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Berberin · 25 Quellen ausgewertet

Berberin: Pflaster, Kapseln und die richtige Einnahme

Pflaster zum Aufkleben, Kapseln mit 500 mg, Tropfen, Tee und Mischungen mit Rotschimmelreis: Berberin gibt es in vielen Formen. Geprüft wurde fast nur eine davon.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202625 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Fast alle Studien prüften Berberin zum Schlucken, meist als Hydrochlorid in Tabletten oder Kapseln mit 0,9 bis 1,5 Gramm am Tag, verteilt auf zwei bis drei Portionen. Für Berberin-Pflaster, Tropfen und Tee gibt es keine kontrollierte Studie. Kombipräparate mit Rotschimmelreis senken das Cholesterin, doch dafür sorgt vor allem dessen Monacolin K, das dem Medikament Lovastatin entspricht.

Auf dieser Seite 8 Abschnitte
  1. Was ist vom Berberin-Pflaster und seiner Wirkung zu halten?
  2. Wie wirken Berberin-Kapseln?
  3. Was ist Berberin-HCl?
  4. Was bringen Berberin-Tropfen und Berberin-Tee?
  5. Welche Dosierung von Berberin ist üblich, reichen 500 mg am Tag?
  6. Wann sollte man Berberin einnehmen?
  7. Was bringen Kombipräparate mit Berberin?
  8. Woran erkennt man gute Berberin-Kapseln?

Ein Pflaster am Oberarm, das beim Abnehmen helfen soll, ist bequemer als dreimal am Tag eine Kapsel. Kein Wunder, dass Berberin-Pflaster in Deutschland weit häufiger gesucht werden als Berberin-Kapseln. Doch beim Blick in die Studien kehrt sich das Verhältnis um. Fast alles, was über die Wirkung von Berberin bekannt ist, stammt aus Studien, in denen Menschen den Pflanzenstoff geschluckt haben, meist mehrmals täglich und über Wochen. Für die meisten anderen Formen gibt es schlicht keine Daten, und bei den beliebten Kombipräparaten steckt die Wirkung oft in einer ganz anderen Zutat.

Was ist vom Berberin-Pflaster und seiner Wirkung zu halten?

Ob Berberin-Pflaster wirken, ist nicht untersucht, weil es keine kontrollierte Studie gibt. Beworben werden die Pflaster vor allem zum Abnehmen, oft in Kombination mit Moringa oder NAD. Geprüft hat diese Versprechen niemand. Dabei ist schon die Grundfrage offen, ob Berberin aus einem Pflaster in nennenswerter Menge durch die Haut ins Blut gelangt, und Messungen der Blutspiegel nach dem Aufkleben eines solchen Pflasters haben wir in der Fachliteratur nicht gefunden. Selbst geschluckt erreicht es im Blut nur sehr niedrige Spiegel, wie eine kleine Messung nach einer Kapsel mit 500 mg zeigte.1

Hinzu kommt, dass auch die geschluckte Form beim Gewicht wenig bewirkt. Menschen mit Berberin-Kapseln nahmen in Sammelauswertungen über Monate im Mittel knapp ein Kilo mehr ab als ohne.2 Auf der Waage fällt das kaum auf. Was ein Pflaster leisten soll, das niemand gemessen hat, lässt sich daraus nicht ableiten. Das gilt auch für das Pflaster mit Moringa und Berberin.

Auch für die Anwendung gibt es keine geprüfte Anleitung. Wie lange ein Pflaster kleben soll und wie oft es gewechselt wird, legen allein die Anbieter fest. Eine Studie dazu fehlt. Rötet sich die Haut oder juckt sie, gehört es ab. Wer mit Berberin abnehmen oder den Blutzucker senken möchte, findet für das Pflaster keinen Beleg, für die Kapsel zumindest beim Blutzucker einen guten.

So wurde gemessen
  • Gewicht: Auswertung von 23 Studien mit geschlucktem Berberin, im Mittel 0,9 kg weniger als in den Vergleichsgruppen, Bauchumfang gut 1 cm weniger.2
  • Aufnahme: 5 junge Männer, nach 500 mg Berberin lag der Spitzenspiegel im Blut unter einem Nanogramm je Milliliter.1
  • Haut und Schleimhaut: die einzige Placebo-Studie mit Berberin zum Auftragen prüfte ein Gel bei Mundgeschwüren, kein Pflaster.3

Wie wirken Berberin-Kapseln?

Berberin-Kapseln und Tabletten senken nachweislich Langzeitzucker und Blutfette, beim Gewicht ist der Effekt klein. Diese Form ist es, die in Dutzenden Studien geprüft wurde. So sank bei Typ-2-Diabetes der Langzeitzucker HbA1c in Auswertungen nur der Studien mit Scheinpräparat (Placebo) um etwa einen halben Prozentpunkt,4 das ungünstige LDL-Cholesterin um knapp 0,5 mmol/l.5 Das ist weniger, als moderne Medikamente erreichen, für einen Pflanzenstoff aber ein ungewöhnlich gut abgesicherter Befund, weil sich mehrere große Auswertungen hier einig sind.

Doch die Studien haben Grenzen. Fast alle stammen aus China, die meisten dauerten nur wenige Monate, und ob Berberin Herzinfarkte oder Folgeschäden des Diabetes verhindert, hat keine von ihnen untersucht. Das gilt für alle belegten Wirkungen von Berberin, vom Langzeitzucker bis zu den Blutfetten. Wer Kapseln nimmt, sollte außerdem wissen, dass Berberin den Abbau vieler Medikamente bremst. Deshalb verdienen die Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Berberin mehr Aufmerksamkeit als bei vielen anderen Präparaten.

So wurde gemessen
  • Langzeitzucker: 7 Placebo-Studien mit 756 Personen, HbA1c um 4,5 mmol/mol gesenkt, das entspricht etwa 0,4 Prozentpunkten; über alle Studienarten 31 Studien mit 2.683 Personen, minus 0,63 Prozentpunkte.46
  • LDL-Cholesterin: 14 Placebo-Studien mit 1.447 Personen, minus 0,46 mmol/l; Studien meist 0,9 bis 1,5 g täglich über 4 bis 24 Wochen.5

Was ist Berberin-HCl?

Berberin-HCl ist Berberin als Hydrochlorid, also ein Salz mit Salzsäure, und die übliche Form in Kapseln und in den Studien. Das Berberin selbst ist ein gelber Pflanzenstoff aus Berberitze, Goldsiegel und chinesischen Heilpflanzen wie Huanglian, und als Salz lässt er sich in Kapseln füllen. In einer Placebo-Studie mit Prädiabetes bekamen die Teilnehmenden dreimal täglich 500 mg Berberin-HCl,7 in einer Studie zum Reizdarm zweimal 200 mg.8 Wie viel davon reines Berberin ist, steht nicht immer auf der Packung. Das macht Vergleiche schwer.

Dass HCl besser wirkt als andere Salze, zeigt keine Studie. Es ist schlicht die Form, mit der die meisten Daten erhoben wurden. Wer eine Kapsel mit den Studien vergleichen will, sollte deshalb vor allem auf die Menge je Kapsel achten und darauf, ob reines Berberin oder ein Pflanzenextrakt mit unbekanntem Gehalt drinsteckt.

Dihydroberberin, Phospholipid, Arzneistoff: Was steckt hinter den neuen Formen?

Neue Formen sollen Berberin besser ins Blut bringen, belegt ist bisher nur das. Dihydroberberin, eine chemisch veränderte Vorstufe, führte in einer winzigen Pilotstudie mit fünf Männern zu höheren Berberin-Spiegeln als normales Berberin.1 Auch bei Berberin in einer Fetthülle aus Phospholipiden, wie sie etwa in Lecithin vorkommen, maß eine Studie des Herstellers eine etwa zehnmal höhere Aufnahme.9 Ein höherer Spiegel ist aber noch kein Nutzen. So änderten sich in der Pilotstudie Blutzucker und Insulin nicht.

Eine Sonderstellung hat Berberin-Ursodeoxycholat, eine Verbindung aus Berberin und einer Gallensäure. Es ist ein Arzneistoff in Entwicklung, keine Nahrungsergänzung, und nicht frei erhältlich. In vier Placebo-Studien mit zusammen gut 1.100 Menschen mit Diabetes senkte er den Langzeitzucker um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte stärker als ein Scheinpräparat.1011 Ob er sich durchsetzt, ist offen, denn alle Studien trug der Hersteller, und eine unabhängige Bestätigung fehlt. Für Kapseln aus dem Handel gilt das nicht.

So wurde gemessen
  • Dihydroberberin: 5 Männer, doppelblinde Crossover-Pilotstudie, je vier Portionen Placebo, 500 mg Berberin, 100 oder 200 mg Dihydroberberin; Spitzenspiegel nach 100 mg Dihydroberberin knapp 4 gegenüber 0,4 ng/ml; ein Autor berät einen Hersteller.1
  • Phospholipid-Form: gesunde Freiwillige, Fläche unter der Spiegelkurve etwa zehnmal größer als mit herkömmlichem Berberin; alle Autoren beim Hersteller angestellt.9
  • Arzneistoff: Phase-3-Studie mit 407 Personen über 24 Wochen, HbA1c minus 0,7 Prozentpunkte gegenüber Placebo;10 Phase-2-Studie mit 113 Personen, minus 0,4 bzw. 0,7 Prozentpunkte je nach Dosis.11

Was bringen Berberin-Tropfen und Berberin-Tee?

Für Tropfen und Tee gibt es keine einzige kontrollierte Studie, ihre Wirkung ist offen. Meist handelt es sich um flüssige Auszüge oder getrocknete Teile der Berberitze oder anderer berberinhaltiger Pflanzen, und wie viel Berberin darin steckt, hat für solche Produkte niemand systematisch gemessen. Ob ein Tee aus Berberitzenwurzel oder ein paar Tropfen Tinktur auch nur annähernd die Mengen der Kapselstudien liefern, ist nicht bekannt. Bei Pflanzenauszügen kommt ein weiterer Punkt hinzu. Manche berberinhaltige Pflanze bringt eigene Risiken mit. Das Schöllkraut etwa bringt die EFSA mit Leberschäden in Verbindung.12 Es zählt deshalb zu den Risiken von Berberin-Präparaten für die Leber.

Die einzige gut geprüfte Anwendung außerhalb der Kapsel betrifft den Mund. In einer doppelblinden Studie mit 84 Erwachsenen linderte ein Gel mit Berberin, mehrmals täglich auf schmerzhafte Mundgeschwüre (Aphthen) getupft, Schmerz und Größe stärker als ein Gel ohne Wirkstoff.3 Ob es bei Aphthen hilft, bleibt mit dieser einen Studie offen, doch es ist immerhin ein Anfang. Mit Tropfen zum Einnehmen hat das allerdings nichts zu tun.

Welche Dosierung von Berberin ist üblich, reichen 500 mg am Tag?

Die Studien verwendeten meist ein bis anderthalb Gramm am Tag, also zwei bis drei Kapseln mit 500 mg. Eine einzelne Kapsel am Tag liegt damit unter dem, was in den Diabetes- und Cholesterinstudien gegeben wurde. Mehr hilft dabei nicht unbedingt mehr. In einer Auswertung war der Effekt auf den Langzeitzucker bei mehr als zwei Gramm am Tag nicht mehr gesichert, und auch bei älteren Menschen ließ er sich nicht mehr sicher nachweisen.13 Die zweijährige Studie zu Darmpolypen kam mit gut einem halben Gramm am Tag aus und hatte entsprechend wenige Nebenwirkungen.14

Eine sichere Menge gibt es nicht. Die französische Behörde ANSES bestätigte Wirkungen auf den Körper ab etwa 400 mg am Tag,15 und die EFSA konnte in ihrem Entwurf von 2026 überhaupt keine sichere Tagesmenge festlegen.12 Hoch dosierte Kapseln mit 1.000 mg je Stück liegen damit schon mit einer Kapsel im oberen Bereich der Studien. Bemerkenswert ist zudem ein Befund zu Frauen, die in einer Messung deutlich höhere Spiegel im Blut erreichten als Männer bei gleicher Menge.16

So wurde gemessen
  • Typische Studienmengen: 1 g täglich über 3 Monate bei Typ-2-Diabetes;17 dreimal 500 mg bei Prädiabetes;7 zweimal 300 mg bis zu 2 Jahre nach Polypentfernung.14
  • Grenzen: 28 Studien mit 2.313 Personen, HbA1c minus 0,54 Prozentpunkte, in den Teilgruppen über 2 g täglich, über 90 Tage und über 60 Jahre nicht mehr gesichert.13
  • Spiegel: Frauen mit 2,8-fach höherer Gesamtmenge im Blut als Männer.16

Wann sollte man Berberin einnehmen?

Am besten verteilt auf zwei bis drei Portionen zu den Mahlzeiten, so wie es die meisten Studien taten. In einer Pilotstudie nahmen die Teilnehmenden ihre Portionen etwa zum Frühstück, Mittag- und Abendessen,1 und auch die großen Studien gaben die Tagesmenge geteilt.718 Das hat einen praktischen Grund. Verstopfung, Blähungen und Übelkeit sind die häufigsten Beschwerden, und kleinere Portionen mit Essen vertragen viele besser. Ob morgens oder abends besser ist, hat keine Studie verglichen.

Wichtiger als die Uhrzeit sind andere Medikamente. Wer Diabetesmittel wie Metformin nimmt, erlebt mit Berberin womöglich eine zusätzliche Senkung, die erwünscht sein kann oder in einen Unterzucker durch Berberin führt. In Studien sank der Langzeitzucker mit Berberin als Zusatz um weitere 0,7 Prozentpunkte,19 doch fast alle dieser Studien waren offen, ohne Scheinpräparat, und der Zusatznutzen ist deshalb unklar. Diabetesmittel eigenmächtig zu ergänzen oder zu ersetzen, ist deshalb keine gute Idee. Als Ersatz taugt Berberin ohnehin nicht, denn in direkten Vergleichen senkte es den Zucker nicht besser als Metformin.20

Wie lange eine Einnahme sinnvoll ist, lässt sich nur grob sagen. Die meisten Studien liefen ein bis sechs Monate, und für eine Einnahme über Jahre fehlen Sicherheitsdaten, zumal die EFSA bisher keine sichere Tagesmenge festlegen konnte. Eine Kur ohne Ziel bringt wenig. Sinnvoller ist es, vorher und nach einigen Monaten Blutzucker oder Blutfette messen zu lassen.

So wurde gemessen
  • Zusatz zu Diabetesmitteln: 25 Studien, Berberin plus Metformin, Sulfonylharnstoff, Glitazon oder Insulin gegen das Medikament allein; HbA1c minus 0,69 Prozentpunkte, Nüchternzucker minus 0,99 mmol/l; fast alle offen.19
  • Vergleich mit Tabletten: 6 Studien mit 414 Personen, Berberin gegen Metformin, Glipizid oder Rosiglitazon, HbA1c ohne Unterschied.20

Was bringen Kombipräparate mit Berberin?

Dass Kombipräparate mit Rotschimmelreis das LDL-Cholesterin senken, ist gut belegt, liegt aber vor allem an einer anderen Zutat. Rotschimmelreis enthält Monacolin K, das chemisch genau dem Cholesterinsenker Lovastatin entspricht. Mit Berberin hat das wenig zu tun. So sank in zwölf verblindeten Studien mit einer solchen Mischung das LDL um gut 26 mg/dl,21 also deutlich stärker als bei Berberin allein gegen Cholesterin. Dazu passt eine weitere Auswertung, die für Berberin ohne Zusätze beim LDL keinen sicheren Effekt fand, für die Mischung mit Rotschimmelreis dagegen schon.22 Hinzu kommt, dass die Studien fast alle dasselbe Präparat prüften und mehrere Autoren dessen Hersteller beraten.

Wer solche Kapseln nimmt, schluckt damit im Kern ein Statin in kleiner Menge, und das gehört bei Cholesterin-Medikamenten in ärztliche Absprache. Anders liegt der Fall bei der Mischung aus Berberitzen-Extrakt und Mariendistel, die die Blutfette wahrscheinlich verbessert. In fünf Placebo-Studien mit knapp 500 Teilnehmenden sanken LDL, Triglyceride und Nüchternzucker.23 Welchen Anteil das Berberin daran hat, lässt sich auch hier nicht sagen, und die Leberwerte änderten sich in einer zweiten Auswertung nicht.24

Für viele andere Mischungen gibt es keine Studie, etwa für Kapseln mit Moringa und Berberin. Auch eine Kombination mit Zimt senkte bei Diabetes in einer Placebo-Studie den Langzeitzucker,25 sagt aber über Berberin allein nichts. Je mehr Zutaten, desto schwerer ist zu sagen, was eigentlich wirkt.

So wurde gemessen
  • Rotschimmelreis-Mischung: 12 verblindete Studien mit 1.050 Personen, ein bestimmtes Präparat mit Berberin, Rotschimmelreis und Policosanol; LDL minus 26,7 mg/dl, Triglyceride minus 11,5 mg/dl.21 Teilauswertung Berberin plus Rotschimmelreis: LDL minus 18,8 mg/dl; Berberin allein minus 9,3 mg/dl, nicht gesichert.22
  • Mariendistel-Mischung: 5 doppelblinde Placebo-Studien mit 497 Personen, LDL minus 29 mg/dl, Triglyceride minus 28 mg/dl, Nüchternzucker minus 7,5 mg/dl.23

Woran erkennt man gute Berberin-Kapseln?

Am ehesten an einer klaren Angabe, wie viel reines Berberin eine Kapsel enthält. Unabhängige Tests von Berberin-Kapseln auf dem deutschen Markt haben wir in der Fachliteratur nicht gefunden. Was sich prüfen lässt, steht auf dem Etikett: die Menge je Kapsel, die Form, meist HCl, und ob weitere Pflanzen beigemischt sind, denn jede zusätzliche Zutat verändert, was am Ende im Körper ankommt und wirkt. Eine Kapsel mit 500 mg reinem Berberin-HCl lässt sich mit den Studien vergleichen, ein Extrakt ohne Gehaltsangabe nicht.

Bei Mischungen lohnt der genaue Blick. Rotschimmelreis bringt ein Statin mit, Schöllkraut ein Risiko für die Leber. Begriffe wie hochdosiert oder beste Qualität sagen dagegen nichts über die Wirkung. Für Schwangere, Stillende und Kinder ist keine Kapsel geeignet, wie die Hinweise zu Berberin in der Schwangerschaft zeigen. Wer Medikamente nimmt, sollte vor dem Kauf mit Praxis oder Apotheke sprechen.

Unsere Einordnung

Geprüft ist Berberin zum Schlucken, meist als HCl mit 0,9 bis 1,5 Gramm am Tag, verteilt auf die Mahlzeiten. Für Pflaster, Tropfen und Tee gibt es keine kontrollierte Studie, und bei Kombipräparaten mit Rotschimmelreis wirkt vor allem ein Stoff, der einem Cholesterin-Medikament entspricht. Wer Berberin nimmt, sollte vorher und nach einigen Monaten die Werte prüfen lassen und bei Medikamenten ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Wie wird ein Berberin-Pflaster angewendet?

Eine geprüfte Anwendung gibt es nicht, weil keine Studie Berberin-Pflaster untersucht hat. Wie lange ein Pflaster klebt und wie oft es gewechselt wird, legen allein die Anbieter fest. Rötet sich die Haut oder juckt sie, gehört es ab.

Hilft ein Abnehmpflaster mit Berberin?

Dazu gibt es keine Studien. Selbst Berberin zum Schlucken brachte in Sammelauswertungen im Mittel nur knapp ein Kilo mehr Gewichtsverlust als ohne.2

Wie lange dauert es, bis Berberin wirkt?

In den Studien wurden Blutzucker und Blutfette meist nach ein bis drei Monaten gemessen. Eine Auswertung fand den Effekt auf den Langzeitzucker in Studien mit mehr als 90 Tagen nicht mehr gesichert, was gegen eine immer weiter wachsende Wirkung spricht.13

Was ist ein Berberin-NAD-Pflaster?

Solche Pflaster kombinieren Berberin mit NAD, einem Stoff, den jede Zelle für ihren Energiestoffwechsel braucht. Für diese Kombination auf der Haut gibt es keine einzige Studie, weder zur Wirkung noch zur Frage, ob die Stoffe überhaupt ins Blut gelangen.

Kann man Berberin zusammen mit Metformin nehmen?

In Studien senkte Berberin den Blutzucker zusätzlich zu Metformin weiter, die meisten dieser Studien waren aber offen.19 Weil sich die Wirkungen addieren und Unterzucker möglich ist, gehört eine solche Kombination in ärztliche Begleitung.

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Alle 25 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Moon et al. 2021, Nutrients5 junge Männer, doppelblinde Crossover-Pilotstudie, 500 mg Berberin, 100 oder 200 mg Dihydroberberin oder PlaceboBerberin-Spiegel im Blut nach Dihydroberberin höher als nach Berberin; Blutzucker und Insulin unverändert; ein Autor berät einen HerstellerCrossover-Pilotstudie (Aufnahme)
2Elahi Vahed et al. 2026, Int J Obes23 RCTs bei ErwachsenenGewicht −0,88 kg (p = 0,0003), BMI −0,48 kg/m², Taillenumfang −1,32; Taille-Hüft-Verhältnis nicht signifikant; Verzerrungen durch fehlende VerblindungMeta-Analyse (maßgeblich)
3Jiang et al. 2013, Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol84 Erwachsene mit wiederkehrenden kleinen Aphthen, doppelblind, 5 TageSchmerzscore, Größe, Rötung und Belag gegenüber Placebo-Gel reduziert (p < 0,05); keine auffälligen NebenwirkungenPlacebo-RCT (einzige Studie)
4Zhao et al. 2023, J Nutr20 Placebo-RCTs, 1.761 Personen (HbA1c: 7 Studien, 756 Pers.)HbA1c −4,48 mmol/mol (−6,53 bis −2,44); Nüchternzucker −0,52 mmol/l (18 Studien); stärker bei Frauen, Diabetikern und AsiatenMeta-Analyse (nur Placebo)
5Blais et al. 2023, Drugs18 Placebo-RCTs, 1.788 Personen; Nebenwirkungen in 16 Studien berichtetkeine schweren Nebenwirkungen; Magen-Darm-Beschwerden in 12 Studien, eher häufiger unter Berberin (2–23 % vs. 2–15 %)Meta-Analyse (maßgeblich)
6Xie et al. 2022, Front Pharmacol37 RCTs, 3.048 Personen mit Typ-2-Diabetes (HbA1c: 31 Studien, 2.683 Pers.), Berberin allein oder zusätzlich zu Tabletten gegen dieselbe BehandlungHbA1c −0,63 % (−0,72 bis −0,53), Nüchternzucker −0,82 mmol/l, Unterzucker nicht häufiger (RR 0,48; 0,21 bis 1,08)Meta-Analyse (maßgeblich)
7Panigrahi & Mohanty 2023, BMC Endocr Disord34 Personen mit Prädiabetes in Indien, 3 × 500 mg/Tag, 12 WochenNüchternzucker 6,75 → 5,33 mmol/l, HbA1c 6,40 → 5,43 %, signifikant gegenüber PlaceboPlacebo-RCT (Pilot)
8Chen et al. 2015, Phytother Res132 Personen mit Reizdarm vom Durchfall-Typ, doppelblind, 2 × 200 mg/Tag, 8 WochenDurchfall (p = 0,032), Bauchschmerz und Stuhldrang (p < 0,01) seltener als unter Placebo; Lebensqualität besser; gut verträglichPlacebo-RCT (maßgeblich)
9Petrangolini et al. 2021, Evid Based Complement Alternat Medgesunde Freiwillige, Berberin in Phospholipid-Hülle gegen herkömmliches BerberinAufnahme ins Blut etwa zehnmal höher; Autoren beim Hersteller angestelltPharmakokinetik-Studie (Hersteller)
10Ji et al. 2026 (SYMPHONY-1), Diabetes Care407 Personen mit Typ-2-Diabetes, Phase 3, 1.000 mg 2×/Tag gegen Placebo, 24 WochenHbA1c −0,7 Prozentpunkte gegenüber Placebo; Studie vom Hersteller getragenPlacebo-RCT (Arzneimittel, größte Studie)
11Ji et al. 2025, JAMA Netw Open113 Typ-2-Diabetiker in China, Phase 2, 12 Wochen, 2 Dosen oder PlaceboHbA1c −0,4 % (p = 0,04) bzw. −0,7 % (p < 0,001) gegenüber Placebo; gut verträglich; Autoren teils mit Aktienoptionen des HerstellersPlacebo-RCT (Arzneimittel)
12EFSA 2026 (Entwurf), Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, NDA-GremiumGutachten-Entwurf zu berberinhaltigen Pflanzenzubereitungen, verabschiedet am 29. Januar 2026Bedenken wegen Erbgutschädigung im Labor, Goldsiegel-Wurzel im Nagetier krebserregend, keine sichere Aufnahmemenge festlegbar; noch nicht endgültigBehördenbewertung (Entwurf)
13Liang et al. 2019, Endocr J28 RCTs, 2.313 Personen mit Typ-2-DiabetesHbA1c −0,54 (−0,93 bis −0,15); Effekt nicht mehr gesichert bei mehr als 90 Tagen, über 2 g/Tag und über 60 JahrenMeta-Analyse (Teilgruppen ohne Effekt)
14Chen et al. 2020, Lancet Gastroenterol Hepatol1.108 Personen, 0,6 g/Tag, bis 2 JahreVerstopfung 6 von 446 (1 %) vs. 1 von 478; keine schweren NebenwirkungenPlacebo-RCT (n ≥ 1.000)
15ANSES 2019, Agence nationale de sécurité sanitaire (Frankreich)Stellungnahme zu Nahrungsergänzungsmitteln mit Berberin (Saisine 2018-SA-0095)Risiken: Unterzucker, Magen-Darm-Beschwerden, niedriger Blutdruck, zahlreiche Wechselwirkungen; rät u. a. Schwangeren, Stillenden, Kindern, Menschen mit Lebererkrankung und unter Medikamenten abBehördenbewertung
16Blöcher et al. 2025, Clin Pharmacol TherPharmakokinetik-Studie bei Gesunden nach OCT1- und CYP2D6-GenotypFrauen 2,8-fach höhere AUC und 3,6-fach höhere Spitzenspiegel als Männer; CYP2D6 bestimmt den Abbau nur bei FrauenPharmakokinetik-Studie
17Zhang et al. 2008, J Clin Endocrinol Metab116 Personen mit Typ-2-Diabetes und erhöhten Blutfetten, 1 g/Tag, 3 MonateHbA1c 7,5 → 6,6 %, signifikant gegenüber Placebo (p < 0,0001); Verstopfung bei 5 TeilnehmendenPlacebo-RCT
18Guo et al. 2012, Eur J Clin Pharmacolrandomisierte Crossover-Studie, 18 gesunde chinesische Männer (17 ausgewertet, Volltext), 3 × 300 mg/Tag, 2 Wochen gegen Placebo-PhaseCYP2D6 stark, CYP2C9 und CYP3A4 (Midazolam AUC +40 %, Clearance −27 %) gehemmt; CYP1A2 und CYP2C19 unverändertCrossover-RCT (einzige kontrollierte Studie)
19Wang et al. 2024, Front Pharmacol50 RCTs, 4.150 Personen mit Typ-2-Diabetes; 17 Studien Berberin allein, davon nur 4 gegen PlaceboBerberin allein: Nüchternzucker −0,59 mmol/l (p = 0,048), Senkung von HbA1c im Abstract nur für die Kombination berichtet (−0,69 %)Meta-Analyse (größte, überwiegend Kombinationen)
20Dong et al. 2012, Evid Based Complement Alternat Med14 RCTs, 1.068 PersonenBerberin mit Lebensstil besser als Lebensstil allein; methodische Qualität insgesamt niedrigMeta-Analyse (älter)
21Cicero et al. 2021, Nutrients12 verblindete RCTs, 1.050 Personen, ein bestimmtes Kombinationspräparat; Autoren beraten den HerstellerLDL −26,67 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,07, Triglyceride −11,47, HDL +1,84, Nüchternzucker −3,52 mg/dl (alle p < 0,05); gut verträglichMeta-Analyse (Kombination, maßgeblich)
22Hernandez et al. 2024, J Diet Suppl41 RCTs, 4.838 Personen mit erhöhten Blutfetten, Berberin allein oder in Kombinationenalle Produkte: LDL −14,98 mg/dl; Berberin allein: LDL −9,26 mg/dl (−20,31 bis 1,78), nicht signifikant, Gesamtcholesterin −12,08 mg/dlMeta-Analyse (Gegenbefund für Berberin allein)
23Fogacci et al. 2019, Phytother Res5 doppelblinde Placebo-RCTs, 497 PersonenLDL −29,1 mg/dl, Gesamtcholesterin −25,3, Triglyceride −28, HDL +6, Nüchternzucker −7,5 mg/dl (alle p ≤ 0,008)Meta-Analyse (Kombination, maßgeblich)
24Mohtashaminia et al. 2022, Clin Nutr ESPEN5 RCTs, 549 PersonenALT −0,39 (−1,67 bis 0,89), AST −0,44 (−2,02 bis 1,14), nicht signifikantMeta-Analyse (Kombination, Leberwerte ohne Effekt)
25Mansour et al. 2025, Eur J NutrTyp-2-Diabetes, 1.200 mg Berberin plus 600 mg Zimt oder Placebo, 12 WochenHbA1c (p = 0,013) und Nüchternzucker niedriger als unter Placebo; Kombination, sagt nichts über Berberin alleinRCT (Kombination mit Zimt)

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