Die kurze Antwort
In den meist kurzen Studien machte Astaxanthin in üblichen Mengen nicht häufiger Beschwerden als ein Scheinpräparat, vereinzelt gab es Übelkeit. Der Leberwert ALT steigt wahrscheinlich leicht, bleibt aber im Normalbereich. Krebs trat nur bei Ratten unter extrem hohen Mengen auf. Für Erwachsene gilt in der EU eine Grenze von 8 mg am Tag, für Kinder weniger. Mit Blutverdünnern ist Vorsicht nötig, Schwangerschaft ist nicht untersucht.
Auf dieser Seite 8 Abschnitte
- Welche Nebenwirkungen hat Astaxanthin?
- Erhöht Astaxanthin die Leberwerte?
- Ist Astaxanthin krebserregend?
- Gibt es bei Astaxanthin eine Erstverschlimmerung?
- Wie viel Astaxanthin ist zu viel?
- Dürfen Kinder Astaxanthin nehmen?
- Darf man Astaxanthin in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
- Verträgt sich Astaxanthin mit Blutverdünnern?
Der Befund kommt mit der Post, und meist ist er unspektakulär: Leberwerte im Normalbereich, nur das Enzym ALT ein paar Einheiten höher als beim letzten Mal. Wer seit einigen Wochen rote Kapseln mit Astaxanthin nimmt, fragt sich dann, ob das zusammenhängt. Die Frage ist berechtigt, denn genau dieser kleine Anstieg ist der einzige Nebeneffekt, für den die Studienlage einigermaßen solide ist. Alles andere, von Krebs über Blutungen bis zur Erstverschlimmerung, beruht auf Tierversuchen, Einzelfällen oder gar keinen Daten. Das ist beruhigend und ernüchternd zugleich.
Welche Nebenwirkungen hat Astaxanthin?
Ob Astaxanthin in üblichen Mengen Nebenwirkungen macht, ist ungeklärt. Ein deutlicher Schaden zeigte sich bisher nicht. Am ehesten fielen leichte Magen-Darm-Beschwerden auf. In einer Studie mit Menschen mit Herzschwäche, die acht Wochen lang eine vergleichsweise hohe Menge synthetisches Astaxanthin nahmen, klagten 2 von 40 über Übelkeit oder Erbrechen, unter Scheinpräparat (Placebo) niemand.4 Ob das Zufall war, lässt sich bei so kleinen Zahlen nicht sagen. Eine Übersicht über 87 Studien mit Astaxanthin aus Algen fand dagegen keine Bedenken,1 und selbst deutlich höhere Mengen über vier Wochen machten in einer Studie zum Reizmagen nicht mehr Bauchbeschwerden als das Scheinpräparat.7 Das gilt für Erwachsene und Einnahmen über einige Wochen bis ein Jahr. Für viele Jahre fehlen Daten.
Das deckt sich mit den Einzelstudien. In mehreren Placebo-Studien mit einigen Dutzend Teilnehmenden wurden in beiden Gruppen schlicht keine Nebenwirkungen beobachtet, etwa bei älteren Menschen über drei Monate oder bei Männern mit Kinderwunsch.23 Doch gezielt danach gesucht haben nur wenige Studien, und selbst die längste begleitete Menschen mit Spenderniere nur ein Jahr lang, ohne dabei Unterschiede zur Vergleichsgruppe zu finden.6 Auffällig ist außerdem, dass mehrere der Studien mit sauberer Bilanz von Herstellern bezahlt wurden.
So wurde gemessen
- Sicherheitsübersicht: 87 Humanstudien mit Algen-Astaxanthin ohne Sicherheitsbedenken, 35 davon mit mindestens 12 mg täglich.1
- Placebo-Studien mit Nebenwirkungsangaben: 96 Ältere mit 6 oder 12 mg über 12 Wochen, keine Nebenwirkungen in beiden Gruppen (herstellerfinanziert);2 80 Männer mit 16 mg über 3 Monate, ebenso.3 35 Gesunde mit 6 mg über 8 Wochen: Blutbild und Stoffwechselwerte bis auf drei klinisch bedeutungslose Kleinstunterschiede gleich.5
- Höhere Mengen: 20 mg synthetisch über 8 Wochen, Übelkeit oder Erbrechen 2 von 40 gegenüber 0 von 40, ohne statistischen Test;4 16 oder 40 mg über 4 Wochen bei 132 Personen, Beschwerden wie unter Placebo.7
- Längste Studie: 61 Nierentransplantierte, 12 mg über ein Jahr.6
Erhöht Astaxanthin die Leberwerte?
Dass Astaxanthin den Leberwert ALT leicht anhebt, ist ein wahrscheinlicher Schaden, wenn auch ein kleiner. ALT ist ein Enzym, das vor allem in Leberzellen sitzt und ins Blut übertritt, wenn diese gereizt oder geschädigt werden. In einer Sammelauswertung von fünf Placebo-Studien mit 196 Erwachsenen, die Astaxanthin einige Wochen bis knapp ein Jahr lang nahmen, lag der Wert am Ende um knapp 2 Einheiten pro Liter höher als unter Scheinpräparat.8 Die anderen Leberwerte veränderten sich dagegen nicht, und eine Auswertung, die viele verschiedene Carotinoide zusammenrechnete, fand auch bei ALT keinen Anstieg.9 Bei Menschen mit kranker Leber wurde Astaxanthin nie auf Nebenwirkungen geprüft.
Wie groß ist das? Ein Plus von zwei Einheiten bleibt im Normalbereich, auf einem einzelnen Laborbefund würde es kaum jemandem auffallen. Das spricht gegen einen echten Leberschaden, schließt ihn aber nicht aus. Ob der kleine Anstieg auf Dauer etwas bedeutet, weiß bislang niemand.
Für den Alltag heißt das vor allem Transparenz. Wer eine Lebererkrankung hat oder regelmäßig Leberwerte kontrollieren lässt, sollte Astaxanthin vorher ärztlich besprechen und die Einnahme bei der Blutabnahme erwähnen. Der Wunsch, mit Astaxanthin eine Fettleber zu behandeln, steht ohnehin auf dünnem Eis. Wie der Blick auf die Wirkung von Astaxanthin auf die Leber zeigt, gibt es dafür keine Studie am Menschen.
So wurde gemessen
- Sammelauswertung: 5 randomisierte Studien mit 196 Personen, 6 bis 12 mg täglich über 4 bis 48 Wochen; ALT +1,92 U/L (0,16 bis 3,68; p = 0,03), AST +0,72, GGT +0,48, alkalische Phosphatase +2,85 U/L, jeweils nicht signifikant.8
- Gegenbefund: 15 Studien mit 757 Personen und verschiedenen Carotinoiden, ALT −2,25 IU/L, nicht signifikant.9
Ist Astaxanthin krebserregend?
Für Krebs beim Menschen gibt es keinen Hinweis, die Sorge stammt aus einer Rattenstudie mit extrem hohen Mengen. Dort bekamen Ratten zwei Jahre lang synthetisches Astaxanthin im Futter, und weibliche Tiere entwickelten ab 200 mg je Kilogramm Körpergewicht häufiger gutartige Lebertumoren.10 Umgerechnet auf einen Menschen von 70 Kilo wären das 14 Gramm am Tag, mehr als das Tausendfache der in der EU erlaubten Menge.
Dabei deuten mehrere Befunde darauf hin, dass die Tumoren eine Folge der Leberbelastung bei weiblichen Ratten waren. Bei Mäusen trat nichts dergleichen auf, und Tests auf Erbgutschäden fielen unauffällig aus.10 Die Übersicht dazu stammt allerdings von Angestellten eines Herstellers synthetischen Astaxanthins, was zur Vorsicht beim Lesen mahnt. Unabhängig davon hat die EFSA genau diese Rattenstudie genutzt, um ihre Grenze zu ziehen, und dafür einen Sicherheitsabstand vom Faktor 200 eingerechnet.11
Für die Frage, ob Astaxanthin vor Krebs schützt, gibt es übrigens ebenso wenig Daten. Studien am Menschen mit Krebs als Messgröße fehlen in beide Richtungen.
So wurde gemessen
- Rattenstudie über zwei Jahre mit 0, 40, 200 und 1.000 mg/kg täglich: gutartige Leberzelltumoren nur bei Weibchen ab 200 mg/kg, dazu Zeichen leichter Leberschädigung; keine Erbgutschäden im Ames- und Mikrokerntest, keine Tumoren in der Langzeitstudie an Mäusen.10
- Grenzwert: zulässige Tagesmenge 0,2 mg je kg Körpergewicht aus der niedrigsten schädlichen Dosis von 40 mg/kg (vermehrte mehrkernige Leberzellen), geteilt durch 200.11
Gibt es bei Astaxanthin eine Erstverschlimmerung?
Von einer Erstverschlimmerung ist in keiner Studie die Rede, und es gibt auch keinen plausiblen Grund dafür. Der Begriff stammt aus der Naturheilkunde und meint eine vorübergehende Verschlechterung, bevor es besser wird. Doch in den Placebo-Studien mit Astaxanthin tauchte ein solches Muster nicht auf, die wenigen Beschwerden waren leichte Magenprobleme. Wer sich nach Beginn der Einnahme deutlich schlechter fühlt, sollte das deshalb nicht als gutes Zeichen deuten, sondern absetzen und es ärztlich abklären lassen.
Ob Astaxanthin in üblichen Mengen Haut oder Stuhl rötlich färbt, ist ungeklärt, weil niemand gezielt danach gefragt hat. In einer Placebo-Studie mit 27 Übergewichtigen, die zwölf Wochen lang 20 mg täglich nahmen, hatten zwei Teilnehmende rötlichen Stuhl, offenbar in der Astaxanthin-Gruppe; einen Vergleich mit der Placebogruppe gibt es nicht.12 Bei Ratten mit riesigen Mengen verfärbte sich der Kot ebenfalls.10 Astaxanthin ist ein kräftig rotes Pigment, eine solche Färbung wäre harmlos, darf aber nicht mit Blut im Stuhl verwechselt werden. Bei schwarzem, teerartigem oder sichtbar blutigem Stuhl ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Wie viel Astaxanthin ist zu viel?
Für Erwachsene gilt eine Obergrenze von 8 mg am Tag aus Präparaten, zusätzlich zu dem, was mit Fisch und Krebstieren auf den Teller kommt. Diese Menge hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA für Erwachsene als sicher bewertet.13 Sie beruht nicht auf Beschwerden bei Menschen, sondern auf der Rattenstudie mit großem Sicherheitsabstand, weshalb eine einzelne Kapsel mehr noch keine Vergiftung bedeutet.11
Eine echte Überdosierung mit Vergiftungszeichen ist beim Menschen nicht beschrieben. Das liegt auch daran, dass die Studien kaum über 20 mg hinausgingen. Ein Freibrief ist das nicht. Sinnvoll ist es, die Grenze einzuhalten, und zwar über alle Produkte hinweg. Nach EU-Recht müssen Präparate darauf hinweisen, dass sie nicht zusammen mit anderen astaxanthinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln am selben Tag eingenommen werden sollen.14 Welche Mengen in den Studien verwendet wurden, zeigt der Abschnitt zur Astaxanthin-Dosierung.
So wurde gemessen
- EFSA-Bewertung: 8 mg täglich aus Nahrungsergänzung plus übliche Aufnahme über Fisch und Krebstiere für Erwachsene sicher; Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren erreichen die zulässige Tagesmenge, 10- bis unter 14-Jährige überschreiten sie um 28 %, Säuglinge von 4 bis 6 Monaten um bis zu 524 %.13
- Zulässige Tagesmenge 0,2 mg je kg Körpergewicht; für einen Erwachsenen mit 70 kg rechnerisch 14 mg aus allen Quellen.11
Dürfen Kinder Astaxanthin nehmen?
Kinder dürfen Astaxanthin nur in deutlich kleineren Mengen bekommen, das schreibt die EU seit 2023 vor. Der Grund ist eine Rechnung: Die EFSA ermittelte, dass schon Schulkinder mit der Erwachsenenmenge die zulässige Tagesmenge überschreiten, weil sie viel weniger wiegen.13 Deshalb begrenzt die EU Präparate nach Alter, für Kinder ab drei Jahren auf weniger als ein Drittel und für Kinder ab zehn auf knapp drei Viertel der Erwachsenenmenge.14 Kleinkinder unter drei Jahren sollen gar keine Präparate erhalten.
Ob Astaxanthin Kindern tatsächlich schadet, ist ungeklärt. Geprüft hat das nur eine einzige Studie mit 64 Schulkindern, die eigentlich Astaxanthin gegen müde Augen untersuchte. Mit 4 mg täglich über knapp drei Monate lagen die Sicherheitswerte wie unter Placebo, bezahlt hat die Studie allerdings der Hersteller.16 Hinzu kommt ein neuer Weg, auf dem Astaxanthin zu Kindern gelangt, denn ein Hersteller möchte Algenmehl mit Astaxanthin auch in Säften und Milchersatzgetränken einsetzen. Die EFSA hält das nur dann für sicher, wenn Kinder am selben Tag keine Astaxanthin-Präparate nehmen.15 Kindern sollte Astaxanthin deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache gegeben werden.
So wurde gemessen
- EFSA: Bei 8 mg täglich aus Präparaten plus Nahrung überschreiten 10- bis unter 14-Jährige die zulässige Tagesmenge um 28 %, Säuglinge um bis zu 524 %.13
- EU-Höchstmengen seit 2023: 2,3 mg täglich für Kinder von 3 bis unter 10 Jahren, 5,7 mg von 10 bis unter 14 Jahren, 8 mg ab 14 Jahren; Hinweis auf der Packung, dass Präparate nicht an Kinder unter 3 Jahren gehören.14
- Einzige Sicherheitsstudie: 64 Kinder von 10 bis 14 Jahren, 4 mg täglich über 84 Tage, Sicherheitswerte wie unter Placebo; vom Hersteller finanziert.16
Darf man Astaxanthin in der Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?
In Schwangerschaft und Stillzeit ist Astaxanthin nicht untersucht, es gibt keine einzige Studie mit Schwangeren oder Stillenden. Studien mit Paaren, die sich ein Kind wünschten, endeten jeweils vor der Schwangerschaft. Fehlende Daten sind keine Entwarnung. Weil Astaxanthin ohnehin in kleinen Mengen in Lebensmitteln wie Lachs vorkommt, spricht nichts gegen Fisch auf dem Teller, wohl aber gegen hoch dosierte Kapseln ohne ärztlichen Rat.
Verträgt sich Astaxanthin mit Blutverdünnern?
Ob Astaxanthin zusammen mit Blutverdünnern Blutungen fördert, ist ungeklärt, denn kontrollierte Studien dazu gibt es nicht. Beschrieben ist ein einzelner Fall. Eine 69-jährige Frau in Thailand, die nach einem Schlaganfall gleichbleibend Warfarin, ASS und weitere Medikamente nahm, bekam einen Tag nach Beginn der Astaxanthin-Einnahme einen Bluterguss an Leiste und Oberschenkel, der am nächsten Tag größer war.17 Ihr Gerinnungswert INR stieg dabei von 1,4 auf 10,4 und normalisierte sich erst nach Absetzen und Gabe von Vitamin K, die Fachleute hielten einen Zusammenhang mit Astaxanthin für naheliegend. Im Laborversuch mit menschlichem Blut veränderte eine Astaxanthin-Vorstufe die Gerinnung dagegen nicht, auch nicht bei Menschen, die ASS nahmen.18 Der Hinweis betrifft damit Menschen unter Warfarin, Phenprocoumon oder anderen Blutverdünnern.
Bewiesen ist durch den Fall nichts. Ein einzelner Fall kann viele Ursachen haben. Und das Reagenzglas bildet die Leber nicht ab, in der Warfarin abgebaut wird. Wer Warfarin, Phenprocoumon oder andere Blutverdünner nimmt, sollte Astaxanthin nur nach ärztlicher Rücksprache beginnen und den Gerinnungswert danach kontrollieren lassen. Bei plötzlichen großen Blutergüssen, Nasenbluten, das nicht stoppt, oder Blut im Urin ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
So wurde gemessen
- Fallbericht: INR vor der Einnahme 1,4, einen Tag später Blutergüsse, am Folgetag INR 10,38; nach Absetzen von Warfarin und Astaxanthin sowie Vitamin K zwei Tage später 1,43. Kausalitätsbewertung: wahrscheinlich.17
- Laborversuch: Blut von 12 Personen ohne und 8 mit ASS; Plättchenfunktion, Gerinnungszeiten und Gerinnselauflösung unverändert.18
Und mit anderen Medikamenten?
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind beim Menschen nicht untersucht, es gibt nur Laborversuche, und in menschlichen Leberzellen regte Astaxanthin dort zwei wichtige Abbauenzyme an, was manche Medikamente theoretisch schneller abbauen könnte.19 Gezeigt ist das nicht. Dagegen trat eine Hemmung anderer Enzyme erst bei Mengen auf, die im Blut nicht erreicht werden.20 Bei Dauermedikamenten gehört Astaxanthin deshalb auf die Medikamentenliste, vor allem bei Mitteln, bei denen schon kleine Spiegelschwankungen zählen.
Ob Astaxanthin den Blutdruck zu stark senkt, ist ebenfalls ungeklärt. Denn keine Studie hat zu niedrigen Blutdruck oder Ohnmachten als Nebenwirkung ausgewertet. In einer kleinen Studie mit 15 Feuerwehrleuten trat Schwindel unter Astaxanthin so oft und so stark auf wie unter Scheinpräparat.22 Im Mittel senkt Astaxanthin den Blutdruck nach der größten Auswertung mit 14 Studien gar nicht.21 Wie es sich zusammen mit Blutdrucksenkern verhält, hat aber niemand geprüft.
Ob Astaxanthin allein die männlichen Hormone verändert, ist genauso ungeklärt. In der einzigen Placebo-Studie mit Astaxanthin allein sank bei 30 unfruchtbaren Männern lediglich das Hormon Inhibin B, das in den Hoden gebildet wird.23 Die Sorge stützt sich vor allem auf Studien mit einer Mischung aus Astaxanthin und Sägepalme, deren Extrakt selbst auf diese Hormone wirkt.24 Wer Mittel gegen eine vergrößerte Prostata nimmt, sollte die Einnahme daher vorher besprechen.
Unser Fazit
Für gesunde Erwachsene ist Astaxanthin bis 8 mg am Tag nach heutigem Stand gut verträglich, mit einer Einschränkung: Der Leberwert ALT steigt wahrscheinlich leicht. Die Krebssorge stammt aus Rattenversuchen mit riesigen Mengen. Ernst zu nehmen sind die Grenzen für Kinder, der Warfarin-Fall und die fehlenden Daten zur Schwangerschaft.
Häufige Fragen
Ist Astaxanthin gesundheitsschädlich?
Für gesunde Erwachsene zeigte sich in den Studien bis 8 mg am Tag kein deutlicher Schaden, nur der Leberwert ALT stieg leicht.8 Ob die Einnahme über viele Jahre unbedenklich ist, ist ungeklärt, weil keine Studie länger als ein Jahr lief.
Macht Astaxanthin die Haut orange?
Bei üblichen Mengen ist eine sichtbare Verfärbung der Haut nicht beschrieben. In einer Studie mit 20 mg am Tag hatten zwei Teilnehmende rötlichen Stuhl, was bei einem roten Farbstoff harmlos ist.12
Macht Astaxanthin müde oder schlaflos?
Dafür gibt es keinen Hinweis. In einer Placebo-Studie mit gesunden Erwachsenen veränderte sich der Schlaf insgesamt nicht.25
Weiterlesen


Alle Themen zu Astaxanthin
Alle 25 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Brendler & Williamson 2019, Phytother Res | Sicherheitsübersicht über 87 Humanstudien mit natürlichem Astaxanthin, dazu Tierstudien und Zulassungsdosen | keine Sicherheitsbedenken in den 87 Studien, 35 davon mit ≥ 12 mg/Tag; kaum Sicherheitsstudien mit synthetischem Astaxanthin | Sicherheitsübersicht |
| 2 | Katagiri et al. 2012, J Clin Biochem Nutr | 96 gesunde Ältere, 6 oder 12 mg/Tag oder Placebo, 12 Wochen; herstellerfinanziert | keine Nebenwirkungen in beiden Gruppen beobachtet | Placebo-RCT (größte mit Nebenwirkungsangabe) |
| 3 | Kumalic et al. 2020, Radiol Oncol | 80 Männer mit eingeschränkter Spermienqualität, 16 mg/Tag oder Placebo, 3 Monate | keine Nebenwirkungen in beiden Gruppen | Placebo-RCT |
| 4 | Mohammadi et al. 2025, BMC Cardiovasc Disord | 80 Pers. mit Herzschwäche, 20 mg/Tag synthetisches Astaxanthin oder Placebo, 8 Wochen | Übelkeit oder Erbrechen bei 2 von 40 gegenüber 0 von 40, kein Test berichtet | Placebo-RCT (höchste Dosis mit Ereigniszahlen) |
| 5 | Spiller & Dewell 2003, J Med Food | 35 gesunde Erwachsene, 6 mg/Tag aus Algenextrakt oder Placebo, 8 Wochen | Blutdruck, Blutbild und Stoffwechselwerte unverändert, drei minimale, klinisch bedeutungslose Unterschiede | Sicherheits-RCT |
| 6 | Coombes et al. 2016, Am J Clin Nutr | 61 Nierentransplantierte, 12 mg/Tag oder Placebo, 1 Jahr | keine Unterschiede zu Placebo bei Haupt- und Nebenzielen | Placebo-RCT (längste Laufzeit) |
| 7 | Kupcinskas et al. 2008, Phytomedicine | 132 Pers. mit Reizmagen, 16 oder 40 mg/Tag oder Placebo, 4 Wochen | Magen-Darm-Beschwerden nicht verschieden von Placebo | Placebo-RCT (höchste Dosis) |
| 8 | Arefpour et al. 2024, Int J Vitam Nutr Res | 5 RCTs, 196 Personen, 6 bis 12 mg/Tag, 4 bis 48 Wochen | ALT +1,92 U/L (0,16 bis 3,68; p = 0,03); AST, GGT, ALP nicht signifikant | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 9 | Heydari et al. 2025, BMC Complement Med Ther | 15 Studien (20 Arme), 757 Personen, verschiedene Carotinoide | ALT −2,25 IU/L (−4,84 bis 0,34), AST, ALP, GGT nicht signifikant | Meta-Analyse (Sammelauswertung, Gegenbefund) |
| 10 | Edwards et al. 2016, Regul Toxicol Pharmacol | Übersicht über Erbgut- und Krebsstudien mit synthetischem Astaxanthin bei Ratten und Mäusen; Autoren beim Hersteller angestellt | nicht erbgutschädigend; gutartige Lebertumoren nur bei weiblichen Ratten ab 200 mg/kg täglich, vermutlich artspezifisch; Kot verfärbt | Tierstudien |
| 11 | EFSA FEEDAP 2019, EFSA J | Neubewertung der Toxikologie von Astaxanthin | zulässige Tagesmenge 0,2 mg/kg aus Leberbefunden einer zweijährigen Rattenstudie (niedrigste schädliche Dosis 40 mg/kg, Faktor 200) | Behördenbewertung |
| 12 | Laurindo et al. 2025, Pharmaceuticals (Basel) | Meta-Analyse zu Astaxanthin und Körpergewicht, Studientabelle mit Nebenwirkungen | führt für eine Placebo-Studie mit 20 mg/Tag über 12 Wochen rötlichen Stuhl bei 2 Personen auf | Meta-Analyse (Quelle der Angabe) |
| 13 | EFSA 2020, EFSA J | Bewertung von 8 mg/Tag aus Nahrungsergänzung plus Nahrung | für Erwachsene sicher; Jugendliche 14 bis unter 18 Jahre erreichen die zulässige Tagesmenge, 10- bis unter 14-Jährige überschreiten sie um 28 %, Säuglinge bis 524 % | Behördenbewertung |
| 14 | Durchführungsverordnung (EU) 2023/1581, Amtsblatt der EU L 194 | Verwendungsbedingungen für Astaxanthin-Oleoresin aus der Blutregenalge in Nahrungsergänzungsmitteln | Höchstmengen 2,3 mg/Tag (3 bis 10 Jahre), 5,7 mg/Tag (10 bis 14 Jahre), 8 mg/Tag (über 14 Jahre); Hinweispflicht gegen Gabe an Kinder unter 3 Jahren und gegen andere astaxanthinhaltige Präparate am selben Tag | EU-Verordnung |
| 15 | EFSA 2025, EFSA J | Bewertung von Algenmehl mit Astaxanthin in Milchersatzgetränken und Säften | sicher nur, wenn Kinder und Jugendliche am selben Tag keine astaxanthinhaltigen Nahrungsergänzungsmittel nehmen | Behördenbewertung |
| 16 | Hecht et al. 2025, Adv Ther | 64 Kinder von 10 bis 14 Jahren, 4 mg/Tag oder Placebo, 84 Tage; herstellerfinanziert | keine Unterschiede zu Placebo bei Sicherheits- und Immunwerten | Placebo-RCT (herstellerfinanziert) |
| 17 | Santiyanon & Yeephu 2019, J Cardiol Cases | 1 Fall, 69-jährige Frau mit Warfarin, ASS und weiteren Dauermedikamenten | INR stieg einen Tag nach Beginn der Einnahme von 1,4 auf 10,38, große Blutergüsse; nach Absetzen und Vitamin K Normalisierung; Zusammenhang als wahrscheinlich bewertet | Fallbericht |
| 18 | Serebruany et al. 2010, Am J Ther | Laborversuch mit Blut von 12 Personen ohne und 8 mit ASS, synthetische Astaxanthin-Vorstufe | Plättchenfunktion, Gerinnung und Fibrinolyse unverändert | Laborversuch |
| 19 | Kistler et al. 2002, Arch Toxicol | Laborversuch mit menschlichen Leberzellen | Astaxanthin steigert die Abbauenzyme CYP3A4 und CYP2B6, nicht CYP1A und CYP2C | Laborversuch |
| 20 | Zheng et al. 2013, Food Chem Toxicol | Enzymtest mit 9 CYP-Enzymen | nur schwache Hemmung von CYP2C19 weit über den Blutspiegeln beim Menschen | Laborversuch |
| 21 | Xia et al. 2020, Pharmacol Res | 14 RCTs, Erwachsene | oberer und unterer Blutdruck nicht signifikant verändert | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 22 | Gonzalez et al. 2024, J Int Soc Sports Nutr | 15 Feuerwehrleute, 12 mg/Tag oder Placebo, je 4 Wochen, Crossover | Schwindel und Nebenwirkungsfragebogen ohne Unterschied zu Placebo | Placebo-RCT (Crossover) |
| 23 | Comhaire et al. 2005, Asian J Androl | 30 unfruchtbare Männer, 16 mg/Tag zusätzlich zur Standardbehandlung oder Placebo | Hormon Inhibin B gesunken; Testosteron, LH, FSH mitgemessen | Placebo-RCT (Astaxanthin allein) |
| 24 | Anderson 2014, J Int Soc Sports Nutr | 20 Männer, Astaxanthin plus Sägepalmenextrakt oder Placebo, Crossover | DHT gesenkt, bei höherer Dosis auch Östradiol; Testosteron nicht signifikant verändert | Kombinationspräparat |
| 25 | Hayashi et al. 2020, J Clin Biochem Nutr | 54 Erwachsene, 12 mg/Tag oder Placebo, 8 Wochen; Autoren beim Hersteller angestellt | Schlaf insgesamt ohne Unterschied zu Placebo | Placebo-RCT (herstellerfinanziert) |
Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Keine Werbung, keine Kauflinks, keine Produktempfehlungen.
