Die kurze Antwort
Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft verhindert Neuralrohrdefekte wie den offenen Rücken, das ist gut belegt. Empfohlen sind 400 µg täglich, begonnen mindestens vier Wochen vor der Empfängnis und fortgesetzt bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Ob Folsäure auch Herzfehler, Spalten oder Präeklampsie verhindert, ist unklar. Fehlgeburten und Frühgeburten verhindert sie eher nicht.
Auf dieser Seite 8 Abschnitte
- Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig?
- Warum Folsäure schon bei Kinderwunsch?
- Wie viel Folsäure bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft?
- Ab wann Folsäure vor der Schwangerschaft, und wie lange?
- Schützt Folsäure vor Herzfehlern, Fehlgeburt und Frühgeburt?
- Hilft Folsäure beim Schwangerwerden?
- Folsäure in der Stillzeit?
- Kann zu viel Folsäure in der Schwangerschaft schaden?
Der Schwangerschaftstest ist positiv, und in vielen Praxen gehört eine der ersten Fragen der Folsäure. Dahinter steht eine der großen Erfolgsgeschichten der Ernährungsmedizin. Folsäure verhindert schwere Fehlbildungen des Rückenmarks und Gehirns, und das ist so gründlich geprüft wie kaum ein anderer Nutzen eines Vitamins. Doch der gute Ruf hat sich längst auf Fragen ausgedehnt, für die das nicht gilt, von Fehlgeburten bis zur Fruchtbarkeit des Mannes. Dazu kommt ein Problem mit der Zeit: Der entscheidende Moment liegt oft in Wochen, in denen noch niemand von der Schwangerschaft weiß.
Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig?
Folsäure schützt das Kind vor Neuralrohrdefekten, und dieser Schutz ist gut belegt. Das Neuralrohr ist die Anlage, aus der Gehirn und Rückenmark entstehen. Schließt es sich nicht vollständig, kommt das Kind mit einem offenen Rücken (Spina bifida) zur Welt oder, im schlimmsten Fall, mit einem nicht angelegten Gehirn. Das passiert im ersten Monat der Schwangerschaft,1 und genau dann braucht der Embryo für die rasche Zellteilung viel Folat.
Den Beweis lieferten Studien aus den frühen Neunzigerjahren. In Großbritannien bekamen Frauen, die schon ein betroffenes Kind hatten, vor einer neuen Schwangerschaft hoch dosierte Folsäure oder andere Vitamine. Mit Folsäure kam es nur noch bei einem Bruchteil zu einem erneuten Neuralrohrdefekt, die anderen Vitamine halfen nicht.2 Das Ergebnis war eindeutig. Kurz darauf zeigte eine Studie in Ungarn mit über 4.000 Schwangerschaften dasselbe für Frauen ohne Vorgeschichte: Mit einem Multivitamin samt Folsäure trat kein einziger Fall auf, ohne es sechs.3
Fasst man alle Placebo-Studien zusammen, sinkt das Risiko um rund zwei Drittel.4 Die Cochrane-Auswertung, eine besonders gründliche Zusammenfassung, bewertet die Qualität dieser Daten als hoch. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Frauen Folsäure allein oder in einem Kombipräparat nahmen, solange die Menge bei mindestens 400 µg lag. Daraus entstand die Empfehlung, die heute in vielen Ländern gilt, und daraus entstand auch die Anreicherung von Mehl mit Folsäure, die in mehreren Ländern die Zahl der Fälle senkte.1
So wurde gemessen
- Cochrane-Review: 5 randomisierte Studien mit 7.391 Frauen, Neuralrohrdefekte RR 0,31 (0,17 bis 0,58), hohe Evidenzqualität; Wiederholung nach einer betroffenen Schwangerschaft RR 0,34 in 4 Studien.4
- Britische Studie: 1.817 Frauen nach einer betroffenen Schwangerschaft, 4 mg Folsäure täglich, RR 0,28 (0,12 bis 0,71).2
- Ungarische Studie: 4.156 Schwangerschaften, Multivitamin mit 0,8 mg Folsäure gegen ein Spurenelement-Präparat, 0 gegen 6 Fälle.3
- Sammelauswertung von Meta-Analysen: Randomisierte Studien gepoolt 0,43 (0,32 bis 0,54).5
Warum Folsäure schon bei Kinderwunsch?
Weil der Schutz vor der Empfängnis beginnen muss, sonst kommt er zu spät. Das Neuralrohr schließt sich etwa am 28. Tag nach der Befruchtung.6 Viele Frauen wissen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, dass sie schwanger sind, und beginnen mit der Folsäure erst nach dem positiven Test. Dann hat sich das Neuralrohr meist schon geschlossen, mit oder ohne genügend Folat. Der Zeitpunkt entscheidet.
Hinzu kommt, dass sich der Folatspeicher im Körper nur langsam füllt. In einer Bonner Studie stieg das Folat in den roten Blutkörperchen, ein Maß für die Vorräte der letzten Monate, über ein halbes Jahr hinweg weiter an, ohne ein Plateau zu erreichen.7 Die Forschenden folgerten, dass vier Wochen Vorlauf eher knapp bemessen sind. Eine Modellrechnung mit Daten aus China zeigt, warum das zählt: Das Risiko sank am deutlichsten, wenn dieser Speicherwert zum Zeitpunkt des Neuralrohrschlusses hoch lag.6
Wer eine Schwangerschaft plant oder nicht ausschließen kann, sollte deshalb nicht warten. Das gilt besonders, weil ein großer Teil der Schwangerschaften nicht auf den Tag genau geplant ist. Mit Essen allein ist die Menge schwer zu erreichen, auch wenn Lebensmittel mit viel Folsäure einen guten Grundstock legen.
Wie viel Folsäure bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft?
Empfohlen sind 400 µg Folsäure am Tag zusätzlich zur Nahrung, für Frauen ohne besonderes Risiko.7 Die US-Präventionsbehörde nennt eine Spanne von 400 bis 800 µg und sieht den Nutzen als gesichert an.8 In den Studien wirkte schon die untere Menge, mehr brachte für den Schutz vor Neuralrohrdefekten keinen erkennbaren Vorteil.4
Anders liegt der Fall bei Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt hatten. Für sie stammt der Beleg aus der britischen Studie mit 4 mg täglich,2 also dem Zehnfachen der üblichen Menge. Auch manche Erkrankungen und Medikamente, etwa bestimmte Mittel gegen Epilepsie, können eine höhere Dosis nötig machen. Solche Mengen liegen über der Obergrenze der EU-Lebensmittelbehörde von 1 mg am Tag, die ausdrücklich auch für Schwangere gilt.9 Sie gehören deshalb in ärztliche Hand, und welche Folsäure-Dosierung im Einzelfall passt, hängt von der Vorgeschichte, den Medikamenten und den Blutwerten ab.
Bei der Form ist die Lage eindeutiger, als die Werbung vermuten lässt. Den Schutz vor Neuralrohrdefekten hat nur synthetische Folsäure in Studien gezeigt, für Methylfolat fehlt dieser Nachweis.10 Dass Methylfolat den Folatspiegel ähnlich anhebt, in der Bonner Studie beim Speicherwert sogar etwas stärker,7 ändert daran nichts, solange niemand gezählt hat, ob es auch die Fehlbildungen verhindert. Wer zwischen Folsäure, Folat und Methylfolat wählt, sollte für die Schwangerschaft also wissen, dass nur eine dieser Formen am eigentlichen Ziel gemessen wurde. Das ist ein klarer Vorteil.
Ab wann Folsäure vor der Schwangerschaft, und wie lange?
Der Rat lautet: mindestens vier Wochen vor der Empfängnis beginnen und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels weitermachen.7 Danach ist das Neuralrohr längst geschlossen. Die Menge, die die Nahrung liefert, reicht in der übrigen Schwangerschaft für die meisten Frauen, sofern sie abwechslungsreich essen und kein Mangel vorliegt.
Dass manche Präparate Folsäure bis zur Geburt enthalten, ist kein Problem, solange die Tagesmenge die Obergrenze nicht übersteigt. Denn sonderlich mehr Schutz bringt die Fortsetzung nach den bisherigen Studien nicht. Ob Folsäure im zweiten und dritten Drittel die geistige Entwicklung des Kindes fördert, ist unklar: In der einzigen Studie dazu schnitten Kinder der Folsäure-Gruppe mit sieben Jahren in einzelnen Sprachtests etwas besser ab, nachuntersucht wurden aber nur rund 70 Kinder.11
Was tun, wenn man ungeplant schwanger ist und keine Folsäure genommen hat?
Dann empfiehlt es sich, sofort mit der Folsäure zu beginnen, ohne in Panik zu geraten. Das allermeiste spricht dafür, dass das Kind gesund ist, denn Neuralrohrdefekte sind auch ohne Folsäure selten. In der ungarischen Studie traten sie selbst in der Gruppe ohne Folsäure nur bei sechs von rund 2.000 Schwangerschaften auf.3 Folsäure senkt dieses ohnehin kleine Risiko weiter. Allein entscheidet sie nicht.
Liegt die Empfängnis erst kurz zurück, kann die Einnahme sogar noch rechtzeitig kommen. Schließlich schließt sich das Neuralrohr erst gegen Ende des ersten Monats.6 Auf Neuralrohrdefekte achten außerdem die Ultraschalluntersuchungen der Vorsorge. Bei Unsicherheit lohnt es sich, das beim ersten Termin in der Frauenarztpraxis anzusprechen.
Schützt Folsäure vor Herzfehlern, Fehlgeburt und Frühgeburt?
Für diese Hoffnungen sieht die Lage deutlich schwächer aus als beim offenen Rücken. Fehlgeburten verhindert Folsäure nach den Placebo-Studien eher nicht, denn sie kamen mit und ohne Folsäure etwa gleich häufig vor.4 Eine neue Auswertung fand zwar mit 4 mg weniger Fehlgeburten als mit der üblichen Menge, aber nur unter den Frauen, die schwanger wurden, und nicht, wenn alle Teilnehmerinnen zählten.12 Auch Methylfolat war bei wiederholten Fehlgeburten nicht besser als Folsäure.13
Frühgeburten verhindert Folsäure ebenfalls eher nicht. In fünf Placebo-Studien mit über 5.000 Schwangeren kam etwa jedes fünfte Kind zu früh, mit und ohne Folsäure.14 Nur Beobachtungsstudien deuten auf einen Vorteil hin.15 Doch Frauen, die Folsäure nehmen, leben oft auch sonst gesundheitsbewusster, und das allein kann solche Unterschiede erklären. Mehr zeigen die Daten nicht.
Unklar ist der Nutzen bei Herzfehlern und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. In den Placebo-Studien gab es zwar weniger Herzfehler, aber zu wenige Fälle für ein sicheres Ergebnis,4 und die Beobachtungsstudien widersprechen sich stark.1617 Ähnlich ist es beim Geburtsgewicht. Die Cochrane-Auswertung fand im Mittel gut 130 Gramm mehr,18 eine spätere Auswertung keinen sicheren Unterschied.14 Dagegen ist die Frage, ob seltener zu kleine Kinder geboren werden, in kontrollierten Studien nicht untersucht, es gibt nur Beobachtungsdaten.19
Bei der Präeklampsie, einer ernsten Bluthochdruck-Erkrankung in der Schwangerschaft, ist der Nutzen ebenfalls unklar. Die einzige große Placebo-Studie gab über 2.000 Schwangeren mit erhöhtem Risiko hoch dosierte Folsäure und fand keinen Schutz.20 Auch die Frage nach Autismus ist in kontrollierten Studien nicht untersucht. Kinder von Frauen mit Folsäure hatten in Beobachtungsstudien zwar seltener Autismus,21 doch beweisen lässt sich damit keine Ursache. Für ADHS gilt dasselbe: Auch hier ist der Schutz in kontrollierten Studien nicht untersucht, und eine Übersicht über 23 Auswertungen von Beobachtungsstudien fand nur etwas seltener ADHS, gestützt überwiegend auf Arbeiten von sehr niedriger Qualität.31
So wurde gemessen
- Fehlgeburt: Cochrane-Review, RR 1,10 (0,94 bis 1,28);4 4 mg gegen Standarddosis in 3 Studien: unter Schwangeren RR 0,73, über alle Teilnehmerinnen RR 0,79 (0,61 bis 1,04).12
- Frühgeburt: 5 Studien mit 5.332 Schwangeren, 22,6 gegen 22,9 %.14
- Herzfehler: RR 0,57 (0,24 bis 1,33), geringe Evidenzqualität.4 Beobachtungsstudien OR 0,82, sehr uneinheitlich.16 Spalten in Beobachtungsstudien OR 0,60.17
- Geburtsgewicht: +136 g in der Cochrane-Auswertung,18 +86 g ohne gesicherten Unterschied in 5 Studien.14
- Präeklampsie: 2.301 Schwangere, 4 mg ab der 8. bis 16. Woche, 14,8 gegen 13,5 %.20
- Autismus: 10 Beobachtungsstudien, OR 0,57.21
- ADHS: Übersicht über 23 Auswertungen von Beobachtungsstudien, OR 0,86 (0,78 bis 0,95), Verhaltensprobleme 0,75; kein Zusammenhang mit Motorik, Denkleistung oder Sprache.31
Hilft Folsäure beim Schwangerwerden?
Dafür gibt es keinen überzeugenden Beleg, weder bei Frauen noch bei Männern. Am gründlichsten ist die Frage beim Mann untersucht. In einer großen amerikanischen Studie nahmen über 2.300 Männer, deren Partnerinnen in einer Kinderwunschbehandlung waren, ein halbes Jahr lang hoch dosierte Folsäure zusammen mit Zink oder ein Scheinpräparat. Am Ende kam bei gut einem Drittel der Paare ein Kind zur Welt, in beiden Gruppen gleich oft, und auch die Spermien unterschieden sich nicht.22 Die Hoffnung trog. Kleinere ältere Studien hatten zwar mehr Spermien gemessen,23 doch ob die Kombination die Chance auf ein Kind verbessert, ist damit unklar.
Bei Frauen sieht es ähnlich aus. Zwar wurden in der Auswertung mit hoch dosierter Folsäure etwas mehr Frauen schwanger als mit der üblichen Menge,12 doch das war eine Nebenfrage, und die Datenlage ist dünn. Folsäure bei Kinderwunsch dient deshalb dem Schutz des Kindes, nicht der Fruchtbarkeit.
Folsäure in der Stillzeit?
Für die Stillzeit gibt es keine eigenen Studien zu Folsäure-Präparaten. Das mag überraschen, denn der Bedarf liegt etwas höher als sonst, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt 450 µg Folat-Äquivalente am Tag statt 300.24 Eine abwechslungsreiche Kost mit Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn deckt das bei vielen Frauen weitgehend. Wer ein Kombipräparat aus der Schwangerschaft weiternimmt, sollte darauf achten, dass die Obergrenze von 1 mg aus Präparaten auch für Stillende gilt.9
Kann zu viel Folsäure in der Schwangerschaft schaden?
Ob hohe Mengen dem Kind schaden, ist ungeklärt. Die beste Antwort liefert die Präeklampsie-Studie, in der 2.301 Schwangere bis zur Geburt 4 mg Folsäure oder ein Scheinpräparat nahmen, und für Mutter und Kind traten dabei keine zusätzlichen Komplikationen auf.20 Auch der Evidenzbericht für die US-Präventionsbehörde fand bei Folsäure vor und in der Schwangerschaft keine gesicherten Schäden, weder bei Mehrlingen noch bei Autismus oder Krebs der Mutter.27 Trotzdem hält die EU-Lebensmittelbehörde an der Obergrenze von 1 mg aus Präparaten fest, vor allem weil Folsäure einen Vitamin-B12-Mangel verschleiern kann.9
Besonders hartnäckig hält sich die Sorge vor Zwillingen, doch ob Folsäure sie häufiger macht, ist ungeklärt. Die Sorge geht auf die ungarische Studie mit 4.846 Frauen zurück, in der es mit dem Multivitamin samt Folsäure laut den Autoren 3,8 gegenüber 2,7 Prozent Mehrlingsgeburten gab.25 Bei einer Neuberechnung derselben Daten für die US-Präventionsbehörde war der Unterschied aber nicht gesichert,26 und auch spätere Daten fanden keinen sicheren Anstieg.27 Viele frühere Befunde lassen sich durch Kinderwunschbehandlungen erklären, bei denen Mehrlinge ohnehin häufiger sind.
Zu Asthma und Autismus als möglichen Schäden gibt es nur Beobachtungen, beide sind in kontrollierten Studien nicht untersucht. Eine Einnahme bis zum Ende des ersten Drittels war in einer Auswertung mehrerer Studien nicht mit mehr Asthma verbunden.28 Nur eine australische Studie sah bei Einnahme spät in der Schwangerschaft etwas mehr Asthma bei Dreijährigen.29 Ähnlich vereinzelt ist ein Befund aus Boston, nach dem sehr hohe Folatwerte der Mutter bei der Geburt mit mehr Autismus einhergingen. Die Autoren selbst nennen das eine offene Frage und stellen die übliche Empfehlung nicht infrage.30 Auch die übrigen Nebenwirkungen von Folsäure betreffen vor allem Mengen weit über dem, was in der Schwangerschaft empfohlen wird. Das beruhigt.
So wurde gemessen
- Hohe Dosis: 4 mg täglich ab dem zweiten Drittel bei 2.301 Schwangeren, keine Unterschiede bei anderen ungünstigen Folgen.20 Obergrenze 1.000 µg täglich, auch für Schwangere und Stillende.9
- Zwillinge: Ungarn, 4.846 Frauen, 3,8 gegen 2,7 % Mehrlingsgeburten laut Autoren;25 Neuberechnung OR 1,40 (0,89 bis 2,21).26
- Asthma: Beobachtungsstudien bis zum ersten Drittel 1,01 (0,78 bis 1,30);28 späte Einnahme RR 1,26 mit 3,5 Jahren bei 557 Mutter-Kind-Paaren.29
- Autismus bei sehr hohem Folat: etwa 2,5-fach in einer Bostoner Geburtskohorte.30
Unsere Einordnung
Folsäure vor und in der frühen Schwangerschaft gehört zu den am besten belegten Empfehlungen überhaupt: Sie verhindert Neuralrohrdefekte. Entscheidend ist der frühe Beginn, möglichst Wochen vor der Empfängnis. Für Fehlgeburt, Frühgeburt, Fruchtbarkeit und die meisten anderen Hoffnungen trägt die Datenlage dagegen nicht, und mehr als die empfohlene Menge bringt ohne ärztlichen Grund keinen Vorteil.
Häufige Fragen
Welche Folsäure bei Kinderwunsch?
Geprüft ist der Schutz vor Neuralrohrdefekten nur mit synthetischer Folsäure, allein oder in einem Multivitaminpräparat.4 Für Methylfolat fehlen Studien zu diesem Ziel, auch wenn es den Folatspiegel ähnlich anhebt.10
Wie viel Folsäure in der Schwangerschaft?
Üblich sind 400 µg Folsäure am Tag zusätzlich zur Nahrung.7 Die US-Präventionsbehörde nennt 400 bis 800 µg.8 Höhere Mengen gehören in ärztliche Hand, etwa nach einer früheren Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt.
Warum Folsäure bei Kinderwunsch?
Weil sich das Neuralrohr des Embryos schon im ersten Monat schließt, oft bevor die Schwangerschaft bemerkt wird.1 Nur wer dann bereits gut versorgt ist, profitiert vom Schutz.
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Alle Themen zu Folsäure
Alle 31 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Cordero et al. 2015, MMWR Morb Mortal Wkly Rep | Zusammenfassung der WHO-Leitlinie | Neuralrohrdefekte entstehen im ersten Monat; Mehlanreicherung senkte sie in mehreren Ländern | Leitlinien-Zusammenfassung |
| 2 | MRC Vitamin Study Research Group 1991, Lancet | 1 RCT, 1.817 Frauen nach einer betroffenen Schwangerschaft, 4 mg Folsäure | Neuralrohrdefekte RR 0,28 | RCT (Wiederholung) |
| 3 | Czeizel & Dudás 1992, N Engl J Med | 1 RCT, 4.156 Schwangerschaften, Multivitamin mit 0,8 mg Folsäure | Neuralrohrdefekte 0 gegen 6 | RCT (Ersterkrankung) |
| 4 | De-Regil et al. 2015, Cochrane Database Syst Rev | 5 RCTs, 7.391 Frauen, Folsäure allein oder mit anderen Vitaminen gegen kein Folat | Neuralrohrdefekte RR 0,31; Wiederholung RR 0,34; Herzfehler, Spalten und Fehlgeburten ohne gesicherten Unterschied | Cochrane-Review |
| 5 | Abate et al. 2025, Neuroepidemiology | Umbrella-Review, 10 Meta-Analysen | Meta-Analysen von RCTs gepoolt 0,43 | Umbrella-Review |
| 6 | Crider et al. 2014, BMJ | Modell aus zwei chinesischen Bevölkerungsstudien | Risiko für Neuralrohrdefekte ab etwa 1.000 nmol/l Erythrozytenfolat deutlich geringer; Neuralrohr schließt sich um Tag 28 | Modellrechnung |
| 7 | Lamers et al. 2006, Am J Clin Nutr | 144 junge Frauen, Folsäure, Methylfolat oder Placebo, 24 Wochen | Erythrozytenfolat stieg mit 416 µg Methylfolat stärker als mit 400 µg Folsäure, in allen Gruppen ohne Plateau nach 24 Wochen; Empfehlung 400 µg ab 4 Wochen vor der Empfängnis | RCT |
| 8 | US Preventive Services Task Force 2023, JAMA | Empfehlung der US-Präventionsbehörde | täglich 0,4 bis 0,8 mg Folsäure für alle, die schwanger werden könnten | Empfehlung |
| 9 | EFSA 2023, EFSA J | Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde zur Höchstmenge | Obergrenze 1.000 µg täglich für Erwachsene, auch Schwangere; Kinder 200 bis 800 µg; gilt auch für Methylfolat | Behördengutachten |
| 10 | Skavinska et al. 2026, Nutr Rev | Übersicht zu Folsäure, Methylfolat und Folinsäure | nur Folsäure ist gegen Neuralrohrdefekte in großen Studien geprüft | Übersichtsarbeit |
| 11 | McNulty et al. 2019, BMC Med | Nachuntersuchung eines RCT, 70 Kinder mit 7 Jahren | Wortverständnis etwas besser | RCT-Nachuntersuchung |
| 12 | Vinti et al. 2026, Am J Obstet Gynecol MFM | 3 RCTs, 4 mg gegen Standarddosis | Fehlgeburt nur unter Schwangeren seltener, in der Auswertung aller Teilnehmerinnen nicht gesichert | Meta-Analyse (Dosisvergleich) |
| 13 | Hekmatdoost et al. 2015, PLoS One | 1 RCT, Frauen mit wiederholten Fehlgeburten | Methylfolat nicht besser als Folsäure | RCT (Formvergleich) |
| 14 | Saccone et al. 2016, Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol | 5 RCTs, 5.332 Schwangere | Frühgeburt 22,6 gegen 22,9 %; Geburtsgewicht ohne gesicherten Unterschied | Meta-Analyse |
| 15 | Zhang et al. 2017, Reprod Toxicol | Meta-Analyse, überwiegend Beobachtungsstudien | Frühgeburt und zu kleine Kinder seltener bei Einnahme | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 16 | Cheng et al. 2022, Nutr J | Meta-Analyse von Beobachtungsstudien | Herzfehler OR 0,82, sehr uneinheitlich | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 17 | Zhou et al. 2020, Birth Defects Res | Meta-Analysen von Beobachtungsstudien | Lippen- und Gaumenspalten OR 0,60 | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 18 | Lassi et al. 2013, Cochrane Database Syst Rev | 31 RCTs, 17.771 Schwangere, Folsäure ab der Schwangerschaft | Geburtsgewicht +136 g; Anämie RR 0,62 nicht gesichert; megaloblastäre Anämie RR 0,21 | Cochrane-Review |
| 19 | Hodgetts et al. 2015, BJOG | 108.525 Schwangerschaften plus Meta-Analyse von Beobachtungsstudien | Beginn vor der Empfängnis: zu kleine Kinder etwas seltener | Kohorte |
| 20 | Wen et al. 2018 (FACT), BMJ | 1 RCT, 2.301 Schwangere mit hohem Risiko, 4 mg Folsäure gegen Placebo | Präeklampsie 14,8 gegen 13,5 %; sonst keine Unterschiede für Mutter oder Kind | RCT |
| 21 | Liu et al. 2022, J Autism Dev Disord | 10 Beobachtungsstudien | Autismus seltener bei Folsäure in der Frühschwangerschaft | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 22 | Schisterman et al. 2020 (FAZST), JAMA | 1 RCT, 2.370 Männer, 5 mg Folsäure plus 30 mg Zink, 6 Monate | Lebendgeburt 34 gegen 35 %; Bauchschmerzen und Übelkeit häufiger | RCT (Kombination mit Zink) |
| 23 | Irani et al. 2017, Urol J | 6 kleine Studien mit Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit | höhere Spermienkonzentration | Meta-Analyse |
| 24 | DGE Referenzwerte Folat, Deutsche Gesellschaft für Ernährung | Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr | Erwachsene 300 µg Folat-Äquivalente täglich, Schwangere 550, Stillende 450 | Referenzwerte |
| 25 | Czeizel et al. 1994, Acta Genet Med Gemellol (Roma) | 1 RCT, 4.846 Frauen, Multivitamin mit 0,8 mg Folsäure | Mehrlingsgeburten 3,8 gegen 2,7 % | RCT (Multivitamin) |
| 26 | Viswanathan et al. 2017, JAMA | Evidenzbericht für die US-Präventionsbehörde | Neuberechnung der ungarischen Studie: Mehrlinge nicht gesichert häufiger | Evidenzbericht |
| 27 | Viswanathan et al. 2023, JAMA | Evidenzbericht für die US-Präventionsbehörde | Einnahme vor und in der Schwangerschaft seltener Neuralrohrdefekte; keine Schäden bei Mehrlingen, Autismus, Krebs der Mutter | Evidenzbericht |
| 28 | Crider et al. 2013, Am J Clin Nutr | Meta-Analyse von Beobachtungsstudien | Asthma ohne Zusammenhang mit Einnahme bis zum ersten Drittel | Meta-Analyse (Beobachtung) |
| 29 | Whitrow et al. 2009, Am J Epidemiol | 557 Mutter-Kind-Paare in Australien | Einnahme spät in der Schwangerschaft: Asthma mit 3,5 Jahren etwas häufiger | Kohorte |
| 30 | Raghavan et al. 2018, Paediatr Perinat Epidemiol | Bostoner Geburtskohorte | sehr hohes Folat der Mutter bei Geburt mit mehr Autismus verbunden | Kohorte |
| 31 | Yu et al. 2025, Nutrients | Übersicht über 23 Auswertungen von Beobachtungsstudien | etwas seltener ADHS und Verhaltensprobleme bei Folsäure der Mutter; Qualität überwiegend sehr niedrig | Übersichtsarbeit (Beobachtung) |
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