Die kurze Antwort
Lebende Bakterien enthalten vor allem fermentierte, nicht erhitzte Lebensmittel wie Joghurt, Kefir, die meisten Käse und rohes Sauerkraut. Probiotika im strengen Sinn sind das meist nicht, denn ihre Stämme und deren Nutzen sind selten geprüft. Gut untersucht ist bei Joghurt vor allem, dass seine Kulturen Milchzucker verdauen helfen. Zu Kefir, Sauerkraut und Kombucha gibt es nur wenige kleine Studien. Präbiotika wie Inulin sind dagegen Futter für Darmbakterien.
Auf dieser Seite 6 Abschnitte
- Welche Lebensmittel enthalten Probiotika?
- Probiotischer Joghurt: Was steckt drin und was bringt er?
- Kefir, Sauerkraut und Kombucha: Was zeigen Studien?
- Natürliche Probiotika für den Darm: Was bewirken fermentierte Lebensmittel?
- Was ist der Unterschied zwischen Präbiotika und Probiotika?
- Reichen probiotische Lebensmittel, oder braucht es Kapseln?
Im Kühlregal steht der Joghurt mit dem Aufdruck „mit lebenden Kulturen“, ein paar Schritte weiter das Sauerkraut im Glas, und an der Kasse lockt Kombucha in der bunten Flasche. Alle drei gelten als natürliche Probiotika. Doch nur in einem Teil davon leben überhaupt noch Bakterien. Ob diese Bakterien der Gesundheit nützen, ist eine zweite und viel schwierigere Frage. Wer beide Fragen trennt, versteht schnell, warum die Studien zu Lebensmitteln so anders aussehen als die zu Kapseln.
Welche Lebensmittel enthalten Probiotika?
Lebende Bakterien stecken vor allem in fermentierten, nicht erhitzten Lebensmitteln, etwa in Joghurt, Kefir, den meisten Käsesorten oder rohem Sauerkraut. Probiotika im strengen Sinn sind das trotzdem nicht. Nach der Definition einer internationalen Fachgesellschaft sind Probiotika lebende Mikroben, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen bringen.1 Fermentierte Lebensmittel entstehen dagegen einfach dadurch, dass Mikroben Milch, Gemüse oder Getreide gezielt umwandeln. Ob danach noch etwas lebt und ob es nützt, ist damit nicht gesagt.2
Entscheidend ist, was nach der Gärung passiert. Brot wird gebacken, und auch Wein, die meisten Biere, Essig, Sojasoße sowie erhitztes oder pasteurisiertes Gemüse enthalten keine lebenden Mikroben mehr.2 Dasselbe Expertengremium hält deshalb fest, dass der Hinweis „enthält Probiotika“ nur auf Lebensmittel gehört, deren Stämme genau bestimmt sind und bis zum Ende der Haltbarkeit in ausreichender Zahl überleben. Die meisten fermentierten Lebensmittel im Handel erfüllen das nach seiner Einschätzung nicht.
Probiotische Lebensmittel: Gibt es eine Liste?
Eine amtliche Liste gibt es nicht, wohl aber Keimzählungen aus dem Handel. Dafür hat eine Übersicht solche Messungen für die gängigen fermentierten Lebensmittel zusammengetragen. Viele enthielten zwischen hunderttausend und zehn Millionen Milchsäurebakterien pro Gramm, Sauermilchprodukte wie Joghurt oft deutlich mehr.3 Die Spanne ist allerdings groß, denn die Zahl hängt von Herstellung, Lagerung und Alter der Ware ab.
| Lebensmittel | Lebende Mikroben? | Gemessen in Handelsproben |
|---|---|---|
| Joghurt, Sauermilch | ja | bis etwa 1 Milliarde je Gramm |
| Kefir, Buttermilch | ja | 100.000 bis 1 Milliarde je Gramm |
| Käse (die meisten Sorten) | ja | kaum nachweisbar bis 1 Milliarde je Gramm |
| Sauerkraut, nicht erhitzt | ja | 1.000 bis 100 Millionen je Gramm |
| Kimchi | ja | 10 bis 100 Millionen je Gramm |
| Kombucha (die meisten) | ja | wenige Daten, rund 1 bis 10 Millionen Bakterien je Milliliter |
| Erhitztes Sauerkraut, Essig, Sojasoße, Brot, Wein, die meisten Biere | nein | keine lebenden Mikroben |
So wurde gemessen
- Keimzahlen: Die Übersichtsarbeit sammelt veröffentlichte Zählungen, meist aus Proben im Handel und zu verschiedenen Zeitpunkten der Haltbarkeit. Angegeben sind koloniebildende Einheiten (KBE); die Werte schwanken nach Land, Hersteller und Lagerdauer. Für Kombucha lagen nur Daten zu zwei industriell hergestellten Produkten vor.3
- Mit oder ohne lebende Mikroben: Einteilung nach dem Konsenspapier zu fermentierten Lebensmitteln.2
Probiotischer Joghurt: Was steckt drin und was bringt er?
Joghurt enthält fast immer große Mengen lebender Bakterien, denn ohne sie gäbe es ihn nicht. Die beiden klassischen Kulturen im Joghurt, Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus, säuern die Milch und bleiben dabei in großer Zahl am Leben. Nach dem internationalen Standard für Lebensmittel muss Joghurt mindestens zehn Millionen dieser Starterbakterien pro Gramm enthalten.3 Für eine bestimmte Aussage zur Gesundheit verlangt die EU-Lebensmittelbehörde sogar hundert Millionen.
Genau diese Aussage betrifft den Milchzucker. Menschen, die Laktose schlecht vertragen, kommen mit Joghurt oft gut zurecht, weil die Bakterien ihr eigenes Verdauungsenzym mitbringen. Dieses Enzym übersteht den sauren Magen geschützt in den Bakterienzellen und spaltet den Milchzucker dann im Dünndarm.4 Das ist zugleich die einzige Aussage zur Gesundheit von Joghurt-Kulturen, die die EU-Behörde anerkannt hat.3 Mit dem Darm-Mikrobiom hat sie wenig zu tun.
Als „probiotisch“ beworbene Joghurts enthalten zusätzlich Stämme, die aus Studien mit Präparaten bekannt sind. In einer kleinen Studie aus Australien aßen Kinder, die Antibiotika bekamen, täglich einen Becher mit drei zugesetzten Stämmen, darunter LGG, oder einen pasteurisierten Joghurt ohne lebende Keime. In der Probiotika-Gruppe trat kein einziger schwerer Durchfall auf, in der Vergleichsgruppe dagegen bei sechs Kindern.5 Das ist ermutigend, bleibt aber ein einzelner Befund, und er gilt nur für genau diese Mischung.
Hinzu kommen große Beobachtungsstudien. Wer regelmäßig Joghurt isst, erkrankt dort um gut ein Viertel seltener an Diabetes vom Typ 2.6 Ob das am Joghurt liegt oder daran, dass Joghurt-Esser insgesamt anders leben, können solche Studien nicht klären. Außerdem wurde Joghurt allgemein gezählt, nicht ein bestimmter Stamm.
So wurde gemessen
- Mindestmengen: internationaler Lebensmittelstandard (Codex) 10⁷ Starterbakterien je Gramm; für die EU-Aussage zur besseren Laktoseverdauung 10⁸ lebende Starterbakterien je Gramm.3 Handelsübliche Joghurts erreichen laut der Übersicht zur Laktoseverdauung rund 10⁸ Bakterien je Milliliter.4
- Joghurt-Studie: 72 Kinder zwischen einem und zwölf Jahren, 70 ausgewertet, 200 g Joghurt am Tag für die Dauer der Antibiotika; Vergleich mit pasteurisiertem Joghurt; schwerer Durchfall 0 gegenüber 6 Kindern, leichter 1 gegenüber 21.5
- Beobachtung: 20 Kohortenstudien; Joghurt mit einem um 27 % geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden (RR 0,73).6
Kefir, Sauerkraut und Kombucha: Was zeigen Studien?
Für die meisten fermentierten Lebensmittel außer Joghurt gibt es nur wenige kontrollierte Studien. Zu Joghurt und anderen Sauermilchprodukten liegen mehr als zwanzig solcher Studien vor, zu Kefir, Kimchi, Sauerkraut oder Sauerteigbrot dagegen oft nur eine oder wenige.2 Das überrascht viele. Das liegt auch an einem praktischen Problem: Es ist schwer, ein glaubwürdiges Schein-Lebensmittel herzustellen, das genauso schmeckt.
Kefir
Kefir ist ein gesäuertes Milchgetränk mit einer eigenen, vielfältigen Mikrobenmischung, doch über seinen Nutzen lässt sich noch wenig sagen. Eine systematische Übersicht fand 16 kontrollierte Studien, die andeuten, dass Kefir Kariesbakterien im Mund verringern und eine Behandlung gegen den Magenkeim Helicobacter unterstützen könnte, vielleicht auch Blutfette und Blutdruck senken. Die Belege dafür sind allerdings sehr dünn, denn zwölf der Studien hatten ein hohes Risiko für verzerrte Ergebnisse.7 Auch nach Nebenwirkungen fragten nur wenige Studien. Für gesunde Menschen halten die Autoren Kefir trotzdem für unbedenklich.
Sauerkraut
Rohes Sauerkraut enthält lebende Milchsäurebakterien, erhitztes oder pasteurisiertes dagegen nicht.2 In Proben aus dem Handel wurden zwischen tausend und hundert Millionen Bakterien pro Gramm gezählt.3 Das ist eine riesige Spanne. Wer lebende Kulturen sucht, sollte also auf ein nicht erhitztes Produkt achten.
Eine kleine Studie aus Norwegen liefert dazu eine überraschende Wendung. Dort aßen Menschen mit Reizdarm sechs Wochen lang täglich Sauerkraut, die eine Hälfte roh, die andere pasteurisiert. Danach ging es beiden Gruppen besser, und zwar ungefähr gleich viel.8 Die Forschenden vermuten deshalb, dass eher Bestandteile des Kohls gewirkt haben, die Darmbakterien als Futter dienen, und weniger die lebenden Bakterien. Eine Gruppe ganz ohne Sauerkraut gab es allerdings nicht, sodass auch die bloße Erwartung mitgespielt haben kann. Viel gründlicher untersucht sind beim Reizdarm Präparate mit definierten Stämmen, wie die Studien zu Probiotika für den Darm zeigen.
So wurde gemessen
- Reizdarm-Studie: 34 Patientinnen und Patienten in Norwegen, doppelblind, pasteurisiertes (15) gegen rohes Sauerkraut (19) über sechs Wochen. Beschwerdepunktzahl in beiden Gruppen gesunken (im Mittel um 39 und 57 Punkte), ohne sicheren Unterschied zwischen den Gruppen; im Stuhl der Roh-Gruppe fanden sich die Sauerkraut-Bakterien häufiger. Die Autoren nennen die Studie selbst zu klein.8
Kombucha
Kombucha ist gesüßter Tee, den eine Kultur aus Bakterien und Hefen vergärt, und beim Menschen ist er kaum untersucht. Als eine Forschergruppe 2018 die Fachliteratur durchsuchte, fand sie unter 310 Artikeln eine einzige Studie mit Menschen, während die vielen behaupteten Wirkungen aus Labor- und Tierversuchen stammten.9
Seitdem sind einige kleine Studien hinzugekommen. Sie fallen nüchtern aus. In einer tranken gesunde Erwachsene vier Wochen lang Kombucha, verglichen mit einer kleineren Gruppe ohne. Weder Blutwerte noch Entzündungsmarker änderten sich insgesamt, und finanziert hatte die Studie ein Kombucha-Hersteller.10 In einer anderen Studie hielten 59 Übergewichtige eine Diät, mit oder ohne täglichen Kombucha, und am Ende unterschieden sich die Gruppen bei keinem Messwert.11 Wer Kombucha mag, kann ihn trinken, sollte ihn aber als Getränk aus gesüßtem Tee sehen und nicht als Heilmittel.3
Natürliche Probiotika für den Darm: Was bewirken fermentierte Lebensmittel?
Fermentierte Lebensmittel verändern die Darmflora messbar, doch ob das der Gesundheit nützt, ist offen. Die bekannteste Studie dazu stammt von der Stanford-Universität. Gesunde Erwachsene steigerten dort über mehrere Wochen deutlich ihren Verzehr von Joghurt, Kefir, Kombucha, Kimchi und anderem Gemüse aus der Gärung, während eine zweite Gruppe stattdessen viel mehr Ballaststoffe aß.
Das Ergebnis: Mit den fermentierten Lebensmitteln stieg die Vielfalt der Darmbakterien stetig, und mehrere Entzündungsmarker im Blut sanken. In der Ballaststoff-Gruppe blieb die Vielfalt dagegen gleich.12 Das klingt eindeutig, hat aber Grenzen. Mit je 18 Personen pro Gruppe war die Studie klein. Ihr eigentliches Hauptziel, eine bestimmte Immunreaktion, veränderte sich in keiner Gruppe, und Beschwerden oder Krankheiten hat sie nicht gemessen.
So bleibt das Bild dünn. Fermentierte Lebensmittel sind oft nahrhaft,3 doch dass ihre lebenden Bakterien gezielt etwas bewirken, ist außer bei Joghurt und der Laktose kaum gezeigt.2 Das ist kein Grund, auf sie zu verzichten. Es ist nur ein Grund, ihnen keine Heilwirkung zuzuschreiben.
Was ist der Unterschied zwischen Präbiotika und Probiotika?
Probiotika sind lebende Mikroben, Präbiotika dagegen ihr Futter. Gemeint sind Stoffe, die bestimmte Darmbakterien gezielt verwerten und die dadurch einen gesundheitlichen Nutzen bringen, so die Definition der Fachgesellschaft.13 Die bekanntesten sind Inulin und verwandte Fruktane, Zuckerketten, die der Dünndarm nicht verdauen kann. Besonders viel davon steckt in Knoblauch, Artischocken, Schalotten, Lauch und Zwiebeln.14
Im Dickdarm füttert Inulin vor allem die Bifidobakterien, das war in einer Übersicht über neun Studien mit Erwachsenen der beständigste Befund.15 Dass der Körper davon etwas hat, zeigen Studien zur Verdauung. Gesunde Menschen mit Verstopfung, die vier Wochen lang täglich 12 Gramm Inulin aus der Chicorée-Wurzel nahmen, gingen etwas häufiger zur Toilette als mit einem Scheinpräparat, im Mittel viermal statt dreimal pro Woche.16 Das ist ein kleiner Unterschied. An der Studie wirkten allerdings Fachleute eines Instituts mit, das zu einem Inulin-Hersteller gehört.
Das Futter hat seinen Preis. Inulin und verwandte Stoffe verursachen vor allem Blähungen, und in einer Studie zur Verträglichkeit wurden bis zu zehn Gramm Inulin am Tag gut vertragen, die kürzerkettige Variante nur bis fünf Gramm.17 Bei manchen Menschen lösen gerade diese Fruktane Bauchbeschwerden aus.14
So wurde gemessen
- Fruktane in Gemüse: 60 Gemüse- und 43 Obstsorten gemessen; am meisten in Knoblauch, Artischocke, Schalotte, Lauch und Zwiebel, zwischen 1,2 und 17,4 g je 100 g.14
- Inulin und Darmbakterien: neun Studien mit Erwachsenen, meist doppelblind mit Placebo, 5 bis 20 g Inulin am Tag; am häufigsten mehr Bifidobakterien, aber nicht mehr kurzkettige Fettsäuren.15
- Verstopfung: 44 Erwachsene, Crossover mit Maltodextrin als Placebo, 3 × 4 g Inulin am Tag über vier Wochen; Stuhlgänge im Median 4,0 gegenüber 3,0 pro Woche, Stuhl weicher.16
- Verträglichkeit: 26 Gesunde, je 5 und 10 g Inulin oder Oligofruktose zum Frühstück gegen Kontrolle; Blähungen am häufigsten, 10 g Oligofruktose deutlich schlechter vertragen.17
Präbiotika und Probiotika zusammen: Was bringen Probiotika mit Inulin?
Ob Probiotika mit Inulin besser wirken als ohne, lässt sich nicht allgemein sagen. Solche Kombinationen heißen Synbiotika. Nach der Definition der Fachgesellschaft reicht es nicht, ein Probiotikum und ein Präbiotikum in dieselbe Kapsel zu füllen, denn die Mischung selbst muss einen gesundheitlichen Nutzen bringen.18 Damit macht ein Zusatz von Inulin ein Präparat nicht automatisch wirksamer. Er kann aber Blähungen verstärken.17 Präbiotika lassen sich ohnehin leicht über das Essen aufnehmen, denn Zwiebeln, Lauch und Knoblauch liefern sie nebenbei.
Reichen probiotische Lebensmittel, oder braucht es Kapseln?
Das hängt vom Ziel ab, denn für gezielte Zwecke zählt der geprüfte Stamm. Die Studien, die bei bestimmten Beschwerden einen Nutzen zeigen, liefen fast immer mit genau definierten Stämmen in bekannter Menge. Das gilt etwa für Probiotika nach Antibiotika oder für Probiotika bei Kindern mit Durchfall. Dafür ist ein Joghurt mit unbekannten Stämmen kein Ersatz.
Einen indirekten Vergleich gibt es immerhin. Eine Auswertung von 52 Studien stellte Probiotika in Milchprodukten solchen aus Kapseln oder Pulver gegenüber. Bei erhöhtem Cholesterin senkten die Milchprodukte die Blutfette stärker, bei Diabetes dagegen die Kapseln die Blutzuckerwerte.6 Allerdings wurden die Formen dabei nicht gegeneinander getestet, und die Stämme waren jeweils verschiedene. Für gesunde Menschen ohne Beschwerden zeigt keine dieser Studien, dass Kapseln mehr bringen als eine abwechslungsreiche Kost mit fermentierten Lebensmitteln. Wie bei fast allen Wirkungen von Probiotika gilt auch hier: Es kommt auf den Stamm an, nicht auf das Etikett „probiotisch“.
Unser Fazit
Joghurt, Kefir, Käse und rohes Sauerkraut liefern lebende Bakterien, erhitzte Produkte nicht. Belegt ist vor allem, dass Joghurtkulturen beim Verdauen von Milchzucker helfen. Für gezielte Zwecke wie Durchfall unter Antibiotika braucht es geprüfte Stämme, und Präbiotika wie Inulin sind Futter für die Darmbakterien, kein Ersatz für sie.
Häufige Fragen
Enthalten Käse, Sauerteigbrot oder Essig Probiotika?
Die meisten Käsesorten enthalten lebende Bakterien, in Proben aus dem Handel von kaum nachweisbaren Mengen bis zu einer Milliarde pro Gramm.3 Sauerteigbrot wird nach der Gärung gebacken, und auch Essig enthält keine lebenden Mikroben mehr.2
Welcher Joghurt hat die meisten Probiotika?
Vergleiche einzelner Sorten gibt es kaum. Nach dem internationalen Lebensmittelstandard muss Joghurt mindestens zehn Millionen Starterbakterien pro Gramm enthalten.3 Bei Joghurt mit Geschmack war die Enzymwirkung der Kulturen in Studien etwas geringer als bei Naturjoghurt, aber noch gut verträglich.4
Wie viel fermentierte Lebensmittel am Tag sind sinnvoll?
Eine belegte Menge gibt es nicht. In der Stanford-Studie zu fermentierten Lebensmitteln stieg der Verzehr von weniger als einer auf rund sechs Portionen am Tag, doch eine Empfehlung lässt sich aus 18 Teilnehmenden nicht ableiten.12
Weiterlesen




Alle Themen zu Probiotika
Alle 18 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Hill et al. 2014, Nat Rev Gastroenterol Hepatol | Konsenspapier der International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) | Probiotika = lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen bringen (FAO/WHO-Definition bestätigt) | Konsenspapier |
| 2 | Marco et al. 2021, Nat Rev Gastroenterol Hepatol | Konsenspapier der ISAPP zu fermentierten Lebensmitteln | fermentiert ≠ probiotisch; gebackene, erhitzte oder pasteurisierte Produkte ohne lebende Mikroben; außer Joghurt und Sauermilch kaum RCTs | Konsenspapier |
| 3 | Rezac et al. 2018, Front Microbiol | Übersicht veröffentlichter Keimzählungen, überwiegend Handelsproben | viele fermentierte Lebensmittel 10⁵ bis 10⁷ Milchsäurebakterien je g, Sauermilchprodukte bis 10⁹; Joghurt-Standard mind. 10⁷, EU-Aussage zur Laktose mind. 10⁸ je g | Übersichtsarbeit |
| 4 | Savaiano 2014, Am J Clin Nutr | Übersicht der Studien zu Joghurt bei Laktoseintoleranz | Bakterien-Laktase verdaut den Milchzucker im Dünndarm; handelsübliche Joghurts mit rund 10⁸ Bakterien je ml; Fruchtjoghurt etwas schwächer | Übersichtsarbeit |
| 5 | Fox et al. 2015, BMJ Open | 1 RCT, 72 Kinder (70 ausgewertet), 1 bis 12 Jahre unter Antibiotika, Australien | probiotischer Joghurt: 0 gegenüber 6 Kindern mit schwerem Durchfall unter pasteurisiertem Joghurt | RCT (Lebensmittel) |
| 6 | Companys et al. 2020, Adv Nutr | 20 Kohortenstudien und 52 RCTs | Joghurt in Kohorten mit 27 % weniger Typ-2-Diabetes verbunden; Probiotika in Milch senkten Blutfette stärker, Kapseln Blutzuckerwerte | Meta-Analyse (Beobachtung und RCTs) |
| 7 | Kairey et al. 2023, Nutr Rev | systematische Übersicht, 16 RCTs zu Kefir (18 Publikationen) | Hinweise zu Karieskeimen, Helicobacter, Blutfetten und Blutdruck, Belege sehr begrenzt; 12 Studien mit hohem Verzerrungsrisiko | Systematische Übersicht |
| 8 | Nielsen et al. 2018, Food Funct | 1 doppelblinde RCT, 34 Menschen mit Reizdarm, rohes gegen pasteurisiertes Sauerkraut, 6 Wochen | Beschwerden in beiden Gruppen besser, kein Unterschied zwischen den Gruppen | Pilotstudie |
| 9 | Kapp & Sumner 2019, Ann Epidemiol | systematische Literatursuche bis Juli 2018, 310 Artikel | nur eine Studie mit Menschen; behauptete Wirkungen aus Labor- und Tierversuchen | Systematische Übersicht |
| 10 | Ecklu-Mensah et al. 2024, Sci Rep | kontrollierte Studie, 16 Erwachsene mit Kombucha, 8 ohne, 4 Wochen; von einem Kombucha-Hersteller finanziert | keine Änderung von Blutwerten und Entzündungsmarkern in der Gesamtgruppe | Kleine kontrollierte Studie |
| 11 | Bonifácio et al. 2026, J Food Sci | 1 RCT, 59 Übergewichtige, Diät mit oder ohne grünen Kombucha | kein Unterschied zwischen den Gruppen bei Blutfetten, Blutzucker und weiteren Markern | RCT |
| 12 | Wastyk et al. 2021, Cell | 1 randomisierte Ernährungsstudie, 17 Wochen, je 18 gesunde Erwachsene: viel Fermentiertes oder viele Ballaststoffe | Fermentiert: Vielfalt der Darmbakterien stieg, Entzündungsmarker sanken; Hauptzielgröße in keiner Gruppe verändert | Ernährungsstudie (klein) |
| 13 | Gibson et al. 2017, Nat Rev Gastroenterol Hepatol | Konsenspapier der ISAPP zu Präbiotika | Präbiotikum = Stoff, den Mikroorganismen des Wirts gezielt nutzen und der einen gesundheitlichen Nutzen bringt | Konsenspapier |
| 14 | Muir et al. 2007, J Agric Food Chem | Fruktan-Messung in 60 Gemüse- und 43 Obstsorten | am meisten in Knoblauch, Artischocke, Schalotte, Lauch und Zwiebel (1,2 bis 17,4 g je 100 g); bei manchen Menschen Bauchbeschwerden | Lebensmittelanalyse |
| 15 | Le Bastard et al. 2020, Eur J Clin Microbiol Infect Dis | systematische Übersicht, 9 Studien mit Erwachsenen, 5 bis 20 g Inulin am Tag | beständigster Befund: mehr Bifidobakterien | Systematische Übersicht |
| 16 | Micka et al. 2017, Int J Food Sci Nutr | 1 Crossover-RCT, 44 gesunde Erwachsene mit Verstopfung, 12 g Chicorée-Inulin am Tag, 4 Wochen; Mitautoren aus einem Herstellerinstitut | Stuhlgänge im Median 4 gegenüber 3 pro Woche, Stuhl weicher | RCT (Herstellerbezug) |
| 17 | Bonnema et al. 2010, J Am Diet Assoc | 1 Crossover-Studie, 26 Gesunde, 5 und 10 g Inulin oder Oligofruktose gegen Kontrolle | vor allem Blähungen; bis 10 g Inulin und 5 g Oligofruktose gut vertragen | Verträglichkeitsstudie |
| 18 | Swanson et al. 2020, Nat Rev Gastroenterol Hepatol | Konsenspapier der ISAPP zu Synbiotika | Synbiotikum = Mischung aus lebenden Mikroorganismen und Substrat mit gesundheitlichem Nutzen; bloßes Mischen genügt nicht als Definition | Konsenspapier |
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