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Schwarzkümmelöl · 33 Quellen ausgewertet

Ist Schwarzkümmelöl krebserregend? Nebenwirkungen und schlechte Erfahrungen

Aufstoßen mit Ölgeschmack, ein juckender Ausschlag nach dem Einreiben, Warnungen für Schwangere: Wer nach schlechten Erfahrungen mit Schwarzkümmelöl sucht, findet einiges. Manches ist harmlos, anderes verdient Aufmerksamkeit.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202633 QuellenLesezeit 10 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Für einen krebserregenden Effekt von Schwarzkümmel selbst gibt es keinen Hinweis, manche Öle enthalten aber zu viele Schadstoffe aus der Trocknung der Samen. Häufigste Beschwerden sind Aufstoßen, Blähungen und Übelkeit. Ernster sind Kontaktallergien auf der Haut und seltene schwere Hautreaktionen. Mit Blutzucker- und Blutdruckmitteln, Blutverdünnern und manchen anderen Medikamenten ist Vorsicht nötig, in der Schwangerschaft ist es nicht untersucht.

Auf dieser Seite 8 Abschnitte
  1. Kann Schwarzkümmelöl krebserregend sein?
  2. Welche Nebenwirkungen hat Schwarzkümmelöl?
  3. Welche schlechten Erfahrungen gibt es mit Schwarzkümmelöl?
  4. Kann Schwarzkümmelöl Allergien und Hautreaktionen auslösen?
  5. Verträgt sich Schwarzkümmelöl mit Medikamenten?
  6. Ist Schwarzkümmelöl leberschädigend?
  7. Darf man Schwarzkümmelöl in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
  8. Ist Schwarzkümmelöl für Kinder geeignet?

Der erste Löffel schmeckt scharf und bitter, kurz danach stößt es ölig auf. Für viele bleibt es bei dieser Erfahrung, andere berichten von einem juckenden Ausschlag, nachdem sie das Öl auf die Haut gerieben haben. Schwarzkümmel gilt als Naturmittel und wird deshalb oft unterschätzt. Dabei ist das Bild der Risiken uneinheitlich: Die Studien mit Scheinpräparat sind klein und kurz, und die ernsten Fälle kennt man vor allem aus einzelnen Berichten von Kliniken. Wer die Risiken kennt, kann die meisten davon aber gut vermeiden.

Kann Schwarzkümmelöl krebserregend sein?

Für die Sorge, Schwarzkümmel selbst könne Krebs auslösen, gibt es keinen Hinweis aus Studien. Eine toxikologische Übersicht hält die Samen in den Mengen, die seit Langem in der Küche üblich sind, für sicher.6 Echt ist ein anderes Problem: Verunreinigung. Forschende untersuchten sieben kaltgepresste Öle aus dem polnischen Handel und fanden in vier davon mehr polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, als in der EU erlaubt ist.7 Einige dieser Stoffe gelten als krebserregend.

Woher stammen sie? Nach Angabe der Forschenden werden die Samen oft mit Luft getrocknet, die über Holzkohle oder Brennstoff erhitzt wurde, und dabei können sich solche Rückstände auf den Samen ablagern. Zwischen dem saubersten und dem am stärksten belasteten Öl lag etwa der Faktor zehn. Dieselbe Untersuchung fand in manchen Ölen zudem Zeichen von Ranzigkeit und in einem Fall ein vermutlich gestrecktes Öl.7 Sieben Proben aus einem Land sind wenig. Trotzdem zeigt die Untersuchung, dass Herkunft und Kontrolle eines Öls zählen, und genau daran entscheidet sich beim Kauf die Qualität von Schwarzkümmelöl.

So wurde gemessen
  • Handelsprodukte: 7 kaltgepresste Öle aus Polen; Summe der vier Leitsubstanzen unter den PAK zwischen 4,5 und 46,7 µg/kg, bei 4 Ölen über dem EU-Höchstwert von 10 µg/kg; ein Öl mit 23 % Alpha-Linolensäure, was auf Beimischung eines anderen Öls hindeutet; zwei Autorinnen arbeiten bei einem Ölkonzern.7
  • Bewertung als Lebensmittel: Samen in traditionellen Verzehrmengen als sicher eingestuft; die Übersicht stammt von einer Beratungsfirma, nicht von einer Behörde.6

Welche Nebenwirkungen hat Schwarzkümmelöl?

Ob Schwarzkümmel Magen-Darm-Beschwerden wie Aufstoßen, Blähungen und Übelkeit auslöst, ist ungeklärt, auch wenn sie die häufigsten Klagen sind. In einer Sicherheitsstudie mit 70 Gesunden, die drei Monate lang täglich einen Öl-Extrakt oder ein Scheinpräparat nahmen, bekamen 3 gegenüber 1 Person Blähungen, Durchfall trat nur unter Schwarzkümmel auf, und einige stießen mit Ölgeschmack auf.1 Auch in einer Studie mit Frauen nach den Wechseljahren brachen zwei Teilnehmerinnen wegen Übelkeit ab, beide aus den Gruppen mit Schwarzkümmel.8 Eine Sammelauswertung von acht Studien bei Heuschnupfen fand dagegen insgesamt keinen Unterschied zu den Vergleichsgruppen, wobei dort ganz unterschiedliche Zubereitungen zusammengerechnet wurden.9 Ernste Probleme traten in keiner dieser Studien auf.

Viele Studien haben Nebenwirkungen allerdings gar nicht gezielt erfragt, und die genannten betreffen die Einnahme über einige Wochen bis drei Monate. Daraus folgt ein einfacher Rat. Wer nach der Einnahme Übelkeit oder Aufstoßen bemerkt, kann Schwarzkümmel zu einer Mahlzeit nehmen oder die Menge verringern, und die richtige Einnahme von Schwarzkümmelöl hilft oft schon. Halten die Beschwerden an, ist es besser, das Öl abzusetzen.

So wurde gemessen
  • Sicherheitsstudie: 70 Gesunde, 200 mg thymochinonreicher Extrakt oder Placebo über 90 Tage, Hersteller unter den Autoren; Blähungen 3 gegenüber 1, Durchfall 2 gegenüber 0 Personen; keine schweren Nebenwirkungen.1
  • Wechseljahre: 50 Frauen, 910 oder 1.365 mg Samenextrakt oder Placebo über 8 Wochen; 2 Abbrüche wegen Übelkeit, beide unter Schwarzkümmel.8
  • Heuschnupfen: 8 Studien, Nebenwirkungen insgesamt etwa gleich häufig wie in den Vergleichsgruppen (OR 1,01).9

Gibt es bei Schwarzkümmelöl eine Erstverschlimmerung?

Eine Erstverschlimmerung ist in keiner Studie zu Schwarzkümmel beschrieben. Der Begriff stammt aus der Alternativmedizin und meint, dass sich Beschwerden zu Beginn einer Behandlung kurz verstärken, bevor es besser wird. Zum Problem wird diese Vorstellung, wenn sie echte Warnzeichen überdeckt. Ein neuer Ausschlag, Juckreiz oder Bläschen nach dem Auftragen sprechen eher für eine Allergie als für eine Heilreaktion, und dann ist es richtig, Schwarzkümmel abzusetzen, statt weiterzumachen.

Welche schlechten Erfahrungen gibt es mit Schwarzkümmelöl?

Die ernsten schlechten Erfahrungen stammen aus einzelnen Fallberichten, nicht aus Studien, und ein Zusammenhang ist dort nie bewiesen. Trotzdem lohnt es sich, sie zu kennen, denn Studien mit wenigen Dutzend Teilnehmenden können seltene Schäden gar nicht erfassen. In der Türkei entwickelte ein Mensch nach der Einnahme von Schwarzkümmelöl einen Zerfall von Muskelgewebe, ein akutes Nierenversagen und eine Leberschädigung.10 Ähnlich schwer verlief ein Fall in Frankreich: Eine Frau, die das Öl zwei Wochen lang einnahm und zugleich auftrug, bekam einen fieberhaften Ausschlag mit Blasen, und helle Flecken blieben noch Monate später sichtbar.11

Andere Berichte betreffen Medikamente. Ein Krebspatient, der zwei Mittel gegen Blutgerinnsel nahm, bekam nach einer Steigerung der Tagesmenge einen großen Bluterguss.4 Dazu kommt ein Patient, der nach einer Spiegelung eine schwere Reaktion auf Medikamente entwickelte, zu der nach Ansicht der Ärzte das Öl beigetragen hatte.5 Solche Fälle sind selten. Sie zeigen aber, wo die Risiken liegen: auf der Haut, bei Medikamenten und bei Menschen, die ohnehin krank sind.

Kann Schwarzkümmelöl Allergien und Hautreaktionen auslösen?

Wie häufig Schwarzkümmelöl auf der Haut eine Kontaktallergie auslöst, ist ungeklärt, dass es vorkommt, beschreiben aber viele Fallberichte. Eine Übersicht zur Kniearthrose nennt eine Studie, in der etwa 7 von 100 Personen beim Auftragen ein Kontaktekzem bekamen.14 In vier kleinen Studien mit zusammen 363 Teilnehmenden, in denen Öl, Gel oder Salbe aufgetragen wurde, fiel dagegen keine Hautreaktion auf.1213 Aus Hautkliniken in den USA und in Europa gibt es zudem zahlreiche Berichte über allergische Ekzeme, teils großflächig oder mit Blasen, darunter eine Fallserie mit acht schweren Verläufen.1516

Als Auslöser gilt Thymochinon, der Stoff, dem das Öl auch seine Wirkung verdanken soll.17 Bemerkenswert ist ein Fall aus Frankreich, in dem eine Person ein schweres Ekzem bekam, weil der Partner eine Bartpflege mit Schwarzkümmelöl benutzte.18 Auch in Deutschland sind solche Fälle seit den Neunzigerjahren beschrieben.1920 Vor dem ersten großflächigen Auftragen lohnt sich deshalb ein Test an einer kleinen Hautstelle, wie ihn die Anwendung von Schwarzkümmelöl auf der Haut beschreibt. Nach einer allergischen Reaktion sollte Schwarzkümmel auch nicht mehr eingenommen werden.

So wurde gemessen
  • Studien mit Auftragen: zyklische Brustschmerzen (156 Frauen, 2 Monate) und Akne (60 Personen, 60 Tage), zusammen mit zwei weiteren Studien 363 Personen ohne berichtete Hautreaktion.1213
  • Übersicht Kniearthrose: 6 Studien mit 370 Personen; in einer Studie Kontaktekzem bei 7,1 % der Personen mit aufgetragenem Öl.14
  • Fallberichte: Serie mit 8 schweren Hautreaktionen aus den USA;15 5 Fälle aus Frankreich;16 Thymochinon im Pflastertest als Allergen bestätigt;17 Ekzem durch die Bartpflege des Partners.18

Schwere Hautreaktionen

Wie häufig Schwarzkümmel schwere Reaktionen mit Blasen und sich ablösender Haut auslöst, ist ungeklärt, denn Studien sind für so seltene Ereignisse viel zu klein. Bekannt sind sie nur aus Fallberichten: ein Ausschlag mit Blasen nach der Einnahme eines Präparats in den USA,21 der Fall der Französin mit Fieber und Blasen11 und eine Überempfindlichkeitsreaktion des ganzen Körpers mit Beteiligung innerer Organe nach dem Auftragen.22 Eine Häufigkeit lässt sich aus solchen Einzelfällen nicht ableiten. Wer einmal so reagiert hat, sollte Schwarzkümmel dauerhaft meiden.

Sicherheitshinweis

Bei Hautausschlag mit Fieber, Blasen, wunden Schleimhäuten oder geschwollenen Lymphknoten Schwarzkümmel sofort absetzen. Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Verträgt sich Schwarzkümmelöl mit Medikamenten?

Bei Dauermedikamenten ist eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ratsam, auch wenn echte Wechselwirkungen kaum untersucht sind. Drei Wege sind denkbar. Schwarzkümmel senkt selbst Blutzucker und Blutdruck etwas, er könnte die Blutgerinnung beeinflussen, und er bremst womöglich den Abbau von Medikamenten in der Leber.

Blutzucker- und Blutdruckmittel

Ob Schwarzkümmel zusammen mit Blutzuckersenkern Unterzuckerungen auslöst, ist nicht untersucht, obwohl die Frage naheliegt, denn Schwarzkümmel senkt den Blutzucker selbst etwas. So sank in einer älteren Studie der Nüchternzucker bei Menschen mit Diabetes, die zu ihren Tabletten zwei Gramm gemahlene Samen nahmen, um rund 50 mg/dl,23 doch Unterzuckerungen wurden dort nicht gezählt. Wer Insulin oder blutzuckersenkende Tabletten nimmt, sollte vor dem Start mit der Praxis sprechen und in den ersten Wochen öfter messen. Bei Zittern, Schweißausbruch oder Heißhunger hilft sofort Traubenzucker, bei Bewusstseinstrübung ist sofort ärztliche Hilfe nötig, über die 112.

Ob der Blutdruck zusammen mit Blutdrucksenkern zu stark sinkt, ist ebenfalls ungeklärt. Schwarzkümmel allein senkt den oberen Wert im Mittel um etwa 3 mmHg.24 In einer kleinen Studie mit 55 Menschen mit Bluthochdruck, die acht Wochen lang zusätzlich zu ihren Tabletten Öl nahmen, wurden dagegen keine Probleme berichtet, nach Schwindel wurde aber nicht gezielt gefragt.25 Eine Kontrolle des Blutdrucks in den ersten Wochen ist deshalb sinnvoll, und bei Schwindel beim Aufstehen ist ein Gespräch mit der Praxis ratsam.

So wurde gemessen
  • Diabetes: 94 Personen, 1, 2 oder 3 g gemahlene Samen zusätzlich zu Tabletten über 3 Monate; bei 2 g Nüchternzucker im Mittel 45 bis 62 mg/dl niedriger, Unterzuckerungen nicht berichtet.23
  • Blutdruck: Sammelauswertung, oberer Wert −3,25 mmHg;24 55 Personen mit Bluthochdruck, 2,5 ml Öl zweimal täglich oder Sonnenblumenöl über 8 Wochen zusätzlich zu Medikamenten, keine Nebenwirkungen berichtet.25

Blutverdünner und Blutungen

Ob Schwarzkümmel Blutungen fördert, ist ungeklärt, denn keine Studie hat es zusammen mit Blutverdünnern geprüft. Ein Fallbericht aus dem Iran beschreibt einen Mann mit Darmkrebs, der unter Chemotherapie und zwei Plättchenhemmern auf eine höhere Tagesmenge Öl umstieg. Danach bildete sich ein großer Bluterguss bei stark verminderten Blutplättchen, der nach dem Absetzen in zehn Tagen abheilte.4 Ein zweiter Bericht schildert einen starken Abfall der Blutplättchen nach einer Operation.27 In kleinen Placebo-Studien mit Gesunden und Menschen mit Arthrose blieb das Blutbild dagegen unauffällig.126

Beide Fälle hatten weitere mögliche Ursachen. Bei Blutverdünnern, Plättchenhemmern oder einer Chemotherapie gehört Schwarzkümmel trotzdem nur in ärztlicher Absprache dazu, und vor Operationen oder Zahneingriffen sollte die Einnahme angegeben werden. Ungewöhnliche Blutergüsse, Nasen- oder Zahnfleischbluten sind ein Grund, das Öl abzusetzen und es abklären zu lassen. Bei starker Blutung ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Abbau von Medikamenten in der Leber

Ob Schwarzkümmel den Abbau von Medikamenten bremst, ist ungeklärt, ein Warnsignal gibt es aber. In einer winzigen Untersuchung ohne Kontrollgruppe nahmen vier gesunde Freiwillige eine Woche lang gemahlene Samen und schluckten vorher und nachher ein Testmedikament. Danach baute ihre Leber das Mittel über zwei wichtige Enzyme langsamer ab, über eines davon sehr stark, wobei die Arbeit nur Verhältniszahlen und keine absoluten Werte nennt.28 Über diese Enzyme werden viele Antidepressiva, Schmerzmittel vom Opioid-Typ und Mittel nach Organtransplantationen abgebaut, deren Spiegel dann steigen könnten.

Mit echten Medikamenten wurde das nie geprüft. Hinzu kommt ein Laborbefund zum Blutverdünner Warfarin: Thymochinon, der Hauptwirkstoff des Öls, hemmte im Reagenzglas das Leberenzym, das Warfarin abbaut, und eine Modellrechnung der Autoren sagt schon ab etwa einem Gramm Öl am Tag eine Wechselwirkung voraus.33 An Menschen geprüft ist auch das nicht. Ein Fallbericht aus den USA beschreibt aber ein Serotonin-Syndrom, eine ernste Überreaktion des Nervensystems, nach einer Spiegelung bei einem Patienten, der Schwarzkümmelöl genommen hatte.5 Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb in Praxis oder Apotheke nachfragen. Bei Unruhe, Zittern, Fieber und Herzrasen nach einer Medikamentengabe ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

So wurde gemessen
  • Blutungen: Fallbericht, 51-jähriger Mann, Chemotherapie und zwei Plättchenhemmer, 2.000 mg Öl täglich; Blutplättchen 52.000/µl, Zusammenhang als möglich eingestuft, mit 1.000 mg kein erneuter Bluterguss.4 Fallbericht, 69-jährige Frau nach Operation, Blutplättchen um mehr als 90 % gefallen, zuvor Schwarzkümmel- und Nachtkerzenöl.27
  • Abbau: 4 Gesunde, 2,5 g Samen zweimal täglich über 7 Tage, Testmedikament Dextromethorphan; Abbau über CYP2D6 stark, über CYP3A4 leicht verlangsamt, ohne Kontrollgruppe.28 Warfarin: Laborversuche und Modellrechnung ohne Menschen, Hemmung über das Leberenzym CYP2C9, vorhergesagte Wechselwirkung ab etwa 1 g Öl täglich.33

Ist Schwarzkümmelöl leberschädigend?

Ob Schwarzkümmel die Leber schädigen kann, ist ungeklärt, obwohl sich in Studien kein Schaden zeigte. Hinweise gibt es nur aus einem Fallbericht aus der Türkei, in dem nach Schwarzkümmelöl ein Leber- und Nierenschaden zusammen mit einem Zerfall von Muskelgewebe auftrat.10 In fünf kleinen Placebo-Studien mit zusammen 437 Teilnehmenden trat dagegen in keiner der beiden Gruppen ein Leberschaden auf, selbst bei rund sieben Millilitern Öl täglich über einen Monat.126 Auch in einer Auswertung von 19 Studien verschlechterten sich die Leberwerte im Mittel nicht, und bei einer Fettleber sanken sie sogar, was zu den Befunden in der Übersicht zur Wirkung von Schwarzkümmelöl passt.2

Die Grenzen sind trotzdem deutlich. Keine dieser Studien lief länger als drei Monate, und Menschen mit Lebererkrankung waren kaum dabei. Bei einer Lebererkrankung ist vor der Einnahme eine ärztliche Abklärung ratsam. Gelbe Haut oder Augen, dunkler Urin oder anhaltende Übelkeit sind ein Grund, das Öl abzusetzen und die Leberwerte prüfen zu lassen.

Ob Schwarzkümmel die Nieren schädigt, ist ebenso ungeklärt. Zwei Fallberichte beschreiben ein akutes Nierenversagen, einmal bei einem Menschen mit Diabetes.310 In den Studien blieben die Nierenwerte dagegen stabil, nur bei Tagesmengen über zwei Gramm berichten die Autoren einer Auswertung einen Anstieg des Harnstoffs, ohne dafür einen eindeutigen Wert zu nennen.2 Bei einer Nierenerkrankung gehört Schwarzkümmel deshalb nur in ärztliche Absprache.

So wurde gemessen
  • Leber: 5 Placebo-Studien mit zusammen 437 Personen, kein Leberschaden; darunter 116 Ältere mit Arthrose, 2,5 ml Öl alle 8 Stunden über 1 Monat.26 Sicherheitsstudie mit 70 Gesunden über 90 Tage, Leberwerte unverändert.1
  • Auswertung: 19 Studien mit 1.295 Personen; alkalische Phosphatase etwas gesunken, Harnstoffanstieg über 2 g täglich laut Autoren.2
  • Fallberichte: Muskelzerfall, Nieren- und Leberschaden;10 akutes Nierenversagen bei Diabetes.3

Darf man Schwarzkümmelöl in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?

In der Schwangerschaft ist Schwarzkümmel nicht untersucht, und ein Hinweis mahnt zur Vorsicht. Er stammt aus einer iranischen Placebo-Studie mit 70 Frauen, deren Schwangerschaft in den ersten Wochen abgestorben war, ohne dass der Körper sie ausgestoßen hatte. Mit hoch dosiertem Öl über bis zu drei Tage wurde die Gebärmutter bei gut der Hälfte vollständig entleert, mit Scheinpräparat nur bei jeder fünften.29 Die Autoren vermuten eine Wirkung auf den Gebärmutterhals.

Eine intakte Schwangerschaft betraf das nicht. Doch es zeigt, dass Schwarzkümmel in größeren Mengen auf die Gebärmutter wirken kann. In der Schwangerschaft ist es deshalb sinnvoll, auf Öl, Kapseln und Extrakte zu verzichten. Kleine Mengen als Gewürz entsprechen einer alten Tradition in der Küche, Studien dazu gibt es aber nicht. Für die Stillzeit fehlen Daten ganz, dort sollte Schwarzkümmel nur nach ärztlicher Rücksprache genommen werden.

Sicherheitshinweis

Bei Blutungen oder Unterleibskrämpfen in der Schwangerschaft ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

So wurde gemessen
  • 70 Erstschwangere mit verhaltener Fehlgeburt vor der 12. Woche, 5 g Öl täglich bis zu 3 Tage oder Placebo, danach bei Bedarf ein Medikament; vollständige Entleerung 51,4 gegenüber 20 %; Nebenwirkungen 8,6 gegenüber 2,9 %, nicht sicher verschieden.29

Ist Schwarzkümmelöl für Kinder geeignet?

Für gesunde Kinder ist die Sicherheit nicht untersucht. Es gibt nur einzelne Studien mit kranken Kindern unter ärztlicher Aufsicht, etwa mit schwer behandelbarer Epilepsie, Lupus oder Leukämie. Dabei wurde die Menge genau nach dem Körpergewicht berechnet.303132 Daraus lässt sich keine sichere Menge für ein gesundes Kind ableiten, und die Ergebnisse dieser Studien waren zudem gemischt.

Hinzu kommen dieselben Risiken wie bei Erwachsenen. Vor allem die Haut von Kindern kann auf Thymochinon allergisch reagieren, und für Kinder mit Neurodermitis gibt es keine Daten. Wer Schwarzkümmel bei einem Kind ausprobieren möchte, sollte das deshalb vorher mit der Kinderarztpraxis besprechen. Als Gewürz im Essen ist der Samen dagegen seit Langem gebräuchlich.6

Unsere Einordnung

Für gesunde Erwachsene zeigten die Studien über einige Wochen keine ernsten Probleme, länger untersucht ist Schwarzkümmel aber nicht. Die echten Risiken liegen auf der Haut, bei Medikamenten, in der Schwangerschaft und in der Qualität mancher Öle. Wer Dauermedikamente nimmt, schwanger ist oder eine Leber- oder Nierenerkrankung hat, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Haben Schwarzkümmelöl-Kapseln Nebenwirkungen?

Kapseln enthalten dasselbe Öl wie die Flasche und können deshalb dieselben Beschwerden auslösen, etwa Aufstoßen mit Ölgeschmack oder Blähungen.1 Auch die Wechselwirkungen mit Medikamenten gelten für Kapseln genauso.

Kann Schwarzkümmelöl den Nieren schaden?

In den Studien mit Scheinpräparat blieben die Nierenwerte stabil.2 Zwei Fallberichte beschreiben aber ein akutes Nierenversagen, ein Zusammenhang ist damit nicht bewiesen.3 Bei einer Nierenerkrankung ist ärztlicher Rat vor der Einnahme ratsam.

Muss man Schwarzkümmelöl vor einer Operation absetzen?

Eine feste Regel gibt es dafür nicht. Weil Fallberichte Blutungen und eine Wechselwirkung nach einem Eingriff beschreiben, sollte die Einnahme vor jeder Operation oder Spiegelung angegeben werden.45

Wie lange darf man Schwarzkümmelöl nehmen?

Eine Obergrenze ist nicht bekannt. Die Studien mit Scheinpräparat liefen höchstens drei Monate, für eine Einnahme über Jahre fehlen Daten zur Sicherheit.

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Alle 33 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Thomas et al. 2022, Toxicol Rep70 Gesunde, thymochinonreicher Öl-Extrakt 200 mg/Tag oder Placebo, 90 Tage; Hersteller unter den AutorenALT, AST, AP, Kreatinin, Harnstoff und Blutbild unverändert; keine schweren NebenwirkungenRCT (Hersteller, maßgebliche Sicherheitsstudie)
2Razmpoosh et al. 2020, Pharmacol Res19 kontrollierte Studien, 1.295 Pers.alkalische Phosphatase WMD −10,825 U/l (9 Studien, 710 Pers.); AST bei über 12 Wochen −11,317 U/l (2 Studien, 201 Pers.); keine Verschlechterung der Leberwerte berichtetMeta-Analyse (Leberwerte als Mittelwerte)
3Arslan et al. 2013, J Integr MedIn einem Fallbericht aus der Türkei trat bei einem Menschen mit Diabetes ein akutes Nierenversagen auf, das mit der Einnahme von Schwarzkümmel in Verbindung gebracht wurde (kein Abstract verfügbar).Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
4Arab et al. 2026, Hosp PharmIn einem Fallbericht aus dem Iran entwickelte ein 51-jähriger Mann mit Darmkrebs unter Chemotherapie und zwei Plättchenhemmern nach Steigerung auf 2.000 mg Schwarzkümmelöl täglich einen großen BlutergZusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
5Warner et al. 2019, A A PractIn einem Fallbericht aus den USA entwickelte ein Patient unmittelbar nach einer endoskopischen Untersuchung ein Serotonin-Syndrom; die vorherige Einnahme von Schwarzkümmelöl schien nach Einschätzung dZusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
6Burdock 2022, Regul Toxicol Pharmacoltoxikologische Übersicht zu Schwarzkümmel als Lebensmittel und Heilmittel (Beratungsfirma, keine Behörde)Inhaltsstoffe stark schwankend (Herkunft, Sorte, Verunreinigung, Verfälschung, Gewinnung); Samen in üblichen Lebensmittelmengen sicher; einzelne Allergien nach Auftragen auf die HautÜbersichtsarbeit (Toxikologie)
7Szydłowska-Czerniak et al. 2022, Antioxidants (Basel)7 kaltgepresste Schwarzkümmelöle aus dem polnischen Handel; zwei Autorinnen bei einem Ölkonzern angestelltSumme von 4 PAK 4,48 bis 46,68 µg/kg, bei 4 Ölen über dem EU-Höchstgehalt von 10 µg/kg; Linolsäure meist über 50 %; ein Öl mit 23 % Alpha-Linolensäure (Verdacht auf Verfälschung)Laboranalyse (Handelsprodukte)
8Sukatendel et al. 2025, Narra J50 Frauen nach den Wechseljahren, Samenextrakt 910 oder 1.365 mg/Tag oder Placebo, 8 Wochen2 Teilnehmerinnen der Schwarzkümmel-Gruppen brachen wegen Übelkeit abRCT
9He et al. 2024, Front Pharmacol8 RCTs bei allergischer RhinitisNebenwirkungen OR 1,01 gegenüber KontrolleMeta-Analyse (gemischt, Nebenwirkungen gesamt)
10Sener et al. 2024, ToxiconIn einem Fallbericht aus der Türkei kam es nach der Einnahme von Schwarzkümmelöl zu Muskelzerfall (Rhabdomyolyse), akutem Nierenversagen und einer Leberschädigung.Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
11Gelot et al. 2012, Ann Dermatol VenereolIn einem Fallbericht aus Frankreich bekam eine 53-jährige Frau, die Schwarzkümmelöl zwei Wochen lang einnahm und auftrug, einen fieberhaften Ausschlag mit Blasen; die Gewebeprobe passte zu einer toxisZusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
12Huseini et al. 2016, Planta Med156 Frauen mit zyklischer Mastalgie, Öl 600 mg 2× täglich auf die Brust, Diclofenac oder Placebo, 2 Monatekeine Nebenwirkungen beobachtetRCT (äußerliche Anwendung)
13Soleymani et al. 2020, Phytother Res60 Pers. mit Akne, Schwarzkümmel-Hydrogel oder Placebo-Gel 2× täglich, 60 Tagekeine Nebenwirkungen in beiden GruppenRCT (äußerliche Anwendung)
14Mousavi et al. 2024, Health Sci Rep6 RCTs, 370 Pers. mit Kniearthrose, äußerlich und innerlicheine Studie mit Kontaktdermatitis bei 7,1 % (aufgetragen) bzw. 13,4 % (eingenommen); sonst keine schweren NebenwirkungenSystematischer Review (Kontaktdermatitis in einer Studie)
15Zhivov et al. 2024, J Clin Aesthet DermatolEine Fallserie aus den USA beschreibt acht Menschen mit schweren Hautreaktionen nach dem Auftragen von Schwarzkümmelöl und betont den Pflastertest und die Frage nach pflanzlichen Mitteln.Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
16Seiller et al. 2021, Contact DermatitisEine Fallserie aus Frankreich beschreibt fünf weitere Menschen mit Kontaktallergie gegen Schwarzkümmelöl; die Empfindlichkeit ging mit einer Reaktion auf den Zusatzstoff TBHQ einher (kein Abstract verZusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
17Kurihara et al. 2020, Contact DermatitisEin Fallbericht aus Frankreich identifiziert Thymochinon als auslösendes Allergen einer Kontaktdermatitis durch Schwarzkümmelöl, mit Kreuzreaktion auf TBHQ (kein Abstract verfügbar).Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
18Assier et al. 2023, Contact DermatitisIn einem Fallbericht aus Frankreich bekam eine Person ein schweres Kontaktekzem durch den Kontakt mit der Bartpflege des Partners, die Schwarzkümmelöl enthielt (kein Abstract verfügbar).Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
19Steinmann et al. 1997, Contact DermatitisEin Fallbericht aus Deutschland beschreibt ein allergisches Kontaktekzem nach dem Auftragen von Schwarzkümmelöl (kein Abstract verfügbar).Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
20Zedlitz et al. 2002, Contact DermatitisEin Fallbericht aus Deutschland beschreibt ein allergisches Kontaktekzem durch eine Salbe mit Schwarzkümmelöl (kein Abstract verfügbar).Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
21Chu et al. 2026, JAAD Case RepEin Fallbericht aus den USA beschreibt eine blasenbildende Hautreaktion, die einem Stevens-Johnson-Syndrom ähnelte, nach der Einnahme eines Schwarzkümmel-Präparats (kein Abstract verfügbar).Zusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
22Fargeas et al. 2022, Contact DermatitisEin Fallbericht aus Frankreich beschreibt ein DRESS-Syndrom (schwere Überempfindlichkeitsreaktion mit Beteiligung innerer Organe) nach äußerlicher Anwendung von Schwarzkümmelöl (kein Abstract verfügbaZusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
23Bamosa et al. 2010, Indian J Physiol Pharmacol94 Pers. mit Typ-2-Diabetes, 1, 2 oder 3 g Samen/Tag zusätzlich zu Diabetes-Tabletten, 3 Monatebei 2 g/Tag Nüchternzucker im Mittel −45 bis −62 mg/dl, HbA1c −1,52 %; Unterzuckerungen nicht berichtetDosisvergleich (Zusatz zu Tabletten)
24Musazadeh et al. 2026, Endocrinol Diabetes Metab31 Studien, 2.145 Pers. mit StoffwechselerkrankungenNüchternzucker WMD −18,62 mg/dl (−23,30 bis −13,95); HbA1c WMD −0,56 (−0,79 bis −0,33)Meta-Analyse (Blutzuckersenkung)
25Shoaei-Hagh et al. 2021, Phytother Res55 Pers. mit Bluthochdruck, Öl 2,5 ml 2× täglich oder Sonnenblumenöl, 8 Wochenkein Leberschaden, keine Nebenwirkungen berichtetRCT
26Huseini et al. 2022, Complement Ther Clin Pract116 Pers. 50 bis 70 Jahre mit Kniearthrose, Öl 2,5 ml alle 8 h oder Placebo, 1 Monatkein Leberschaden; Leberwerte, Kreatinin und Blutbild unverändertRCT (hohe Öl-Dosis)
27Wang et al. 2020, CureusIn einem Fallbericht aus den USA fielen bei einer 69-jährigen Frau mit Gebärmutterkrebs nach einer Operation die Blutplättchen um über 90 Prozent; sie hatte etwa einen Monat lang Schwarzkümmel- und NaZusammenhang nicht bewiesen (Einzelfall)Fallbericht
28Al-Jenoobi et al. 2010, Drug Metab Lett4 gesunde Freiwillige, 2,5 g Samen 2× täglich über 7 Tage, Testmedikament Dextromethorphan 30 mg vorher und nachher; dazu LaborversucheStoffwechselquotienten DEX/DOR 127-fach (CYP2D6) und DEX/3-MM 1,6-fach (CYP3A4) erhöhtPharmakokinetik-Studie (ohne Kontrolle, 4 Pers.)
29Mohammadi et al. 2024, Health Sci Rep70 Erstschwangere mit verhaltener Fehlgeburt vor der 12. Woche, 5 g Öl täglich bis 3 Tage oder Placebo, danach bei Bedarf Misoprostol, doppelblindvollständige Entleerung 51,4 % vs. 20 % (p < 0,05); hCG gesunken; Nebenwirkungen 8,6 % vs. 2,9 %, nicht signifikantRCT (indirekter Hinweis)
30Shawki et al. 2013, Epileptic Disord30 Kinder mit therapieresistenter Epilepsie, Öl 40–80 mg/kg/Tag oder Placebo, je 4 Wochen, Crossover, einfach verblindetkein signifikanter Unterschied in Anfallshäufigkeit, -schwere oder oxidativen MarkernRCT (Gegenbefund)
31Barlianto et al. 2024, Narra J32 Kinder mit SLE, Öl 1 g/Tag oder Stärke-Placebo zur Standardtherapie, 8 Wochen, doppelblindSLEDAI-2K in beiden Gruppen gesunken, kein Unterschied zwischen den GruppenRCT (Gegenbefund)
32Hagag et al. 2020, J Oncol Pharm Pract40 Kinder mit ALL unter Doxorubicin, Öl oder Placebo, jeweils 1 Woche nach jeder Gabesystolische Funktion nach Doxorubicin in der Placebogruppe stärker gesunken; diastolische Funktion und EKG unverändertRCT (einzige Studie)
33Wang et al. 2022, Chem Biol InteractLaborversuche und Modellrechnung, keine MenschenThymochinon hemmt den Abbau von Warfarin über das Leberenzym CYP2C9; Modell sagt ab etwa 1 g Öl täglich eine Wechselwirkung vorausLaborstudie

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