Stoff, Wirkung oder Frage
Inhaltsstoffe/Kreatin/Nebenwirkungen
Kreatin · 27 Quellen ausgewertet

Kreatin Nebenwirkungen: Ist Kreatin schädlich?

Ein erhöhter Nierenwert, plötzlich mehr auf der Waage, Haare im Waschbecken: Die Sorgen rund um Kreatin sind zahlreich. Einige sind berechtigt, die meisten lassen sich erklären.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202627 QuellenLesezeit 8 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

In Studien hatten Menschen mit Kreatin nicht häufiger Beschwerden als mit einem Scheinpräparat. Zwei Effekte sind sicher, aber harmlos: Der Nierenwert Kreatinin im Blut steigt leicht, und die Waage zeigt im Schnitt knapp ein Kilo mehr, zum Teil Wasser, aber kein Fett. Gesunden Nieren schadete Kreatin in keiner Studie. Für Nierenkranke, Schwangere und eine Einnahme über mehr als ein Jahr fehlen die Daten.

Auf dieser Seite 8 Abschnitte
  1. Welche Nebenwirkungen und Nachteile hat Kreatin?
  2. Ist Kreatin schädlich für die Nieren?
  3. Macht Kreatin Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme?
  4. Verursacht Kreatin Haarausfall?
  5. Durchfall, Krämpfe, Hitze: Was ist dran?
  6. Welche Wirkung hat Kreatin auf die Psyche, und gibt es Nebenwirkungen?
  7. Schadet Kreatin der Leber oder dem Herzen?
  8. Für wen ist Kreatin nicht untersucht?

Der Anruf aus der Praxis kommt ein paar Tage nach dem Check-up, und er klingt beunruhigend: Der Kreatininwert sei erhöht, die Nieren müsse man sich genauer ansehen. Für viele, die gerade mit Kreatin begonnen haben, beginnt damit der Zweifel am weißen Pulver. Dabei ist der Schreck meist unbegründet, denn kaum ein Supplement wurde so gründlich auf Nebenwirkungen geprüft. Doch gründlich heißt nicht lückenlos. Gerade die Menschen, die am meisten zu verlieren hätten, kamen in den Studien kaum vor.

Welche Nebenwirkungen und Nachteile hat Kreatin?

Ob Kreatin insgesamt Nebenwirkungen macht, ist ungeklärt, auch wenn die meisten Studien kaum welche fanden. Eine vorab registrierte Studie mit gut hundert Erwachsenen zählte unter Kreatin deutlich mehr gemeldete Beschwerden als unter einem Scheinpräparat (Placebo). Berichtet hat sie das allerdings nur als Verhältnis, nicht als Zahl Betroffener je Gruppe.3 Die größte Auswertung dagegen, fast siebenhundert Studien mit mehr als 26.000 Menschen, fand keinen Unterschied. Irgendeine Nebenwirkung meldeten 4,6 Prozent mit Kreatin gegenüber 4,2 Prozent mit Placebo, und bei keiner einzelnen Beschwerde unterschieden sich die Gruppen.1 Auch wer mehr nahm oder länger dabeiblieb, hatte nicht nennenswert mehr Probleme.2

Ganz unabhängig ist das große Bild allerdings nicht. Die Sammelauswertung hat ein Kreatinhersteller mitfinanziert, und viele der gebündelten Einzelstudien fragten nie gezielt nach Nebenwirkungen, sondern notierten sie allenfalls am Rande. Das kann ins Gewicht fallen, denn die kleinere Studie war genau darauf angelegt.3 Hinzu kommt eine behördliche Leerstelle. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit hält 3 g am Tag für unbedenklich, hat höhere Mengen aber nie bewertet,4 obwohl die übliche Kreatin-Dosierung pro Tag in vielen Studien darüber liegt.

Daraus ergibt sich für gesunde Menschen bei üblichen Mengen ein ziemlich entspanntes Bild. In den Studien zeigten sich keine ernsten Probleme, und in den großen Meldestellen für unerwünschte Wirkungen taucht Kreatin nur in einem winzigen Bruchteil der Fälle auf.1 Es gibt aber einzelne Fallberichte über ernste Ereignisse, etwa an Niere, Herz oder Auge. Für so seltene Schäden sind auch große Studien zu klein. Offen ist zudem, ob leichte Beschwerden wirklich so selten sind, wie die große Auswertung nahelegt.

So wurde gemessen
  • Große Sammelauswertung: 685 Studien, 12.839 Personen mit Kreatin und 13.452 mit Placebo. Mindestens eine Nebenwirkung: 4,60 vs. 4,21 % (p = 0,828). Kein Unterschied bei 49 einzeln erfassten Nebenwirkungen.1
  • Meldedatenbanken: Unter 28,4 Millionen Einträgen zu unerwünschten Ereignissen taucht Kreatin in 0,00072 % auf; 63 % dieser Meldungen betrafen andere Kreatinformen oder die Einnahme zusammen mit weiteren Mitteln.1
  • Dosis und Dauer: Folgeauswertung desselben Pools (684 RCTs): kein klinisch bedeutsamer Anstieg mit Dosis oder Dauer.2
  • Gegenbefund: vorab registrierte Crossover-Studie, 123 Personen, 5 g/Tag, je 6 Wochen; Nebenwirkungen unter Kreatin häufiger (RR 4,25; p = 0,002).3
  • EFSA 2004: 3 g Kreatinmonohydrat täglich zusätzlich zur Nahrung, höhere Mengen nicht bewertet.4

Unsere Einordnung

Für gesunde Erwachsene in üblichen Mengen ist Kreatin nach heutiger Studienlage gut verträglich. Die Datenbasis ist groß, aber nicht frei von Interessen. Ein Restzweifel bei der Häufigkeit leichter Beschwerden bleibt.

Ist Kreatin schädlich für die Nieren?

Ob Kreatin den Nieren schadet, ist ungeklärt: Bei gesunden Menschen hat keine Studie einen Nierenschaden gefunden, für kranke Nieren dagegen fehlen die Daten weitgehend. Mehrere Sammelauswertungen, die größte mit 26 Studien und gut 1.000 Menschen, verglichen dafür die üblichen Laborwerte, etwa den Harnstoff im Blut oder Eiweiß im Urin, und mit Kreatin sahen diese Werte nicht anders aus als ohne.56 Wo die Filterleistung direkt mit einem Markerstoff gemessen wurde, lag sie unter Kreatin sogar eher etwas höher, wenn auch nicht sicher.5

Aufschlussreich ist ein Versuch, in dem gesunde Männer drei Monate lang täglich Kreatin nahmen. Dabei bestimmten die Forschenden auch Cystatin C, einen zweiten Nierenwert, der vom Kreatin im Körper nicht abhängt. Am Ende lag er im normalen Bereich.7 Ähnlich verlief eine Studie mit Menschen, die an Diabetes litten und deren Nieren deshalb als gefährdet gelten: Ihre Nierenleistung veränderte sich unter Kreatin nicht.8

Weniger beruhigend sind die Lücken. Direkt gemessen wurde die Nierenleistung nur selten. Studien über mehr als ein Jahr fehlen, und Nierenkranke sind kaum untersucht. Deshalb fordern die Autoren einer neueren Auswertung ausdrücklich längere Studien.6

Dazu kommen einige Fallberichte über akute Nierenschäden, und es lohnt sich, sie genau zu lesen. Der erste betrifft einen Mann, der schon vorher kranke Nieren hatte.9 Ein junger Kraftsportler nahm Kreatin zusammen mit mehreren anderen Präparaten und erholte sich vollständig, nachdem er alles abgesetzt hatte.10 Ein Jugendlicher erkrankte nach wenigen Tagen mit sehr hohen Mengen. Weil bei ihm auch das Cystatin C anstieg, war das mehr als ein bloßer Laboreffekt.11 In einem vierten Fall hatte jemand Kreatin mit dem Diabetesmittel Metformin kombiniert.12

Bewiesen ist in keinem dieser Fälle, dass Kreatin der Auslöser war. Trotzdem zeichnet sich ein Muster ab: kranke Nieren schon vor der Einnahme, viele Mittel auf einmal oder sehr große Mengen. Für gesunde Nieren fand sich in den Studien kein Schaden, für kranke Nieren fehlen die Daten, um dasselbe zu sagen.

So wurde gemessen
  • Größte Auswertung: 26 RCTs, 1.036 Personen. Kreatinin +0,14 mg/dL. Die daraus geschätzte Filterleistung (eGFR) sank rechnerisch um 10,75 mL/min. Direkt per Markerstoff (Cr-EDTA) gemessen lag sie +5,89 mL/min höher (p = 0,06, nicht signifikant). Harnstoff, Albumin und Eiweiß im Urin unverändert.5
  • Zweite Auswertung: 20 randomisierte Studien. Kreatinin +0,13 mg/dL, eGFR −5,20 mL/min/1,73 m² (nicht signifikant), Harnstoff unverändert.6
  • Cystatin C: 18 gesunde Männer, etwa 10 g/Tag über 3 Monate; der Wert sank in beiden Gruppen.7
  • Typ-2-Diabetes: 12 Wochen mit Training; per Cr-EDTA gemessene Filterleistung, Albumin und Eiweiß im Urin unverändert.8
  • Fallberichte: Mann mit vorbestehender Nierenerkrankung9; 24-jähriger Kraftsportler mit mehreren Präparaten10; 17-Jähriger nach sechstägiger hoch dosierter Ladephase, Cystatin C stieg parallel zum Kreatinin11; Nierenversagen mit schwerer Laktatazidose unter Kreatin plus Metformin.12

Sicherheitshinweis

Wer eine Nierenerkrankung hat oder Medikamente nimmt, die die Nieren belasten (etwa Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR oder Metformin), sollte Kreatin vorher ärztlich abklären lassen.

Was bedeutet ein erhöhter Kreatin-Wert im Blut?

Ein höherer Kreatininwert unter Kreatin ist in aller Regel kein Zeichen kranker Nieren. Er folgt schlicht aus der Chemie. Mit dem „Kreatin-Wert“ ist fast immer das Kreatinin gemeint, ein Abbauprodukt, das entsteht, wenn der Körper Kreatin verwertet, und das die Nieren anschließend ausscheiden. Wer zusätzlich Kreatin nimmt, liefert also mehr Rohstoff und hat folgerichtig etwas mehr Kreatinin im Blut.56 Zum Problem wird das erst im Labor. Das Labor errechnet aus diesem Wert die Nierenleistung, und die fällt nun schlechter aus, obwohl die Nieren genauso gut arbeiten wie vorher.5

Ein erhöhter Kreatininwert unter Kreatin ist meist ein Rechenproblem, kein Nierenproblem.

Wie leicht das in die Irre führt, zeigt der Fall eines jungen Mannes, der nur eine Niere hatte. Unter Kreatin stieg sein Kreatinin deutlich an, was bei einer einzelnen Niere normalerweise sofort genauer untersucht würde, doch die direkt gemessene Nierenleistung blieb unverändert.13 Auch bei einem anderen Patienten ohne Nierenleiden hielten Ärzte denselben Effekt zunächst für einen Nierenschaden.14 Deshalb sollte die Einnahme vor jeder Blutabnahme zur Sprache kommen. Sollen die Nieren genau beurteilt werden, ist Cystatin C der aussagekräftigere Wert.

So wurde gemessen
  • Kreatinin im Blut: +0,14 mg/dL (26 RCTs); die daraus geschätzte Filterleistung (eGFR) sinkt rechnerisch um 10,75 mL/min.5 Zweite Auswertung: +0,13 mg/dL.6
  • Fehldeutung: Einzelniere, Kreatinin 1,03 → 1,27 mg/dl bei unveränderter direkt gemessener Filterleistung13; Laboreffekt bei Gesundem zunächst als Nierenschaden gedeutet.14

Macht Kreatin Wassereinlagerungen und Gewichtszunahme?

Ja, und kaum eine Wirkung von Kreatin ist so verlässlich wie diese: Im Schnitt zeigt die Waage knapp ein Kilo mehr als ohne.15 Fett ist das nicht. Der Fettanteil am Körper sank in den Studien sogar ein wenig, und ein guter Teil des Plus ist Wasser, das der Muskel zusammen mit dem Kreatin aufnimmt und in seinen Zellen festhält.

Wie schnell das geht, zeigten junge Fußballer während einer einwöchigen Ladephase mit hohen Tagesmengen, wie sie manche Anleitungen zur Kreatin-Einnahme vorsehen. Danach hatten sie gut zwei Liter mehr Wasser im Körper und ein Kilo mehr auf der Waage.16 Das schadet Gesunden nicht.

Anders liegt der Fall bei Kranken. In einer langen Studie, in der Menschen mit der Nervenkrankheit ALS fast ein Jahr lang täglich Kreatin nahmen, schwollen Arme und Beine häufiger an als in der Vergleichsgruppe.17 Bei Herz- oder Nierenschwäche empfiehlt es sich deshalb, die Einnahme vorher mit Ärztin oder Arzt zu besprechen, und im Wettkampf mit Gewichtsklassen sollte das zusätzliche Kilo von Anfang an eingeplant werden.

So wurde gemessen
  • Gewicht: 143 RCTs mit und ohne Training. Körpergewicht +0,86 kg, fettfreie Masse +0,82 kg, Körperfettanteil −0,28 Prozentpunkte gegenüber Placebo.15
  • Ladephase: 13 junge Fußballer, 0,3 g pro kg Körpergewicht und Tag über 7 Tage. Körperwasser +2,3 L, Körpergewicht +1,0 kg.16
  • Ödeme: 175 Menschen mit ALS, 10 g/Tag über rund 310 Tage; Ödeme an Armen und Beinen nach 2 Monaten häufiger.17

Verursacht Kreatin Haarausfall?

Ob Kreatin Haarausfall fördert, ist ungeklärt, ein Schaden ist bisher aber nicht belegt. Der Verdacht geht auf eine kleine Studie mit 20 Rugbyspielern zurück, deren Spiegel des Hormons DHT nach einer Woche mit sehr viel Kreatin deutlich gestiegen war. DHT spielt beim erblichen Haarausfall eine Rolle, doch die Haare selbst schaute dort niemand an.18 Die bisher einzige Studie, die das 2025 nachholte, fand bei 38 kraftsporttreibenden Männern nach drei Monaten mit täglich Kreatin oder Scheinpräparat keinen Unterschied, weder beim Hormon noch bei Zahl und Dicke der Haare.19 Frauen, Jugendliche und Männer, die bereits Haare verlieren, wurden allerdings gar nicht untersucht.

Ein letztes Wort ist das nicht. Einige Autoren der neueren Studie beraten Kreatinhersteller. Mit einer einzigen Studie, die tatsächlich auf die Haare geschaut hat, bleibt die Frage offen. Bei bereits beginnendem Haarausfall lohnt es sich, die Einnahme mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt zu besprechen, denn für genau diese Gruppe gibt es keine Daten.

So wurde gemessen
  • DHT-Studie (2009): Crossover, 20 Rugbyspieler, 7 Tage 25 g/Tag, dann 14 Tage 5 g/Tag. DHT +56 % nach 7 Tagen, +40 % nach 21 Tagen. Haare nicht untersucht.18
  • Haar-Studie (2025): 45 kraftsporttreibende Männer, 38 ausgewertet, 5 g/Tag über 12 Wochen. Kein Unterschied bei DHT, Haardichte, Follikelzahl und Haardicke (Trichoskopie).19

Durchfall, Krämpfe, Hitze: Was ist dran?

Durchfall kann vorkommen, und zwar vor allem bei großen Portionen auf einmal. Bauchbeschwerden waren in der großen Sammelauswertung mit Kreatin zwar etwas häufiger als ohne, der Unterschied war aber nicht sicher.1 Entscheidend scheint weniger die Tagesmenge zu sein als die Art, wie sie verteilt wird.

Das zeigt ein Versuch mit Fußballprofis, die vier Wochen lang entweder eine große Portion Kreatin am Stück, dieselbe Menge auf zwei Portionen verteilt oder ein Scheinpräparat bekamen. Wer alles auf einmal schluckte, hatte deutlich öfter Durchfall als die Vergleichsgruppe, während es mit zwei kleineren Portionen nicht mehr Beschwerden gab als mit der Attrappe.20 Schwerer wogen die Beschwerden in der langen Studie mit ALS-Kranken, in der drei Menschen wegen starker Bauchprobleme aufhörten.17 Zu Kopfschmerzen fehlt eine eigene Auswertung. Bei Durchfall empfiehlt es sich also, die Einnahme von Kreatin auf zwei Portionen am Tag zu verteilen.

So wurde gemessen
  • Magen-Darm: 5,51 vs. 4,05 % (Kreatin vs. Placebo), nicht signifikant.1
  • Portionsgröße: 59 Fußballprofis, 28 Tage, 2 × 5 g, 1 × 10 g oder Placebo. 1 × 10 g: 55,6 % Durchfall gegenüber 35,0 % unter Placebo; 2 × 5 g wie Placebo.20
  • Langzeit: 175 Menschen mit ALS, 10 g/Tag, rund 310 Tage; 3 Abbrüche wegen starker Magen-Darm-Beschwerden.17

Krämpfe

Ob Kreatin Krämpfe auslöst, ist ungeklärt. In der großen Sammelauswertung hatten von den Menschen mit Kreatin etwa 0,5 Prozent gegenüber 0,1 Prozent mit Placebo Krämpfe oder Muskelschmerzen, und Studien mit Kreatin erwähnten solche Beschwerden öfter.1 Gesichert war der Unterschied je Person nicht. Eine unabhängige Auswertung nur zu Krämpfen gibt es bis heute nicht, und Menschen mit gestörtem Salzhaushalt oder unter Entwässerungsmitteln wurden nicht eigens untersucht. Treten unter Kreatin gehäuft Krämpfe oder ungewöhnlich starke Muskelschmerzen auf, sollte es abgesetzt und die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

So wurde gemessen
  • Krämpfe: 0,52 vs. 0,07 % der Personen, nicht signifikant; erwähnt in 2,9 vs. 0,9 % der Studien.1

Hitze und Flüssigkeit

Ob Kreatin beim Sport in der Hitze schadet, ist ungeklärt, auch wenn sich die verbreitete Behauptung, es entziehe dem Körper Wasser, nicht bestätigt hat. In acht Studien stieg die Körpertemperatur beim Sport in der Wärme mit Kreatin nicht stärker an als ohne.21 Selbst zwölf Männer, die bei 33,5 Grad bewusst mit zu wenig Flüssigkeit trainierten, kamen mit Kreatin auf 39,4 gegenüber 39,3 Grad mit Placebo.22 Allerdings stammen diese Erkenntnisse fast nur von jungen Männern, die über wenige Wochen beobachtet wurden. Hitzeerkrankungen selbst hat keine Studie gezählt, und für seltene Schäden sind die Studien zu klein.

Dazu kommt ein Fallbericht, in dem sich bei einem Kraftsportler eine Vene im Auge verschloss. Er hatte jahrelang deutlich mehr Kreatin genommen als üblich und dabei bewusst wenig getrunken.23 Bewiesen ist damit nichts. Ein Einzelfall kann einen Zusammenhang weder belegen noch ausschließen. Genug zu trinken bleibt mit Kreatin so wichtig wie ohne.

So wurde gemessen
  • Hitze: 8 Studien mit 167 Personen, Kerntemperatur Effektgröße 0,03 (p = 0,57).21 12 Männer, 21,6 g/Tag über 7 Tage, entwässert bei 33,5 °C: 39,4 vs. 39,3 °C, Herzfrequenz und Hitzesymptome gleich.22
  • Fallbericht Auge: 25-jähriger Kraftsportler, Zentralvenenverschluss nach jahrelang überhöhter Kreatinmenge bei bewusst geringer Trinkmenge.23

Welche Wirkung hat Kreatin auf die Psyche, und gibt es Nebenwirkungen?

Bei gesunden Menschen sind keine Folgen für die Stimmung bekannt, bei einer bipolaren Störung dagegen ist Vorsicht geboten. In der großen Sammelauswertung trat keine einzelne Nebenwirkung mit Kreatin häufiger auf.1 Allerdings gibt es keine eigene Auswertung, die gezielt die Psyche gesunder Menschen untersucht.

Anders bei der bipolaren Störung, in der sich gedrückte und überdrehte Phasen abwechseln: Hier gibt es ein Warnsignal. In einer kleinen Studie bekamen Betroffene, die gerade in einer depressiven Phase steckten, zusätzlich zu ihrer Behandlung Kreatin oder ein Scheinpräparat, und zwei aus der Kreatingruppe kippten danach in eine Manie oder deren mildere Form.24 Das ist zu wenig für eine feste Regel, aber genug für einen klaren Rat. Bei einer bipolaren Störung sollte Kreatin nur nach Rücksprache mit der Psychiaterin oder dem Psychiater genommen werden. Was Kreatin bei Depressionen bewirkt, ist dagegen eine eigene, noch offene Forschungsfrage.

So wurde gemessen
  • Sammelauswertung: kein Unterschied bei 49 einzeln erfassten Nebenwirkungen.1
  • Bipolare Depression: 35 Personen, 6 g/Tag zusätzlich zur Behandlung, 6 Wochen. 2 von 17 Personen unter Kreatin wechselten in eine Hypomanie oder Manie.24

Schadet Kreatin der Leber oder dem Herzen?

Ob Kreatin Leber oder Herz schadet, ist ungeklärt, denn beides ist kaum untersucht. In den Studien mit Vergleichsgruppe blieben die Leberwerte unauffällig, und die größte von ihnen begleitete immerhin siebzig Herzpatienten drei Monate lang durch ihre Reha.25 Messwerte je Gruppe, etwa für das wichtige Leberenzym ALT, nennt keine dieser Studien einzeln. Für ein klares Urteil reicht das nicht, denn die Studien sind klein, eine Sammelauswertung zur Leber fehlt, und Menschen mit Lebererkrankung wurden gar nicht geprüft.

Zwei Einzelfälle halten die Frage offen. Ein junger Kraftsportler, der neben Kreatin auch Eiweißpulver nahm, bekam einen schweren Gallenstau in der Leber, und welches der beiden Mittel schuld war, ließ sich nicht klären.26 Hinzu kommt ein junger Mann ohne Herzkrankheit, der unter Kreatin Vorhofflimmern entwickelte, eine Herzrhythmusstörung ohne erkennbare andere Ursache.27 Ein Zusammenhang ist in beiden Fällen unbewiesen. Bei einer Lebererkrankung ist es deshalb ratsam, die Einnahme vorher ärztlich zu klären. Daraus folgt eine Lehre, die sich durch fast alle Fallberichte zieht: Neue Trainingspräparate sollten nicht alle gleichzeitig begonnen werden, sonst lässt sich kaum sagen, welches den Ärger verursacht hat.

So wurde gemessen
  • Leber: 70 Herzpatienten, 3 Monate Kreatin oder Placebo plus Reha-Training; Leberwerte unverändert. Keine der kleinen Studien nennt das Leberenzym ALT einzeln.25
  • Fallbericht Leber: 27-jähriger Kraftsportler, Kreatin seit Monaten, seit vier Wochen zusätzlich Molkenprotein; cholestatischer Leberschaden (Bilirubin 54,7 mg/dl), Besserung nach Absetzen.26
  • Fallbericht Herz: 30-Jähriger ohne Herzerkrankung, Vorhofflimmern unter Kreatinmonohydrat, andere Ursachen ausgeschlossen.27

Für wen ist Kreatin nicht untersucht?

Für einige Gruppen fehlen schlicht die Daten, und fehlende Daten sind keine Entwarnung. Kaum oder gar nicht untersucht ist Kreatin bei:

Gruppe Was fehlt
Nierenerkrankung kaum kontrollierte Daten, vor allem ohne Dialyse
nierenbelastenden Medikamenten (NSAR, Metformin) keine Studien zur gemeinsamen Einnahme
Lebererkrankung (Fettleber, Zirrhose) keine Placebo-Studien
Herzschwäche, Neigung zu Wassereinlagerungen keine Daten
Schwangerschaft und Stillzeit keine Daten
Kindern und Jugendlichen nur wenige kleine Studien
Einnahme länger als ein Jahr keine Placebo-Studien zur Niere

Deshalb sollte Kreatin in Schwangerschaft und Stillzeit, wie bei den übrigen offenen Fragen zu Kreatin für Frauen, besser nicht ohne ärztlichen Rat genommen werden. Wer dagegen zu keiner dieser Gruppen gehört und bei üblichen Mengen bleibt, hat nach heutigem Stand wenig zu befürchten. Damit stehen die Risiken in einem vernünftigen Verhältnis zu dem, was Kreatin beim Krafttraining bewirkt.

Unser Fazit

Für gesunde Erwachsene ist Kreatin in üblichen Mengen gut verträglich. Der höhere Kreatininwert und das Kilo mehr auf der Waage sind erklärbar und harmlos. Vorsicht ist dort angebracht, wo Studien fehlen: bei kranken Nieren, in der Schwangerschaft und zusammen mit vielen weiteren Präparaten.

Häufige Fragen

Ist Kreatin gesund?

Für gesunde Erwachsene gilt Kreatin in üblichen Mengen als gut verträglich, und die EU-Lebensmittelbehörde hält 3 g am Tag für unbedenklich. Für Nierenkranke, Schwangere und Kinder fehlen allerdings die Daten, um so ein Urteil zu fällen.

Was passiert bei zu viel Kreatin?

Große Portionen auf einmal, etwa 10 g, führten in einer Studie öfter zu Durchfall. Die wenigen Berichte über Nierenschäden betreffen sehr hohe Mengen in kurzer Zeit oder Kreatin zusammen mit anderen Mitteln.

Muss man Kreatin vor einer Blutabnahme absetzen?

Nicht unbedingt, aber Ärztin oder Arzt sollten von der Einnahme wissen, weil der Kreatininwert unter Kreatin etwas höher liegt. Um die Nieren zu beurteilen, eignet sich dann der Wert Cystatin C besser.

Hat Kreatin Nebenwirkungen auf das Herz?

Eine eigene Studienauswertung dazu gibt es nicht. Ein Einzelfall beschreibt Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, bei einem 30-Jährigen unter Kreatin, doch ein Zusammenhang ist damit nicht bewiesen.

Wie lange darf man Kreatin nehmen?

Eine Obergrenze ist nicht bekannt. Die meisten Daten stammen aus Wochen bis Monaten, und Studien zur Niere über mehr als ein Jahr fehlen bislang.

Bekommt man von Kreatin Kopfschmerzen?

Eine eigene Studienauswertung dazu gibt es nicht. In der großen Sammelauswertung war aber keine einzelne Beschwerde mit Kreatin häufiger als mit einem Scheinpräparat.1

Weiterlesen

Wie viel Kreatin pro Tag ist sinnvoll?Auf manchen Dosen stehen 3 g, auf anderen 10 g, in Foren wird pro Kilo Körpergewicht gerechnet. Die Studien sind einfacher als das Chaos auf den Etiketten, und sie kennen eine klare Untergrenze.
7 Min. →
Kreatin vor oder nach dem Training einnehmen?Im Fitnessstudio wird über den richtigen Moment für den Kreatin-Shake gestritten wie über die Technik der Kniebeuge. Die Studien sind gelassener: Wichtig ist, dass der Speicher im Muskel voll wird, nicht wann.
7 Min. →
Kreatin für Frauen: Was bringt es wirklich?Lange galt Kreatin als Pulver für junge Männer im Kraftraum. Inzwischen gibt es eigene Studien mit Frauen, auch nach den Wechseljahren. Ihr Bild ist deutlich gemischter.
8 Min. →
Kreatin: der ÜberblickAlle Wirkungen mit Evidenz-Stufe, Formen, Dosis, Sicherheit
← Überblick

Alle 27 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Kreider et al. 2025, J Int Soc Sports Nutr685 Studien, 12.839 Personen mit Kreatin, 13.452 mit PlaceboNebenwirkungen 4,60 vs. 4,21 % (p = 0,828), kein Unterschied bei 49 Einzel-Nebenwirkungen; Magen-Darm 5,51 vs. 4,05 %; Krämpfe/Muskelschmerz 0,52 vs. 0,07 %; Ausgabe von einem Kreatinhersteller gesponsertGepoolte Auswertung
2Gonzalez et al. 2026, Sports (Basel)684 RCTs, über 12.800 Personen mit Kreatin; derselbe Studienpoolkein klinisch bedeutsamer Anstieg von Nebenwirkungen mit Dosis oder DauerDosis-Wirkungs-Auswertung
3Sandkühler et al. 2023, BMC Med1 Crossover-RCT, 123 Personen, 5 g/Tag, je 6 WochenNebenwirkungen unter Kreatin häufiger gemeldet (RR 4,25; p = 0,002)RCT (Gegenbefund)
4EFSA 2004, EFSA JournalBewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit3 g Kreatinmonohydrat täglich zusätzlich zur Nahrung unbedenklich; höhere Mengen nicht bewertetBehördengutachten
5Almeida et al. 2026, Int Urol Nephrol26 RCTs, 1.036 Personen; Teilauswertung mit Cr-EDTA-Messunggemessene Filterleistung +5,89 mL/min (p = 0,06), kreatininbasierte GFR −10,75 mL/min; Kreatinin +0,14 mg/dL; Harnstoff, Albumin und Eiweiß im Urin unverändertMeta-Analyse
6Tsiaras et al. 2026, J Ren Nutr20 randomisierte StudienKreatinin +0,13 mg/dL; eGFR −5,20 mL/min/1,73 m², nicht signifikant; Harnstoff unverändertMeta-Analyse
7Gualano et al. 2008, Eur J Appl Physiol1 RCT, 18 gesunde Männer, ca. 10 g/Tag, 3 MonateCystatin C sank in beiden Gruppen; kein Hinweis auf eine NierenfunktionsstörungRCT (Cystatin C)
8Gualano et al. 2011, Eur J Appl Physiol1 RCT, Menschen mit Typ-2-Diabetes, 12 Wochen, mit Trainingmit Cr-EDTA gemessene Filterleistung unverändert; Albumin und Eiweiß im Urin unverändertRCT (Risikogruppe)
9Pritchard & Kalra 1998, Lancet1 Mann mit vorbestehender NierenerkrankungVerschlechterung der Nierenfunktion unter Kreatin; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
10Thorsteinsdottir et al. 2006, J Ren Nutr1 Kraftsportler, 24 Jahre, mehrere Präparateakutes Nierenversagen, vollständige Erholung nach Absetzen; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
11Filler et al. 2025, Pediatr Nephrol1 Jugendlicher, 17 Jahre, sechstägige hoch dosierte Ladephaseakute Nierenschädigung, Cystatin C stieg parallel zum Kreatinin; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
12Saidi et al. 2010, Am J Emerg Med1 Person, Kreatin zusammen mit Metforminakutes Nierenversagen mit schwerer Laktatazidose; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
13Gualano et al. 2010, Am J Kidney Dis1 junger Mann mit nur einer NiereKreatinin 1,03 → 1,27 mg/dl, direkt gemessene Filterleistung unverändertFallbericht
14Williamson & New 2014, BMJ Case Rep1 Person ohne Nierenerkrankungdurch Kreatin erhöhtes Kreatinin zunächst als Nierenschaden gedeutetFallbericht
15Pashayee-Khamene et al. 2024, J Int Soc Sports Nutr143 RCTs mit und ohne TrainingKörpergewicht +0,86 kg, fettfreie Masse +0,82 kg, Körperfettanteil −0,28 ProzentpunkteMeta-Analyse
16Deminice et al. 2016, Int J Sports Med1 RCT, 13 junge Fußballer, 0,3 g/kg/Tag, 7 TageKörperwasser +2,3 L, Körpergewicht +1,0 kg gegenüber PlaceboRCT (Ladephase)
17Groeneveld et al. 2005, Int J Sports Med1 RCT, 175 Menschen mit ALS, 10 g/Tag, ca. 310 Tagenach 2 Monaten häufiger Ödeme an Armen und Beinen; 3 Abbrüche wegen starker Magen-Darm-BeschwerdenLangzeit-RCT
18van der Merwe et al. 2009, Clin J Sport Med1 Crossover-RCT, 20 Rugbyspieler, 7 Tage 25 g, dann 14 Tage 5 gDHT +56 % nach 7 Tagen, +40 % nach 21 Tagen; Haare nicht untersuchtCrossover-RCT (nur Hormon)
19Lak et al. 2025, J Int Soc Sports Nutr1 RCT, 45 kraftsporttreibende Männer (38 ausgewertet), 5 g/Tag, 12 Wochenkeine Unterschiede bei DHT, Haardichte, Follikelzahl und HaardickeRCT
20Ostojic & Ahmetovic 2008, Res Sports Med1 RCT, 59 Fußballprofis, 28 Tage: 2 × 5 g, 1 × 10 g oder Placebo1 × 10 g mehr Durchfall (55,6 vs. 35,0 %); 2 × 5 g wie PlaceboRCT (Dosisvergleich)
21Lopez et al. 2009, J Athl Trainsystematische Übersicht; Kerntemperatur in 8 Studien, 167 PersonenKerntemperatur unverändert (Effektgröße 0,03; p = 0,57)Meta-Analyse
22Watson et al. 2006, J Athl Train1 Crossover-RCT, 12 Männer, 21,6 g/Tag für 7 Tage, Belastung entwässert bei 33,5 °Ckeine Unterschiede bei Temperatur (39,4 vs. 39,3 °C), Herzfrequenz und HitzesymptomenRCT (Hitze)
23Moussa & Chen 2021, Am J Ophthalmol Case Rep1 Kraftsportler, 25 JahreZentralvenenverschluss am Auge nach jahrelang überhöhter Kreatinmenge bei bewusst geringer Trinkmenge; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
24Toniolo et al. 2017, J Neural Transm1 RCT, 35 Personen mit bipolarer Depression, 6 g/Tag zusätzlich, 6 Wochen2 von 17 Personen unter Kreatin wechselten in eine Hypomanie oder ManieRCT
25Cornelissen et al. 2010, Clin Rehabil1 RCT, 70 Herzpatienten, 3 Monate Kreatin oder Placebo plus Reha-TrainingLeberwerte gegenüber Placebo unverändertRCT
26Whitt et al. 2008, Semin Liver Dis1 Kraftsportler, 27 Jahre, Kreatin und Molkenproteinschwerer cholestatischer Leberschaden (Bilirubin 54,7 mg/dl), Besserung nach Absetzen; verantwortliches Mittel unklarFallbericht
27Kammer 2005, Pharmacotherapy1 Mann, 30 Jahre, ohne HerzerkrankungVorhofflimmern unter Kreatinmonohydrat, andere Ursachen ausgeschlossen; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Keine Werbung, keine Kauflinks, keine Produktempfehlungen.