Die kurze Antwort
Vitamin C lässt sich überdosieren, für Gesunde sind die Folgen aber meist harmlos: Mehrere Gramm auf einmal können Durchfall und Bauchschmerzen auslösen. Ob Präparate Nierensteine fördern, ist in kontrollierten Studien nicht untersucht, große Beobachtungsstudien sehen bei Männern ab etwa 1 g täglich etwas mehr Steine. Riskant sind hohe Mengen vor allem bei kranken Nieren, dem Enzymmangel G6PD und einer Eisenspeicherkrankheit.
Auf dieser Seite 7 Abschnitte
- Kann man als Mensch Vitamin C überdosieren?
- Was passiert bei zu viel Vitamin C? Die Symptome
- Macht viel Vitamin C Nierensteine?
- Welche Nebenwirkungen hat Vitamin C sonst?
- Ist viel Vitamin C in der Schwangerschaft sicher?
- Kann Vitamin C Blutzucker- und Stuhltests verfälschen?
- Für wen ist hochdosiertes Vitamin C riskant?
Die Brausetablette mit 1.000 mg ist schnell geschluckt, und bei einer Erkältung kommt gern noch eine zweite dazu. Schließlich gilt Vitamin C als der harmloseste Stoff im Regal, weil der Körper alles, was er nicht braucht, mit dem Urin wieder loswird. Das stimmt im Großen und Ganzen. Doch auf dem Weg durch Darm und Nieren hinterlassen große Mengen Spuren, die für die meisten Menschen bedeutungslos sind und für einige wenige ernste Folgen haben können. Wer zu welcher Gruppe gehört, lässt sich ziemlich genau sagen.
Kann man als Mensch Vitamin C überdosieren?
Ja, Vitamin C lässt sich überdosieren, aber die Folgen sind bei Gesunden meist harmlos und vorübergehend. Das liegt an einer eingebauten Bremse. Schon ab etwa 200 mg am Tag ist das Blut nahezu gesättigt, und ab rund 500 mg pro Portion nimmt der Darm anteilig immer weniger auf, während die Nieren den Überschuss ausscheiden.1 Eine Vergiftung im eigentlichen Sinn, wie sie etwa bei Eisen oder Vitamin D vorkommt, ist deshalb nicht zu erwarten.
Trotzdem gibt es keinen festen Grenzwert. Die EU-Lebensmittelbehörde EFSA fand zu wenige Daten für eine Höchstmenge und hält zusätzlich etwa 1 g am Tag für unbedenklich, weil Magen-Darm-Beschwerden erst darüber häufiger werden.2 Die US-Akademie der Wissenschaften setzte die Grenze für Erwachsene bei 2 g.3 Dagegen ist das Bundesinstitut für Risikobewertung strenger und schlägt für Nahrungsergänzungen höchstens 250 mg pro Tagesdosis vor, damit auch mehrere Produkte zusammen im sicheren Bereich bleiben.4 Für die Versorgung reicht ohnehin weit weniger, wie die Vitamin-C-Dosierung pro Tag zeigt.
So wurde gemessen
- Aufnahme: Sieben gesunde Männer lebten monatelang in einer Klinik und bekamen nacheinander 30 bis 2.500 mg täglich. Bei 200 mg kam eine Einzelgabe vollständig im Blut an, ab 500 mg sank der Anteil, und das zusätzlich Aufgenommene erschien im Urin.1
- Behörden: EFSA ohne Höchstmenge, rund 1 g zusätzlich gilt als frei von Magen-Darm-Folgen;2 Institute of Medicine 2 g als Höchstmenge, abgeleitet aus osmotischem Durchfall;3 BfR 250 mg je Tagesdosis eines Präparats.4
Was passiert bei zu viel Vitamin C? Die Symptome
Die typische Folge zu großer Mengen ist Durchfall, oft mit Blähungen und Bauchschmerzen. Dahinter steckt ein einfacher Mechanismus: Was der Darm nicht aufnimmt, bleibt im Darminneren und zieht dort Wasser an. Genau darauf stützte die US-Akademie ihre Höchstmenge.3 Dafür verschwinden die Beschwerden, sobald die Menge sinkt, und sie treten vor allem auf, wenn mehrere Gramm auf einmal geschluckt werden.
Wie oft das bei üblichen Mengen passiert, ist allerdings ungeklärt, denn die meisten Studien haben solche Beschwerden nie gezielt erfasst. Immerhin gibt es einen Hinweis aus der Schwangerschaftsforschung. In einer Studie mit knapp 1.900 Schwangeren, die Vitamin C zusammen mit Vitamin E nahmen, lagen die Bauchschmerzen über dem Wert mit Scheinpräparat. Absolute Zahlen nennt die Auswertung dazu nicht.5 Das betrifft eine einzelne Studie mit einer Kombination, über Durchfall bei üblichen Mengen fehlen systematische Daten. Wer zu Sodbrennen neigt, verträgt manchmal auch die Säure schlecht. Dann hilft eine gepufferte Form, wie sie im Artikel über Vitamin-C-Pulver, Tabletten und liposomale Formen beschrieben ist.
Für den Alltag heißt das: Wer Bauchgrummeln bemerkt, teilt die Menge auf mehrere kleine Portionen auf oder nimmt einfach weniger. Andere typische Überdosierungszeichen, etwa Kopfschmerzen oder Hautausschlag, sind für Vitamin C nicht beschrieben.
So wurde gemessen
- Bauchschmerzen: In einer Schwangerschaftsstudie mit 1.877 Frauen unter Vitamin C plus E häufiger als mit Placebo (RR 1,66; 1,16 bis 2,37).5 Systematische Daten zu Durchfall bei üblichen Dosen fehlen.
Macht viel Vitamin C Nierensteine?
Ob Vitamin-C-Präparate Nierensteine verursachen, ist in kontrollierten Studien nicht untersucht, doch fehlende Studien sind keine Entwarnung. Der Verdacht ist chemisch begründet. Ein Teil des Vitamin C wird im Körper zu Oxalat abgebaut, und Kalziumoxalat ist der Hauptbestandteil der meisten Nierensteine. In einer Auswertung von neun Studien stieg das Oxalat im Urin unter Präparaten messbar an.6 Wer schon Steine hatte, reagierte dabei mit 2 g täglich deutlich stärker als Gesunde.78
Ob aus mehr Oxalat im Urin auch mehr Steine werden, hat allerdings keine Placebo-Studie gezählt. So bleiben nur Beobachtungen. In drei großen US-Kohorten mit fast 200.000 Menschen hatten Männer, die täglich mindestens 1 g aus Präparaten nahmen, etwas häufiger Nierensteine, Frauen dagegen nicht.9 Eine andere Kohorte mit Männern kam auf ein noch etwas höheres Risiko.10 Ein Beweis ist das nicht, doch die Beobachtungen zeigen in dieselbe Richtung wie die Urinwerte.
Ob sehr hohe Tablettenmengen die Niere selbst schädigen, ist ungeklärt, denn es gibt nur Fallberichte, und sie betreffen kranke Nieren. Sie beschreiben Oxalatablagerungen im Körper, etwa bei einer Patientin an der Bauchfelldialyse, die jahrelang bis zu 4 g täglich nahm und Kristalle in Augen und Gelenken bekam.11 In der Niere selbst lagerten sich die Kristalle bei einem Patienten mit Magenbypass ab, der die Aufnahme von Oxalat aus dem Darm erhöht, und bei einem älteren Mann mit einer Schwäche der Bauchspeicheldrüse, der am Ende dialysepflichtig wurde.1213 Wie oft das vorkommt, weiß niemand. Bei Gesunden mit üblichen Mengen ist es nicht beschrieben.
So wurde gemessen
- Urin: 9 Interventionsstudien, Oxalat gegenüber Placebo um knapp 6,5 mg pro 24 Stunden höher, Citrat und Kalzium unverändert.6 2 × 1 g täglich über je sechs Tage: Oxalat bei Gesunden +20 %, bei Steinbildnern +33 %;7 bei 40 % der Teilnehmenden höheres Steinrisiko im Urin.8
- Beobachtung: Männer mit mindestens 1.000 mg aus Präparaten HR 1,19, Frauen ohne Zusammenhang, Vitamin C aus der Nahrung ohne Zusammenhang;9 45.619 Männer über 14 Jahre, ab 1 g RR 1,41 gegenüber unter 90 mg.10
- Fallberichte: Bauchfelldialyse mit bis zu 4 g täglich;11 Magenbypass;12 Schwäche der Bauchspeicheldrüse mit Dialysepflicht.13
Sicherheitshinweis
Bei früheren Nierensteinen, einer Nierenerkrankung oder Dialyse kommt hoch dosiertes Vitamin C nur nach ärztlicher Rücksprache infrage. Deutlich weniger Urin, Wassereinlagerungen oder Flankenschmerzen unter hohen Mengen: Präparat absetzen, und dann ist umgehend ärztliche Abklärung nötig.
Welche Nebenwirkungen hat Vitamin C sonst?
Abseits von Darm und Niere sind die Nebenwirkungen selten, betreffen aber bestimmte Gruppen deutlich. Die drei wichtigsten Fragen betreffen das Eisen, den Sport und Menschen mit Diabetes.
Eisen: Kann Vitamin C zu einer Überladung beitragen?
Ob Vitamin C bei einer Eisenspeicherkrankheit die Eisenüberladung verstärkt, ist ungeklärt, aber nicht abwegig. Denn es verbessert die Aufnahme von Eisen aus dem Essen, und Menschen mit der erblichen Hämochromatose nehmen ohnehin zu viel davon auf. Bei elf Frauen mit leeren Speichern lag die Eisenaufnahme mit 1,5 g Vitamin C täglich nach gut fünf Wochen bei 38 gegenüber 27 Prozent mit Placebo.14 Über eine ganze, gemischte Ernährung hinweg war der Effekt in einer anderen Studie dagegen kaum messbar.15 Studien mit Hämochromatose fehlen ganz. Das ist eine Lücke. Ein Fallbericht beschreibt jedoch einen jungen Mann, der nach einem Jahr mit großen Mengen Vitamin C an einer rasch fortschreitenden Herzschwäche starb, und erst danach wurde die Speicherkrankheit entdeckt.16 Bei einer bekannten Eisenüberladung gehören Vitamin-C-Präparate zu den Mahlzeiten deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache auf den Tisch.
Bremst Vitamin C den Trainingseffekt?
Diese Sorge hat sich in den Studien nicht bestätigt, ein Schaden wurde nicht gefunden. Ausgelöst hatte sie eine kleine Studie, in der Männer mit 1 g täglich nach acht Wochen Training weniger Ausdauer gewannen.17 Eine Auswertung von 18 Studien mit Ausdauer- und Krafttraining fand dann aber weder bei der Ausdauer noch beim Muskelaufbau einen Nachteil.18 Dabei wurden nur einzelne Vorgänge in den Muskelzellen messbar gebremst. Für den Trainingserfolg braucht es hoch dosierte Antioxidantien trotzdem nicht.
Ist viel Vitamin C bei Diabetes riskant?
Ob hohe Mengen Menschen mit Diabetes schaden, ist in kontrollierten Studien nicht untersucht. Aufmerksam macht eine amerikanische Beobachtungsstudie mit knapp 2.000 Frauen mit Diabetes nach den Wechseljahren: Wer viel Vitamin C aus Präparaten nahm, starb häufiger an Herz-Kreislauf-Krankheiten, bei Vitamin C aus der Nahrung zeigte sich das nicht.19 Ursache und Wirkung lassen sich so nicht trennen, denn wer krank ist, greift womöglich eher zu Präparaten. Eine Placebo-Studie mit genau dieser Frage gab es nie. Ein Freibrief ist das nicht.
So wurde gemessen
- Eisen: 11 Frauen mit leeren Speichern, 3 × 500 mg zu den Mahlzeiten oder Placebo über 5,5 Wochen, Eisenaufnahme 38 gegenüber 27 %, Ferritin unverändert;14 12 Personen mit 51 bis 247 mg Vitamin C aus der Nahrung, Aufnahme ohne gesicherten Unterschied;15 Fallbericht zu Hämochromatose.16
- Training: 9 Ausdauer- und 9 Kraftstudien mit Vitamin C und/oder E, Sauerstoffaufnahme, Ausdauerleistung, Muskelmasse und Kraft ohne Abschwächung;18 14 Männer, Ausdauer mit 1 g Vitamin C geringer verbessert.17
- Diabetes: Iowa Women's Health Study, 1.923 Frauen mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Sterblichkeit im obersten Fünftel der Zufuhr RR 1,84; nur Vitamin C aus Präparaten.19
Ist viel Vitamin C in der Schwangerschaft sicher?
Ob hoch dosiertes Vitamin C in der Schwangerschaft einen vorzeitigen Blasensprung begünstigt, ist ungeklärt, und die Befunde widersprechen sich. In zwei Studien mit gut 3.000 Schwangeren, die Vitamin C zusammen mit Vitamin E nahmen, platzte die Fruchtblase am Termin häufiger vor Beginn der Wehen als mit Scheinpräparat. Die Auswertung nennt dafür nur einen relativen Wert, keine absoluten Zahlen.21 Die größte Auswertung mit 17 Placebo-Studien und über 21.000 Schwangeren fand dagegen keinen Unterschied.20 Vitamin C allein schnitt in einzelnen Auswertungen sogar etwas besser ab, das Signal betrifft also die Kombination mit Vitamin E.5
Ob dahinter ein echter Effekt steckt, weiß niemand genau. Totgeburten und Todesfälle bei Neugeborenen traten jedenfalls nicht häufiger auf.5 Den Bedarf in der Schwangerschaft decken Obst, Gemüse oder ein übliches Schwangerschaftspräparat. Für hoch dosierte Einzelpräparate und Kombinationen mit viel Vitamin E gibt es dagegen keinen Grund. Mengen über 1 g täglich wurden bei Schwangeren nie geprüft.
So wurde gemessen
- 17 Placebo-Studien mit 21.567 Schwangeren: Blasensprung vor dem Termin RR 1,04 (0,63 bis 1,71), Frühgeburt RR 1,04, Neugeborenentod RR 0,77, jeweils nicht gesichert.20
- Vitamin C plus E, 2 Studien mit 3.070 Schwangeren: Blasensprung am Termin RR 1,73 (1,34 bis 2,23).21 Cochrane: Vitamin C allein vor dem Termin RR 0,66; Totgeburt RR 1,15, nicht gesichert.5
Kann Vitamin C Blutzucker- und Stuhltests verfälschen?
Wie oft große Mengen Vitamin C Messungen verfälschen, ist ungeklärt. Beschrieben ist es aber. Das zählt vor allem bei Diabetes und bei der Darmkrebsvorsorge. Vitamin C stört die Messchemie bestimmter Blutzuckergeräte, die mit einem Tropfen aus der Fingerkuppe arbeiten. Bei sieben Verbrennungspatienten, die Vitamin C als Infusion bekamen, zeigten die Geräte 10 bis 200 mg/dl zu viel an, ohne dass sich das vorhersagen ließ.22 Bei einem Dialysepatienten hielt der Effekt noch Tage nach der letzten Infusion an.23 Folgen hat das, wenn wegen eines scheinbar hohen Werts Insulin gespritzt wird, obwohl der echte Zucker normal oder niedrig ist. Dagegen sind Laborwerte aus einer Blutprobe meist nicht betroffen, und die Berichte betreffen Infusionen.
Ob Vitamin C den chemischen Stuhlbluttest im Alltag verfälscht, ist ebenso ungeklärt. In einem Fallbericht blieb er unter Vitamin C trotz Blutung wiederholt negativ und schlug nach dem Absetzen deutlich an.24 Tückisch daran ist, dass der Effekt selbst zwar nicht schadet, aber dazu führen kann, dass eine Blutung im Darm, hinter der sich auch ein Tumor verbergen kann, bei der Vorsorge übersehen wird. Zahlen dazu gibt es nicht, und für die heute meist verwendeten immunologischen Stuhltests ist es nicht untersucht. Vor einem Stuhltest lohnt es sich deshalb, die Einnahme anzugeben und nach der Anleitung des Tests zu pausieren.
So wurde gemessen
Notfall
Zittern, Schweißausbruch oder Verwirrtheit trotz hoher Anzeige am Messgerät nach einer Vitamin-C-Infusion: sofort Traubenzucker nehmen und den Blutzucker im Labor bestimmen lassen. Bei Bewusstseinstrübung ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Für wen ist hochdosiertes Vitamin C riskant?
Ob Infusionen mit vielen Gramm, wie sie Praxen gegen Müdigkeit oder Krebs anbieten, die Niere schädigen, ist ungeklärt. Fallberichte beschreiben ein akutes Nierenversagen durch Oxalatkristalle nach einer einzigen Infusion mit 45 g und eine Krebspatientin, die nach wöchentlichen Infusionen mit 100 g dauerhaft an die Dialyse musste.2526 Eine Übersicht über 74 Infusionsstudien zählte dagegen fünf solcher Nierenschäden, und in den verblindeten Studien darunter fanden sich nicht mehr Schäden als mit Placebo.29 Riskant sind hohe Mengen vor allem für Menschen mit kranken Nieren, einem angeborenen Enzymmangel oder einer Eisenüberladung.
Ob große Mengen beim angeborenen Enzymmangel G6PD die roten Blutkörperchen zerfallen lassen, ist ebenfalls ungeklärt, weil Betroffene, die vor allem Wurzeln im Mittelmeerraum, in Afrika oder Asien haben, aus Studien ausgeschlossen werden.29 Beschrieben ist es aber: In einer Sammlung von 14 Fallberichten betraf das meist Menschen, die von ihrem Mangel nichts wussten, und ein Patient starb.2728 Wer eine Infusion erwägt, sollte deshalb vorher Nierenwerte und Enzymstatus bestimmen lassen. Ob sich hochdosiertes Vitamin C als Infusion bei diesen Risiken überhaupt lohnt, hängt stark davon ab, wer sie bekommt und warum. Alle untersuchten Risiken im Überblick stehen auf der Seite Vitamin C: Wirkung und Studienlage.
So wurde gemessen
- Niere: Fallberichte nach 45 g in einer Infusion25 und nach sechs Wochen mit wöchentlich 100 g;26 Übersicht über 74 Infusionsstudien mit fünf Fällen von Oxalat-Nierenschaden.29
- Hämolyse: 14 Fallberichte mit 1 bis 200 g täglich, 71 % mit G6PD-Mangel, über die Hälfte als Infusion, die Hälfte mit Komplikationen wie Nierenversagen.27 Einzelfall mit schwerer Gelbsucht nach Infusion.28
Notfall
Dunkler Urin, gelbe Haut oder Augen, plötzliche Schwäche oder kaum noch Urin nach einer Vitamin-C-Infusion: Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Unsere Einordnung
Für Gesunde ist zu viel Vitamin C vor allem eine Frage des Darms: Durchfall zeigt die Grenze an. Ernst wird es bei kranken Nieren, früheren Nierensteinen, dem Enzymmangel G6PD, einer Eisenüberladung und bei Infusionen mit vielen Gramm. Für die meisten Zwecke reicht deutlich weniger als 1 g am Tag.
Häufige Fragen
Wie viel Vitamin C ist zu viel?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Die EU-Lebensmittelbehörde hält zusätzlich etwa 1 g am Tag für unbedenklich,2 die US-Akademie setzt die Höchstmenge wegen Durchfall bei 2 g.3 Für Nahrungsergänzungen schlägt das Bundesinstitut für Risikobewertung höchstens 250 mg pro Tagesdosis vor.4
Kann man mit Obst und Gemüse zu viel Vitamin C aufnehmen?
Ein Risiko durch Vitamin C aus Lebensmitteln ist nicht bekannt. In großen Beobachtungsstudien hing Vitamin C aus der Nahrung weder bei Männern noch bei Frauen mit Nierensteinen zusammen, nur Präparate fielen auf.9
Wird überschüssiges Vitamin C einfach ausgeschieden?
Zum großen Teil ja. Ab etwa 500 mg pro Portion nimmt der Darm anteilig weniger auf, und was das Blut nicht braucht, landet im Urin.1 Ein Teil wird allerdings zu Oxalat abgebaut, das in der Niere Kristalle bilden kann.6
Weiterlesen




Alle Themen zu Vitamin C
Alle 29 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Levine et al. 1996, Proc Natl Acad Sci U S A | 7 gesunde Männer, monatelang in der Klinik, Vitamin C in steigenden Mengen | Blut ab 200 mg nahezu gesättigt; ab 500 mg pro Portion sinkt die Aufnahme, Rest im Urin | Aufnahmestudie |
| 2 | EFSA 2004, EFSA J | Gutachten der EU-Lebensmittelbehörde zur Höchstmenge | keine Höchstmenge festgelegt; zusätzlich etwa 1 g täglich unbedenklich, darüber Magen-Darm-Beschwerden möglich | Behördengutachten |
| 3 | Institute of Medicine 2000, National Academies Press | Bewertung der US-Akademie zu Vitamin C | Höchstmenge 2 g täglich wegen Durchfall | Behördengutachten |
| 4 | BfR 2021, Bundesinstitut für Risikobewertung | Höchstmengenvorschlag für Vitamin C in Nahrungsergänzungsmitteln | 250 mg pro Tagesdosis; übliche Zufuhr in Deutschland im Median gut 120 mg | Behördengutachten |
| 5 | Rumbold et al. 2015, Cochrane Database Syst Rev | 29 Studien mit 24.300 Schwangeren, Vitamin C allein oder mit Vitamin E | Präeklampsie und Frühgeburt nicht seltener; Bauchschmerzen in einer Studie häufiger | Cochrane-Review |
| 6 | Farkouh et al. 2026, J Endourol | 9 Studien mit 24-Stunden-Urin bei Gesunden und Steinbildnern | Oxalat im Urin mit Vitamin C gestiegen | Meta-Analyse |
| 7 | Traxer et al. 2003, J Urol | 12 Gesunde und 12 Menschen mit Kalziumoxalatsteinen, 2 g täglich oder Placebo, je sechs Tage | Oxalat im Urin um 20 bzw. 33 % höher | Crossover-Studie |
| 8 | Massey et al. 2005, J Nutr | 29 Steinbildner und 19 Gesunde, 2 g täglich oder keins, je sechs Tage | bei 40 % mehr Oxalat und höheres Steinrisiko im Urin | Crossover-Studie |
| 9 | Ferraro et al. 2016, Am J Kidney Dis | drei US-Kohorten mit über 197.000 Menschen | Männer mit mindestens 1 g aus Präparaten etwas häufiger mit Nierensteinen, Frauen nicht | Beobachtungsstudie |
| 10 | Taylor et al. 2004, J Am Soc Nephrol | 45.619 Männer über 14 Jahre | ab 1 g täglich häufiger Nierensteine | Beobachtungsstudie |
| 11 | D'Costa et al. 2019, Am J Kidney Dis | Fallbericht: Patientin an der Bauchfelldialyse, jahrelang bis 4 g täglich | Oxalatablagerungen in Augen und Gelenken | Fallbericht |
| 12 | Kafi et al. 2023, Clin Case Rep | Fallbericht: Patient mit Magenbypass, hoch dosiertes Vitamin C gegen COVID-19 | Oxalat-Nierenschaden | Fallbericht |
| 13 | Fijen et al. 2019, BMJ Case Rep | Fallbericht: älterer Mann mit Schwäche der Bauchspeicheldrüse und hoch dosierten Präparaten | dialysepflichtiger Oxalat-Nierenschaden | Fallbericht |
| 14 | Hunt et al. 1990, Am J Clin Nutr | 11 Frauen mit leeren Eisenspeichern, 3 × 500 mg zu den Mahlzeiten oder Placebo, gut fünf Wochen | Eisenaufnahme 38 gegenüber 27 %, Ferritin unverändert | RCT |
| 15 | Cook & Reddy 2001, Am J Clin Nutr | 12 Personen, drei Ernährungsphasen mit wenig bis viel Vitamin C | Eisenaufnahme über die ganze Ernährung kaum verändert | Aufnahmestudie |
| 16 | McLaran et al. 1982, Aust N Z J Med | Fallbericht: junger Mann, ein Jahr lang große Mengen Vitamin C | tödliche Herzmuskelschwäche bei unerkannter Hämochromatose | Fallbericht |
| 17 | Gomez-Cabrera et al. 2008, Am J Clin Nutr | 14 Männer, acht Wochen Training, teils mit 1 g täglich | Ausdauerzuwachs mit Vitamin C geringer | RCT |
| 18 | Clifford et al. 2020, Crit Rev Food Sci Nutr | 18 Studien mit Ausdauer- oder Krafttraining, Vitamin C und/oder E | Trainingserfolg nicht abgeschwächt | Meta-Analyse |
| 19 | Lee et al. 2004, Am J Clin Nutr | 1.923 Frauen mit Diabetes nach den Wechseljahren | viel Vitamin C aus Präparaten mit höherer Herz-Kreislauf-Sterblichkeit verbunden | Beobachtungsstudie |
| 20 | Pereira et al. 2025, Rev Bras Ginecol Obstet | 17 Placebo-Studien mit 21.567 Schwangeren, Vitamin C allein oder mit E | vorzeitiger Blasensprung nicht häufiger | Meta-Analyse |
| 21 | Conde-Agudelo et al. 2011, Am J Obstet Gynecol | Placebo-Studien mit Vitamin C plus E in der Schwangerschaft | Blasensprung am Termin um etwa drei Viertel häufiger | Meta-Analyse |
| 22 | Sartor et al. 2015, J Burn Care Res | 7 Verbrennungspatienten unter Infusion, Messgerät gegen Labor | Messgerät um 10 bis 200 mg/dl zu hoch | Beobachtungsstudie |
| 23 | Lachance et al. 2021, J Med Case Rep | Fallbericht: Dialysepatient ohne Diabetes nach hoch dosierten Infusionen | Messgerät zeigte noch sechs Tage später zu hohe Werte | Fallbericht |
| 24 | Jaffe et al. 1975, Ann Intern Med | Fallbericht mit Laborversuch: Patientin mit unklarer Blutarmut | chemischer Stuhlbluttest unter Vitamin C mehrfach negativ, danach positiv | Fallbericht |
| 25 | Lawton et al. 1985, Arch Intern Med | Fallbericht: Patientin mit Nierenerkrankung, eine Infusion mit 45 g | akutes Nierenversagen durch Oxalatkristalle, tödlich | Fallbericht |
| 26 | Roy et al. 2023, J Investig Med High Impact Case Rep | Fallbericht: Krebspatientin, sechs Wochen lang wöchentlich 100 g als Infusion | dauerhaft dialysepflichtig | Fallbericht |
| 27 | Juneja et al. 2022, Indian J Crit Care Med | 14 Fallberichte zu Hämolyse unter Vitamin C | meist G6PD-Mangel, oft vorher unbekannt; ein Todesfall | Übersicht von Fallberichten |
| 28 | Wu et al. 2018, Medicine (Baltimore) | Fallbericht: junger Mann mit G6PD-Mangel nach hoch dosierter Infusion | schwere Hämolyse mit Gelbsucht | Fallbericht |
| 29 | Yanase et al. 2020, Crit Care Med | 74 Studien mit 2.801 Menschen und hoch dosierten Infusionen | einzelne Fälle von Oxalat-Nierenschaden, Hämolyse und Fehlmessungen | Systematische Übersicht |
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