Die kurze Antwort
Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft verhindert Neuralrohrdefekte wie den offenen Rücken, das ist gut belegt. Sie senkt wahrscheinlich das Homocystein und den Blutdruck ein wenig, doch ob das Herz und Gehirn schützt, ist unklar. Herzinfarkten beugt sie eher nicht vor. Ob hohe Dosen einen B12-Mangel verschleiern oder das Krebsrisiko erhöhen, ist ungeklärt; die Obergrenze liegt bei 1 mg am Tag.
Kaum ein Vitamin hat einen so klaren Erfolg vorzuweisen wie Folsäure. Seit Anfang der Neunzigerjahre ist bekannt, dass sie Kinder vor schweren Fehlbildungen von Gehirn und Rückenmark schützt, wenn ihre Mütter sie rund um die Empfängnis nehmen. Viele Länder reichern deshalb Mehl damit an. Deutschland tut das nicht. Doch aus diesem einen Erfolg ist über die Jahre ein ganzer Katalog an Versprechen geworden, von einem gesunden Herzen über ein besseres Gedächtnis bis zu stabiler Stimmung. Die meisten davon haben große Studien geprüft. Das Ergebnis fällt deutlich bescheidener aus.
Wer die Forschung zu Folsäure liest, sollte zwei Dinge auseinanderhalten. Das erste ist der Unterschied zwischen einem Laborwert und einer Krankheit, denn Folsäure senkt das Homocystein im Blut zuverlässig, ohne dass dadurch Herzinfarkte seltener werden. Hinzu kommt die Frage, ob eine Studie Folsäure allein oder eine Mischung mit Vitamin B12 und B6 geprüft hat. Viele bekannte Ergebnisse stammen aus solchen Kombinationen, und wir kennzeichnen sie hier ausdrücklich.
Was ist Folsäure, und was macht sie im Körper?
Folsäure ist die künstliche Form von Vitamin B9, das der Körper für jede Zellteilung braucht. Im Essen kommt das Vitamin als Folat vor, eine Familie natürlicher Verbindungen in grünem Gemüse, Hülsenfrüchten und Leber. Folsäure dagegen ist stabiler und steckt deshalb in Tabletten und angereicherten Lebensmitteln. Der Körper baut sie in mehreren Schritten zu Methylfolat um, der Form, die in den Zellen arbeitet.
Dort hat Folat zwei große Aufgaben. Zum einen liefert es Bausteine für die Erbsubstanz, und darum leiden bei einem Mangel zuerst Gewebe, die sich schnell erneuern, allen voran das Blut.1 Zum anderen hilft es, zusammen mit Vitamin B12, das Stoffwechselprodukt Homocystein abzubauen. Fehlt eines der beiden Vitamine, steigt dieser Wert, und genau das lässt sich im Blut messen, lange bevor sich eine Blutarmut zeigt oder andere Beschwerden auftreten. Genau diese Verbindung hat die Forschung jahrzehntelang beschäftigt, weil hohes Homocystein mit Herzkrankheiten einhergeht.
Dabei bekommt der Mensch den größten Teil seines Folats aus dem Essen, und eine abwechslungsreiche Kost reicht für die meisten Erwachsenen weitgehend aus. In Deutschland liegt die Zufuhr allerdings oft etwas unter der Empfehlung.23 Welche Folsäure-Lebensmittel besonders viel liefern und wie viel beim Kochen verloren geht, macht dabei einen spürbaren Unterschied.

Wofür ist Folsäure gut? Die Wirkung im Studiencheck
Gut belegt ist bei Folsäure genau eine Wirkung, der Schutz des ungeborenen Kindes. Für diesen Überblick haben wir 42 mögliche Wirkungen und 13 Sicherheitsfragen gesammelt und jeweils nach Studien mit Vergleichsgruppe gesucht. Ein Klick auf eine Zeile öffnet die Begründung. Die Bilanz fällt knapp aus.
Neuralrohrdefekte (z. B. offener Rücken) beim Kind verhinderngut belegt5 Studien, 6.708 Geburten (De-Regil 2015, Cochrane)Neuralrohrdefekte RR 0,31
Frauen mit Kinderwunsch, Einnahme ab vor der Empfängnis bis in die Frühschwangerschaft; synthetische Folsäure (0,4 mg oder mehr), allein oder in Multivitaminpräparaten
Ergebnisse: Neuralrohrdefekte RR 0,31 (95 % KI 0,17 bis 0,58; hohe Evidenzqualität; De-Regil 2015); Wiederholungsrisiko RR 0,34 (4 Studien, 1.846 Geburten); MRC-Studie RR 0,28 (0,12 bis 0,71); Ersterkrankung Czeizel 1992: 0 vs. 6 Fälle (p = 0,029); Umbrella-Review: RCT-Meta-Analysen gepoolt 0,43 (0,32 bis 0,54)
Dass Folsäure rund um die Empfängnis Neuralrohrdefekte wie Spina bifida verhindert, ist gut belegt: Im Cochrane-Review mit hoher Evidenzqualität traten sie um rund zwei Drittel seltener auf. Der Effekt zeigte sich ab 0,4 mg synthetischer Folsäure täglich, allein oder in einem Multivitaminpräparat. Entscheidend ist der Beginn vor der Schwangerschaft, weil sich das Neuralrohr in den ersten Wochen schließt; für Methylfolat gibt es dazu keine Studien (eigene Zeile). 4, 48, 5, 6, 49
Homocystein-Wert senken (Folsäure allein)wahrscheinlich25 Studien, 2.596 Pers. (Homocysteine Lowering Trialists' Collaboration 2005)Homocystein −13 % bei 0,2 mg, −20 % bei 0,4 mg, −23 % bei 0,8 mg, −25 % bei 5 mg …
Erwachsene; Laborwert ohne eigene klinische Bedeutung; Folsäure allein in verschiedenen Dosen gegen Placebo; Kombination mit B12 in eigener Zeile
Ergebnisse: Homocystein −13 % bei 0,2 mg, −20 % bei 0,4 mg, −23 % bei 0,8 mg, −25 % bei 5 mg Folsäure täglich; Wirkung größer bei hohem Ausgangswert und niedrigem Folat (HLTC 2005); in großen Studien −25 % (Clarke 2010)
Folsäure senkt den Homocysteinwert im Blut wahrscheinlich, je nach Dosis um 13 bis 25 Prozent; ab 0,8 mg täglich ist die volle Wirkung fast erreicht, 0,4 mg schaffen schon den größten Teil davon. Die Zahl stammt aus einer großen Einzeldaten-Auswertung; eine zweite, unabhängige Meta-Analyse zu Folsäure allein fehlt. Ein niedrigerer Homocysteinwert verhinderte in großen Studien keine Herzinfarkte. 13, 14
Blutdruck senkenwahrscheinlich22 Studien, 41.633 Pers. (Asbaghi 2023)systolisch −1,10 mmHg, diastolisch −0,24 mmHg
Erwachsene, teils mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankung; Folsäure gegen Placebo
Ergebnisse: systolisch −1,10 mmHg (95 % KI −1,93 bis −0,28), diastolisch −0,24 mmHg (−0,37 bis −0,10) (Asbaghi 2023); Netzwerk-Meta-Analyse bei Bluthochdruck (23 Studien zu 5 Vitaminen, 2.218 Pers.): kein Effekt von Folsäure (Qi 2024)
Folsäure senkt den Blutdruck wahrscheinlich, aber nur minimal: Die maßgebliche Meta-Analyse mit über 40.000 Teilnehmenden fand rund 1 mmHg weniger beim oberen Wert. Eine Auswertung nur bei Menschen mit Bluthochdruck fand keinen Effekt. Als Blutdrucksenker spielt Folsäure keine Rolle. 15, 16
Schlaganfällen vorbeugenunklarwidersprüchlich5 Studien (Li 2016, Teilgruppe Folsäure allein; Teilnehmerzahl nicht angegeben)Folsäure allein: Schlaganfall RR 0,79
Erwachsene mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Bluthochdruck; Folsäure allein (auch zusammen mit demselben Blutdrucksenker in beiden Gruppen); Kombinationen mit B12/B6 in eigener Zeile
Ergebnisse: Folsäure allein: Schlaganfall RR 0,79 (95 % KI 0,69 bis 0,92; 5 Studien, 773 Schlaganfälle; Li 2016, teilweise herstellerfinanziert); Sammelauswertungen mit und ohne B12/B6: RR 0,90 (0,83 bis 0,98; 21 Studien, 115.559 Pers.), ohne oder mit teilweiser Mehlanreicherung RR 0,83, mit Anreicherung RR 1,04 (Zhang 2024); RR 0,89 (Zhao 2017); CSPPT mit Enalapril: 2,7 vs. 3,4 %, HR 0,79 (0,68 bis 0,93); Gegenbefund: RR 0,96 (0,87 bis 1,06; 8 Studien, 37.485 Pers.; Clarke 2010)
Ob Folsäure allein Schlaganfällen vorbeugt, ist unklar, die Ergebnisse sind widersprüchlich: Die maßgebliche Auswertung der Studien mit Folsäure allein fand rund ein Fünftel weniger Schlaganfälle, sie wurde aber teilweise von einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln finanziert. Größere Meta-Analysen, die Folsäure allein und zusammen mit B12 oder B6 rechnen, fanden rund zehn Prozent weniger Schlaganfälle, allerdings nur in Ländern ohne Folsäure-Anreicherung von Mehl, etwa in der chinesischen CSPPT-Studie mit über 20.000 Bluthochdruck-Patienten. Eine Einzeldaten-Auswertung großer westlicher Studien fand keinen gesicherten Effekt. 20, 21, 22, 14, 23
- positive Studien überwiegend von Herstellern finanziert
Depression lindern: Folsäure zusätzlich zum Antidepressivumunklarwidersprüchlich1 RCT, 475 Pers. (FolATED, Bedson 2014); Meta-Analysen ohne Studienzahl für Folsäure alleinFolATED: Depressionswert nach 12 Wochen ohne Unterschied
Erwachsene mit Depression unter Antidepressiva; synthetische Folsäure zusätzlich; Methylfolat in eigener Zeile, Kombinationen mit B12 zählen nicht; keine Studie zu Folsäure allein ohne Antidepressivum
Ergebnisse: FolATED (5 mg): Depressionswert nach 12 Wochen ohne Unterschied (Bedson 2014); Folsäure-Studien eigens gerechnet ohne Effekt (Sarris 2016; Schefft 2017); kleine Studie mit 0,5 mg zu Fluoxetin: besser, nur bei Frauen (Coppen 2000); Folsäure und Methylfolat zusammengerechnet: HAM-D −2,16 Punkte (−3,62 bis −0,69; 5 Studien; Altaf 2021); Folsäure + B12: SMD −0,12 (−0,45 bis 0,22; Almeida 2015)
Ob synthetische Folsäure als Zusatz zum Antidepressivum hilft, ist unklar, die Ergebnisse widersprechen sich: Die größte Einzelstudie (FolATED, 475 Personen, 5 mg täglich) fand keinen Nutzen, ebenso zwei Meta-Analysen, die Folsäure-Studien eigens auswerten. Eine Meta-Analyse mit fünf kleinen Studien fand bessere Werte, rechnet aber Folsäure und hoch dosiertes Methylfolat zusammen (eigene Zeile). Als alleinige Behandlung wurde Folsäure nie gegen Placebo geprüft. 26, 81, 27, 82, 83
Geistige Leistungsfähigkeit im Alter erhalten (Folsäure allein)unklar1 RCT, 818 Pers. (FACIT, Durga 2007); 7 Studien, 1.102 Pers. bei leichter kognitiver Störung (Wang 2024)nach 3 Jahren Gedächtnis +0,132 z-Wert, Verarbeitungsgeschwindigkeit +0,087
Ältere Erwachsene mit erhöhtem Homocystein (FACIT, 0,8 mg) bzw. mit leichter kognitiver Störung; Folsäure allein
Ergebnisse: nach 3 Jahren Gedächtnis +0,132 z-Wert (0,032 bis 0,233), Verarbeitungsgeschwindigkeit +0,087 (Durga 2007); leichte kognitive Störung: Gesamt-IQ SMD 8,36 (unplausibel groß), einzelne Tests teils besser, teils nicht (Wang 2024)
Ob Folsäure allein die geistige Leistungsfähigkeit im Alter erhält, ist unklar: In der niederländischen FACIT-Studie mit über 800 Älteren schnitt die Folsäure-Gruppe nach drei Jahren bei Gedächtnis und Tempo etwas besser ab, in einem Land ohne Folsäure-Anreicherung. Eine Meta-Analyse zu leichter kognitiver Störung meldet zum Teil unplausibel große Effekte aus kleinen chinesischen Studien. Die großen Auswertungen kombinierter B-Vitamine fanden keinen oder nur einen sehr kleinen Effekt (siehe eigene Zeile). 28, 86
Herzinfarkt und koronarer Herzkrankheit vorbeugenspricht dagegen7 Studien (Li 2016, Teilgruppe Folsäure allein; Teilnehmerzahl nicht angegeben)Folsäure allein: koronare Herzkrankheit RR 1,13
Erwachsene mit und ohne Herzerkrankung; Folsäure allein (auch mit demselben Begleitmedikament in beiden Gruppen); Kombinationen mit B12/B6 in eigener Zeile
Ergebnisse: Folsäure allein: koronare Herzkrankheit RR 1,13 (95 % KI 0,98 bis 1,31; 7 Studien; Li 2016); alle Studien mit und ohne B12/B6 RR 1,04 (0,99 bis 1,09); große Koronarereignisse RR 1,03 (0,97 bis 1,10; Clarke 2010); koronare Revaskularisation RR 0,99 (0,88 bis 1,11; 9 Studien, 27.418 Pers.; Qin 2014); CSPPT Herzinfarkt HR 1,04
Folsäure allein verhindert Herzinfarkte eher nicht: In den Studien mit Folsäure allein und in allen großen Meta-Analysen kamen Herzinfarkte und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen mit und ohne Folsäure etwa gleich häufig vor, obwohl der Homocysteinwert deutlich sank. 20, 14, 71
Fehlgeburten verhindernspricht dagegen5 Studien, 7.391 Schwangerschaften (De-Regil 2015)Fehlgeburten RR 1,10
Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere; Folsäure gegen kein Folat; Hochdosis-Vergleiche (4 mg gegen 0,4 mg) separat genannt
Ergebnisse: Fehlgeburten RR 1,10 (95 % KI 0,94 bis 1,28; mittlere Evidenzqualität; De-Regil 2015); nur Dosisvergleich 4 mg gegen Standarddosis: RR 0,73 (0,56 bis 0,94) bei 1.488 Schwangeren, nach ITT RR 0,79 (0,61 bis 1,04) (Vinti 2026); Methylfolat gegen Folsäure bei wiederholten Fehlgeburten kein Unterschied (Hekmatdoost 2015)
Folsäure verhindert nach den randomisierten Studien keine Fehlgeburten: Im Cochrane-Review kamen sie mit und ohne Folsäure etwa gleich häufig vor. Eine neue Auswertung fand mit 4 mg weniger Fehlgeburten als mit der Standarddosis, aber nur unter den schwanger gewordenen Frauen und nicht in der Auswertung aller Teilnehmerinnen. Methylfolat war bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten nicht besser als Folsäure. 4, 52, 53
Alle 42 untersuchten Wirkungen ansehennach Bereichen geordnet, mit Studien und Begründung der Stufe
Hier steht jede Wirkung, die bei Folsäure in kontrollierten Studien am Menschen untersucht wurde. Jede Stufe entsteht nach festen Regeln aus zwei unabhängigen Recherchen derselben Studien; weichen sie voneinander ab, gilt die vorsichtigere Stufe. Studien mit Infusionen im Krankenhaus sind gekennzeichnet, denn sie sagen nichts darüber, was eine Tablette bewirkt.
Schwangerschaft & Kinder 15
1 gut belegt · 7 unklar · 4 spricht dagegen · 3 nicht untersucht
Neuralrohrdefekte (z. B. offener Rücken) beim Kind verhinderngut belegt5 Studien, 6.708 Geburten (De-Regil 2015, Cochrane)Neuralrohrdefekte RR 0,31
Frauen mit Kinderwunsch, Einnahme ab vor der Empfängnis bis in die Frühschwangerschaft; synthetische Folsäure (0,4 mg oder mehr), allein oder in Multivitaminpräparaten
Ergebnisse: Neuralrohrdefekte RR 0,31 (95 % KI 0,17 bis 0,58; hohe Evidenzqualität; De-Regil 2015); Wiederholungsrisiko RR 0,34 (4 Studien, 1.846 Geburten); MRC-Studie RR 0,28 (0,12 bis 0,71); Ersterkrankung Czeizel 1992: 0 vs. 6 Fälle (p = 0,029); Umbrella-Review: RCT-Meta-Analysen gepoolt 0,43 (0,32 bis 0,54)
Dass Folsäure rund um die Empfängnis Neuralrohrdefekte wie Spina bifida verhindert, ist gut belegt: Im Cochrane-Review mit hoher Evidenzqualität traten sie um rund zwei Drittel seltener auf. Der Effekt zeigte sich ab 0,4 mg synthetischer Folsäure täglich, allein oder in einem Multivitaminpräparat. Entscheidend ist der Beginn vor der Schwangerschaft, weil sich das Neuralrohr in den ersten Wochen schließt; für Methylfolat gibt es dazu keine Studien (eigene Zeile). 4, 48, 5, 6, 49
Angeborene Herzfehler beim Kind verhindernunklar3 Studien, 5.612 Geburten (De-Regil 2015)angeborene Herzfehler RR 0,57
Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere; Folsäure allein oder in Multivitaminpräparaten
Ergebnisse: angeborene Herzfehler RR 0,57 (95 % KI 0,24 bis 1,33; geringe Evidenzqualität; nicht signifikant; De-Regil 2015); Beobachtungsstudien OR 0,82 (0,72 bis 0,94), sehr heterogen (I² 92,7 %; Cheng 2022)
Ob Folsäure angeborene Herzfehler verhindert, ist unklar: In den randomisierten Studien gab es zwar weniger Fälle, der Unterschied war aber nicht gesichert und die Evidenzqualität gering. Beobachtungsstudien zeigen ein etwas geringeres Risiko bei Einnahme, sind aber sehr uneinheitlich. 4, 50
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beim Kind verhindernunklar3 Studien, 5.612 Geburten (De-Regil 2015)Lippenspalte RR 0,79, Gaumenspalte RR 0,73, beide nicht signifikant, geringe …
Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere; Folsäure allein oder in Multivitaminpräparaten
Ergebnisse: Lippenspalte RR 0,79 (95 % KI 0,14 bis 4,36), Gaumenspalte RR 0,73 (0,05 bis 10,89), beide nicht signifikant, geringe Evidenzqualität (De-Regil 2015); Beobachtungsstudien OR 0,60 (0,51 bis 0,69) (Zhou 2020); Czeizel 1992: keine Verringerung
Ob Folsäure Lippen-Kiefer-Gaumenspalten verhindert, ist unklar: In den randomisierten Studien gab es zu wenige Fälle für eine Aussage. Beobachtungsstudien finden bei Einnahme etwa 40 Prozent weniger Spalten, die Studien unterscheiden sich aber stark und können andere Einflüsse nicht ausschließen. 4, 51, 6
Höheres Geburtsgewichtunklar31 Studien, 17.771 Frauen insgesamt (Lassi 2013; Studienzahl für diesen Endpunkt nicht im Abstract)mittleres Geburtsgewicht +135,75 g
Schwangere, Folsäure meist ab dem 2. Trimester; viele Studien aus Ländern mit Mangelernährung
Ergebnisse: mittleres Geburtsgewicht +135,75 g (95 % KI 47,85 bis 223,68; Lassi 2013); +85,58 g (−55,17 bis 226,34), nicht signifikant, niedriges Geburtsgewicht RR 0,79 (0,49 bis 1,28) (Saccone 2016); 2 % mehr Gewicht je Verdopplung der Folatzufuhr (8 RCTs; Fekete 2012)
Ob Folsäure das Geburtsgewicht erhöht, ist unklar: Der Cochrane-Review fand im Mittel etwa 136 Gramm mehr, eine spätere Meta-Analyse nur einen kleineren, nicht gesicherten Unterschied und keine selteneren Untergewichtsgeburten. Viele Studien stammen aus Ländern mit verbreiteter Mangelernährung. 54, 10, 56
Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) verhindernunklar1 RCT, 2.301 Schwangere (FACT, Wen 2018)FACT: Präeklampsie 14,8 vs
Schwangere mit und ohne erhöhtes Präeklampsie-Risiko; Folsäure allein, in der einzigen großen Placebo-Studie hoch dosiert (4 mg ab dem 2. Trimester)
Ergebnisse: FACT: Präeklampsie 14,8 vs. 13,5 %, RR 1,10 (95 % KI 0,90 bis 1,34; p = 0,37; Wen 2018); Meta-Analysen überwiegend aus Beobachtungsstudien: kein gesicherter Schutz (9 Studien, 212.273 Frauen; Cui 2024), dagegen seltener Präeklampsie (20 Studien, davon 3 RCTs, 359.041 Frauen; Yu 2021)
Ob Folsäure Präeklampsie verhindert, ist unklar: Die einzige große placebokontrollierte Studie (FACT, 4 mg täglich bei Frauen mit erhöhtem Risiko) fand keinen Schutz; Präeklampsie trat mit Folsäure sogar etwas häufiger auf, der Unterschied war aber nicht gesichert. Meta-Analysen, die überwiegend Beobachtungsstudien zusammenrechnen, kommen zu gegensätzlichen Ergebnissen. 11, 59, 60
Bessere geistige Entwicklung des Kindes durch Folsäure im 2. und 3. Trimesterunklar1 RCT (FASSTT), 119 Mutter-Kind-Paare, 68 bis 70 Kinder nachuntersuchtmit 7 Jahren Wortverständnis 13,3 vs
Kinder von Schwangeren, die Folsäure über das erste Trimester hinaus (0,4 mg) gegen Placebo nahmen; Nachuntersuchung eines kleinen RCT
Ergebnisse: mit 7 Jahren Wortverständnis 13,3 vs. 11,9 Punkte (p = 0,027), mit 3 Jahren Kognition 10,3 vs. 9,5 (p = 0,040) (McNulty 2019); mit 11 Jahren Verarbeitungsgeschwindigkeit +2,9 bzw. +11,3 Punkte (Caffrey 2021)
Ob Folsäure über das erste Drittel der Schwangerschaft hinaus die geistige Entwicklung des Kindes fördert, ist unklar: Die einzige Studie dazu fand bei den Kindern der Folsäure-Gruppe in einzelnen Tests bessere Werte. Nachuntersucht wurden aber nur rund 70 Kinder, viele Tests zeigten keinen Unterschied. 61, 62
Autismus-Symptome bei Kindern lindern mit Folinsäureunklarerste Hinweise2 RCTs mit Effekt, 48 und 55 Kinder (Frye 2018, Batebi 2021)verbale Kommunikation +5,7 Punkte, bei Folatrezeptor-Antikörpern +7,3
Kinder mit Autismus; Folinsäure (Leucovorin), ein Arzneimittel und weder Folsäure noch Methylfolat, hoch dosiert bis 50 mg täglich
Ergebnisse: verbale Kommunikation +5,7 Punkte (1,0 bis 10,4; Cohen's d 0,70), bei Folatrezeptor-Antikörpern +7,3 (Frye 2018); unangemessene Sprache (ABC) besser mit Folinsäure zusätzlich zu Risperidon, p = 0,044 (Batebi 2021); eine weitere Studie von 2024 wurde zurückgezogen und zählt nicht
Ob hoch dosierte Folinsäure Autismus-Symptome lindert, ist unklar, es gibt erste Hinweise: Zwei kleine placebokontrollierte Studien mit zusammen rund 100 Kindern fanden eine bessere Sprache, in einer davon vor allem bei Kindern mit Antikörpern gegen den Folatrezeptor. Folinsäure ist ein Arzneimittel in Dosen weit über üblichen Nahrungsergänzungen; Folsäure und Methylfolat wurden dafür nicht geprüft. 65, 66
Kinderwunsch: Lebendgeburt durch Folsäure plus Zink beim Mannunklar1 RCT, 2.370 Männer (FAZST, Schisterman 2020)Lebendgeburt 34 vs
Männer von Paaren in Kinderwunschbehandlung; Kombination Folsäure (5 mg) plus Zink, nicht Folsäure allein
Ergebnisse: Lebendgeburt 34 vs. 35 %, Risikodifferenz −0,9 % (−4,7 bis 2,8); Spermienwerte unverändert, DNA-Fragmentierung 29,7 vs. 27,2 % (Schisterman 2020); Meta-Analyse kleiner Studien: höhere Spermienkonzentration (Irani 2017)
Ob Folsäure plus Zink beim Mann die Chance auf ein Kind verbessert, ist unklar: Die einzige große placebokontrollierte Studie (FAZST, über 2.300 Männer) fand gleich viele Geburten wie mit Placebo und keine bessere Spermienqualität. Weitere Studien zur Geburtenrate fehlen; ältere kleine Studien hatten nur höhere Spermienzahlen gemessen. Es handelt sich um eine Kombination, nicht um Folsäure allein. 12, 67
Fehlgeburten verhindernspricht dagegen5 Studien, 7.391 Schwangerschaften (De-Regil 2015)Fehlgeburten RR 1,10
Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere; Folsäure gegen kein Folat; Hochdosis-Vergleiche (4 mg gegen 0,4 mg) separat genannt
Ergebnisse: Fehlgeburten RR 1,10 (95 % KI 0,94 bis 1,28; mittlere Evidenzqualität; De-Regil 2015); nur Dosisvergleich 4 mg gegen Standarddosis: RR 0,73 (0,56 bis 0,94) bei 1.488 Schwangeren, nach ITT RR 0,79 (0,61 bis 1,04) (Vinti 2026); Methylfolat gegen Folsäure bei wiederholten Fehlgeburten kein Unterschied (Hekmatdoost 2015)
Folsäure verhindert nach den randomisierten Studien keine Fehlgeburten: Im Cochrane-Review kamen sie mit und ohne Folsäure etwa gleich häufig vor. Eine neue Auswertung fand mit 4 mg weniger Fehlgeburten als mit der Standarddosis, aber nur unter den schwanger gewordenen Frauen und nicht in der Auswertung aller Teilnehmerinnen. Methylfolat war bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten nicht besser als Folsäure. 4, 52, 53
Frühgeburten verhindernSchwangere ohne frühere Frühgeburt; Folsäure gegen Placebo oder nichtsspricht dagegen5 Studien, 5.332 Schwangere (Saccone 2016)Frühgeburt < 37 Wochen 22,6 vs
Ergebnisse: Frühgeburt < 37 Wochen 22,6 vs. 22,9 %, RR 0,99 (95 % KI 0,82 bis 1,18); < 34 Wochen RR 0,77 (0,55 bis 1,09) (Saccone 2016); RR 1,01 (0,73 bis 1,38; 3 Studien, 2.959 Pers.; Lassi 2013); Beobachtungsstudien: Beginn nach der Empfängnis RR 0,68, vor der Empfängnis RR 0,89 (0,80 bis 1,01) (Zhang 2017)
Folsäure senkt das Frühgeburtsrisiko nach den randomisierten Studien nicht: In der Meta-Analyse mit über 5.000 Schwangeren kamen Frühgeburten mit und ohne Folsäure gleich häufig vor, ebenso im Cochrane-Review. Nur Beobachtungsstudien deuten auf einen Vorteil hin, die aber andere Einflüsse nicht ausschließen können. 10, 54, 55
Blutarmut (Anämie) vor der Geburt vorbeugenspricht dagegen8 Studien, 4.149 Schwangere (Lassi 2013)Anämie vor der Geburt RR 0,62, nicht signifikant
Schwangere; Folsäure allein; megaloblastäre Anämie = Blutarmut durch Folatmangel
Ergebnisse: Anämie vor der Geburt RR 0,62 (95 % KI 0,35 bis 1,10), nicht signifikant; Hämoglobin −0,03 g/dl (12 Studien); megaloblastäre Anämie RR 0,21 (0,11 bis 0,38; 4 Studien, 3.839 Pers.) (Lassi 2013)
Folsäure allein beugt der Blutarmut vor der Geburt eher nicht vor: Im Cochrane-Review mit 8 Studien und über 4.000 Schwangeren war der Unterschied nicht gesichert, und der Hämoglobinwert veränderte sich nicht. Die besondere Form der Blutarmut durch Folatmangel (megaloblastäre Anämie) trat mit Folsäure aber um rund vier Fünftel seltener auf. 54
Folatspiegel mit Methylfolat (5-MTHF) im Vergleich zu Folsäurespricht dagegen7 Studien, 536 Pers. (Xie 2025)Erythrozytenfolat: im Text SMD 0,42 zugunsten Methylfolat, in der Ergebnistabelle …
Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter; Vergleich Methylfolat ((6S)-5-MTHF) gegen synthetische Folsäure in gleicher Dosis, keine Placebogruppe; Folinsäure nicht einbezogen
Ergebnisse: Erythrozytenfolat: im Text SMD 0,42 (0,09 bis 0,76) zugunsten Methylfolat, in der Ergebnistabelle derselben Arbeit SMD 0,29 (−0,01 bis 0,59), nicht signifikant; Plasmafolat bei gleicher Stoffmenge nicht gesichert verschieden; ungebundene Folsäure mit Methylfolat niedriger (Xie 2025); Schwangere: Erythrozytenfolat gleich (Cochrane 2024; Ernawati 2026); Homocystein gleich stark gesenkt (Lamers 2004)
Beim Folatspiegel im Blut zeigt sich zwischen Methylfolat und Folsäure kein gesicherter Unterschied: Die maßgebliche Meta-Analyse mit 7 Studien nennt im Text einen etwas höheren Wert für Methylfolat, in ihrer eigenen Ergebnistabelle ist der Unterschied aber nicht gesichert; hier gilt die vorsichtigere Lesart. Zwei neuere Studien bei Schwangeren fanden ebenfalls keinen Unterschied. Methylfolat hinterlässt weniger ungebundene Folsäure im Blut; ob das gesundheitlich eine Rolle spielt, ist unbekannt. 35, 47, 68, 69, 70
Neuralrohrdefekte verhindern mit Methylfolat (5-MTHF) statt Folsäurenicht untersuchtkeine kontrollierte Studie mit Neuralrohrdefekten als Endpunktkeine Studie mit Methylfolat und Neuralrohrdefekten
Frauen mit Kinderwunsch; Methylfolat ((6S)-5-MTHF) bzw. natürliches Folat statt synthetischer Folsäure
Ergebnisse: keine Studie mit Methylfolat und Neuralrohrdefekten; Methylfolat hebt den Folatspiegel in Studien ähnlich wie Folsäure (siehe Zeile Folatspiegel)
Ob Methylfolat Neuralrohrdefekte genauso verhindert wie Folsäure, wurde nie in einer kontrollierten Studie geprüft; alle Belege zur Vorbeugung stammen aus Studien mit synthetischer Folsäure. Studien zeigen nur, dass Methylfolat den Folatspiegel im Blut vergleichbar anhebt. Eine Übersichtsarbeit von 2026 hält fest, dass Folsäure die einzige Form mit belegter Wirkung gegen Neuralrohrdefekte ist. 9
Seltener zu kleine Neugeborene (SGA)Schwangere; nur Beobachtungsdaten zum Einnahmebeginnnicht untersuchtnur Beobachtungsstudien (Hodgetts 2015: 108.525 Schwangerschaften)Beginn vor der Empfängnis: SGA < 10
Ergebnisse: Beginn vor der Empfängnis: SGA < 10. Perzentile aOR 0,80 (0,71 bis 0,90), gepoolt < 5. Perzentile aOR 0,75 (0,61 bis 0,92); Beginn nach der Empfängnis kein Effekt (Hodgetts 2015); Zhang 2017: vor der Empfängnis RR 0,70, danach RR 0,84; Sammelauswertung aus Kohorten und RCTs: OR 0,63 (0,39 bis 1,01), nicht signifikant (Jonker 2020)
Ob Folsäure verhindert, dass Kinder zu klein für ihr Schwangerschaftsalter geboren werden, ist in placebokontrollierten Studien nicht untersucht: Frauen, die schon vor der Schwangerschaft Folsäure nahmen, bekamen in Beobachtungsstudien etwas seltener zu kleine Kinder. Solche Frauen planen ihre Schwangerschaft oft bewusster, was den Unterschied mit erklären kann. Eine Sammelauswertung, die Beobachtungsstudien und randomisierte Studien zusammenrechnet, fand keinen gesicherten Unterschied. 57, 55, 58
Seltener Autismus beim Kind durch Folsäure in der Frühschwangerschaftnicht untersuchtnur Beobachtungsstudien: 10 Studien, 9.795 Autismus-Fälle (Liu 2022)Autismus OR 0,57
Kinder von Frauen, die in der Frühschwangerschaft Folsäure nahmen; nur Beobachtungsstudien
Ergebnisse: Autismus OR 0,57 (95 % KI 0,41 bis 0,78); mindestens 0,4 mg/Tag OR 0,55 (0,36 bis 0,83) (Liu 2022); Übersicht aus 39 Beobachtungsstudien: günstig für Intelligenz, Autismus, ADHS und Sprache (Chen 2023); USPSTF: kein Schaden in 7 Beobachtungsstudien
Ob Folsäure in der Schwangerschaft Autismus beim Kind vorbeugt, ist nur in Beobachtungsstudien untersucht: Kinder von Frauen mit Folsäure-Einnahme hatten darin seltener Autismus. Weil Frauen, die Folsäure nehmen, sich oft auch sonst anders verhalten, beweist das keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang; randomisierte Studien gibt es nicht. 63, 64
Blut, Herz & Gefäße 13
3 wahrscheinlich · 6 unklar · 4 spricht dagegen
Blutdruck senkenwahrscheinlich22 Studien, 41.633 Pers. (Asbaghi 2023)systolisch −1,10 mmHg, diastolisch −0,24 mmHg
Erwachsene, teils mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankung; Folsäure gegen Placebo
Ergebnisse: systolisch −1,10 mmHg (95 % KI −1,93 bis −0,28), diastolisch −0,24 mmHg (−0,37 bis −0,10) (Asbaghi 2023); Netzwerk-Meta-Analyse bei Bluthochdruck (23 Studien zu 5 Vitaminen, 2.218 Pers.): kein Effekt von Folsäure (Qi 2024)
Folsäure senkt den Blutdruck wahrscheinlich, aber nur minimal: Die maßgebliche Meta-Analyse mit über 40.000 Teilnehmenden fand rund 1 mmHg weniger beim oberen Wert. Eine Auswertung nur bei Menschen mit Bluthochdruck fand keinen Effekt. Als Blutdrucksenker spielt Folsäure keine Rolle. 15, 16
Gefäßfunktion (Endothel) verbessernwahrscheinlich14 Studien, 732 Pers. (de Bree 2007)FMD +1,08 Prozentpunkte, bei 0,4 bis 0,8 mg −0,07, bei 5 mg +1,37, bei 10 mg +2,04
Erwachsene; Messwert flussvermittelte Gefäßerweiterung (FMD); Effekt vor allem bei hohen Dosen (5 bis 10 mg)
Ergebnisse: FMD +1,08 Prozentpunkte (95 % KI 0,57 bis 1,59; 14 Studien, 732 Pers.), bei 0,4 bis 0,8 mg −0,07, bei 5 mg +1,37, bei 10 mg +2,04 (de Bree 2007); FMD +2,59 Prozentpunkte (1,51 bis 3,67; 7 Effektgrößen, 360 Pers.; Zamani 2023)
Folsäure verbessert wahrscheinlich die Fähigkeit der Blutgefäße, sich zu weiten: Das zeigt die maßgebliche Meta-Analyse mit 14 Studien, eine neuere, kleinere Auswertung bestätigt es. Der Effekt trat vor allem bei sehr hohen Dosen von 5 bis 10 mg auf, bei üblichen Dosen bis 0,8 mg nicht. Ob das Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindert, sagt der Messwert allein nicht. 17, 74
Homocystein-Wert senken (Folsäure allein)wahrscheinlich25 Studien, 2.596 Pers. (Homocysteine Lowering Trialists' Collaboration 2005)Homocystein −13 % bei 0,2 mg, −20 % bei 0,4 mg, −23 % bei 0,8 mg, −25 % bei 5 mg …
Erwachsene; Laborwert ohne eigene klinische Bedeutung; Folsäure allein in verschiedenen Dosen gegen Placebo; Kombination mit B12 in eigener Zeile
Ergebnisse: Homocystein −13 % bei 0,2 mg, −20 % bei 0,4 mg, −23 % bei 0,8 mg, −25 % bei 5 mg Folsäure täglich; Wirkung größer bei hohem Ausgangswert und niedrigem Folat (HLTC 2005); in großen Studien −25 % (Clarke 2010)
Folsäure senkt den Homocysteinwert im Blut wahrscheinlich, je nach Dosis um 13 bis 25 Prozent; ab 0,8 mg täglich ist die volle Wirkung fast erreicht, 0,4 mg schaffen schon den größten Teil davon. Die Zahl stammt aus einer großen Einzeldaten-Auswertung; eine zweite, unabhängige Meta-Analyse zu Folsäure allein fehlt. Ein niedrigerer Homocysteinwert verhinderte in großen Studien keine Herzinfarkte. 13, 14
Schlaganfällen vorbeugenunklarwidersprüchlich5 Studien (Li 2016, Teilgruppe Folsäure allein; Teilnehmerzahl nicht angegeben)Folsäure allein: Schlaganfall RR 0,79
Erwachsene mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Bluthochdruck; Folsäure allein (auch zusammen mit demselben Blutdrucksenker in beiden Gruppen); Kombinationen mit B12/B6 in eigener Zeile
Ergebnisse: Folsäure allein: Schlaganfall RR 0,79 (95 % KI 0,69 bis 0,92; 5 Studien, 773 Schlaganfälle; Li 2016, teilweise herstellerfinanziert); Sammelauswertungen mit und ohne B12/B6: RR 0,90 (0,83 bis 0,98; 21 Studien, 115.559 Pers.), ohne oder mit teilweiser Mehlanreicherung RR 0,83, mit Anreicherung RR 1,04 (Zhang 2024); RR 0,89 (Zhao 2017); CSPPT mit Enalapril: 2,7 vs. 3,4 %, HR 0,79 (0,68 bis 0,93); Gegenbefund: RR 0,96 (0,87 bis 1,06; 8 Studien, 37.485 Pers.; Clarke 2010)
Ob Folsäure allein Schlaganfällen vorbeugt, ist unklar, die Ergebnisse sind widersprüchlich: Die maßgebliche Auswertung der Studien mit Folsäure allein fand rund ein Fünftel weniger Schlaganfälle, sie wurde aber teilweise von einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln finanziert. Größere Meta-Analysen, die Folsäure allein und zusammen mit B12 oder B6 rechnen, fanden rund zehn Prozent weniger Schlaganfälle, allerdings nur in Ländern ohne Folsäure-Anreicherung von Mehl, etwa in der chinesischen CSPPT-Studie mit über 20.000 Bluthochdruck-Patienten. Eine Einzeldaten-Auswertung großer westlicher Studien fand keinen gesicherten Effekt. 20, 21, 22, 14, 23
- positive Studien überwiegend von Herstellern finanziert
Herz-Kreislauf-Ereignissen insgesamt vorbeugenunklarwidersprüchlich8 Studien (Li 2016, Teilgruppe Folsäure allein; Teilnehmerzahl nicht angegeben)Folsäure allein: Herz-Kreislauf-Ereignisse RR 0,90
Erwachsene mit und ohne Vorerkrankung; Folsäure allein (auch mit demselben Begleitmedikament in beiden Gruppen)
Ergebnisse: Folsäure allein: Herz-Kreislauf-Ereignisse RR 0,90 (95 % KI 0,82 bis 0,99; 8 Studien, 1.627 Ereignisse; Li 2016, teilweise herstellerfinanziert); alle Studien mit und ohne B12/B6 RR 0,96 (0,92 bis 0,99); CSPPT mit Enalapril HR 0,80 (0,69 bis 0,92); große Gefäßereignisse RR 1,01 (0,97 bis 1,05; 8 Studien, 37.485 Pers.; Clarke 2010)
Ob Folsäure Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt verhindert, ist unklar, die Ergebnisse sind widersprüchlich: Die maßgebliche Auswertung der Studien mit Folsäure allein fand rund zehn Prozent weniger Ereignisse, vor allem weniger Schlaganfälle; sie wurde aber teilweise von einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln finanziert. Die Einzeldaten-Auswertung der acht größten Studien fand keinen Effekt. 20, 14
- positive Studien überwiegend von Herstellern finanziert
Fortschreiten der Gefäßverkalkung an der Halsschlagader bremsenunklar10 Studien, 2.052 Pers. (Qin 2012; Folsäure allein und mit B12/B6 gemischt)CIMT-Zunahme −0,04 mm
Erwachsene, vor allem mit Nierenerkrankung oder hohem Herz-Kreislauf-Risiko; Messwert Intima-Media-Dicke (CIMT); Studien mit Folsäure allein und mit B12/B6 zusammengerechnet
Ergebnisse: CIMT-Zunahme −0,04 mm (95 % KI −0,07 bis −0,02); bei Nierenkranken −0,16 mm; bei Gesunden mit nur erhöhtem Homocystein 0,00 mm (Qin 2012)
Ob Folsäure die Gefäßverkalkung an der Halsschlagader bremst, ist unklar: Eine Meta-Analyse mit 10 Studien fand eine leicht geringere Verdickung der Gefäßwand, vor allem bei Nierenkranken und Menschen mit hohem Risiko; bei Gesunden zeigte sich kein Effekt. Die Arbeit trennt Folsäure allein nicht von Kombinationen mit B12 oder B6, und der Messwert sagt wenig über tatsächliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle. 18
Kombination Folsäure + B12 (+ B6): Homocystein stärker senkenunklarEinzeldaten aus 25 Studien, 2.596 Pers. (HLTC 2005; Zahl der Studien mit B12-Arm nicht angegeben)B12 senkt Homocystein zusätzlich zu Folsäure um weitere 7 %, B6 ohne Zusatzeffekt
KOMBINATION: Folsäure plus Vitamin B12 (mit oder ohne B6) im Vergleich zu Folsäure allein in gleicher Dosis; Erwachsene, teils mit koronarer Herzkrankheit; Laborwert
Ergebnisse: B12 (im Mittel 0,4 mg) senkt Homocystein zusätzlich zu Folsäure um weitere 7 % (4 bis 9 %), B6 ohne Zusatzeffekt (HLTC 2005); Kombination gegen beliebige Einzelstoffe bei koronarer Herzkrankheit: −2,36 µmol/l (95 % KI −3,09 bis −1,62), schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse unverändert (Guo 2026)
Ob Folsäure zusammen mit Vitamin B12 den Homocysteinwert stärker senkt als Folsäure allein, ist unklar: Die große Einzeldaten-Auswertung fand mit B12 rund sieben Prozent zusätzliche Senkung, B6 brachte nichts; wie viele Studien einen B12-Arm hatten, nennt die Arbeit nicht. Eine neuere Meta-Analyse bei koronarer Herzkrankheit vergleicht die Kombination mit beliebigen Einzelstoffen und trennt Folsäure allein nicht ab; schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wurden dort nicht seltener. 13, 75
Kombination B-Vitamine (Folsäure, B6, B12): Schlaganfällen vorbeugenunklarwidersprüchlich13 Studien, 68.363 Pers. (Ren 2026)Schlaganfall RR 0,91, nicht signifikant, nur ohne frühere Erkrankung RR 0,79
KOMBINATION bzw. Sammelauswertung: Folsäure plus B12 und/oder B6 gegen Placebo; Erwachsene mit und ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung
Ergebnisse: Schlaganfall RR 0,91 (95 % KI 0,81 bis 1,04), nicht signifikant, nur ohne frühere Erkrankung RR 0,79 (Ren 2026); 4,3 vs. 5,1 %, RR 0,90 (0,82 bis 0,99; 10 Studien, 44.224 Pers.; hohe Evidenzqualität; Martí-Carvajal 2017); HOPE-2 RR 0,75 (0,59 bis 0,97); WAFACS RR 1,14 (0,82 bis 1,57); SEARCH 4,5 vs. 4,4 %
Ob B-Vitamin-Kombinationen mit Folsäure Schlaganfällen vorbeugen, ist unklar, die Studien widersprechen sich: Der Cochrane-Review fand rund zehn Prozent weniger Schlaganfälle (4,3 statt 5,1 Prozent der Teilnehmenden), die neuere und größere Meta-Analyse mit Studien über mindestens zwei Jahre dagegen keinen gesicherten Unterschied. Auch die großen Einzelstudien fanden mal einen Vorteil, mal keinen. 25, 36, 76, 77, 78
Kombination B-Vitamine: Venenthrombose und Lungenembolie vorbeugenunklar2 RCTs, 5.522 und 701 Pers. (HOPE-2, Ray 2007; VITRO, den Heijer 2007)venöse Thromboembolie je 0,35 pro 100 Personenjahre, HR 1,01
KOMBINATION: Folsäure + B6 + B12 (2,5 bis 5 mg Folsäure); Menschen ab 55 mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes (HOPE-2) bzw. nach einer Thrombose (VITRO)
Ergebnisse: venöse Thromboembolie je 0,35 pro 100 Personenjahre, HR 1,01 (95 % KI 0,66 bis 1,53); tiefe Venenthrombose HR 1,04, Lungenembolie HR 1,14 (Ray 2007); erneute Thrombose HR 0,84 (0,56 bis 1,26) (den Heijer 2007)
Ob die Kombination aus Folsäure, B6 und B12 Thrombosen oder Lungenembolien vorbeugt, ist unklar: In der großen HOPE-2-Studie traten sie mit und ohne Vitamine gleich häufig auf, obwohl der Homocysteinwert sank, und auch nach einer Thrombose gab es nicht gesichert weniger Rückfälle. Eine Meta-Analyse kontrollierter Studien gibt es nicht. 79, 80
Herzinfarkt und koronarer Herzkrankheit vorbeugenspricht dagegen7 Studien (Li 2016, Teilgruppe Folsäure allein; Teilnehmerzahl nicht angegeben)Folsäure allein: koronare Herzkrankheit RR 1,13
Erwachsene mit und ohne Herzerkrankung; Folsäure allein (auch mit demselben Begleitmedikament in beiden Gruppen); Kombinationen mit B12/B6 in eigener Zeile
Ergebnisse: Folsäure allein: koronare Herzkrankheit RR 1,13 (95 % KI 0,98 bis 1,31; 7 Studien; Li 2016); alle Studien mit und ohne B12/B6 RR 1,04 (0,99 bis 1,09); große Koronarereignisse RR 1,03 (0,97 bis 1,10; Clarke 2010); koronare Revaskularisation RR 0,99 (0,88 bis 1,11; 9 Studien, 27.418 Pers.; Qin 2014); CSPPT Herzinfarkt HR 1,04
Folsäure allein verhindert Herzinfarkte eher nicht: In den Studien mit Folsäure allein und in allen großen Meta-Analysen kamen Herzinfarkte und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen mit und ohne Folsäure etwa gleich häufig vor, obwohl der Homocysteinwert deutlich sank. 20, 14, 71
Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Nierenkranken vorbeugenspricht dagegen9 Studien, 23.638 Pers. (Lin 2026)Herz-Kreislauf-Ereignisse RR 0,94
Menschen mit chronischer Nierenerkrankung, Dialyse oder Nierentransplantat; Folsäure-basierte Homocystein-Senkung, Folsäure allein oder kombiniert mit B12/B6
Ergebnisse: Herz-Kreislauf-Ereignisse RR 0,94 (95 % KI 0,84 bis 1,06; Kontrollen teils niedrigere Dosis; Lin 2026); RR 0,97 (0,92 bis 1,03; 11 Studien, 10.951 Pers.; Jardine 2012); RR 0,90 (0,81 bis 1,00; 9 Studien; Qin 2013), Grenzfall
Bei Nierenkranken verhindert Folsäure, allein oder mit B12 und B6, Herz-Kreislauf-Ereignisse eher nicht: Die maßgebliche Meta-Analyse mit 9 Studien und über 23.000 Teilnehmenden fand keinen gesicherten Unterschied, ebenso eine frühere mit 11 Studien, deren Autoren von dieser Anwendung abraten. Eine dritte Auswertung fand zehn Prozent weniger Ereignisse, das Konfidenzintervall reicht aber bis zur Nulllinie. 24, 72, 73
LDL-Cholesterin und andere Blutfette senkenErwachsene; Folsäure gegen Placebospricht dagegen34 Studien, 21.787 Pers. (Asbaghi 2022; Studienzahl über alle Blutfette)LDL −0,97 mg/dl, nicht signifikant
Ergebnisse: LDL −0,97 mg/dl (95 % KI −6,82 bis 4,89), nicht signifikant; HDL +0,44 mg/dl nicht signifikant; Triglyceride −9,78 mg/dl (−15,5 bis −4,00), Gesamtcholesterin −3,96 mg/dl (−6,71 bis −1,21) (Asbaghi 2022); bei Stoffwechselkranken LDL SMD −0,14, nicht signifikant (Tabrizi 2018)
Folsäure senkt das LDL-Cholesterin eher nicht: In der maßgeblichen Meta-Analyse mit 34 Studien und über 21.000 Teilnehmenden blieb der Wert praktisch gleich, ebenso das HDL. Triglyceride und Gesamtcholesterin sanken nur minimal, um rund 10 bzw. 4 mg/dl; für die Behandlung erhöhter Blutfette spielt das keine Rolle. 19
Kombination B-Vitamine: Herzinfarkt und Tod vorbeugenspricht dagegen13 Studien, 68.363 Pers. (Ren 2026)Herzinfarkt RR 0,97
KOMBINATION bzw. Sammelauswertung: B6, Folsäure oder B12 allein oder kombiniert gegen Placebo
Ergebnisse: Herzinfarkt RR 0,97 (95 % KI 0,91 bis 1,03; Ren 2026); 7,1 vs. 6,0 %, RR 1,02 (0,95 bis 1,10; 12 Studien, 46.699 Pers.; hohe Evidenzqualität), Gesamtsterblichkeit RR 1,01 (0,96 bis 1,06) (Martí-Carvajal 2017); Gesamtsterblichkeit RR 1,02 (0,97 bis 1,08; Clarke 2010)
Homocystein-senkende B-Vitamine mit Folsäure verhindern Herzinfarkte eher nicht und verlängern das Leben nicht: Die maßgebliche Meta-Analyse mit 13 Studien und über 68.000 Teilnehmenden fand keinen Unterschied, ebenso der Cochrane-Review mit hoher Evidenzqualität. 25, 36, 14
Gehirn, Psyche & Sonstiges 14
14 unklar
Depression lindern: Folsäure zusätzlich zum Antidepressivumunklarwidersprüchlich1 RCT, 475 Pers. (FolATED, Bedson 2014); Meta-Analysen ohne Studienzahl für Folsäure alleinFolATED: Depressionswert nach 12 Wochen ohne Unterschied
Erwachsene mit Depression unter Antidepressiva; synthetische Folsäure zusätzlich; Methylfolat in eigener Zeile, Kombinationen mit B12 zählen nicht; keine Studie zu Folsäure allein ohne Antidepressivum
Ergebnisse: FolATED (5 mg): Depressionswert nach 12 Wochen ohne Unterschied (Bedson 2014); Folsäure-Studien eigens gerechnet ohne Effekt (Sarris 2016; Schefft 2017); kleine Studie mit 0,5 mg zu Fluoxetin: besser, nur bei Frauen (Coppen 2000); Folsäure und Methylfolat zusammengerechnet: HAM-D −2,16 Punkte (−3,62 bis −0,69; 5 Studien; Altaf 2021); Folsäure + B12: SMD −0,12 (−0,45 bis 0,22; Almeida 2015)
Ob synthetische Folsäure als Zusatz zum Antidepressivum hilft, ist unklar, die Ergebnisse widersprechen sich: Die größte Einzelstudie (FolATED, 475 Personen, 5 mg täglich) fand keinen Nutzen, ebenso zwei Meta-Analysen, die Folsäure-Studien eigens auswerten. Eine Meta-Analyse mit fünf kleinen Studien fand bessere Werte, rechnet aber Folsäure und hoch dosiertes Methylfolat zusammen (eigene Zeile). Als alleinige Behandlung wurde Folsäure nie gegen Placebo geprüft. 26, 81, 27, 82, 83
Depression lindern: L-Methylfolat zusätzlich zum Antidepressivumunklarwidersprüchlich4 Studien, 507 Pers. (Maruf 2022)Depressionswerte SMD −0,38
Erwachsene mit Depression unter Antidepressiva; L-Methylfolat (aktive Folatform) meist 7,5 bis 15 mg täglich, weit über üblichen Nahrungsergänzungen; nicht übertragbar auf Folsäure oder Folinsäure
Ergebnisse: Depressionswerte SMD −0,38 (95 % KI −0,59 bis −0,17; 4 Studien, 507 Pers.); Ansprechen RR 1,25 (1,08 bis 1,46; 3 Studien, 483 Pers.); Placebo als Vergleich nicht eindeutig angegeben (Maruf 2022); placebokontrolliert: 7,5 mg ohne Unterschied, 15 mg besser (Papakostas 2012)
Ob L-Methylfolat als Zusatz zum Antidepressivum hilft, ist unklar, die Ergebnisse sind widersprüchlich: Eine Meta-Analyse mit vier Studien und rund 500 Teilnehmenden fand eine kleine Besserung, ob die Vergleichsgruppen ein Placebo bekamen, geht aus ihr aber nicht klar hervor. In zwei placebokontrollierten Studien derselben Arbeitsgruppe half 15 mg täglich, die niedrigere Dosis nicht. Die Dosen liegen weit über üblichen Nahrungsergänzungen. 84, 85
Geistige Leistungsfähigkeit im Alter erhalten (Folsäure allein)unklar1 RCT, 818 Pers. (FACIT, Durga 2007); 7 Studien, 1.102 Pers. bei leichter kognitiver Störung (Wang 2024)nach 3 Jahren Gedächtnis +0,132 z-Wert, Verarbeitungsgeschwindigkeit +0,087
Ältere Erwachsene mit erhöhtem Homocystein (FACIT, 0,8 mg) bzw. mit leichter kognitiver Störung; Folsäure allein
Ergebnisse: nach 3 Jahren Gedächtnis +0,132 z-Wert (0,032 bis 0,233), Verarbeitungsgeschwindigkeit +0,087 (Durga 2007); leichte kognitive Störung: Gesamt-IQ SMD 8,36 (unplausibel groß), einzelne Tests teils besser, teils nicht (Wang 2024)
Ob Folsäure allein die geistige Leistungsfähigkeit im Alter erhält, ist unklar: In der niederländischen FACIT-Studie mit über 800 Älteren schnitt die Folsäure-Gruppe nach drei Jahren bei Gedächtnis und Tempo etwas besser ab, in einem Land ohne Folsäure-Anreicherung. Eine Meta-Analyse zu leichter kognitiver Störung meldet zum Teil unplausibel große Effekte aus kleinen chinesischen Studien. Die großen Auswertungen kombinierter B-Vitamine fanden keinen oder nur einen sehr kleinen Effekt (siehe eigene Zeile). 28, 86
Kombination B-Vitamine (Folsäure, B6, B12): geistigem Abbau im Alter vorbeugenunklarwidersprüchlich25 Studien, 6.155 Pers. (Wang 2022) und 21 Studien, 15.104 Pers. (Ford 2019)MMSE +0,14 Punkte
KOMBINATION bzw. Sammelauswertung: B6, B9 und/oder B12; Ältere mit und ohne kognitive Einschränkung
Ergebnisse: MMSE +0,14 Punkte (25 RCTs; Wang 2022); globale Kognition Hedges' g 0,42 (0,19 bis 0,66; sehr geringe Qualität), bereinigt g 0,11 (0,03 bis 0,19) (Berg 2025); kein Effekt: MMSE +0,04 (−0,10 bis 0,18) ohne und +0,16 (−0,18 bis 0,51) mit Einschränkung (Ford 2019); z-Differenz 0,00 (−0,05 bis 0,06; 7 Studien, 20.431 Pers.; Clarke 2014); kaum oder kein Effekt (Cochrane, Rutjes 2018)
Ob B-Vitamine mit Folsäure den geistigen Abbau im Alter bremsen, ist unklar, die Studien widersprechen sich: Eine Meta-Analyse mit 25 Studien fand einen sehr kleinen Vorteil im Demenz-Suchtest (0,14 Punkte), eine neuere nach Bereinigung ebenfalls nur einen sehr kleinen. Die Einzeldaten-Auswertung großer Studien mit über 20.000 Teilnehmenden, eine weitere Meta-Analyse mit 21 Studien und der Cochrane-Review fanden keinen Effekt. 87, 88, 29, 89, 90
Kombination B-Vitamine bei leichter kognitiver Störung: Abbau bremsenunklar5 Studien, 879 Pers. (McCleery 2018, Cochrane)kaum oder kein Effekt auf Gedächtnis, exekutive Funktion, Tempo über 6 bis 24 Monate, …
KOMBINATION: meist Folsäure + B6 + B12; Ältere mit leichter kognitiver Störung (MCI)
Ergebnisse: kaum oder kein Effekt auf Gedächtnis, exekutive Funktion, Tempo über 6 bis 24 Monate, Gesamtkognition sehr geringe Qualität (McCleery 2018); Hirnschwund 0,76 vs. 1,08 % pro Jahr (p = 0,001; 168 Pers.; Smith 2010); 400 µg Folsäure + B12 über 24 Monate ohne Unterschied im Alltag (CDR-SOB; Kwok 2020)
Ob B-Vitamine mit Folsäure bei leichter kognitiver Störung den Abbau bremsen, ist unklar: Der Cochrane-Review fand kaum Effekte auf Gedächtnis und Denkleistung, die Daten zur Gesamtkognition sind sehr unsicher. Eine einzelne Studie fand einen langsameren Hirnschwund, vor allem bei erhöhtem Homocystein; eine weitere über zwei Jahre fand keinen Unterschied im Alltag. 91, 92
Schizophrenie-Symptome lindern: Folsäure oder Methylfolat zusätzlichunklar7 Studien, 340 Pers. (Sakuma 2018)Gesamtsymptome SMD −0,20, Negativsymptome SMD −0,25
Erwachsene mit Schizophrenie unter Antipsychotika; Folsäure (7 RCTs), Methylfolat (2), Folinsäure (1); teils mit B12
Ergebnisse: Gesamtsymptome SMD −0,20 (95 % KI −0,41 bis 0,02; nicht signifikant), Negativsymptome SMD −0,25 (−0,49 bis −0,01; 5 Studien, 281 Pers.) (Sakuma 2018); Folsäure + B12: Negativsymptome nur unter Berücksichtigung des Genotyps besser (Roffman 2013); B12 + B6 + Folsäure bei Erstpsychose ohne Effekt (Allott 2019)
Ob Folsäure als Zusatz zur Schizophrenie-Behandlung hilft, ist unklar: Auf die Symptome insgesamt hatte sie in einer Meta-Analyse keinen gesicherten Einfluss, die sogenannten Negativsymptome wie Antriebslosigkeit besserten sich etwas. Die Studien sind klein, die Autoren vermuten eine Verzerrung durch kleine Studien. 31, 93, 94
Blutzucker und Insulinresistenz verbessernunklarRCTs (Lind 2019; Studienzahl nicht im Abstract)HbA1c und Nüchternzucker unverändert, Nüchterninsulin −13,47 pmol/l, HOMA-IR −0,57
Erwachsene mit und ohne Typ-2-Diabetes; Folsäure gegen Placebo; Hauptwert HbA1c
Ergebnisse: HbA1c und Nüchternzucker unverändert, Nüchterninsulin −13,47 pmol/l, HOMA-IR −0,57; Diabetes-Neuerkrankung RR 0,91 (0,80 bis 1,04; 2 Studien) (Lind 2019); HbA1c −0,27 % (−0,73 bis 0,18; n. s.), Nüchternzucker −2,17 mg/dl, HOMA-IR −0,40 (Asbaghi 2021)
Ob Folsäure den Blutzucker verbessert, ist unklar: Den Langzeitblutzucker HbA1c veränderte sie in keiner Meta-Analyse, das Nüchterninsulin und einen Index der Insulinresistenz senkte sie aber etwas. Ob das vor Diabetes schützt, ist offen: Die zwei Studien dazu fanden keinen gesicherten Effekt. 33, 95
Entzündungswert CRP senkenErwachsene; Laborwert ohne eigene klinische Bedeutungunklarwidersprüchlich11 Studien, 1.279 Pers. (Asbaghi 2021)CRP −0,59 mg/l
Ergebnisse: CRP −0,59 mg/l (95 % KI −0,85 bis −0,33; 12 Effektgrößen aus 11 Studien); IL-6 −0,12 pg/ml und TNF-α −0,18 pg/ml nicht signifikant (Asbaghi 2021); Typ-2-Diabetes: SMD −0,68, p = 0,05, Grenzfall (9 Studien, 426 Pers.; Mokgalaboni 2024)
Ob Folsäure den Entzündungswert CRP senkt, ist unklar, die Ergebnisse sind widersprüchlich: Eine Meta-Analyse mit 11 Studien fand rund 0,6 mg/l weniger, eine Auswertung von 9 Studien bei Typ-2-Diabetes keinen gesicherten Unterschied. Andere Entzündungsbotenstoffe veränderten sich nicht; ob ein etwas niedrigerer CRP-Wert gesundheitlich etwas bedeutet, ist offen. 34, 96
Nebenwirkungen von Methotrexat bei Rheuma verringernunklarerste Hinweise1 RCT, 434 Pers. (van Ede 2001); Cochrane-Review 6 Studien, 624 Pers. (Folsäure und Folinsäure zusammen)Abbruch wegen Nebenwirkungen 17 vs
Menschen mit rheumatoider Arthritis unter niedrig dosiertem Methotrexat; Folsäure niedrig dosiert, zeitversetzt und ärztlich verordnet; Folinsäure ist eine andere Arzneiform und nur in der Sammelauswertung enthalten
Ergebnisse: Abbruch wegen Nebenwirkungen 17 vs. 38 % mit 1 mg Folsäure täglich (van Ede 2001); Folsäure und Folinsäure zusammen: Magen-Darm-Beschwerden RR 0,74 (95 % KI 0,59 bis 0,92), erhöhte Leberwerte RR 0,23 (0,15 bis 0,34), Therapieabbruch RR 0,39 (0,28 bis 0,53), mittlere Evidenzqualität (Shea 2013)
Ob Folsäure allein die Nebenwirkungen von Methotrexat bei Rheuma verringert, ist unklar, es gibt erste Hinweise: In der Studie mit eigenem Folsäure-Arm brachen mit 1 mg Folsäure täglich 17 statt 38 Prozent die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Der Cochrane-Review fand deutlich weniger Magen-Darm-Beschwerden, Leberwert-Erhöhungen und Abbrüche, rechnet aber Folsäure und Folinsäure zusammen. Folsäure wird hier ärztlich verordnet und zeitversetzt zum Methotrexat genommen. 45, 97
Altersbedingtem Hörverlust vorbeugenunklarerste Hinweise1 RCT, 728 Pers. (Durga 2007)Hörschwelle tiefe Frequenzen +1,0 vs
Ältere mit erhöhtem Homocystein in einem Land ohne Folsäure-Anreicherung (Niederlande); 0,8 mg Folsäure, 3 Jahre
Ergebnisse: Hörschwelle tiefe Frequenzen +1,0 vs. +1,7 dB, Differenz −0,7 dB (−1,2 bis −0,1; p = 0,020); hohe Frequenzen unverändert (Durga 2007)
Ob Folsäure altersbedingtem Hörverlust vorbeugt, ist unklar, es gibt erste Hinweise: In einer einzigen Studie verlangsamte sie den Hörverlust im Sprachbereich leicht, bei hohen Tönen nicht. Die Teilnehmenden hatten erhöhtes Homocystein und lebten in einem Land ohne Folsäure-Anreicherung; bestätigt wurde der Befund bisher nicht. 30
Kombination Folsäure + B6 + B12: altersbedingter Makuladegeneration vorbeugenunklarerste Hinweise1 RCT, 5.205 Frauen (WAFACS, Christen 2009)Makuladegeneration 55 vs
KOMBINATION: 2,5 mg Folsäure + 50 mg B6 + 1 mg B12; Frauen ab 40 mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Risikofaktoren
Ergebnisse: Makuladegeneration 55 vs. 82 Fälle, RR 0,66 (95 % KI 0,47 bis 0,93); visuell bedeutsame Form RR 0,59 (0,36 bis 0,95) (Christen 2009)
Ob die Kombination aus Folsäure, B6 und B12 altersbedingter Makuladegeneration vorbeugt, ist unklar, es gibt erste Hinweise: In einer großen Studie mit über 5.000 Frauen erkrankten unter der Kombination rund ein Drittel weniger. Es ist bisher die einzige Studie dazu, und die Erkrankung wurde nach Angaben der Teilnehmerinnen mit Arztunterlagen erfasst. 98
Kombination Folsäure + B12 (+ B6): Knochenbrüchen vorbeugenunklar2 RCTs, 2.919 und 4.810 Pers. (van Wijngaarden 2014; Stone 2017)osteoporotische Brüche 4,2 vs
KOMBINATION: Ältere mit erhöhtem Homocystein (B-PROOF: 0,4 mg Folsäure + 0,5 mg B12) bzw. Frauen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko (WAFACS: + B6)
Ergebnisse: osteoporotische Brüche 4,2 vs. 5,1 %, HR 0,84 (95 % KI 0,58 bis 1,21) (van Wijngaarden 2014); Nicht-Wirbel-Brüche HR 1,08 (0,88 bis 1,34) (Stone 2017); B-Vitamine gesamt RR 1,06 (0,95 bis 1,18; 14 Studien, 34.700 Pers.; Luo 2024)
Ob B-Vitamine mit Folsäure Knochenbrüchen vorbeugen, ist unklar: Zwei große Studien mit zusammen über 7.700 Teilnehmenden fanden keinen gesicherten Unterschied, auch nicht bei erhöhtem Homocystein, und eine Meta-Analyse über B-Vitamine insgesamt kam zum selben Ergebnis. Weitere Studien mit genau dieser Kombination fehlen. In der B-PROOF-Studie fiel nebenbei eine Häufung von Krebsdiagnosen auf (siehe Sicherheit). 99, 100, 101
Kombination Folsäure + B6: Migräne mit Aura lindernunklarwidersprüchlich1 RCT, 95 Pers. (Askari 2017); 1 RCT, 300 Pers. (Menon 2016)Kopfschmerzstärke −2,71 vs
KOMBINATION: Folsäure + Pyridoxin (B6); Patientinnen und Patienten mit Migräne mit Aura; Folsäure-allein-Arm ohne Effekt
Ergebnisse: Kopfschmerzstärke −2,71 vs. −2,19, Attackenhäufigkeit −3,35 vs. −2,73 (p < 0,001); Folsäure allein nicht besser als Placebo (Askari 2017); 1 mg Folsäure + B6 + B12: Häufigkeit ohne signifikanten Unterschied (Menon 2016)
Ob Folsäure zusammen mit Vitamin B6 Migräne mit Aura lindert, ist unklar, die Ergebnisse sind widersprüchlich: In einer kleinen Studie wurden Stärke und Häufigkeit der Attacken mit der Kombination etwas geringer, mit Folsäure allein nicht. Eine größere Studie mit 300 Frauen und einer Kombination aus Folsäure, B6 und B12 fand keinen gesicherten Unterschied. 102, 103
Anfälle bei Epilepsie verringernMenschen mit Epilepsie unter Antiepileptika; Folsäure gegen Placebounklar2 Studien, 75 Pers. (Ranganathan 2005, Cochrane)Anfallsreduktion um mindestens 50 %: OR 0,96
Ergebnisse: Anfallsreduktion um mindestens 50 %: OR 0,96 (95 % KI 0,32 bis 2,29); keine Effekte auf Zahnfleisch, Verhalten, Blutwerte (9 Studien mit Folsäure, 331 Pers.; Ranganathan 2005)
Ob Folsäure Anfälle bei Epilepsie verringert, ist unklar: In den zwei kleinen auswertbaren Studien mit 75 Personen zeigte sich kein Unterschied. Die Studien sind alt, methodisch schwach und zu klein für eine sichere Aussage. Zur Wechselwirkung mit Epilepsiemitteln siehe Sicherheit. 32
Drei weitere Wirkungen stufen wir als wahrscheinlich ein, ein niedrigeres Homocystein, ein minimal niedrigerer Blutdruck und eine bessere Gefäßfunktion. Alle drei sind Messwerte. Bei den allermeisten anderen Fragen ist die Lage unklar, oder die Studien sprechen eher dagegen. Dabei fällt auf, wie viele Hoffnungen auf Kombinationen mit B12 und B6 beruhen. Wo das so ist, sagen wir es dazu, denn eine Mischung aus drei Vitaminen beweist wenig über die Wirkung eines einzelnen, und umgekehrt lässt sich aus einer Studie mit Folsäure allein nichts über die Kombination ableiten.
Schwangerschaft und Kinderwunsch: Was ist belegt?
Folsäure verhindert Neuralrohrdefekte wie den offenen Rücken, und das ist gut belegt. In der Cochrane-Auswertung, einer besonders gründlichen Zusammenfassung von Placebo-Studien, traten sie mit Folsäure rund um die Empfängnis um rund zwei Drittel seltener auf.4 Den Grundstein legte eine britische Studie mit Frauen, die schon ein betroffenes Kind hatten.5 Kurz darauf zeigte eine Studie in Ungarn mit über 4.000 Schwangerschaften dasselbe für Frauen ohne Vorgeschichte.6
Das Timing entscheidet. Das Neuralrohr schließt sich schon im ersten Monat der Schwangerschaft, oft bevor eine Frau davon weiß.7 Deshalb lautet die Empfehlung, 400 µg Folsäure ab mindestens vier Wochen vor der Empfängnis zu nehmen.8 Geprüft ist dieser Schutz nur mit synthetischer Folsäure.9 Für Methylfolat fehlt dieser Nachweis.
Weit weniger klar sind die übrigen Hoffnungen rund um die Schwangerschaft. Fehlgeburten verhindert Folsäure nach den Placebo-Studien eher nicht,4 und Frühgeburten ebenfalls eher nicht.10 Ob sie vor Herzfehlern, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Präeklampsie schützt, ist unklar.411 Auch die Fruchtbarkeit des Mannes besserte sich mit hoch dosierter Folsäure plus Zink in einer großen Studie nicht.12 Was Folsäure in der Schwangerschaft leistet, lässt sich also auf einen Punkt bringen: Sie schützt das Rückenmark des Kindes, für den Rest trägt die Datenlage nicht.
So wurde gemessen
- Neuralrohrdefekte: Cochrane-Review mit 5 Studien und 7.391 Frauen, RR 0,31 (0,17 bis 0,58), hohe Evidenzqualität;4 britische Studie mit 4 mg nach einer betroffenen Schwangerschaft, RR 0,28;5 Ungarn, Multivitamin mit 0,8 mg, 0 gegen 6 Fälle.6
- Fehlgeburt RR 1,10 (0,94 bis 1,28);4 Frühgeburt 22,6 gegen 22,9 % in 5 Studien;10 Präeklampsie 14,8 gegen 13,5 % mit 4 mg;11 Lebendgeburt nach Folsäure plus Zink beim Mann 34 gegen 35 %.12

Homocystein, Blutdruck und Gefäße
Folsäure senkt das Homocystein wahrscheinlich, je nach Menge um gut ein Zehntel bis ein Viertel. Das zeigte eine Auswertung der Einzeldaten von 25 Studien, in der die volle Wirkung ab etwa 0,8 mg am Tag fast erreicht war.13 Doch ein Laborwert allein heilt nichts. In den großen Herzstudien sank das Homocystein um ein Viertel, und Herzinfarkte wurden trotzdem nicht seltener.14 Der Wert taugt deshalb vor allem als Hinweis auf einen Folsäuremangel.
Ähnlich klein ist der Effekt beim Blutdruck. Er sinkt mit Folsäure wahrscheinlich, aber nur um rund 1 mmHg beim oberen Wert, gemessen an mehr als 40.000 Teilnehmenden.15 Bei Menschen mit Bluthochdruck fand eine andere Auswertung sogar gar keinen Effekt.16 Als Blutdruckmittel taugt Folsäure deshalb nicht.
Auch die Gefäßfunktion bessert sich wahrscheinlich, also die Fähigkeit der Arterien, sich bei Bedarf zu weiten. Allerdings zeigte sich das vor allem mit sehr hohen Dosen von 5 bis 10 mg, bei üblichen Mengen nicht.17 Ob Folsäure die Verkalkung der Halsschlagader bremst, ist unklar, weil die Daten Folsäure allein nicht von Kombinationen trennen und bei Gesunden kein Effekt auftrat.18 Die Blutfette, darunter das LDL-Cholesterin, senkt Folsäure eher nicht.19
So wurde gemessen
- Homocystein: Einzeldaten aus 25 Studien mit 2.596 Personen; −13 % bei 0,2 mg, −20 % bei 0,4 mg, −23 % bei 0,8 mg, −25 % bei 5 mg.13 Große Herzstudien: −25 %, Gefäßereignisse RR 1,01.14
- Blutdruck: 22 Studien mit 41.633 Personen, oberer Wert −1,10 mmHg, unterer −0,24 mmHg;15 Netzwerk-Auswertung bei Bluthochdruck ohne Effekt der Folsäure.16
- Gefäßfunktion: 14 Studien mit 732 Personen, Gefäßerweiterung +1,08 Prozentpunkte, bei 0,4 bis 0,8 mg −0,07, bei 5 mg +1,37;17 Autoren bei einem Lebensmittelhersteller angestellt.
- Halsschlagader: 10 Studien, Wanddicke −0,04 mm, bei Gesunden 0,00 mm.18 Blutfette: 34 Studien, LDL −0,97 mg/dl ohne gesicherten Unterschied.19

Herz und Schlaganfall: Schützt Folsäure?
Ob Folsäure Schlaganfällen vorbeugt, ist unklar, die Ergebnisse widersprechen sich. Die wichtigste Auswertung der Studien mit Folsäure allein fand rund ein Fünftel weniger Schlaganfälle.20 Doch einen Teil des Geldes dafür gab ein Hersteller von Nahrungsergänzungen. Deshalb stufen wir den Befund nicht höher ein. Größere Sammelauswertungen, die Folsäure allein und mit B12 oder B6 zusammenrechnen, fanden rund ein Zehntel weniger Schlaganfälle.21 Dieser Vorteil zeigte sich aber vor allem in Ländern ohne Mehlanreicherung, in Ländern mit angereichertem Mehl dagegen nicht.2122
Den stärksten Einzelbefund lieferte eine chinesische Studie mit über 20.000 Menschen mit Bluthochdruck. Wer zum Blutdruckmittel zusätzlich Folsäure bekam, erlitt seltener einen ersten Schlaganfall.23 Das passt ins Bild, denn in China ist Mehl nicht angereichert, und viele Teilnehmende hatten wenig Folat im Blut. Dagegen fand eine Auswertung der Einzeldaten großer westlicher Studien keinen sicheren Effekt.14 Und Deutschland? Hier wird Mehl ebenfalls nicht angereichert, die Frage bleibt also offen. Ein Grund für Folsäure auf Verdacht ist sie nicht, zumal die Menschen in den chinesischen Studien mit ihrer Ernährung und ihren Folatwerten nur bedingt mit einer durchschnittlichen Bevölkerung in Mitteleuropa vergleichbar sind.
Beim Herzinfarkt ist das Bild klarer. In den Studien mit Folsäure allein und in allen großen Auswertungen kamen Herzinfarkte mit und ohne Folsäure etwa gleich häufig vor, Folsäure verhindert sie also eher nicht.2014 Ob sie Herz-Kreislauf-Ereignissen insgesamt vorbeugt, ist unklar, aus denselben Gründen wie beim Schlaganfall.20 Bei Nierenkranken verhindert sie solche Ereignisse eher nicht.24 Auch die Kombinationen mit B12 und B6 schützten in der neuesten großen Auswertung weder vor Herzinfarkt noch sicher vor Schlaganfall.25 Was Vitamin B12 und Folsäure zusammen leisten, hängt deshalb eher am Mangel als an der Vorbeugung.
So wurde gemessen
- Folsäure allein: 30 Studien mit 82.334 Personen, teilweise herstellerfinanziert; Teilgruppe Folsäure allein: Schlaganfall RR 0,79 (5 Studien), Herz-Kreislauf-Ereignisse RR 0,90 (8 Studien), koronare Herzkrankheit RR 1,13 (7 Studien).20
- Gemischte Auswertungen: 21 Studien mit 115.559 Personen, Schlaganfall RR 0,90, ohne oder mit teilweiser Mehlanreicherung RR 0,83, mit Anreicherung RR 1,04;21 22 Studien, mit Anreicherung RR 1,05.22
- China: 20.702 Erwachsene mit Bluthochdruck, Blutdruckmittel mit oder ohne 0,8 mg Folsäure über 4,5 Jahre, erster Schlaganfall 2,7 gegen 3,4 %.23
- Einzeldaten westlicher Studien: 8 Studien mit 37.485 Personen, Schlaganfall RR 0,96 ohne gesicherten Unterschied.14 Nierenkranke: 9 Studien mit 23.638 Personen, RR 0,94.24 Kombinationen: 13 Studien mit 68.363 Personen, Schlaganfall RR 0,91, Herzinfarkt RR 0,97.25

Gehirn und Psyche: Was ist dran?
Für Gedächtnis und Stimmung ist der Nutzen von Folsäure unklar, und wo es Effekte gibt, sind sie klein. Bei Depressionen wurde Folsäure vor allem als Zusatz zum Antidepressivum geprüft. Die größte Studie dazu gab fast 500 Erwachsenen hoch dosierte Folsäure oder ein Scheinpräparat und fand keinen Unterschied.26 Eine kleinere Auswertung sah eine Besserung, rechnete aber Folsäure und hoch dosiertes Methylfolat zusammen.27 Als alleinige Behandlung wurde Folsäure dagegen nie gegen Placebo geprüft. Das ist eine echte Lücke.
Ähnlich offen ist das Bild beim Gedächtnis im Alter. In einer niederländischen Studie mit über 800 Älteren, die erhöhtes Homocystein hatten, schnitt die Folsäure-Gruppe nach drei Jahren bei Gedächtnis und Tempo etwas besser ab.28 Bestätigt hat das bisher niemand. Dazu passt, dass die großen Auswertungen von B-Vitamin-Kombinationen keinen oder nur einen sehr kleinen Effekt fanden.29 Dieselbe niederländische Arbeitsgruppe fand übrigens auch einen etwas langsameren Hörverlust bei tiefen Tönen, aber nur in dieser einen Studie.30
Unklar ist der Nutzen auch bei Schizophrenie, wo als Zusatz zur Behandlung nur die sogenannten Negativsymptome wie Antriebslosigkeit etwas besser wurden,31 und bei Epilepsie, wo zwei kleine Studien keinen Unterschied bei den Anfällen fanden.32 Für alle diese Fragen gilt: Folsäure ersetzt keine Behandlung, und bei einer Depression gehört jede Ergänzung in Absprache mit der behandelnden Praxis.
So wurde gemessen
- Depression: 475 Erwachsene unter Antidepressiva, 5 mg Folsäure gegen Placebo über 12 Wochen, Depressionswert ohne Unterschied;26 6 Studien mit Folsäure oder L-Methylfolat zusammen, Depressionswert −2,16 Punkte.27
- Gedächtnis: 818 Menschen von 50 bis 70 Jahren, 0,8 mg über 3 Jahre, Gedächtnis +0,13 z-Werte;28 Kombinationen, Kognitionsdaten von rund 22.000 Personen, Unterschied 0,00.29 Hören: 728 Ältere, tiefe Töne −0,7 dB.30
- Schizophrenie: 7 Studien mit 340 Personen, Gesamtsymptome ohne gesicherten Effekt, Negativsymptome etwas besser.31 Epilepsie: 2 Studien mit 75 Personen, Anfallsreduktion ohne Unterschied.32
Blutzucker, Entzündung und Gewicht
Für den Stoffwechsel gibt es nur kleine Laboreffekte, der Nutzen ist unklar. So veränderte Folsäure den Langzeitblutzucker in Placebo-Studien nicht, während das Nüchterninsulin und ein Maß für die Insulinresistenz etwas sanken.33 Ob das vor Diabetes schützt, blieb in den zwei Studien dazu offen. Auch der Entzündungswert CRP sank in einer Auswertung leicht, ob das gesundheitlich etwas bedeutet, weiß niemand.34
Beim Abnehmen fehlt jede Grundlage. Das dürfte manche überraschen. Obwohl die Kombination aus Folsäure und Gewichtsabnahme oft gesucht wird, haben wir keine kontrollierte Studie gefunden, die das Körpergewicht als Ziel hatte. Ähnliches gilt für Haarausfall und Beschwerden in den Wechseljahren, zwei Themen, nach denen viele Menschen im Zusammenhang mit Folsäure suchen, ohne dass sich dazu eine einzige Studie mit Vergleichsgruppe finden ließe.
Unsere Einordnung
Folsäure ist ein Vitamin mit einer großen, gut belegten Aufgabe: Rund um die Empfängnis schützt sie das Kind vor Neuralrohrdefekten. Homocystein, Blutdruck und Gefäßfunktion verbessert sie wahrscheinlich, aber nur als Messwert. Ob das Herz und Gehirn nützt, ist unklar, Herzinfarkte verhindert sie eher nicht, und beim Schlaganfall hängt das Ergebnis an einer teils herstellerfinanzierten Auswertung und an Ländern ohne Mehlanreicherung.
Welche Versprechen zu Folsäure halten nicht?
Mehrere verbreitete Annahmen gehen weiter, als die Studien tragen. Meist wird dabei der Erfolg in der Schwangerschaft auf ganz andere Fragen übertragen, oder ein gesenkter Laborwert wird mit weniger Krankheit verwechselt. Die bekanntesten stehen hier neben dem, was tatsächlich herauskam.
| Behauptung | Was die Studien zeigen | Unser Urteil |
|---|---|---|
| „Folsäure schützt vor Herzinfarkt.“ | Herzinfarkte kamen mit und ohne Folsäure gleich häufig vor.20 | spricht dagegen |
| „Weniger Homocystein heißt gesünderes Herz.“ | Der Wert sank um ein Viertel, die Gefäßereignisse nicht.14 | spricht dagegen |
| „Folsäure verhindert Fehlgeburten.“ | In den Placebo-Studien gleich häufig.4 | spricht dagegen |
| „Methylfolat hebt den Folatspiegel stärker.“ | Eine Einzelstudie fand beim Speicherwert in den roten Blutkörperchen mehr Anstieg,8 die Auswertung von elf Vergleichsstudien keinen gesicherten Unterschied.35 | spricht dagegen |
| „Folsäure hilft beim Abnehmen.“ | Keine kontrollierte Studie mit dem Gewicht als Ziel. | nicht untersucht |
| „B-Vitamine halten das Gedächtnis fit.“ | Große Auswertungen fanden keinen oder einen sehr kleinen Effekt.29 | unklar |
Wer Folsäure wegen einer dieser Hoffnungen dauerhaft in hohen Mengen nimmt, gewinnt nach den Studien wenig. Dafür wächst mit der Dosis die Zahl der offenen Sicherheitsfragen.
Ist Folsäure sicher?
In üblichen Mengen bis 1 mg ist Folsäure nach den Studien gut verträglich, darüber wird das Wissen dünn. Denn in großen Herzstudien mit Zehntausenden Teilnehmenden wurde bei schweren Nebenwirkungen kein Schaden gefunden.36 Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA hat trotzdem eine Obergrenze von 1 mg am Tag aus Präparaten festgelegt, ausdrücklich auch für Schwangere.37 Ihr Hauptgrund ist ein bestimmtes Risiko für Menschen, denen Vitamin B12 fehlt.
Ob Folsäure bei ihnen Nervenschäden begünstigt, ist ungeklärt, weil kontrollierte Studien fehlen. Bekannt ist der Ablauf aus alten Behandlungsberichten: Folsäure kann die Blutarmut eines B12-Mangels beheben, während der Mangel die Nerven weiter schädigt, und das Blutbild verrät ihn dann erst spät.38 In einer amerikanischen Bevölkerungsstudie mit 1.459 Älteren ging bei niedrigem B12 ein hoher Folatspiegel mit Blutarmut und schlechteren Denkwerten einher, wie viele Menschen das betraf, nennt die Zusammenfassung der Arbeit aber nicht.39 Die Übersicht der alten Berichte führt die Nervenschäden dagegen auf den unbehandelten Mangel selbst zurück.38 Vor hoch dosierter Folsäure lohnt sich deshalb ein Blick auf den B12-Wert, besonders im Alter, bei veganer Ernährung oder unter Metformin.
Ob Folsäure das Krebsrisiko erhöht, ist ebenfalls ungeklärt. Eine Auswertung von sechs großen Studien, die die Einnahmedauer berücksichtigte, zählte mit Folsäure mehr Krebsfälle, beim Prostatakrebs tat das eine Auswertung von sechs Studien ebenso, beide nennen in ihrer Zusammenfassung aber keine absoluten Zahlen.4142 Die größte Auswertung mit rund 50.000 Teilnehmenden kam dagegen in gut fünf Jahren auf 1.904 gegenüber 1.809 Krebsfälle, ein Unterschied, der nicht gesichert war.40 Bei Darmpolypen wurde in Placebo-Studien kein Schaden gefunden, ein Schutz aber auch nicht.43 Alle diese Studien liefen mit Herz- oder Polypenkranken und meist mit mehr Folsäure, als übliche Nahrungsergänzungen enthalten, nicht mit der kleinen Tagesmenge, die Frauen rund um die Empfängnis gegen Neuralrohrdefekte nehmen.
Wichtig sind schließlich drei Gruppen von Medikamenten, bei denen Folsäure nicht einfach nebenbei genommen werden sollte, weil sie in deren Wirkweise eingreift. Ob sie Malariamittel abschwächt, die den Folatstoffwechsel der Erreger blockieren, ist ungeklärt; in vier Studien mit Malariakranken lag das Therapieversagen mit zusätzlicher Folsäure aber höher, meist bei hohen Mengen, wobei der Cochrane-Review in seiner Zusammenfassung keine absoluten Zahlen nennt.44 Unter Methotrexat bei Rheuma gehört Folsäure zum ärztlichen Schema, und ob sie dessen Wirkung abschwächt, ist ebenfalls ungeklärt: In einer Studie mit gut vierhundert Rheumakranken besserte sich die Krankheit gleich gut, die Folsäuregruppe brauchte aber 18,0 gegenüber 14,5 mg Methotrexat pro Woche.45 Bei älteren Epilepsiemitteln wie Phenytoin kann Folsäure nach Fallberichten den Wirkspiegel senken.46 Folsäure sollte bei diesen Mitteln deshalb nur nach ärztlicher Absprache begonnen oder abgesetzt werden.
Notfall
Fieber während oder nach einer Malariabehandlung oder nach einem Aufenthalt im Malariagebiet: Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112. Dasselbe gilt für einen Krampfanfall, der nicht nach wenigen Minuten endet.
So wurde gemessen
- Schwere Nebenwirkungen: 8 Studien mit 35.788 Personen, 8,3 gegen 8,5 %.36 Obergrenze: 1.000 µg täglich für Erwachsene einschließlich Schwangerer, gilt auch für Methylfolat.37
- B12: Ältere mit niedrigem B12 und hohem Folat, Blutarmut OR 3,1, kognitive Einschränkung OR 2,6; Beobachtungsdaten.39
- Krebs: 13 Studien mit rund 50.000 Personen, RR 1,06 (0,99 bis 1,13);40 nach Einnahmedauer gewichtet RR 1,21.41 Prostata: 6 Studien RR 1,24.42 Darmpolypen: 1.021 Personen, neue Polypen RR 1,04.43
- Malariamittel: Therapieversagen nach 28 Tagen RR 1,35.44 Methotrexat: 434 Rheumakranke, Methotrexat-Enddosis 18,0 gegen 14,5 mg pro Woche.45
Vitamin-B12-Mangel verschleiern (Blutbild normal, Nervenschäden schreiten fort)ungeklärtkeine kontrollierte Studie; Behördenwarnung (EFSA 2023), Fallserien aus den 1940er-Jahren, Beobachtungsdaten
Ergebnisse: keine kontrollierte Studie; Beobachtung (NHANES): bei niedrigem B12 und hohem Serumfolat Anämie OR 3,1 (1,5 bis 6,6) und kognitive Einschränkung OR 2,6 (1,1 bis 6,1) (Morris 2007); EFSA 2023: Fortschreiten neurologischer Symptome bei B12-Mangel ist der kritische Effekt für die Obergrenze 1 mg
Ob Folsäure einen Vitamin-B12-Mangel verschleiert und so Nervenschäden fördert, ist ungeklärt: Kontrollierte Studien gibt es nicht, die EFSA warnt aber ausdrücklich davor und stützt ihre Obergrenze von 1 mg täglich darauf. Folsäure kann die Blutarmut bei einem B12-Mangel bessern, während der Mangel die Nerven weiter schädigt; der Mangel fällt dann im Blutbild später auf. Das ist aus alten Behandlungsberichten bekannt; eine Übersichtsarbeit hält die Gefahr bei Dosen bis 1 mg für gering. Die Obergrenze gilt auch für Methylfolat. 38
Was tun? Vor einer hoch dosierten Folsäure-Einnahme (über 1 mg täglich) den Vitamin-B12-Status ärztlich prüfen lassen, besonders im Alter, bei veganer Ernährung, Metformin oder Magenproblemen; Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füßen abklären lassen.
Nicht untersucht bei: Menschen mit bekanntem B12-Mangel unter Folsäure in kontrollierten Studien, Dauereinnahme von Methylfolat in hohen Dosen
- Die EFSA sieht das Fortschreiten neurologischer Symptome bei Menschen mit Vitamin-B12-Mangel als kritischen Effekt hoher Folsäuredosen und behält deshalb die Obergrenze von 1.000 µg täglich für Erwachsene, auch Schwangere, bei; sie gilt auch für Methylfolat. EFSA 2023
- In einer US-Bevölkerungsstudie (NHANES) hatten Ältere mit niedrigem B12 und hohem Folatspiegel häufiger Blutarmut und kognitive Einschränkungen als solche mit niedrigem B12 und normalem Folat; bei normalem B12 war hohes Folat mit weniger Einschränkungen verbunden. Morris et al. 2007
- Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass hohe Folsäuredosen bei perniziöser Anämie oder Epilepsie den B12-Spiegel deutlich senkten; die Belege stammen aus Beobachtungen und unkontrollierten Berichten. Miller 2024
- keine kontrollierte Studie, aber Behördenwarnung (EFSA 2023)
Krebsrisiko insgesamt erhöhenungeklärt13 Studien, rund 50.000 Pers., ohne gesicherten Anstieg (Vollset 2013); 6 große Studien mit mehr Krebsfällen (Baggott 2012)
Ergebnisse: Krebs gesamt 1.904 vs. 1.809 Fälle, RR 1,06 (95 % KI 0,99 bis 1,13; p = 0,10; Vollset 2013); RR 1,05 (0,99 bis 1,11; 13 Studien, 49.406 Pers.; Qin 2013); RR 1,07 (1,00 bis 1,14; Grenzfall; 10 RCTs, 38.233 Pers.; Wien 2012); Krebssterblichkeit RR 1,00 (Clarke 2010) bzw. 1,02 (Qin 2013); Gegenbefund Einzelstudie: Folsäure + B12 in Norwegen Krebs HR 1,21 (1,03 bis 1,41) (Ebbing 2009); Gegenbefund Meta-Analyse: 6 große Folsäure-Studien, nach Einnahmedauer gewichtet, RR 1,21 (1,05 bis 1,39) (Baggott 2012)
Ob Folsäure das Krebsrisiko insgesamt erhöht, ist ungeklärt. Die großen Meta-Analysen fanden keinen gesicherten Anstieg: In 13 Studien mit rund 50.000 Teilnehmenden gab es mit Folsäure sechs Prozent mehr Krebsfälle, der Unterschied war aber nicht gesichert. Eine Auswertung von sechs großen Studien, die die Einnahmedauer berücksichtigte, kam dagegen auf ein um etwa ein Fünftel höheres Krebsrisiko, und einzelne Studien mit Folsäure plus B12, etwa aus Norwegen, fanden mehr Krebsfälle (siehe Hinweise). Eine Dauereinnahme hoher Dosen über viele Jahre ist kaum untersucht; die Dosen in diesen Studien lagen weit über üblichen Nahrungsergänzungen. 40, 104, 42, 14, 105, 41
Was tun? Folsäure nicht ohne Grund dauerhaft hoch dosiert (über 1 mg täglich) nehmen; bei Krebserkrankung oder früheren Darmpolypen die Einnahme ärztlich besprechen.
Nicht untersucht bei: Einnahme über mehr als 5 bis 7 Jahre, Menschen mit bestehender Krebserkrankung oder Krebsvorstufen
- In der Nachbeobachtung zweier norwegischer Herzstudien erkrankten mit 0,8 mg Folsäure plus B12 10,0 statt 8,4 Prozent an Krebs (vor allem Lungenkrebs), und es starben mehr Menschen; das Ergebnis stammt teils aus der Zeit nach der Behandlung. Ebbing et al. 2009
- In der B-PROOF-Studie zu Knochenbrüchen wurden unter 0,4 mg Folsäure plus B12 häufiger Krebsdiagnosen gemeldet (HR 1,56); die Studie war dafür nicht angelegt. van Wijngaarden et al. 2014
- Die EFSA hält die Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Folatzufuhr und Darm- oder Prostatakrebs für unzureichend. EFSA 2023
- Placebo-Studie mit 2919 Personen zeigt einen Schaden (van Wijngaarden et al. 2014 (B-PROOF))
Prostatakrebs-Risiko erhöhenungeklärt6 Studien (Wien 2012; Teilnehmerzahl für diesen Endpunkt nicht im Abstract)
Ergebnisse: Prostatakrebs RR 1,24 (95 % KI 1,03 bis 1,49; 6 RCTs; Wien 2012); RR 1,17 (0,84 bis 1,62; 5 Studien, 27.065 Pers.; Qin 2013); Vollset 2013: kein signifikanter Effekt; Polypenstudie: 9,7 vs. 3,3 % in 10 Jahren, HR 2,63 (1,23 bis 5,65; 643 Männer; Figueiredo 2009)
Ob Folsäure das Prostatakrebsrisiko erhöht, ist ungeklärt: Eine Meta-Analyse mit sechs Studien fand rund ein Viertel mehr Fälle, zwei größere Auswertungen dagegen keinen gesicherten Unterschied. In einer Studie zur Vorbeugung von Darmpolypen erkrankten Männer mit 1 mg Folsäure häufiger, die Fallzahl war aber klein. Die EFSA sieht keinen belegten Zusammenhang. 42, 104, 40, 106
Was tun? Männer mit Prostatakrebs oder erhöhtem Risiko sollten hoch dosierte Folsäure nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen; übliche Dosen bis 0,4 mg sind davon nicht betroffen.
Nicht untersucht bei: Männer mit bekanntem Prostatakrebs, Einnahme über mehr als 10 Jahre
- Die EFSA hält die Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Folatzufuhr und Prostatakrebs für unzureichend. EFSA 2023
Häufiger Zwillingsschwangerschaftenungeklärt2 RCTs: 4.846 Frauen (Czeizel 1994, Multivitamin) und 431 Pers. (USPSTF-Bericht, Viswanathan 2023)
Ergebnisse: Ungarische RCT (Multivitamin mit 0,8 mg Folsäure): Mehrlingsgeburten 3,8 vs. 2,7 %, laut Autoren signifikant (Czeizel 1994), Neuberechnung im USPSTF-Bericht OR 1,40 (0,89 bis 2,21), nicht signifikant (Viswanathan 2017); weitere RCT ohne signifikanten Unterschied (Viswanathan 2023); Beobachtung Ungarn: 1,52 vs. 0,78 % Zwillingsgeburten, aOR 1,80 (1,14 bis 2,85; Czeizel 2004); systematischer Review: zweieiige Zwillinge aOR 1,26 (0,91 bis 1,73), Zwillinge gesamt aOR 1,02 (0,85 bis 1,24) (Muggli 2007)
Ob Folsäure vor der Empfängnis Zwillingsschwangerschaften häufiger macht, ist ungeklärt: In der großen ungarischen Studie mit einem Multivitamin samt 0,8 mg Folsäure gab es laut den Autoren mehr Mehrlingsgeburten (3,8 statt 2,7 Prozent), die Neuberechnung derselben Daten im Bericht für die US-Präventionsbehörde fand keinen gesicherten Unterschied. Eine kleinere Studie und ein Review besserer Beobachtungsstudien fanden ebenfalls keinen gesicherten Anstieg; viele frühere Befunde lassen sich durch Kinderwunschbehandlungen erklären. 112, 113, 49, 114
Was tun? Kein Grund, auf die empfohlene Folsäure vor der Schwangerschaft zu verzichten; bei Kinderwunschbehandlung das Mehrlingsrisiko mit der Praxis besprechen.
Nicht untersucht bei: Frauen in Kinderwunschbehandlung mit getrennter Auswertung, Methylfolat
- In einer ungarischen Auswertung von 38.151 Frauen bekamen Frauen mit Folsäure oder Multivitamin vor der Empfängnis häufiger Zwillinge (1,52 statt 0,78 Prozent). Czeizel et al. 2004
Schäden durch hohe Dosen über der Obergrenze von 1 mgungeklärt2 RCTs mit 4 mg täglich: 2.301 Schwangere gegen Placebo (FACT, Wen 2018) und 2.508 Frauen gegen 0,4 mg (Wehby 2013); Behördenbewertung
Ergebnisse: 4 mg täglich ab dem 2. Trimester: keine Unterschiede bei ungünstigen Folgen für Mutter oder Kind (Wen 2018); 4 mg gegen 0,4 mg: keine vermehrten Wachstumsstörungen beim Ungeborenen (Wehby 2013); EFSA 2023: Obergrenze 1.000 µg täglich für Erwachsene, 200 bis 800 µg für Kinder, 200 µg für Säuglinge
Ob Dosen über der Obergrenze von 1 mg täglich schaden, ist ungeklärt: In zwei großen Studien mit 4 mg täglich, eine davon gegen Placebo in der Schwangerschaft, gab es keine zusätzlichen Komplikationen für Mutter oder Kind. Die EFSA hat die Obergrenze für Folsäure und Methylfolat aus Präparaten vor allem wegen des Risikos festgelegt, einen B12-Mangel zu verschleiern; Langzeitdaten zu hohen Dosen ohne ärztliche Verordnung fehlen. Ärztlich verordnet werden hohe Dosen etwa nach einer früheren Neuralrohrdefekt-Schwangerschaft. 11, 116
Was tun? Ohne ärztliche Verordnung nicht mehr als 1 mg Folsäure oder Methylfolat täglich aus Präparaten nehmen (Kinder deutlich weniger); mehrere Präparate (Multivitamin, Schwangerschaftsvitamin, Einzelpräparat) zusammenrechnen.
Nicht untersucht bei: Kinder und Jugendliche mit Dosen über der Obergrenze, Dauereinnahme über 1 mg über viele Jahre außerhalb von Herz- und Krebsstudien
- Die EFSA hat 2023 die Obergrenze für Folsäure und Methylfolat aus Präparaten und angereicherten Lebensmitteln bestätigt: 1.000 µg täglich für Erwachsene einschließlich Schwangerer und Stillender, 200 µg (1 bis 3 Jahre) bis 800 µg (15 bis 17 Jahre) für Kinder und 200 µg für Säuglinge ab 4 Monaten; überschritten werde sie in Europa nur von regelmäßigen Nutzern hoch dosierter Präparate. EFSA 2023
Wirkung von Malaria-Medikamenten (Antifolaten) abschwächenungeklärt4 Studien, 1.012 Pers. (Qi 2026, Cochrane; Therapieversagen Tag 28)
Ergebnisse: Therapieversagen Tag 28 RR 1,35 (95 % KI 1,21 bis 1,51; 4 Studien, 1.012 Pers.), Tag 7 RR 2,12 (1,41 bis 3,19), Tag 14 RR 1,97 (1,44 bis 2,70); Parasitenfreiheit Tag 3 RR 0,89 (0,84 bis 0,95); mittlere Evidenzqualität; Teilgruppe Folsäure allein RR 1,47 (0,86 bis 2,49; 2 Studien), nicht signifikant; eine Studie mit 0,4 mg ohne Unterschied (Qi 2026)
Ob Folsäure Malaria-Medikamente vom Antifolat-Typ abschwächt, gilt als ungeklärt, weil erst vier Studien vorliegen; diese zeigen aber ein deutliches Warnsignal: Im Cochrane-Review versagte die Behandlung mit Folsäure nach 28 Tagen rund ein Drittel häufiger, bei mittlerer Evidenzqualität. Die meisten Studien nutzten Dosen über 1 mg, teils zusammen mit Eisen; mit 0,4 mg täglich zeigte sich kaum ein Unterschied. 44
Was tun? Wer Malaria-Medikamente vom Antifolat-Typ (z. B. Sulfadoxin-Pyrimethamin) nimmt, sollte hoch dosierte Folsäure nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen; in der Schwangerschaft die übliche Dosis von 0,4 mg mit der behandelnden Praxis abstimmen. Fieber während oder nach einer Malaria-Behandlung oder nach einem Aufenthalt im Malariagebiet: Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Nicht untersucht bei: Malaria-Vorbeugung bei Reisenden mit modernen Mitteln (z. B. Atovaquon-Proguanil) in eigenen Studien
Wirkung von Methotrexat bei Rheuma abschwächenungeklärt1 RCT, 434 Pers. (van Ede 2001); Cochrane-Review 6 Studien, 624 Pers. (Folsäure und Folinsäure zusammen)
Ergebnisse: Krankheitsaktivität in allen Gruppen gleich gebessert, Methotrexat-Enddosis mit Folsäure etwas höher (18,0 vs. 14,5 mg pro Woche) (van Ede 2001); Folsäure und Folinsäure zusammen: kein signifikanter Effekt auf druckschmerzhafte und geschwollene Gelenke oder die ärztliche Gesamtbeurteilung (Shea 2013)
Ob Folsäure die Wirkung von niedrig dosiertem Methotrexat bei Rheuma abschwächt, ist ungeklärt: In der Studie mit eigenem Folsäure-Arm (434 Menschen, 1 mg täglich) besserte sich die Krankheitsaktivität in allen Gruppen gleich, die Folsäure-Gruppe brauchte am Ende aber etwas mehr Methotrexat (18,0 statt 14,5 mg pro Woche). Der Cochrane-Review fand keinen Wirkverlust, rechnet aber Folsäure und Folinsäure zusammen. In der Krebstherapie mit hoch dosiertem Methotrexat gelten andere Regeln. 45, 97
Was tun? Folsäure zu Methotrexat nur nach dem ärztlich festgelegten Schema nehmen, meist an einem anderen Tag als das Methotrexat; bei Krebstherapie keine eigene Folsäure ohne Rücksprache.
Nicht untersucht bei: Methotrexat in der Krebstherapie, Pemetrexed und andere Antifolat-Krebsmittel ohne ärztliches Folsäureschema
Wirkspiegel des Antiepileptikums Phenytoin senkenungeklärtCochrane-Review: 9 Studien mit Folsäure, 331 Pers. (Ranganathan 2005); Crossover-Studie an 13 Gesunden (Berg 1992)
Ergebnisse: keine konsistente Änderung der Phenytoin- oder Phenobarbital-Spiegel, Anfallsreduktion OR 0,96 (Ranganathan 2005); Pharmakokinetik-Studie: Folat als Kofaktor des Phenytoin-Abbaus, Folsäure verändert Spiegel und Zeit bis zum Gleichgewicht (Berg 1992); Übersicht inkl. Fallberichten: bei Folatmangel meist niedrigere Phenytoin-Spiegel und mögliche Durchbruchanfälle (Lewis 1995)
Ob Folsäure den Wirkspiegel von Phenytoin senkt, ist ungeklärt: Folsäure kann den Abbau des Epilepsiemittels beschleunigen und seinen Blutspiegel senken, besonders wenn vorher ein Folatmangel bestand; in Fallberichten traten danach wieder Anfälle auf. Kontrollierte Studien fanden insgesamt keine einheitliche Änderung der Spiegel. Werden beide gleichzeitig begonnen, gilt die Kombination als gut steuerbar. 32, 117
Was tun? Wer Phenytoin, Phenobarbital oder Primidon nimmt, sollte Folsäure nur nach ärztlicher Rücksprache beginnen oder absetzen und die Medikamentenspiegel kontrollieren lassen; Frauen mit Epilepsie und Kinderwunsch die Folsäure-Dosis mit der Neurologie absprechen. Ein Krampfanfall, der nicht nach wenigen Minuten endet, oder mehrere Anfälle hintereinander: Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Nicht untersucht bei: neuere Antiepileptika (z. B. Lamotrigin, Valproat) in Bezug auf Wirkspiegel, Methylfolat
- Eine Übersichtsarbeit mit Fallberichten beschreibt, dass Folsäure bei folatarmen Epilepsie-Patienten den Phenytoin-Spiegel meist senkte und Durchbruchanfälle möglich waren; gleichzeitig begonnen, blieb die Wirkung stabil. Lewis et al. 1995
Darmpolypen und Darmkrebs fördernkein Schaden gefunden3 Placebo-Studien, 2.546 Pers. (AFPPS, ukCAP, Wu 2009)
Ergebnisse: erneute Adenome RR 1,04 (0,90 bis 1,20) (Cole 2007), RR 1,07 (0,85 bis 1,34) (Logan 2008), RR 0,82 (0,59 bis 1,13) (Wu 2009); Meta-Analysen RR 0,93 (0,69 bis 1,25; 4 Studien; van Dijk 2016) und RR 0,93 (Carroll 2010); fortgeschrittene Adenome bei der 2. Kontrolle 11,6 vs. 6,9 %, RR 1,67 (1,00 bis 2,80; Grenzfall), 3 oder mehr Adenome häufiger (Cole 2007); sägezahnartige Polypen bei verlängerter Einnahme RR 1,94 (1,02 bis 3,68) (Passarelli 2019); Darmkrebs RR 1,01 (0,82 bis 1,23; 7 Studien, 33.824 Pers.; Qin 2013)
Ein Schaden wurde nicht gefunden: In drei placebokontrollierten Studien mit zusammen über 2.500 Menschen nach früheren Darmpolypen traten mit 0,5 bis 1 mg Folsäure nicht mehr neue Polypen auf, ebenso in zwei Meta-Analysen. In der großen US-Polypenstudie gab es bei der zweiten Kontrolle aber etwas mehr fortgeschrittene und mehrfache Polypen (Grenzbefund), bei verlängerter Einnahme auch mehr einer bestimmten Polypenart. Vor Darmpolypen schützt Folsäure nicht. 43, 107, 108, 109, 110, 111, 104
Was tun? Wer schon Darmpolypen hatte, sollte Folsäure nicht zur Vorbeugung nehmen und eine hoch dosierte Einnahme mit der gastroenterologischen Praxis besprechen; die Vorsorge-Darmspiegelung ersetzt sie nicht.
Nicht untersucht bei: Menschen mit erblichem Darmkrebs-Risiko, Dosen über 1 mg über mehr als 6 Jahre
- Die EFSA hält die Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Folatzufuhr und Darmkrebs für unzureichend. EFSA 2023
Schwere Nebenwirkungen insgesamtkein Schaden gefunden8 Studien, 35.788 Pers. (Martí-Carvajal 2017, Cochrane)
Ergebnisse: schwere unerwünschte Ereignisse 8,3 vs. 8,5 %, RR 1,07 (95 % KI 1,00 bis 1,14; Grenzfall, hohe Evidenzqualität; Martí-Carvajal 2017); Kinderwunschstudie Folsäure + Zink: Bauchschmerzen 6 vs. 3 %, Übelkeit 4 vs. 2 % (Schisterman 2020)
In den großen Herz-Kreislauf-Studien traten schwere Nebenwirkungen mit B-Vitaminen nicht gesichert häufiger auf als mit Placebo. In der Kinderwunschstudie mit Folsäure plus Zink kamen Magen-Darm-Beschwerden häufiger vor, vermutlich durch das Zink. 36, 12
Was tun? Bei Magen-Darm-Beschwerden unter Kombinationspräparaten zuerst an den Zink- oder Eisenanteil denken; Folsäure zum Essen nehmen.
Nicht untersucht bei: Kinder, Schwangere mit Dosen über 4 mg
Asthma beim Kind durch Folsäure in der Schwangerschaftnicht untersuchtnur Beobachtungsstudien (Crider 2013, Meta-Analyse)
Ergebnisse: Folsäure vor der Schwangerschaft bis zum 1. Trimester: Asthma 1,01 (95 % KI 0,78 bis 1,30) (Crider 2013); Einnahme spät in der Schwangerschaft: Asthma mit 3,5 Jahren RR 1,26 (1,08 bis 1,43; 557 Mutter-Kind-Paare; Whitrow 2009)
In kontrollierten Studien nicht untersucht: Die Einnahme von Folsäure um die Empfängnis und im ersten Drittel der Schwangerschaft war in einer Meta-Analyse von Beobachtungsstudien nicht mit mehr Asthma beim Kind verbunden. Eine australische Kohorte fand bei Einnahme spät in der Schwangerschaft etwas mehr Asthma. 115
Was tun? Für die empfohlene Einnahme vor und in der Frühschwangerschaft zeigen die Beobachtungsdaten kein erhöhtes Asthmarisiko; eine hoch dosierte Fortsetzung bis zur Geburt ohne Grund vermeiden und mit der Praxis besprechen.
Nicht untersucht bei: kontrollierte Studien mit Asthma als Endpunkt, Einnahme im 2. und 3. Trimester in großen Kohorten
- In einer australischen Geburtskohorte (557 Mutter-Kind-Paare) hatten Kinder, deren Mütter spät in der Schwangerschaft Folsäure-Präparate nahmen, mit 3,5 Jahren etwas häufiger Asthma (RR 1,26); mit 5,5 Jahren war der Unterschied nicht mehr gesichert. Whitrow et al. 2009
Autismus beim Kind durch sehr hohe Folatspiegel der Mutternicht untersuchtnur Beobachtungsstudien (Raghavan 2018: Bostoner Geburtskohorte)
Ergebnisse: sehr hohes Plasmafolat bei Geburt (≥ 60,3 nmol/l): Autismus 2,5-fach (95 % KI 1,3 bis 4,6), ebenso sehr hohes B12 (Raghavan 2018); USPSTF: 7 Beobachtungsstudien ohne erhöhtes Autismusrisiko durch Folsäure (Viswanathan 2023)
In kontrollierten Studien nicht untersucht: Eine einzelne US-Kohorte fand bei sehr hohen Folat- und B12-Spiegeln der Mutter bei der Geburt mehr Autismus; die Autoren nennen das ausdrücklich hypothesenbildend. Größere Auswertungen fanden mit Folsäure seltener Autismus (siehe Schwangerschaft), der Evidenzbericht der US-Präventionsbehörde keinen Schaden. 49
Was tun? Die empfohlene Dosis von 0,4 mg nicht ohne ärztlichen Grund überschreiten; bei verordneter Hochdosis (z. B. 4 bis 5 mg) die Dauer mit der Praxis absprechen.
Nicht untersucht bei: kontrollierte Studien mit Dosen über 1 mg in der Schwangerschaft und Autismus als Endpunkt
- In einer Bostoner Geburtskohorte war ein sehr hoher Folatspiegel der Mutter bei der Geburt mit einem 2,5-fach höheren Autismusrisiko verbunden; die Autoren betonen, dass das die Empfehlung zu Folsäure nicht infrage stellt. Raghavan et al. 2018
Ungebundene (nicht umgewandelte) Folsäure im BlutLaboreffekt, kein Schaden2 Placebo-RCTs, 90 und 50 Schwangere (Sulistyoningrum 2024; Murphy 2021)
Ergebnisse: ungebundene Folsäure mit 800 µg 1,4 vs. 0,6 nmol/l (Sulistyoningrum 2024), mit 4 mg Median 4,6 vs. 1,9 nmol/l (Murphy 2021); im Vergleich zu Methylfolat unter Folsäure 0,6 nmol/l höher (0,2 bis 1,1; Cochrane 2024), SMD 0,99 (0,20 bis 1,79; Frye 2026); Beobachtung: Killerzell-Aktivität rund 23 % niedriger bei nachweisbarer ungebundener Folsäure (Troen 2006)
Synthetische Folsäure wird im Körper nur langsam umgewandelt, ein Teil zirkuliert deshalb unverändert im Blut; in zwei placebokontrollierten Studien bei Schwangeren stieg dieser Anteil mit der Dosis. Mit Methylfolat ist das kaum der Fall. Ob das schadet, ist ungeklärt: Eine kleine Beobachtungsstudie fand eine geringere Aktivität bestimmter Abwehrzellen, eine Übersicht nennt die Zusammenhänge mit Krankheiten uneinheitlich. 118, 119, 47, 70
Was tun? Ein Grund zur Sorge bei üblichen Dosen ist nicht belegt; wer ungebundene Folsäure vermeiden möchte, kann Methylfolat wählen, sollte für die Schwangerschaft aber wissen, dass nur Folsäure gegen Neuralrohrdefekte geprüft ist.
Nicht untersucht bei: Folgen für Krankheiten in kontrollierten Studien, Kinder
- Bei 105 Frauen nach den Wechseljahren war nachweisbare ungebundene Folsäure im Blut mit einer um etwa 23 Prozent geringeren Aktivität natürlicher Killerzellen verbunden. Troen et al. 2006

Folsäure einnehmen: Wer, wie viel und in welcher Form?
Für die Einnahme gilt zuerst der Kinderwunsch, dann der Befund. Den klarsten Grund für eine Tablette haben dabei Frauen, die schwanger werden könnten. Für alle anderen zählt vor allem, ob ein Mangel vorliegt, und wo zu einer Praxisfrage Daten fehlen, sagen wir das dazu.
Wie viel Folsäure am Tag?
Erwachsene brauchen rund 300 µg Folat am Tag, das meist aus dem Essen kommt.3 Frauen mit Kinderwunsch sollten zusätzlich 400 µg Folsäure nehmen, ab mindestens vier Wochen vor der Empfängnis.8 Die Obergrenze für Präparate liegt beim Zweieinhalbfachen dieser Menge,37 und hoch dosierte Tabletten gehören in ärztliche Hand. Wann welche Folsäure-Dosierung passt und ob die Tageszeit eine Rolle spielt, hängt vom Anlass ab.

Folsäure, Folat oder Methylfolat?
Die Studien sprechen eher dagegen, dass Methylfolat den Folatspiegel stärker hebt, auch wenn es oft so beworben wird. Zwar stieg in einer Bonner Studie mit jungen Frauen der Speicherwert in den roten Blutkörperchen mit Methylfolat stärker als mit der gleichen Menge Folsäure.8 In einer Auswertung von elf Vergleichsstudien war der Unterschied aber nicht gesichert.35 Methylfolat hinterlässt dafür weniger ungebundene Folsäure im Blut, deren Bedeutung ungeklärt ist.47 Für die Schwangerschaft bleibt Folsäure trotzdem die geprüfte Form. Folinsäure wiederum ist ein Arzneimittel, etwa für die Krebsbehandlung. Welche der Formen von Folsäure, Folat und Methylfolat sich wofür eignet, ist deshalb vor allem eine Frage des Anlasses.

Folsäure mit B12 und anderen Mitteln kombinieren
Folsäure und Vitamin B12 lassen sich gut zusammen einnehmen, und gerade bei höheren Mengen ist das sinnvoll. Denn so fällt ein B12-Mangel nicht unter den Tisch. B12 senkte das Homocystein in einer großen Auswertung zusätzlich um einige Prozent,13 doch einen Gesundheitsgewinn brachten die Kombinationen in den großen Herzstudien nicht.36 Bei Methotrexat, Phenytoin und Malariamitteln steht dagegen die ärztliche Absprache an erster Stelle.
Unsere Einordnung
Folsäure lohnt sich vor allem für Frauen mit Kinderwunsch, und dann früh genug und in der empfohlenen Menge von 400 µg. Für alle anderen reicht meist das Essen, und Tabletten gehören zu einem nachgewiesenen Mangel. Mehr als 1 mg am Tag sollte ärztlich begleitet sein, mit einem Blick auf Vitamin B12 und auf Medikamente wie Methotrexat oder Phenytoin.
Häufige Fragen
Welches B-Vitamin ist Folsäure?
Folsäure ist die synthetische Form von Vitamin B9. Im Essen kommt das Vitamin als Folat vor, in Tabletten und angereicherten Lebensmitteln als Folsäure.
Hilft Folsäure bei der Gewichtsabnahme?
Dafür gibt es keinen Beleg, denn eine kontrollierte Studie mit dem Körpergewicht als Ziel haben wir nicht gefunden. In Placebo-Studien sanken Nüchterninsulin und ein Maß für die Insulinresistenz etwas, der Langzeitblutzucker aber nicht.33
Brauchen Männer Folsäure?
Für Männer ohne Mangel ist ein Nutzen zusätzlicher Folsäure kaum belegt. Auch bei Kinderwunsch verbesserte hoch dosierte Folsäure mit Zink in einer großen Studie die Chance auf ein Kind nicht.12
Was bewirkt Folsäure im Körper?
Sie wird gebraucht, um Erbsubstanz herzustellen und Zellen zu teilen, etwa bei der Blutbildung. Außerdem hilft sie zusammen mit Vitamin B12, das Stoffwechselprodukt Homocystein abzubauen.1
Mehr zu Folsäure







So bewerten wir
Jede Stufe folgt festen Regeln, die für alle Inhaltsstoffe gleich sind. Zwei Recherchen erheben die Studienlage unabhängig voneinander; weichen sie ab, gilt die vorsichtigere Stufe.
| Stufe | Wann wir sie vergeben |
|---|---|
| gut belegt | Mindestens zwei Meta-Analysen kontrollierter Studien sind sich einig, die größte umfasst 10 oder mehr Studien, und keine vergleichbar große widerspricht. Oder eine sehr große Meta-Analyse mit über 5.000 Teilnehmenden in guter Qualität. |
| wahrscheinlich | Die maßgebliche Meta-Analyse (mindestens 5 Studien) ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. |
| unklar | Nur einzelne oder kleine Studien, oder die Ergebnisse widersprechen sich. |
| spricht dagegen | Die maßgebliche Meta-Analyse oder mehrere Placebo-Studien mit zusammen mindestens 300 Personen finden keinen Unterschied zu Placebo. |
| nicht untersucht | Es gibt keine placebokontrollierte Studie am Menschen, nur Beobachtungs-, Tier- oder Laborstudien. |
Begrenzungen: Kleine Studienbasis (unter 500 Teilnehmende), eine abratende Leitlinie oder überwiegend von Herstellern bezahlte Studien begrenzen die Stufe nach oben. Gezählt wird der klinisch wichtigste Messwert, zum Beispiel der Langzeitblutzucker HbA1c vor dem Nüchternzucker. Studien mit Infusionen gelten nie für Tabletten.
Alle 119 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Baddam et al. 2025, StatPearls | Übersicht zum Folsäuremangel | Mangel führt zu Blutarmut mit großen Blutkörperchen, neurologischen und psychischen Beschwerden und höherem Homocystein; Grenzwerte uneinheitlich | Übersichtsarbeit |
| 2 | Gonzalez-Gross et al. 2002, Int J Vitam Nutr Res | Übersicht deutscher Daten 1997 bis 2000 | mittlere Folatzufuhr Erwachsener rund 250 µg pro Tag | Übersichtsarbeit |
| 3 | DGE Referenzwerte Folat, Deutsche Gesellschaft für Ernährung | Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr | Erwachsene 300 µg Folat-Äquivalente täglich, Schwangere 550, Stillende 450 | Referenzwerte |
| 4 | De-Regil et al. 2015, Cochrane Database Syst Rev | 5 RCTs, 7.391 Frauen, Folsäure allein oder mit anderen Vitaminen gegen kein Folat | Neuralrohrdefekte RR 0,31; Wiederholung RR 0,34; Herzfehler, Spalten und Fehlgeburten ohne gesicherten Unterschied | Cochrane-Review |
| 5 | MRC Vitamin Study Research Group 1991, Lancet | 1 RCT, 1.817 Frauen nach einer betroffenen Schwangerschaft, 4 mg Folsäure | Neuralrohrdefekte RR 0,28 | RCT (Wiederholung) |
| 6 | Czeizel & Dudás 1992, N Engl J Med | 1 RCT, 4.156 Schwangerschaften, Multivitamin mit 0,8 mg Folsäure | Neuralrohrdefekte 0 gegen 6 | RCT (Ersterkrankung) |
| 7 | Cordero et al. 2015, MMWR Morb Mortal Wkly Rep | Zusammenfassung der WHO-Leitlinie | Neuralrohrdefekte entstehen im ersten Monat; Mehlanreicherung senkte sie in mehreren Ländern | Leitlinien-Zusammenfassung |
| 8 | Lamers et al. 2006, Am J Clin Nutr | 144 junge Frauen, Folsäure, Methylfolat oder Placebo, 24 Wochen | Erythrozytenfolat stieg mit 416 µg Methylfolat stärker als mit 400 µg Folsäure, in allen Gruppen ohne Plateau nach 24 Wochen; Empfehlung 400 µg ab 4 Wochen vor der Empfängnis | RCT |
| 9 | Skavinska et al. 2026, Nutr Rev | Übersicht zu Folsäure, Methylfolat und Folinsäure | nur Folsäure ist gegen Neuralrohrdefekte in großen Studien geprüft | Übersichtsarbeit |
| 10 | Saccone et al. 2016, Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol | 5 RCTs, 5.332 Schwangere | Frühgeburt 22,6 gegen 22,9 %; Geburtsgewicht ohne gesicherten Unterschied | Meta-Analyse |
| 11 | Wen et al. 2018 (FACT), BMJ | 1 RCT, 2.301 Schwangere mit hohem Risiko, 4 mg Folsäure gegen Placebo | Präeklampsie 14,8 gegen 13,5 %; sonst keine Unterschiede für Mutter oder Kind | RCT |
| 12 | Schisterman et al. 2020 (FAZST), JAMA | 1 RCT, 2.370 Männer, 5 mg Folsäure plus 30 mg Zink, 6 Monate | Lebendgeburt 34 gegen 35 %; Bauchschmerzen und Übelkeit häufiger | RCT (Kombination mit Zink) |
| 13 | Homocysteine Lowering Trialists' Collaboration 2005, Am J Clin Nutr | Einzeldaten aus 25 RCTs, 2.596 Personen | Homocystein −13 % bei 0,2 mg bis −25 % bei 5 mg; B12 zusätzlich −7 % | Einzeldaten-Auswertung |
| 14 | Clarke et al. 2010, Arch Intern Med | 8 große Placebo-Studien, 37.485 Personen, Einzeldaten | Homocystein −25 %; Gefäßereignisse, Schlaganfall und Krebs ohne gesicherten Unterschied | Einzeldaten-Auswertung |
| 15 | Asbaghi et al. 2023, Crit Rev Food Sci Nutr | 22 RCTs, 41.633 Personen | oberer Blutdruck −1,1 mmHg, unterer −0,2 mmHg | Meta-Analyse |
| 16 | Qi et al. 2024, BMJ Open | 23 RCTs zu 5 Vitaminen, Menschen mit Bluthochdruck | Folsäure ohne Effekt auf den Blutdruck | Netzwerk-Meta-Analyse |
| 17 | de Bree et al. 2007, Am J Clin Nutr | 14 RCTs, 732 Personen | Gefäßerweiterung +1,1 Prozentpunkte, nur bei 5 bis 10 mg | Meta-Analyse |
| 18 | Qin et al. 2012, Atherosclerosis | 10 RCTs, 2.052 Personen | Wanddicke der Halsschlagader −0,04 mm, bei Gesunden kein Effekt | Meta-Analyse |
| 19 | Asbaghi et al. 2022, Crit Rev Food Sci Nutr | 34 RCTs, 21.787 Personen | LDL unverändert, Triglyceride −10 mg/dl | Meta-Analyse |
| 20 | Li et al. 2016, J Am Heart Assoc | 30 RCTs, 82.334 Personen; teilweise von einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln finanziert | Folsäure allein: Schlaganfall RR 0,79, Herz-Kreislauf RR 0,90, koronare Herzkrankheit RR 1,13 | Meta-Analyse (Herstellerbezug) |
| 21 | Zhang et al. 2024, Clin Nutr | 21 RCTs, 115.559 Personen, Folsäure allein oder kombiniert | Schlaganfall RR 0,90; ohne Mehlanreicherung 0,83, mit Anreicherung 1,04 | Meta-Analyse |
| 22 | Zhao et al. 2017, Neurology | 22 RCTs, 82.723 Personen | Schlaganfall nur in Regionen ohne Anreicherung seltener | Meta-Analyse |
| 23 | Huo et al. 2015 (CSPPT), JAMA | 1 RCT, 20.702 Erwachsene mit Bluthochdruck in China, Enalapril mit oder ohne 0,8 mg Folsäure | erster Schlaganfall 2,7 gegen 3,4 % | RCT |
| 24 | Lin et al. 2026, Horm Metab Res | 9 Studien, 23.638 Menschen mit Nierenerkrankung | Herz-Kreislauf-Ereignisse ohne gesicherten Unterschied | Meta-Analyse |
| 25 | Ren et al. 2026, Nutrients | 13 RCTs, 68.363 Personen, B-Vitamin-Kombinationen über mindestens 2 Jahre | Schlaganfall und Herzinfarkt ohne gesicherten Unterschied | Meta-Analyse |
| 26 | Bedson et al. 2014 (FolATED), Health Technol Assess | 475 Erwachsene mit Depression unter Antidepressiva, 5 mg Folsäure oder Placebo zusätzlich | Depressionswert ohne Unterschied | RCT |
| 27 | Altaf et al. 2021, Complement Ther Med | 6 RCTs, Folsäure oder Methylfolat zum Antidepressivum | Depressionswert etwas besser, Formen zusammengerechnet | Meta-Analyse |
| 28 | Durga et al. 2007 (FACIT), Lancet | 1 RCT, 818 Menschen von 50 bis 70 Jahren, 0,8 mg Folsäure, 3 Jahre | Gedächtnis und Tempo etwas besser | RCT |
| 29 | Clarke et al. 2014, Am J Clin Nutr | 11 RCTs, Kognitionsdaten von rund 22.000 Personen | Kognition unverändert trotz rund ein Viertel weniger Homocystein | Einzeldaten-Auswertung |
| 30 | Durga et al. 2007, Ann Intern Med | 1 RCT, 728 Ältere, 0,8 mg Folsäure, 3 Jahre | Hörverlust bei tiefen Tönen etwas langsamer | RCT |
| 31 | Sakuma et al. 2018, Psychopharmacology (Berl) | 7 RCTs, 340 Personen mit Schizophrenie | Gesamtsymptome ohne gesicherten Effekt, Negativsymptome etwas besser | Meta-Analyse |
| 32 | Ranganathan et al. 2005, Cochrane Database Syst Rev | 9 Studien mit Folsäure, 331 Menschen mit Epilepsie | Anfälle und Phenytoin-Spiegel ohne einheitliche Änderung | Cochrane-Review |
| 33 | Lind et al. 2019, Am J Clin Nutr | Meta-Analyse von Placebo-Studien | Langzeitzucker unverändert, Nüchterninsulin etwas niedriger | Meta-Analyse |
| 34 | Asbaghi et al. 2021, Nutrients | 12 RCTs | CRP −0,6 mg/l | Meta-Analyse |
| 35 | Xie et al. 2025, Medicine (Baltimore) | 11 RCTs, Frauen im gebärfähigen Alter, Methylfolat gegen Folsäure | Folat in roten Blutkörperchen ohne gesicherten Unterschied; weniger ungebundene Folsäure mit Methylfolat | Meta-Analyse |
| 36 | Martí-Carvajal et al. 2017, Cochrane Database Syst Rev | 15 RCTs, 71.422 Personen, B-Vitamine gegen Placebo | Schlaganfall 4,3 gegen 5,1 %; Herzinfarkt und Tod unverändert; schwere Nebenwirkungen 8,3 gegen 8,5 % | Cochrane-Review |
| 37 | EFSA 2023, EFSA J | Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde zur Höchstmenge | Obergrenze 1.000 µg täglich für Erwachsene, auch Schwangere; Kinder 200 bis 800 µg; gilt auch für Methylfolat | Behördengutachten |
| 38 | van Gool et al. 2020, Crit Rev Toxicol | Übersicht der Literatur 1945 bis 2017 | Nervenschäden in alten Berichten gehen auf den unbehandelten B12-Mangel zurück | Übersichtsarbeit |
| 39 | Morris et al. 2007, Am J Clin Nutr | US-Bevölkerungsstudie mit Älteren | niedriges B12 plus hohes Folat: häufiger Blutarmut und kognitive Einschränkung | Beobachtungsstudie |
| 40 | Vollset et al. 2013, Lancet | 13 RCTs, rund 50.000 Personen, im Mittel 5,2 Jahre | Krebs gesamt RR 1,06, nicht gesichert | Einzeldaten-Auswertung |
| 41 | Baggott et al. 2012, Cancer Epidemiol | 6 große Folsäure-Studien, nach Einnahmedauer gewichtet | Krebs RR 1,21 | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 42 | Wien et al. 2012, BMJ Open | 10 RCTs, 38.233 Personen | Prostatakrebs RR 1,24 in 6 Studien | Meta-Analyse |
| 43 | Cole et al. 2007, JAMA | 1 RCT, 1.021 Menschen nach Darmpolypen, 1 mg Folsäure | neue Polypen RR 1,04; fortgeschrittene Polypen bei der zweiten Kontrolle Grenzfall häufiger | RCT |
| 44 | Qi et al. 2026, Cochrane Database Syst Rev | 8 RCTs, 3.486 Personen in Malariagebieten | Therapieversagen nach 28 Tagen RR 1,35; mit 0,4 mg kein Unterschied | Cochrane-Review |
| 45 | van Ede et al. 2001, Arthritis Rheum | 434 Erwachsene mit Rheuma unter Methotrexat, 1 mg Folsäure, Folinsäure oder Placebo | Abbruch wegen Nebenwirkungen 17 gegen 38 %; Methotrexat-Enddosis 18,0 gegen 14,5 mg pro Woche | RCT |
| 46 | Lewis et al. 1995, Ann Pharmacother | Übersicht mit Fallberichten | bei Folatmangel sank der Phenytoin-Spiegel meist, Durchbruchanfälle möglich | Übersicht mit Fallberichten |
| 47 | Cochrane et al. 2024, Br J Nutr | 1 RCT, 60 Schwangere in Kanada, 0,6 mg Methylfolat oder Folsäure, 16 Wochen | Folatspiegel gleich; ungebundene Folsäure unter Folsäure etwas höher | RCT (Vergleich) |
| 48 | Abate et al. 2025, Neuroepidemiology | Umbrella-Review, 10 Meta-Analysen, 296.816 Personen (RCTs und Beobachtungsstudien) | Folsäure oder Multivitamin gepoolt 0,43 (0,29 bis 0,58); nur Folsäure 0,23; Meta-Analysen von RCTs 0,43 (0,32 bis 0,54) | Umbrella-Review |
| 49 | Viswanathan et al. 2023, JAMA | Evidenzbericht für die US-Präventionsbehörde (USPSTF), 12 Beobachtungsstudien, 1.244.072 Personen | eine Kohorte: Einnahme vor und während der Schwangerschaft aRR 0,49 (0,29 bis 0,83); keine Schäden (Mehrlinge, Autismus, Krebs der Mutter) | Evidenzbericht (Leitlinienbasis) |
| 50 | Cheng et al. 2022, Nutr J | Meta-Analyse von Beobachtungsstudien | Herzfehler OR 0,82 (0,72 bis 0,94), I² 92,7 %; Einnahme nur um die Empfängnis OR 1,10 (0,99 bis 1,23) | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 51 | Zhou et al. 2020, Birth Defects Res | Meta-Analysen von Beobachtungsstudien, 64 neue Studien | Lippen- mit/ohne Gaumenspalte OR 0,60 (0,51 bis 0,69), starke Heterogenität | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 52 | Vinti et al. 2026, Am J Obstet Gynecol MFM | 3 RCTs, 5.144 Frauen (1.488 Schwangerschaften); 4 mg gegen Standarddosis | Fehlgeburt RR 0,73 (0,56 bis 0,94); ITT RR 0,79 (0,61 bis 1,04), nicht signifikant; Schwangerschaftsrate RR 1,10 (1,02 bis 1,18); Evidenz gering bis mittel | Meta-Analyse (Dosisvergleich, R2) |
| 53 | Hekmatdoost et al. 2015, PLoS One | 1 RCT, Frauen mit wiederholten Fehlgeburten; Methylfolat gegen Folsäure | kein Unterschied in der Fehlgeburtenrate | RCT (Formvergleich) |
| 54 | Lassi et al. 2013, Cochrane Database Syst Rev | 31 RCTs, 17.771 Schwangere; Folsäure ab der Schwangerschaft | Frühgeburt RR 1,01 (0,73 bis 1,38; 3 Studien, 2.959 Pers.); Totgeburt/Neugeborenentod RR 1,33 (0,96 bis 1,85) | Cochrane-Review |
| 55 | Zhang et al. 2017, Reprod Toxicol | Meta-Analyse, überwiegend Beobachtungsstudien | Beginn nach der Empfängnis RR 0,68 (0,52 bis 0,90); vor der Empfängnis RR 0,89 (0,80 bis 1,01) | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 56 | Fekete et al. 2012, Nutr J | 10 Datensätze aus 8 RCTs, Dosis-Wirkungs-Analyse | je Verdopplung der Folatzufuhr 2 % mehr Geburtsgewicht (β 0,03; 0,01 bis 0,05); kein Effekt auf Plazentagewicht oder Schwangerschaftsdauer | Meta-Analyse (Dosis-Wirkung) |
| 57 | Hodgetts et al. 2015, BJOG | Bevölkerungsstudie, 108.525 Schwangerschaften, plus Meta-Analyse von Beobachtungsstudien | Beginn vor der Empfängnis: SGA < 10. Perzentile aOR 0,80 (0,71 bis 0,90); gepoolt aOR 0,75 (0,61 bis 0,92); nach der Empfängnis kein Effekt | Kohorte + Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 58 | Jonker et al. 2020, Matern Child Nutr | Meta-Analyse aus Kohorten und RCTs in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen; zu klein Geborene: 5 Studien | zu klein für das Schwangerschaftsalter OR 0,63 (0,39 bis 1,01), nicht signifikant; RCTs und Beobachtungsstudien zusammengerechnet | Meta-Analyse (gemischt, Begleitbefund) |
| 59 | Cui et al. 2024, Complement Ther Med | 9 Studien (3 Studientypen), 107.051 Frauen mit und 105.222 ohne Folsäure | Schutz vor Präeklampsie nicht belegt; geringe methodische Qualität | Meta-Analyse (gemischt) |
| 60 | Yu et al. 2021, J Pharm Pharm Sci | 20 Studien (3 RCTs, 17 Kohorten), 359.041 Schwangere | Präeklampsie mit Folsäure seltener; RCTs und Beobachtungsstudien zusammengerechnet | Meta-Analyse (gemischt, Gegenbefund) |
| 61 | McNulty et al. 2019, BMC Med | 1 RCT (FASSTT), 119 Mutter-Kind-Paare, 70 Kinder mit 7 und 39 mit 3 Jahren untersucht | 7 Jahre: Wortverständnis 13,3 vs. 11,9 (p = 0,027); 3 Jahre: Kognition 10,3 vs. 9,5 (p = 0,040) | RCT-Nachuntersuchung |
| 62 | Caffrey et al. 2021, BMC Med | dieselbe Studie, 68 Kinder mit 11 Jahren | Verarbeitungsgeschwindigkeit: Symbolsuche +2,9 (0,3 bis 5,5), Durchstreichtest +11,3 (2,5 bis 20,1); Sprachverständnis nur bei Mädchen besser | RCT-Nachuntersuchung |
| 63 | Liu et al. 2022, J Autism Dev Disord | Meta-Analyse, 10 Beobachtungsstudien (23 Teilstudien), 9.795 Autismus-Fälle | Autismus OR 0,57 (0,41 bis 0,78); ≥ 400 µg/Tag OR 0,55 (0,36 bis 0,83) | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 64 | Chen et al. 2023, Crit Rev Food Sci Nutr | 32 Kohorten- und 7 Fall-Kontroll-Studien | günstig für Intelligenz, Autismus-Merkmale, ADHS, Verhalten, Sprache; Überdosierung ohne Zusatznutzen, eventuell ungünstig | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 65 | Frye et al. 2018, Mol Psychiatry | 1 RCT, 48 Kinder mit Autismus und Sprachstörung, 12 Wochen 2 mg/kg Folinsäure (max. 50 mg) | verbale Kommunikation +5,7 (1,0 bis 10,4), d 0,70; Folatrezeptor-Antikörper positiv +7,3 (1,4 bis 13,2); Nebenwirkungen wie Placebo | RCT (Placebo) |
| 66 | Batebi et al. 2021, Child Psychiatry Hum Dev | 55 Kinder mit Autismus; Folinsäure 2 mg/kg bis 50 mg täglich zusätzlich zu Risperidon gegen Placebo | unangemessene Sprache (ABC-Skala) besser, p = 0,044 | RCT (Placebo) |
| 67 | Irani et al. 2017, Urol J | 7 Studien, 6 in der Meta-Analyse, subfertile Männer | Folat allein: Spermienkonzentration höher (p < 0,001), Beweglichkeit/Form nicht; Folat + Zink: Konzentration und Form besser | Meta-Analyse (klein, heterogen) |
| 68 | Ernawati et al. 2026, Clin Nutr ESPEN | 96 Schwangere, Methylfolat gegen Folsäure | Erythrozytenfolat ohne signifikanten Unterschied | RCT (Vergleich) |
| 69 | Lamers et al. 2004, Am J Clin Nutr | 1 RCT, gesunde Frauen, 208 oder 416 µg 5-MTHF gegen 400 µg Folsäure | Homocystein-Senkung gleich; Plasmafolat bei 208 µg 5-MTHF geringer gestiegen | RCT (Vergleich) |
| 70 | Frye & Rossignol 2026, Nutrients | systematischer Review, Meta-Analyse zu 5-MTHF statt Folsäure (k = 3) | ungebundene Folsäure mit 5-MTHF geringer (SMD 0,99; 0,20 bis 1,79; GRADE gering); Erythrozytenfolat uneinheitlich | Meta-Analyse (klein) |
| 71 | Qin et al. 2014, Clin Nutr | 9 RCTs, 27.418 Personen; Folsäure mit und ohne B6 | koronare Revaskularisation RR 0,99 (0,88 bis 1,11); Bypass RR 0,90 (0,79 bis 1,03); Stent RR 1,05; mit 5 bis 10 mg B6 RR 0,47 | Meta-Analyse |
| 72 | Jardine et al. 2012, BMJ | 11 RCTs, 10.951 Nierenkranke (CKD, Dialyse, Transplantat) | Herz-Kreislauf-Ereignisse RR 0,97 (0,92 bis 1,03); keine Untergruppe mit Effekt | Meta-Analyse |
| 73 | Qin et al. 2013, Clin Nutr | 9 RCTs, Nierenkranke | Herz-Kreislauf RR 0,90 (0,81 bis 1,00; p = 0,046); ohne Anreicherung RR 0,82 | Meta-Analyse (Grenzfall) |
| 74 | Zamani et al. 2023, Nutr J | 7 Effektgrößen, 360 Pers. | FMD% +2,59 (1,51 bis 3,67); FMD +24,38 µm; ICAM unverändert | Meta-Analyse |
| 75 | Guo et al. 2026, Ann Med | 13 Studien, 14.539 Personen mit koronarer Herzkrankheit; Folsäure + B-Vitamin-Komplex gegen Einzelnährstoff oder Kontrolle | Homocystein −2,36 µmol/l (−3,09 bis −1,62); Restenose RR 0,65 (0,44 bis 0,95); MACE n. s. (p = 0,78); Herztod RR 0,96 (0,85 bis 1,07) | Meta-Analyse (Begleitbefund, gegen beliebige Einzelstoffe) |
| 76 | Lonn et al. 2006 (HOPE-2), N Engl J Med | 5.522 Menschen mit Gefäßerkrankung oder Diabetes; 2,5 mg Folsäure + 50 mg B6 + 1 mg B12 gegen Placebo | Schlaganfall RR 0,75 (0,59 bis 0,97) | Groß-RCT (Kombination) |
| 77 | Albert et al. 2008 (WAFACS), JAMA | 5.442 Frauen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Risikofaktoren; Folsäure + B6 + B12 gegen Placebo | Schlaganfall RR 1,14 (0,82 bis 1,57), nicht signifikant | Groß-RCT (Kombination, Gegenbefund) |
| 78 | SEARCH Collaborative Group 2010, JAMA | 12.064 Menschen nach Herzinfarkt; Folsäure + B12 gegen Placebo | Schlaganfall 4,5 vs. 4,4 %, nicht signifikant | Groß-RCT (Kombination, Gegenbefund) |
| 79 | Ray et al. 2007 (HOPE-2), Ann Intern Med | 1 RCT, 5.522 Personen ab 55 Jahren, 5 Jahre | VTE HR 1,01 (0,66 bis 1,53); TVT HR 1,04 (0,63 bis 1,72); Lungenembolie HR 1,14 (0,57 bis 2,28) | Groß-RCT (Kombination) |
| 80 | den Heijer et al. 2007 (VITRO), Blood | 701 Menschen nach Venenthrombose oder Lungenembolie; 5 mg Folsäure + 50 mg B6 + 0,4 mg B12 gegen Placebo | erneute Thrombose HR 0,84 (0,56 bis 1,26), nicht signifikant | RCT (Kombination) |
| 81 | Sarris et al. 2016, Am J Psychiatry | Meta-Analysen zu Zusatzmitteln bei Depression; Folsäure-Studien eigens ausgewertet | Folsäure zusätzlich zum Antidepressivum ohne signifikanten Effekt (Studienzahl nicht im Abstract) | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 82 | Roberts et al. 2018, J Psychopharmacol | systematischer Review mit Meta-Analyse von RCTs | keine Studie zu Folat als Monotherapie; Nutzen nur bei < 5 mg Folsäure oder 15 mg Methylfolat zusätzlich zu SSRI; Evidenz gering bis sehr gering | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 83 | Almeida et al. 2015, Int Psychogeriatr | 11 placebokontrollierte RCTs, Folsäure und/oder B12 | kurzfristig bei Depression unter Antidepressiva SMD −0,12 (−0,45 bis 0,22; 5 Studien); Rückfall OR 0,33 (1 Studie) | Meta-Analyse (Kombination mit B12) |
| 84 | Maruf et al. 2022, Pharmacopsychiatry | 9 Studien (6.707 Pers.) qualitativ; Meta-Analyse 4 Studien, 507 Pers. | SMD −0,38 (−0,59 bis −0,17); Ansprechen HAM-D RR 1,25 (1,08 bis 1,46; 3 Studien, 483 Pers.) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 85 | Papakostas et al. 2012, Am J Psychiatry | 2 placebokontrollierte Studien, 148 und 75 Erwachsene mit Depression trotz SSRI; L-Methylfolat 7,5 bzw. 15 mg zusätzlich | Studie 1 (erst 7,5, dann 15 mg) ohne Unterschied; Studie 2 (15 mg): Ansprechen und Symptomwert besser | RCTs (Placebo) |
| 86 | Wang et al. 2024, Arch Gerontol Geriatr | 7 RCTs, 1.102 Ältere mit leichter kognitiver Störung | Gesamt-IQ SMD 8,36 (unplausibel; R11), Arithmetik und Zahlenspanne n. s., Mosaiktest SMD 0,26 (0,03 bis 0,49) | Meta-Analyse (klein, unplausible Effektgrößen) |
| 87 | Wang et al. 2022, Nutr Rev | RCTs und Beobachtungsstudien getrennt; Kognition: 25 RCTs, 6.155 Pers., B-Vitamine mit Folsäure | MMSE +0,14 Punkte in den RCTs (sehr kleiner Vorteil) | Meta-Analyse (größte Studienzahl) |
| 88 | Berg et al. 2025, Nutr Rev | 17 RCTs, 5.275 Personen ab 60 Jahren, B6/B9/B12 mindestens 26 Wochen | g 0,423 (0,188 bis 0,657), I² 93 %, sehr geringe Qualität; bereinigt g 0,110 (0,034 bis 0,186), hohe Qualität; Autoren: sehr kleiner Nutzen | Meta-Analyse |
| 89 | Ford et al. 2019, Drugs Aging | 31 placebokontrollierte RCTs (10 mit 1.925 Pers. mit, 21 mit 15.104 Pers. ohne Einschränkung) | MMSE ohne Einschränkung +0,04 (−0,10 bis 0,18), mit Einschränkung +0,16 (−0,18 bis 0,51) | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 90 | Rutjes et al. 2018, Cochrane Database Syst Rev | 14 Studien, 27.882 kognitiv gesunde Erwachsene ab mittlerem Alter; B-Vitamine mit Folsäure | kaum oder kein Effekt auf die Kognition, mittlere Evidenzqualität | Cochrane-Review (Gegenbefund) |
| 91 | McCleery et al. 2018, Cochrane Database Syst Rev | 5 RCTs, 879 Pers. mit MCI; 4 mit B6+B12+Folsäure, 1 mit Folsäure allein | Demenz nicht berichtet; Gesamtkognition sehr geringe Qualität; wahrscheinlich kaum Effekt auf Gedächtnis, Exekutivfunktion, Tempo, Lebensqualität | Cochrane-Review (maßgeblich) |
| 92 | Smith et al. 2010 (VITACOG), PLoS One | 1 RCT, 271 Ältere mit MCI (168 mit MRT), 0,8 mg Folsäure + 0,5 mg B12 + 20 mg B6, 2 Jahre | Hirnatrophie 0,76 vs. 1,08 %/Jahr (p = 0,001); bei Homocystein > 13 µmol/l 53 % langsamer | RCT (Messwert Hirnvolumen) |
| 93 | Roffman et al. 2013, JAMA Psychiatry | 1 RCT, Schizophrenie, 2 mg Folsäure + 400 µg B12, 16 Wochen | Negativsymptome nur mit Genotyp-Berücksichtigung besser (−0,33 SANS/Woche); Positiv- und Gesamtsymptome unverändert | RCT (Kombination) |
| 94 | Allott et al. 2019, Biol Psychiatry | 1 RCT, Erstpsychose, B12 + B6 + Folsäure, 12 Wochen | PANSS gesamt p = 0,749; Neurokognition p = 0,785; nur Aufmerksamkeit stabiler | RCT (Kombination, Gegenbefund) |
| 95 | Asbaghi et al. 2021, Nutrients | Meta-Analyse von RCTs, Dosis-Wirkung | HbA1c −0,27 % (−0,73 bis 0,18; n. s.); Nüchternzucker −2,17 mg/dl (−3,69 bis −0,65); Insulin −1,63 pmol/l; HOMA-IR −0,40 | Meta-Analyse |
| 96 | Mokgalaboni et al. 2024, Nutr Diabetes | 9 Studien, 426 Menschen mit Typ-2-Diabetes | CRP SMD −0,68, p = 0,05 (Grenzfall, nicht signifikant) | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 97 | Shea et al. 2013, Cochrane Database Syst Rev | 6 RCTs, 624 Personen mit rheumatoider Arthritis unter Methotrexat | GI RR 0,74 (0,59 bis 0,92); Transaminasen RR 0,23 (0,15 bis 0,34); Abbruch RR 0,39 (0,28 bis 0,53); mittlere Evidenzqualität | Cochrane-Review (Folsäure und Folinsäure zusammen) |
| 98 | Christen et al. 2009 (WAFACS), Arch Intern Med | 1 RCT, 5.205 Frauen ohne AMD, 7,3 Jahre | AMD RR 0,66 (0,47 bis 0,93); visuell bedeutsame AMD RR 0,59 (0,36 bis 0,95) | Groß-RCT (Kombination) |
| 99 | van Wijngaarden et al. 2014 (B-PROOF), Am J Clin Nutr | 1 RCT, 2.919 Personen ab 65 Jahren mit Homocystein 12 bis 50 µmol/l, 2 Jahre | Brüche HR 0,84 (0,58 bis 1,21); Krebs HR 1,56 (1,04 bis 2,31), nicht Studienziel | Groß-RCT (Kombination) |
| 100 | Stone et al. 2017 (WAFACS), J Bone Miner Res | 1 RCT, 4.810 Frauen, 2,5 mg Folsäure + 50 mg B6 + 1 mg B12, 7,3 Jahre | Nicht-Wirbel-Brüche HR 1,08 (0,88 bis 1,34); Knochenumbaumarker unverändert | Groß-RCT (Kombination) |
| 101 | Luo et al. 2024, Osteoporos Int | 14 RCTs, 34.700 Pers.; B-Vitamine (Folsäure, B6, B12 allein oder kombiniert) gegen Placebo | Knochenbrüche RR 1,06 (0,95 bis 1,18), nicht signifikant | Meta-Analyse (B-Vitamine gesamt) |
| 102 | Askari et al. 2017, Nutrition | 1 RCT, 95 Pers. mit Migräne mit Aura; 5 mg Folsäure + 80 mg B6, 5 mg Folsäure allein oder Placebo | Kombination: Stärke, Häufigkeit, HDR besser (p < 0,001), Dauer nach Adjustierung n. s.; Folsäure allein ohne Effekt | RCT (Kombination) |
| 103 | Menon et al. 2016, J Headache Pain | 300 Frauen mit Migräne mit Aura; 1 mg Folsäure + 25 mg B6 + B12 gegen Placebo | Attackenhäufigkeit ohne signifikanten Unterschied | RCT (Kombination, Gegenbefund) |
| 104 | Qin et al. 2013, Int J Cancer | 13 RCTs, 49.406 Personen | Krebs gesamt RR 1,05 (0,99 bis 1,11); Krebssterblichkeit RR 1,02; Melanom RR 0,47 (0,23 bis 0,94) | Meta-Analyse |
| 105 | Ebbing et al. 2009, JAMA | 2 RCTs (NORVIT, WENBIT), 6.837 Herzpatienten in Norwegen, Folsäure + B12, plus Nachbeobachtung | Krebs 10,0 vs. 8,4 %, HR 1,21 (1,03 bis 1,41); Krebstod HR 1,38; Gesamtsterblichkeit HR 1,18 (1,04 bis 1,33) | RCT-Auswertung (Kombination, Gegenbefund) |
| 106 | Figueiredo et al. 2009, J Natl Cancer Inst | 1 RCT (AFPPS), 643 Männer, 1 mg Folsäure gegen Placebo, bis 10,8 Jahre | Prostatakrebs in 10 Jahren 9,7 vs. 3,3 %, HR 2,63 (1,23 bis 5,65) | RCT (Polypenstudie, Nebenauswertung) |
| 107 | Logan et al. 2008 (ukCAP), Gastroenterology | 853 Menschen nach Darmadenomen; 0,5 mg Folsäure gegen Placebo | erneute Adenome RR 1,07 (0,85 bis 1,34) | RCT |
| 108 | Wu et al. 2009, Am J Clin Nutr | 672 Menschen nach Darmadenomen; 1 mg Folsäure gegen Placebo | erneute Adenome RR 0,82 (0,59 bis 1,13); bei niedrigem Ausgangsfolat weniger Adenome | RCT |
| 109 | van Dijk & Pot 2016, Eur J Clin Nutr | Meta-Analyse zu Ernährungsmaßnahmen nach Darmadenomen; 4 Folsäure-RCTs | erneute Adenome RR 0,93 (0,69 bis 1,25) | Meta-Analyse |
| 110 | Carroll et al. 2010, Aliment Pharmacol Ther | 6 RCTs: 3 zu erneuten Adenomen, 3 zu Darmkrebs in der Allgemeinbevölkerung | Adenome RR 0,93 (p = 0,27), hochwertige Studien RR 1,16 (p = 0,11); Darmkrebs RR 1,13 (p = 0,54); Ereignisraten unter Folsäure jeweils höher | Meta-Analyse |
| 111 | Passarelli et al. 2019, Am J Clin Nutr | Langzeitnachbeobachtung derselben Studie | verlängerte Einnahme: Neoplasie RR 1,21 (0,99 bis 1,47); sessile serratierte Polypen RR 1,94 (1,02 bis 3,68); nach Ende kein Effekt | RCT-Nachbeobachtung |
| 112 | Czeizel et al. 1994, Acta Genet Med Gemellol (Roma) | 1 RCT, 4.846 Frauen mit Kinderwunsch; Multivitamin mit 0,8 mg Folsäure gegen Spurenelemente | Mehrlingsgeburten 3,8 vs. 2,7 %, laut Autoren signifikant | RCT (Multivitamin) |
| 113 | Viswanathan et al. 2017, JAMA | Evidenzbericht für die US-Präventionsbehörde (USPSTF); Vorversion des Berichts von 2023 | Neuberechnung der ungarischen RCT: Mehrlinge OR 1,40 (0,89 bis 2,21), nicht signifikant | Evidenzbericht (Neuberechnung) |
| 114 | Muggli & Halliday 2007, Med J Aust | systematischer Review der Literatur 1994 bis 2006 | zweieiige Zwillinge aOR 1,26 (0,91 bis 1,73); Zwillinge gesamt aOR 1,02 (0,85 bis 1,24) | systematischer Review |
| 115 | Crider et al. 2013, Am J Clin Nutr | systematischer Review und Meta-Analyse von Beobachtungsstudien | Asthma im Kindesalter 1,01 (0,78 bis 1,30) | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 116 | Wehby et al. 2013, Int J Environ Res Public Health | 2.508 Frauen mit Wiederholungsrisiko für Lippen-Gaumen-Spalten; 4 mg gegen 0,4 mg Folsäure | keine vermehrten Wachstumsstörungen beim Ungeborenen (ausgewertet an 234 Lebendgeburten) | RCT (Dosisvergleich) |
| 117 | Berg et al. 1992, Epilepsia | Crossover-Studie, 13 gesunde Männer, 1 und 5 mg Folsäure | Folsäure veränderte Phenytoin-Spiegel und Zeit bis zum Gleichgewicht; Folat als Kofaktor des Abbaus | Crossover-Studie (Pharmakokinetik, R14) |
| 118 | Sulistyoningrum et al. 2024, Matern Child Nutr | 90 Schwangere ab Woche 12; Multivitamin mit 800 µg gegen ohne Folsäure | ungebundene Folsäure 1,4 vs. 0,6 nmol/l | RCT (Placebo, maßgeblich) |
| 119 | Murphy et al. 2021 (FACT-Zusatzstudie), Am J Clin Nutr | 50 Schwangere; 4 mg Folsäure gegen Placebo, Standarddosis bis 1,1 mg in beiden Gruppen | ungebundene Folsäure Median 4,6 vs. 1,9 nmol/l | RCT (Placebo) |
Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Keine Werbung, keine Kauflinks, keine Produktempfehlungen.
