Die kurze Antwort
In den Studien hatten Menschen mit Kollagen nicht häufiger Nebenwirkungen als mit einem Scheinpräparat, am ehesten werden Völlegefühl oder Übelkeit genannt. Dick macht Kollagen nach den Studien nicht. Vorsicht ist bei Allergie gegen Fisch und bei Fleischallergie nach Zeckenstich angebracht. Ob große Mengen Nierensteine fördern und wie stark Produkte mit Schwermetallen belastet sind, ist offen. Schwangerschaft und Stillzeit wurden nie untersucht.
Auf dieser Seite 8 Abschnitte
- Hat Kollagen Nebenwirkungen?
- Gewichtszunahme durch Kollagen: Macht Kollagen dick?
- Zu viel Kollagen: Welche Symptome gibt es?
- Kollagen und Herz oder Blutdruck: Gibt es Nebenwirkungen?
- Allergie gegen Fisch oder Rind: Was ist bei Kollagen zu beachten?
- Schwermetalle in Kollagenpulver: Wie groß ist das Risiko?
- Ist Kollagen in der Schwangerschaft sicher?
- Für wen ist Kollagen nicht untersucht?
Ein paar Tage nach dem ersten Shake fühlt sich der Bauch voll an, die Hose sitzt enger, und auf der Dose steht klein gedruckt „aus Fischhaut". Wer gerade mit Kollagen angefangen hat, ob als Kollagen für die Haut oder als Kollagen für die Gelenke, fragt sich schnell, ob das Pulver dahintersteckt. Die gute Nachricht vorweg: In kontrollierten Studien fiel Kollagen als ausgesprochen harmlos auf. Doch die Studien haben Lücken, und die liegen ausgerechnet dort, wo Allergien, Verunreinigungen oder eine Schwangerschaft ins Spiel kommen.
Hat Kollagen Nebenwirkungen?
Ernste Nebenwirkungen sind selten, denn in Studien hatten Menschen mit Kollagen nicht häufiger Beschwerden als mit einem Scheinpräparat (Placebo). Am gründlichsten untersucht ist das bei Arthrose. Eine Forschergruppe trug dafür 35 Studien mit über dreitausend Kranken zusammen, und am Ende brachen unter Kollagen weder mehr Menschen ab, noch klagten sie öfter über Nebenwirkungen.1 Insgesamt wurde damit kein Schaden gefunden. Das passt zum Gesamtbild, das die Studien von Kollagen und seiner Wirkung zeichnen: viel Harmloses, wenig gesicherter Nutzen.
Ganz ohne Haken ist dieses Bild trotzdem nicht. Eine kleinere Auswertung von vier Studien kam auf ein etwas höheres Risiko unter Kollagen, wobei der Unterschied genau auf der Kippe stand und nicht sicher war.2 Zudem erfassten viele Studien Nebenwirkungen nur grob, und kaum eine lief länger als ein halbes Jahr. Für seltene Schäden oder eine Einnahme über Jahre sind sie deshalb zu klein und zu kurz.
Eine alte Sorge lässt sich dagegen beiseitelegen. Kollagen vom Rind stammt teils aus Knochen, und damit stellt sich die Frage nach dem Rinderwahnsinn BSE. Doch die EU-Lebensmittelbehörde hält eine Übertragung über Gelatine und Kollagen aus solchen Knochen für fast sicher ausgeschlossen.3
So wurde gemessen
- Größte Auswertung: 35 Studien mit 3.165 Menschen mit Arthrose, Hydrolysat und Typ-II-Kollagen gemeinsam ausgewertet; Abbrüche und Nebenwirkungen nicht häufiger als in der Kontrollgruppe.1
- Kleinere Auswertung: 4 Studien mit 507 Menschen mit Kniearthrose; Chance auf Nebenwirkungen OR 1,66 (0,99 bis 2,78), knapp nicht signifikant, Vertrauen in das Ergebnis sehr niedrig.2
- BSE: Bewertung der EU-Behörde 2024, Wahrscheinlichkeit 99 bis 100 %, dass Gelatine aus Wiederkäuerknochen keinen neuen BSE-Fall auslöst; dieselbe Einschätzung gilt für Kollagen.3
Kollagenpulver und Nebenwirkungen auf Magen und Darm
Ob Kollagen auf den Magen schlägt, ist ungeklärt, obwohl Bauchbeschwerden die häufigste Klage sind. In den Studien wurden Völlegefühl oder Übelkeit am öftesten als Nebenwirkung genannt,2 eigens mit einem Scheinpräparat verglichen wurden sie jedoch kaum. Zwei kleine Studien, in denen 15 und 20 junge Sportlerinnen und Sportler eine Woche lang Kollagen tranken, fanden keinen Unterschied.45 Allerdings arbeiteten bei beiden Mitarbeitende eines Herstellers mit.
In einer älteren Rheumastudie brachen zwei von neunzig Teilnehmenden wegen Übelkeit ab, ohne dass bekannt ist, in welcher Gruppe sie waren.6 Dazu kommt, dass Mengen über 20 g am Tag über längere Zeit kaum geprüft wurden. Bei Völlegefühl lohnt es sich, die Menge auf zwei Portionen zu verteilen oder zu verringern, und wer anhaltende Beschwerden hat, sollte das Pulver absetzen.
So wurde gemessen
- Kurzstudien: 15 aktive Frauen, 15 g täglich gegen ein kalorienfreies Getränk, 7 Tage im Wechsel4; 20 Läuferinnen und Läufer, Peptide gegen Placebo, 7 Tage im Wechsel.5 Beschwerden im Fragebogen jeweils gleich.
- Rheumastudie: 90 Menschen, 1 oder 10 mg Typ-II-Kollagen oder Placebo über 12 Wochen; 2 Abbrüche wegen Übelkeit, Gruppe im Abstract nicht genannt.6
Gewichtszunahme durch Kollagen: Macht Kollagen dick?
Eine Gewichtszunahme durch Kollagen ist nicht zu befürchten, in den Studien wurde kein Schaden gefunden. Im Gegenteil: In einer Sammelauswertung von zwölf Studien hatten die Teilnehmenden mit Kollagen am Ende gut ein Kilo weniger Fett im Körper als mit Scheinpräparat.7 Auch in Einzelstudien mit älteren Erwachsenen und mit Menschen mit Übergewicht blieb das Körpergewicht gleich.89
Warum hält sich das Gerücht trotzdem? Ein Teil der Antwort liegt im Training. Wer Kraft trainiert und dazu Kollagen nimmt, baut etwas mehr Muskeln und Bindegewebe auf,10 und das zeigt die Waage als Plus an, obwohl kein Gramm Fett dazukommt. Hinzu kommt die Dose selbst. Reines Kollagen liefert pro Portion nur wenige Kalorien, gesüßte Pulver und Fertigdrinks können aber deutlich mehr enthalten, weshalb sich ein Blick auf Zucker und Kalorien pro Portion lohnt. Ein „dicker Bauch" kurz nach der Einnahme dürfte eher Völlegefühl sein als Fett.
So wurde gemessen
- Sammelauswertung: 12 Studien mit Scheinpräparat; Fettmasse −1,21 kg gegenüber Placebo.7
- Einzelstudien: 74 Erwachsene ab 50, 15 g täglich über 12 Wochen, Gewicht gleich, Körperfett stärker gesunken8; 56 Erwachsene mit Übergewicht, 10 g täglich über 4 Wochen, Körpermaße unverändert.9
- Training: 19 Studien mit 768 Erwachsenen; mehr fettfreie Masse, also Muskeln und Bindegewebe.10
Zu viel Kollagen: Welche Symptome gibt es?
Eine Menge, ab der Kollagen giftig wird, ist nicht bekannt, und typische Zeichen einer Überdosierung sind nicht beschrieben. In Studien wurden kurzfristig auch 30 g am Tag gegeben,11 meist aber deutlich weniger. Was bei großen Mengen am ehesten auftritt, sind Beschwerden im Bauch. Bei sehr großen Mengen kommt eine zweite Frage hinzu, und sie betrifft die Nieren. Welche Mengen in Studien üblich waren, zeigt die Dosierung von Kollagen pro Tag.
Schadet Kollagen den Nieren?
Ob Kollagen Nierensteine fördert, ist ungeklärt. Kollagen enthält viel Hydroxyprolin, einen Baustein, aus dem der Körper einen Teil des Oxalats bildet, und Oxalat ist der Hauptbestandteil der meisten Nierensteine. Bei Gesunden stammte in einer Messung etwa ein Siebtel des Oxalats im Urin aus diesem Abbau.12 Dazu passt ein Versuch, in dem zehn Gesunde fünf Tage lang täglich 30 g Gelatine aßen: Danach stieg das Oxalat im Urin deutlich an, während ein oder zwei Gramm nichts veränderten. Absolute Werte nennt die Zusammenfassung allerdings nicht.11
Dagegen fand eine noch kleinere Studie ohne Vergleichsgruppe nach drei Tagen mit derselben Menge keinen Anstieg.13 Ob daraus tatsächlich Steine entstehen, hat niemand gemessen, und Fallberichte dazu wurden nicht gefunden. Die Frage bleibt offen. Wer schon Nierensteine aus Kalziumoxalat hatte oder an einer Störung des Oxalatstoffwechsels leidet, sollte Kollagen nur nach ärztlicher Rücksprache und eher in kleinen Mengen nehmen und dabei auf ausreichendes Trinken achten.
So wurde gemessen
- Gelatine gegen Molke: 10 Gesunde unter genau festgelegter Kost, je 5 Tage 30 g Gelatine oder 30 g Molkeneiweiß; Oxalat im Urin mit Gelatine 43 % höher. Bei einmaligen Gaben Anstieg ab 5 g, nicht bei 1 und 2 g. Nierensteine wurden nicht erfasst.11
- Ohne Vergleichsgruppe: 5 gesunde Männer, 30 g Gelatine täglich über 3 Tage; Oxalat und Steinbildungsneigung unverändert.13
- Herkunft des Oxalats: markiertes Hydroxyprolin als Infusion; bei Gesunden 15 % des Urin-Oxalats daraus, bei angeborenen Oxalat-Störungen bis 47 %.12
Kollagen Nebenwirkungen auf die Leber
Für die Leber gibt es keine eigene Auswertung, aber auch kein Warnsignal. Die großen Verträglichkeitsauswertungen fanden keine Häufung von Nebenwirkungen,1 Fallberichte über Leberschäden durch Kollagen tauchten in den ausgewerteten Quellen nicht auf. Allerdings waren Menschen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen in den Studien kaum vertreten. Deshalb ist für sie ein ärztliches Gespräch vor der Einnahme ratsam.
Kollagen und Herz oder Blutdruck: Gibt es Nebenwirkungen?
Hinweise auf Schäden an Herz oder Kreislauf gibt es nicht, eigens geprüft wurde das aber nie. Dabei wurde vor allem der Blutdruck gemessen, und zwar in der Hoffnung, dass Kollagen ihn senkt. Zusammengerechnet sank der obere Wert in einer Auswertung um etwa fünf Punkte, doch die vier Studien dahinter wichen extrem stark voneinander ab.7 Positiv fielen vor allem kleine japanische Studien mit Hühnerkollagen aus, an denen Herstellerangestellte beteiligt waren,14 und eine neuere unabhängige Studie mit Messung über den ganzen Tag fand keinen Effekt.15
Das Bild bleibt widersprüchlich. Ob Kollagen den Blutdruck senkt, ist damit unklar. Ein Problem könnte daraus erst entstehen, wenn jemand deshalb verordnete Blutdrucksenker weglässt. Denn Kollagen ersetzt keine Behandlung, und wer Herzmedikamente nimmt, sollte neue Präparate grundsätzlich mit der Praxis besprechen.
So wurde gemessen
- Sammelauswertung: 4 Studien mit 302 Personen, oberer Blutdruckwert −5,04 mmHg; die Studien widersprachen sich sehr stark (I² 98,9 %).7
- Hühnerkollagen: 58 Erwachsene mit leicht erhöhtem Blutdruck, 2,9 g täglich über 18 Wochen, Blutdruck niedriger als mit Placebo; Erstautor beim Hersteller.14
- Unabhängige Studie: 56 Erwachsene mit Übergewicht, 10 g Kollagen vom Schwein täglich; Blutdruck in der Praxis und über 24 Stunden unverändert.15
Allergie gegen Fisch oder Rind: Was ist bei Kollagen zu beachten?
Ob Allergiker Kollagen vertragen, ist ungeklärt, weil sich die Befunde widersprechen. In der einzigen Studie, in der Fischallergiker verblindet Fischgelatine schluckten, reagierte keiner der dreißig Teilnehmenden mit messbaren Zeichen einer Allergie, zwei klagten über leichte Beschwerden.16 Das klingt beruhigend. Dabei ist Fischkollagen zugleich ein anerkannter Auslöser von Fischallergien. Von 101 Fischallergikern hatte etwa jeder fünfte Abwehrstoffe dagegen im Blut,17 und aus Japan ist der Fall einer Allergie gegen Kollagen aus Aal beschrieben.18
Ein zweites Risiko geht von einer Zecke aus. Nach bestimmten Zeckenstichen entwickeln manche Menschen eine Allergie gegen rotes Fleisch, das sogenannte Alpha-Gal-Syndrom, und der Auslöser steckt auch in Gelatine vom Rind. In einer australischen Untersuchung reagierten drei von vier Fleischallergikern im Hauttest auf Gelatine, ein Teil von ihnen auch mit echten Beschwerden.19 Studien mit Kollagenpräparaten gibt es dazu nicht.
Deshalb sollte bei einer Fischallergie kein Fischkollagen eingenommen werden, und bei Kollagen anderer Herkunft lohnt ein Blick auf die Kennzeichnung. Wer eine Fleischallergie nach Zeckenstich hat, sollte Kollagen von Rind und Schwein meiden und die Frage ärztlich klären. Was die Herkunft angeht, unterscheiden sich die Formen von Kollagen deutlich, vom Fisch bis zum Rind.
So wurde gemessen
- Provokation: 30 Fischallergiker von 9 bis 50 Jahren, verblindet bis zu 14,6 g Fischgelatine oder Placebo; keine objektive Reaktion, 2 leichte subjektive Beschwerden, Anteil wirklich Empfindlicher laut Autoren etwa 3 %.16
- Abwehrstoffe: 101 Fischallergiker, im Labor 21 % mit IgE gegen Typ-I-Kollagen von Fischen.17
- Alpha-Gal: 1.335 getestete Erwachsene; 30 von 40 Menschen mit Allergie gegen rotes Fleisch im Hauttest positiv auf Gelatine, 12 auch klinisch allergisch; Alpha-Gal in Rindergelatine nachgewiesen.19
Notfallhinweis
Atemnot, Schwellungen an Gesicht oder Hals, Schwindel oder Kreislaufprobleme nach der Einnahme sind Warnzeichen einer schweren allergischen Reaktion. Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Schwermetalle in Kollagenpulver: Wie groß ist das Risiko?
Ob Kollagen die Belastung mit Blei oder Cadmium im Körper erhöht, ist nicht untersucht. Dafür hätte jemand die Werte im Blut von Menschen messen müssen, die regelmäßig Kollagen nehmen, und das hat keine Studie getan. Trotzdem ist die Sorge nicht aus der Luft gegriffen, denn Kollagen wird aus Knochen, Haut und Gräten gewonnen, und in diesen Geweben können sich Schwermetalle anreichern.
Was es gibt, sind Produktanalysen. Eine Verbraucherorganisation in den USA ließ meistverkaufte Kollagenprodukte prüfen und fand in einem Teil davon Blei oder Cadmium, meist in kleinen Mengen, die Analyse ist allerdings nicht wissenschaftlich begutachtet. Ähnlich sieht es bei Knochenbrühen aus, in denen Forschende Blei und Cadmium im Bereich weniger Millionstel Gramm pro Portion fanden.20 Eine kleine Messung kam bei Brühe aus Hühnerknochen auf ein Vielfaches des Bleis im gleich behandelten Leitungswasser.21
Genauer hingeschaut hat eine begutachtete Messung aus der Türkei an zehn Kollagenpräparaten aus der Apotheke: Blei, Quecksilber und Arsen fand sie in keinem, Cadmium dagegen in allen, in Kollagen von Nutztieren bis 2,78 Milligramm je Kilogramm gegenüber höchstens 0,29 Milligramm in Fischkollagen, und die Autoren halten das Risiko für gering.25 Über Produkte aus dem übrigen europäischen Handel weiß man dagegen kaum etwas, und das ist eine echte Lücke. Deshalb empfiehlt es sich, Produkte zu wählen, deren Hersteller unabhängige Laborprüfungen offenlegen, vor allem für Schwangere und Kinder.
So wurde gemessen
- Knochenbrühe: gekaufte und im Labor gekochte Brühen; Blei und Cadmium im Bereich weniger Mikrogramm pro Portion, Risiko laut Autoren gering.20
- Hühnerbrühe: 7,01 bzw. 9,5 µg Blei pro Liter in Brühe aus Knochen bzw. Haut und Knorpel, gegenüber 0,89 µg im gleich behandelten Leitungswasser.21
- Diese beiden Messungen betreffen Brühe, keine Kollagenpräparate.
- Kollagenpräparate aus der Türkei: zehn Produkte aus Fisch und Nutztieren; kein Blei, Quecksilber oder Arsen; Cadmium 0,15 bis 0,29 mg/kg in Fischkollagen, 0,18 bis 2,78 mg/kg in Kollagen von Nutztieren.25
Ist Kollagen in der Schwangerschaft sicher?
Ob Kollagenpräparate in Schwangerschaft und Stillzeit sicher sind, ist nicht untersucht, denn Studien mit Schwangeren oder Stillenden gibt es nicht. Zwar ist Kollagen ein Eiweiß, das in kleineren Mengen auch in Gelatine, Brühe und Fleisch steckt. Über hoch dosierte Präparate und mögliche Verunreinigungen in dieser Zeit weiß man aber nichts, und fehlende Daten sind keine Entwarnung. Deshalb ist in Schwangerschaft und Stillzeit eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ratsam.
Für wen ist Kollagen nicht untersucht?
Für einige Gruppen fehlen die Daten weitgehend, und für sie zählt Vorsicht mehr als jede Studie. Kaum oder gar nicht untersucht ist Kollagen bei:
| Gruppe | Was fehlt |
|---|---|
| Schwangerschaft und Stillzeit | keine Studien |
| Kindern und Jugendlichen | keine Verträglichkeitsstudien |
| schweren Nieren- oder Lebererkrankungen | kaum Daten |
| Nierensteinen in der Vorgeschichte | keine Studien |
| Reizdarm oder entzündlicher Darmerkrankung | keine Studien |
| Einnahme länger als ein Jahr | keine Studien mit Scheinpräparat |
| Autoimmunerkrankungen außer Rheuma | keine Studien |
Rheuma und Typ-II-Kollagen
Bei Rheuma liegt die Sache besonders, denn hier sollte undenaturiertes Typ-II-Kollagen das Immunsystem gezielt beruhigen. In vier älteren Placebo-Studien mit Rheumakranken wurde dabei kein Schaden gefunden.226 Die Krankheit flammte unter Typ-II-Kollagen also nicht häufiger auf. Zwei Arbeiten mahnen trotzdem zur Vorsicht. In der einen schnitten mehrere Krankheitswerte unter Scheinpräparat besser ab, als Kollagen zur laufenden Therapie hinzukam,23 in der anderen vermuteten die Autoren Schübe bei einem Teil der Teilnehmenden, ohne Zahlen zu nennen.24 Deshalb sollte Typ-II-Kollagen bei Rheuma oder einer anderen Autoimmunerkrankung nur nach Rücksprache mit der Rheumatologin oder dem Rheumatologen genommen werden, und verordnete Medikamente sollten dafür nicht abgesetzt werden.
So wurde gemessen
- Größte Studie: 274 Menschen mit aktiver rheumatoider Arthritis, 20 bis 2.500 µg täglich oder Placebo über 24 Wochen; keine häufigere Verschlechterung, keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen.22 Zusammen mit drei kleineren Placebo-Studien, darunter eine mit 90 Personen, kamen 479 Teilnehmende zusammen.6
- Gegenhinweis: 190 Menschen, Typ-II-Kollagen vom Rind zusätzlich zur Therapie; mehrere Messwerte unter Placebo besser, Anteil mit Schub nicht berichtet.23
- Verdacht: 60 Menschen, 0,25 mg Typ-II-Kollagen vom Huhn über 6 Monate; Schübe bei einem Teil vermutet, ohne Zahlen.24
Unser Fazit
Für gesunde Erwachsene ist Kollagen nach den Studien gut verträglich, dick macht es nicht. Die echten Risiken hängen an der Person und am Produkt: Allergien gegen Fisch oder Fleisch, frühere Nierensteine und mögliche Verunreinigungen. Für Schwangere, Kinder und eine Einnahme über Jahre fehlen die Daten.
Häufige Fragen
Was berichten Erfahrungen mit Kollagen-Nebenwirkungen?
Erfahrungsberichte zeigen, was Einzelne erleben, aber nicht, ob die Beschwerden wirklich vom Kollagen kommen. Dafür braucht es Studien mit Scheinpräparat, und dort traten Nebenwirkungen unter Kollagen nicht häufiger auf.1
Hat Kollagen Nebenwirkungen auf die Haut?
Eine eigene Auswertung zu Hautproblemen wie Pickeln gibt es nicht. Ausschlag, Juckreiz oder Quaddeln nach der Einnahme können Zeichen einer Allergie sein und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Kann Kollagen den Gelenken schaden?
Hinweise darauf gibt es bei Gesunden nicht. In einer älteren Studie mit Rheumakranken, die Typ-II-Kollagen zusätzlich zu ihrer Therapie nahmen, schnitten allerdings mehrere Krankheitswerte unter Scheinpräparat besser ab.23
Gelten diese Studien auch für Kollagen beim Hund?
Nein. Alle hier ausgewerteten Studien liefen mit Menschen. Ob ein Hund Kollagen verträgt oder braucht, sollte die Tierarztpraxis beurteilen.
Welche Nebenwirkungen hat Kollagen als Spritze?
Diese Seite behandelt nur Kollagen zum Einnehmen. Kollagen, das in die Haut gespritzt wird, ist ein ärztlicher Eingriff mit eigenen Risiken, die hier nicht ausgewertet sind.
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Alle Themen zu Kollagen
Alle 25 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Liang et al. 2024, Osteoarthritis Cartilage | 35 RCTs, 3.165 Menschen mit Arthrose, Kollagenhydrolysat und Typ-II-Kollagen | kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen oder Studienabbrüche gegenüber Kontrolle | Meta-Analyse |
| 2 | Lin et al. 2023, J Orthop Surg Res | 4 RCTs, 507 Menschen mit Kniearthrose, Kollagenpeptide | Nebenwirkungen OR 1,66 (0,99 bis 2,78), Grenzfall, Evidenz sehr niedrig; am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden | Meta-Analyse |
| 3 | EFSA BIOHAZ 2024, EFSA Journal | Risikobewertung der EU-Lebensmittelbehörde zu Gelatine und Kollagen aus Wiederkäuerknochen | zu 99 bis 100 % (fast sicher) kein neuer BSE-Fall bei Rindern durch Gelatine aus Knochen; gilt auch für Kollagen | Behördengutachten |
| 4 | Reynolds et al. 2025, Br J Nutr | 15 gesunde aktive Frauen, 15 g Kollagenpeptide täglich oder kalorienfreies Getränk, 7 Tage, Crossover | Magen-Darm-Beschwerden ohne Unterschied; Mitautoren beim Hersteller | RCT (Crossover) |
| 5 | Taylor et al. 2023, Eur J Nutr | 20 gesunde Läuferinnen und Läufer, Kollagenpeptide oder Placebo, 7 Tage, Crossover | Magen-Darm-Beschwerden ohne Unterschied; Präparat vom Hersteller | RCT (Crossover) |
| 6 | Sieper et al. 1996, Arthritis Rheum | 90 Menschen mit früher rheumatoider Arthritis, 1 oder 10 mg Typ-II-Kollagen täglich oder Placebo, 12 Wochen | kein Unterschied im Ansprechen; 2 Abbrüche wegen Übelkeit, Gruppe nicht angegeben | RCT |
| 7 | Jalili et al. 2023, Br J Nutr | 12 Placebo-RCTs zu Körperzusammensetzung und Herz-Kreislauf-Werten | Fettmasse −1,21 kg; systolischer Blutdruck −5,04 mmHg bei extrem unterschiedlichen Einzelstudien (I² 98,9 %) | Meta-Analyse |
| 8 | Park et al. 2023, Clin Nutr Res | 74 Erwachsene ab 50 Jahren, 15 g Kollagenpeptide täglich oder Placebo, 12 Wochen | Körpergewicht ohne Unterschied, Körperfett stärker gesunken | RCT |
| 9 | Chavez-Alfaro et al. 2025, Clin Nutr | 56 Erwachsene mit Übergewicht, 10 g Kollagenhydrolysat vom Schwein täglich oder Placebo, 4 Wochen | Körpermaße nicht verändert | RCT |
| 10 | Bischof et al. 2024, Sports Med | 19 Studien, 768 gesunde Erwachsene mit Training; fettfreie Masse 8 Studien, Maximalkraft 11 Studien | fettfreie Masse SMD 0,48 (GRADE moderat), Maximalkraft SMD 0,19 (GRADE niedrig); Placebos meist ohne Eiweiß | Meta-Analyse |
| 11 | Knight et al. 2006, Kidney Int | 10 Gesunde unter kontrollierter Kost, 30 g Gelatine oder 30 g Molkeneiweiß täglich; Einzelgaben 1 bis 10 g Gelatine | Oxalat im Urin mit Gelatine 43 % höher, Glykolat 5,3-fach; Anstieg nach 5 und 10 g, nicht nach 1 und 2 g; Nierensteine nicht erfasst | Kontrollierte Stoffwechselstudie |
| 12 | Fargue et al. 2018, J Am Soc Nephrol | 9 Gesunde und 19 Menschen mit angeborener Oxalat-Stoffwechselstörung, Infusion von markiertem Hydroxyprolin | Hydroxyprolin lieferte 15 % des Oxalats im Urin bei Gesunden, bei der Stoffwechselstörung bis 47 % | Mechanismus-Studie |
| 13 | Rodgers et al. 2019, Int Urol Nephrol | 5 gesunde Männer, 30 g Gelatine täglich über 3 Tage, ohne Kontrollgruppe | Oxalat im Urin und Steinbildungsneigung unverändert | Stoffwechselstudie ohne Kontrollgruppe |
| 14 | Kouguchi et al. 2013, Biosci Biotechnol Biochem | 58 Erwachsene mit hoch-normalem Blutdruck oder leichtem Bluthochdruck, 2,9 g Hühnerkollagenhydrolysat täglich, 18 Wochen | Blutdruck niedriger als unter Placebo; Erstautor beim Hersteller | RCT |
| 15 | Chavez-Alfaro et al. 2025 (Food Funct), Food Funct | 56 Erwachsene mit Übergewicht, 10 g Kollagenhydrolysat vom Schwein täglich oder Placebo | Blutdruck in der Praxis und über 24 Stunden unverändert; unabhängige Autoren | RCT (Gegenbefund) |
| 16 | Hansen et al. 2004, Food Chem Toxicol | 30 Fischallergiker von 9 bis 50 Jahren, doppelblinde Provokation mit bis zu 14,6 g Fischgelatine | keine objektive Reaktion, 2 leichte subjektive Beschwerden; Anteil wirklich Empfindlicher auf etwa 3 % geschätzt | Placebokontrollierte Provokation |
| 17 | Kalic et al. 2020, J Allergy Clin Immunol Pract | 101 Fischallergiker, Antikörper gegen Typ-I-Kollagen aus drei Fischarten im Labor | 21 % gegen Fischkollagen sensibilisiert | Laborstudie |
| 18 | Tamura et al. 2018, Allergol Int | Fallbericht aus Japan | Allergie gegen Kollagen aus Aal | Fallbericht |
| 19 | Mullins et al. 2012, J Allergy Clin Immunol | 1.335 Erwachsene mit Verdacht auf Allergie, Hauttest mit Gelatine | 30 von 40 Menschen mit Allergie gegen rotes Fleisch gelatinepositiv, 12 davon auch klinisch gegen Gelatine allergisch; Alpha-Gal in Rindergelatine nachgewiesen | Beobachtungsstudie |
| 20 | Hsu et al. 2017, Food Nutr Res | selbst gekochte und gekaufte Knochenbrühen | Blei und Cadmium im Bereich weniger Mikrogramm pro Portion, Risiko von den Autoren als gering eingeschätzt | Produktanalyse |
| 21 | Monro et al. 2013, Med Hypotheses | kleine Messung an Brühen aus Bio-Hühnerknochen | 7,01 bzw. 9,5 µg Blei pro Liter gegenüber 0,89 µg/L im gleich behandelten Leitungswasser | Produktanalyse |
| 22 | Barnett et al. 1998, Arthritis Rheum | 274 Menschen mit aktiver rheumatoider Arthritis, 20 bis 2.500 µg Typ-II-Kollagen täglich oder Placebo, 24 Wochen | keine häufigere Verschlechterung, keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen | RCT |
| 23 | McKown et al. 1999, Arthritis Rheum | 190 Menschen mit rheumatoider Arthritis, Typ-II-Kollagen vom Rind zusätzlich zur Therapie oder Placebo | mehrere Krankheitswerte unter Placebo besser; Anteil mit Schub nicht berichtet | RCT (Gegenhinweis) |
| 24 | Cazzola et al. 2000, Clin Exp Rheumatol | 60 Menschen mit aktiver rheumatoider Arthritis, 0,25 mg Typ-II-Kollagen vom Huhn täglich oder Placebo, 6 Monate | unwirksam; Autoren vermuten Schübe bei einem Teil der Patienten, ohne Zahlen | RCT (Verdachtsbefund) |
| 25 | Demir & Gülay 2023, Vet J Mehmet Akif Ersoy Univ | 10 Kollagenpräparate aus Fisch und Nutztieren aus dem türkischen Handel | kein Blei, Quecksilber oder Arsen; Cadmium 0,152 bis 0,288 mg/kg in Fischkollagen, 0,183 bis 2,78 mg/kg in Kollagen von Nutztieren; Risiko laut Autoren gering | Produktanalyse |
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