Die kurze Antwort
Die meisten Studien prüften Myo-Inositol in Mengen von 2 bis 4 g am Tag, oft verteilt auf zwei Portionen. Ob Pulver oder Kapseln besser wirken, wurde kaum verglichen. D-Chiro-Inositol ist nur in zwei kleinen Placebo-Studien zum Eisprung geprüft, mit widersprüchlichem Ergebnis. Die beworbene Mischung 40:1 wurde nie gegen ein Scheinpräparat getestet, ihr Nutzen ist nicht untersucht.
Auf dieser Seite 6 Abschnitte
- Was bringt Inositol-Pulver?
- Was ist der Unterschied zwischen Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol?
- Ist Myo-Inositol mit D-Chiro-Inositol im Verhältnis 40:1 besser?
- Wie viel Myo-Inositol am Tag?
- Welche Lebensmittel enthalten Inositol, und was hat Cholin damit zu tun?
- Welche weiteren Formen von Inositol gibt es?
Wer nach Inositol sucht, steht vor einer verwirrenden Auswahl. Es gibt lose Pulver zum Einrühren, Kapseln und Tabletten, reines Myo-Inositol, reines D-Chiro-Inositol und Mischungen beider Formen, oft mit dem Hinweis auf ein Verhältnis von 40 zu 1. Dazu kommen Präparate mit Folsäure, Cholin oder anderen Zusätzen. Doch die Studien, auf die sich die Werbung beruft, haben fast immer nur eine Variante geprüft. Genau das ist der Haken. Wer wissen will, ob ein Präparat zu diesen Studien passt, sollte deshalb zuerst auf die Form schauen und dann auf die Menge.
Was bringt Inositol-Pulver?
Inositol-Pulver liefert denselben Stoff wie Kapseln, nur in größerer Menge pro Portion. Das macht es beliebt. Die Studien arbeiteten nämlich mit Mengen im Grammbereich: Frauen mit PCOS und Schwangere bekamen meist zweimal täglich 2 g Myo-Inositol, und in Studien zu Depression und Angst waren es sogar 12 bis 18 g am Tag.12 Solche Mengen in Kapseln unterzubringen, hieße viele Kapseln am Tag.
Was das Pulver bringt, hängt allein davon ab, wofür es genommen wird. Und da ist die Lage gemischt. Bei Schwangeren mit erhöhtem Risiko beugt Myo-Inositol wahrscheinlich einem Schwangerschaftsdiabetes vor, auch wenn die Studien meist klein und offen waren.3 Bei PCOS und Kinderwunsch ist die Wirkung von Inositol dagegen fast durchweg unklar.4 Daran ändert auch die Darreichungsform nichts.
Inositol als Pulver oder Kapseln?
Ob Pulver oder Kapseln besser wirken, ist kaum je verglichen worden. Die einzige Studie, die zwei Formen gegenüberstellte, gab Frauen mit schweren Stimmungstiefs vor der Periode entweder 2 g Myo-Inositol als Pulver oder 0,6 g in einer Weichkapsel.5 Laut Hersteller sollten beide Mengen gleich viel Wirkstoff ins Blut bringen, und tatsächlich fielen die Ergebnisse in beiden Gruppen ähnlich aus, gemessen an Tagesbeschwerden, Depressionswerten und dem ärztlichen Gesamteindruck. Die Angabe zur Aufnahme ins Blut stammt aber vom Hersteller selbst, eine unabhängige Prüfung fehlt.
Dazu kommt ein Haken. Schon die Wirkung bei dieser Störung ist umstritten. Eine zweite kleine Studie fand gar keinen Vorteil gegenüber Placebo.6 Für alle anderen Anwendungen gibt es überhaupt keinen Vergleich der Formen. Praktisch zählt deshalb, wie viel Myo-Inositol eine Tagesportion enthält und ob diese Menge zu den Studien passt. Bei Kapseln lohnt sich der Blick darauf, wie viele Stück für eine Studienmenge nötig wären.
So wurde gemessen
- Vergleich der Formen: Frauen mit prämenstrueller dysphorischer Störung (PMDS), erst eine Phase mit Scheinpräparat, dann Pulver mit 2 g oder Weichkapsel mit 0,6 g Myo-Inositol gegen Placebo; Tagesbeschwerden und Depressionswerte besser, beide Formen ähnlich.5
- Gegenbefund: 11 Frauen mit PMDS, 12 g in der zweiten Zyklushälfte über 6 Zyklen, Inositol und Placebo im Wechsel; kein Vorteil.6
Was ist der Unterschied zwischen Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol?
Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol sind zwei Varianten desselben Moleküls, die sich nur in der Lage einzelner Atomgruppen unterscheiden. Chemisch ist der Unterschied winzig. Von neun möglichen Varianten spielen nur diese beiden im Körper eine größere Rolle.7 Myo-Inositol ist die häufigere, und der Körper kann aus ihr D-Chiro-Inositol bilden. Beide wirken daran mit, dass das Signal des Insulins ins Innere der Zellen gelangt. Deshalb wurden sie vor allem bei PCOS und bei Stoffwechselstörungen geprüft.
Dabei zählt ein anderer Unterschied mehr. Zu Myo-Inositol gibt es Dutzende Studien, zu D-Chiro-Inositol allein nur eine Handvoll. Trotzdem werfen viele Auswertungen beide Formen zusammen, etwa beim Eisprung, sodass sich ein Ergebnis keiner Form sicher zuordnen lässt.8 Ein direkter Vergleich bei künstlicher Befruchtung fand mit Myo-Inositol mehr reife Eizellen als mit D-Chiro-Inositol. Doch diese Studie hat die Zeitschrift inzwischen unter Vorbehalt gestellt.9
Was ist D-Chiro-Inositol?
D-Chiro-Inositol ist die seltenere der beiden natürlichen Formen, und ob es bei PCOS den Eisprung fördert, ist unklar. Alle Auswertungen stützen sich hier auf dieselben zwei kleinen Placebo-Studien. Das ist erstaunlich wenig. In der ersten bekamen übergewichtige Frauen mit PCOS sechs bis acht Wochen lang 1.200 mg täglich, und deutlich mehr von ihnen hatten einen Eisprung als mit Placebo.10 Die zweite gab schlanken Frauen 600 mg und fand keinen gesicherten Unterschied.11 Neuere Placebo-Studien mit D-Chiro-Inositol allein gibt es nicht.
Die Auswertung zur internationalen Leitlinie für Inositol bei PCOS sieht deshalb nur einen möglichen Nutzen, bei geringem Vertrauen in die Daten.4 Auch sonst sieht es kaum besser aus. Als Creme gegen Schuppenflechte besserte D-Chiro-Inositol die Herde nicht stärker als die Creme ohne Wirkstoff, nur die Haut wurde etwas feuchter.12 In der Schwangerschaft ist D-Chiro-Inositol als Einzelstoff nicht untersucht. Offen ist zudem, ob es bei langer Einnahme hoher Mengen schadet: Bei Frauen, die sechs Monate lang 1.200 mg täglich nahmen, beschreibt eine kleine Fallserie ohne Vergleichsgruppe veränderte Hormonwerte und Zyklusstörungen, mehr dazu bei den Nebenwirkungen von Inositol.29
So wurde gemessen
- Erste Placebo-Studie: 44 übergewichtige Frauen mit PCOS, 1.200 mg täglich über 6 bis 8 Wochen; Eisprung bei 19 von 22 gegenüber 6 von 22.10
- Zweite Placebo-Studie: 20 schlanke Frauen mit PCOS, 600 mg täglich über 6 bis 8 Wochen; beim Eisprung kein gesicherter Unterschied.11
- Leitlinien-Auswertung: dieselben 2 Studien mit 64 Frauen, Vorteil beim Eisprung bei geringem Vertrauen.4
- Vergleich bei ICSI: 84 Frauen mit PCOS, 2 × 2 g Myo- gegen 2 × 0,6 g D-Chiro-Inositol; seit 2025 mit Vorbehalt der Zeitschrift.9
- Creme: 46 Menschen mit leichter Schuppenflechte, 0,25 oder 1 % D-Chiro-Inositol gegen wirkstofffreie Grundlage, 6 Wochen.12
Ist Myo-Inositol mit D-Chiro-Inositol im Verhältnis 40:1 besser?
Ob die Mischung im Verhältnis 40:1 besser wirkt als Myo-Inositol allein, ist gegen Placebo nicht untersucht. Ihr Ruf beruht vor allem auf einer italienischen Studie, die sieben verschiedene Mischungen an je acht Frauen mit PCOS verglich, drei Monate lang zweimal täglich zwei Gramm.13 Die Autoren erklärten diese Mischung zur besten für den Eisprung. Doch eine Placebogruppe fehlte. Und acht Frauen pro Gruppe sind viel zu wenige, um Unterschiede zwischen sieben Varianten verlässlich zu erkennen.
Begründet wird das Verhältnis damit, dass es dem Verhältnis beider Formen im Blut entspreche, wie schon der Titel der Studie betont.13 Ob eine Kapsel, die dieses Verhältnis nachahmt, deshalb besser wirkt, ist damit nicht gezeigt. Eine Dachauswertung, die viele Auswertungen bündelt, fand Mischungen beider Formen nicht durchgehend besser als Myo-Inositol allein.14 Damit ist das Bild nüchterner, als die Werbung es zeichnet.
Bei Schwangeren ist es noch ernüchternder. Eine Mischung mit gut 1 g Myo- und knapp 28 mg D-Chiro-Inositol beugte in einer großen Studie aus Irland dem Schwangerschaftsdiabetes nicht besser vor als Folsäure allein.15 Ob die Mischung vorbeugt, ist damit unklar, denn auch die zweite Studie dazu fand keinen Unterschied.16 Die positiven Ergebnisse zur Vorbeugung von Schwangerschaftsdiabetes stammen fast nur aus Studien mit 4 g Myo-Inositol allein.
So wurde gemessen
- Studie zu Mischungsverhältnissen: 56 Frauen mit PCOS in 7 Gruppen zu je 8, darunter D-Chiro-Inositol allein und Mischungen von 1:3,5 bis 80:1, je 2 × 2 g über 3 Monate; Hauptziel Eisprung, keine Placebogruppe.13
- Dachauswertung von 13 Auswertungen: Kombinationen nicht durchgehend besser als Myo-Inositol allein.14
- Irland: 240 Schwangere mit Diabetes in der Familie, 1.100 mg Myo- plus 27,6 mg D-Chiro-Inositol gegen Folsäure; Schwangerschaftsdiabetes bei 23,3 gegenüber 18,3 %.15
- Teilauswertung Mischung: 2 Studien mit 326 Frauen, kein Unterschied; 4 g Myo-Inositol dagegen deutlich weniger Erkrankungen.16
Wie viel Myo-Inositol am Tag?
In den Studien bekamen Erwachsene meist 2 bis 4 g Myo-Inositol am Tag, oft verteilt auf zwei Portionen. Bei PCOS waren das häufig zweimal 2 g, in der Schwangerschaft ebenso. In einer großen Studie aus den Niederlanden nahmen Schwangere diese Menge bis zur Geburt.1 Für D-Chiro-Inositol lagen die geprüften Mengen deutlich niedriger, im Bereich einiger Hundert Milligramm.1110
Viel höhere Mengen gab es nur in Studien zu Depression, Angst und Krebsvorstufen, mit bis zu 18 g am Tag.217 Übelkeit, Blähungen und Durchfall wurden vor allem ab etwa 12 g beschrieben, und als höchste verträgliche Menge ermittelte eine Dosisstudie genau die Spitzenmenge der Psychiatrie-Studien.1819
Ob Inositol solche Nebenwirkungen tatsächlich auslöst, ist ungeklärt. In einer Placebo-Studie nahmen 85 Raucher sechs Monate lang die Spitzenmenge. Magen-Darm-Beschwerden hatten 59 gegenüber 43 Prozent, ein nicht gesicherter Unterschied.17 Auch in elf Placebo-Studien zu Depression und Angst blieb das Plus knapp ungesichert, und wegen Nebenwirkungen brachen dort nicht mehr Menschen ab.2 Diese Befunde betreffen nur solche hohen Mengen, nicht die übliche Dosierung.
Daraus folgt eine einfache Linie. Wer mit Inositol beginnt, kann mit einer kleineren Menge starten und sie über den Tag verteilen, um den Magen zu schonen. Für Mengen über die Studienmengen hinaus gibt es keinen Beleg für einen zusätzlichen Nutzen. Beim Schwangerschaftsdiabetes zeigte sich ein Effekt mit 4 g Myo-Inositol, mehr wurde nicht geprüft.16
So wurde gemessen
- PCOS und Schwangerschaft: meist 2 × 2 g Myo-Inositol täglich; in der niederländischen Studie 464 Schwangere mit PCOS, doppelblind, bis zur Geburt.1
- D-Chiro-Inositol: 1.200 mg täglich bei 44 übergewichtigen Frauen, 600 mg bei 20 schlanken Frauen.1011
- Hohe Mengen: Psychiatrie-Studien mit 12 bis 18 g täglich, 11 Placebo-Studien mit 312 Teilnehmenden, Magen-Darm-Beschwerden grenzwertig häufiger;2 Raucher mit 18 g über 6 Monate, Magen-Darm-Beschwerden bei 59 gegenüber 43 %.17
- Dosisstudie: 26 Raucher, Steigerung von 12 bis 30 g, höchste verträgliche Menge 18 g.19
Wann sollte man Inositol einnehmen?
Einen besten Zeitpunkt für die Einnahme hat keine Studie ermittelt. Die meisten Studien teilten die Tagesmenge in zwei Portionen auf.131 Eine bestimmte Uhrzeit verglichen haben sie nicht. Ob Inositol nüchtern oder zum Essen besser aufgenommen wird, ist ebenfalls nie geprüft worden. Praktisch hilft es, die Einnahme an feste Mahlzeiten zu koppeln. So gerät sie nicht in Vergessenheit.
Wichtiger als die Uhrzeit ist der Beginn. In der Schwangerschaft starteten die Studien meist im ersten Drittel,20 vor einer künstlichen Befruchtung schon während der Vorbereitung.21 Für eine kurze Einnahme direkt vor einer Behandlung gibt es keine Daten. Wer Inositol bei Kinderwunsch nehmen möchte, sollte den Zeitplan mit der behandelnden Praxis abstimmen.
Ab wann wirkt Myo-Inositol?
Wann eine Wirkung einsetzt, wurde nie gezielt gemessen, doch die Dauer der Studien gibt einen Anhaltspunkt. Die Placebo-Studien zum Eisprung mit D-Chiro-Inositol liefen sechs bis acht Wochen, die Studie zu Mischungsverhältnissen drei Monate.1013 Ein Bindungseiweiß für Geschlechtshormone stieg in einer Auswertung erst, wenn die Einnahme mindestens 24 Wochen dauerte.22 Bei Männern lag zwischen Beginn und Spermienprobe ein Zeitraum von drei Monaten.23
Gefragt ist also Geduld. Eine spürbare Wirkung nach wenigen Tagen lässt sich aus keiner Studie ableiten. Umgekehrt ist es kein Grund, die Menge zu erhöhen, wenn sich nach kurzer Zeit nichts tut.
Welche Lebensmittel enthalten Inositol, und was hat Cholin damit zu tun?
Inositol steckt vor allem in Obst, Hülsenfrüchten, Getreide und Nüssen. Das ergab die Messung von fast 500 Lebensmitteln, bei der frische Ware zudem mehr enthielt als tiefgekühlte oder Konserven.24 Eine Liste mit Spitzenreitern ist für den Alltag aber weniger wichtig als die Größenordnung. Denn die entscheidet.
Mit gezielt zusammengestellter Kost ließen sich in dieser Untersuchung zwischen gut 200 mg und 1,5 g am Tag erreichen.24 Das ist wenig. Die Studien gaben das Mehrfache. Ein Vitamin ist Inositol trotzdem nicht, auch wenn es auf Packungen oft als Vitamin B8 auftaucht. Der Körper deckt seinen Bedarf nämlich nur zum Teil aus der Nahrung und bildet den Rest selbst.7
Cholin und Inositol stehen auf vielen Packungen nebeneinander, als gehörten sie zusammen. Doch Studien mit dieser Kombination haben wir nicht gefunden. Cholin ist ein eigener Nährstoff, und was für Inositol gilt, lässt sich auf die Mischung nicht übertragen. Zwei weitere Stoffe werden ebenfalls leicht verwechselt: D-Pinitol, das in manche Stoffwechselstudien mit eingerechnet wurde, und die Phytinsäure aus Pflanzen.25 Beide sind eigene Stoffe, und Studien mit ihnen sagen über Inositol nichts aus.
So wurde gemessen
Welche weiteren Formen von Inositol gibt es?
Zwei weitere Formen tauchen in der Forschung auf, haben aber mit Nahrungsergänzungen nichts zu tun. Scyllo-Inositol, eine dritte Variante des Moleküls, wurde als Arzneistoff gegen Alzheimer geprüft. In einer Studie mit gut 350 Kranken verfehlte es nach anderthalb Jahren alle Hauptziele. Schlimmer noch: Die beiden höheren Dosen wurden gestoppt, weil darunter mehr Infektionen und Todesfälle auftraten.26 Ob es nützt, ist damit unklar, und für Myo-Inositol folgt daraus nichts.
Dazu kommt die Infusion bei extrem früh geborenen Kindern, die nur auf der Intensivstation gegeben wird. Ob sie schadet, ist ungeklärt. In der größten Placebo-Studie bekamen 638 Kinder bis zu zehn Wochen lang Inositol oder ein Scheinmittel. Mit Inositol starben 18 gegenüber 11 Prozent, und die Studie wurde vorzeitig beendet.27 Die Auswertung von sechs Placebo-Studien fand dagegen keinen gesicherten Unterschied bei der Sterblichkeit.28 Was über Inositol bei Frühgeborenen bekannt ist, gilt nur für schwerkranke Frühgeborene mit Infusion und Magensonde, nicht für Pulver oder Kapseln für Erwachsene. Säuglingen sollte Inositol nur auf ärztliche Verordnung gegeben werden.
So wurde gemessen
- Scyllo-Inositol: 353 Menschen mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz, drei Dosen oder Placebo über 78 Wochen; kein Unterschied bei Gedächtnis und Alltag, Abbruch der höheren Dosen.26
- Frühgeborene: 638 Kinder unter 28 Wochen, Infusion, dann Sonde; Tod 18 gegenüber 11 %, vorzeitig beendet.27 Auswertung von 6 Studien: Sterblichkeit nicht gesichert erhöht.28
Unsere Einordnung
Wer Inositol nehmen möchte, ist mit Myo-Inositol in den Studienmengen von 2 bis 4 g am Tag am nächsten an der Forschung, ob als Pulver oder als Kapsel. D-Chiro-Inositol allein und die Mischung beider Formen haben deutlich dünnere Belege, als die Werbung nahelegt. Bei hohen Mengen wie in den Psychiatrie-Studien wurden Magen-Darm-Beschwerden häufiger beschrieben, und solche Mengen gehören nicht in den Alltag.
Häufige Fragen
Ist Myo-Inositol-Pulver besser als Kapseln?
Ein aussagekräftiger Vergleich fehlt. In der einzigen Studie mit beiden Formen schnitten Pulver und Weichkapsel ähnlich ab.5 Entscheidend ist, ob die Tagesmenge den Studien entspricht.
Was ist der Unterschied zwischen Inositol und Myo-Inositol?
Inositol ist der Oberbegriff für neun Varianten eines Moleküls, Myo-Inositol ist die wichtigste davon.7 Auf Packungen und in Studien ist mit Inositol meist Myo-Inositol gemeint.
Ist Inositol Vitamin B8?
Nein, auch wenn es oft so heißt. Der Körper bildet einen Teil seines Inositols selbst, ein Vitamin muss dagegen von außen kommen.7
Myo-Inositol 2000 mg oder 4000 mg?
In den meisten Studien zu PCOS und Schwangerschaft waren es 4.000 mg am Tag, aufgeteilt auf zweimal 2.000 mg.1 Beim Schwangerschaftsdiabetes zeigte sich ein Effekt mit 4 g, eine niedriger dosierte Mischung brachte keinen Vorteil.16
Kann man Inositol hochdosiert einnehmen?
In Studien zu Depression und Angst wurden bis zu 18 g am Tag gegeben, und mehr vertrugen die Teilnehmenden einer Dosisstudie nicht.19 Bei solchen Mengen wurden Magen-Darm-Beschwerden häufiger beschrieben, und bei Depression spricht die Studienlage gegen einen Nutzen.2
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Alle Themen zu Inositol
Alle 29 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | van der Wel et al. 2025, JAMA | 464 Schwangere mit PCOS, doppelblind, 2 × 2 g Myo-Inositol vs. Placebo (jeweils mit Folsäure) | Sammelendpunkt Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie oder Frühgeburt: 25,0 % vs. 26,8 %, RR 0,93 (95 % KI 0,68 bis 1,28) | RCT (Gegenbefund, PCOS) |
| 2 | Mukai et al. 2014, Hum Psychopharmacol | 7 doppelblinde Placebo-RCTs bei Depression (2 bipolare Depression, 1 gemischt, 2 Major Depression, 2 PMDD), 242 Pers. | Depressive Symptome nicht signifikant; Ansprechen tendenziell besser (p = 0,06); Magen-Darm-Beschwerden tendenziell häufiger (p = 0,06) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 3 | Poyatos-León et al. 2026, Am J Obstet Gynecol | 12 RCTs, 4.765 Frauen ohne vorbestehenden Diabetes, schwanger oder Schwangerschaft binnen 6 Monaten geplant; Myo-Inositol vs. Placebo oder Standardversorgung | Schwangerschaftsdiabetes 44 % seltener; kein Unterschied bei Bluthochdruck, Kaiserschnitt, Makrosomie, Frühgeburt, Unterzucker beim Neugeborenen | Meta-Analyse (neueste) |
| 4 | Fitz et al. 2024, J Clin Endocrinol Metab | 30 RCTs, 2.230 Pers., Leitlinien-Auswertung mit Vertrauenswürdigkeitsprüfung; MI gegen Metformin, regelmäßige Blutung: 3 RCTs, 247 Pers. (Volltext) | kein Unterschied zu Metformin, OR 1,85 (0,68 bis 5,01); Gesamtfazit: Evidenz begrenzt und nicht schlüssig | Meta-Analyse (Vergleich mit Metformin, vertrauensgeprüft) |
| 5 | Gianfranco et al. 2011, Hum Psychopharmacol | Frauen mit PMDS, Placebo-Vorphase, dann Myo-Inositol als Pulver (2 g) oder Weichkapsel (0,6 g) vs. Placebo | Tagessymptome, HAM-D und CGI-S signifikant gebessert, beide Darreichungen ähnlich | Placebo-RCT |
| 6 | Nemets et al. 2002, World J Biol Psychiatry | 11 Frauen mit PMDS, 12 g/Tag in der Lutealphase, 6 Zyklen, Crossover | kein Vorteil gegenüber Placebo | Placebo-RCT (ohne Effekt) |
| 7 | Kiani et al. 2021, Eur Rev Med Pharmacol Sci | Übersichtsarbeit zu Bildung, Aufnahme und Funktion von Myo- und D-Chiro-Inositol | neun Stereoisomere, zwei davon physiologisch bedeutsam; Bedarf teils aus der Nahrung, Rest im Körper gebildet; Rolle bei der Insulin-Signalübertragung | Übersichtsarbeit |
| 8 | Pundir et al. 2018, BJOG | 10 RCTs; 362 Frauen mit Inositol (257 MI, 105 DCI), 179 Placebo, 60 Metformin | Häufigkeit der Monatsblutungen RR 6,8 (95 % KI 2,8 bis 16,6; I² = 0 %) gegenüber Placebo | Meta-Analyse |
| 9 | Unfer et al. 2011, Eur Rev Med Pharmacol Sci | 84 Frauen mit PCOS vor ICSI, 2 × 2 g Myo-Inositol gegen 2 × 0,6 g D-Chiro-Inositol | mehr reife Eizellen unter Myo-Inositol; Vorbehalt der Zeitschrift (Expression of Concern) seit 2025 | RCT (unter Vorbehalt) |
| 10 | Nestler et al. 1999, N Engl J Med | 44 übergewichtige Frauen mit PCOS, 1.200 mg DCI oder Placebo, 6–8 Wochen | Eisprung bei 19 von 22 (DCI) gegenüber 6 von 22 (Placebo), p < 0,001 | RCT (DCI) |
| 11 | Iuorno et al. 2002, Endocr Pract | 20 schlanke Frauen mit PCOS, 600 mg D-Chiro-Inositol oder Placebo, 6 bis 8 Wochen | kein signifikanter Unterschied beim Eisprung; Insulin und Androgene gesenkt | RCT (DCI) |
| 12 | Owczarczyk-Saczonek et al. 2021, Dermatol Ther | 46 Pers. mit leichter Plaque-Psoriasis, je Herd 0 %, 0,25 % oder 1 % DCI, 6 Wochen | PSI/VAS ohne Unterschied; Feuchtigkeit und Elastizität mit 1 % signifikant | RCT (Grundlage als Kontrolle) |
| 13 | Nordio et al. 2019, Eur Rev Med Pharmacol Sci | 56 Frauen mit PCOS, 7 Mischungsverhältnisse MI:DCI (je 8 Pers.), keine Placebogruppe | 40:1 laut Autoren am wirksamsten für den Eisprung; mehr DCI im Verhältnis verringerte die Wirkung | Dosisvergleich ohne Placebo (40:1) |
| 14 | Duan et al. 2026, Front Endocrinol | Dachauswertung von 13 Meta-Analysen zu Inositol bei PCOS | Eisprungrate RR 2,75 (95 % KI 1,71 bis 4,41) gegenüber Placebo/Folsäure; MI bzw. MI+FA am wirksamsten, DCI allein „mit Vorsicht“, Kombination nicht durchgehend besser | Umbrella-Review (Sammelarbeit) |
| 15 | Farren et al. 2017, Diabetes Care | 240 Schwangere mit familiärer Diabetesbelastung, Irland; 1.100 mg Myo- plus 27,6 mg D-Chiro-Inositol vs. Folsäure | Schwangerschaftsdiabetes 23,3 % vs. 18,3 % (p = 0,34), kein Effekt | RCT (Folsäure als Kontrolle) |
| 16 | Wei et al. 2022, Nutrients | 7 RCTs, 1.321 Schwangere | 4 g Myo-Inositol: RR 0,30 (95 % KI 0,18 bis 0,49); Kontrolle in allen Studien Folsäure, nur eine doppelblind | Meta-Analyse |
| 17 | Lam et al. 2016, Cancer Prev Res | 74 Raucher mit Bronchialdysplasie, 18 g/Tag oder Placebo, 6 Monate | Dysplasierate n. s. (p = 0,76); IL-6 in BAL gesenkt (p = 0,03) | Placebo-RCT (Phase IIb) |
| 18 | Carlomagno & Unfer 2011, Eur Rev Med Pharmacol Sci | Übersicht klinischer und nichtklinischer Sicherheitsdaten zu Myo-Inositol | nur bei 12 g/Tag leichte Übelkeit, Blähungen, Durchfall; Schwere nicht dosisabhängig | Übersichtsarbeit (Autor mit Herstellerbezug) |
| 19 | Lam et al. 2006, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev | 26 Raucher, offene Dosisfindung 12 bis 30 g/Tag | Rückbildung 91 % vs. 48 % gegen historische Placebogruppe; höchste verträgliche Dosis 18 g/Tag | Offene Studie ohne Kontrollgruppe |
| 20 | Motuhifonua et al. 2023, Cochrane Database Syst Rev | 7 RCTs (6 Italien, 1 Irland), 1.319 Schwangere; für diesen Endpunkt 6 Studien, 1.140 Frauen | RR 0,53 (95 % KI 0,31 bis 0,90); Vertrauenswürdigkeit niedrig bis sehr niedrig | Meta-Analyse (Cochrane) |
| 21 | Showell et al. 2018, Cochrane Database Syst Rev | 13 RCTs, 1.472 subfertile Frauen mit PCOS (11 vor IVF, 2 bei Eisprungauslösung) | keine gepoolten Daten für Frauen mit Eisprungauslösung, nur Einzelstudien | Cochrane-Review |
| 22 | Unfer et al. 2017, Endocr Connect | 9 RCTs, 496 Frauen mit PCOS, MI allein oder mit DCI | Testosteron SMD −0,49 (−1,07 bis 0,09; p = 0,099), nicht signifikant; SHBG nur bei ≥ 24 Wochen erhöht | Meta-Analyse (Gegenbefund) |
| 23 | Calogero et al. 2015, Andrology | Männer mit unerklärter Unfruchtbarkeit, doppelblind, MI (mit Folsäure) gegen Placebo, 3 Monate; 194 Pers. laut Ghaemi 2024 (Volltext) | akrosomreagierte Spermien, Konzentration, Gesamtzahl und progressive Beweglichkeit gegenüber Placebo erhöht; LH, FSH, Inhibin B verändert; keine Nebenwirkungen | RCT |
| 24 | Clements & Darnell 1980, Am J Clin Nutr | Myo-Inositol-Gehalt von 487 Lebensmitteln, gemessen per Gaschromatographie | meiste Mengen in Obst, Bohnen, Getreide und Nüssen; frische Ware reicher als tiefgekühlte oder Konserven; Kostpläne mit 225 bis 1.500 mg je 1.800 kcal | Lebensmittelanalyse |
| 25 | Delavar et al. 2025, Diabetol Metab Syndr | 18 RCTs, 898 Erwachsene mit PCOS (8 Studien), Übergewicht/metabolischem Syndrom (4), Typ-2-Diabetes (2), Fettleber (2) und Gesunde (2); HbA1c nur in 3 Studien, 118 Pers. | HbA1c −0,48 Prozentpunkte (−1,38 bis 0,42), nicht signifikant, sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit; Nüchternzucker −7,25 mg/dl (−10,98 bis −3,52), in den 4 Studien mit geringem Verzerrungsrisiko nicht signifikant (−4,04; −9,16 bis 1,08) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 26 | Salloway et al. 2011, Neurology | 353 Pers. mit leichter bis mittlerer Alzheimer-Demenz, 250, 1.000 oder 2.000 mg zweimal täglich oder Placebo, 78 Wochen | NTB und ADCS-ADL n. s.; Abbruch der höheren Dosen wegen Ungleichgewicht bei Infektionen und Todesfällen | Placebo-RCT (Arzneimittel) |
| 27 | Phelps et al. 2018, JAMA | 638 Frühgeborene < 28 SSW, 40 mg/kg alle 12 h erst i. v., dann enteral, bis 10 Wochen | Tod oder schwere ROP 29 % vs. 21 % (aRR 1,41; 1,08 bis 1,83); Tod 18 % vs. 11 % (aRR 1,66; 1,14 bis 2,43); vorzeitig abgebrochen | RCT (Gegenbefund, Schaden) |
| 28 | Du et al. 2019, BMC Ophthalmol | 6 Placebo-RCTs, Frühgeborene; bronchopulmonale Dysplasie 6 Studien, 1.099 Kinder | bronchopulmonale Dysplasie kein signifikanter Unterschied; Sterblichkeit ohne Hallman 1986 erhöht (RR 1,55; 1,14 bis 2,11) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 29 | Nordio et al. 2023, J Clin Med | Fallserie mit 20 Frauen mit Insulinresistenz und Pilotstudie mit 10 gesunden Frauen ohne Vergleichsgruppe, 1.200 mg D-Chiro-Inositol täglich über 6 Monate | Östradiol gestiegen und Zyklusstörungen in der Fallserie; Testosteron gestiegen bei den gesunden Frauen | Fallserie (ohne Kontrolle) |
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