exp PharmacolSystematischer Review, 22 überwiegend experimentelle StudienBerberin hemmt Kaliumkanäle einschließlich hERG und kann QT-Zeit verlängern, Bradykardie und Blutdruckabfall auslösenSystematischer Review (Mechanismus)
91Zhang et al. 2022, Circ Arrhythm Electrophysiol200 Personen nach Bypass-Operation, Berberin oder Placeboneues Vorhofflimmern seltener (20 % vs. 35 %); QT-Zeit im Abstract nicht berichtetPlacebo-RCT
92Blöcher et al. 2025, Clin Pharmacol TherPharmakokinetik-Studie bei Gesunden nach OCT1- und CYP2D6-GenotypFrauen 2,8-fach höhere AUC und 3,6-fach höhere Spitzenspiegel als Männer; CYP2D6 bestimmt den Abbau nur bei FrauenPharmakokinetik-Studie
93Xin et al. 2006, Methods Find Exp Clin Pharmacol12 gesunde Männer, 2 × 0,3 g/Tag über 10 Tage bzw. Einzeldosisbei 3 mg/kg Ciclosporin AUC +19,2 %; bei 6 mg/kg keine signifikante ÄnderungPharmakokinetik-Studie
94Huang et al. 2008, Zhongguo Zhong Xi Yi Jie He Za Zhi22 Herztransplantierte, vorher-nachherCiclosporin-Talspiegel +26 %, C2 +18 %; Dosis bei 21 Patienten um 25 bis 100 mg/Tag gesenktBeobachtungsstudie
95Nguyen et al. 2025, Clin Transl Scioffene Dreiarm-Crossover-Studie, 22 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes unter 500 bis 2.550 mg Metformin, Goldsiegel-PräparatMetformin-AUC-Verhältnis 0,93 (0,86 bis 1,01), innerhalb des Keine-Wirkung-Bereichs; bei niedriger Dosis −20 %Crossover-Studie (Goldsiegel, nicht reines Berberin)
96Jahnke et al. 2006, Birth Defects Res Bträchtige Ratten und Mäuse, Berberinchlorid im Futter bzw. per SondeRatten: keine Fruchtschäden bis 1.000 mg/kg/Tag; Mäuse: 33 % der Muttertiere starben bei 1.000 mg/kg/Tag, Fetalgewicht 5–6 % niedrigerTierstudie

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