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Ashwagandha · 34 Quellen ausgewertet

Ashwagandha Nebenwirkungen: Wie sicher ist die Schlafbeere?

Die Studien zeichnen ein harmloses Bild, die Fallberichte ein ernstes. Was über Magen, Müdigkeit, Psyche, Leber, Schilddrüse und Wechselwirkungen bekannt ist, und für wen die Schlafbeere nicht infrage kommt.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202634 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

In Placebo-Studien hatten Menschen mit Ashwagandha nicht häufiger Beschwerden als mit einem Scheinpräparat, meist ging es um leichte Übelkeit oder Kopfschmerzen. Diese Studien sind aber kurz und oft von Herstellern unterstützt. Seltene, teils schwere Leberschäden sind in Fallberichten gut dokumentiert. Schwangeren, Stillenden, Kindern und Menschen mit Lebererkrankung rät das BfR ab, bei Schilddrüsenleiden und vielen Medikamenten braucht es ärztlichen Rat.

Auf dieser Seite 6 Abschnitte
  1. Welche Nebenwirkungen hat Ashwagandha?
  2. Schadet Ashwagandha der Leber?
  3. Ashwagandha und Schilddrüse: Kann es eine Überfunktion auslösen?
  4. Ashwagandha Nebenwirkungen auf die Psyche: Kann es Gefühle dämpfen?
  5. Welche Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bekannt?
  6. Wer sollte Ashwagandha nicht nehmen?

Zwei Wochen nach der ersten Kapsel färbten sich bei einer Frau in Deutschland Haut und Augen gelb, und erst Monate nach dem Absetzen war ihre Leber wieder gesund.1 Solche Berichte passen schlecht zu den Studien, in denen die Schlafbeere fast so harmlos erscheint wie ein Scheinpräparat. Doch beides stimmt zugleich. Die Placebo-Studien zeigen, was häufig passiert, während die Fallberichte zeigen, was selten, aber ernst passieren kann. Wer die Nebenwirkungen von Ashwagandha einschätzen will, kommt deshalb um beide Quellen nicht herum.

Welche Nebenwirkungen hat Ashwagandha?

Ob Ashwagandha insgesamt Nebenwirkungen macht, ist ungeklärt, denn in Studien mit Scheinpräparat hatten Menschen damit nicht öfter Beschwerden als ohne. Am deutlichsten sieht man das in der bislang größten Studie, in der rund tausend gestresste Erwachsene acht Wochen lang einen Wurzelextrakt oder eine Attrappe (Placebo) schluckten.2 Das Ergebnis überrascht. Mit Ashwagandha klagten 5,2 gegenüber 7,8 Prozent mit Placebo über irgendein Problem, meist über leichte Übelkeit, einen trockenen Mund oder Kopfschmerzen, und schwere Nebenwirkungen kamen nicht vor. Auch eine Auswertung von Studien mit psychisch Erkrankten kam zum selben Ergebnis, denn Nebenwirkungen und Abbrüche waren in beiden Gruppen gleich häufig.3

Ein Freispruch ist das trotzdem nicht, denn zusammengerechnet hat die Nebenwirkungen nur eine kleine Auswertung mit fünf Studien.3 Die meisten Studien liefen nur acht Wochen, fast alle in Indien. Viele wurden zudem vom Hersteller des geprüften Extrakts bezahlt oder beliefert, die große Studie eingeschlossen.2 Hinzu kommt, dass Nebenwirkungen nicht systematisch erfasst wurden, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bemängelt. Eine sicher unbedenkliche Menge kann es deshalb nicht nennen.4 Dänemark ging noch weiter und verbot Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln.5 Damit ist die Lage zweigeteilt: In den ersten Wochen ist Ashwagandha meist gut verträglich, über seltene und späte Schäden sagen die Studien dagegen wenig.

So wurde gemessen
  • Größte Studie: 1.002 Erwachsene mit Stress und Angst, täglich 600 mg Wurzelextrakt über 8 Wochen, mit Unterstützung des Extrakt-Herstellers. Mindestens eine Nebenwirkung hatten 5,2 % gegenüber 7,8 % unter Placebo, der Unterschied war nicht gesichert. Schwere Ereignisse traten nicht auf.2
  • Psychische Erkrankungen: Auswertung von 14 Studien mit 713 Teilnehmenden, meist mit Angststörung. Nebenwirkungsrate (5 Studien) OR 0,99, Studienabbrüche (10 Studien) OR 0,81, beides ohne Unterschied zu Placebo.3
  • Übersicht ohne Zusammenrechnung: 23 Studien mit 2.317 Gesunden, Einnahme bis 180 Tage, keine schweren Nebenwirkungen.6
  • Ein Jahr ohne Vergleichsgruppe: 191 Erwachsene, zwölf Monate Wurzelextrakt; 18 leichte Nebenwirkungen, die von selbst abklangen, Leberwerte kaum verändert. Ohne Placebo-Gruppe bleibt offen, was davon auf Ashwagandha zurückgeht.34
  • Behörden: BfR-Mitteilung von 20244; dänisches Verkaufsverbot von 2023.5

Unsere Einordnung

Für gesunde Erwachsene ist Ashwagandha in den Studienmengen über einige Wochen meist gut verträglich. Die Daten sind aber kurz, stammen überwiegend aus herstellernahen Studien und können seltene Schäden nicht erfassen. Eine Studie über ein ganzes Jahr fand zwar nur leichte Beschwerden, hatte aber keine Vergleichsgruppe und ersetzt so keine lange Placebo-Studie.34

Magen-Darm-Beschwerden: harmlose Nebenwirkung?

Ob Ashwagandha Bauchbeschwerden auslöst, ist ungeklärt, auch wenn Übersichten sie als häufigste Nebenwirkung nennen. In den meisten Placebo-Studien traten sie mit der Attrappe ähnlich oft auf, und in der großen Studie hatten 2,0 gegenüber 3,2 Prozent unter Placebo Übelkeit, mit Ashwagandha also sogar etwas weniger.2 Ähnlich lief eine Studie mit übergewichtigen Erwachsenen mittleren Alters, in der jede zehnte Person mit Ashwagandha über Verdauungsprobleme klagte, mit Placebo aber fast jede sechste.7 Anders sah es nur bei Menschen mit Schizophrenie aus, die eine hohe Tagesmenge zu ihren Medikamenten nahmen. Bei ihnen kamen Oberbauchbeschwerden und weicher Stuhl häufiger vor, statistisch geprüft wurde das aber nicht, und eine Meta-Analyse über alle Studien fehlt.8 Bei empfindlichem Magen lohnt es sich, die Kapsel zu einer Mahlzeit zu nehmen, und bei anhaltendem Durchfall oder Erbrechen ist es ratsam, ganz aufzuhören.

So wurde gemessen
  • Größte Studie: Übelkeit 2,0 % gegenüber 3,2 % unter Placebo, Durchfall 0,6 % gegenüber 0,4 %, Erbrechen 0,4 % gegenüber 0 %.2
  • Herstellerfinanzierte Studie: 120 Erwachsene, Verdauungsbeschwerden bei 10 % gegenüber 17 % unter Placebo.7
  • Schizophrenie: 66 Erkrankte, 1.000 mg Wurzel-Blatt-Extrakt täglich zusätzlich zur Behandlung, 12 Wochen; Beschwerden leicht bis mäßig und vorübergehend, ohne statistischen Vergleich.8

Macht Ashwagandha müde?

Ob Ashwagandha müde macht, ist ungeklärt. In den Studien trat Schläfrigkeit höchstens so oft auf wie mit Placebo, auch wenn der Beiname Schlafbeere anderes vermuten lässt. In der großen Studie mit rund tausend Erwachsenen über acht Wochen meldete aus der Ashwagandha-Gruppe niemand Schläfrigkeit, aus der Placebogruppe immerhin drei Personen.2 Dazu passt, dass sich Teilnehmende von Schlafstudien morgens nach dem Aufstehen eher wacher fühlten.9 Allerdings hat niemand geprüft, wie es um Fahrtüchtigkeit und Reaktionszeit steht oder was geschieht, wenn Schlafmittel oder Alkohol dazukommen. Die französische Lebensmittelbehörde ANSES rät deshalb vom Autofahren unter Ashwagandha ab,10 und ein britischer Fallbericht beschreibt zudem einen Mann, der lange und unruhig schlief, verwirrt war und Gedächtnislücken hatte, bis er das Mittel absetzte.11 Für solche seltenen Fälle sind die Studien zu klein. In den ersten Tagen empfiehlt es sich daher, die eigene Reaktion erst einmal zu beobachten, bevor es ans Steuer geht.

So wurde gemessen
  • Größte Studie: Schläfrigkeit bei 0 % gegenüber 0,4 % unter Placebo, starke Benommenheit bei 0 % gegenüber 0,2 %.2
  • Schlafstudien: Auswertung von 5 Placebo-Studien mit 400 Erwachsenen; morgendliche Wachheit besser als mit Placebo.9
  • Gegenbefund: In der Schizophrenie-Studie wurde Schläfrigkeit häufiger genannt.8

Schadet Ashwagandha der Leber?

Ob Ashwagandha der Leber schadet, ist ungeklärt, doch Fallberichte beschreiben ernste Verläufe. Eine Übersicht zählte zuletzt 25 beschriebene Fälle, meist mit Gelbsucht und Juckreiz einige Wochen nach Beginn, und die meisten Betroffenen erholten sich nach dem Absetzen.16 Dagegen trat in sechs Placebo-Studien mit zusammen knapp 1.400 Teilnehmenden über acht Wochen bis ein halbes Jahr kein einziger Leberschaden auf, und die Leberwerte blieben gleich.212 Für solche Schäden sind diese Studien allerdings zu klein, denn sie treffen offenbar nur einzelne empfindliche Menschen. Wie oft das vorkommt, weiß niemand. Am schwersten traf es Menschen, deren Leber schon krank war.

Dass es sie gibt, ist gut dokumentiert. Eine Fallserie aus Island und den USA beschreibt fünf Menschen, die einige Wochen nach Beginn eine Gelbsucht mit Gallestau bekamen. Wochenlang litten sie unter Juckreiz, doch die Leber versagte bei keinem.13 Schwerer verliefen acht Fälle aus mehreren indischen Kliniken. Fünf der Betroffenen hatten schon vorher eine kranke Leber, und drei von ihnen starben an einem Leberversagen, obwohl die Präparate frei von Verunreinigungen waren.14 In den USA brauchte eine Frau nach der Einnahme sogar eine neue Leber.15

Auch aus Deutschland sind Fälle beschrieben, etwa ein zuvor gesunder Mann, bei dem der gelbe Gallenfarbstoff im Blut unter Ashwagandha immer weiter stieg.17 Bewiesen ist der Zusammenhang im Einzelfall nie, zumal manche Betroffene weitere Mittel nahmen. Doch die Häufung aus Europa, den USA und Indien lässt sich kaum als Zufall abtun.

Entsprechend deutlich reagieren die Behörden. Das BfR sieht in den Berichten besonderen Anlass zur Vorsicht und rät allen, die eine Lebererkrankung haben oder hatten, von Ashwagandha ab.4 Die französische ANSES sieht das ebenso.10 Sie fordert zudem, Leberschäden künftig gezielter zu erfassen. Das niederländische Gesundheitsinstitut RIVM rät sogar allen vorsorglich ab, weil sich nicht vorhersagen lässt, wer empfindlich reagiert.18 Dass die Frage als ungeklärt gilt, ist also keine Entwarnung. Die Placebo-Studien sehen nichts, die Fallberichte zeigen ernste Fälle. Bei bekannter oder früherer Lebererkrankung ist es ratsam, ganz auf Ashwagandha zu verzichten.

So wurde gemessen
  • Placebo-Studien: 6 Studien mit Wurzelextrakt, 8 Wochen bis 6 Monate, zusammen 1.382 Personen, ohne Leberschaden in beiden Gruppen; darunter die große Studie mit 1.002 Personen2 und eine Studie mit 40 Älteren über 180 Tage.12 In einer Übersicht blieben die Leberwerte in 9 Studien mit 1.578 Personen stabil.6
  • Island und USA: 5 Fälle, Beginn 2 bis 12 Wochen nach dem Start, Juckreiz und erhöhtes Bilirubin über 5 bis 20 Wochen; vier Betroffene nahmen weitere Ergänzungsmittel.13
  • Indien: 8 Fälle nach reinen Ashwagandha-Präparaten, 5 mit chronischer Lebererkrankung, davon 3 Todesfälle.14
  • USA: akutes Leberversagen und Lebertransplantation bei einer 41-Jährigen.15
  • Übersicht: 25 Fälle aus 13 Veröffentlichungen, auch mit Kombinationspräparaten; 1 Transplantation, 3 Todesfälle bei vorbestehender Zirrhose.16
  • Deutschland: 65-jährige Frau, Gelbsucht nach 2 Wochen, Erholung binnen 5 Monaten1; 40-jähriger Mann ohne Vorerkrankung mit steigendem Bilirubin.17

Warnzeichen an der Leber

Gelbe Haut oder gelbe Augen, dunkler Urin, heller Stuhl oder starker Juckreiz unter der Einnahme sind Warnzeichen. Dann Ashwagandha sofort absetzen und umgehend die Leberwerte ärztlich prüfen lassen.

Kann Ashwagandha auch die Nieren schädigen?

Ob Ashwagandha die Nieren schädigt, ist ungeklärt, denn beschrieben sind nur zwei Einzelfälle, beide bisher nur als kurzer Bericht auf einem Fachkongress und beide nach einem schweren Leberschaden. Eine Frau hatte eine Woche lang ein Vielfaches der üblichen Menge genommen; ihre Nieren versagten, sie brauchte zwei Wochen lang die Dialyse, dann arbeiteten die Nieren wieder normal.30 Bei einem Mann, der dazu oft Alkohol trank, setzte sich nach einer Leberentzündung Galle in den Nieren ab, und nach 50 Tagen hing er noch immer an der Dialyse.31 In fünf Placebo-Studien mit zusammen knapp 1.300 Teilnehmenden über acht Wochen bis ein halbes Jahr blieben die Nierenwerte dagegen gleich, auch wenn dort niemand Nierenschäden eigens gezählt hat.2123233 Die Autoren des zweiten Falls sehen die Niere als Folge der kranken Leber, nicht als direkte Wirkung des Mittels,31 und ohne Leberschaden und bei üblicher Menge ist bisher kein Fall bekannt.

Ashwagandha und Schilddrüse: Kann es eine Überfunktion auslösen?

Ob Ashwagandha eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen kann, ist ungeklärt, Einzelfälle sind aber beschrieben. Als eigenes Ereignis gezählt hat die Überfunktion keine Studie. Eine Auswertung von Placebo-Studien fand jedoch, dass das Schilddrüsenhormon T4 unter Ashwagandha leicht anstieg,19 und bei Menschen mit leichter Unterfunktion normalisierten sich die Werte in einer kleinen Studie sogar.20 Was dort erwünscht war, kann bei einer gesunden Schilddrüse zu viel werden. Bewiesen ist das nicht. Zwei Fallberichte legen es aber nahe. Eine junge Frau in den Niederlanden bekam nach einer Dosissteigerung eine Überfunktion, ein zuvor gesunder Mann in Japan nach zwei Monaten, und bei beiden verschwand sie nach dem Absetzen.2122

Die ANSES rät Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen deshalb von Ashwagandha ab.10 Bei einer Schilddrüsenerkrankung empfiehlt sich die Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache und mit Kontrolle der Werte. Herzrasen, Zittern, starkes Schwitzen oder ein ungewollter Gewichtsverlust unter der Einnahme sind Warnzeichen, bei denen Ashwagandha abzusetzen und die Schilddrüse ärztlich zu prüfen ist. Ob die Pflanze umgekehrt das Gewicht nach oben treibt, ist eine eigene Frage.

So wurde gemessen
  • Hormon-Auswertung: 23 Placebo-Studien mit 1.706 Personen; T4 um 0,61 µg/dl höher, TSH und T3 unverändert.19
  • Leichte Unterfunktion: 50 Personen, 600 mg Wurzelextrakt täglich über 8 Wochen; TSH gesunken, T3 und T4 gestiegen.20
  • Fallberichte: 32-jährige Frau mit Überfunktion nach Dosissteigerung21; 47-jähriger Mann mit schmerzloser Schilddrüsenentzündung zwei Monate nach Beginn.22

Testosteron und Nebennieren

Ob die Wirkung auf andere Hormone Folgen hat, ist ungeklärt. Bei Männern stieg das Testosteron in einer Auswertung von 23 Placebo-Studien im Mittel um gut 50 ng/dl, bei Frauen nicht, und die Werte blieben im Normbereich.19 Ein Schaden folgt daraus nicht. Über lange Zeit geprüft hat das aber auch niemand. Bei hormonabhängigen Erkrankungen wie dem PCO-Syndrom oder Prostatakrebs ist deshalb ärztlicher Rat sinnvoll.10

Heikler ist das Stresshormon, doch ob Ashwagandha die Nebennieren zu stark bremst, ist ebenfalls ungeklärt. Dass es das Cortisol senkt, ist gut belegt und genau die Wirkung, mit der es beworben wird. Kontrollierte Studien dazu gibt es keine, wohl aber Fallberichte. Zwei davon beschreiben Frauen mit einer echten Nebennierenschwäche, und eine von ihnen brauchte nach über einem Jahr Einnahme auch Monate nach dem Absetzen noch Ersatzhormon.2324 Unter einer Cortison-Behandlung oder bei einer Nebennierenerkrankung empfiehlt sich Ashwagandha daher nur nach ärztlicher Rücksprache.

So wurde gemessen
  • Testosteron: Auswertung von 23 Placebo-Studien; bei Männern im Mittel +57 ng/dl, bei Frauen kein Effekt, Östradiol unverändert.19
  • Nebennieren: Frau mit Nebennierenschwäche und stark erniedrigtem Natrium23; 55-Jährige nach über einem Jahr mit etwa 950 mg täglich, drei Monate nach dem Absetzen weiter auf Hydrocortison angewiesen.24

Ashwagandha Nebenwirkungen auf die Psyche: Kann es Gefühle dämpfen?

Dass Ashwagandha Gefühle dämpft, ist in Studien bislang nicht aufgefallen, gezielt danach gefragt hat allerdings keine. In Studien mit Menschen, die an einer Angststörung oder einer anderen psychischen Erkrankung litten, war das Mittel so gut verträglich wie das Scheinpräparat.3 Gerade dort wird es auch eingesetzt, und was Ashwagandha bei Stress und Angst bewirkt, gehört zu den besser untersuchten Fragen.

Ganz unberührt bleibt die Psyche trotzdem nicht. Einzelne Berichte zeigen das. Ein junger Mann bekam nach dem plötzlichen Absetzen Herzrasen, Schlaflosigkeit und Angst, wobei offen blieb, ob das eine Absetzreaktion war oder die alte Angst zurückkehrte.25 Hinzu kommt der Fall des Mannes mit Verwirrtheit und Gedächtnislücken.11 Viel ist das nicht. Allerdings finden sich in der Meldedatenbank der Weltgesundheitsorganisation unter den gemeldeten Beschwerden auch Angstzustände.10 Neue Unruhe, Angst oder Verwirrtheit nach Beginn oder Ende der Einnahme sind deshalb ein Grund, ärztlich nachzufragen. Wer wegen einer psychischen Erkrankung Medikamente nimmt, sollte Ashwagandha nur in Absprache mit der Psychiaterin oder dem Psychiater nehmen.

Welche Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bekannt?

Ob Ashwagandha mit Medikamenten wechselwirkt, ist ungeklärt, denn die gemeinsame Einnahme hat niemand geprüft. Bei Schilddrüsenmitteln und Immunsuppressiva gibt es Fallberichte, bei Blutzuckersenkern sowie Beruhigungs- und Schlafmitteln ausdrückliche Warnungen von Behörden. Die Warnungen der Behörden beruhen auf dem, was Ashwagandha allein im Körper bewirkt. Weil es Schilddrüsenhormone leicht anheben kann, könnte es Schilddrüsentabletten verstärken, und eine Frau, die ihr Hormon eigenmächtig durch Ashwagandha ersetzt hatte, bekam eine Überfunktion mit Herzrasen.26 Den Blutzucker senkt es in Placebo-Studien dagegen nur um gut 3 mg/dl,27 was zusammen mit Insulin trotzdem eine Rolle spielen kann. Am schwersten wiegt ein Fall aus Kanada: Zwei Wochen nachdem ein Nierentransplantierter mit Ashwagandha begonnen hatte, stieß sein Körper die neue Niere ab, obwohl der Spiegel seines Medikaments stimmte.28 Es blieb ein Einzelfall.

Medikament Mögliches Problem Grundlage
Schilddrüsenhormone, Mittel gegen Überfunktion Werte entgleisen Hormonwirkung, Fallbericht
Insulin und andere Blutzuckersenker Unterzuckerung leichte Zuckersenkung, Behördenwarnung
Beruhigungs-, Schlaf- und Antiepileptika, Alkohol stärkere Dämpfung Labor- und Tierdaten, Behördenwarnung
Immunsuppressiva nach Transplantation oder bei Autoimmunerkrankung schwächere Wirkung, Abstoßung Immunanregung, Fallbericht
Cortison Nebennierenschwäche Fallberichte

Das BfR empfiehlt bei solchen Medikamenten ärztliche Rücksprache.4 Bei Insulin lohnt es sich, den Zucker zu Beginn häufiger zu messen, und Schilddrüsentabletten sollten nie eigenmächtig durch Ashwagandha ersetzt werden.

So wurde gemessen
  • Blutzucker: 11 Placebo-Studien mit 667 Personen, Ashwagandha allein; Nüchternzucker um gut 3 mg/dl niedriger, Langzeitwert HbA1c unverändert, Unterzuckerungen nicht ausgewertet.27
  • Schilddrüsenhormon ersetzt: 73-jährige Frau, Überfunktion mit Herzrasen nach zwei Jahren.26
  • Transplantation: 69-jähriger Mann unter drei Immunsuppressiva, akute Abstoßung zwei Wochen nach Beginn, Transplantatniere entfernt.28

Wer sollte Ashwagandha nicht nehmen?

Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit Lebererkrankung sollten nach dem Rat des BfR ganz auf Ashwagandha verzichten.4 Ob die Pflanze einem ungeborenen Kind schadet, ist ungeklärt, denn für die Schwangerschaft fehlt jede Placebo-Studie. Die traditionelle Medizin beschreibt sie aber sogar als Abtreibungsmittel, weshalb Ashwagandha in der Schwangerschaft auch bei Kinderwunsch keine gute Idee ist. Ähnlich dünn ist die Lage bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Multipler Sklerose oder Hashimoto. Ashwagandha regt in Labor- und Tierversuchen das Immunsystem an,29 ob es deshalb Schübe auslöst, wurde bei Betroffenen nie untersucht. Fehlende Daten sind hier keine Entwarnung.

Gruppe Empfehlung Grund
Schwangerschaft, Stillzeit, Kinderwunsch verzichten keine Daten, traditionell als Abtreibungsmittel beschrieben
Kinder und Jugendliche verzichten kaum Daten
Lebererkrankung, auch frühere verzichten schwere Verläufe bei vorgeschädigter Leber
Schilddrüsenerkrankung nur mit ärztlicher Kontrolle Hormonwirkung, Fallberichte
Autoimmunerkrankung nur nach Rücksprache regt das Immunsystem an
Transplantation, Immunsuppressiva verzichten, außer die Behandelnden stimmen zu Abstoßung im Fallbericht
Cortison-Behandlung, Nebennierenerkrankung nur nach Rücksprache Fallberichte
PCO-Syndrom, hormonabhängige Tumoren nur nach Rücksprache Testosteronanstieg

Für alle anderen gilt der Rat des BfR zur Zurückhaltung.4 Dazu gehört, bei der Ashwagandha-Dosierung aus den Studien zu bleiben. Gerade die Formen von Ashwagandha unterscheiden sich stark, und Präparate aus Blättern, der ganzen Pflanze oder Mischungen mit weiteren Kräutern sind kaum geprüft. Bei jedem Arztbesuch und vor Blutuntersuchungen lohnt es sich außerdem, die Einnahme zu erwähnen.

Unser Fazit

In Placebo-Studien ist Ashwagandha über einige Wochen gut verträglich, doch diese Studien sind kurz, klein und oft herstellernah. Seltene Leberschäden sind gut dokumentiert, Fragen zu Schilddrüse, Hormonen und Medikamenten offen. Wer zu einer der genannten Gruppen gehört, sollte verzichten, und für alle anderen lohnt es sich, die Warnzeichen an der Leber zu kennen.

Häufige Fragen

Welche Ashwagandha Nebenwirkung ist am häufigsten?

Am häufigsten werden leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder weicher Stuhl genannt, dazu Kopfschmerzen und ein trockener Mund. In den Placebo-Studien kamen diese Beschwerden mit dem Scheinpräparat aber ähnlich oft vor.

Macht Ashwagandha Haarausfall?

Eine Studie dazu gibt es nicht. In den hier ausgewerteten Placebo-Studien und Behördenberichten wird Haarausfall nicht als Nebenwirkung genannt, ein Beweis, dass es ihn nicht gibt, ist das allerdings nicht.

Haben Ashwagandha-Kapseln andere Nebenwirkungen als Pulver oder Tee?

Das lässt sich nicht sagen. Fast alle Sicherheitsdaten stammen aus Studien mit Kapseln aus standardisiertem Wurzelextrakt, für Pulver, Tee und Präparate aus Blättern oder der ganzen Pflanze fehlen sie weitgehend.

Warum ist Ashwagandha in Dänemark verboten?

Die dänische Lebensmittelbehörde hat Ashwagandha 2023 aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verbannt.5 Sie stützt sich auf eine Risikobewertung, die mögliche Folgen für Sexualhormone, Fortpflanzung, Stoffwechsel, Immun- und Nervensystem sieht und keine sichere Tagesmenge festlegen konnte.

Was tun bei Nebenwirkungen von Ashwagandha?

Neue Beschwerden nach Beginn der Einnahme sind ein guter Grund, Ashwagandha zu pausieren. Bei Gelbsucht, dunklem Urin, hellem Stuhl oder starkem Juckreiz ist sofort ärztliche Abklärung der Leberwerte nötig.

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Ashwagandha: der ÜberblickAlle Wirkungen mit Evidenz-Stufe, Formen, Dosis, Sicherheit
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Alle 34 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Tóth et al. 2023, Clin Case Rep1 Frau, 65 Jahre, DeutschlandGelbsucht zwei Wochen nach Beginn, Erholung binnen fünf Monaten nach Absetzen; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
2Pakhale et al. 2026, Phytother Res1 RCT, 1.002 Erwachsene mit Stress und Angst, 600 mg Wurzelextrakt/Tag, 8 Wochen; vom Extrakt-Hersteller unterstütztBetroffene mit Nebenwirkungen 5,2 vs. 7,8 % (Placebo), keine schweren Ereignisse, kein Leberschaden; Leberwerte unverändertRCT (maßgeblich, größte Studie)
3Marchi et al. 2025, BJPsych Open14 RCTs, 713 Personen mit psychischen ErkrankungenNebenwirkungen OR 0,99 (0,54 bis 1,82), Abbrüche OR 0,81 (0,42 bis 1,58); Verträglichkeit wie PlaceboMeta-Analyse (maßgeblich)
4BfR 2024, Mitteilung 039/2024Bundesinstitut für Risikobewertungrät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Lebererkrankten ab, allen anderen zur Zurückhaltung; keine unbedenkliche Menge ableitbarBehördenbewertung
5Fødevarestyrelsen 2023, Dänische LebensmittelbehördeDänische Lebensmittelbehörde, gestützt auf die Risikobewertung des DTUVerkauf in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln untersagtBehördenentscheidung
6Coope et al. 2026, Pharmaceuticals (Basel)systematische Übersicht, 23 RCTs, 2.317 gesunde Erwachsene, bis 180 Tagekeine schweren Nebenwirkungen; Leberwerte in 9 Studien mit 1.578 Personen stabil; nicht zusammengerechnetSystematischer Review (ohne Poolung)
7Smith et al. 2023, J Psychopharmacol1 RCT, 120 Erwachsene; vom Extrakt-Hersteller finanziertVerdauungsbeschwerden 10 vs. 17 % unter PlaceboRCT
8Chengappa et al. 2018, J Clin Psychiatry1 RCT, 66 Menschen mit Schizophrenie, zusätzlich zur Behandlung, 12 WochenSchläfrigkeit, Oberbauchbeschwerden und weicher Stuhl häufiger als unter PlaceboRCT (Gegenbefund)
9Cheah et al. 2021, PLoS One5 Placebo-RCTs, 400 ErwachseneWachheit nach dem Aufstehen verbessert; keine schweren NebenwirkungenMeta-Analyse (Schlaf)
10ANSES 2024, Avis NUT2021SA0077Französische Agentur für Lebensmittelsicherheiträt u. a. Menschen mit Leber- oder Schilddrüsenerkrankung, Hyperandrogenismus und Schwangeren ab; Vorsicht beim AutofahrenBehördenbewertung
11Anuththara et al. 2025, Cureus1 Mann, 40 Jahre, Großbritannienverlängerter Schlaf, Verwirrtheit und Gedächtnislücken, nach Absetzen verschwunden; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
12Vaidya et al. 2026, Food Sci Nutr1 RCT, 40 gesunde Erwachsene 50 bis 70 Jahre, 400 mg Wurzelextrakt/Tag, 180 TageLeber-, Nieren- und Blutfettwerte im NormbereichRCT (6 Monate)
13Björnsson et al. 2020, Liver IntFallserie, 5 Personen aus Island und den USAGelbsucht mit Gallestau 2 bis 12 Wochen nach Beginn, kein LeberversagenFallserie
14Philips et al. 2023, Hepatol CommunFallserie, 8 Personen aus mehreren indischen Zentren3 Todesfälle bei vorbestehender Lebererkrankung; keine Verunreinigungen in den PräparatenFallserie
15Suryawanshi et al. 2023, Am J Ther1 Frau, 41 Jahre, USAakutes Leberversagen mit LebertransplantationFallbericht
16McIntyre et al. 2026, CureusÜbersicht über 13 Veröffentlichungen mit 25 Fällenmeist Gelbsucht und Juckreiz nach Wochen; meist Erholung, 1 Transplantation, 3 Todesfälle bei ZirrhoseÜbersicht über Fallberichte
17Weber & Gerbes 2021, Am J Gastroenterol1 Mann, 40 Jahre, Deutschland, ohne Vorerkrankungenakute Leberschädigung mit steigendem BilirubinFallbericht
18RIVM 2024, RIVM-Rapport 2024-0029Niederländisches Institut für Gesundheit und Umweltempfindliche Menschen können Leberschäden erleiden, wer empfindlich ist, ist unbekannt; rät vorsorglich abBehördenbewertung
19Fornalik et al. 2026, Planta Med23 Placebo-RCTs, 1.706 Personen, HormonwerteT4 +0,61 µg/dL, TSH und T3 unverändert; Testosteron bei Männern +57,43 ng/dl, bei Frauen kein Effekt; Cortisol gesenktMeta-Analyse (maßgeblich)
20Sharma et al. 2018, J Altern Complement Med1 RCT, 50 Personen mit leichter Schilddrüsenunterfunktion, 600 mg Wurzelextrakt/Tag, 8 WochenTSH gesenkt, T3 und T4 erhöht gegenüber PlaceboRCT (leichte Unterfunktion)
21van der Hooft et al. 2005, Ned Tijdschr Geneeskd1 Frau, 32 Jahre, NiederlandeSchilddrüsenüberfunktion nach Dosissteigerung, nach Absetzen abgeklungenFallbericht
22Hayashi et al. 2024, Cureus1 Mann, 47 Jahre, Japanschmerzlose Schilddrüsenentzündung mit Überfunktion zwei Monate nach Beginn, Besserung nach AbsetzenFallbericht
23Patel et al. 2024, Br J Hosp Med1 Frau, 37 Jahre, GroßbritannienNebennierenschwäche mit stark erniedrigtem NatriumFallbericht
24Javid et al. 2026, Endocrinol Diabetes Metab Case Rep1 Frau, 55 Jahre, über ein Jahr etwa 950 mg täglichNebennierenschwäche, drei Monate nach Absetzen weiter Hydrocortison nötigFallbericht
25Holzman et al. 2025, Cureus1 Mann, 20 JahreHerzrasen, Schlaflosigkeit und Angst nach abruptem Absetzen; Absetzphänomen vermutetFallbericht
26Kamal et al. 2022, Cureus1 Frau, 73 Jahre, Schilddrüsenhormon durch Ashwagandha ersetztÜberfunktion mit Herzrasen nach zwei Jahren, Normalisierung nach AbsetzenFallbericht
27Farrin et al. 2026, Diabetes Res Clin Pract11 Placebo-RCTs, 667 Personen, Ashwagandha alleinNüchternzucker −3,09 mg/dL; HbA1c unverändert; Kombination mit Medikamenten nicht untersuchtMeta-Analyse (Blutzucker)
28Sriperumbuduri et al. 2020, Kidney Int Rep1 Mann, 69 Jahre, Nierentransplantation, Kanadaakute Abstoßung zwei Wochen nach Beginn, Transplantat entfernt; Medikamentenspiegel im ZielbereichFallbericht
29Weiner et al. 2025, Lupus Sci Medsystematische Übersicht, 469 Labor-, Tier- und HumanstudienAshwagandha unter den 15 Pflanzen mit der stärksten Belegsammlung für immunanregende Wirkungen; keine Daten zu SchübenSystematische Übersicht (Mechanismus)
30Natarajan et al. 2023, J Am Soc Nephrol (Kongress-Abstract)1 Frau, Überdosierung über eine Wocheschwerer Leberschaden mit akuter Schädigung der Nierenkanälchen, zwei Wochen Dialyse, danach normale NierenfunktionFallbericht (Kongress-Abstract)
31Carpin et al. 2025, J Am Soc Nephrol (Kongress-Abstract)1 Mann, vier Monate Ashwagandha, dazu regelmäßig AlkoholLeberschaden mit Ablagerung von Galle in den Nierenkanälchen, nach 50 Tagen weiter Dialyse; Autoren sehen die Niere als Folgeschaden der LeberFallbericht (Kongress-Abstract)
32Pakhale et al. 2025, J Med Life1 RCT, 100 Erwachsene, 300 mg Wurzelextrakt 2× täglich, 24 Wochen; Präparat vom Hersteller geliefertNierenwerte ohne Unterschied zu Placebo, kein NierenschadenRCT
33West et al. 2026, J Med Life1 RCT, 141 gesunde Erwachsene mit Stress, drei Gruppen mit PlaceboNierenwerte ohne Unterschied zwischen den GruppenRCT
34Salve et al. 2025, Phytother ResBeobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe, 191 Erwachsene, standardisierter Wurzelextrakt, 12 Monate18 leichte Nebenwirkungen, ohne Behandlung abgeklungen; Leberwerte ohne bedeutsame ÄnderungBeobachtungsstudie (ohne Placebo)

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