Die kurze Antwort
In Studien wirkte Melatonin meist schon mit 0,5 bis 5 mg, mehr als etwa 4 mg verbesserte den Schlaf nicht weiter. Die EU erkennt an, dass 1 mg kurz vor dem Schlafengehen das Einschlafen beschleunigt, im Mittel um einige Minuten. Bei Jetlag reichte ein halbes Milligramm zur Schlafenszeit am Zielort. Ab 10 mg häuften sich Nebenwirkungen, und für eine Dauereinnahme über Jahre fehlen Daten.
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Kurz vor dem Zubettgehen steht die Packung auf dem Nachttisch, und die Zahl darauf ändert sich von Produkt zu Produkt, mal ist es ein Milligramm, mal sind es zehn. Welche ist richtig? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Stattdessen gibt es Studien mit sehr unterschiedlichen Mengen, eine von der EU anerkannte Wirkung und ein Arzneimittel mit klaren Regeln. Zusammen ergeben sie ein überraschend klares Bild, das vor allem eines zeigt: Bei Melatonin hilft viel nicht viel.
Welche Melatonin-Dosierung ist richtig?
Die passende Menge hängt vom Anlass ab, doch über wenige Milligramm hinaus wirkte Melatonin nicht stärker. Am genauesten hat das eine Auswertung von 26 Studien untersucht, die verfolgte, wie sich Einschlafzeit und Schlafdauer mit der Menge veränderten.1 Beide besserten sich mit steigender Dosis, allerdings nur bis etwa 4 mg am Tag, danach kam kein Gewinn mehr hinzu. Das klingt nach einer einfachen Regel. Doch ein Rezept für alle ist es nicht, denn Einschlafprobleme, Jetlag und eine verschobene innere Uhr folgen jeweils eigenen Regeln.
Dazu kommen zwei feste Marken, die eine Behörde und eine Zulassung setzen. Die EU-Lebensmittelbehörde hat bestätigt, dass 1 mg kurz vor dem Schlafengehen das Einschlafen verkürzt, und auf dieser Grundlage dürfen Produkte mit dieser Wirkung werben.5 Als Arzneimittel zugelassen ist in Deutschland dagegen eine Retardtablette, die ihren Wirkstoff langsam über die Nacht abgibt. Sie enthält 2 mg. Gedacht ist sie für Menschen ab 55 Jahren mit Schlaflosigkeit, und sie wird nur für begrenzte Zeit unter ärztlicher Kontrolle genommen.34
Genau dazwischen klafft eine Lücke. Manche frei verkäuflichen Nahrungsergänzungen enthalten pro Tagesportion so viel Melatonin wie das Arzneimittel oder sogar mehr, und das ganz ohne ärztliche Beratung.4 Wer zu einer Packung mit 5 oder 10 mg greift, nimmt also mehr, als Ärztinnen und Ärzte Menschen über 55 verordnen. Für Melatonin bei Kindern gelten ohnehin eigene Regeln, die ärztlich festgelegt werden sollten.
So wurde gemessen
- Dosis und Wirkung: 26 doppelblinde Studien mit 1.689 Beobachtungen, Menschen mit Schlaflosigkeit und Gesunde. Einschlafzeit und Gesamtschlafdauer verbesserten sich bis zu einem Höchstwert bei rund 4 mg täglich, eine frühere Einnahme verstärkte den Effekt.1
- EU-Gutachten 2011: Grundlage der Werbeaussage ist 1 mg kurz vor dem Schlafengehen; eine Bewertung der Sicherheit größerer Mengen ist damit nicht verbunden.5
- Arzneimittel: Zulassungsstudie mit 354 Menschen zwischen 55 und 80 Jahren, 2 mg retardiert zwei Stunden vor dem Zubettgehen, drei Wochen; Mitautoren vom Hersteller.3 Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt die Zulassung ab 55 Jahren, die begrenzte Einnahmedauer und Nahrungsergänzungen, deren Tagesmenge diese Dosis erreicht oder übersteigt.4
Melatonin 1 mg, 2 mg, 3 mg, 5 mg oder 10 mg: Welche Dosis passt?
Für die meisten Zwecke reicht eine niedrige Stärke völlig aus, weil größere Tabletten den Schlaf nicht weiter verbessern. Bis etwa 4 mg nahm die Wirkung in den Studien noch zu. Darüber blieb sie gleich.1 Beim Jetlag wirkten kleine und große Mengen sogar ähnlich gut, von einem halben bis zu fünf Milligramm.6 Dafür nehmen mit der Menge die Nebenwirkungen zu. In Studien mit zehn Milligramm und mehr nahmen Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel gegenüber einem Scheinpräparat, also einer Pille ohne Wirkstoff, zu.2
Hinzu kommt eine Unsicherheit, die mit der Forschung wenig zu tun hat: Was auf der Packung steht, stimmt bei Nahrungsergänzungen oft nicht. Als Fachleute in Kanada gut dreißig Präparate nachmaßen, lag der echte Gehalt teils weit unter, teils um ein Mehrfaches über der Angabe.7 Welche Rolle Spray, Gummibärchen oder Retardtablette dabei spielen, zeigt der Überblick über die Melatonin-Formen von Spray bis Tablette. Für die Wahl der Stärke folgt daraus vor allem, dass eine größere Tablette mehr Nebenwirkungen verspricht, aber keinen besseren Schlaf.
So wurde gemessen
- Jetlag: Cochrane-Review mit zehn Studien; Mengen zwischen 0,5 und 5 mg waren ähnlich wirksam.6
- Hohe Mengen: Auswertung von Studien mit mindestens 10 mg; in den vier methodisch besten Studien kamen Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel etwa 1,4-mal so oft vor wie unter Placebo.2
- Gehalt: 31 Präparate vom kanadischen Markt; Abweichung von −83 % bis +478 % gegenüber der Packungsangabe.7
Wie viel mg Melatonin zum Einschlafen?
Zum Einschlafen genügt nach den Studien schon eine kleine Menge um ein Milligramm, doch auch eine größere bringt nur wenige Minuten. Dass Melatonin als Einschlafhilfe das Einschlafen beschleunigt, ist gut belegt, denn mehrere große Auswertungen kommen übereinstimmend zu diesem Ergebnis.18 Das ist wenig. In einer Auswertung von 15 Studien schliefen die Teilnehmenden mit Melatonin im Mittel etwa sieben Minuten schneller ein als mit dem Scheinpräparat.8 Auch die Nacht verlängerte sich etwas, was ebenfalls gut belegt ist, bei Erwachsenen aber meist nur wenige Minuten ausmachte.
Gemischter fällt das Bild bei echter, lange bestehender Schlaflosigkeit aus. Hier verkürzt Melatonin das Einschlafen wahrscheinlich ein wenig, denn die maßgebliche Auswertung fand einen Vorteil, hielt ihn aber nur bei einer verschobenen inneren Uhr für wirklich bedeutsam.9 Eine neuere Auswertung sah bei Erwachsenen ohne andere Erkrankungen sogar keinen sicheren Gewinn.10 Mit einer höheren Dosis lässt sich daran wenig ändern, weil der Nutzen schon bei etwa 4 mg seine Grenze erreicht.1
Daraus ergibt sich eine nüchterne Rechnung. Melatonin kann das Einschlafen um einige Minuten verkürzen, ersetzt aber keine Ursachensuche, wenn die Nächte seit Wochen schlecht sind. In diesem Fall ist ein ärztliches Gespräch der sinnvollere nächste Schritt als eine stärkere Tablette.
So wurde gemessen
- Einschlafzeit: 19 Placebo-Studien mit 1.683 Erwachsenen und Kindern; die Zeit bis zum Einschlafen sank in 15 Studien um gut 7 Minuten, die Schlafdauer stieg in 13 Studien um gut 8 Minuten, bei objektiver Messung nicht sicher.8
- Schlaflosigkeit: Auswertung mit 12 Studien zur Insomnie; kürzere Einschlafzeit, nach Ansicht der Autoren nur bei verzögerter Schlafphase klinisch bedeutsam.9 24 Placebo-Studien zur chronischen Schlaflosigkeit: bei Erwachsenen ohne Begleiterkrankung keine signifikante Verbesserung.10
Wie schnell wirkt Melatonin, und wie lange wirkt es?
Schnell freisetzendes Melatonin erreicht nach knapp einer Stunde den höchsten Spiegel im Blut und verschwindet danach rasch. Das zeigt eine Übersicht über 22 Studien, die verfolgten, wie der Körper den Stoff aufnimmt und wieder ausscheidet.11 Im Mittel dauerte es rund 50 Minuten bis zum Gipfel, und schon nach einer Dreiviertelstunde war die Hälfte wieder verschwunden. Dabei kommt nur ein kleiner Teil überhaupt im Blut an. Im Schnitt ist es etwa ein Siebtel.
Damit ist die Wirkdauer vor allem eine Frage der Form. Eine Retardtablette gibt den Wirkstoff über Stunden ab, sodass der Spiegel länger auf einer Art Plateau bleibt, während ein Spray schneller und steiler ansteigt.12 Doch für viele zählt etwas anderes: der Morgen danach. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung kann die Müdigkeit bis in den nächsten Tag reichen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.4 In den Schlafstudien klagten allerdings weniger als zwei von hundert Teilnehmenden über Müdigkeit am Tag.13
Wer sich am Morgen nach der Einnahme benommen fühlt, sollte deshalb nicht Auto fahren. Das betrifft wenige, aber es betrifft sie im Straßenverkehr. Bei kleinen Mengen ist dieses Risiko gering, ganz verschwunden ist es nicht.
So wurde gemessen
- Aufnahme und Abbau: 22 Studien mit Mengen von 0,3 bis 100 mg; bei schnell freisetzenden Tabletten höchster Spiegel nach rund 50 Minuten, Halbwertszeit etwa 45 Minuten, vom Geschluckten erreichen 9 bis 33 % das Blut, im Mittel etwa 15 %. Alter, Koffein, Rauchen, die Pille und Fluvoxamin veränderten diese Werte.11
- Spray gegen Retardtablette: 14 gesunde Männer, offen und ohne Placebo; Spray mit 1 mg Gipfel nach 23 Minuten, Retardtablette mit 1,9 mg nach 64 Minuten, danach Plateau; Autoren beim Hersteller.12
- Tagesmüdigkeit: in 37 Placebo-Studien bei 1,66 % der Teilnehmenden.13
Wann sollte man Melatonin einnehmen?
Bei gewöhnlichen Einschlafproblemen wird Melatonin kurz vor dem Schlafengehen oder etwas früher genommen. Unter genau dieser Bedingung hat die EU die Wirkung auf das Einschlafen anerkannt.5 Die Dosisauswertung deutet allerdings darauf hin, dass eine etwas frühere Einnahme mehr bewirkt, und in der Zulassungsstudie wurde die Retardtablette zwei Stunden vor dem Zubettgehen genommen.13
Anders liegt der Fall, wenn die innere Uhr verschoben ist. Bei der sogenannten verzögerten Schlafphase können Betroffene erst tief in der Nacht einschlafen, und hier zieht Melatonin den Rhythmus wahrscheinlich nach vorn.14 Dabei entschied der Zeitpunkt. In der größten Studie nahmen Erwachsene ein halbes Milligramm eine Stunde vor ihrer Wunsch-Bettzeit, hielten zugleich feste Schlafenszeiten ein und schliefen danach etwa eine halbe Stunde früher ein.15
Auch Schichtarbeit folgt eigenen Regeln. Dort wurde Melatonin nach der Nachtschicht genommen, und der Tagschlaf verlängerte sich damit wahrscheinlich um gut zwanzig Minuten, wobei höhere Mengen keinen Zusatznutzen brachten.16 Wann man Melatonin einnehmen sollte, lässt sich also nur mit Blick auf das Problem beantworten, das es lösen soll.
So wurde gemessen
- Verzögerte Schlafphase: 9 Placebo-Studien mit 317 Menschen; Einschlafen 0,67 Stunden früher, Beginn der körpereigenen Melatoninbildung 1,18 Stunden früher, Aufwachzeit unverändert.14 Größte Einzelstudie: 116 Erwachsene, 0,5 mg eine Stunde vor der gewünschten Bettzeit plus feste Bettzeiten, vier Wochen, Einschlafen 34 Minuten früher.15
- Schichtarbeit: Cochrane-Review; 7 Studien mit 263 Personen, 1 bis 10 mg nach der Nachtschicht; Tagschlaf 24 Minuten länger, Einschlafzeit unverändert, kein Unterschied zwischen den Mengen, niedrige Vertrauenswürdigkeit.16
Welche Dosierung bei Jetlag?
Gegen Jetlag ist Melatonin gut belegt, und schon ein halbes Milligramm reichte aus. Die EU-Lebensmittelbehörde hat die Linderung für mindestens diese Menge bestätigt, genommen kurz vor dem Schlafengehen am ersten Reisetag und an den folgenden Tagen.17 Maßgeblich ist die Ortszeit am Zielort, denn gewirkt hat Melatonin vor allem zur dortigen Schlafenszeit. In neun von zehn Studien eines Cochrane-Reviews ging der Jetlag damit zurück, und kleine Mengen wirkten etwa so gut wie fünf Milligramm.6
Doch die größte Einzelstudie fand keinen Vorteil. Darin flogen 257 Ärztinnen und Ärzte von New York zurück nach Oslo, und weder ein halbes noch fünf Milligramm linderten ihre Beschwerden besser als das Scheinpräparat.18 Auffällig ist außerdem, dass die Retardtablette beim Jetlag vergleichsweise schlecht abschnitt.6 Für Flüge über viele Zeitzonen ist deshalb schnell freisetzendes Melatonin in kleiner Menge zur neuen Schlafenszeit die Variante, die in den Studien am besten abschnitt.
So wurde gemessen
- Cochrane 2002: 10 Studien mit Flugreisenden, Flugpersonal und Militär; in 9 davon weniger Jetlag bei Einnahme zur Schlafenszeit am Zielort; 0,5 bis 5 mg ähnlich wirksam, 2 mg retardiert relativ unwirksam.6
- EU-Gutachten 2010: mindestens 0,5 mg kurz vor dem Schlafengehen am ersten Reisetag und an den Tagen danach.17
- Gegenbefund: 257 Ärztinnen und Ärzte, Flug über 6 Zeitzonen nach Osten, 0,5 oder 5 mg ohne Unterschied zu Placebo.18
Höchstdosis: Wie viel Melatonin darf man maximal nehmen?
Eine feste Höchstmenge nennen die hier ausgewerteten Quellen nicht, doch mehr als einige Milligramm bringen keinen Vorteil. Für den Schlaf endet der Nutzen in der Dosisauswertung bei etwa 4 mg.1 Darüber wächst nur noch das Risiko. Eine Auswertung von Studien mit mindestens 10 mg fand in den methodisch besten Arbeiten mehr Schläfrigkeit, Kopfschmerz und Schwindel als unter Scheinpräparat, schwere Nebenwirkungen dagegen nicht, nennt dafür aber nur ein Verhältnis und keine absoluten Zahlen.2
Selbst sehr große Mengen führten selten zu Ernstem. Menschen nach einer Lungenkrebs-Operation nahmen ein Jahr lang täglich 20 mg, ohne dass sie mehr oder schwerere Nebenwirkungen hatten als die Vergleichsgruppe.19 Eine winzige Studie mit der extremen Menge von 300 mg am Tag wurde dagegen abgebrochen, nachdem bei drei von vier Teilnehmenden die Leberwerte gestiegen waren.20 Das sind keine Mengen für den Nachttisch. Was über Überdosis und Nebenwirkungen von Melatonin bekannt ist, betrifft im Alltag vor allem Müdigkeit, Kopfschmerz und Schwindel.
So wurde gemessen
- Hohe Mengen: 79 Studien mit 3.861 Personen und mindestens 10 mg; Meta-Analyse nur über 4 Studien mit niedrigem Verzerrungsrisiko: Nebenwirkungen RR 1,40, schwere Nebenwirkungen RR 0,88, also nicht erhöht.2
- 20 mg über ein Jahr: 709 Personen nach einer Lungenkrebs-Operation; Zahl und Schwere der Nebenwirkungen wie unter Placebo.19
- 300 mg: 8 Personen mit Multipler Sklerose, nach 14 Monaten abgebrochen, ohne statistischen Test.20
Kann man Melatonin dauerhaft einnehmen?
Ob eine Einnahme über viele Monate oder Jahre schadet, ist ungeklärt, weil lange Studien fehlen. Die längsten Placebo-Studien liefen höchstens ein Jahr. Als darin knapp 800 Erwachsene ein halbes Jahr lang die Retardtablette nahmen, hatten 2,8 gegenüber 5,1 Prozent unter Placebo schwere Zwischenfälle.21 Auch ein Jahr mit einer hohen Tagesmenge brachte nicht mehr Nebenwirkungen als Placebo.19 Für eine mehrjährige Einnahme frei verkäuflicher Präparate gibt es dagegen keine kontrollierten Daten. Deshalb rät das Bundesinstitut für Risikobewertung auch Gesunden von einer unkontrollierten Dauereinnahme ab.4
Anders steht es mit der Angst vor Abhängigkeit. In drei Placebo-Studien mit zusammen rund tausend Erwachsenen zeigte sich nach dem Absetzen weder eine Abhängigkeit noch ein Rückfall in schlechteren Schlaf als vor der Behandlung, bisher wurde also kein Schaden gefunden.212223 Auch eine Gewöhnung, bei der die Wirkung mit der Zeit nachlässt, trat über sechs Monate nicht auf, und die körpereigene Melatoninbildung war nach bis zu einem Jahr Einnahme nicht gedrosselt.2124 Allerdings stammen fast alle diese Studien vom Hersteller des Retardpräparats.
Gerade weil selbst das Arzneimittel nur zeitlich begrenzt verordnet wird, passt eine Dauereinnahme ohne ärztliche Begleitung schlecht zur Studienlage.4 Wer nach Wochen noch jeden Abend Melatonin braucht, sollte die Ursache der Schlafprobleme ärztlich abklären lassen. Das gilt erst recht, wenn weitere Medikamente im Spiel sind: Das Antidepressivum Fluvoxamin etwa ließ den Melatoninspiegel im Blut auf ein Vielfaches steigen, weshalb sich vor allem beim Kombinieren von Melatonin mit Medikamenten ein ärztliches Gespräch lohnt.25
So wurde gemessen
- Sechs Monate: 791 Erwachsene, 2 mg retardiert; schwere unerwünschte Ereignisse 2,8 gegen 5,1 % unter Placebo, ohne formalen Test; keine Entzugszeichen beim Absetzen; herstellerfinanziert.21
- Ein Jahr: 709 Personen, 20 mg; Nebenwirkungen wie unter Placebo.19
- Absetzen: 170 Menschen ab 55 Jahren nach drei Wochen22 und 40 ältere Menschen23, jeweils ohne Rückfall in schlechteren Schlaf.
- Offene Anschlussstudie: 244 Erwachsene, 6 bis 12 Monate, danach zwei Wochen Pause; keine Gewöhnung, eigene Melatoninbildung nicht unterdrückt.24
Unsere Einordnung
Melatonin wirkt in kleinen Mengen, und mehr als etwa 4 mg verbessert den Schlaf nicht weiter. Für Jetlag und eine verschobene innere Uhr ist der Zeitpunkt wichtiger als die Dosis. Hohe Mengen bringen vor allem mehr Nebenwirkungen, und ob eine jahrelange Einnahme unbedenklich ist, weiß niemand.
Häufige Fragen
Was bewirkt Melatonin 5 mg?
Fünf Milligramm liegen im oberen Bereich dessen, was die Schlafstudien meist geprüft haben. Mehr Wirkung als etwa 4 mg brachte die Menge in der großen Dosisauswertung nicht.1 Das ist mehr als die Dosis des in Deutschland zugelassenen Arzneimittels.
Ist Melatonin hochdosiert besser?
Nach den Studien nicht. Der Schlaf besserte sich nur bis etwa 4 mg, während Mengen ab 10 mg häufiger Müdigkeit, Kopfschmerz und Schwindel brachten.12
Ist Melatonin 10 mg zu viel?
Für den Schlaf ist es mehr als nötig. In Studien mit mindestens 10 mg traten leichte Nebenwirkungen häufiger auf als mit Scheinpräparat, schwere aber nicht.2 Eine solche Menge sollte nur nach ärztlicher Rücksprache genommen werden.
Was gilt für Melatonin 2 mg?
Zwei Milligramm in Retardform sind die Dosis des in Deutschland zugelassenen Arzneimittels für Menschen ab 55 Jahren mit Schlaflosigkeit.34 Es wird ärztlich verordnet und zeitlich begrenzt eingenommen.
Welche Melatonin-Dosierung gilt für Erwachsene?
Eine einzige richtige Menge gibt es nicht. Die meisten Studien mit Erwachsenen lagen zwischen einem halben und fünf Milligramm, und der Nutzen wuchs nur bis etwa 4 mg.1 Für Kinder gelten eigene Regeln, die ärztlich festgelegt werden sollten.
Weiterlesen




Alle Themen zu Melatonin
Alle 25 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Cruz-Sanabria et al. 2024, J Pineal Res | 26 doppelblinde RCTs, 1.689 Beobachtungen | Einschlafzeit und Schlafdauer dosisabhängig besser bis etwa 4 mg/Tag; frühere Einnahme mit größerem Effekt | Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse |
| 2 | Menczel Schrire et al. 2022, J Pineal Res | 79 RCTs mit mindestens 10 mg, Meta-Analyse über 4 Studien | Nebenwirkungen RR 1,40; schwere Nebenwirkungen RR 0,88 | Meta-Analyse (hohe Dosen) |
| 3 | Wade et al. 2007, Curr Med Res Opin | 1 Placebo-RCT, 354 Personen von 55 bis 80 Jahren, 2 mg retardiert, 3 Wochen | Ansprechrate 26 vs. 15 %; Mitautoren vom Hersteller | RCT |
| 4 | BfR 2024, BfR-Stellungnahme 038/2024 | Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung | Arzneimittel ab 55 Jahren, zeitlich begrenzt; manche Nahrungsergänzungen erreichen die Arzneimitteldosis; Müdigkeit bis in den Folgetag möglich | Behördenstellungnahme |
| 5 | EFSA 2011, EFSA Journal | Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit | 1 mg kurz vor dem Schlafengehen verkürzt die Einschlafzeit; keine Sicherheitsbewertung höherer Mengen | Behördengutachten |
| 6 | Herxheimer & Petrie 2002, Cochrane Database Syst Rev | 10 Placebo-RCTs mit Flugreisenden, Flugpersonal oder Militär | 9 von 10 Studien mit weniger Jetlag; 0,5 bis 5 mg ähnlich; 2 mg retardiert relativ unwirksam | Cochrane-Review |
| 7 | Erland & Saxena 2017, J Clin Sleep Med | 31 Melatonin-Präparate vom kanadischen Markt | Gehalt −83 bis +478 % der Angabe; 8 Präparate mit Serotonin | Produktanalyse |
| 8 | Ferracioli-Oda et al. 2013, PLoS One | 19 Placebo-RCTs, 1.683 Personen mit primären Schlafstörungen | Einschlafzeit −7,06 min, Schlafdauer +8,25 min (Fixed-Effects); kein Nachlassen bei fortgesetzter Einnahme | Meta-Analyse |
| 9 | Buscemi et al. 2005, J Gen Intern Med | Placebo-RCTs zu primären Schlafstörungen, davon 12 zur Insomnie | Einschlafzeit kürzer, klinisch bedeutsam laut Autoren nur bei verzögerter Schlafphase | Meta-Analyse |
| 10 | Choi et al. 2022, Sleep Med Rev | 24 Placebo-RCTs zu chronischer Schlaflosigkeit | Erwachsene ohne Begleiterkrankung ohne sichere Besserung | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 11 | Harpsøe et al. 2015, Eur J Clin Pharmacol | systematische Übersicht, 22 Studien zur Pharmakokinetik | Tmax etwa 50 min (schnell freisetzend), Halbwertszeit 45 min, Bioverfügbarkeit etwa 15 % | Systematische Übersicht |
| 12 | Ait Abdellah et al. 2023, Drugs R D | offene Crossover-Studie, 14 gesunde Männer, Spray 1 mg gegen Retardtablette 1,9 mg | Spitzenspiegel nach 23 vs. 64 min, Retard mit Plateau; Autoren beim Hersteller | Pharmakokinetik-Studie |
| 13 | Besag et al. 2019, CNS Drugs | 37 Placebo-RCTs bei Schlafstörungen | Tagesmüdigkeit 1,66 %, Kopfschmerz und Schwindel je 0,74 % | Systematische Übersicht |
| 14 | van Geijlswijk et al. 2010, Sleep | 9 Placebo-RCTs, 317 Personen mit verzögerter Schlafphase | Einschlafuhrzeit 0,67 h früher, Einschlafzeit −23 min | Meta-Analyse |
| 15 | Sletten et al. 2018, PLoS Med | 1 Placebo-RCT, 116 Erwachsene mit verzögerter Schlafphase, 0,5 mg | 34 Minuten früher eingeschlafen | RCT |
| 16 | Liira et al. 2014, Cochrane Database Syst Rev | Placebo-RCTs mit Schichtarbeitenden, 1 bis 10 mg | Tagschlaf +24 min (7 Studien, 263 Personen), kein Dosis-Effekt, niedrige Evidenz | Cochrane-Review |
| 17 | EFSA 2010, EFSA Journal | Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit | mindestens 0,5 mg kurz vor dem Schlafengehen lindert Jetlag | Behördengutachten |
| 18 | Spitzer et al. 1999, Am J Psychiatry | 1 Placebo-RCT, 257 Ärztinnen und Ärzte nach Flug New York–Oslo | 0,5 und 5 mg ohne Unterschied zu Placebo | RCT (Gegenbefund) |
| 19 | Seely et al. 2021, EClinicalMedicine | 1 Placebo-RCT, 709 Personen nach Lungenkrebs-OP, 20 mg, 1 Jahr | Nebenwirkungen nach Zahl und Schwere wie Placebo | Langzeit-RCT |
| 20 | Bejarano et al. 2026, CNS Drugs | 1 Placebo-RCT, 8 Personen mit Multipler Sklerose, 300 mg täglich | nach 14 Monaten abgebrochen, Leberwerte bei 3 von 4 erhöht | RCT (extreme Dosis) |
| 21 | Wade et al. 2010, BMC Med | 1 Placebo-RCT, 791 Erwachsene von 18 bis 80 Jahren, 2 mg retardiert, bis 6 Monate | bei Älteren schnelleres Einschlafen, keine Gewöhnung, keine Entzugszeichen; herstellerfinanziert | Langzeit-RCT |
| 22 | Lemoine et al. 2007, J Sleep Res | 1 Placebo-RCT, 170 Personen ab 55 Jahren, 2 mg retardiert, 3 Wochen | bessere Schlafqualität, kein Rebound nach dem Absetzen | RCT |
| 23 | Luthringer et al. 2009, Int Clin Psychopharmacol | 1 Placebo-RCT, 40 ältere Menschen, 2 mg retardiert | keine Entzugs- oder Rebound-Effekte | RCT |
| 24 | Lemoine et al. 2011, Ther Clin Risk Manag | offene Anschlussstudie, 244 Erwachsene, 6 bis 12 Monate | keine Gewöhnung, kein Rebound, körpereigene Bildung nicht unterdrückt | Offene Langzeitstudie |
| 25 | Härtter et al. 2000, Clin Pharmacol Ther | Crossover-Studie, 5 gesunde Männer, 5 mg Melatonin mit und ohne 50 mg Fluvoxamin | Melatoninmenge im Blut 17-fach, Spitzenwert 12-fach höher | Pharmakokinetik-Studie |
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