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Eisen · 37 Quellen ausgewertet

Eisentabletten Nebenwirkungen: Was ist normal, was gefährlich?

Der Bauch grummelt, der Stuhl wird hart oder pechschwarz: Eisentabletten machen sich oft bemerkbar. Das meiste ist lästig, aber harmlos. Zwei Risiken verdienen dagegen echte Aufmerksamkeit.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202637 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Die typische Nebenwirkung von Eisentabletten sind Bauchbeschwerden, dieser Schaden ist belegt. Bei Verstopfung und Durchfall ist ein Schaden wahrscheinlich, vor allem bei hohen Einzelmengen. Schwarzer Stuhl ist harmlos. Ernst zu nehmen sind eine Eisenüberladung bei Dauereinnahme ohne Mangel und Vergiftungen von Kleinkindern. Nach Eiseninfusionen sinkt bei manchen Präparaten oft der Phosphatwert.

Auf dieser Seite 6 Abschnitte
  1. Welche Nebenwirkungen haben Eisentabletten?
  2. Verstopfung durch Eisentabletten: Was hilft?
  3. Schwarzer Stuhl nach Eisentabletten: Wie lange ist das normal?
  4. Eisen-Überdosierung: Ab wann wird es gefährlich?
  5. Schadet Eisen langfristig Darm, Herz oder Zähnen?
  6. Eiseninfusion: Welche Nebenwirkungen gibt es?

Ein paar Tage nach der ersten Eisentablette meldet sich der Bauch. Er drückt, grummelt, und der Gang zur Toilette wird mühsam. Dann der Blick ins Becken: Der Stuhl ist pechschwarz. Viele erschrecken an dieser Stelle, dabei ist gerade das der harmloseste Teil der Geschichte. Denn Eisen als Nahrungsergänzung gehört zu den Präparaten, deren Nebenwirkungen gut erforscht sind, weil es seit Jahrzehnten an Schwangere, junge Frauen und Blutspender verteilt wird. Die Studien zeigen ein klares Muster, und dazu zwei Risiken, die mit dem Bauch nichts zu tun haben.

Welche Nebenwirkungen haben Eisentabletten?

Bei Beschwerden im Magen und Darm ist der Schaden belegt, sie sind die typische Nebenwirkung von Eisentabletten. In einer Auswertung von zwanzig Placebo-Studien mit gut dreitausend Erwachsenen traten sie mit dem verbreiteten Eisensulfat klar gehäuft auf, verglichen mit einem Scheinpräparat, also einer wirkungslosen Attrappe. Wie viele Menschen in jeder Gruppe betroffen waren, nennt die Auswertung allerdings nicht.1 Wie sehr es auf die Menge auf einmal ankommt, zeigt eine kleine Studie mit dreißig Frauen, die einen Eisenmangel hatten. Nach vier Wochen klagten 87 gegenüber 7 Prozent über den Bauch, je nachdem, ob sie einmal täglich hundert Milligramm nahmen oder zweimal sechs.5 Der Abstand ist groß. Gemeint sind vor allem Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen und Sodbrennen, meist vorübergehend. Das gilt für Erwachsene, auch für Blutspender,2 und vor allem für hohe Einzelmengen, während neuere Formen wie Bisglycinat kaum gegen Placebo geprüft wurden.

Ob Eisentabletten insgesamt mehr Nebenwirkungen machen, ist dagegen ungeklärt. In der großen Cochrane-Auswertung mit zwölf Studien und 2.423 Schwangeren hatten 21,6 gegenüber 18,0 Prozent irgendeine Nebenwirkung, ein Unterschied, der auch Zufall sein kann.3 Das passt nur scheinbar nicht zum Bauch. Viele Studien fragten Nebenwirkungen gar nicht gezielt ab, und wo gezielt nach dem Bauch gefragt wurde, fielen die Beschwerden deutlich auf. Kaum untersucht sind Männer und Frauen nach den Wechseljahren ohne Mangel. Für sie und für Schwangere rät das Bundesinstitut für Risikobewertung zu einem Warnhinweis, Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache zu nehmen.15

Neben der Menge auf einmal helfen auch Pausentage. Schwangere, die Eisen nur an einigen Tagen der Woche nahmen, hatten seltener Nebenwirkungen als mit täglicher Einnahme.6 Auch bei Hochbetagten wirkten 15 mg am Tag so gut wie die zehnfache Menge, wurden aber besser vertragen.7 Wie sich Menge und Rhythmus abstimmen lassen, gehört zur richtigen Einnahme von Eisentabletten.

So wurde gemessen
  • Magen-Darm: 20 Placebo-Studien mit 3.168 Erwachsenen, Eisensulfat OR 2,32.1 Blutspender: 8 Studien mit 2.641 Personen, RR 1,69, bei sehr unsicherer Datenlage.2
  • Alle Nebenwirkungen: 12 Studien mit 2.423 Schwangeren, 21,6 % mit und 18,0 % ohne Eisen, kein gesicherter Unterschied.3
  • Menge: 30 Frauen, offene Studie über 4 Wochen; 87 % mit Beschwerden bei 100 mg einmal täglich, 7 % bei 2 × 6 mg.5 90 Klinikpatienten über 80 Jahre; 15, 50 oder 150 mg, die kleinste Menge wirkte gleich gut.7
  • Pausen: 11 Studien mit Schwangeren, Nebenwirkungen bei Einnahme mit Pausen seltener (RR 0,56).6

Verstopfung durch Eisentabletten: Was hilft?

Bei Verstopfung durch Eisen ist ein Schaden wahrscheinlich, und meist helfen schon kleinere Mengen oder Pausentage. In einer Cochrane-Auswertung von acht Studien mit gut tausend Frauen im gebärfähigen Alter kamen harter Stuhl oder Verstopfung unter Eisen klar öfter vor als unter dem Scheinpräparat. Anteile je Gruppe nennt die Auswertung nicht.4 Dabei spielt die Menge eine Rolle. In zwei Studien mit Schwangeren nahm die Verstopfung erst bei achtzig Milligramm am Tag zu,8 und tägliche Einnahme schnitt schlechter ab als Einnahme mit Pausen.9 Bei Einjährigen mit Eisentropfen zeigte sich dagegen kein Nachteil: Über drei Monate hatten 1 gegenüber 9 Prozent mit Placebo Verstopfung.10 Der Befund gilt damit für Frauen und Schwangere, für Männer und ältere Menschen mit Neigung zu Verstopfung fehlen Daten.

Gegen die Beschwerden hilft zunächst das Übliche. Genug trinken und ballaststoffreich essen sind die ersten Schritte. Hält die Verstopfung an, lohnt sich ein Gespräch mit der Arztpraxis über eine niedrigere Dosis oder die Einnahme jeden zweiten Tag, statt die Tabletten einfach wegzulassen.

So wurde gemessen
  • Verstopfung: 8 Studien mit 1.036 Frauen, RR 2,07.4 Schwangere, 20 bis 80 mg täglich: erst 80 mg mit mehr Verstopfung und Abführmitteln.8 Täglich gegen mit Pausen, 26 Studien: OR 1,95.9
  • Kleinkinder: 278 Einjährige mit Eisensulfat-Tropfen über 3 Monate, Verstopfung nicht häufiger als mit Placebo.10

Durchfall und Bauchschmerzen

Auch das Gegenteil kommt vor, denn bei Durchfall oder weichem Stuhl ist ebenfalls ein Schaden wahrscheinlich. In derselben Cochrane-Auswertung, hier mit sechs Studien und rund sechshundert Frauen, traten sie unter Eisen gehäuft auf, wieder ohne Anteile je Gruppe.4 Bei Schwangeren schnitt die tägliche Einnahme auch hier schlechter ab als die Einnahme in Abständen.9 Für Männer und ältere Menschen fehlen solche Studien. Hält der Durchfall an, gehören Dosis und Rhythmus ärztlich überprüft. Durchfall mit Blut oder Fieber gehört immer in ärztliche Abklärung.

Übelkeit durch Eisentabletten: Was tun?

Ob Eisen übel macht, ist ungeklärt, weil die Befunde auseinandergehen. In der Cochrane-Auswertung mit acht Studien und gut zwölfhundert Frauen mit Regelblutung unterschied sich die Übelkeit unter Eisen nicht gesichert vom Scheinpräparat.4 Bei Kleinkindern fand eine große Auswertung dagegen etwas gehäuft Erbrechen,11 und bei Schwangeren schnitt die tägliche Einnahme schlechter ab als die Einnahme in Abständen.9 Anteile je Gruppe nennen diese Auswertungen nicht, und Männer oder ältere Menschen wurden kaum untersucht. Praktisch lässt sich trotzdem etwas tun. Die Tablette zu einer Mahlzeit zu nehmen, kann helfen, auch wenn dann etwas weniger Eisen ins Blut gelangt. Dazu passt Wasser besser als Kaffee oder Tee zur Eisentablette, die die Aufnahme womöglich zusätzlich bremsen.

So wurde gemessen
  • Durchfall: 6 Studien mit 604 Frauen, RR 2,13;4 Schwangere täglich gegen mit Pausen OR 5,40.9
  • Übelkeit: 8 Studien mit 1.214 Frauen, RR 1,19, kein gesicherter Unterschied.4 Kleinkinder: Erbrechen RR 1,38.11 Schwangere täglich gegen mit Pausen: OR 3,56.9

Schwarzer Stuhl nach Eisentabletten: Wie lange ist das normal?

Wie oft Eisen den Stuhl schwarz färbt, ist mangels großer Studien ungeklärt, harmlos ist er aber, und er hält meist so lange an wie die Einnahme. In zwei kleinen Placebo-Studien kam er mit Eisen deutlich öfter vor.1012 Klarer sind Vergleiche verschiedener Mengen: In Studien mit 482 Schwangeren hatten mit einer kleinen Menge Bisglycinat rund 8 von 100 Frauen dunklen Stuhl, mit der doppelten Menge Eisensulfat fast jede dritte.8 Er entsteht durch Eisen, das der Darm nicht aufgenommen hat und das ihn wieder verlässt. Deshalb verschwindet er nach dem Absetzen wieder.

Schädlich ist der dunkle Stuhl nicht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit fand für keine andere Wirkung so klar einen Zusammenhang mit der Menge und stuft ihn trotzdem als unschädlich ein.13 Nur eine Verwechslung gilt es zu vermeiden, denn auch eine Blutung im Magen oder Darm färbt den Stuhl schwarz.

Warnzeichen

Ist der Stuhl teerartig und klebrig und kommen Schwindel, Blässe oder Bauchschmerzen hinzu, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

So wurde gemessen
  • Placebo-Studien: 179 ausgewertete Einjährige mit Eisentropfen, dunkler Stuhl deutlich häufiger;10 20 Erwachsene mit 2 × 65 mg Eisensulfat über eine Woche, schwarzer Stuhl eines der Zeichen, die Eisen am klarsten von Placebo unterschieden.12
  • Dosis und Form: 482 Schwangere; 8 % mit 25 mg Bisglycinat, 22 % mit 40 mg Fumarat, 31 % mit 50 mg Sulfat.8
  • Behörde: Bei 20 bis 25 mg Eisen zusätzlich zur Nahrung trat kein schwarzer Stuhl auf; die EFSA wertet ihn nicht als schädlich.13

Eisen-Überdosierung: Ab wann wird es gefährlich?

Ernst zu nehmen ist Eisen auf zwei Wegen, durch jahrelange Einnahme ohne Mangel und durch verschluckte Tabletten bei Kindern. Für den ersten Weg gibt es Richtwerte. Als sichere Zufuhr aus Nahrung und Präparaten zusammen nennt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 40 mg am Tag für Erwachsene.13 In den USA liegt die Höchstgrenze bei 45 mg, abgeleitet aus den Bauchbeschwerden.14 Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel sogar höchstens 6 mg je Tagesdosis vor. Gesunde Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Menschen mit der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose sollten Eisen danach nur bei festgestelltem Mangel und nach ärztlicher Rücksprache nehmen, Schwangere ebenso.15

Ob Eisentabletten bei Menschen ohne Mangel eine Eisenüberladung auslösen, ist ungeklärt. Denn kontrollierte Studien dazu gibt es nicht, wohl aber Fallberichte. So entwickelte ein Mensch nach großen Mengen eisenhaltiger Vitaminpräparate das Bild einer Hämochromatose mit vernarbter Leber und Diabetes,17 und in einem anderen Fall lagerten Mutter und Tochter nach frei verkäuflichen Präparaten Eisen in Leber, Milz und Knochenmark ein.18 Bewiesen ist damit kein Zusammenhang. Hinzu kommt eine Beobachtung mit 614 älteren Menschen, in der hohe Eisenspeicher bei mindestens 30 mg Eisen aus Präparaten am Tag verbreiteter waren als bei Gleichaltrigen ohne; Anteile je Gruppe nennt die Studie nicht.16 Betroffen wären vor allem die Risikogruppen des Bundesinstituts, also gesunde Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Menschen mit Hämochromatose.15 Eisen gehört deshalb nur nach einem nachgewiesenen Eisenmangel in den Alltag, und wer es über Monate nimmt, sollte den Ferritinwert im Blut kontrollieren lassen.

So wurde gemessen
  • Richtwerte: EFSA, sichere Zufuhr 40 mg pro Tag aus allen Quellen;13 USA, tolerierbare Höchstzufuhr 45 mg pro Tag ab 14 Jahren;14 BfR, Vorschlag 6 mg pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln.15
  • Fallberichte: Hämochromatose-Bild mit Leberzirrhose, Hautverfärbung und Diabetes;17 Mutter und Tochter, Besserung nach Absetzen und rund zwei Jahren Aderlass.18 Ein Zusammenhang ist in keinem Fall bewiesen.
  • Beobachtung: 614 Menschen von 68 bis 93 Jahren, OR 4,32 für hohe Eisenspeicher.16

Wie gefährlich sind Eisentabletten für Kleinkinder?

Wie oft verschluckte Eisentabletten Kleinkinder schwer vergiften, ist ungeklärt, weil sich Vergiftungen nicht in Studien mit Vergleichsgruppe prüfen lassen. Eine Entwarnung ist das nicht, auch wenn schwere Fälle selten geworden sind. In den USA starben in den zehn Jahren vor der Pflicht zu einzeln verpackten Tabletten 29 Kinder an einer Eisenvergiftung, in den fünf Jahren danach eines.19 Seither ist auch der Anteil schwerer Verläufe weiter gesunken,20 und in einer australischen Fallserie hatten 17 von 54 Kindern leichte Beschwerden, meist im Bauch, keines eine schwere Vergiftung.21 Das betrifft Kinder unter sechs Jahren, die Tabletten aus dem Haushalt erwischen.

Gerade weil Eisentabletten so alltäglich sind, liegen sie oft offen herum, etwa in der Schwangerschaft auf dem Nachttisch. Das ist leicht zu ändern. Sie gehören verschlossen und außer Reichweite von Kindern, so wie es in den USA ein Pflicht-Warnhinweis auf jeder Packung verlangt. Ob ein Kind überhaupt Eisen für Kinder braucht, klärt ohnehin erst ein Bluttest.

Notfall

Hat ein Kind Eisentabletten verschluckt, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, auch wenn es zunächst gesund wirkt: über den Giftnotruf, bei Erbrechen, Bauchschmerzen, Benommenheit oder Atemproblemen über die 112. Die Packung gehört mit in die Praxis oder Klinik.

So wurde gemessen
  • Giftnotrufe USA: Kinder unter 6 Jahren; Anfragen zu Eisen 2,99 gegenüber 1,91 pro 1.000 Anfragen, Todesfälle 29 in zehn Jahren vor und 1 in fünf Jahren nach der Blisterpflicht.19 4.110 Fälle von 2000 bis 2017, schwere Verläufe 7,2 % gegenüber 3,8 %.20
  • Australien: 54 Kinder, 17 mit Beschwerden, keine schwere Vergiftung.21

Schadet Eisen langfristig Darm, Herz oder Zähnen?

Für Darm, Herz und Zähne gibt es eher offene Fragen als belegte Schäden. Ob Eisen die Darmflora ungünstig verändert, ist ungeklärt. Ein Teil des geschluckten Eisens erreicht den Dickdarm, und in zwei kleinen Studien mit 115 Säuglingen in Kenia nahmen über vier Monate Keime wie krankmachende E. coli zu.22 Die größte Studie mit 923 Säuglingen in Bangladesch fand dagegen über drei Monate keine Veränderung, ebenso eine Studie mit 80 Frauen in Australien.2324 Die Daten stammen vor allem von Kindern in Afrika und Asien. Ob die Verschiebungen der Gesundheit schaden, ist offen.

Ob Eisentabletten Darmkrebs fördern, ist nicht untersucht. Den Verdacht nähren Beobachtungsstudien zu Häm-Eisen aus rotem Fleisch, die ein leicht erhöhtes Risiko zeigen, aber Ursache und Wirkung nicht trennen können.25 Ähnlich steht es beim Herzen, wo Herzinfarkt oder Schlaganfall unter Eisentabletten nicht untersucht sind und Beobachtungsstudien mit über 150.000 Menschen keinen Zusammenhang zwischen hohen Speicherwerten und Herzkrankheit fanden.26 Flüssiges Eisen kann schließlich dunkle Beläge auf den Zähnen hinterlassen. Am Menschen ist das nicht untersucht, nur an gezogenen Milchzähnen im Labor,27 und solche Beläge lassen sich in der Regel zahnärztlich entfernen. Nach Saft oder Tropfen lohnt es sich, den Mund auszuspülen.

So wurde gemessen
  • Darmflora: 115 Säuglinge in Kenia, mehr Enterobakterien und krankmachende E. coli, höherer Entzündungsmarker im Stuhl;22 923 Säuglinge in Bangladesch, Hauptauswertung unverändert;23 80 Frauen, 65,7 mg Eisen über 21 Tage, unverändert.24
  • Darmkrebs: Beobachtung, RR 1,08 je 1 mg Häm-Eisen aus der Nahrung pro Tag; keine Daten zu Präparaten.25
  • Herz: 17 Beobachtungsstudien mit 156.427 Personen, oberes gegen unteres Ferritin-Drittel RR 1,03.26
  • Zähne: 40 gezogene Milchzähne, alle drei Eisensäfte verfärbten sie.27

Eiseninfusion: Welche Nebenwirkungen gibt es?

Eine Eiseninfusion hat eigene Nebenwirkungen, die es bei Tabletten so nicht gibt, und beim Phosphatmangel ist der Schaden belegt. Über 42 Studien gerechnet sank der Phosphatwert im Blut nach dem häufig verwendeten Präparat Eisencarboxymaltose bei 47 gegenüber 4 Prozent der Behandelten nach dem Präparat Eisenisomaltosid zu tief, und bei vielen hielt der Mangel bis zum Studienende nach drei Monaten an.29 Eine zweite Auswertung von acht Vergleichsstudien mit fast sechstausend Behandelten kam zum selben Ergebnis.28 Am stärksten betroffen sind Menschen mit schwerem Eisenmangel und gesunden Nieren, und nach wiederholten Infusionen sind in Fallberichten sogar Knochenerweichung und Ermüdungsbrüche beschrieben.30 Neue Knochen- oder Muskelschmerzen nach mehreren Infusionen gehören deshalb ärztlich abgeklärt, ebenso die Frage nach dem Phosphatwert.

Auch bei Infektionen nach Infusionen ist ein kleiner Schaden belegt. In der größten Auswertung mit 88 Studien und 19.322 Behandelten traten sie gehäuft auf, verglichen mit Tabletten oder ohne Eisen; Anteile je Gruppe nennt die Zusammenfassung nicht.31 Die Sterblichkeit stieg dabei nicht, und eine ältere große Auswertung fand gar keinen Anstieg der Infektionen.32 Die Daten stammen von Kranken in Klinik und Praxis. Für Eisentabletten sagen sie nichts aus.

Ob schwere allergische Reaktionen nach einer Infusion wirklich gehäuft auftreten, ist ungeklärt. Die einzige Auswertung mit einer Vergleichsgruppe ohne Infusion fand sie in den Infusionsgruppen gehäuft, insgesamt aber selten, und nennt keine Anteile je Gruppe; schwere Nebenwirkungen insgesamt nahmen nicht zu.32 Zwischen den Präparaten gibt es allerdings Unterschiede. Nach 10.000 ersten Infusionen mit dem älteren Eisendextran zählten Abrechnungsdaten älterer Menschen in den USA knapp zehn solche Reaktionen. Dagegen waren es mit neueren Präparaten eine bis vier.35 Die Europäische Arzneimittelagentur nennt das Risiko real, aber klein. Deshalb wird jede Infusion nur mit Notfallausrüstung gegeben, und die Behandelten bleiben danach mindestens 30 Minuten unter Beobachtung.33

Warnzeichen nach einer Infusion

Kommen nach dem Verlassen der Praxis Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufprobleme hinzu, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

So wurde gemessen
  • Phosphat: Netzwerk-Auswertung von 8 Studien mit 5.989 Personen, nach Eisencarboxymaltose RR 7,9 gegenüber Eisenisomaltosid und 9,4 gegenüber Eisensucrose;28 Häufigkeit 47 % gegenüber 4 %, bei bis zu 45 % noch nach drei Monaten.29 Knochenerweichung in 28 Fallberichten mit 30 Betroffenen, 20 davon mit Ermüdungsbrüchen.30
  • Infektionen: 88 Studien mit 19.322 Personen, RR 1,17 (korrigiert 1,16).31
  • Allergie: schwere Infusionsreaktionen RR 2,47, schwere Nebenwirkungen insgesamt RR 1,04.32 EMA: Beobachtung mindestens 30 Minuten nach jeder Gabe.33
  • Präparate untereinander: schwere allergische Reaktionen nach Eisenderisomaltose bei 0,14 %, nach Eisencarboxymaltose bei 1,08 % (17 Studien, Auswertung von einem Hersteller finanziert),36 in einer Folgeauswertung derselben Autorengruppe mit 11.268 Behandelten 0,14 %, 0,59 % und 0,50 % mit Ferumoxytol; jeweils ohne Vergleichsgruppe ohne Eisen.37 Abrechnungsdaten aus den USA: 9,8 Fälle je 10.000 Erstgaben mit Eisendextran, 0,8 bis 4,0 mit neueren Präparaten.35
  • Überdosierung per Infusion: nur Einzelfälle, 17 Berichte mit 49 Betroffenen, von denen 48 überlebten; der Eisenwert im Blut zeigte die Schwere nicht zuverlässig an, Leberschäden traten vor allem nach wiederholter Überdosierung über längere Zeit auf.34

Unser Fazit

Bauchbeschwerden sind der Preis vieler Eisentabletten, und kleinere Mengen oder Pausentage machen sie meist erträglicher. Schwarzer Stuhl ist harmlos. Ernst zu nehmen sind eine Dauereinnahme ohne nachgewiesenen Mangel und offen liegende Tabletten im Haushalt mit kleinen Kindern.

Häufige Fragen

Haben Eisentabletten Nebenwirkungen auf die Psyche?

Studien, die gezielt nach seelischen Nebenwirkungen von Eisentabletten gefragt hätten, sind nicht bekannt. Anhaltende Bauchbeschwerden können das Befinden aber spürbar drücken. Ob Eisen bei einem Mangel umgekehrt die Stimmung hebt, ist eine eigene, noch offene Frage beim Eisenmangel und der Psyche.

Machen Eisentabletten dick?

Das ist nicht untersucht. In den Studien wurde das Körpergewicht als Nebenwirkung kaum erfasst, und ein Grund, warum Eisen das Gewicht steigern sollte, ist nicht bekannt.

Wie lange halten die Nebenwirkungen von Eisentabletten an?

Bauchbeschwerden gelten meist als vorübergehend. Der schwarze Stuhl bleibt in der Regel, solange Eisen eingenommen wird. Halten Beschwerden über Wochen an, lohnt es sich, Menge und Rhythmus mit der Arztpraxis zu besprechen.

Sollte man Eisentabletten bei Nebenwirkungen absetzen?

Nicht einfach auf eigene Faust, wenn ein Mangel behandelt wird. Eine kleinere Menge, die Einnahme jeden zweiten Tag oder ein anderes Präparat lassen sich mit Arztpraxis oder Apotheke besprechen. Bei Blut im Stuhl, Fieber oder teerartigem Stuhl ist dagegen sofort ärztliche Abklärung nötig.

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Alle 37 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Tolkien et al. 2015, PLoS One43 RCTs, 6.831 Erwachsene; 20 Placebo-Studien mit 3.168 PersonenMagen-Darm-Nebenwirkungen mit Eisensulfat OR 2,32 gegenüber PlaceboMeta-Analyse (maßgeblich)
2Geneen et al. 2026, Cochrane Database Syst Rev38 RCTs, 7.475 Blutspender; Magen-Darm-Nebenwirkungen 8 Studien, 2.641 PersonenMagen-Darm-Nebenwirkungen RR 1,69; Evidenz sehr unsicherCochrane-Review (Blutspender)
3Finkelstein et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev57 Studien, 48.971 Schwangere; Nebenwirkungen in 12 Studien, 2.423 FrauenNebenwirkungen insgesamt 21,6 vs. 18,0 %, kein gesicherter UnterschiedCochrane-Review
4Low et al. 2016, Cochrane Database Syst Rev67 Studien, 8.506 menstruierende FrauenVerstopfung RR 2,07 (8 Studien); Durchfall RR 2,13 (6 Studien); Übelkeit RR 1,19 (8 Studien)Cochrane-Review (maßgeblich)
5Schubert et al. 2026, Nutrients1 offene randomisierte Studie, 30 Frauen mit Eisenmangel ohne Anämie, 4 WochenMagen-Darm-Beschwerden 87 % mit 100 mg einmal täglich vs. 7 % mit 2 × 6 mgRCT (Dosisvergleich)
6Peña-Rosas et al. 2015 (intermittierend), Cochrane Database Syst Rev21 Studien, 5.490 Schwangere, Einnahme mit Pausen gegen täglichNebenwirkungen mit Pausen seltener, RR 0,56 (11 Studien)Cochrane-Review (Einnahmerhythmus)
7Rimon et al. 2005, Am J Med90 Klinikpatienten über 80 mit Eisenmangelanämie, 15, 50 oder 150 mg täglichNebenwirkungen mit höherer Dosis häufiger; 15 mg wirkte gleich gutRCT (Dosisvergleich)
8Milman & Bergholt 2024, J Pregnancy2 doppelblinde RCTs, 482 Schwangere, 20 bis 80 mg täglich, verschiedene Formen80 mg mit mehr Verstopfung; schwarzer Stuhl 8 % (25 mg Bisglycinat) bis 31 % (50 mg Sulfat)RCT (Dosisvergleich)
9Banerjee et al. 2024, EClinicalMedicine26 Studien, 4.365 Schwangere, täglich gegen mit Pausenbei täglicher Einnahme Verstopfung OR 1,95, Durchfall OR 5,40, Übelkeit OR 3,56Meta-Analyse (Einnahmerhythmus)
10Reeves & Yip 1985, Pediatrics1 RCT, 278 einjährige Kinder, Eisensulfat-Tropfen, 3 MonateVerstopfung nicht häufiger; dunkler Stuhl deutlich häufigerRCT (Kleinkinder)
11Pasricha et al. 2013, Lancet Glob Health35 RCTs, 42.306 Kinder von 4 bis 23 MonatenErbrechen RR 1,38 häufiger mit EisenMeta-Analyse (Kleinkinder)
12Pereira et al. 2014, BMC Gastroenterol1 RCT, 20 Erwachsene, 2 × 65 mg Eisen als Sulfat, 1 WocheSodbrennen, Bauchschmerzen und schwarzer Stuhl unterschieden Eisen am klarsten von PlaceboRCT
13EFSA 2024, EFSA JournalBewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheitsichere Zufuhr 40 mg Eisen pro Tag für Erwachsene aus allen Quellen; schwarzer Stuhl einziger Effekt mit Dosisbezug, nicht schädlichBehördengutachten
14IOM (Food and Nutrition Board) 2001, Dietary Reference IntakesUS-amerikanische Bewertung der Höchstzufuhrtolerierbare Höchstzufuhr 45 mg pro Tag ab 14 Jahren, abgeleitet aus Magen-Darm-BeschwerdenBehördengutachten
15BfR 2021, Bundesinstitut für RisikobewertungHöchstmengenvorschlag für Eisen in Nahrungsergänzungsmittelnhöchstens 6 mg pro Tagesdosis; Warnhinweis, dass Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Schwangere Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen; Risikogruppen für hohe Eisenspeicher: gesunde Männer, Frauen nach den Wechseljahren, Menschen mit HämochromatoseBehördengutachten
16Fleming et al. 2002, Am J Clin NutrBeobachtung, 614 Menschen von 68 bis 93 Jahrenhohe Eisenspeicher bei mindestens 30 mg Eisen aus Präparaten täglich häufiger, OR 4,32Beobachtungsstudie
17Hennigar et al. 1979, Am J Pathol1 FallberichtHämochromatose-Bild nach großen Mengen eisenhaltiger VitaminpräparateFallbericht
18Sugimori et al. 2025, CureusFallbericht, Mutter und TochterEisenüberladung nach frei verkäuflichen Präparaten, Besserung nach Absetzen und AderlassFallbericht
19Tenenbein 2005, Arch Pediatr Adolesc MedUS-Giftnotrufdaten, Kinder unter 6 Jahren, vor und nach der BlisterpflichtAnfragen 2,99 vs. 1,91 pro 1.000; Todesfälle 29 (10 Jahre) vs. 1 (5 Jahre)Meldedaten-Auswertung
20Leonard et al. 2020, Clin Pediatr (Phila)US-Giftnotrufdaten 2000 bis 2017, 4.110 Eisen-Expositionen bei KindernAnteil schwerer Verläufe 7,2 vs. 3,8 %Meldedaten-Auswertung
21Crofton et al. 2021, Emerg Med AustralasFallserie, 54 Kinder in Australien17 Kinder mit Beschwerden, meist Magen-Darm; keine schwere VergiftungFallserie
22Jaeggi et al. 2015, Gut2 doppelblinde RCTs, 115 Säuglinge in Keniamehr Enterobakterien und krankmachende E. coli, Entzündungsmarker im Stuhl höherRCT
23Baldi et al. 2024, Nat Commun1 Placebo-RCT, 923 Säuglinge in BangladeschDarmflora in der Hauptauswertung unverändertRCT (größte Studie)
24Elms et al. 2024, J Nutr1 Placebo-RCT, 80 Frauen in Australien, 65,7 mg Eisen, 21 Tagekeine Veränderung der DarmfloraRCT (Erwachsene)
25Fonseca-Nunes et al. 2014, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev59 Beobachtungsstudien zu Eisen und KrebsDarmkrebs RR 1,08 je 1 mg Häm-Eisen aus der Nahrung pro TagMeta-Analyse von Beobachtungsstudien
26Das De et al. 2015, Atherosclerosis17 Beobachtungsstudien, 156.427 PersonenFerritin oberes vs. unteres Drittel RR 1,03, kein Zusammenhang mit koronarer HerzkrankheitMeta-Analyse von Beobachtungsstudien
27Pani et al. 2015, BMC Oral HealthLaborversuch, 40 gezogene Milchzähne, drei Eisensäftealle Eisengruppen mit VerfärbungLaborstudie
28Bellos et al. 2020, Transfus Med RevNetzwerk-Meta-Analyse, 8 RCTs, 5.989 PersonenPhosphatmangel nach Eisencarboxymaltose RR 7,9 gegenüber Eisenisomaltosid, RR 9,4 gegenüber EisensucroseMeta-Analyse (maßgeblich)
29Schaefer et al. 2021, Br J Clin Pharmacol42 prospektive Studien mit Eisencarboxymaltose oder EisenisomaltosidPhosphatmangel 47 vs. 4 %; bei bis zu 45 % nach 3 Monaten anhaltendMeta-Analyse
30Vilaca et al. 2022, J Bone Miner Res28 Fallberichte mit 30 BetroffenenKnochenerweichung nach meist wiederholten Infusionen; 20 mit ErmüdungsbrüchenAuswertung von Fallberichten
31Shah et al. 2021, JAMA Netw Open154 RCTs; Infektionen 88 Studien, 19.322 PersonenInfektionen RR 1,17 (korrigiert 1,16) gegenüber Tabletten oder keinem Eisen; Sterblichkeit unverändertMeta-Analyse (maßgeblich)
32Avni et al. 2015, Mayo Clin Proc103 RCTs, Eiseninfusion gegen Tabletten, kein Eisen oder Placeboschwere Infusionsreaktionen RR 2,47; schwere Nebenwirkungen insgesamt RR 1,04Meta-Analyse
33EMA 2013, Europäische ArzneimittelagenturBewertung aller Eisenpräparate zur Infusionkleines Risiko lebensbedrohlicher Allergien; Gabe nur mit Notfallausrüstung, Beobachtung mindestens 30 MinutenBehördenbewertung
34Chen et al. 2026, Clin Toxicol (Phila)Übersicht über 17 Berichte mit 49 Menschen nach Überdosierung von Eisen per InfusionEisenwert im Blut spiegelte die Schwere nicht zuverlässig; Leberschäden vor allem nach wiederholter Überdosierung; 48 von 49 überlebtenÜbersicht über Fallberichte
35Dave et al. 2022, Ann Intern MedAbrechnungsdaten älterer Menschen in den USA nach der ersten Eiseninfusionschwere allergische Reaktion je 10.000 Erstgaben: 9,8 mit Eisendextran, 0,8 bis 4,0 mit neueren PräparatenBeobachtungsstudie
36Kennedy et al. 2023, Int J Clin Pharm17 Studien mit Eisenderisomaltose oder Eisencarboxymaltose, Ereignisraten je Präparat; vom Hersteller finanziertschwere allergische Reaktionen 0,14 % gegenüber 1,08 %Präparatevergleich ohne Kontrollgruppe
37Divers et al. 2026, Blood AdvStudien mit 11.268 Behandelten, drei Infusionspräparate untereinander verglichen; dieselbe Autorengruppeschwere allergische Reaktionen 0,14 % (Eisenderisomaltose), 0,59 % (Eisencarboxymaltose), 0,50 % (Ferumoxytol)Präparatevergleich ohne Kontrollgruppe

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