Die kurze Antwort
Melatonin lässt Menschen nachweislich etwas schneller einschlafen und etwas länger schlafen, der Gewinn liegt aber meist bei wenigen Minuten. Am deutlichsten hilft es bei Jetlag, wahrscheinlich auch nach Nachtschichten und bei verschobenem Schlafrhythmus. Gegen chronische Schlaflosigkeit setzen die Leitlinien auf andere Behandlungen. Kurzfristig ist es gut verträglich, die Folgen jahrelanger Einnahme sind ungeklärt. Als Arzneimittel zugelassen ist in Deutschland eine Retardtablette mit 2 mg für Menschen ab 55 Jahren.
Kurz nach Mitternacht, das Licht ist längst aus, und der Kopf will einfach nicht zur Ruhe kommen. Auf vielen Nachttischen steht für solche Nächte inzwischen ein kleines Spray oder eine Dose Gummibärchen mit Melatonin, dem Stoff, den der Körper selbst ausschüttet, sobald es dunkel wird. Die Idee wirkt bestechend einfach: Wenn der eigene Taktgeber schwächelt, hilft man ihm mit derselben Substanz nach. Doch was in den Studien tatsächlich herauskommt, ist bescheidener, als viele hoffen, und an einigen Stellen trotzdem überraschend.
Denn Melatonin ist weniger eine Schlaftablette als ein Zeitsignal. Das erklärt, warum es beim gewöhnlichen Einschlafen nur Minuten bringt, bei einem Flug über mehrere Zeitzonen aber deutlich hilft. Und es erklärt, warum die Risiken an Stellen liegen, an die beim Kauf kaum jemand denkt.
Was ist Melatonin, und was macht es im Körper?
Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, das Dunkelheit meldet, und kein Schlafmittel im üblichen Sinn. Gebildet wird es in der Zirbeldrüse, einem erbsengroßen Organ tief im Gehirn, und zwar vor allem nachts, wenn kein Licht mehr auf die Augen fällt. Damit teilt es dem Körper mit, dass Nacht ist, und stellt die innere Uhr. Dabei folgt die Müdigkeit aus diesem Signal, sie entsteht nicht durch eine Dämpfung des Gehirns wie bei klassischen Schlaftabletten.
Was Melatonin als Präparat bewirkt, hängt deshalb stark davon ab, ob die innere Uhr aus dem Takt geraten ist. Nach einem Langstreckenflug oder einer Nachtschicht passt sie nicht mehr zur Uhr an der Wand, und genau dort kann ein zusätzliches Dunkelsignal den Rhythmus verschieben. Wer dagegen aus Sorge oder Anspannung wach liegt, hat meist kein Zeitproblem. Dafür ist das Hormon von Natur aus weniger gemacht.
In Deutschland gibt es Melatonin in zwei Welten. Als Nahrungsergänzung wird es frei verkauft. Zugelassen als Arzneimittel ist dagegen eine Retardtablette mit 2 mg für Menschen ab 55 Jahren, und doch enthalten manche Nahrungsergänzungen nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) so viel Melatonin wie dieses Medikament oder mehr.1 Immerhin hat die EU-Lebensmittelbehörde EFSA bestätigt, dass 1 mg kurz vor dem Schlafengehen die Einschlafzeit verkürzt.2 Daraus stammt die Werbeaussage, die auf vielen Packungen steht.
Wofür ist Melatonin gut, und welche Wirkung ist belegt?
Melatonin wirkt vor allem auf den Schlaf, und zwar in kleinem Maß, während viele andere Hoffnungen auf dünnen Daten stehen. Für diese Übersicht haben wir 45 Wirkungen erfasst, die am Menschen mit einer Vergleichsgruppe geprüft wurden. Ein Klick auf eine Zeile öffnet jeweils die Begründung für die Einstufung.
Schneller einschlafengut belegt26 Studien, 1.689 Pers. (Cruz-Sanabria 2024); dazu 8 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenEinschlafzeit dosisabhängig kürzer bis zu einem Maximum bei etwa 4 mg, größerer Effekt …
Erwachsene und Kinder mit Schlafstörungen sowie Gesunde, gepoolt über alle Gruppen; meist 0,5 bis 5 mg vor dem Schlafengehen; zugelassenes Arzneimittel in Deutschland: 2 mg retard ab 55 Jahren
Ergebnisse: Einschlafzeit dosisabhängig kürzer bis zu einem Maximum bei etwa 4 mg, größerer Effekt bei früherer Einnahme (Cruz-Sanabria 2024); im Mittel rund 7 Minuten, im Random-Effects-Modell rund 10 Minuten schneller (Ferracioli-Oda 2013, 15 Studien); bei Erwachsenen mit chronischer Schlaflosigkeit nicht signifikant (Choi 2022)
Dass Melatonin das Einschlafen beschleunigt, ist gut belegt: Neun Meta-Analysen kommen übereinstimmend zu diesem Ergebnis. Der Gewinn ist allerdings klein, im Mittel schliefen die Teilnehmenden etwa sieben bis zehn Minuten schneller ein. Am stärksten war der Effekt bei etwa 4 mg und einer Einnahme einige Stunden vor dem Zubettgehen; diese Menge ist in Deutschland ein Arzneimittel. 4, 3, 7, 6
Schlafqualität verbesserngut belegt23 Studien (Fatemeh 2022); dazu 5 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenPSQI −1,24 Punkte
Erwachsene mit Schlafstörungen oder verschiedenen Erkrankungen (Atemwege, Stoffwechsel, Nieren, Psyche, Nerven) sowie Gesunde, gemessen mit dem Fragebogen PSQI
Ergebnisse: PSQI −1,24 Punkte (95 % KI −1,77 bis −0,71; Fatemeh 2022); bei Schlafstörungen nur −0,67, bei psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen kein Effekt; Schlafqualität SMD 0,22 über verschiedene Skalen (Ferracioli-Oda 2013, 14 Studien)
Gut belegt ist, dass Menschen ihren Schlaf mit Melatonin als etwas besser einschätzen: Im gängigen Fragebogen PSQI verbesserte sich der Wert über 23 Studien um gut einen Punkt auf der 21-Punkte-Skala. Der Effekt schwankte stark, bei Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen war er am größten, bei Schlafstörungen nur etwa halb so groß. Bei psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen zeigte sich kein Unterschied. 5, 3, 67
Länger schlafengut belegt26 Studien, 1.689 Pers. (Cruz-Sanabria 2024); dazu 6 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenGesamtschlafdauer dosisabhängig länger bis etwa 4 mg
Erwachsene und Kinder mit Schlafstörungen sowie Gesunde, gepoolt über alle Gruppen; meist 0,5 bis 5 mg
Ergebnisse: Gesamtschlafdauer dosisabhängig länger bis etwa 4 mg (Cruz-Sanabria 2024); +8 Minuten im Fixed-Effects-Modell, im Random-Effects-Modell und bei objektiver Messung nicht signifikant (Ferracioli-Oda 2013, 13 Studien); Kinder mit chronischer Schlaflosigkeit laut Tagebuch +30 Minuten (Edemann-Callesen 2023, 4 Studien)
Melatonin verlängert den Nachtschlaf, das ist gut belegt: Sieben Meta-Analysen fanden übereinstimmend mehr Schlaf als mit Placebo. Bei Erwachsenen sind es meist nur wenige Minuten, in einer großen Auswertung rund acht Minuten, die bei objektiver Messung nicht mehr sicher nachweisbar waren. Die Wirkung nahm bis etwa 4 mg zu. 4, 3, 66, 6
Körpergewicht senkenwahrscheinlich23 Placebo-Studien (Delpino & Figueiredo 2021)Gewicht SMD −0,48, I² 92 %, BMI und Taillenumfang unverändert
gemischte Gruppen, teils Übergewichtige, teils unter Psychopharmaka; zugleich Frage, ob Melatonin dick macht
Ergebnisse: Gewicht SMD −0,48 (95 % KI −0,94 bis −0,02), I² 92 %, BMI und Taillenumfang unverändert (Delpino & Figueiredo 2021); Gegenbefund: −0,49 kg (−1,18 bis 0,20), nicht signifikant, 27 Effektgrößen, 1.276 Pers. (Mohammadi 2025); nicht signifikant in 15 Studien (Vajdi 2024), in 6 Studien mit 172 übergewichtigen Frauen (Li 2026) und in 7 Studien mit 244 Pers. (Mostafavi 2017)
Nach der maßgeblichen Meta-Analyse mit 23 Placebo-Studien sinkt das Körpergewicht unter Melatonin wahrscheinlich etwas; die Einzelstudien wichen dabei aber sehr stark voneinander ab, und BMI und Taillenumfang änderten sich nicht. Mehrere andere Auswertungen, darunter eine mit 15 Studien, fanden keinen gesicherten Unterschied. Ein spürbares Abnehmen ist daher nicht zu erwarten, eine Gewichtszunahme zeigt aber auch keine Auswertung. 32, 33, 116, 127, 128
Chronische Schlaflosigkeit bei Erwachsenen behandelnwahrscheinlich12 Studien zur Insomnie (Buscemi 2005)Einschlafzeit signifikant kürzer, klinisch bedeutsam laut Autoren nur bei verzögerter …
Erwachsene mit diagnostizierter chronischer Insomnie; schnell freisetzendes oder retardiertes Melatonin, meist 2 bis 5 mg und damit in Deutschland Arzneimitteldosis
Ergebnisse: Einschlafzeit signifikant kürzer, klinisch bedeutsam laut Autoren nur bei verzögerter Schlafphase (Buscemi 2005); retardiertes Melatonin Einschlafzeit objektiv −5,1, subjektiv −6,3 Minuten (Maruani 2023); bei Erwachsenen ohne Begleiterkrankung nicht signifikant (Choi 2022)
Bei chronischer Schlaflosigkeit ist eine kleine Wirkung wahrscheinlich: Die maßgebliche Meta-Analyse mit zwölf Studien fand eine signifikant kürzere Einschlafzeit, die Autoren hielten den Unterschied aber für klinisch wenig bedeutsam. Retardiertes Melatonin verkürzte das Einschlafen in einer neueren Auswertung um etwa fünf bis sechs Minuten. Die Europäische Schlafgesellschaft (ESRS, 2023) rät bei Schlaflosigkeit von schnell freisetzendem Melatonin ab, die US-Fachgesellschaft AASM (2017) ebenfalls von Melatonin. 7, 12, 6, 8
Schlaflosigkeit ab 55 Jahren lindern (retardiertes Melatonin)unklarerste HinweisePlacebo-RCTs, größte mit 791 Pers. (Wade 2010); keine eigene Meta-Analyse zur Einschlafzeit ab 55 JahrenEinschlafzeit −19,1 vs
Erwachsene ab 55 Jahren mit primärer Insomnie; retardiertes Melatonin 2 mg, 1 bis 2 Stunden vor dem Schlafengehen; in Deutschland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen
Ergebnisse: Einschlafzeit −19,1 vs. −1,7 Minuten nur bei den Älteren (Wade 2010); Ansprechrate 26 % vs. 15 % (Wade 2007); in der Teilgruppe ab 55 Jahren nur die Schlafeffizienz berichtet, +2,95 % (Maruani 2023)
Ob retardiertes Melatonin ab 55 Jahren die Schlaflosigkeit spürbar lindert, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. Die Zulassungsstudien fanden bei Älteren ein schnelleres Einschlafen, sie entstanden aber alle unter Beteiligung der Herstellerfirma, und eine Meta-Analyse berichtet für diese Altersgruppe nur eine etwas bessere Schlafeffizienz. Die Europäische Schlafgesellschaft (ESRS, 2023) hält retardiertes Melatonin ab 55 Jahren für eine mögliche Option; in Deutschland ist es dafür als Arzneimittel zugelassen. Es fehlen unabhängige Studien zur Einschlafzeit in dieser Altersgruppe. 11, 68, 46, 12
Blutdruck insgesamt senkenunklarwidersprüchlich17 Studien (Vajdi 2024); 23 Effektgrößen, 1.157 Pers. (Mohammadi 2025)systolisch über 17 Studien nicht signifikant
gemischte Gruppen, vor allem Stoffwechsel- und Herzkranke; meist 3 bis 10 mg täglich
Ergebnisse: systolisch über 17 Studien nicht signifikant (Vajdi 2024); systolisch −2,34 mmHg (95 % KI −4,13 bis −0,55), diastolisch −0,88 mmHg, nicht signifikant, Evidenz niedrig (Mohammadi 2025); 5 RCTs: systolisch −3,43, diastolisch −3,33 mmHg (Hadi 2019); 8 RCTs bei Stoffwechselerkrankungen: systolisch SMD −0,87 (Akbari 2019); 4 Studien unter Antipsychotika nicht signifikant (Kamath & Rather 2018)
Ob Melatonin den Blutdruck im Alltag senkt, ist unklar, denn die Auswertungen widersprechen sich. Eine Meta-Analyse mit 17 Studien fand beim oberen Wert keinen Effekt, die größte Sammelauswertung über viele kleine Studien mit Stoffwechsel- und Herzkranken dagegen ein Minus von gut 2 mmHg, bei niedriger Evidenzqualität. Als Ersatz für Blutdruckmedikamente taugt Melatonin nach dieser Datenlage nicht. 116, 33, 118, 119
Einschlafprobleme bei Kindern mit ADHS lindernunklarerste Hinweise3 Placebo-RCTs, größte mit 105 Pers. (Van der Heijden 2007); keine Meta-Analyse nur zu ADHSEinschlafen 26,9 Minuten früher vs
Kinder von 6 bis 14 Jahren mit ADHS und chronischer Einschlafstörung, teils mit Stimulanzien; 3 bis 6 mg, ärztlich begleitet
Ergebnisse: Einschlafen 26,9 Minuten früher vs. 10,5 Minuten später mit Placebo (Van der Heijden 2007); Einschlafzeit −16 Minuten bei Kindern unter Stimulanzien (Weiss 2006); als Zusatz zu Methylphenidat nicht signifikant (Mohammadi 2012)
Ob Melatonin Kindern mit ADHS beim Einschlafen hilft, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. In der größten Studie mit 105 Kindern schliefen sie mit 3 oder 6 mg etwa eine halbe Stunde früher ein, eine kleinere Studie als Zusatz zu Methylphenidat fand hingegen keinen Unterschied. Auf die ADHS-Beschwerden selbst hatte Melatonin keinen messbaren Einfluss. Es fehlen weitere Placebo-Studien und eine eigene Meta-Analyse zu ADHS. 61, 74, 62, 75
Alle 45 untersuchten Wirkungen ansehennach Bereichen geordnet, mit Studien und Begründung der Stufe
Hier steht jede Wirkung, die bei Melatonin in kontrollierten Studien am Menschen untersucht wurde. Jede Stufe entsteht nach festen Regeln aus zwei unabhängigen Recherchen derselben Studien; weichen sie voneinander ab, gilt die vorsichtigere Stufe. Studien mit Infusionen im Krankenhaus sind gekennzeichnet, denn sie sagen nichts darüber, was eine Tablette bewirkt.
Schlaf 14
5 gut belegt · 5 wahrscheinlich · 3 unklar · 1 spricht dagegen
Schneller einschlafengut belegt26 Studien, 1.689 Pers. (Cruz-Sanabria 2024); dazu 8 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenEinschlafzeit dosisabhängig kürzer bis zu einem Maximum bei etwa 4 mg, größerer Effekt …
Erwachsene und Kinder mit Schlafstörungen sowie Gesunde, gepoolt über alle Gruppen; meist 0,5 bis 5 mg vor dem Schlafengehen; zugelassenes Arzneimittel in Deutschland: 2 mg retard ab 55 Jahren
Ergebnisse: Einschlafzeit dosisabhängig kürzer bis zu einem Maximum bei etwa 4 mg, größerer Effekt bei früherer Einnahme (Cruz-Sanabria 2024); im Mittel rund 7 Minuten, im Random-Effects-Modell rund 10 Minuten schneller (Ferracioli-Oda 2013, 15 Studien); bei Erwachsenen mit chronischer Schlaflosigkeit nicht signifikant (Choi 2022)
Dass Melatonin das Einschlafen beschleunigt, ist gut belegt: Neun Meta-Analysen kommen übereinstimmend zu diesem Ergebnis. Der Gewinn ist allerdings klein, im Mittel schliefen die Teilnehmenden etwa sieben bis zehn Minuten schneller ein. Am stärksten war der Effekt bei etwa 4 mg und einer Einnahme einige Stunden vor dem Zubettgehen; diese Menge ist in Deutschland ein Arzneimittel. 4, 3, 7, 6
Länger schlafengut belegt26 Studien, 1.689 Pers. (Cruz-Sanabria 2024); dazu 6 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenGesamtschlafdauer dosisabhängig länger bis etwa 4 mg
Erwachsene und Kinder mit Schlafstörungen sowie Gesunde, gepoolt über alle Gruppen; meist 0,5 bis 5 mg
Ergebnisse: Gesamtschlafdauer dosisabhängig länger bis etwa 4 mg (Cruz-Sanabria 2024); +8 Minuten im Fixed-Effects-Modell, im Random-Effects-Modell und bei objektiver Messung nicht signifikant (Ferracioli-Oda 2013, 13 Studien); Kinder mit chronischer Schlaflosigkeit laut Tagebuch +30 Minuten (Edemann-Callesen 2023, 4 Studien)
Melatonin verlängert den Nachtschlaf, das ist gut belegt: Sieben Meta-Analysen fanden übereinstimmend mehr Schlaf als mit Placebo. Bei Erwachsenen sind es meist nur wenige Minuten, in einer großen Auswertung rund acht Minuten, die bei objektiver Messung nicht mehr sicher nachweisbar waren. Die Wirkung nahm bis etwa 4 mg zu. 4, 3, 66, 6
Schlafqualität verbesserngut belegt23 Studien (Fatemeh 2022); dazu 5 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenPSQI −1,24 Punkte
Erwachsene mit Schlafstörungen oder verschiedenen Erkrankungen (Atemwege, Stoffwechsel, Nieren, Psyche, Nerven) sowie Gesunde, gemessen mit dem Fragebogen PSQI
Ergebnisse: PSQI −1,24 Punkte (95 % KI −1,77 bis −0,71; Fatemeh 2022); bei Schlafstörungen nur −0,67, bei psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen kein Effekt; Schlafqualität SMD 0,22 über verschiedene Skalen (Ferracioli-Oda 2013, 14 Studien)
Gut belegt ist, dass Menschen ihren Schlaf mit Melatonin als etwas besser einschätzen: Im gängigen Fragebogen PSQI verbesserte sich der Wert über 23 Studien um gut einen Punkt auf der 21-Punkte-Skala. Der Effekt schwankte stark, bei Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen war er am größten, bei Schlafstörungen nur etwa halb so groß. Bei psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen zeigte sich kein Unterschied. 5, 3, 67
Jetlag vorbeugen und linderngut belegt11 Studien (Tortorolo 2015); dazu 2 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenJetlag-Beschwerden wahrscheinlich geringer
Flugreisende, Flugpersonal und Militär nach Flügen über 5 oder mehr Zeitzonen; 0,5 bis 5 mg am Zielort zur Schlafenszeit
Ergebnisse: Jetlag-Beschwerden wahrscheinlich geringer (Tortorolo 2015, 11 RCTs); selbst eingeschätzter Jetlag ostwärts SMD −0,76 (5 Studien), westwärts SMD −0,66 (4 Studien) (Chan 2021); 9 von 10 Studien positiv, NNT 2 (Herxheimer 2002); größte Einzelstudie mit 257 Pers. ohne Unterschied (Spitzer 1999)
Gut belegt ist, dass Melatonin Jetlag-Beschwerden nach Flügen über viele Zeitzonen lindert: Drei Meta-Analysen kommen übereinstimmend zu diesem Ergebnis, nach Flügen Richtung Osten wie Richtung Westen. Gewirkt hat es vor allem, wenn es am Zielort zur dortigen Schlafenszeit genommen wurde, schon 0,5 mg reichten. Die größte Einzelstudie mit 257 Ärztinnen und Ärzten fand allerdings keinen Unterschied zu Placebo. 69, 13, 14, 16
Schlaf bei Kindern mit Autismus oder Entwicklungsstörungen verbesserngut belegt21 Studien (Bruno 2025); dazu 6 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenGesamtschlafdauer und Schlafeffizienz erhöht, Einschlafzeit verkürzt, größte Wirkung …
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit Autismus-Spektrum-Störung oder anderen neurologischen Entwicklungsstörungen; 0,5 bis 12 mg, ärztlich begleitet
Ergebnisse: Gesamtschlafdauer und Schlafeffizienz erhöht, Einschlafzeit verkürzt, größte Wirkung bei 2 bis 4 mg (Bruno 2025); Gesamtschlafdauer +48 Minuten (9 Studien, 541 Pers.; Abdelgadir 2018); per Aktigrafie +32 Minuten (5 Studien), Autismus-Teilgruppe +65 Minuten (Parker 2019)
Bei Kindern mit Autismus oder anderen Entwicklungsstörungen ist gut belegt, dass Melatonin den Nachtschlaf verlängert: Sieben Meta-Analysen fanden übereinstimmend etwa eine halbe bis eine Dreiviertelstunde mehr Schlaf. Am besten wirkten 2 bis 4 mg einige Stunden vor dem Zubettgehen, also Mengen, die in Deutschland Arzneimittel sind. Die US-Fachgesellschaften AASM (2015) und AAN (2020) empfehlen Melatonin für diese Kinder; die Behandlung gehört in ärztliche Begleitung. 60, 59, 71, 72, 73
Chronische Schlaflosigkeit bei Erwachsenen behandelnwahrscheinlich12 Studien zur Insomnie (Buscemi 2005)Einschlafzeit signifikant kürzer, klinisch bedeutsam laut Autoren nur bei verzögerter …
Erwachsene mit diagnostizierter chronischer Insomnie; schnell freisetzendes oder retardiertes Melatonin, meist 2 bis 5 mg und damit in Deutschland Arzneimitteldosis
Ergebnisse: Einschlafzeit signifikant kürzer, klinisch bedeutsam laut Autoren nur bei verzögerter Schlafphase (Buscemi 2005); retardiertes Melatonin Einschlafzeit objektiv −5,1, subjektiv −6,3 Minuten (Maruani 2023); bei Erwachsenen ohne Begleiterkrankung nicht signifikant (Choi 2022)
Bei chronischer Schlaflosigkeit ist eine kleine Wirkung wahrscheinlich: Die maßgebliche Meta-Analyse mit zwölf Studien fand eine signifikant kürzere Einschlafzeit, die Autoren hielten den Unterschied aber für klinisch wenig bedeutsam. Retardiertes Melatonin verkürzte das Einschlafen in einer neueren Auswertung um etwa fünf bis sechs Minuten. Die Europäische Schlafgesellschaft (ESRS, 2023) rät bei Schlaflosigkeit von schnell freisetzendem Melatonin ab, die US-Fachgesellschaft AASM (2017) ebenfalls von Melatonin. 7, 12, 6, 8
Tagschlaf nach Nachtschichten verlängernwahrscheinlich7 Studien, 263 Pers. (Liira 2014, Cochrane)Tagschlaf +24 Minuten, Nachtschlaf +17 Minuten
Schichtarbeitende mit oder ohne Schlafprobleme; 1 bis 10 mg nach der Nachtschicht
Ergebnisse: Tagschlaf +24 Minuten (95 % KI 9,8 bis 38,9), Nachtschlaf +17 Minuten (3 Studien); Einschlafzeit unverändert; kein Dosis-Effekt; Evidenz niedrig (Liira 2014)
Nach einer Nachtschicht schlafen Schichtarbeitende mit Melatonin wahrscheinlich etwas länger: In sieben kleinen Studien waren es rund 24 Minuten mehr Tagschlaf. Wie schnell sie einschliefen, änderte sich nicht, und höhere Dosen brachten keinen Zusatznutzen. Die Cochrane-Gruppe stuft die Evidenz als niedrig ein. 17, 48
Verschobenen Schlafrhythmus vorverlegen (DSWPD)wahrscheinlich9 Studien, 317 Pers. (van Geijlswijk 2010)Einschlafuhrzeit 0,67 h früher, körpereigenes Melatonin 1,18 h früher, Einschlafzeit …
Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit verzögerter Schlaf-Wach-Phase; meist 0,3 bis 5 mg einige Stunden vor der gewünschten Schlafenszeit
Ergebnisse: Einschlafuhrzeit 0,67 h früher, körpereigenes Melatonin 1,18 h früher, Einschlafzeit −23,3 Minuten; Aufwachzeit und Schlafdauer unverändert (van Geijlswijk 2010); RCT mit 116 Pers.: Einschlafen 34 Minuten früher (Sletten 2018)
Bei der verzögerten Schlafphase, bei der Betroffene erst spät in der Nacht einschlafen können, verschiebt Melatonin den Rhythmus wahrscheinlich nach vorn: In neun Placebo-Studien schliefen die Teilnehmenden etwa 40 Minuten früher ein. Entscheidend war die Einnahme einige Stunden vor der gewünschten Schlafenszeit, die Gesamtschlafdauer änderte sich nicht. Die US-Fachgesellschaft AASM empfiehlt Melatonin bei dieser Störung, zeitlich gezielt eingenommen (Leitlinie 2015). 18, 20, 70
Schlaf bei Demenz verbessernwahrscheinlich10 Studien, 516 Pers. (Mdluli 2025); dazu 2 weitere übereinstimmende Meta-AnalysenGesamtschlafdauer +12,4 Minuten
Menschen mit Alzheimer- oder anderer Demenz und Schlafstörungen, auch im Pflegeheim, teils mit leichter kognitiver Störung; 2 bis 10 mg
Ergebnisse: Gesamtschlafdauer +12,4 Minuten (95 % KI 8,1 bis 16,7; Mdluli 2025); Alzheimer SMD 0,26 (Wang 2017); Cochrane: +10,7 Minuten, nicht signifikant (2 Studien, 184 Pers.; McCleery 2020)
Bei Demenz verlängert Melatonin den Nachtschlaf wahrscheinlich ein wenig: Die maßgebliche Meta-Analyse mit zehn Studien fand rund zwölf Minuten mehr Schlaf. Die Cochrane-Übersicht sah bei Alzheimer-Demenz hingegen keinen klaren Effekt. Die Stufe ist begrenzt, weil die US-Fachgesellschaft AASM (2015) bei älteren Menschen mit Demenz von Melatonin abrät. 21, 76, 22, 77
- Leitlinie rät ab (Auger et al. 2015 (AASM), PMID 26414986)
Schlaf auf der Intensivstation verbessernwahrscheinlich32 Studien, 3.895 Pers. (Tang 2025); Zahl der Studien zum Schlaf nicht im Abstractberichtete Schlafqualität SMD 0,54, niedrige Evidenz
Erwachsene auf der Intensivstation, beatmet oder nicht, über Magensonde oder Tablette; 0,3 bis 10 mg; Klinikanwendung
Ergebnisse: berichtete Schlafqualität SMD 0,54 (95 % KI 0,01 bis 1,07), niedrige Evidenz (Tang 2025); in den zwei größten Placebo-Studien (841 bzw. 334 Pers.) kein Unterschied beim Schlaf (Wibrow 2022, Mekontso Dessap 2025)
Auf der Intensivstation verbessert Melatonin die empfundene Schlafqualität wahrscheinlich etwas: Eine Meta-Analyse über 32 Studien fand einen Vorteil, bei niedriger Evidenz und knapp über der Nulllinie. Die beiden größten Placebo-Studien mit 841 und 334 Patientinnen und Patienten fanden allerdings keinen Unterschied. Die Gabe ist eine Entscheidung des Behandlungsteams. 26, 27, 80
Schlaflosigkeit ab 55 Jahren lindern (retardiertes Melatonin)unklarerste HinweisePlacebo-RCTs, größte mit 791 Pers. (Wade 2010); keine eigene Meta-Analyse zur Einschlafzeit ab 55 JahrenEinschlafzeit −19,1 vs
Erwachsene ab 55 Jahren mit primärer Insomnie; retardiertes Melatonin 2 mg, 1 bis 2 Stunden vor dem Schlafengehen; in Deutschland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen
Ergebnisse: Einschlafzeit −19,1 vs. −1,7 Minuten nur bei den Älteren (Wade 2010); Ansprechrate 26 % vs. 15 % (Wade 2007); in der Teilgruppe ab 55 Jahren nur die Schlafeffizienz berichtet, +2,95 % (Maruani 2023)
Ob retardiertes Melatonin ab 55 Jahren die Schlaflosigkeit spürbar lindert, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. Die Zulassungsstudien fanden bei Älteren ein schnelleres Einschlafen, sie entstanden aber alle unter Beteiligung der Herstellerfirma, und eine Meta-Analyse berichtet für diese Altersgruppe nur eine etwas bessere Schlafeffizienz. Die Europäische Schlafgesellschaft (ESRS, 2023) hält retardiertes Melatonin ab 55 Jahren für eine mögliche Option; in Deutschland ist es dafür als Arzneimittel zugelassen. Es fehlen unabhängige Studien zur Einschlafzeit in dieser Altersgruppe. 11, 68, 46, 12
Einschlafprobleme bei Kindern mit ADHS lindernunklarerste Hinweise3 Placebo-RCTs, größte mit 105 Pers. (Van der Heijden 2007); keine Meta-Analyse nur zu ADHSEinschlafen 26,9 Minuten früher vs
Kinder von 6 bis 14 Jahren mit ADHS und chronischer Einschlafstörung, teils mit Stimulanzien; 3 bis 6 mg, ärztlich begleitet
Ergebnisse: Einschlafen 26,9 Minuten früher vs. 10,5 Minuten später mit Placebo (Van der Heijden 2007); Einschlafzeit −16 Minuten bei Kindern unter Stimulanzien (Weiss 2006); als Zusatz zu Methylphenidat nicht signifikant (Mohammadi 2012)
Ob Melatonin Kindern mit ADHS beim Einschlafen hilft, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. In der größten Studie mit 105 Kindern schliefen sie mit 3 oder 6 mg etwa eine halbe Stunde früher ein, eine kleinere Studie als Zusatz zu Methylphenidat fand hingegen keinen Unterschied. Auf die ADHS-Beschwerden selbst hatte Melatonin keinen messbaren Einfluss. Es fehlen weitere Placebo-Studien und eine eigene Meta-Analyse zu ADHS. 61, 74, 62, 75
Schlaf bei Parkinson verbessernMenschen mit Parkinson-Krankheit und Schlafstörungen; 2 bis über 4 mgunklarwidersprüchlich7 Studien, 409 Pers. (Yousef 2026)PSQI −1,75 Punkte, laut Autoren unter der Schwelle klinischer Relevanz
Ergebnisse: PSQI −1,75 Punkte (95 % KI −2,94 bis −0,55), laut Autoren unter der Schwelle klinischer Relevanz; objektive Schlafwerte ohne Effekt (Yousef 2026); signifikant nur über 4 mg und schnell freisetzend (Zrineh 2025)
Ob Melatonin den Schlaf bei Parkinson spürbar bessert, ist unklar. Die maßgebliche Meta-Analyse fand zwar eine etwas bessere selbst eingeschätzte Schlafqualität, die Autoren werten den Effekt aber selbst als klinisch unbedeutend. In Schlaflabor-Messungen zeigte sich kein Unterschied, und eine zweite Auswertung fand einen Effekt nur bei Dosen über 4 mg. 23, 78, 79
Schlaf nach Operationen verbessernspricht dagegen4 Studien, 455 Pers. (Razick 2026)Schlafqualität nach Gelenkersatz ohne Unterschied zu Placebo, subjektive und objektive …
Erwachsene nach Operationen in Voll- oder Regionalnarkose; kurze Gabe um den Operationstag, meist 5 bis 6 mg
Ergebnisse: Schlafqualität (PSQI) nach Gelenkersatz ohne Unterschied zu Placebo, subjektive und objektive Schlafwerte unverändert (Razick 2026); nach Gallenblasen-OP kein Effekt (Zhang 2019, 5 Studien); Gegenbefund: postoperative Schlafqualität SMD −0,30 (Gao 2022, 7 Studien)
Nach Operationen spricht die Studienlage eher nicht dafür, dass Melatonin den Schlaf verbessert. Die maßgebliche Meta-Analyse mit 455 Patientinnen und Patienten nach Hüft- oder Kniegelenkersatz fand weder subjektiv noch objektiv einen Unterschied zu Placebo, ebenso eine Auswertung nach Gallenblasen-Operationen. Eine ältere Meta-Analyse über verschiedene Eingriffe sah dagegen eine leicht bessere Schlafqualität. 81, 82, 83, 84
Gehirn & Psyche 14
4 wahrscheinlich · 8 unklar · 2 spricht dagegen
Delir nach Operationen vorbeugenwahrscheinlich12 Studien, 1.461 Pers. (Borges 2026, nur Melatonin-Studien)Delir 22,4 % vs
Erwachsene, meist ab 60 Jahren, rund um Herz-, Hüft- und andere Operationen; 2 bis 8 mg, meist 3 bis 5 mg über einige Tage; Klinikanwendung, keine Selbstmedikation
Ergebnisse: Delir 22,4 % vs. 31,4 %, RR 0,67 (95 % KI 0,52 bis 0,88); ab 5 mg RR 0,52; Evidenz niedrig (Borges 2026); größte Einzelstudien ohne Effekt: Hüftfraktur 29,6 % vs. 25,5 % (de Jonghe 2014), Herz-OP 21,4 % vs. 20,2 % (Ford 2020)
Melatonin rund um eine Operation senkt bei älteren Menschen das Risiko eines Delirs wahrscheinlich: In zwölf Placebo-Studien trat es bei gut einem Fünftel statt knapp einem Drittel der Operierten auf, mit 5 mg und mehr am deutlichsten. Die Autoren stufen die Evidenz als niedrig ein, und die beiden größten Einzelstudien mit 378 Hüftfraktur-Patienten und 210 Herzoperierten fanden keinen Unterschied. Die Gabe ist eine Entscheidung des Behandlungsteams. 25, 85, 86, 87
Delir auf der Intensivstation vorbeugenwahrscheinlich32 Studien, 3.895 Pers. (Tang 2025)Delir RR 0,72, niedrige Evidenz
Erwachsene auf der Intensivstation, teils beatmet; 0,3 bis 10 mg abends über die Sonde; Klinikanwendung
Ergebnisse: Delir RR 0,72 (95 % KI 0,58 bis 0,89), niedrige Evidenz (Tang 2025); nur Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko: RR 0,89 (0,73 bis 1,09), nicht signifikant (Lakbar 2025, 6 Studien, 2.209 Pers.); größte Placebo-Studien ohne Effekt (Wibrow 2022, Mekontso Dessap 2025)
Auf der Intensivstation beugt Melatonin einem Delir wahrscheinlich etwas vor: Die maßgebliche Meta-Analyse mit 32 Studien fand ein um gut ein Viertel geringeres Risiko, bei niedriger Evidenz. Wertet man nur die methodisch besten Studien aus, war der Unterschied nicht mehr signifikant, und die beiden größten Placebo-Studien mit 841 und 334 Patientinnen und Patienten fanden keinen Effekt. Die Gabe ist eine Entscheidung des Behandlungsteams. 26, 88, 27, 80
Angst vor Operationen lindernwahrscheinlich18 Studien, 1.264 Pers. (Madsen 2020, Cochrane); die Vorversion (Hansen 2015) ist keine zweite, unabhängige Meta-AnalyseAngst vor der Operation −11,7 mm auf der 100-mm-Skala, Evidenz moderat
Erwachsene als Prämedikation 50 bis 120 Minuten vor dem Eingriff, als Tablette oder unter der Zunge; meist 3 bis 10 mg, also Arzneimitteldosis in der Klinik
Ergebnisse: Angst vor der Operation −11,7 mm auf der 100-mm-Skala (95 % KI −13,8 bis −9,6), Evidenz moderat; nach der Operation −5,0 mm; gegenüber Benzodiazepinen kein Unterschied (Madsen 2020)
Melatonin als Tablette vor der Operation lindert die Angst wahrscheinlich: In 18 Placebo-Studien sank sie um etwa zwölf Punkte auf einer Skala von 0 bis 100, was die Cochrane-Gruppe als möglicherweise klinisch bedeutsam einstuft. Für „gut belegt“ fehlt eine zweite, unabhängige Meta-Analyse – die ältere Auswertung ist eine frühere Fassung derselben Cochrane-Übersicht. Gegenüber Beruhigungsmitteln wie Midazolam zeigte sich kein Unterschied. Nach der Operation war der Effekt deutlich kleiner; die Prämedikation verordnet das Narkoseteam. 24, 94
Denkleistung bei Demenz oder leichter kognitiver Störung erhaltenwahrscheinlich10 Studien, 516 Pers. (Mdluli 2025)MMSE +1,8 Punkte
Ältere Menschen mit leichter kognitiver Störung oder Alzheimer- bzw. anderer Demenz; 2 bis 10 mg abends
Ergebnisse: MMSE +1,8 Punkte (95 % KI 0,9 bis 2,7; Mdluli 2025); MMSE +1,08 (0,56 bis 1,60; 7 Studien), ADAS-Cog nicht signifikant (Leung 2025); ältere Meta-Analysen ohne Effekt (Wang 2017, Xu 2015, Jansen 2006)
Bei leichter kognitiver Störung oder Demenz erhält Melatonin die Denkleistung wahrscheinlich ein wenig: Die maßgebliche Meta-Analyse mit zehn Studien fand knapp zwei Punkte mehr im Demenz-Screeningtest MMSE. Die Autoren halten das selbst noch nicht für einen sicheren Wirksamkeitsnachweis, und ältere Auswertungen einschließlich der Cochrane-Übersicht fanden keinen Effekt. Eine Demenzbehandlung ersetzt Melatonin nicht. 21, 114, 76, 115
Delir bei älteren Klinikpatienten (ohne Operation) vorbeugenunklar3 Placebo-RCTs, größte mit 145 Pers. (Al-Aama 2011); keine Meta-Analyse mit eigener Auswertung für Melatonin allein mit StudienzahlEinzelstudie mit 145 Pers.: Delir 12,0 % vs
Ältere Menschen ab 65 Jahren auf internistischen Stationen; 0,5 bis 8 mg abends
Ergebnisse: Einzelstudie mit 145 Pers.: Delir 12,0 % vs. 31,0 % (Al-Aama 2011); 3 mg und 5 bis 8 mg ohne signifikanten Effekt (Jaiswal 2018, Al Alawi 2026); in Sammel-Meta-Analysen mit Ramelteon bei internistischen Patienten teils signifikant (You 2022), teils nicht (Khaing 2021)
Ob Melatonin älteren Klinikpatienten ohne Operation ein Delir erspart, ist unklar. Eine kanadische Studie mit 145 Notaufnahme-Patienten fand unter 0,5 mg deutlich seltener ein Delir, zwei weitere Placebo-Studien mit 3 mg und mit 5 bis 8 mg sahen keinen Unterschied. Die Meta-Analysen mischen Melatonin mit dem Arzneistoff Ramelteon und kommen für diese Patientengruppe zu widersprüchlichen Ergebnissen. 89, 90, 91, 92, 93
Angst vor Operationen bei Kindern lindernunklarwidersprüchlich5 Placebo-RCTs, größte mit 132 Pers. (Singla 2021); keine Meta-Analyse gegen PlaceboAngst vor der Narkose geringer als mit Placebo in 3 Studien
Kinder von 1 bis 15 Jahren als Prämedikation vor der Narkose; 0,1 bis 0,75 mg je kg Körpergewicht in der Klinik
Ergebnisse: Angst vor der Narkose geringer als mit Placebo in 3 Studien (Samarkandi 2005, Kurdi 2016, Hussein 2024); kein Unterschied in der größten Studie (Singla 2021, 0,3 mg/kg, mYPAS); gegen Midazolam kein Unterschied bei Sedierung, SMD 0,03 (Ponde 2025, 10 Studien)
Ob Melatonin Kindern die Angst vor der Narkose nimmt, ist noch unklar. Mehrere kleine Placebo-Studien fanden weniger Angst, die größte mit 132 Kindern hingegen keinen Unterschied. Eine Meta-Analyse gegen Placebo fehlt; gegenüber dem üblichen Beruhigungsmittel Midazolam wirkte Melatonin in zehn Studien ähnlich. 95, 96, 97, 98
Depression nach schwerer Erkrankung vorbeugenunklarwidersprüchlich2 Placebo-RCTs, größte mit 252 Pers. (Madsen 2019)nach akutem Koronarsyndrom kein Unterschied, 6 vs
Erwachsene ohne Depression nach Brustkrebs-Operation oder akutem Koronarsyndrom; 6 bzw. 25 mg über 12 Wochen
Ergebnisse: nach akutem Koronarsyndrom kein Unterschied, 6 vs. 4 depressive Episoden (Madsen 2019); nach Brustkrebs-OP depressive Symptome RR 0,25 (95 % KI 0,077 bis 0,80; Hansen 2014, 54 Pers.)
Ob Melatonin nach einer schweren Erkrankung einer Depression vorbeugt, ist unklar. Zwei dänische Studien kamen zu entgegengesetzten Ergebnissen: Bei 54 Frauen nach einer Brustkrebs-Operation traten depressive Symptome mit 6 mg deutlich seltener auf, allerdings brachen in der Placebogruppe zehn Frauen ab. In der größeren Studie mit 252 Menschen nach einem Herzinfarkt verhinderten selbst 25 mg täglich keine depressiven Episoden. 101, 102
Depressive Verstimmung und Angst in den Wechseljahren lindernFrauen in und nach den Wechseljahren; 1 bis 5 mg über 3 bis 12 Monateunklarwidersprüchlich8 Studien, 812 Pers. (Yi 2021)Depression SMD 0,13 und Angst SMD 0,02, beide nicht signifikant
Ergebnisse: Depression SMD 0,13 (95 % KI −0,44 bis 0,70) und Angst SMD 0,02, beide nicht signifikant (Yi 2021); kleinere Meta-Analyse: Depression SMD −0,17 (−0,29 bis −0,05), Angst SMD −0,81 (−1,49 bis −0,12) (Demirhan Kayacik 2024, 5 Studien)
Ob Melatonin depressive Verstimmung und Angst in den Wechseljahren lindert, ist unklar. Die größere Meta-Analyse mit acht Studien und 812 Frauen fand weder bei der Stimmung noch bei der Angst einen Unterschied zu Placebo. Eine kleinere neuere Auswertung mit fünf Studien sah hingegen eine leichte Besserung der Stimmung und eine deutlichere bei der Angst. 103, 104
Migräne-Attacken vorbeugenunklarwidersprüchlich2 Studien zu Kopfschmerztagen gegen Placebo (Abouelmagd 2026); größte Einzelstudie 196 Pers. (Gonçalves 2016)Kopfschmerztage −1,54 pro Monat, Attackenhäufigkeit −0,75, nicht signifikant
Erwachsene mit episodischer Migräne; meist 3 mg schnell freisetzend abends, eine Studie 2 mg retardiert
Ergebnisse: Kopfschmerztage −1,54 pro Monat (95 % KI −2,50 bis −0,58; 2 Studien), Attackenhäufigkeit −0,75, nicht signifikant (3 Studien) (Abouelmagd 2026); 3 mg schnell freisetzend wirksam (Gonçalves 2016), 2 mg retardiert ohne Effekt (Alstadhaug 2010)
Ob Melatonin Migräne-Attacken vorbeugt, ist noch unklar. Die größte Studie mit 196 Erwachsenen fand unter 3 mg weniger Kopfschmerztage als mit Placebo, eine Studie mit 2 mg retardiertem Melatonin hingegen keinen Unterschied, und für die Zahl der Attacken war die Meta-Analyse nicht signifikant. Die Kanadische Kopfschmerzgesellschaft spricht eine schwache Empfehlung für Melatonin aus (Leitlinie 2024). 105, 29, 30, 106
Migräne bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen10- bis 17-Jährige mit Migräne; 3 oder 6 mg abendsunklar1 Placebo-RCT, 42 Pers. (Gelfand 2023)Migränetage im Median 2 vs
Ergebnisse: Migränetage im Median 2 vs. 2, Differenz 0 (−9 bis 3) (Gelfand 2023); Studie vorzeitig beendet, nur 27 auswertbar
Ob Melatonin Kindern und Jugendlichen mit Migräne hilft, ist offen. Die einzige Placebo-Studie fand keinen Unterschied bei den Migränetagen, sie wurde aber wegen schleppender Aufnahme mit nur 42 statt geplanten 210 Teilnehmenden beendet, und viele Tagebuchdaten fehlten. Eine Wirkung ist damit weder gezeigt noch ausgeschlossen. 107
Cluster-Kopfschmerz vorbeugenunklarwidersprüchlich2 kleine Placebo-Studien, größte mit 20 Pers. (Leone 1996)Attackenhäufigkeit gesenkt, 5 von 10 Ansprechern bei episodischem Verlauf, chronischer …
Erwachsene mit episodischem oder chronischem Cluster-Kopfschmerz; 10 mg abends
Ergebnisse: Attackenhäufigkeit gesenkt, 5 von 10 Ansprechern bei episodischem Verlauf, chronischer Verlauf ohne Ansprechen (Leone 1996); als Zusatztherapie bei 9 Pers. kein Unterschied (Pringsheim 2002)
Ob Melatonin Cluster-Kopfschmerz vorbeugt, ist unklar. In einer italienischen Pilotstudie mit 20 Betroffenen hatte die Hälfte der zehn mit Melatonin Behandelten während der Einnahme keine Attacken mehr, bei chronischem Verlauf wirkte es nicht. Eine kanadische Studie mit neun Betroffenen, die Melatonin zusätzlich zu ihrer üblichen Vorbeugung nahmen, fand keinen Unterschied; größere Studien gibt es nicht. 108, 109
Tinnitus lindernErwachsene mit chronischem subjektivem Tinnitus; 3 mg abendsunklar3 kleine Placebo-RCTs, größte mit 120 Pers. (Lopez-Gonzalez 2007); Tinnitus-Belastung (THI) nur in einer Studie gemessen (Rosenberg 1998)Tinnitus-Belastung ohne Unterschied
Ergebnisse: Tinnitus-Belastung (THI) ohne Unterschied (Rosenberg 1998, 30 Pers.); Lautheit und Selbsteinschätzung stärker gesenkt als mit Placebo (Hurtuk 2011, 61 Pers.); systematischer Review 2026: keine belastbare Aussage möglich
Ob Melatonin Tinnitus lindert, ist unklar. Die einzige Studie, die die Belastung durch das Ohrgeräusch mit dem Standard-Fragebogen maß, fand keinen Unterschied zu Placebo; in einer anderen kleinen Studie nahmen Lautheit und selbst eingeschätzte Stärke stärker ab. Die US-Leitlinie der HNO-Fachgesellschaft AAO-HNSF (2014) rät von Nahrungsergänzungsmitteln einschließlich Melatonin gegen Tinnitus ab. 110, 111, 112, 113
Depressive Beschwerden lindernspricht dagegen19 Studien, 1.178 Pers. (Li 2022)Depressionswerte SMD −0,17, nicht signifikant
Erwachsene mit oder ohne diagnostizierte Depression; 2 bis 25 mg, meist abends
Ergebnisse: Depressionswerte SMD −0,17 (95 % KI −0,38 bis 0,05), nicht signifikant; nur in der Teilgruppe mit dem Fragebogen BDI signifikant (Li 2022); Krebspatienten SMD −0,24, nicht signifikant (Fan 2022, 6 Studien)
Die Studienlage spricht eher nicht dafür, dass Melatonin depressive Beschwerden lindert. Die maßgebliche Meta-Analyse mit 19 Placebo-Studien und fast 1.200 Teilnehmenden fand keinen signifikanten Unterschied, die Autoren sehen nur sehr begrenzte Hinweise auf eine Wirkung. Auch bei Krebspatientinnen und -patienten zeigte sich kein gesicherter Effekt; eine Depression gehört in ärztliche Behandlung. 28, 99, 100
Denkleistung bei Gesunden verbessernspricht dagegen11 Studien mit Gesunden (Sumsuzzman 2021)Gedächtnis gepoolt nicht signifikant
Gesunde Erwachsene ohne kognitive Beeinträchtigung, Einnahme teils tagsüber
Ergebnisse: Gedächtnis gepoolt nicht signifikant (p = 0,08); Einnahme am Tag senkte die Antwortgenauigkeit, SMD −0,74 (95 % KI −1,03 bis −0,45); Reaktionszeit unverändert (Sumsuzzman 2021)
Bei gesunden Erwachsenen spricht die Studienlage dagegen, dass Melatonin die Denkleistung verbessert: In elf Studien unterschied sich das Gedächtnis nicht signifikant von Placebo. Tagsüber genommen beantworteten die Teilnehmenden Testaufgaben sogar ungenauer, was zur schlaffördernden Wirkung passt. 31
Körper & Sonstiges 17
5 wahrscheinlich · 7 unklar · 4 spricht dagegen · 1 nicht untersucht
Langzeitblutzucker (HbA1c) senkenwahrscheinlich16 Placebo-Studien (Delpino 2021)HbA1c −0,38, Nüchternzucker −4,65, Insulinresistenz −0,58
Erwachsene mit und ohne Stoffwechselerkrankung, viele mit Typ-2-Diabetes; meist 3 bis 10 mg abends
Ergebnisse: HbA1c −0,38 (95 % KI −0,67 bis −0,10), Nüchternzucker −4,65, Insulinresistenz −0,58 (Delpino 2021); HbA1c ebenfalls gesenkt in 9 Studien (Dias 2026) und in 5 Studien bei Typ-2-Diabetes, 325 Pers. (Lv 2025); Gegenbefund: HbA1c −0,22 Prozentpunkte (−0,66 bis 0,21), nicht signifikant, 5 Effektgrößen, 402 Pers. (Mohammadi 2025); nicht signifikant in 7 Studien (Hadi 2026) und bei 142 Pers. (Lauritzen 2021)
Melatonin senkt den Langzeitblutzucker HbA1c wahrscheinlich leicht: Die maßgebliche Meta-Analyse mit 16 Placebo-Studien fand ein kleines Minus, mehrere neuere Auswertungen, vor allem bei Typ-2-Diabetes, ebenfalls. Andere Auswertungen sahen keinen gesicherten Effekt, und in einer genauen Messung bei Männern mit Typ-2-Diabetes sank die Insulinempfindlichkeit unter 10 mg sogar (siehe Sicherheit). Ein Diabetesmedikament ersetzt Melatonin nicht. 34, 120, 121, 33, 122, 35
Körpergewicht senkenwahrscheinlich23 Placebo-Studien (Delpino & Figueiredo 2021)Gewicht SMD −0,48, I² 92 %, BMI und Taillenumfang unverändert
gemischte Gruppen, teils Übergewichtige, teils unter Psychopharmaka; zugleich Frage, ob Melatonin dick macht
Ergebnisse: Gewicht SMD −0,48 (95 % KI −0,94 bis −0,02), I² 92 %, BMI und Taillenumfang unverändert (Delpino & Figueiredo 2021); Gegenbefund: −0,49 kg (−1,18 bis 0,20), nicht signifikant, 27 Effektgrößen, 1.276 Pers. (Mohammadi 2025); nicht signifikant in 15 Studien (Vajdi 2024), in 6 Studien mit 172 übergewichtigen Frauen (Li 2026) und in 7 Studien mit 244 Pers. (Mostafavi 2017)
Nach der maßgeblichen Meta-Analyse mit 23 Placebo-Studien sinkt das Körpergewicht unter Melatonin wahrscheinlich etwas; die Einzelstudien wichen dabei aber sehr stark voneinander ab, und BMI und Taillenumfang änderten sich nicht. Mehrere andere Auswertungen, darunter eine mit 15 Studien, fanden keinen gesicherten Unterschied. Ein spürbares Abnehmen ist daher nicht zu erwarten, eine Gewichtszunahme zeigt aber auch keine Auswertung. 32, 33, 116, 127, 128
Erschöpfung (Fatigue) unter Krebstherapie verringernErwachsene unter Chemo- oder Strahlentherapie; 2 bis 20 mgwahrscheinlich12 Studien, 1.977 Pers. (Etesamnia 2026)Erschöpfung signifikant verringert, Evidenz sehr niedrig
Ergebnisse: Erschöpfung signifikant verringert, Evidenz sehr niedrig (Etesamnia 2026); ebenso in 9 Studien (Li 2025) und in 5 Studien mit 561 Frauen mit Brustkrebs unter Bestrahlung (Panhwar 2026); Gegenbefund: SMD −0,34 (95 % KI −0,73 bis 0,06), nicht signifikant (Fan 2022); gegen Placebo RR 1,02 (0,90 bis 1,17), 2 Studien, 170 Pers., gegen Standardtherapie ohne Placebo RR 0,46 (0,39 bis 0,55) (Yu 2025, Cochrane); FACIT-Fatigue p = 0,83, 78 Frauen unter Strahlentherapie (Mukhopadhyay 2024)
Melatonin verringert die Erschöpfung unter Krebstherapie wahrscheinlich etwas: Die maßgebliche Meta-Analyse mit zwölf Studien und fast 2.000 Patientinnen und Patienten fand weniger Fatigue, ebenso zwei weitere Auswertungen; die Evidenzqualität gilt allerdings als sehr niedrig. In den streng verblindeten Placebo-Studien der Cochrane-Übersicht und in einer Studie mit 78 Frauen unter Strahlentherapie zeigte sich kein Unterschied, ein Teil des Effekts beruht also möglicherweise auf Erwartung. 43, 144, 142, 44, 139, 145
Entzündungswert CRP senkenwahrscheinlich14 Studien, 823 Pers. mit Diabetes (Mohammadpour Fard 2024)CRP signifikant gesenkt
gemischte Gruppen, meist Kranke (Diabetes, Stoffwechsel, Niere, Herz); Laborwert
Ergebnisse: CRP signifikant gesenkt (Mohammadpour Fard 2024); ebenso in 8 Studien bei Diabetes (Bahreiny 2026); CRP −0,59 mg/l (95 % KI −0,94 bis −0,23), 21 Effektgrößen, 1.108 Pers., I² 94 % (Mohammadi 2025); Gegenbefund: CRP SMD −0,18 (−0,91 bis 0,55), nicht signifikant, 31 Studien (Cho 2021); −0,45 mg/l (−0,94 bis 0,03), p = 0,06 (Zarezadeh 2020); nicht signifikant bei Nierenkranken, 10 Studien (Abuhassan 2026), und bei PCOS (Ziaei 2024)
Melatonin senkt den Entzündungswert CRP wahrscheinlich etwas: Die maßgebliche Meta-Analyse mit 14 Studien bei Menschen mit Diabetes fand eine Senkung, ebenso die größte Sammelauswertung mit im Mittel etwa 0,6 mg/l. Andere Auswertungen, etwa bei Nierenkranken oder über gemischte Gruppen, sahen keinen gesicherten Effekt. Ein niedrigerer Laborwert ist zudem kein Beleg dafür, dass Krankheiten seltener werden. 153, 33, 154, 155, 156, 123
Leberwerte bei Fettleber verbessernwahrscheinlich7 Studien (Akhavan Rezayat 2021), auch nicht randomisierteALT gesenkt, dazu AST, ALP, GGT, Triglyzeride und Cholesterin
Erwachsene mit nicht-alkoholischer Fettleber; meist 5 bis 10 mg; Laborwert
Ergebnisse: ALT gesenkt (p = 0,010, erst ab der 4. Woche), dazu AST, ALP, GGT, Triglyzeride und Cholesterin (Akhavan Rezayat 2021); Gegenbefund: ALT nicht signifikant, GGT −33,37 IU/l, ALP −8,40 IU/l, AST +2,29 IU/l, 5 Studien (Mansoori 2020); ALT −2,61 IU/l in 9 Effektgrößen aus gemischten Gruppen (Mohammadi 2025)
Bei Fettleber senkt Melatonin wahrscheinlich den Leberwert ALT: Die maßgebliche Meta-Analyse mit sieben Studien fand ihn gesenkt, allerdings erst nach einigen Wochen und unter Einschluss nicht randomisierter Studien. Eine zweite Auswertung mit fünf Studien sah beim ALT keinen gesicherten Effekt, wohl aber bei anderen Leberwerten wie GGT. Ob sich das Leberfett selbst zurückbildet, etwa im Ultraschall, wurde in keiner Auswertung gemessen. 36, 157
Blutdruck insgesamt senkenunklarwidersprüchlich17 Studien (Vajdi 2024); 23 Effektgrößen, 1.157 Pers. (Mohammadi 2025)systolisch über 17 Studien nicht signifikant
gemischte Gruppen, vor allem Stoffwechsel- und Herzkranke; meist 3 bis 10 mg täglich
Ergebnisse: systolisch über 17 Studien nicht signifikant (Vajdi 2024); systolisch −2,34 mmHg (95 % KI −4,13 bis −0,55), diastolisch −0,88 mmHg, nicht signifikant, Evidenz niedrig (Mohammadi 2025); 5 RCTs: systolisch −3,43, diastolisch −3,33 mmHg (Hadi 2019); 8 RCTs bei Stoffwechselerkrankungen: systolisch SMD −0,87 (Akbari 2019); 4 Studien unter Antipsychotika nicht signifikant (Kamath & Rather 2018)
Ob Melatonin den Blutdruck im Alltag senkt, ist unklar, denn die Auswertungen widersprechen sich. Eine Meta-Analyse mit 17 Studien fand beim oberen Wert keinen Effekt, die größte Sammelauswertung über viele kleine Studien mit Stoffwechsel- und Herzkranken dagegen ein Minus von gut 2 mmHg, bei niedriger Evidenzqualität. Als Ersatz für Blutdruckmedikamente taugt Melatonin nach dieser Datenlage nicht. 116, 33, 118, 119
Sodbrennen und Reflux lindernunklarerste Hinweise1 Placebo-RCT, 78 Pers., 72 ausgewertet (Malekpour 2023)Sodbrennen, Oberbauchschmerz und Symptomscore FSSG unter Melatonin plus Omeprazol …
Erwachsene mit Refluxkrankheit, zusätzlich zu Omeprazol; 3 mg unter der Zunge
Ergebnisse: Sodbrennen (p = 0,04), Oberbauchschmerz (p = 0,03) und Symptomscore FSSG (p = 0,0001) unter Melatonin plus Omeprazol stärker gebessert als unter Placebo plus Omeprazol, 4 Wochen (Malekpour 2023); ohne Placebo: 36 Pers., Melatonin allein schwächer als Omeprazol allein (Kandil 2010)
Ob Melatonin bei Reflux hilft, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. In der einzigen Placebo-Studie nahmen 78 Menschen mit Refluxkrankheit vier Wochen lang Omeprazol und dazu 3 mg Melatonin unter der Zunge oder ein Placebo; Sodbrennen und Oberbauchschmerz besserten sich mit Melatonin stärker. Eine ältere kleine Studie ohne Placebo fand Melatonin allein schwächer als den Säureblocker; weitere Studien kombinierten Melatonin mit Vitaminen und Aminosäuren und sagen über Melatonin allein nichts aus. Es fehlen weitere, größere Placebo-Studien. 129, 130, 131
Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) lindernjunge Erwachsene ohne Helicobacter-Infektion; 5 mg abendsunklarerste Hinweise1 Placebo-RCT, 60 Pers. (Klupińska 2007)Beschwerden nach 12 Wochen vollständig abgeklungen bei 56,6 %, teilweise gebessert bei …
Ergebnisse: Beschwerden nach 12 Wochen vollständig abgeklungen bei 56,6 %, teilweise gebessert bei 30,0 % unter Melatonin; unter Placebo 93,3 % ohne Besserung (Klupińska 2007)
Ob Melatonin bei Reizmagen hilft, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. In der einzigen Placebo-Studie mit 60 jungen Erwachsenen verschwanden die Beschwerden unter 5 mg Melatonin abends bei mehr als der Hälfte, während sich unter Placebo kaum jemand besserte. Der Effekt ist auffällig groß, stammt aber aus einer kleinen Studie eines einzelnen Zentrums. Es fehlt eine unabhängige Wiederholung mit mehr Teilnehmenden. 132
Reizdarm-Beschwerden lindernErwachsene mit Reizdarmsyndrom; meist 3 mg abendsunklarerste Hinweise7 RCTs, 391 Pers., davon 4 gepoolt (Mahdi 2026)mittelschwere bis schwere Beschwerden SMD 0,59 zugunsten Melatonin, Stuhlfrequenz SMD 0,42
Ergebnisse: mittelschwere bis schwere Beschwerden SMD 0,59 (95 % KI 0,27 bis 0,92) zugunsten Melatonin, Stuhlfrequenz SMD 0,42; Lebensqualität, Schlaf, Blähbauch und Schmerzstärke nicht signifikant (Mahdi 2026); Gesamtschwere g 0,746 (0,401 bis 1,091), 4 RCTs, 115 Pers. (Chen 2023); größte Einzelstudie mit 136 Pers. ebenfalls positiv (Faghih Dinevari 2023)
Ob Melatonin bei Reizdarm verlässlich hilft, ist unklar; es gibt erste Hinweise, weitere Studien sind nötig. Zwei Auswertungen sehen eine mittelgroße Besserung der Beschwerden gegenüber Placebo, stützen sich aber auf jeweils nur vier gepoolte, kleine Studien mit zusammen gut hundert Personen. Ob Schmerzen und Lebensqualität sich bessern, beantworten die beiden Auswertungen unterschiedlich. Es fehlen größere Placebo-Studien. 133, 134
Fibromyalgie-Schmerzen lindernunklarkeine Meta-Analyse; Übersicht mit 4 Studien, 98 Pers. (Hemati 2020)alle 4 Studien berichten Besserungen, hohe Heterogenität, keine gepoolte Schätzung
überwiegend Frauen mit Fibromyalgie; 3 bis 10 mg abends, teils mit Antidepressiva
Ergebnisse: alle 4 Studien berichten Besserungen, hohe Heterogenität, keine gepoolte Schätzung (Hemati 2020); 10 mg Melatonin allein oder mit Amitriptylin senkte den Schmerz stärker als 25 mg Amitriptylin allein (p < 0,01), 63 Frauen, ohne reine Placebo-Gruppe (de Zanette 2014); für Meta-Analyse zu wenig Daten (Abolhosseini 2025)
Ob Melatonin Fibromyalgie-Schmerzen lindert, ist unklar. Mehrere kleine Studien berichten Besserungen, auch im Vergleich zu Amitriptylin, hatten aber meist keine echte Placebo-Gruppe und verglichen Melatonin mit Antidepressiva oder vorher und nachher. Eine Auswertung von 2025 fand für Melatonin zu wenige Daten für eine Meta-Analyse. 135, 136, 137, 138
Überleben bei Krebs verlängern (Begleitbehandlung)unklarwidersprüchlich4 Meta-Analysen, größte mit 21 Studien (Seely 2012), nur offene Studien ohne Placebo positiv; 2 Placebo-RCTs ohne Vorteil (Sookprasert 2014, Seely 2021)Sterblichkeit nach 1 Jahr RR 0,63, 21 Studien
Erwachsene mit soliden Tumoren, zusätzlich zu Chemo- oder Strahlentherapie; meist 20 mg
Ergebnisse: Sterblichkeit nach 1 Jahr RR 0,63 (95 % KI 0,53 bis 0,74), 21 Studien (Seely 2012); 1-Jahres-Überleben 52,2 vs. 28,4 %, RR 1,90, 8 Studien, 761 Pers. (Wang 2012); weniger Todesfälle nach 1 Jahr in 10 Studien mit 643 Pers., alle unverblindet aus einem Kliniknetz (Mills 2005); ebenso in 20 Studien (Wang 2018); Gegenbefund in Placebo-RCTs: kein Überlebensunterschied bei fortgeschrittenem Lungenkrebs unter Chemotherapie, 151 Pers. (Sookprasert 2014); krankheitsfreies Überleben nach 2 Jahren RR 1,01 (0,83 bis 1,22), 709 Pers. (Seely 2021)
Ob Melatonin als Begleitbehandlung das Überleben bei Krebs verlängert, ist unklar. Vier Meta-Analysen fanden zwar übereinstimmend, dass im ersten Jahr weniger Krebskranke starben, wenn sie zusätzlich zur Therapie Melatonin bekamen. Diese positiven Ergebnisse stammen aber nur aus offenen Studien ohne Placebo, viele davon aus einer einzigen Arbeitsgruppe. In den Placebo-Studien, bei fortgeschrittenem Lungenkrebs und nach einer Lungenkrebs-Operation, hatten die Patientinnen und Patienten mit Melatonin keinen Vorteil. Melatonin ersetzt keine Krebsbehandlung; eine zusätzliche Einnahme gehört in Absprache mit dem Behandlungsteam. 38, 39, 40, 143, 41, 42
- positive Studien nur ohne Placebo (offene Studien)
Knochendichte erhaltenunklarwidersprüchlich1 Placebo-RCT, 81 Frauen (Amstrup 2015); 2 Übersichten ohne gepoolte Knochendichte (Bao 2019, Du 2026)Knochendichte am Schenkelhals +1,4 % gegenüber Placebo, mit 3 mg +2,3 %, mit 1 mg +0,5 %
Frauen nach den Wechseljahren mit Osteopenie; 1 bis 5 mg abends, 1 Jahr
Ergebnisse: Knochendichte am Schenkelhals +1,4 % gegenüber Placebo (p < 0,05), mit 3 mg +2,3 %, mit 1 mg +0,5 % (nicht signifikant); andere Messorte unverändert (Amstrup 2015); 5 mg mit Training ohne Unterschied zwischen den Gruppen (Jahan 2025); Fersen-Ultraschall ohne Gruppenunterschied, 18 Frauen (Kotlarczyk 2012); Meta-Analysen wegen Heterogenität nicht gerechnet (Bao 2019, Du 2026)
Ob Melatonin die Knochen schützt, ist unklar. In einer dänischen Placebo-Studie mit 81 Frauen nach den Wechseljahren nahm die Knochendichte am Schenkelhals unter 3 mg Melatonin über ein Jahr leicht zu, an anderen Messorten nicht; zwei kleinere Studien fanden keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Ob Melatonin Knochenbrüche verhindert, wurde nicht geprüft. 158, 159, 160, 161, 162
Nächtlichen Blutdruck senkenspricht dagegen7 Studien, 221 Pers. (Grossman 2011)alle 7 Studien zusammen: kein signifikanter Effekt auf den nächtlichen Blutdruck
Menschen mit Bluthochdruck, meist zusätzlich zu Blutdrucksenkern; Retard-Melatonin meist 2 mg, schnell freisetzendes 2,5 bis 5 mg
Ergebnisse: alle 7 Studien zusammen: kein signifikanter Effekt auf den nächtlichen Blutdruck; nur Retard-Melatonin (3 Studien): systolisch −6,1 mmHg, schnell freisetzendes −0,3 mmHg, nicht signifikant (Grossman 2011); nächtlicher systolischer Wert in 5 Studien gemischter Erwachsenengruppen nicht signifikant (Vajdi 2024); nur Retard-Melatonin, 3 Studien, 90 Pers.: −4,67 mmHg (95 % KI −8,79 bis −0,55), Evidenz niedrig (Lee 2022)
Den Blutdruck in der Nacht senkt Melatonin eher nicht: Die maßgebliche Meta-Analyse mit sieben Studien fand über alle Studien keinen messbaren Effekt, ebenso eine neuere Auswertung mit fünf Studien. Nur Retard-Melatonin, das den Wirkstoff über die Nacht verteilt abgibt, senkte den oberen Wert in kleinen Teilauswertungen um etwa 5 bis 6 mmHg; zwei Autoren der älteren Auswertung arbeiteten für einen Hersteller eines solchen Präparats. Herzinfarkte oder Schlaganfälle wurden in keiner dieser Studien erfasst. 37, 116, 117
LDL-Cholesterin senkenspricht dagegen10 Placebo-Studien bei chronischer Nierenerkrankung (Abuhassan 2026)LDL nicht signifikant verändert, Evidenz moderat
gemischte Gruppen, vor allem Stoffwechsel- und Nierenkranke; 0,8 bis 30 mg täglich
Ergebnisse: LDL nicht signifikant verändert, Evidenz moderat (Abuhassan 2026); bei PCOS 6 Studien nicht signifikant (Ziaei 2024); LDL −2,37 mg/dl, nicht signifikant, 8 RCTs (Mohammadi-Sartang 2018); Grenzfall LDL p = 0,049 in 12 Studien, 641 Pers. (Loloei 2019); Gegenbefund: LDL −6,28 mg/dl (95 % KI −10,53 bis −2,03) über 20 Effektgrößen, Evidenz niedrig (Mohammadi 2025)
Das LDL-Cholesterin senkt Melatonin eher nicht: Die maßgebliche Meta-Analyse mit zehn Placebo-Studien bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung fand keinen Effekt, ebenso Auswertungen bei Frauen mit PCOS und eine ältere mit acht Studien. Eine Sammelauswertung über viele kleine Studien kam auf ein Minus von etwa 6 mg/dl; das ist wenig im Vergleich zu Cholesterinsenkern, und die Evidenzqualität gilt dort als niedrig. 123, 124, 125, 126, 33
Lebensqualität bei Krebs verbessern (Begleitbehandlung)Erwachsene mit Krebs, zusätzlich zur Krebstherapie; 2 bis 20 mg abendsspricht dagegen6 Studien zur Lebensqualität (Fan 2022, 19 Studien mit 2.101 Pers. insgesamt)Lebensqualität SMD −0,01, Schlaf, Erschöpfung und Schmerz nicht signifikant
Ergebnisse: Lebensqualität SMD −0,01 (95 % KI −0,14 bis 0,11), Schlaf, Erschöpfung und Schmerz nicht signifikant (Fan 2022); gegen Placebo: Lebensqualität MD 2,60 (−14,53 bis 19,73), 1 Studie, sehr niedrige Evidenz (Yu 2025, Cochrane); Placebo-RCTs ohne Effekt: 709 Pers. nach Lungenkrebs-OP (Seely 2021), 123 Ältere (Ginzac 2025), 48 Pers. mit Kachexie (Del Fabbro 2013); Gegenbefund nur bei Brustkrebs unter Bestrahlung: QLQ-C30 MD 2,47 (Panhwar 2026)
Die Lebensqualität von Menschen mit Krebs verbessert Melatonin eher nicht. Die maßgebliche Meta-Analyse fand weder bei der Lebensqualität noch bei Schlaf, Erschöpfung oder Schmerz einen Unterschied, und mehrere Placebo-Studien, darunter eine mit über 700 Patientinnen und Patienten, kamen zum selben Ergebnis. Nur eine Auswertung bei Brustkrebs unter Bestrahlung sah ein kleines Plus; die Cochrane-Übersicht von 2025 hält die Daten insgesamt für zu unsicher für eine Empfehlung. 44, 139, 42, 140, 141, 142
Chancen auf eine Geburt bei künstlicher Befruchtung (IVF) erhöhenspricht dagegen7 Studien (Mejlhede 2021)klinische Schwangerschaft und Lebendgeburt nicht signifikant, reife Eizellen +1,82
Frauen in IVF/ICSI-Behandlung, Melatonin während der Hormonstimulation; meist 3 mg, bis 2 × 8 mg
Ergebnisse: klinische Schwangerschaft und Lebendgeburt nicht signifikant, reife Eizellen +1,82 (Mejlhede 2021); Lebendgeburt OR 1,38 (95 % KI 0,78 bis 2,46), 3 Studien (Hu 2020); RR 1,23 (0,85 bis 1,80), 3 Studien, 291 Frauen (Tang 2025); größte Placebo-RCT mit 160 Frauen: Lebendgeburt ohne Unterschied (Fernando 2018); Gegenbefund nur bei der Schwangerschaftsrate: OR 1,43 (1,11 bis 1,86), 10 Studien (Hu 2020)
Dass Melatonin während der Hormonstimulation zu mehr Geburten führt, ist eher nicht zu erwarten: Die maßgebliche Meta-Analyse mit sieben Studien fand weder mehr Schwangerschaften noch mehr Lebendgeburten, und auch die drei Studien, die Geburten zählten, zeigten zusammen keinen gesicherten Unterschied. Zwar reiften etwas mehr Eizellen heran, und eine Auswertung sah mehr Schwangerschaften, doch die größte Placebo-Studie mit 160 Frauen bestätigte das nicht. Die Evidenz gilt durchweg als niedrig. 146, 147, 148, 149, 150
Altersbedingte Makuladegeneration bremsenÄltere mit trockener oder feuchter Makuladegeneration; 3 mg abendsnicht untersuchtkeine kontrollierte Studie; 1 unkontrollierte Studie mit 100 Pers. (Yi 2005), Beobachtungsdaten (Jeong 2024)Sehschärfe nach 6 Monaten stabil, ohne Vergleichsgruppe
Ergebnisse: Sehschärfe nach 6 Monaten stabil, ohne Vergleichsgruppe (Yi 2005); Melatonin-Nutzer seltener neue Makuladegeneration (RR 0,42; 95 % KI 0,28 bis 0,62) und seltener Übergang in die feuchte Form (RR 0,44), Beobachtungsstudie (Jeong 2024)
Ob Melatonin eine Makuladegeneration bremst, ist nicht untersucht: Es gibt keine placebokontrollierte Studie. Eine chinesische Studie ohne Vergleichsgruppe gab 100 Betroffenen 3 mg Melatonin und sah stabile Sehschärfe, und eine große US-Auswertung von Krankenakten fand bei Melatonin-Nutzern seltener eine Makuladegeneration. Beides zeigt nur Zusammenhänge, keine Wirkung. 151, 152
Hilft Melatonin zum Einschlafen und Durchschlafen?
Melatonin hilft beim Einschlafen, doch der Gewinn beträgt nur Minuten. Das ist gut belegt. Neun Sammelauswertungen kommen übereinstimmend zum Ergebnis, dass Menschen mit Melatonin schneller einschlafen als mit einem Placebo, also einem Scheinmittel ohne Wirkstoff, im Mittel etwa sieben bis zehn Minuten.3 Ebenso gut belegt ist, dass die Nacht dadurch etwas länger wird und sich der Schlaf ein wenig besser anfühlt.45 Auch dabei bleibt es bei kleinen Schritten. So kamen in einer großen Auswertung rund acht Minuten mehr Schlaf heraus, die sich in objektiven Messungen nicht mehr sicher zeigten.3
Aufschlussreich ist, wovon die Wirkung abhängt. In einer Auswertung von 26 Studien wuchs sie mit der Menge, allerdings nur bis zu einem Höchstwert bei etwa 4 mg, und sie fiel größer aus, wenn Melatonin früher am Abend genommen wurde.4 Danach stieg sie nicht weiter. Dabei sind 4 mg schon das Doppelte dessen, was das zugelassene Arzneimittel enthält. Zudem gilt der Mittelwert nicht für alle gleichermaßen: Bei Erwachsenen mit chronischer Schlaflosigkeit ohne weitere Erkrankung fand eine Auswertung keinen gesicherten Vorteil, bei Kindern und Jugendlichen dagegen schon.6
Für eine gelegentlich schlechte Nacht ist Melatonin deshalb eher ein leichter Stupser als ein Schalter. Wer abends regelmäßig lange wach liegt, sollte von ein paar gewonnenen Minuten ausgehen, nicht von einer neuen Nacht.
So wurde gemessen
- Einschlafzeit: 19 Placebo-Studien mit knapp 1.700 Kindern und Erwachsenen mit Schlafstörungen; in den 15 Studien, die das maßen, ging das Einschlafen im Schnitt um 7 Minuten schneller (95 % KI −9,8 bis −4,4).3
- Menge und Uhrzeit: 26 doppelblinde Studien; Einschlafzeit und Schlafdauer verbessern sich mit steigender Dosis bis etwa 4 mg täglich, eine frühere Einnahme verstärkt den Effekt.4
- Schlafdauer: in 13 Studien gut 8 Minuten länger, aber nur im Fixed-Effects-Modell; im Random-Effects-Modell und bei objektiver Messung nicht signifikant.3
- Schlafqualität: Fragebogen PSQI (Skala 0 bis 21) in 23 Studien um 1,2 Punkte besser, bei Schlafstörungen nur um 0,7 Punkte; bei psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen kein Unterschied.5
- Gegenbefund: 24 Placebo-Studien zu chronischer Schlaflosigkeit; Erwachsene ohne Begleiterkrankung schliefen weder signifikant schneller ein noch länger, Kinder und Jugendliche schon.6
Ist Melatonin ein gutes Schlafmittel bei Schlaflosigkeit?
Bei chronischer Schlaflosigkeit hilft Melatonin wahrscheinlich ein wenig, mehr nicht. Gemeint ist eine Schlafstörung über Monate. Die maßgebliche Auswertung mit zwölf Studien fand zwar ein schnelleres Einschlafen, doch die Autoren hielten den Unterschied für zu klein, um im Alltag viel zu ändern.7 Noch deutlicher wird das im direkten Vergleich: Als Forschende 30 Schlafmittel aus 154 Studien gegeneinander abwogen, brachte Melatonin keinen nennenswerten Gesamtnutzen, und klassische Schlaftabletten schnitten besser ab.8 Das ist ein ernüchternder Befund.
Daher halten sich die Fachgesellschaften zurück. Die europäische Schlafleitlinie setzt an die erste Stelle eine kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlaflosigkeit, also ein strukturiertes Training für Gedanken und Gewohnheiten rund ums Bett. Schnell freisetzendes Melatonin empfiehlt sie ausdrücklich nicht.9 Auch die US-Fachgesellschaft für Schlafmedizin rät davon ab, Schlaflosigkeit bei Erwachsenen mit Melatonin zu behandeln.10
Allerdings macht die europäische Leitlinie eine Ausnahme für Menschen ab 55 Jahren. Für sie kann Retard-Melatonin, das den Wirkstoff über Stunden verteilt abgibt, bis zu drei Monate lang eingesetzt werden,9 und in Deutschland ist es dafür als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zugelassen. Ob es dieser Gruppe spürbar hilft, ist trotzdem unklar: Es gibt erste Hinweise, aber zu wenige unabhängige Studien. Denn die Zulassungsstudien fanden bei Älteren zwar ein schnelleres Einschlafen, entstanden aber alle unter Beteiligung des Herstellers, und eine spätere Sammelauswertung berichtet für diese Altersgruppe nur eine etwas bessere Schlafeffizienz, also einen höheren Anteil geschlafener Zeit im Bett.1112
Wer seit Wochen schlecht schläft, sollte deshalb nicht einfach die Dosis erhöhen, sondern die Ursache ärztlich abklären lassen. Gegen die Schlaflosigkeit selbst steht mit der Verhaltenstherapie eine Behandlung bereit, die die Leitlinie an erste Stelle setzt.
So wurde gemessen
- Schlaflosigkeit: 12 Studien mit kurzer Gabe bis 4 Wochen; Einschlafen etwas schneller, klinisch bedeutsam nach Einschätzung der Autoren nur bei verzögerter Schlafphase.7
- Netzwerk-Vergleich: 154 doppelblinde Studien, 44.089 Erwachsene, 30 Wirkstoffe; Melatonin ohne bedeutsamen Gesamtnutzen.8
- Leitlinien: ESRS 2023 mit Verhaltenstherapie als erster Wahl (Empfehlungsgrad A), Retard-Melatonin ab 55 Jahren bis 3 Monate möglich (B), schnell freisetzendes Melatonin nicht empfohlen (A).9 AASM 2017: schwache Empfehlung gegen Melatonin bei Ein- und Durchschlafstörung.10
- Ab 55 Jahren: 791 Teilnehmende, 2 mg retard; bei den Älteren verkürzte sich die Einschlafzeit um 19 statt um 2 Minuten, Mitautoren vom Hersteller.11 Teilgruppe ab 55 Jahren in einer Sammelauswertung: nur Schlafeffizienz berichtet, plus 3 Prozentpunkte.12
Hilft Melatonin bei Jetlag, Schichtarbeit und verschobenem Schlafrhythmus?
Bei Jetlag ist die Wirkung gut belegt, und genau hier liegt die eigentliche Stärke von Melatonin. Auch bei Schichtarbeit und einem verschobenen Schlafrhythmus hilft es wahrscheinlich. Nach Flügen über viele Zeitzonen litten Reisende mit Melatonin in drei Sammelauswertungen weniger unter Jetlag, ob die Reise nach Osten ging oder nach Westen.13 Dazu passt, dass die Cochrane-Gruppe neun von zehn Studien mit einem Vorteil zählte. Nach ihrer Rechnung profitiert etwa jede zweite behandelte Person.14 Entscheidend war das Timing, denn gewirkt hat Melatonin vor allem zur dortigen Schlafenszeit am Zielort, und dafür reichten schon 0,5 mg.1415
Doch einen Dämpfer liefert ausgerechnet die größte Einzelstudie. Darin flogen 257 Ärztinnen und Ärzte von New York zurück nach Oslo, und wer Melatonin nahm, merkte keinen Unterschied zum Placebo.16 Das stellt die Sammelauswertungen nicht auf den Kopf, zeigt aber, dass nicht jede Reise und nicht jeder Körper gleich reagiert.
Bei Schichtarbeit fällt der Effekt kleiner aus. Nach einer Nachtschicht schliefen die Beschäftigten mit Melatonin tagsüber wahrscheinlich rund 24 Minuten länger, ohne dabei schneller einzuschlafen.17 Ähnlich liegt der Fall bei der verzögerten Schlafphase, bei der Betroffene erst spät in der Nacht einschlafen können und morgens kaum aus dem Bett kommen. Wurde Melatonin einige Stunden vor der gewünschten Bettzeit genommen, rückte der Schlafbeginn wahrscheinlich um rund 40 Minuten nach vorn.18 Deshalb empfiehlt die US-Fachgesellschaft für Schlafmedizin Melatonin bei dieser Störung ausdrücklich, zeitlich gezielt eingesetzt.19
So wurde gemessen
- Jetlag: Auswertung mit 10 Melatonin-Studien; selbst eingeschätzter Jetlag nach Ostflügen SMD −0,76 (5 Studien), nach Westflügen SMD −0,66 (4 Studien).13 Cochrane: 10 Placebo-Studien mit Reisenden, Flugpersonal und Militär, NNT 2; 0,5 bis 5 mg ähnlich wirksam, 2 mg retard kaum.14 EFSA: Linderung ab 0,5 mg am Reisetag und an den Folgetagen.15
- Größte Jetlag-Studie: 257 Personen nach einem Flug über 6 Zeitzonen ostwärts, 0,5 oder 5 mg gegen Placebo, kein Unterschied.16
- Schichtarbeit: Cochrane, 7 Studien mit 263 Personen; Tagschlaf +24 Minuten (9,8 bis 38,9), Einschlafzeit unverändert, niedrige Evidenz.17
- Verzögerte Schlafphase: 9 Placebo-Studien mit 91 Erwachsenen und 226 Kindern; Einschlafuhrzeit 0,67 Stunden früher, Aufwachzeit und Schlafdauer unverändert.18 Größte Studie: 116 Erwachsene, 0,5 mg eine Stunde vor der Wunsch-Bettzeit plus feste Bettzeiten, Einschlafen 34 Minuten früher.20
Was bringt Melatonin bei Demenz, Parkinson und im Krankenhaus?
Bei Demenz verlängert Melatonin den Nachtschlaf wahrscheinlich ein wenig, und vor Operationen lindert es wahrscheinlich die Angst, doch beides gehört in ärztliche Hand. In zehn Studien mit älteren Menschen mit Demenz oder ihrer Vorstufe schliefen die Teilnehmenden mit Melatonin rund zwölf Minuten länger.21 Dagegen sah die Cochrane-Übersicht bei Alzheimer keinen klaren Effekt.22 Dass die Einstufung trotz mehrerer übereinstimmender Auswertungen nicht höher ausfällt, hat einen Grund: Die US-Fachgesellschaft für Schlafmedizin rät bei älteren Menschen mit Demenz von Melatonin ab.19
Auch im Gedächtnistest schnitten Menschen mit Demenz oder leichter kognitiver Störung mit Melatonin wahrscheinlich etwas besser ab. Allerdings werten die Autoren das selbst noch nicht als sicheren Nachweis.21 Bei Parkinson ist der Nutzen für den Schlaf unklar, weil der kleine Vorteil im Fragebogen nach Einschätzung der Autoren unter dem liegt, was Betroffene spüren würden.23
Im Krankenhaus wird Melatonin vor allem bei älteren Menschen eingesetzt. Vor einer Operation lindert es wahrscheinlich die Angst, und zwar etwa so stark wie übliche Beruhigungsmittel.24 Für ein sicheres Urteil fehlt aber eine zweite, unabhängige Auswertung, denn die ältere stammt von derselben Arbeitsgruppe. Nach Eingriffen tritt ein Delir, also ein plötzlicher Verwirrtheitszustand, mit Melatonin wahrscheinlich seltener auf, bei gut einem Fünftel statt knapp einem Drittel der Operierten.25 Ähnlich sieht es auf der Intensivstation aus,26 doch die größte Einzelstudie fand dort keinen Unterschied.27 Ob Melatonin gegeben wird, entscheidet deshalb das Behandlungsteam und nicht der Vorrat aus der Drogerie.
So wurde gemessen
- Demenz: 10 Studien mit 516 Menschen ab 65 Jahren, Nachtschlaf +12,4 Minuten (8,1 bis 16,7), Gedächtnistest MMSE +1,8 Punkte.21 Cochrane: +10,7 Minuten in 2 Studien, nicht signifikant.22 AASM 2015: Empfehlung gegen Melatonin bei älteren Menschen mit Demenz.19
- Parkinson: 7 Studien, Fragebogen PSQI −1,75 Punkte, unter der Schwelle klinischer Relevanz; im Schlaflabor kein Unterschied.23
- Angst vor Operationen: 18 Placebo-Studien mit 1.264 Erwachsenen, −11,7 mm auf einer 100-mm-Skala, moderate Evidenz; gegenüber Benzodiazepinen kein Unterschied.24
- Delir: 12 Studien mit 1.461 Operierten über 60 Jahren, 22,4 gegen 31,4 %, niedrige Evidenz.25 Intensivstation: 32 Studien, RR 0,72.26 841 Intensivpatienten mit 4 mg über die Sonde: kein Unterschied.27
Hilft Melatonin bei Depression, Migräne oder für das Gedächtnis?
Gegen Depression hilft Melatonin eher nicht, und bei Migräne ist die Wirkung unklar. In knapp zwanzig Placebo-Studien mit fast 1.200 Erwachsenen unterschieden sich die Depressionswerte nicht sicher von denen mit Placebo.28 Deshalb gehört eine Depression in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, und daran ändert auch ein besserer Schlaf nichts.
Bei Migräne widersprechen sich die Studien. In der größten Studie mit knapp 200 Erwachsenen hatten die Teilnehmenden unter 3 mg weniger Kopfschmerztage als mit Placebo,29 während eine Studie mit Retard-Melatonin keinen Unterschied fand.30 Damit bleibt die Frage unklar. Für gesunde Erwachsene spricht die Studienlage eher dagegen, dass Melatonin das Denken schärft. Tagsüber genommen lösten Teilnehmende Testaufgaben sogar ungenauer, was gut zu einem Stoff passt, der müde macht.31
So wurde gemessen
- Depression: 19 Placebo-Studien mit 1.178 Erwachsenen, 2 bis 25 mg; SMD −0,17 (−0,38 bis 0,05), nicht signifikant.28
- Migräne: 196 Erwachsene, 3 mg gegen Amitriptylin und Placebo über 12 Wochen, Kopfschmerztage −2,7 gegen −1,1.29 48 Erwachsene mit 2 mg retard: Attacken unverändert.30
- Gesunde: 11 Studien, Gedächtnis nicht signifikant verbessert; bei Einnahme tagsüber geringere Genauigkeit (SMD −0,74).31
Was bewirkt Melatonin bei Gewicht, Blutzucker, Blutdruck und Leber?
Das Körpergewicht sinkt mit Melatonin wahrscheinlich etwas, und dick macht es nach den Studien nicht. Die maßgebliche Auswertung von 23 Placebo-Studien fand ein leichtes Minus auf der Waage,32 wobei die Einzelstudien sehr unterschiedlich ausfielen und Bauchumfang und Body-Mass-Index gleich blieben. Andere Auswertungen sahen gar keinen gesicherten Unterschied.33 Dagegen zeigt keine von ihnen eine Gewichtszunahme, so verbreitet die Sorge auch ist.
Auch im Blut bleibt es bei kleinen Effekten. Der Langzeitblutzucker sinkt wahrscheinlich leicht, vor allem bei Typ-2-Diabetes.34 Ob Melatonin dagegen die Insulinempfindlichkeit verschlechtert, ist ungeklärt. Bei Männern mit Diabetes, die drei Monate lang abends eine hohe Menge nahmen, lag ihr Messwert dafür in einer genauen Clamp-Messung bei 3,6 gegenüber 4,1 unter Placebo.35 Das BfR empfiehlt deshalb bei erhöhtem Diabetesrisiko, die Einnahme ärztlich zu besprechen.1 Bei Fettleber sinkt der Leberwert ALT wahrscheinlich, doch ob sich das Leberfett selbst zurückbildet, hat keine Auswertung gemessen.36
Beim Blutdruck ist die Lage unklar, denn die Auswertungen widersprechen sich.33 Den Blutdruck in der Nacht senkt Melatonin eher nicht, und nur Retardtabletten zeigten in kleinen Teilauswertungen ein Minus.37 Damit ist Melatonin nach dieser Datenlage kein Mittel gegen Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck.
So wurde gemessen
- Gewicht: 23 Placebo-Studien, SMD −0,48 (−0,94 bis −0,02), sehr uneinheitlich (I² 92 %), BMI und Taille unverändert.32 Sammelauswertung mit 27 Effektgrößen und 1.276 Personen: −0,49 kg (−1,18 bis 0,20), nicht signifikant.33
- Blutzucker: 16 Placebo-Studien, HbA1c −0,38 (−0,67 bis −0,10).34 Clamp-Messung bei 17 Männern mit Typ-2-Diabetes nach 3 Monaten mit 10 mg: Insulinempfindlichkeit 3,6 gegenüber 4,1 mg/(kg × min), rund 12 % niedriger als mit Placebo.35
- Blutdruck: systolisch −2,3 mmHg über 23 Effektgrößen, niedrige Evidenz.33 Nachts: 7 Studien zusammen ohne Effekt, Retard-Melatonin allein −6,1 mmHg in 3 Studien.37
- Leber: 7 Studien, auch nicht randomisierte; ALT ab der vierten Woche gesenkt.36
Kann Melatonin bei Krebs helfen?
Ob Melatonin Krebskranken zu einem längeren Leben verhilft, ist unklar, weil die positiven Ergebnisse nur aus offenen Studien ohne Placebo stammen. Vier Sammelauswertungen fanden zwar übereinstimmend, dass im ersten Jahr weniger Menschen starben, wenn sie zusätzlich zu Chemo- oder Strahlentherapie Melatonin bekamen.3839 Diese Auswertungen beruhen jedoch auf offenen Studien ohne Placebo, bei denen alle Beteiligten wussten, wer Melatonin erhielt. Das macht sie anfällig für Verzerrungen. Viele davon stammen zudem aus einer einzigen Arbeitsgruppe und ihrem Kliniknetz.40
Genau dort, wo verblindet geprüft wurde, verschwindet der Vorteil. In einer thailändischen Placebo-Studie mit 151 Menschen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs unter Chemotherapie lebten die Teilnehmenden mit Melatonin nicht länger.41 Das ist ein gewichtiger Gegenbefund. Auch nach einer Lungenkrebs-Operation kehrte der Krebs bei über 700 Patientinnen und Patienten mit Melatonin nicht seltener zurück als mit Placebo.42 Übereinstimmende Sammelauswertungen helfen hier deshalb wenig. Ihr Fundament ist brüchig.
Ein zweiter Befund betrifft den Alltag während der Therapie. Die Erschöpfung unter Krebstherapie nimmt mit Melatonin wahrscheinlich etwas ab, allerdings bei sehr niedriger Qualität der Studien.43 Die Lebensqualität verbessert sich dagegen eher nicht.44 Melatonin ersetzt keine Krebsbehandlung, und Heilung verspricht keine dieser Studien. Wer es zusätzlich nehmen möchte, sollte das vorher mit dem Behandlungsteam besprechen.
So wurde gemessen
- Überleben, offene Studien: 21 randomisierte Studien bei soliden Tumoren, Kontrollgruppen meist ohne Placebo; Sterblichkeit nach einem Jahr RR 0,63 (0,53 bis 0,74).38 8 Studien mit 761 Personen, 20 mg zusätzlich zur Therapie, Ein-Jahres-Überleben 52 gegen 28 %.39 10 Studien mit 643 Personen, alle unverblindet und aus einem Kliniknetz.40
- Placebo-Studien: 151 Personen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs, 10 oder 20 mg, medianes Überleben 7,3 Monate ohne Unterschied.41 709 Personen nach Lungenkrebs-Operation, 20 mg über ein Jahr, krankheitsfreies Überleben nach 2 Jahren RR 1,01 (0,83 bis 1,22).42
- Erschöpfung und Lebensqualität: 12 Placebo-Studien mit 1.977 Personen, Erschöpfung verringert, Evidenz sehr niedrig.43 Lebensqualität in 6 Studien SMD −0,01.44
Unsere Einordnung
Melatonin ist vor allem ein Taktgeber. Am überzeugendsten hilft es bei Jetlag, bei einem verschobenen Schlafrhythmus und bei Kindern mit Entwicklungsstörungen. Beim gewöhnlichen Einschlafen bringt es Minuten, und gegen chronische Schlaflosigkeit setzen die Leitlinien auf andere Behandlungen.
Welche Annahmen über Melatonin halten nicht?
Drei verbreitete Annahmen halten den Studien nicht stand. Die erste lautet, Melatonin mache dick. Doch in keiner Auswertung nahmen die Teilnehmenden mit Melatonin zu, und in der maßgeblichen sank das Gewicht sogar leicht.32 Woher die Sorge stammt, lässt sich aus den Studien nicht ablesen.
Die zweite Annahme lautet, mehr helfe mehr. Dabei stieg die Wirkung beim Einschlafen nur bis etwa 4 mg an,4 während Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel ab 10 mg in den besten Studien zunahmen.45 Damit bringt eine höhere Dosis vor allem mehr Nebenwirkungen.
Die dritte Annahme hält sich besonders hartnäckig: Melatonin mache abhängig wie eine Schlaftablette. In drei Placebo-Studien mit zusammen rund tausend Erwachsenen wurde nach dem Absetzen kein Schaden gefunden, weder Entzugszeichen noch ein Rückfall in schlechteren Schlaf als vorher.114647 Einschränkend stammen diese Studien fast alle vom Hersteller eines Retard-Präparats, und für hoch dosierte Nahrungsergänzungen fehlen eigene Daten.
Ist Melatonin sicher, und hat es Langzeitfolgen?
Ob Melatonin Erwachsenen Beschwerden bereitet, die ein Scheinpräparat nicht auslöst, ist ungeklärt. Dasselbe gilt für die Sicherheit auf lange Sicht. Die häufigsten Nebenwirkungen von Melatonin sind Tagesmüdigkeit, Kopfschmerz und Schwindel, doch selbst die Müdigkeit betraf in Schlafstudien weniger als zwei von hundert Teilnehmenden.49 In der maßgeblichen Auswertung von 17 Placebo-Studien mit 651 Menschen unterschieden sich die Gruppen nicht.48 Das gilt für niedrige Mengen über einige Wochen. Ab 10 mg nahmen solche Beschwerden zu, doch dafür liegt nur ein Verhältnis vor, keine absoluten Zahlen.45
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Morgen danach. Denn die Müdigkeit kann bis in den nächsten Tag anhalten und die Reaktion bremsen, worauf das BfR ausdrücklich hinweist.1 Wer sich nach Melatonin am Morgen benommen fühlt, sollte deshalb nicht Auto fahren und beim nächsten Mal eine kleinere Menge versuchen.
Ob eine Einnahme über Monate und Jahre schadet, ist ebenfalls ungeklärt. Die längsten Placebo-Studien liefen sechs bis zwölf Monate, und in der größten davon traten schwere Zwischenfälle bei 2,8 Prozent mit Melatonin gegenüber 5,1 Prozent mit Placebo auf.1142 Für eine mehrjährige Einnahme frei verkäuflicher Präparate gibt es dagegen keine kontrollierten Daten, und das BfR rät deshalb auch Gesunden von einer unkontrollierten Dauereinnahme ab.1 Ein Kongressbeitrag aus den USA meldete zuletzt bei Langzeitnutzern häufiger eine neue Herzschwäche.50 Er ist aber nicht begutachtet und kann Ursache und Folge nicht trennen, und eine große US-Bevölkerungsstudie fand keinen solchen Zusammenhang.51
So wurde gemessen
- Nebenwirkungen allgemein: 17 Placebo-Studien mit 651 Personen, Nebenwirkungen nicht häufiger als mit Placebo.48 37 Placebo-Studien mit 0,15 bis 12 mg, meist bis 4 Wochen: Tagesmüdigkeit 1,7 %, Kopfschmerz und Schwindel je 0,7 %.49
- Hohe Dosen: ab 10 mg, 4 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko; Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel RR 1,40 (1,15 bis 1,69), schwere Nebenwirkungen nicht häufiger.45
- Langzeit: 791 Personen mit 2 mg retard über 6 Monate11 und 709 Personen mit 20 mg über ein Jahr42, jeweils ohne Häufung schwerer Nebenwirkungen.
- Herz: Krankenakten von 130.828 Erwachsenen mit Schlaflosigkeit, neue Herzinsuffizienz bei mindestens einjähriger Einnahme 4,6 gegenüber 2,7 %, Kongress-Abstract ohne Begutachtung.50 US-Bevölkerungsstudie 1999 bis 2018: kein signifikanter Zusammenhang mit Herzinsuffizienz.51
Mit welchen Medikamenten verträgt sich Melatonin nicht?
Vorsicht ist vor allem bei einem bestimmten Antidepressivum, bei Blutdrucksenkern und bei Blutverdünnern geboten, obwohl kaum eine Kombination gut erforscht ist. Am deutlichsten ist der Fall Fluvoxamin, ein Mittel gegen Depression, das jenes Leberenzym hemmt, das Melatonin abbaut. Ob die Kombination schadet, ist ungeklärt. In einer kleinen kontrollierten Studie nahmen fünf gesunde Männer Melatonin einmal mit und einmal ohne Fluvoxamin, und mit dem Mittel lag die Melatoninmenge im Blut um ein Vielfaches höher, wobei die Zusammenfassung keine absoluten Werte nennt.52 Folgen wie stärkere Müdigkeit wurden nicht geprüft.
Ob Melatonin die Wirkung von Blutdrucksenkern abschwächt, ist ungeklärt, denn die Studien widersprechen sich. Bei 47 Menschen unter dem Mittel Nifedipin lag der Blutdruck mit zusätzlich 5 mg Melatonin um gut 6 mmHg höher als mit Placebo,53 während Retard-Melatonin bei anderer Therapie den nächtlichen Blutdruck sogar leicht senkte.54 Ob Melatonin Blutverdünner wie Warfarin stört, ist ebenso ungeklärt, denn es gibt keine kontrollierten Studien, aber Fallberichte.14 Ob Alkohol die Müdigkeit verstärkt, ist nicht untersucht, auch wenn es naheliegt.
Wer Medikamente gegen Depression, Bluthochdruck oder Epilepsie nimmt oder sein Blut verdünnen muss, sollte Melatonin daher nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.1 Mit Alkohol sollte es nicht kombiniert werden, schon gar nicht vor einer Autofahrt.
So wurde gemessen
- Fluvoxamin: 5 gesunde Männer, 5 mg Melatonin mit und ohne 50 mg Fluvoxamin, ohne Placebo; Gesamtmenge im Blut (AUC) 17-fach, Spitzenwert 12-fach höher.52
- Nifedipin: 47 gut eingestellte Menschen mit Bluthochdruck, 5 mg abends über je 4 Wochen; 24-Stunden-Wert oben +6,5, unten +4,9 mmHg.53 Gegenbefund: 38 behandelte Patienten mit 2 mg retard, nächtlicher Wert gesenkt.54
- Blutverdünner: Fallberichte zu Warfarin in einer Cochrane-Übersicht, keine kontrollierte Studie.14
Darf man Melatonin in der Schwangerschaft nehmen?
Ob Melatonin in Schwangerschaft und Stillzeit schadet, ist ungeklärt, deshalb raten Fachleute zur Zurückhaltung. In einer Placebo-Studie zur Geburtseinleitung kamen Neugeborene nach Melatonin öfter auf die Spezialstation, rund 19 statt 8 von 100, ein Grenzbefund, hinter dem auch Zufall stecken kann.56 Eine zweite kleine Placebo-Studie, die einer Präeklampsie vorbeugen sollte, fand keinen schlechteren Geburtsausgang.55 Gegen Schlafprobleme in der Schwangerschaft wurde Melatonin dagegen nie mit Placebo geprüft.
Weil Melatonin über die Plazenta zum Ungeborenen und in die Muttermilch gelangt, rät das BfR Schwangeren, Stillenden und Frauen mit Kinderwunsch von einer Einnahme auf eigene Faust ab.1 Wer in der Schwangerschaft schlecht schläft, sollte das in der frauenärztlichen Praxis ansprechen.
Stimmt die Menge auf der Packung?
Bei Melatonin-Präparaten stimmt die angegebene Menge oft nicht, das zeigen Laboranalysen aus Nordamerika. In 31 Produkten vom kanadischen Markt lag der Gehalt zwischen einem Sechstel und fast dem Sechsfachen der Angabe, und manche enthielten zusätzlich Serotonin.57 Ein Sechsfaches ist kein Rundungsfehler. Bei Gummibärchen aus den USA lagen nur 3 von 25 Produkten nahe an der angegebenen Menge, und eines enthielt gar kein Melatonin.58
Für Europa fehlen solche Analysen. Dagegen werden zugelassene Arzneimittel auf ihren Gehalt geprüft, was für sie spricht, wenn Melatonin regelmäßig genommen werden soll.
Nebenwirkungen wie Tagesmüdigkeit, Kopfschmerz, Schwindel und Albträumeungeklärt17 Placebo-Studien, 651 Pers. (Buscemi 2006) ohne Unterschied; das BfR warnt aber ausdrücklich vor Nebenwirkungen (BfR 2024)
Ergebnisse: Nebenwirkungen nicht häufiger als unter Placebo (Buscemi 2006, ebenso Buscemi 2005); in der Netzwerk-Meta-Analyse der Schlafmittel nicht unter den Mitteln mit mehr Nebenwirkungen als Placebo (De Crescenzo 2022); Gegenbefund bei hohen Dosen ab 10 mg: Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel RR 1,40 (95 % KI 1,15 bis 1,69), 4 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko, schwere Nebenwirkungen RR 0,88 (0,52 bis 1,50) nicht erhöht (Menczel Schrire 2022); in 37 Placebo-RCTs am häufigsten Tagesmüdigkeit 1,66 %, Kopfschmerz 0,74 %, Schwindel 0,74 %, Unterkühlung 0,62 % (Besag 2019); 6 Monate 2 mg Retard bei 791 Pers.: keine klinisch relevanten Unterschiede zu Placebo (Wade 2010)
Ob Melatonin Nebenwirkungen macht, ist ungeklärt: Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor Schläfrigkeit, Kopfschmerz und verlängerter Reaktionszeit, teils schon ab 1 mg. In der maßgeblichen Meta-Analyse mit 17 Placebo-Studien hatten Menschen unter Melatonin dagegen nicht häufiger Nebenwirkungen als unter Placebo, und auch eine große Vergleichsauswertung der Schlafmittel zählte Melatonin nicht zu den Mitteln mit mehr Nebenwirkungen. Bei hohen Dosen ab 10 mg traten Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel in den methodisch besten Studien dagegen etwa 1,4-mal so oft auf, schwere Nebenwirkungen aber nicht. Insgesamt sind solche Beschwerden selten, in Schlafstudien betraf Tagesmüdigkeit weniger als 2 von 100 Personen; die Müdigkeit kann jedoch bis in den nächsten Morgen anhalten und das Reaktionsvermögen bremsen. 48, 7, 8, 45, 49, 11
Was tun? Mit der niedrigsten wirksamen Menge beginnen (1 mg oder weniger), nur kurz vor dem Schlafengehen einnehmen und bei Müdigkeit am Morgen nicht Auto fahren.
Nicht untersucht bei: Einnahme über mehr als 6 bis 12 Monate (kaum kontrollierte Daten), Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankung, Fahrtüchtigkeit am Folgetag unter Alltagsbedingungen
- Das Bundesinstitut für Risikobewertung (Stellungnahme 038/2024) nennt als häufig beobachtete Nebenwirkungen bei gesunden Erwachsenen Schläfrigkeit, Kopfschmerz, verringerte Aufmerksamkeit, verlängerte Reaktionszeit, Blutdruckabfall, Absinken der Körpertemperatur, Albträume, Kraftlosigkeit, morgendliche Benommenheit und Gangunsicherheit, teils schon bei 1 mg pro Tag oder weniger; die Müdigkeit könne bis in den Folgetag anhalten und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. BfR 2024
- Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bestätigte, dass 1 mg Melatonin kurz vor dem Schlafengehen die Einschlafzeit verkürzt; das ist die Grundlage der zugelassenen Werbeaussage. Eine Sicherheitsbewertung höherer Mengen ist damit nicht verbunden. EFSA 2011
- Die EFSA bestätigte die Linderung von Jetlag durch mindestens 0,5 mg Melatonin kurz vor dem Schlafengehen am ersten Reisetag und an den folgenden Tagen. EFSA 2010
- Meta-Analyse zeigt einen Schaden (Menczel Schrire et al. 2022)
Schäden durch regelmäßige Einnahme über Monate oder Jahreungeklärt3 Placebo-RCTs über mindestens 6 Monate (Wade 2010: 791 Pers.; Seely 2021: 709 Pers.; Bejarano 2026: 8 Pers.)
Ergebnisse: 6 Monate 2 mg Retard: schwere unerwünschte Ereignisse 2,8 vs. 5,1 % unter Placebo, ohne formalen Test, keine klinisch relevanten Unterschiede (Wade 2010); 1 Jahr 20 mg nach Lungenkrebs-OP: keine Unterschiede in Zahl und Schwere der Nebenwirkungen (Seely 2021); 300 mg täglich bei Multipler Sklerose: Studie nach 14 Monaten abgebrochen, Leberwerte bei 3 von 4 Teilnehmenden mit Melatonin erhöht, ohne statistischen Test (Bejarano 2026); Placebo-RCTs sonst meist ≤ 4 Wochen (Besag 2019)
Ob eine Einnahme über viele Monate oder Jahre schadet, ist ungeklärt. In den beiden großen Placebo-Studien über sechs und zwölf Monate mit 2 bzw. 20 mg fielen schwere Nebenwirkungen nicht häufiger auf. Eine sehr kleine Studie mit der extrem hohen Dosis von 300 mg täglich wurde dagegen abgebrochen, weil bei drei von vier Teilnehmenden mit Melatonin die Leberwerte stiegen. Für eine mehrjährige Einnahme frei verkäuflicher Präparate gibt es keine kontrollierten Daten; das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb von einer unkontrollierten Dauereinnahme ab, auch weil manche Menschen Melatonin langsam abbauen. 11, 42, 165, 49
Was tun? Melatonin möglichst nur zeitlich begrenzt und in niedriger Dosis einnehmen; wer es dauerhaft braucht, sollte die Schlafprobleme ärztlich abklären lassen.
Nicht untersucht bei: Einnahme über mehrere Jahre, Langsame Melatonin-Abbauer (Alter, Erbanlagen) mit dauerhaft hohen Spiegeln
- Das BfR (Stellungnahme 038/2024) hält gesundheitliche Risiken melatoninhaltiger Nahrungsergänzungsmittel, besonders bei Langzeitanwendung, für unzureichend untersucht und rät auch gesunden Erwachsenen von einer unkontrollierten, regelmäßigen Einnahme über längere Zeit ab; ein Teil der Produkte enthalte so viel Melatonin wie zugelassene Arzneimittel oder mehr. BfR 2024
Insulinempfindlichkeit und Blutzucker verschlechternungeklärt16 Placebo-Studien (Hadi 2026, HOMA-IR); genauere Clamp-Messung: 1 Placebo-Crossover-RCT, 17 Pers. (Lauritzen 2022)
Ergebnisse: Insulinresistenz-Index HOMA-IR signifikant gebessert, Evidenz moderat (Hadi 2026); ebenso in 8 Studien mit 376 Pers. (Li 2021), 4 Studien (Dias 2026) und 5 Studien mit 193 übergewichtigen Frauen (Li 2026); HOMA-IR unverändert in 8 Effektgrößen, 280 Pers. (Mohammadi 2025); Gegenbefund in genauen Messungen: Insulinempfindlichkeit im Clamp −12 % nach 3 Monaten 10 mg, 17 Männer mit Typ-2-Diabetes (p = 0,016; Lauritzen 2022); Insulinempfindlichkeits-Index im Zuckerbelastungstest am Tag mit 4 × 10 mg gesenkt, 20 gesunde Männer (p = 0,028; Kampmann 2021)
Ob Melatonin die Insulinempfindlichkeit verschlechtert, ist ungeklärt, denn die genauere Messung widerspricht den Meta-Analysen. Die maßgebliche Auswertung mit 16 Placebo-Studien fand den Insulinresistenz-Wert HOMA-IR nicht verschlechtert, sondern leicht gebessert, mehrere weitere ebenso. Dieser Wert ist aber nur eine grobe Schätzung aus Nüchternwerten. Eine genaue Messung mit der Clamp-Methode zeigte bei 17 Männern mit Typ-2-Diabetes nach drei Monaten 10 mg eine um 12 % schlechtere Insulinempfindlichkeit, und bei gesunden jungen Männern sank ein Index aus dem Zuckerbelastungstest am Tag hoher Einzeldosen. 122, 166, 33, 35, 167, 168
Was tun? Bei Diabetes oder Prädiabetes Melatonin nicht in hoher Dosis und nicht direkt nach einer späten Mahlzeit einnehmen; Blutzucker kontrollieren und die Einnahme ärztlich besprechen.
Nicht untersucht bei: Frauen mit Typ-2-Diabetes (Clamp-Studie nur mit Männern), Einnahme zusammen mit einer späten Mahlzeit über längere Zeit
- Das BfR verweist darauf, dass schon einmalig 1 oder 4 mg Melatonin den Blutzucker akut beeinflussen können, und empfiehlt Menschen mit erhöhtem Typ-2-Diabetes-Risiko ärztliche Beratung vor bzw. Kontrolle während der Einnahme. BfR 2024
- genauere Messung zeigt einen Schaden (Lauritzen et al. 2022)
Pubertätsentwicklung und Wachstum bei Kindern beeinflussenungeklärtkeine placebokontrollierte Studie; Nachbeobachtungen ohne Placebo mit 51 bzw. 80 Kindern; Behördenwarnung (BfR 2024)
Ergebnisse: nach durchschnittlich 3,1 Jahren Tanner-Stadien wie in der Allgemeinbevölkerung (van Geijlswijk 2011); nach 2 Jahren Gewicht, Größe, BMI und Pubertätsstadium im Normbereich (Malow 2021); nach durchschnittlich 7,1 Jahren Hinweis auf eher verspätet empfundene Pubertät, Befragung mit 47,8 % Rücklauf (Zwart 2018); 4 Beobachtungsstudien mit 105 Kindern, eine mit möglicher Verzögerung (Händel 2023); Auswertung der US-Kohorte ABCD ohne Effekt auf den Pubertätsbeginn (Sadikova 2025)
Ob Melatonin die Pubertät oder das Wachstum von Kindern verändert, ist ungeklärt: Es gibt keine kontrollierten Studien, aber eine Behördenwarnung. Zwei Nachbeobachtungen von Kindern, die das Mittel über zwei bis vier Jahre nahmen, und eine große US-Kohortenauswertung fanden eine normale Pubertätsentwicklung; eine Befragung junger Erwachsener nach im Mittel sieben Jahren Einnahme deutete eine eher späte Pubertät an. Keine dieser Untersuchungen hatte eine echte Vergleichsgruppe mit Placebo. Das deutsche BfR hält die Frage für offen und rät Kindern und Jugendlichen von einer unkontrollierten Einnahme ab. 63, 164, 169, 170, 171
Was tun? Kindern Melatonin nur nach ärztlicher Rücksprache und zeitlich begrenzt geben; zuerst Schlafgewohnheiten anpassen.
Nicht untersucht bei: placebokontrollierte Langzeitstudien zur Pubertät, Kinder unter 6 Jahren mit normaler Entwicklung
- Das BfR hält offen, ob Melatonin die hormonelle bzw. pubertäre Entwicklung oder das Längenwachstum beeinflusst, und rät Kindern und Jugendlichen von einer unkontrollierten Einnahme melatoninhaltiger Nahrungsergänzungsmittel ab; zugelassene Arzneimittel gibt es für Kinder nur bei Autismus oder Smith-Magenis-Syndrom. BfR 2024
- keine kontrollierte Studie, aber Behördenwarnung (BfR 2024)
Versehentliche Einnahme und Vergiftungen bei Kleinkindernungeklärtkeine kontrollierte Studie möglich; Meldedaten der US-Giftnotrufzentralen und Notaufnahmen
Ergebnisse: 260.435 Melatonin-Einnahmen bei Kindern und Jugendlichen 2012 bis 2021 gemeldet, Anstieg um 530 %; 5 Kinder beatmet, 2 gestorben (Lelak 2022); etwa 10.930 Notaufnahme-Besuche von Kindern ≤ 5 Jahren 2019 bis 2022, 93,5 % ohne stationäre Aufnahme (Freeman 2024)
Wie gefährlich versehentlich geschlucktes Melatonin für Kleinkinder ist, ist ungeklärt: Es gibt keine kontrollierten Studien, aber Fallberichte und Meldedaten. In den USA ist Melatonin zur häufigsten Substanz geworden, die Kinder unbeaufsichtigt schlucken; die allermeisten dieser Fälle verlaufen glimpflich, über 90 % der Kinder in der Notaufnahme mussten nicht im Krankenhaus bleiben. Es gibt aber auch schwere Verläufe mit Beatmung und zwei Todesfälle, bei denen ein Zusammenhang nicht im Einzelnen geklärt ist. Häufig waren es Gummibärchen, die für Kinder wie Süßigkeiten aussehen.
Was tun? Melatonin, besonders Gummibärchen, wie ein Medikament kindersicher und außer Sicht- und Reichweite aufbewahren; bei versehentlicher Einnahme den Giftnotruf anrufen.
Nicht untersucht bei: Meldedaten aus Deutschland und der EU
- Die US-Giftnotrufzentralen erfassten 2012 bis 2021 insgesamt 260.435 Melatonin-Einnahmen bei Kindern und Jugendlichen, ein Anstieg um 530 %; Krankenhausaufnahmen und schwere Verläufe nahmen zu, vor allem durch versehentliche Einnahmen bei Kindern bis 5 Jahre. Fünf Kinder wurden beatmet, zwei starben. Lelak et al. 2022
- Die US-Gesundheitsbehörde CDC schätzt für 2019 bis 2022 rund 10.930 Notaufnahme-Besuche von Kindern bis 5 Jahren nach unbeaufsichtigter Melatonin-Einnahme, 7,1 % aller solchen Medikamenten-Notfälle in dieser Altersgruppe; 93,5 % ohne Krankenhausaufnahme, häufig waren es Gummibärchen. Freeman et al. 2024
- Eine systematische Übersicht zu Kindern bis 6 Jahre fand weltweit steigende Verordnungen, längere Einnahmen und mehr Überdosierungen; Wirksamkeitsdaten für Kinder ohne neurologische Erkrankung fehlen. Kracht et al. 2026
- keine kontrollierte Studie, aber Fallberichte/Meldedaten (pharmakovigilanz)
Wirkung von Blutdrucksenkern abschwächenungeklärt2 Placebo-RCTs mit gegensätzlichem Ergebnis: 47 Pers. (Lusardi 2000), 38 Pers. (Grossman 2006)
Ergebnisse: unter Nifedipin plus 5 mg Melatonin über 24 Stunden systolisch +6,5 mmHg (p < 0,001), diastolisch +4,9 mmHg, Puls +3,9/min gegenüber Placebo (Lusardi 2000); Gegenbefund: zusätzlich zu stabiler Blutdrucktherapie senkte 2 mg Retard-Melatonin den nächtlichen systolischen Blutdruck (Grossman 2006); Meta-Analysen trennen behandelte und unbehandelte Patienten nicht (Grossman 2011, Lee 2022)
Ob Melatonin die Wirkung von Blutdrucksenkern abschwächt, ist ungeklärt, denn die beiden Placebo-Studien widersprechen sich. Bei 47 gut eingestellten Bluthochdruck-Patienten, die Nifedipin nahmen, stieg der Blutdruck unter zusätzlich 5 mg Melatonin um etwa 6,5/5 mmHg an. Bei 38 Patienten mit anderer stabiler Therapie senkte Retard-Melatonin den nächtlichen Blutdruck dagegen leicht; ob das Problem nur Nifedipin oder alle Kalziumkanalblocker betrifft, ist offen. 53, 54, 37
Was tun? Wer Blutdrucksenker, besonders Nifedipin oder andere Kalziumkanalblocker, nimmt, sollte Melatonin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen und den Blutdruck kontrollieren.
Nicht untersucht bei: andere Kalziumkanalblocker als Nifedipin, Einnahme über mehr als 4 Wochen
- Das BfR weist darauf hin, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Melatonin und bestimmten blutdrucksenkenden Mitteln Wechselwirkungen auftreten können. BfR 2024
Stark erhöhte Melatoninspiegel mit Fluvoxaminungeklärt1 kleine kontrollierte Crossover-Studie, 5 Pers., Melatonin mit und ohne Fluvoxamin (Härtter 2000)
Ergebnisse: Melatonin-Gesamtspiegel (AUC) im Mittel 17-fach, Spitzenspiegel 12-fach höher mit Fluvoxamin als mit Melatonin allein (Härtter 2000); klinische Folgen nicht erfasst
Ob die gemeinsame Einnahme mit Fluvoxamin schadet, ist ungeklärt. Fluvoxamin hemmt das Leberenzym, das Melatonin abbaut: In einer kleinen kontrollierten Studie, in der fünf gesunde Männer Melatonin einmal mit und einmal ohne Fluvoxamin nahmen, lag die Melatoninmenge im Blut mit Fluvoxamin im Mittel 17-mal höher. Ob das zu stärkerer Müdigkeit, Stürzen oder anderen Folgen führt, wurde nicht geprüft, die Größe des Anstiegs ist aber auffällig. 52
Was tun? Melatonin nicht zusammen mit Fluvoxamin einnehmen, ohne dies ärztlich abzusprechen.
Nicht untersucht bei: klinische Folgen (Tagesmüdigkeit, Stürze) bei gemeinsamer Einnahme, andere Hemmstoffe desselben Leberenzyms (CYP1A2)
Wechselwirkung mit Blutverdünnern (z. B. Warfarin)ungeklärtkeine kontrollierte Studie; Fallberichte (zitiert in Herxheimer 2002)
Ergebnisse: keine kontrollierte Studie zu Gerinnungswert oder Blutungen unter Melatonin plus Blutverdünnern gefunden; Fallberichte über mögliche Schäden unter Warfarin (zitiert in Herxheimer 2002)
Ob Melatonin die Wirkung von Blutverdünnern verändert, ist ungeklärt: Es gibt keine kontrollierten Studien, aber Fallberichte. Eine Cochrane-Übersicht erwähnt Berichte über Menschen unter Warfarin, die durch Melatonin zu Schaden gekommen sein könnten, und das BfR nennt Gerinnungshemmer als mögliche Wechselwirkung.
Was tun? Unter Blutverdünnern Melatonin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen und die Gerinnungswerte kontrollieren lassen; bei ungewöhnlichen Blutungen sofort ärztliche Hilfe holen.
Nicht untersucht bei: Warfarin und Phenprocoumon, neue Gerinnungshemmer und Thrombozytenhemmer
- Die Cochrane-Übersicht zu Jetlag nennt Fallberichte, nach denen Menschen unter Warfarin durch Melatonin zu Schaden kommen könnten, und hält eine mögliche Wechselwirkung für untersuchungsbedürftig. Herxheimer & Petrie 2002
- Das BfR nennt Gerinnungshemmer als Arzneistoffe, bei denen im Einzelfall Wechselwirkungen mit Melatonin auftreten können. BfR 2024
- keine kontrollierte Studie, aber Fallberichte/Meldedaten (fallbericht)
Krampfanfälle bei Epilepsie häufigerungeklärt10 RCTs ohne berichtetes Ergebnis zur Anfallshäufigkeit (Liu 2024); 6 Studien, 125 Pers. (Brigo 2016, Cochrane)
Ergebnisse: Anfallshäufigkeit im Abstract nicht berichtet, Anfallsschwere besser als unter Placebo (RR 0,33; 95 % KI 0,04 bis 0,62), Nebenwirkungen nur in 1 Studie berichtet (Liu 2024); keine Meta-Analyse möglich, keine Änderung der Anfallshäufigkeit in den 2 Studien mit genauen Zahlen, Qualität schlecht (Brigo 2016)
Ob Melatonin bei Epilepsie Anfälle häufiger macht, ist ungeklärt. Die maßgebliche Meta-Analyse mit zehn Placebo-Studien berichtet zur Anfallshäufigkeit kein Ergebnis, nur dass die Anfälle unter Melatonin eher schwächer wurden; die Cochrane-Übersicht fand in den zwei Studien mit genauen Zahlen keine Änderung. Die Studien sind klein und methodisch schwach, und ein früher Fallbericht beschrieb mehr Anfälle bei neurologisch schwer behinderten Kindern. Ob Melatonin die Spiegel von Antiepileptika verändert, wurde nicht geprüft. 172, 173
Was tun? Bei Epilepsie Melatonin nur nach Rücksprache mit der behandelnden Neurologin oder dem Neurologen einnehmen; werden Anfälle häufiger, die Einnahme beenden und ärztlich abklären lassen.
Nicht untersucht bei: Wechselwirkung mit den Spiegeln von Antiepileptika, Einnahme über mehr als einige Monate
- In einem Leserbrief wird über vermehrte Krampfanfälle unter Melatonin bei neurologisch behinderten Kindern berichtet. Sheldon 1998
- Das BfR zählt Menschen mit Epilepsie zu den Gruppen, die melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel nicht unkontrolliert einnehmen sollten. BfR 2024
Schäden in Schwangerschaft und Stillzeitungeklärt2 kleine Placebo-RCTs, 140 bzw. 189 Pers. (Alishahi 2026, Quach 2024); keine Meta-Analyse
Ergebnisse: kein Unterschied bei Geburtsausgang und Schwangerschaftsdauer unter 10 mg plus ASS bei Präeklampsie-Risiko (Alishahi 2026); Geburtseinleitung: Kaiserschnitt RR 1,17, nicht signifikant, Aufnahme Neugeborener auf die Spezialstation 18,5 vs. 8,1 %, RR 2,26 (1,00 bis 5,10), Grenzfall (Quach 2024); offene Studie ohne Placebo mit 30 mg bei Schwangerschaftshochdruck: Frühgeburten 50,3 vs. 48,9 % (Thora 2025); keine randomisierte Studie zum Schutz des Ungeborenen (Wilkinson 2016); 15 Studien unterschiedlicher Art ohne größere Sicherheitsauffälligkeiten (Vine 2022)
Ob Melatonin in Schwangerschaft und Stillzeit schadet, ist ungeklärt. Zwei kleine Placebo-Studien bei Schwangeren mit besonderem Anlass, zur Vorbeugung einer Präeklampsie und bei der Geburtseinleitung, fanden keinen ungünstigeren Geburtsausgang; in der zweiten kamen Neugeborene nach Melatonin aber öfter auf die Spezialstation (18,5 statt 8,1 Prozent), ein Grenzbefund. Zur Einnahme gegen Schlafprobleme in der Schwangerschaft oder beim Stillen gibt es keine kontrollierten Studien; Melatonin gelangt über die Plazenta zum Ungeborenen und in die Muttermilch, und in Tierversuchen traten teils Auffälligkeiten bei Nachkommen auf. 56, 55, 174, 175, 176
Was tun? In Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kinderwunsch Melatonin nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
Nicht untersucht bei: Einnahme gegen Schlafprobleme in der Schwangerschaft, Stillzeit, Frauen mit Kinderwunsch
- Das BfR rät Schwangeren, Stillenden und Frauen mit Kinderwunsch von einer unkontrollierten Einnahme ab; Melatonin passiert die Plazenta und geht in die Muttermilch über, in Tierstudien traten Auffälligkeiten bei Nachkommen auf. BfR 2024
- Die Arzneimittel-Stillzeit-Datenbank der US-Nationalbibliothek für Medizin nennt keine Daten zur Sicherheit von Melatonin beim Stillen; eine kurzzeitige Einnahme üblicher Mengen am Abend schade dem gestillten Kind wahrscheinlich nicht, manche Autoren raten wegen fehlender Daten dennoch ab. LactMed 2026
Abhängigkeit oder Schlafprobleme nach dem Absetzen (Rebound)kein Schaden gefunden3 Placebo-RCTs mit zusammen 1.001 Pers. (Wade 2010, Lemoine 2007, Luthringer 2009)
Ergebnisse: keine Rebound-Schlaflosigkeit und keine Entzugszeichen nach Placebo-Auslaufphase in allen 3 Placebo-RCTs (Wade 2010: 791 Pers., 6 Monate; Lemoine 2007: 170 Pers., 3 Wochen; Luthringer 2009: 40 Pers.); offen nach 6 bis 12 Monaten ebenfalls kein Rebound, körpereigene Melatoninbildung nicht unterdrückt (Lemoine 2011); Kinder: 2 Wochen Placebo nach 2 Jahren ohne Entzugseffekte, Schlaf aber schlechter als unter Behandlung (Malow 2021)
Nach dem Absetzen von Melatonin fanden drei Placebo-Studien mit zusammen rund 1.000 Erwachsenen weder Entzugserscheinungen noch einen Rückfall in schlechteren Schlaf als vor der Behandlung, auch nicht nach sechs Monaten Einnahme. Die eigene Melatoninbildung des Körpers war danach nicht gedrosselt, und eine Gewöhnung mit nachlassender Wirkung zeigte sich nicht. Einschränkend stammen fast alle diese Studien vom Hersteller eines Retard-Präparats, und für schnell freisetzende Nahrungsergänzungen mit höheren Mengen fehlen eigene Daten. 11, 46, 47, 163, 164
Was tun? Wer Melatonin absetzen möchte, kann das in der Regel ohne Ausschleichen tun; kehren die Schlafprobleme zurück, die Ursache ärztlich abklären lassen.
Nicht untersucht bei: schnell freisetzende Präparate in höheren Dosen (Nahrungsergänzungsmittel), Einnahme über mehrere Jahre bei Erwachsenen
Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei Langzeiteinnahmenicht untersuchtkeine kontrollierte Studie; 1 Kongress-Abstract (Beobachtung, 130.828 Pers., nicht begutachtet)
Ergebnisse: keine Studie mit neu auftretender Herzinsuffizienz als Endpunkt; Beobachtungsdaten widersprüchlich (Nnadi 2025 vs. Khan & Lima 2026)
Ob Melatonin das Risiko für Herzschwäche erhöht, ist in kontrollierten Studien nicht untersucht. Eine 2025 auf einem Kardiologenkongress vorgestellte Auswertung von Krankenakten fand bei Langzeitnutzern häufiger Herzschwäche; sie ist nicht begutachtet und kann Ursache und Wirkung nicht trennen, denn wer lange Melatonin nimmt, schläft oft schlecht oder ist depressiv, und beides belastet selbst das Herz. Eine US-Bevölkerungsstudie fand keinen solchen Zusammenhang.
Was tun? Bei Herzerkrankung eine dauerhafte Melatonin-Einnahme ärztlich besprechen; länger anhaltende Schlaflosigkeit ohnehin ärztlich abklären lassen.
Nicht untersucht bei: placebokontrollierte Studien mit Herz-Kreislauf-Ereignissen, Menschen mit bestehender Herzinsuffizienz unter Langzeiteinnahme
- Ein Kongress-Abstract (AHA Scientific Sessions 2025) mit Krankenakten von 130.828 Erwachsenen mit Schlaflosigkeit berichtet bei mindestens einjähriger Melatonin-Einnahme häufiger neue Herzinsuffizienz (4,6 vs. 2,7 %), Krankenhausaufnahmen wegen Herzinsuffizienz und Todesfälle; die Arbeit ist nicht begutachtet, ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ist nicht belegt. Nnadi et al. 2025
- In der repräsentativen US-Bevölkerungsstudie NHANES (1999 bis 2018) war Melatonin-Einnahme nach Bereinigung nicht signifikant mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herzinsuffizienz verbunden; Melatonin-Nutzer unterschieden sich stark durch Schlafstörungen und Depression. Khan & Lima 2026
- Ein Hypothesen-Artikel schlägt einen möglichen Mechanismus über Prolaktin vor und betont, dass das Signal nur auf einem einzelnen, nicht begutachteten Abstract beruht. Savvidis et al. 2026
Verstärkte Müdigkeit zusammen mit Alkoholnicht untersuchtkeine kontrollierte Studie zur gemeinsamen Einnahme gefunden
Ergebnisse: keine Studie zur gleichzeitigen Einnahme von Melatonin und Alkohol (Reaktionszeit, Müdigkeit) gefunden
Ob Melatonin und Alkohol sich in ihrer dämpfenden Wirkung verstärken, ist in kontrollierten Studien am Menschen nicht untersucht. Da beide müde machen und Melatonin allein schon die Reaktionszeit verlängern kann, liegt eine Verstärkung nahe, belegt ist sie nicht.
Was tun? Melatonin nicht zusammen mit Alkohol einnehmen und danach nicht Auto fahren.
Nicht untersucht bei: gleichzeitige Einnahme mit Alkohol
Abweichender Melatoningehalt in Präparatennicht untersuchtkeine Studie am Menschen; Produktanalysen von 31 bzw. 25 Präparaten
Ergebnisse: Gehalt −83 % bis +478 % der Angabe, über 71 % außerhalb von ±10 %, Schwankung zwischen Chargen bis 465 %, in 8 Präparaten Serotonin (Erland 2017); Gummibärchen 74 bis 347 % der Angabe, nur 3 von 25 innerhalb ±10 %, ein Produkt ohne Melatonin (Cohen 2023)
Was auf der Packung steht, stimmt bei Melatonin-Präparaten oft nicht; Studien am Menschen sind zu dieser Frage nicht möglich, die Daten stammen aus Produktanalysen. In kanadischen Produkten lag der Gehalt zwischen einem Sechstel und fast dem Sechsfachen der Angabe, und manche enthielten zusätzlich Serotonin; in US-Gummibärchen waren es bis zum 3,5-Fachen. Für Europa gibt es kaum vergleichbare Analysen, zugelassene Arzneimittel werden dagegen auf ihren Gehalt geprüft.
Was tun? Bei Bedarf eher zugelassene Arzneimittel mit geprüftem Gehalt wählen und Gummibärchen-Produkte kritisch sehen.
Nicht untersucht bei: Produkte vom deutschen und europäischen Markt
- In 31 Melatonin-Präparaten vom kanadischen Markt lag der Gehalt zwischen −83 % und +478 % der Angabe, über 71 % wichen mehr als 10 % ab, zwischen Chargen eines Produkts bis 465 %; acht Präparate enthielten 1 bis 75 µg Serotonin. Erland & Saxena 2017
- In 25 Melatonin-Gummibärchen vom US-Markt lag der Gehalt bei 74 bis 347 % der Angabe; 22 waren falsch deklariert, ein Produkt enthielt kein Melatonin, dafür 31,3 mg CBD. Cohen et al. 2023

Ist Melatonin für Kinder geeignet?
Bei Kindern mit Autismus oder anderen Entwicklungsstörungen ist ein längerer Nachtschlaf gut belegt, für andere Kinder fehlen solche Belege. In sieben Sammelauswertungen schliefen diese Kinder mit Melatonin eine halbe bis eine Dreiviertelstunde länger.5960 Am besten wirkten 2 bis 4 mg einige Stunden vor dem Zubettgehen, also mindestens so viel, wie das in Deutschland für Menschen ab 55 Jahren zugelassene Arzneimittel enthält.60 Zugelassene Präparate für Kinder gibt es hierzulande nur bei Autismus und einer seltenen Erbkrankheit, dem Smith-Magenis-Syndrom.1
Bei ADHS gibt es erste Hinweise, aber zu wenige und kleine Studien, die Lage ist also unklar. In der größten Studie mit gut 100 Kindern schliefen sie mit 3 oder 6 mg rund eine halbe Stunde früher ein,61 während eine kleinere Studie mit Melatonin zusätzlich zum ADHS-Medikament keinen gesicherten Unterschied fand.62 Ob Melatonin über Jahre die Pubertät oder das Wachstum verändert, ist ungeklärt, denn Placebo-Studien fehlen. Nachbeobachtungen fanden bisher eine normale Entwicklung, etwa bei Kindern nach gut drei Jahren Einnahme, allerdings ohne echte Vergleichsgruppe.63 Das BfR hält die Frage für offen und rät Kindern von einer unkontrollierten Einnahme ab.1
Ein ganz anderes Risiko betrifft die Kleinsten. Wie stark versehentlich geschlucktes Melatonin ihnen schadet, ist ungeklärt, denn es gibt dazu nur Meldedaten und Fallberichte. Bei den US-Giftnotrufzentralen wuchs der Anteil von Melatonin an allen Meldungen zu Kindern und Jugendlichen in zehn Jahren von 0,6 auf 4,9 Prozent. Einige Kinder mussten beatmet werden, und zwei starben, wobei der Zusammenhang nicht im Einzelnen geklärt ist.64 Die meisten Fälle verlaufen dagegen glimpflich, denn über neun von zehn Kindern in der Notaufnahme durften wieder nach Hause.65 Häufig waren es Gummibärchen, die für Kinder wie Süßigkeiten aussehen.65
Ob Melatonin für Kinder infrage kommt, gehört deshalb in die kinderärztliche Praxis, und zuerst sollten feste Schlafgewohnheiten ausprobiert werden. Präparate, besonders Gummibärchen, gehören kindersicher und außer Reichweite aufbewahrt wie jedes Medikament. Nach einer versehentlichen Einnahme hilft der Giftnotruf weiter. Wirkt das Kind sehr benommen, ist es kaum zu wecken oder atmet es auffällig, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
So wurde gemessen
- Entwicklungsstörungen: 13 Studien mit 682 Kindern; Gesamtschlafdauer +48 Minuten (9 Studien), Einschlafzeit −29 Minuten.59 Dosis-Auswertung über 21 Placebo-Studien: größte Wirkung bei 2 bis 4 mg etwa 3 Stunden vor dem Zubettgehen.60
- ADHS: 105 Kinder ohne Medikamente, 3 oder 6 mg; Einschlafen 27 Minuten früher statt 10 Minuten später mit Placebo.61 50 Kinder unter Methylphenidat: kein signifikanter Unterschied.62
- Pubertät: 51 Kinder nach im Mittel gut 3 Jahren Einnahme, Pubertätsstadien wie in der Allgemeinbevölkerung, ohne Placebo-Gruppe.63
- Vergiftungen: US-Giftnotrufe 2012 bis 2021, 260.435 Melatonin-Einnahmen bei Kindern und Jugendlichen, Anstieg um 530 %, 5 Kinder beatmet, 2 gestorben.64 Rund 10.930 Notaufnahme-Besuche von Kindern bis 5 Jahre in den Jahren 2019 bis 2022, 93,5 % ohne stationäre Aufnahme.65

Melatonin richtig einnehmen: Dosierung, Formen und Kombinationen
Am besten bewährt sich Melatonin in kleiner Menge, zur richtigen Zeit und kurzzeitig. Die meisten Placebo-Studien liefen nur wenige Wochen,49 und ein Teil der Produkte im Handel enthält mehr, als für die Wirkung nötig wäre.1 Wo zu einer Praxisfrage Studien fehlen, steht das in den folgenden Abschnitten ausdrücklich.
Wie viel Melatonin ist sinnvoll, und wann wird es genommen?
Für das Einschlafen genügt laut EU-Behörde schon 1 mg kurz vor dem Schlafengehen,2 und mehr als etwa 4 mg brachten in Studien keinen Zusatznutzen.4 Bei Jetlag reichten 0,5 mg zur Schlafenszeit am Zielort.14 Bei einem verschobenen Schlafrhythmus kommt es dagegen auf eine Einnahme einige Stunden vor der gewünschten Bettzeit an.18 Damit hängt die passende Melatonin-Dosierung weniger an den Milligramm als an Uhrzeit und Ziel ab.

Spray, Tabletten, Gummibärchen: Welche Form ist die richtige?
Entscheidend ist die Freisetzung, nicht die Darreichungsform. Schnell freisetzendes Melatonin, ob als Spray, Tablette oder Gummibärchen, wurde in den Studien zum Einschlafen und gegen Jetlag geprüft. Retardtabletten geben den Wirkstoff dagegen über Stunden ab, sind in Deutschland als Arzneimittel für Menschen ab 55 Jahren zugelassen und wirkten in der Cochrane-Übersicht zu Jetlag kaum.14 Direkte Vergleiche zwischen Spray, Tropfen und Tablette fehlen in den hier ausgewerteten Studien. Wer Melatonin-Spray, Tabletten oder Gummibärchen vergleicht, sollte daher vor allem auf Menge und geprüften Gehalt achten, denn bei Gummibärchen wich der Inhalt besonders stark von der Angabe ab.58

Melatonin mit Magnesium: Bringt die Kombination mehr?
Dass Melatonin mit Magnesium besser wirkt als jedes Mittel allein, ist in den hier ausgewerteten Studien nicht belegt. Für das Magnesium zum Schlafen allein sind die Ergebnisse uneinheitlich und die Belege schwach. Wichtiger als die Frage nach dem Partner ist deshalb die nach den Wechselwirkungen, denn mit Alkohol, Fluvoxamin und Blutverdünnern verträgt sich Melatonin womöglich schlecht.

Unsere Einordnung
Melatonin kann sich lohnen: bei Jetlag, nach Nachtschichten, bei einem verschobenen Schlafrhythmus und, ärztlich begleitet, bei Kindern mit Entwicklungsstörungen. Für das gewöhnliche Einschlafen bringt es Minuten, keine Wende. Kleine Mengen, kurze Dauer und eine kindersichere Aufbewahrung sind die wichtigsten Regeln.
Häufige Fragen
Hilft Kiwi wegen ihres Melatonins beim Einschlafen?
Kiwis werden oft als natürliche Einschlafhilfe genannt. Die hier ausgewerteten Studien prüften jedoch Melatonin als Präparat und keine Lebensmittel, sodass sie über Kiwis nichts aussagen. Auch wie viel Melatonin über das Essen in den Körper gelangt, beantworten sie nicht.
Wirkt Melatonin auf die Schilddrüse?
Dazu liefern die hier ausgewerteten Placebo-Studien keine Ergebnisse, die Schilddrüse war in ihnen kein Thema. Bei einer Schilddrüsenerkrankung empfiehlt es sich, Melatonin in der Praxis anzusprechen, die die Werte ohnehin kontrolliert.
Verursacht Melatonin intensive Träume oder Albträume?
Albträume zählt das BfR zu den beobachteten Nebenwirkungen.1 In den Placebo-Studien kamen Nebenwirkungen insgesamt aber nicht häufiger vor als mit Scheinpräparat.48 Wer unter Melatonin unruhig träumt, kann die Menge verringern oder es absetzen.
Was bedeutet Melatonin depot oder retard?
Gemeint sind Tabletten, die den Wirkstoff über mehrere Stunden abgeben. In Deutschland ist Retard-Melatonin als verschreibungspflichtiges Arzneimittel für Schlaflosigkeit ab 55 Jahren zugelassen, und die europäische Schlafleitlinie hält es für diese Gruppe bis zu drei Monate lang für vertretbar.9
Ist liposomales Melatonin besser?
Vergleichsstudien dazu gibt es in der hier ausgewerteten Forschung nicht. Geprüft wurden fast nur Tabletten, Kapseln und Lösungen, und für die Wirkung zählten vor allem Menge und Zeitpunkt der Einnahme.
Wirkt Melatonin-Creme auf die Haut?
Alle hier ausgewerteten Studien prüften Melatonin zum Einnehmen. Über Cremes mit Melatonin sagen sie nichts, weder zur Haut noch zum Schlaf.
Darf man Melatonin für Hunde verwenden?
Darüber sagt diese Seite nichts, denn alle ausgewerteten Studien liefen mit Menschen. Ob ein Hund Melatonin bekommen sollte und wie viel, beurteilt die Tierarztpraxis.
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So bewerten wir
Jede Stufe folgt festen Regeln, die für alle Inhaltsstoffe gleich sind. Zwei Recherchen erheben die Studienlage unabhängig voneinander; weichen sie ab, gilt die vorsichtigere Stufe.
| Stufe | Wann wir sie vergeben |
|---|---|
| gut belegt | Mindestens zwei Meta-Analysen kontrollierter Studien sind sich einig, die größte umfasst 10 oder mehr Studien, und keine vergleichbar große widerspricht. Oder eine sehr große Meta-Analyse mit über 5.000 Teilnehmenden in guter Qualität. |
| wahrscheinlich | Die maßgebliche Meta-Analyse (mindestens 5 Studien) ist positiv, aber nicht mehrfach unabhängig bestätigt. |
| unklar | Nur einzelne oder kleine Studien, oder die Ergebnisse widersprechen sich. |
| spricht dagegen | Die maßgebliche Meta-Analyse oder mehrere Placebo-Studien mit zusammen mindestens 300 Personen finden keinen Unterschied zu Placebo. |
| nicht untersucht | Es gibt keine placebokontrollierte Studie am Menschen, nur Beobachtungs-, Tier- oder Laborstudien. |
Begrenzungen: Kleine Studienbasis (unter 500 Teilnehmende), eine abratende Leitlinie oder überwiegend von Herstellern bezahlte Studien begrenzen die Stufe nach oben. Gezählt wird der klinisch wichtigste Messwert, zum Beispiel der Langzeitblutzucker HbA1c vor dem Nüchternzucker. Studien mit Infusionen gelten nie für Tabletten.
Alle 176 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | BfR 2024, BfR-Stellungnahme 038/2024 | Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme zu melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln | Müdigkeit bis in den Folgetag möglich; von unkontrollierter Dauereinnahme, Einnahme durch Kinder, Schwangere und Stillende abgeraten; Wechselwirkungen u. a. mit Blutdrucksenkern und Gerinnungshemmern; Teil der Produkte so hoch dosiert wie Arzneimittel | Behördengutachten |
| 2 | EFSA NDA Panel 2011, EFSA J | Bewertung der gesundheitsbezogenen Aussage zu Melatonin und Einschlafzeit | 1 mg kurz vor dem Schlafengehen verkürzt die Einschlafzeit; keine Sicherheitsbewertung höherer Mengen | Behördengutachten |
| 3 | Ferracioli-Oda et al. 2013, PLoS One | 19 Placebo-RCTs, 1.683 Erwachsene und Kinder mit primären Schlafstörungen | Einschlafzeit −7,06 Minuten (−9,75 bis −4,37); Gesamtschlafdauer +8,25 Minuten im Fixed-Effects-Modell, im Random-Effects-Modell und objektiv nicht signifikant | Meta-Analyse |
| 4 | Cruz-Sanabria et al. 2024, J Pineal Res | 26 doppelblinde RCTs, 1.689 Beobachtungen, Menschen mit Schlaflosigkeit und Gesunde | Einschlafzeit und Gesamtschlafdauer dosisabhängig verbessert bis zu einem Maximum bei 4 mg/Tag; frühere Einnahme mit größerem Effekt | Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 5 | Fatemeh et al. 2022, J Neurol | 23 RCTs, Erwachsene mit verschiedenen Erkrankungen | PSQI −1,24 (−1,77 bis −0,71); bei Schlafstörungen −0,67; kein Effekt bei psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 6 | Choi et al. 2022, Sleep Med Rev | 24 Placebo-RCTs zu chronischer Schlaflosigkeit, getrennt nach Altersgruppen | Erwachsene ohne Begleiterkrankung: Einschlafzeit und Schlafdauer nicht signifikant verbessert; Kinder und Jugendliche signifikant | Meta-Analyse (Gegenbefund Erwachsene) |
| 7 | Buscemi et al. 2005, J Gen Intern Med | RCTs zu primären Schlafstörungen, davon 12 zur Insomnie, bis 4 Wochen | Einschlafzeit −11,7 Minuten; klinisch bedeutsam laut Autoren nur bei verzögerter Schlafphase | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 8 | De Crescenzo et al. 2022, Lancet | Netzwerk-Meta-Analyse, 154 doppelblinde RCTs, 44.089 Erwachsene mit Insomnie, 30 Wirkstoffe | Melatonin ohne bedeutsamen Gesamtnutzen; Benzodiazepine und Z-Substanzen wirksamer | Netzwerk-Meta-Analyse |
| 9 | Riemann et al. 2023 (ESRS), J Sleep Res | Europäische Insomnie-Leitlinie der European Sleep Research Society | kognitive Verhaltenstherapie als erste Behandlung (A); Retard-Melatonin ab 55 Jahren bis 3 Monate möglich (B); schnell freisetzendes Melatonin nicht empfohlen (A) | Leitlinie |
| 10 | Sateia et al. 2017 (AASM), J Clin Sleep Med | Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine zur medikamentösen Behandlung chronischer Insomnie bei Erwachsenen | schwache Empfehlung gegen Melatonin bei Ein- und Durchschlafstörung | Leitlinie |
| 11 | Wade et al. 2010, BMC Med | 791 Erwachsene von 18 bis 80 Jahren mit primärer Insomnie, 2 mg retard, 3 Wochen plus 26 Wochen; Mitautoren vom Hersteller | bei Älteren Einschlafzeit −19,1 vs. −1,7 Minuten; keine Entzugszeichen, keine Toleranz, keine klinisch relevanten Sicherheitsunterschiede über 6 Monate | RCT (größte Studie) |
| 12 | Maruani et al. 2023, J Sleep Res | 22 Studien, 4.875 Personen; Teilgruppe retardiertes Melatonin | Einschlafzeit subjektiv −6,3, objektiv −5,1 Minuten; ab 55 Jahren nur Schlafeffizienz berichtet, +2,95 % | Meta-Analyse (retardiert) |
| 13 | Chan et al. 2021, Nutrients | 23 Studien zu Mitteln gegen Flugreise-Beschwerden, davon 10 zu Melatonin | selbst eingeschätzter Jetlag ostwärts SMD −0,76 (5 Studien), westwärts SMD −0,66 (4 Studien) | Meta-Analyse |
| 14 | Herxheimer & Petrie 2002, Cochrane Database Syst Rev | 10 Placebo-RCTs mit Flugreisenden, Flugpersonal oder Militär | 9 von 10 Studien mit weniger Jetlag, NNT 2; 0,5 bis 5 mg ähnlich wirksam; 2 mg retard relativ unwirksam; Fallberichte zu Warfarin | Cochrane-Review |
| 15 | EFSA NDA Panel 2010, EFSA J | Bewertung der gesundheitsbezogenen Aussage zu Melatonin und Jetlag | mindestens 0,5 mg kurz vor dem Schlafengehen am ersten Reisetag und an den Folgetagen lindert Jetlag | Behördengutachten |
| 16 | Spitzer et al. 1999, Am J Psychiatry | 257 Ärztinnen und Ärzte nach Rückflug New York–Oslo, 0,5 oder 5 mg gegen Placebo | kein Unterschied bei Jetlag-Werten, Einschlafen und Schlafdauer | RCT (Gegenbefund, größte Studie) |
| 17 | Liira et al. 2014, Cochrane Database Syst Rev | Placebo-RCTs mit Schichtarbeitenden, Melatonin 1 bis 10 mg | Tagschlaf +24 Minuten (9,8 bis 38,9; 7 Studien, 263 Pers.); Einschlafzeit unverändert; niedrige Evidenz | Cochrane-Review (maßgeblich) |
| 18 | van Geijlswijk et al. 2010, Sleep | 9 Placebo-RCTs: 5 mit 91 Erwachsenen, 4 mit 226 Kindern mit verzögerter Schlafphase | Einschlafuhrzeit 0,67 h früher; Melatonin-Beginn 1,18 h früher; Aufwachzeit und Schlafdauer nicht signifikant verändert | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 19 | Auger et al. 2015 (AASM), J Clin Sleep Med | Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine zu Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus | zeitlich gezieltes Melatonin empfohlen bei verzögerter Schlafphase und bei Kindern mit neurologischen Erkrankungen und unregelmäßigem Rhythmus; bei älteren Menschen mit Demenz abgeraten | Leitlinie |
| 20 | Sletten et al. 2018, PLoS Med | 116 Erwachsene mit verzögerter Schlafphase, 0,5 mg 1 h vor der Wunsch-Bettzeit plus feste Bettzeiten, 4 Wochen | Einschlafen 34 Minuten früher als mit Placebo; klinische Besserung 52,8 % vs. 24,0 % | RCT (größte Studie) |
| 21 | Mdluli et al. 2025, Age Ageing | 10 RCTs, 516 Personen ab 65 Jahren mit leichter kognitiver Störung oder Demenz | Gesamtschlafdauer +12,4 Minuten (8,1 bis 16,7); MMSE +1,8 (0,9 bis 2,7); Autoren: keine definitive Wirksamkeit | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 22 | McCleery & Sharpley 2020, Cochrane Database Syst Rev | 5 RCTs mit 222 Menschen mit Demenz, bis 10 mg über 8 bis 10 Wochen | Nachtschlaf +10,68 Minuten (−16,22 bis 37,59; 2 Studien), nicht signifikant; niedrige Evidenz | Cochrane-Review (Gegenbefund) |
| 23 | Yousef et al. 2026, J Sleep Res | RCTs mit 409 Menschen mit Parkinson; Schlafqualität in 7 Studien | PSQI −1,75 (−2,94 bis −0,55), unter der minimal klinisch relevanten Differenz; objektive Schlafwerte ohne Effekt | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 24 | Madsen et al. 2020, Cochrane Database Syst Rev | 27 RCTs, 2.319 Erwachsene vor Operationen; 24 gegen Placebo, 11 gegen Benzodiazepine | präoperative Angst −11,69 mm (−13,80 bis −9,59; 18 Studien, 1.264 Pers.); gegen Benzodiazepine kein Unterschied | Cochrane-Review (maßgeblich) |
| 25 | Borges et al. 2026, J Clin Anesth | 16 RCTs, 2.115 Operierte über 60 Jahre; 12 Studien mit 1.461 Pers. zu Melatonin | Delir 22,4 % vs. 31,4 %, RR 0,67 (0,52 bis 0,88); ab 5 mg RR 0,52; Evidenz niedrig | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 26 | Tang et al. 2025, Crit Care Med | 32 RCTs, 3.895 Erwachsene auf der Intensivstation | Delir RR 0,72 (0,58 bis 0,89); berichtete Schlafqualität SMD 0,54; niedrige Evidenz | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 27 | Wibrow et al. 2022, Intensive Care Med | 841 Intensivpatientinnen und -patienten in 12 Kliniken, 4 mg über die Sonde, bis 14 Nächte | kein Unterschied bei Delir, Schlafmenge und Schlafqualität | RCT (größte Studie, Gegenbefund) |
| 28 | Li et al. 2022, Front Psychiatry | 19 Placebo-Studien, 1.178 Erwachsene, 2 bis 25 mg | Depressionswerte SMD −0,17 (−0,38 bis 0,05), nicht signifikant | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 29 | Gonçalves et al. 2016, J Neurol Neurosurg Psychiatry | 196 Erwachsene mit Migräne, 3 mg Melatonin, 25 mg Amitriptylin oder Placebo, 12 Wochen | Kopfschmerztage −2,7 vs. −1,1 mit Placebo; ähnlich wirksam wie Amitriptylin | RCT (größte Studie) |
| 30 | Alstadhaug et al. 2010, Neurology | 48 Erwachsene mit Migräne, 2 mg retardiert, 8 Wochen, Crossover | Attackenhäufigkeit ohne Unterschied zu Placebo | RCT (Gegenbefund) |
| 31 | Sumsuzzman et al. 2021, Neurosci Biobehav Rev | 22 RCTs, davon 11 mit Gesunden | Gedächtnis bei Gesunden nicht signifikant verbessert; Antwortgenauigkeit bei Einnahme am Tag SMD −0,74 | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 32 | Delpino & Figueiredo 2021, Nutrition | 23 placebokontrollierte Studien | Gewicht SMD −0,48 (−0,94 bis −0,02), I² 92 %; BMI und Taillenumfang ohne Effekt | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 33 | Mohammadi et al. 2025, Nutrients | 63 RCTs mit 3.157 Personen, Stoffwechselwerte | Gewicht −0,49 kg (−1,18 bis 0,20), nicht signifikant; systolischer Blutdruck −2,34 mmHg (−4,13 bis −0,55), GRADE niedrig | Meta-Analyse |
| 34 | Delpino et al. 2021, Clin Nutr | 16 placebokontrollierte RCTs | HbA1c −0,38 (−0,67 bis −0,10); Nüchternzucker −4,65; Insulinresistenz −0,58 | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 35 | Lauritzen et al. 2022, J Pineal Res | 17 Männer mit Typ-2-Diabetes, 10 mg 1 h vor dem Schlafen, je 3 Monate, Crossover gegen Placebo | Insulinempfindlichkeit (Clamp) 3,6 vs. 4,1 mg/(kg × min), p = 0,016 | RCT (Gegenbefund, Clamp) |
| 36 | Akhavan Rezayat et al. 2021, Eur J Pharmacol | 7 klinische Studien bei Fettleber, auch nicht randomisierte | ALT gesenkt (ab 4 Wochen); AST, ALP, GGT, Triglyzeride und Cholesterin gesenkt | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 37 | Grossman et al. 2011, Vasc Health Risk Manag | 7 RCTs (3 Retard, 4 schnell freisetzend), 221 Personen mit nächtlichem Bluthochdruck | alle Studien zusammen ohne signifikanten Effekt; Retard-Melatonin systolisch −6,1 mmHg; schnell freisetzend −0,3 mmHg | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 38 | Seely et al. 2012, Integr Cancer Ther | 21 randomisierte Studien bei soliden Tumoren, Kontrollgruppen meist ohne Placebo | 1-Jahres-Sterblichkeit RR 0,63 (0,53 bis 0,74) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 39 | Wang et al. 2012, Cancer Chemother Pharmacol | 8 RCTs, 761 Personen, 20 mg zusätzlich zu Chemo- oder Strahlentherapie, Kontrollen ohne Placebo | 1-Jahres-Überleben 52,2 vs. 28,4 % (RR 1,90; 1,28 bis 2,83) | Meta-Analyse |
| 40 | Mills et al. 2005, J Pineal Res | 10 RCTs, 643 Personen mit soliden Tumoren; alle Studien aus einem Kliniknetz, unverblindet | weniger Todesfälle nach 1 Jahr | Meta-Analyse |
| 41 | Sookprasert et al. 2014, Anticancer Res | 151 Personen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs unter Chemotherapie, 10 oder 20 mg gegen Placebo | medianes Überleben 7,3 Monate, kein signifikanter Unterschied; Nebenwirkungen unverändert | RCT (Gegenbefund, Placebo) |
| 42 | Seely et al. 2021, EClinicalMedicine | 709 Personen nach Lungenkrebs-Operation, 20 mg gegen Placebo, 1 Jahr | krankheitsfreies Überleben nach 2 Jahren RR 1,01 (0,83 bis 1,22); keine Unterschiede bei Nebenwirkungen | RCT (Gegenbefund, Placebo) |
| 43 | Etesamnia et al. 2026, BMC Cancer | 12 Placebo-RCTs, 1.977 Personen mit Krebs | krebsbedingte Erschöpfung signifikant verringert; GRADE sehr niedrig | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 44 | Fan et al. 2022, BMJ Open | 19 RCTs, 2.101 Personen mit Krebs; Lebensqualität in 6 Studien | Lebensqualität SMD −0,01; Schlaf, Erschöpfung und Schmerz nicht signifikant | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 45 | Menczel Schrire et al. 2022, J Pineal Res | 79 RCTs mit 3.861 Personen, mindestens 10 mg; Meta-Analyse über 4 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko | Schläfrigkeit, Kopfschmerz, Schwindel RR 1,40 (1,15 bis 1,69); schwere Nebenwirkungen RR 0,88 (0,52 bis 1,50) | Meta-Analyse (hohe Dosen) |
| 46 | Lemoine et al. 2007, J Sleep Res | 170 Personen ab 55 Jahren mit primärer Insomnie, 2 mg retard, 3 Wochen; Autoren beim Hersteller angestellt | keine Rebound-Schlaflosigkeit, keine Entzugseffekte nach dem Absetzen | RCT |
| 47 | Luthringer et al. 2009, Int Clin Psychopharmacol | 40 ältere Menschen mit Schlaflosigkeit, 2 mg retard; Hersteller-Mitautoren | keine Entzugs- oder Rebound-Effekte nach dem Absetzen | RCT |
| 48 | Buscemi et al. 2006, BMJ | 17 Placebo-RCTs, 651 Personen mit Schlafstörungen als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen | Nebenwirkungen nicht häufiger als unter Placebo | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 49 | Besag et al. 2019, CNS Drugs | 37 Placebo-RCTs bei Schlafstörungen, 0,15 bis 12 mg, meist bis 4 Wochen | Tagesmüdigkeit 1,66 %, Kopfschmerz 0,74 %, Schwindel 0,74 %; keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen; kaum Langzeitdaten | Systematische Übersicht |
| 50 | Nnadi et al. 2025, Circulation (Kongress-Abstract) | Krankenakten von 130.828 Erwachsenen mit Schlaflosigkeit, Melatonin mindestens 1 Jahr | häufiger neue Herzinsuffizienz; nicht begutachtet, Ursache und Wirkung nicht trennbar | Kongress-Abstract (nicht begutachtet) |
| 51 | Khan & Lima 2026, Open Heart | US-Bevölkerungsstudie NHANES 1999 bis 2018 | Melatonin-Einnahme nach Bereinigung nicht signifikant mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Herzinsuffizienz verbunden | Bevölkerungsstudie |
| 52 | Härtter et al. 2000, Clin Pharmacol Ther | 5 gesunde Männer, 5 mg Melatonin mit und ohne 50 mg Fluvoxamin | AUC 17-fach, Cmax 12-fach höher | Pharmakokinetik-Studie (ohne Placebo) |
| 53 | Lusardi et al. 2000, Br J Clin Pharmacol | 47 Personen mit Bluthochdruck unter Nifedipin, 5 mg Melatonin abends, je 4 Wochen, Crossover gegen Placebo | 24-h-Blutdruck systolisch +6,5 mmHg, diastolisch +4,9 mmHg, Puls +3,9/min | RCT (Schaden) |
| 54 | Grossman et al. 2006, Am J Med | 38 behandelte Bluthochdruck-Patienten mit nächtlichem Bluthochdruck, 2 mg retard zusätzlich | nächtlicher systolischer Blutdruck gesenkt | RCT (Gegenbefund) |
| 55 | Alishahi et al. 2026, Int J Fertil Steril | 140 Schwangere mit Präeklampsie-Risiko, 10 mg zusätzlich zu ASS gegen Placebo | kein Unterschied bei Geburtsausgang und Schwangerschaftsdauer | Placebo-RCT |
| 56 | Quach et al. 2024, Acta Obstet Gynecol Scand | 189 Schwangere bei Geburtseinleitung, 10 mg gegen Placebo | Kaiserschnitt RR 1,17, nicht signifikant; Aufnahme Neugeborener auf die Spezialstation 18,5 vs. 8,1 %, RR 2,26 (1,00 bis 5,10) | Placebo-RCT |
| 57 | Erland & Saxena 2017, J Clin Sleep Med | 31 Melatonin-Präparate vom kanadischen Markt | Gehalt −83 % bis +478 % der Angabe; über 71 % mehr als 10 % daneben; 8 Präparate mit Serotonin | Produktanalyse |
| 58 | Cohen et al. 2023, JAMA | 25 Melatonin-Gummibärchen vom US-Markt | Gehalt 74 bis 347 % der Angabe; 22 falsch deklariert; ein Produkt ohne Melatonin | Produktanalyse |
| 59 | Abdelgadir et al. 2018, Arch Dis Child | 13 RCTs, 682 Kinder unter 18 Jahren mit neurologischen Entwicklungsstörungen | Gesamtschlafdauer +48,26 Minuten (9 Studien); Einschlafzeit −28,97 Minuten (11 Studien) | Meta-Analyse |
| 60 | Bruno et al. 2025, Sleep Med Rev | 21 Placebo-Studien mit Kindern und Jugendlichen mit neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen | Schlafdauer und Schlafeffizienz höher, Einschlafzeit kürzer; größte Wirkung bei 2 bis 4 mg etwa 3 Stunden vor dem Zubettgehen | Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 61 | Van der Heijden et al. 2007, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry | 105 Kinder von 6 bis 12 Jahren mit ADHS und chronischer Einschlafstörung, 3 oder 6 mg | Einschlafen 26,9 Minuten früher vs. 10,5 Minuten später mit Placebo; kein Effekt auf Verhalten | RCT (größte Studie) |
| 62 | Mohammadi et al. 2012, Iran J Psychiatry | 50 Kinder von 7 bis 12 Jahren mit ADHS, 3 oder 6 mg zusätzlich zu Methylphenidat, 8 Wochen | Unterschied zu Placebo bei Einschlafzeit und Schlafstörungen nicht signifikant | RCT (Gegenbefund) |
| 63 | van Geijlswijk et al. 2011, Psychopharmacology | Nachbeobachtung von 51 Kindern mit Einschlafstörung, im Mittel 3,1 Jahre Melatonin | Pubertätsstadien wie in der Allgemeinbevölkerung | Nachbeobachtung |
| 64 | Lelak et al. 2022, MMWR | Meldungen an US-Giftnotrufzentralen 2012 bis 2021, Kinder und Jugendliche | 260.435 Melatonin-Einnahmen, Anstieg um 530 %; 5 Kinder beatmet, 2 gestorben | Meldedaten |
| 65 | Freeman et al. 2024, MMWR | US-Notaufnahmen 2019 bis 2022, Kinder bis 5 Jahre nach unbeaufsichtigter Einnahme | rund 10.930 Besuche, 93,5 % ohne Krankenhausaufnahme; häufig Gummibärchen | Meldedaten |
| 66 | Edemann-Callesen et al. 2023, EClinicalMedicine | Placebo-RCTs mit Kindern und Jugendlichen mit chronischer Schlaflosigkeit ohne Grunderkrankung; Schlafdauer in 4 Studien, 184 Pers. | Gesamtschlafdauer laut Schlaftagebuch etwa +30 Minuten; per Aktigrafie nur eine Studie, nicht signifikant | Meta-Analyse (Kinder) |
| 67 | da Silva et al. 2026, Ther Apher Dial | 5 Placebo-RCTs, 323 Menschen an der Dialyse | PSQI signifikant verbessert gegenüber Placebo | Meta-Analyse (Dialyse) |
| 68 | Wade et al. 2007, Curr Med Res Opin | 354 Personen von 55 bis 80 Jahren, 2 mg retardiert 2 h vor dem Schlafengehen, 3 Wochen; Mitautoren vom Hersteller | Ansprechrate (Schlafqualität plus Morgenfrische) 26 % vs. 15 % (p = 0,014); Einschlafzeit −24,3 vs. −12,9 Minuten | RCT |
| 69 | Tortorolo et al. 2015, Medwave | 4 systematische Übersichten mit zusammen 11 randomisierten Studien | Melatonin verringert Jetlag-Beschwerden wahrscheinlich; Nebenwirkungen unklar, wahrscheinlich leicht | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 70 | Salanitro et al. 2022, Neurosci Biobehav Rev | 34 RCTs, davon 13 mit 1.014 Erwachsenen mit Schlaf- oder psychischen Störungen | bei Erwachsenen mit DSWPD kürzere Einschlafzeit (Tagebuch) und längerer Schlaf (Polysomnografie) | Meta-Analyse |
| 71 | Parker et al. 2019, Dev Med Child Neurol | 13 RCTs mit Kindern mit neurologischen Beeinträchtigungen, fast alle mit hohem oder unklarem Verzerrungsrisiko | Gesamtschlafdauer per Aktigrafie +31,9 Minuten (5 Studien), per Tagebuch +29,6 Minuten (7 Studien); größter Nutzen bei Autismus | Meta-Analyse |
| 72 | Nogueira et al. 2023, Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry | 15 Interventionsstudien bei Menschen mit Autismus | Gesamtschlafdauer SMD 0,78 (0,35 bis 1,21), I² 91 %; auch Einschlafzeit und Schlafeffizienz verbessert; nächtliches Aufwachen ohne Unterschied | Meta-Analyse (Autismus) |
| 73 | Gringras et al. 2012, BMJ | 146 Kinder von 3 bis 15 Jahren mit Entwicklungsstörungen, 0,5 bis 12 mg schnell freisetzend, 12 Wochen | Gesamtschlafdauer +22,4 Minuten (Tagebuch), +13,3 Minuten nicht signifikant (Aktigrafie); Einschlafzeit −37,5 Minuten | RCT (niedriges Verzerrungsrisiko) |
| 74 | Weiss et al. 2006, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry | 27 Kinder von 6 bis 14 Jahren mit ADHS unter Stimulanzien; Nichtansprecher auf Schlafhygiene erhielten 5 mg im Crossover gegen Placebo | Einschlafstörung 16 Minuten kürzer als mit Placebo; keine Wirkung auf ADHS-Symptome | RCT |
| 75 | Anand et al. 2017, Paediatr Drugs | 12 Studien zu Schlafmitteln bei Kindern mit ADHS, davon 2 RCTs und 4 Beobachtungsstudien zu Melatonin | Melatonin mit kürzerer Einschlafzeit und längerem Schlaf; Evidenz insgesamt schwach | Systematischer Review |
| 76 | Wang et al. 2017, Int J Geriatr Psychiatry | 7 doppelblinde RCTs, 462 Menschen mit Alzheimer | Nachtschlaf verlängert, SMD 0,26 (0,01 bis 0,51; 305 Pers.) | Meta-Analyse |
| 77 | Riemersma-van der Lek et al. 2008, JAMA | 189 Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen (87 % mit Demenz), 2,5 mg abends und/oder helles Licht, im Mittel 15 Monate | Einschlafzeit −8,2 Minuten, Schlafdauer +27 Minuten; Melatonin allein verschlechterte Stimmung und förderte Rückzug | RCT (Langzeit) |
| 78 | Zrineh et al. 2025, Sleep Med | 5 Placebo-RCTs, 206 Menschen mit Parkinson | bis 4 mg: PSQI −1,26, nicht signifikant; über 4 mg: −2,90; retardiert ohne Effekt | Meta-Analyse |
| 79 | Sugumaran et al. 2024, Sleep Med | 86 Menschen mit Parkinson (73 abgeschlossen), 3 mg, 8 Wochen | PSQI 1,87 Punkte besser, Epworth 1,25 besser; Autoren zweifeln an der Übertragbarkeit | RCT |
| 80 | Mekontso Dessap et al. 2025, Intensive Care Med | 334 beatmete Intensivpatientinnen und -patienten, 0,3 mg (bzw. anfangs 3 mg) gegen Placebo, bis 14 Nächte | Schlafqualität ohne Unterschied zu Placebo | RCT (Gegenbefund) |
| 81 | Razick et al. 2026, Cureus | 4 Placebo-RCTs, 455 Patientinnen und Patienten nach Hüft- oder Kniegelenkersatz, 5 oder 6 mg | PSQI nach 6 Wochen ohne Unterschied (p = 0,74); subjektive und objektive Schlafwerte unverändert | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 82 | Zhang et al. 2019, Surg Laparosc Endosc Percutan Tech | 5 Placebo-RCTs, 250 Patientinnen und Patienten nach laparoskopischer Gallenblasen-Entfernung | Schlafqualität nach der Operation ohne signifikanten Unterschied | Meta-Analyse |
| 83 | Gao et al. 2022, Nat Sci Sleep | 10 RCTs, 725 Teilnehmende rund um Operationen | postoperative subjektive Schlafqualität SMD −0,30 (−0,47 bis −0,14); 6 mg am wirksamsten; präoperativ kein Effekt | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 84 | Tsukinaga et al. 2023, Can J Anaesth | 8 RCTs, 516 Erwachsene nach Operationen, Melatonin oder Melatonin-Agonisten gegen Placebo | Schlafqualität −0,75 mm auf der VAS (−4,86 bis 3,35), nicht signifikant; Evidenz moderat | Meta-Analyse (mit Agonisten) |
| 85 | Luney et al. 2026, BMJ | Netzwerk-Meta-Analyse, 158 RCTs, 41.084 Personen ab 60 Jahren, 52 Wirkstoffe | Melatonin-Rezeptor-Agonisten als Gruppe OR 0,54 (0,34 bis 0,85) in Studien ohne hohes Verzerrungsrisiko; Evidenz moderat bis sehr niedrig | Netzwerk-Meta-Analyse |
| 86 | de Jonghe et al. 2014, CMAJ | 378 Personen ab 65 Jahren (Mittel 84 J.) mit Hüftfraktur, 3 mg abends über 5 Tage | Delir 29,6 % vs. 25,5 % mit Placebo, kein Unterschied | RCT (Gegenbefund, größte Studie) |
| 87 | Ford et al. 2020, J Am Geriatr Soc | 210 Erwachsene ab 50 Jahren vor Bypass- oder Klappenoperation, 3 mg über 7 Tage | Delir 21,4 % vs. 20,2 % (adjustierte OR 0,78; 0,35 bis 1,75), kein Unterschied | RCT (Gegenbefund) |
| 88 | Lakbar et al. 2025, Intensive Care Med | 6 RCTs mit niedrigem bis mittlerem Verzerrungsrisiko, 2.209 Intensivpatienten; Sekundäranalyse 13 RCTs, 2.830 Pers. | Delir RR 0,89 (0,73 bis 1,09); alle Studien RR 0,86 (0,70 bis 1,04); Sterblichkeit RR 0,87 (0,73 bis 1,02) | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 89 | Al-Aama et al. 2011, Int J Geriatr Psychiatry | 145 Personen ab 65 Jahren (Mittel 84,5 J.) auf internistischer Station, 0,5 mg abends bis 14 Tage | Delir 12,0 % vs. 31,0 % (p = 0,014); keine Intention-to-treat-Auswertung möglich | RCT (größte Studie) |
| 90 | Jaiswal et al. 2018, Am J Med | 69 Personen ab 65 Jahren auf internistischen Stationen, 3 mg abends gegen Placebo | Delir 22,2 % vs. 9,1 % (p = 0,19), kein signifikanter Unterschied; Schlaf unverändert | RCT (Gegenbefund) |
| 91 | Al Alawi et al. 2026, BMJ Open | 109 Personen ab 65 Jahren auf internistischen Stationen, 5 oder 8 mg abends bis 5 Tage gegen Placebo | Delir 3,6 % vs. 1,9 % (p = 1,0); wegen Aussichtslosigkeit vorzeitig beendet | RCT (Gegenbefund) |
| 92 | Khaing et al. 2021, J Psychiatr Res | 14 RCTs, 1.712 Klinikpatienten, Melatonin oder Ramelteon | gesamt RR 0,61 (0,42 bis 0,89); Senkung bei Operierten und Intensivpatienten, bei internistischen Patienten nicht signifikant | Meta-Analyse (mit Ramelteon) |
| 93 | Siddiqi et al. 2016, Cochrane Database Syst Rev | 39 Studien zur Delirvorbeugung außerhalb der Intensivstation; Melatonin und Agonisten: 3 Studien, 529 Pers. | Melatonin oder Agonisten RR 0,41 (0,09 bis 1,89), kein klarer Effekt; niedrige Evidenz | Cochrane-Review (mit Agonisten) |
| 94 | Hansen et al. 2015, Cochrane Database Syst Rev | 12 RCTs mit Erwachsenen vor Operationen; präoperative Angst in 7 Studien gepoolt | präoperative Angst −13,36 mm auf der VAS (−16,13 bis −10,58); gegenüber Midazolam kein Unterschied | Cochrane-Review (Vorversion) |
| 95 | Singla et al. 2021, Eur J Anaesthesiol | 132 Kinder vor Narkose, 0,3 mg/kg Melatonin, Midazolam oder Placebo als Teil einer mehrstufigen Angstlösung | präoperative Angst (mYPAS) ohne Unterschied zu Placebo; weniger Aufwachdelir | RCT (größte Studie, Gegenbefund) |
| 96 | Samarkandi et al. 2005, Eur J Anaesthesiol | 105 Kinder vor Narkose, 0,25 bis 0,5 mg/kg Melatonin, Midazolam oder Placebo, je Arm 15 | Trennungs- und Maskenangst geringer als mit Placebo, ähnlich wie Midazolam | RCT |
| 97 | Ponde et al. 2025, Minerva Pediatr (Torino) | 10 RCTs, 774 Kinder von 1 bis 15 Jahren, Melatonin gegen Midazolam | Sedierung SMD 0,03 (−0,35 bis 0,40); Angst nur in 2 Studien gemessen, kein signifikanter Unterschied | Meta-Analyse (ohne Placebo) |
| 98 | Procaccini et al. 2021, Anaesthesia | 27 Studien zu Melatonin bei Narkose-Indikationen bei Kindern | keine Zusammenrechnung möglich; Melatonin sicher und möglicherweise als Zusatz vor der Narkoseeinleitung geeignet | Systematischer Review |
| 99 | Shokri-Mashhadi et al. 2023, Behav Brain Res | RCTs zu Melatonin, BDNF und Depressionswerten; Studienzahl nicht im Abstract | Depressionswert WMD −0,76 (−1,12 bis −0,40), I² 88 %; Autoren: keine definitive Aussage möglich | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 100 | Hansen et al. 2014, Eur Neuropsychopharmacol | 10 RCTs, 486 Erwachsene mit und ohne Depression; 4 Studien mit 148 Pers. gepoolt; 0,5 bis 6 mg | beide Meta-Analysen ohne signifikanten Effekt | Meta-Analyse |
| 101 | Madsen et al. 2019, J Psychiatr Res | 252 Erwachsene ohne Depression nach akutem Koronarsyndrom, 25 mg 1 h vor dem Schlafengehen, 12 Wochen | kein Unterschied in den Depressionswerten; 6 vs. 4 depressive Episoden | RCT (größte Studie) |
| 102 | Hansen et al. 2014, Breast Cancer Res Treat | 54 Frauen ohne Depression vor Brustkrebs-Operation, 6 mg über 3 Monate | depressive Symptome RR 0,25 (0,077 bis 0,80); 10 Abbrüche unter Placebo, 1 unter Melatonin | RCT |
| 103 | Yi et al. 2021, Menopause | 8 Studien, 812 Frauen in und nach den Wechseljahren, 1 bis 5 mg über 3 bis 12 Monate | Depression SMD 0,133 (−0,435 bis 0,702) und Angst SMD 0,018, nicht signifikant; körperliche Beschwerden gebessert | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 104 | Demirhan Kayacik et al. 2024, Arch Womens Ment Health | 5 RCTs, 441 Frauen nach der Menopause (227 Melatonin, 214 Kontrolle) | Depression SMD −0,166 (−0,288 bis −0,045); Angst SMD −0,806 (−1,491 bis −0,120) | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 105 | Abouelmagd et al. 2026, Curr Pain Headache Rep | 9 RCTs, 788 Personen, Melatonin gegen Placebo oder andere Vorbeugemittel; gegen Placebo Kopfschmerztage in 2, Attackenhäufigkeit in 3 Studien | Kopfschmerztage −1,54 (−2,50 bis −0,58); Attackenhäufigkeit −0,75, nicht signifikant | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 106 | Puliappadamb et al. 2022, J Oral Facial Pain Headache | 3 Studien mit Erwachsenen | Ansprechrate OR 1,84 (1,08 bis 3,14); weniger, kürzere und leichtere Attacken gegenüber Placebo | Meta-Analyse |
| 107 | Gelfand et al. 2023, Headache | 42 Kinder und Jugendliche von 10 bis 17 Jahren nach Placebo-Vorlaufphase, 3 oder 6 mg gegen Placebo, 8 Wochen | Migränetage Median 2 vs. 2 (Differenz 0; −9 bis 3); vorzeitig beendet, unterpowert | RCT (maßgeblich) |
| 108 | Leone et al. 1996, Cephalalgia | 20 Personen mit Cluster-Kopfschmerz (18 episodisch, 2 chronisch), 10 mg abends gegen Placebo, 14 Tage | Attackenhäufigkeit signifikant gesenkt (p < 0,03); 5 von 10 Ansprechern, chronisch Betroffene ohne Ansprechen | RCT (maßgeblich) |
| 109 | Pringsheim et al. 2002, Headache | 9 Personen (6 chronisch, 3 episodisch), Melatonin zusätzlich zur üblichen Therapie, je 1 Monat Melatonin und Placebo | kein Unterschied bei Attackenzahl, Schmerzmittelbedarf und Schweregrad | RCT (Gegenbefund) |
| 110 | Rosenberg et al. 1998, Laryngoscope | 30 Personen mit subjektivem Tinnitus, 3 mg gegen Placebo je 30 Tage, Crossover | Tinnitus Handicap Inventory ohne signifikanten Unterschied; bei tinnitusbedingten Schlafproblemen 46,7 % vs. 20,0 % gebessert | RCT (maßgeblich für THI) |
| 111 | Hurtuk et al. 2011, Ann Otol Rhinol Laryngol | 61 Erwachsene mit chronischem Tinnitus, 3 mg gegen Placebo je 30 Tage, Crossover | Tinnitus-Lautheit (Audiometrie) und Selbsteinschätzung stärker gesenkt als mit Placebo; THI nicht erhoben | RCT |
| 112 | Lopez-Gonzalez et al. 2007, J Otolaryngol | 120 Personen mit subjektivem Tinnitus, je 30 mit Sulpirid, 3 mg Melatonin, beidem oder Placebo, 1 Monat | Tinnitus-Wahrnehmung subjektiv um 40 % vs. 22 % mit Placebo verringert; kein Test Melatonin gegen Placebo berichtet | RCT |
| 113 | Menon et al. 2026, Laryngoscope Investig Otolaryngol | 9 RCTs, 390 Erwachsene, frei verkäufliche Mittel einschließlich Melatonin | uneinheitliche Ergebnisse, häufige Placeboeffekte; keine feste Schlussfolgerung möglich | Systematischer Review |
| 114 | Leung et al. 2025, Alzheimers Res Ther | 8 RCTs, 518 Erwachsene mit kognitiver Beeinträchtigung; MMSE in 7 Studien | MMSE MD 1,08 (0,56 bis 1,60); ADAS-Cog nicht signifikant; stärker bei 13 bis 24 Wochen Einnahme | Meta-Analyse |
| 115 | Jansen et al. 2006, Cochrane Database Syst Rev | 3 RCTs bei Demenz | gepoolte MMSE- und ADAS-Cog-Werte nicht signifikant; unzureichende Evidenz | Cochrane-Review (Gegenbefund) |
| 116 | Vajdi et al. 2024, Heliyon | Placebo-RCTs an Erwachsenen; nächtlicher Blutdruck in 5 Studien | nächtlicher systolischer Blutdruck nicht signifikant verändert | Meta-Analyse |
| 117 | Lee et al. 2022, J Clin Hypertens | nur Retard-Melatonin: 3 RCTs, 90 Personen mit Bluthochdruck | systolisch im Schlaf −4,67 mmHg (95 % KI −8,79 bis −0,55) laut Ergebnisteil; nur 1 Studie mit niedrigem Verzerrungsrisiko; keine Daten zu Herz-Kreislauf-Ereignissen | Meta-Analyse (nur Retard) |
| 118 | Hadi et al. 2019, Horm Metab Res | 5 RCTs (6 Arme) | systolisch −3,43 mmHg (95 % KI −5,76 bis −1,09), diastolisch −3,33 mmHg (−4,57 bis −2,08) | Meta-Analyse |
| 119 | Akbari et al. 2019, J Hum Hypertens | 8 RCTs, Menschen mit Stoffwechselerkrankungen | systolisch SMD −0,87 (95 % KI −1,36 bis −0,38), diastolisch SMD −0,85 (−1,20 bis −0,51); hohe Heterogenität (I² 84 bzw. 69 %) | Meta-Analyse (Teilgruppe) |
| 120 | Dias et al. 2026, Diabetes Res Clin Pract | Placebo-RCTs; HbA1c in 9 Studien | HbA1c signifikant gesenkt | Meta-Analyse |
| 121 | Lv et al. 2025, Front Endocrinol | 5 RCTs, 325 Personen mit Typ-2-Diabetes | HbA1c signifikant gesenkt | Meta-Analyse (Typ-2-Diabetes) |
| 122 | Hadi et al. 2026, Nutr Metab (Lond) | Placebo-RCTs an Erwachsenen; HbA1c in 7 Studien | HbA1c nicht signifikant verändert; Evidenz niedrig | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 123 | Abuhassan et al. 2026, Front Nutr | 10 Placebo-RCTs, Menschen mit chronischer Nierenerkrankung | LDL-Cholesterin nicht signifikant verändert; Evidenz moderat | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 124 | Ziaei et al. 2024, J Ovarian Res | 6 Placebo-RCTs, 1.006 Frauen mit PCOS | Blutfette nicht signifikant verändert | Meta-Analyse (PCOS) |
| 125 | Mohammadi-Sartang et al. 2018, Clin Nutr | 8 RCTs | LDL −2,37 mg/dl und HDL +1,28 mg/dl nicht signifikant; Triglyzeride −18,48 mg/dl (−35,33 bis −1,63) | Meta-Analyse |
| 126 | Loloei et al. 2019, Diabetes Metab Syndr | 12 Studien, 641 Personen, 0,8 bis 30 mg | LDL −0,31 mmol/l (95 % KI −0,61 bis 0,01; p = 0,049), Grenzfall | Meta-Analyse (Grenzfall) |
| 127 | Li et al. 2026, Diabetol Metab Syndr | 6 Placebo-RCTs, 172 Frauen mit Übergewicht | Körpergewicht nicht signifikant verändert | Meta-Analyse (Frauen mit Übergewicht) |
| 128 | Mostafavi et al. 2017, Curr Pharm Des | 7 kontrollierte Studien, 244 Personen, auch Kinder und Jugendliche | SMD 0,09 (95 % KI −0,17 bis 0,34), nicht signifikant | Meta-Analyse |
| 129 | Malekpour et al. 2023, Turk J Gastroenterol | 1 doppelblinde RCT, 78 Personen (72 ausgewertet), 3 mg sublingual plus 20 mg Omeprazol, 4 Wochen | Sodbrennen p = 0,04, Oberbauchschmerz p = 0,03, FSSG-Score p = 0,0001 zugunsten Melatonin; Lebensqualität besser; keine schweren Nebenwirkungen | RCT (maßgeblich) |
| 130 | Kandil et al. 2010, BMC Gastroenterol | 36 Personen in 4 Gruppen à 9 (Kontrolle, Melatonin, Omeprazol, beides), ohne Placebo | Melatonin allein oder mit Omeprazol besserte die Refluxkrankheit; Omeprazol allein wirksamer als Melatonin allein | kontrollierte Studie ohne Placebo |
| 131 | Martin et al. 2022, Clin Nutr ESPEN | 21 Studien zu Ernährung, Nährstoffen und Probiotika bei Reflux; Melatonin nur als Kombinationspräparat | nur Ingwer meta-analysierbar; für die übrigen 16 sehr unterschiedlichen Maßnahmen keine klinisch oder statistisch signifikanten Effekte | Systematische Übersicht (Begleitbefund) |
| 132 | Klupińska et al. 2007, J Clin Gastroenterol | 1 RCT, 60 Personen (19 bis 39 Jahre), 5 mg abends, 12 Wochen | vollständige Besserung 56,6 %, teilweise 30,0 % unter Melatonin; 93,3 % ohne Besserung unter Placebo | RCT (maßgeblich) |
| 133 | Mahdi et al. 2026, J Gastroenterol Hepatol | 7 placebokontrollierte RCTs, 391 Personen; 4 Parallelgruppen-Studien gepoolt, 3 Crossover-Studien beschrieben | Beschwerden SMD 0,59 (0,27 bis 0,92; p = 0,0003); Stuhlfrequenz SMD 0,42 (0,12 bis 0,72); Lebensqualität und Schlaf ohne signifikanten Unterschied | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 134 | Chen et al. 2023, J Formos Med Assoc | 4 RCTs, 115 Personen | Gesamtschwere g 0,746 (0,401 bis 1,091); Schmerz (p < 0,001) und Lebensqualität (p = 0,007) gebessert, Blähbauch und Schlaf nicht; Verträglichkeit wie Placebo | Meta-Analyse |
| 135 | Hemati et al. 2020, Complement Ther Clin Pract | 4 Studien (kontrolliert und unkontrolliert), 98 Personen | alle Studien mit positivem Effekt auf Fibromyalgie-Beschwerden; keine schweren Nebenwirkungen; hohe Heterogenität | Systematische Übersicht (maßgeblich) |
| 136 | de Zanette et al. 2014, BMC Pharmacol Toxicol | 1 RCT, 63 Frauen, 10 mg Melatonin, 25 mg Amitriptylin oder beides, 6 Wochen | Melatonin allein oder mit Amitriptylin senkte den Schmerz (VAS) stärker als Amitriptylin allein (p < 0,01) | RCT (gegen Amitriptylin) |
| 137 | Hussain et al. 2011, J Pineal Res | 1 doppelblinde Studie, 101 Personen, Fluoxetin, Melatonin 5 mg oder Kombination, 8 Wochen | Melatonin mit Fluoxetin senkte den FIQ-Score gegenüber dem Ausgangswert; Vergleich der Schmerzstärke zwischen den Gruppen im Abstract nicht berichtet | RCT (gegen Fluoxetin) |
| 138 | Abolhosseini et al. 2025, Pain | 19 Studien zu Schlafmaßnahmen bei Fibromyalgie | für Melatonin zu wenig Daten für eine Meta-Analyse | Systematische Übersicht (Begleitbefund) |
| 139 | Yu et al. 2025, Cochrane Database Syst Rev | 30 RCTs, 5.093 Erwachsene mit Krebs; nur 2 mit niedrigem Verzerrungsrisiko | gegen Placebo: Lebensqualität MD 2,60 (−14,53 bis 19,73; 1 Studie, 126 Pers.), sehr niedrige Evidenz; Autoren: keine Schlussfolgerung möglich | Cochrane-Review |
| 140 | Ginzac et al. 2025, BMC Geriatr | 1 Placebo-RCT, 123 Personen ab 70 Jahren mit fortgeschrittenem Krebs, 2 mg, 90 Tage | kein Unterschied im QLQ-C30-Gesamtwert; wegen Aussichtslosigkeit vorzeitig beendet | RCT |
| 141 | Del Fabbro et al. 2013, J Clin Oncol | 1 Placebo-RCT, 48 Personen mit fortgeschrittenem Krebs und Kachexie, 20 mg, 28 Tage | kein Unterschied bei Appetit, Gewicht, Lebensqualität oder Beschwerden; wegen Aussichtslosigkeit beendet | RCT |
| 142 | Panhwar et al. 2026, Integr Cancer Ther | Placebo-RCTs, Frauen mit Brustkrebs unter Strahlentherapie | globaler Gesundheitsstatus (QLQ-C30) MD 2,47, signifikant; Studienzahl für diesen Wert nicht angegeben | Meta-Analyse (Gegenbefund, Teilgruppe) |
| 143 | Wang et al. 2018, Onco Targets Ther | 20 Studien, Melatonin zusätzlich zur Krebstherapie, Kontrollen ohne Placebo | Überleben signifikant verbessert | Meta-Analyse (ohne Placebo) |
| 144 | Li et al. 2025, Clin Transl Oncol | 9 Placebo-RCTs, Personen mit Krebs | krebsbedingte Erschöpfung signifikant verringert | Meta-Analyse |
| 145 | Mukhopadhyay et al. 2024, Oncologist | 1 Placebo-RCT, 78 Frauen mit frühem Brustkrebs unter Strahlentherapie, 20 mg | Erschöpfung (FACIT-Fatigue) ohne Unterschied (p = 0,83) | Placebo-RCT (Gegenbefund) |
| 146 | Mejlhede et al. 2021, Gynecol Endocrinol | 7 RCTs, orales Melatonin während IVF | reife Eizellen +1,82 (0,37 bis 3,27); klinische Schwangerschaft und Lebendgeburt nicht signifikant | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 147 | Hu et al. 2020, Front Endocrinol | 10 RCTs; Lebendgeburt 3 RCTs | Lebendgeburt OR 1,38 (0,78 bis 2,46); klinische Schwangerschaft OR 1,43 (1,11 bis 1,86); jeweils niedrige Evidenz | Meta-Analyse |
| 148 | Tang et al. 2025, BMC Pregnancy Childbirth | 11 Studien, Lebendgeburt in 3 (291 Frauen); teils gegen Myoinositol plus Folsäure | Lebendgeburt RR 1,23 (0,85 bis 1,80); Schwangerschaft gegen Placebo/keine Behandlung RR 1,26 (0,97 bis 1,62) | Meta-Analyse |
| 149 | Fernando et al. 2018, Front Endocrinol | 1 Placebo-RCT, 160 Frauen im ersten IVF-Zyklus, 2 × 2, 4 oder 8 mg | Schwangerschaft 21,7 vs. 15,0 % (OR 1,57; 0,59 bis 4,14), Lebendgeburt ohne Unterschied | Placebo-RCT |
| 150 | Seko et al. 2014, Fertil Steril | 5 RCTs, 680 Frauen | klinische Schwangerschaft RR 1,21 (0,98 bis 1,50); keine Studie zu Lebendgeburt | Meta-Analyse |
| 151 | Jeong et al. 2024, JAMA Ophthalmol | retrospektive Kohortenstudie, je 4.580 gematchte Personen ab 50 Jahren | neue Makuladegeneration RR 0,42 (0,28 bis 0,62); Fortschreiten zur feuchten Form RR 0,44 (0,34 bis 0,56) | Beobachtungsstudie |
| 152 | Yi et al. 2005, Ann N Y Acad Sci | 100 Personen mit Makuladegeneration, 3 mg, ohne Kontrollgruppe; 55 über 6 Monate beobachtet | Sehschärfe nach 6 Monaten weitgehend stabil; Netzhautbefund überwiegend gebessert | Unkontrollierte Studie |
| 153 | Mohammadpour Fard et al. 2024, Clin Nutr ESPEN | 14 Placebo-RCTs, 823 Personen mit Diabetes | CRP signifikant gesenkt | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 154 | Bahreiny et al. 2026, Int J Prev Med | 8 Placebo-RCTs, Menschen mit Diabetes im Iran | CRP signifikant gesenkt | Meta-Analyse (Diabetes) |
| 155 | Cho et al. 2021, Brain Behav Immun | 31 placebokontrollierte Studien (randomisiert und nicht randomisiert), 1.517 Personen | CRP SMD −0,18 (−0,91 bis 0,55; p = 0,62); IL-1, IL-6, IL-8 und TNF gesenkt; TNF nach Ausreißer-Bereinigung nicht mehr signifikant | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 156 | Zarezadeh et al. 2020, Eur J Nutr | 13 Studien, 22 Datensätze, 749 Personen | CRP −0,45 mg/l (−0,94 bis 0,03; p = 0,06); TNF-α −2,24 pg/ml, IL-6 −30,25 pg/ml (I² 97 bzw. 99 %) | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 157 | Mansoori et al. 2020, Complement Ther Med | 5 RCTs, Fettleber | GGT −33,37 IU/l (−37,24 bis −29,49); ALP −8,40 IU/l; AST +2,29 IU/l (1,14 bis 3,43); ALT nicht signifikant | Meta-Analyse (Gegenbefund ALT) |
| 158 | Amstrup et al. 2015, J Pineal Res | 1 Placebo-RCT, 81 Frauen (56 bis 73 Jahre) mit Osteopenie, 1 oder 3 mg, 1 Jahr | Schenkelhals +1,4 % (p < 0,05), dosisabhängig (3 mg +2,3 %); übrige Messorte und Knochenumbaumarker unverändert | RCT (maßgeblich) |
| 159 | Jahan et al. 2025, J Pineal Res | 1 Pilot-RCT, Frauen nach den Wechseljahren mit Osteopenie, 5 mg mit oder ohne Belastungstraining, 1 Jahr | T-Werte zwischen den Gruppen ohne Unterschied; nur innerhalb der Gruppe Training plus Melatonin Anstieg an der Lendenwirbelsäule | Pilot-RCT |
| 160 | Kotlarczyk et al. 2012, J Pineal Res | 1 Placebo-RCT, 18 Frauen | Knochendichte nur per Fersen-Ultraschall gemessen, ohne Gruppenunterschied | Placebo-RCT |
| 161 | Bao et al. 2019, Int J Endocrinol | 3 RCTs, 121 Frauen, gegen Placebo oder Medikamente | Knochendichte wegen hoher Heterogenität nicht gepoolt; Osteocalcin +4,97 | Systematische Übersicht |
| 162 | Du et al. 2026, Front Nutr | Placebo-RCTs; Knochendichte in 2 Studien | Knochendichte wegen Heterogenität nicht gepoolt | Systematische Übersicht |
| 163 | Lemoine et al. 2011, Ther Clin Risk Manag | offene Anschlussstudie, 244 Erwachsene (20 bis 80 Jahre), 2 mg Retard, 6 bis 12 Monate, danach 2 Wochen Absetzphase | keine Gewöhnung, kein Rebound, keine Entzugssymptome, keine Unterdrückung der körpereigenen Melatoninbildung | Offene Langzeitstudie |
| 164 | Malow et al. 2021, J Am Acad Child Adolesc Psychiatry | offene Verlängerung, 80 Kinder und Jugendliche (2 bis 17,5 Jahre), 2 bis 10 mg Retard, bis 104 Wochen, dann 2 Wochen Placebo | keine Entzugseffekte; in der Placebo-Phase Schlaf schlechter als unter Behandlung, aber besser als zu Beginn | Offene Langzeitstudie (Kinder) |
| 165 | Bejarano et al. 2026, CNS Drugs | 1 Placebo-RCT, 8 Personen mit primär progredienter Multipler Sklerose, 300 mg täglich zusätzlich zu Ocrelizumab | nach 14 Monaten abgebrochen; erhöhte Leberwerte bei 3 von 4 Teilnehmenden mit Melatonin; ohne statistischen Test | RCT (extrem hohe Dosis) |
| 166 | Li et al. 2021, Horm Metab Res | 8 Placebo-RCTs, 376 Personen | Insulinresistenz (HOMA-IR) signifikant gebessert | Meta-Analyse |
| 167 | Kampmann et al. 2021, J Pineal Res | 1 Placebo-Crossover-RCT, 20 gesunde Männer, 4 × 10 mg an einem Tag | Insulinempfindlichkeitsindex am Melatonin-Tag gesenkt (p = 0,028); Glukose im Belastungstest unverändert | RCT (Gegenbefund, akut) |
| 168 | Lauritzen et al. 2021, Clin Endocrinol | placebokontrollierte RCTs, mindestens 2 Wochen tägliche Einnahme | Nüchternzucker g −0,07 (n = 603), nicht signifikant; Nüchterninsulin g −0,27 (n = 278); HbA1c g 0,14 (n = 142) | Meta-Analyse |
| 169 | Sadikova et al. 2025, Am J Epidemiol | Auswertung der US-Kohorte ABCD (Target-Trial-Emulation), beobachtend | kein Effekt der Melatonin-Einnahme auf den Pubertätsbeginn | Kohortenauswertung |
| 170 | Händel et al. 2023, EClinicalMedicine | systematische Übersicht zu Nebenwirkungen bei Kindern; zur Pubertät 4 Beobachtungsstudien mit 105 Kindern | eine Studie mit möglicher Pubertätsverzögerung nach mehr als 7 Jahren Einnahme | Systematische Übersicht |
| 171 | Zwart et al. 2018, Healthcare (Basel) | Online-Befragung junger Erwachsener nach Melatonin seit der Kindheit, im Mittel 7,1 Jahre; Rücklauf 47,8 % | Nebenwirkungen selten; selbst wahrgenommener Pubertätszeitpunkt mit Tendenz zu verspätet | Befragung (Gegenbefund) |
| 172 | Liu et al. 2024, Seizure | 10 RCTs, Melatonin zusätzlich zu Antiepileptika gegen Placebo | Anfallshäufigkeit im Abstract nicht berichtet; Anfallsschwere RR 0,33 (0,04 bis 0,62); Nebenwirkungen nur in einer Studie berichtet | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 173 | Brigo et al. 2016, Cochrane Database Syst Rev | 6 Studien, 125 Personen (106 unter 18 Jahren) | keine Meta-Analyse möglich; in 2 Studien mit genauen Zahlen keine Änderung der Anfallshäufigkeit; schlechte Studienqualität | Cochrane-Review |
| 174 | Thora et al. 2025, Bioinformation | offene kontrollierte Studie ohne Placebo, 404 Schwangere mit Schwangerschaftshochdruck oder Präeklampsie, 30 mg bis zur Geburt | Frühgeburten 50,3 vs. 48,9 % (p = 0,778); intrauteriner Tod 4,9 vs. 9,5 %, ohne Test | kontrollierte Studie ohne Placebo |
| 175 | Vine et al. 2022, Braz J Psychiatry | 15 Studien am Menschen (8 Schwangerschaft, 7 Stillzeit): Fallberichte, Kohorten, klinische Studien | keine randomisierten Studien zur Schlafbehandlung; Studien zu anderen Zwecken ohne größere Sicherheitsbedenken | Übersicht |
| 176 | Wilkinson et al. 2016, Cochrane Database Syst Rev | Cochrane-Review zu Melatonin in der Schwangerschaft zum Schutz des Ungeborenen | keine randomisierte Studie gefunden | Cochrane-Review |
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