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Eisen · 35 Quellen ausgewertet

Eisenmangel in der Schwangerschaft: Was hilft, und was brauchen Kinder?

Im Mutterpass steht ein niedriger Hb-Wert, im Kinderzimmer eine Flasche Eisentropfen. Kaum ein Präparat ist rund um Schwangerschaft und Kindheit so verbreitet. Doch nützt es nicht allen gleich.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202635 QuellenLesezeit 10 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

In der Schwangerschaft beugt tägliches Eisen als Tablette einer Blutarmut wahrscheinlich vor, und etwas seltener kommen Babys mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt. Frühgeburten verhindert es eher nicht. Bei nachgewiesener Blutarmut wirkt eine Infusion nach guter Studienlage besser als Tabletten. Zu viel Eisen kann den Hb-Wert über das Ziel heben. Kindern hilft Eisen bei Mangel, bei Säuglingen ohne Mangel bremst es wahrscheinlich das Wachstum.

Auf dieser Seite 5 Abschnitte
  1. Eisenmangel in der Schwangerschaft: Was tun?
  2. Eisenmangel in der Schwangerschaft: Welche Symptome?
  3. Wie viel Eisen in der Schwangerschaft?
  4. Eisenmangel durch die Periode: Was hilft?
  5. Eisen für Kinder: Wann ist es sinnvoll?

Bei der Vorsorgeuntersuchung wird ein Tropfen Blut genommen, und wenige Minuten später steht der Hb-Wert im Mutterpass. Kaum ein Laborwert wird in der Schwangerschaft so regelmäßig kontrolliert wie dieser rote Blutfarbstoff. Das hat seinen Grund: Das wachsende Kind, die Plazenta und das zusätzliche Blut der Mutter brauchen viel Eisen für die Blutbildung. Deshalb liegt schnell eine Packung Eisentabletten auf dem Küchentisch, Jahre später vielleicht eine Flasche Eisentropfen im Kinderzimmer. Was diese Präparate leisten, hängt allerdings stark davon ab, wer sie nimmt. Bei einem Mangel helfen sie, ohne Mangel bringen sie wenig, und bei sehr kleinen Kindern können sie sogar schaden.

Eisenmangel in der Schwangerschaft: Was tun?

Bei einem Eisenmangel in der Schwangerschaft beugt tägliches Eisen als Tablette einer Blutarmut wahrscheinlich vor, wobei sich die Menge nach den eigenen Blutwerten richten sollte und nicht nach einer Faustregel aus Ratgebern oder Foren. Am gründlichsten untersucht hat das eine Cochrane-Auswertung, also eine besonders sorgfältige Zusammenfassung vieler Studien. Am Ende der Schwangerschaft waren dort mit Eisen nur 4 von 100 Frauen blutarm, ohne Eisen gut 7.1 Das ist fast eine Halbierung. Auch Schwangere, die zu Beginn noch gar keine Blutarmut hatten, profitierten: Auf zehn Frauen, die Eisen nahmen, kam ungefähr eine Blutarmut weniger.2

Ganz sauber ist diese Datenlage nicht. Denn viele der älteren Studien haben methodische Schwächen, weshalb die Cochrane-Fachleute ihr Vertrauen in das genaue Ausmaß als gering einstufen.1 Dafür bestätigen mehrere unabhängige Auswertungen die Richtung, darunter eine im Auftrag der amerikanischen Präventionsbehörde.3 Daraus folgt kein Freibrief für die Dauereinnahme auf Verdacht. Wer schwanger ist, sollte Blutwerte und eine mögliche Eisengabe mit der Frauenarztpraxis oder der Hebamme besprechen.

So wurde gemessen
  • Cochrane-Auswertung: In 14 Studien mit 13.543 Frauen hatten am Termin 4,0 % mit und 7,4 % ohne Eisen eine Anämie (RR 0,30). Die Vertrauenswürdigkeit wurde als gering eingestuft.1
  • Frauen ohne Anämie zu Beginn: 23 Studien, 4.492 Schwangere; Anämie-Risiko halbiert (RR 0,50), rechnerisch eine verhinderte Anämie je zehn Behandelte, Hb im Schnitt 6,95 g/L höher.2
  • US-Evidenzbericht: 17 Studien mit 24.023 Schwangeren; Eisenmangelanämie am Termin bei 8,6 % gegenüber 19,8 %.3

Eisentabletten in der Schwangerschaft: Was bringen sie dem Baby?

Für das Baby ist der Gewinn kleiner, als viele erwarten. Wahrscheinlich kommen mit Eisen etwas seltener Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm zur Welt, denn in der Cochrane-Auswertung sank ihr Anteil von gut sechs auf gut fünf von hundert Geburten.1 Das Urteil fällt nicht höher aus, weil eine große Studie aus dem ländlichen China mit fast 19.000 Schwangeren keinen Unterschied fand.4 Dort bekamen allerdings alle Frauen Folsäure, nur ein Teil zusätzlich Eisen.

Andere Hoffnungen erfüllt Eisen kaum. Frühgeburten verhindert es nach den großen Auswertungen eher nicht,1 und auch vor Schwangerschaftsbluthochdruck, Präeklampsie oder einem Kaiserschnitt schützt es eher nicht.3 Ob es die Sterblichkeit von Neugeborenen oder Müttern senkt, ist unklar, denn solche Todesfälle sind in den Studien zu selten, um einen Effekt sicher zu erkennen, und die Befunde widersprechen sich.1 Damit liegt der eigentliche Nutzen bei den Blutwerten der Mutter.

So wurde gemessen
  • Niedriges Geburtsgewicht: 12 Studien, 18.290 Kinder; 6,1 % ohne und 5,2 % mit Eisen (RR 0,84), knapp gesichert.1 In der chinesischen Großstudie mit 18.775 Schwangeren erhielten beide Gruppen Folsäure; Geburtsgewicht und Frühgeburten unterschieden sich nicht.4
  • Frühgeburt: 11 Studien, 18.827 Kinder; 8,2 % gegenüber 7,6 %, ohne gesicherten Unterschied.1
  • Bluthochdruck, Präeklampsie, Kaiserschnitt: im US-Evidenzbericht mit 17 Studien jeweils kein Unterschied.3
  • Sterblichkeit: Neugeborene 4 Studien mit 17.243 Kindern, 1,5 % gegenüber 1,4 %; Mütter 3 Studien mit 14.060 Frauen, insgesamt 6 Todesfälle.1

Eiseninfusion in der Schwangerschaft

Bei einer nachgewiesenen Blutarmut durch Eisenmangel (Eisenmangelanämie) ist gut belegt, dass eine Infusion mehr hilft als Tabletten. Das gilt allerdings nur für diese Gruppe, denn Schwangere ohne Blutarmut wurden so nicht behandelt, und die Infusion ist eine ärztliche Behandlung in Praxis oder Klinik. In der maßgeblichen Auswertung von 14 Vergleichsstudien brauchten danach gut ein Drittel weniger Frauen eine Bluttransfusion, vor allem bei sehr niedrigem Hb-Wert.5 Eine zweite Auswertung kam zum selben Schluss.6

Einheitlich ist das Bild trotzdem nicht. So sah eine kleinere Cochrane-Auswertung zwar bessere Blutwerte, aber keinen Unterschied bei den Transfusionen.7 Auch in zwei großen Studien aus Nigeria und Malawi war die Blutarmut kurz vor der Geburt nach einer Infusion kaum seltener als mit Tabletten.89 Dazu kommen eigene Risiken der Infusion wie ein Phosphatmangel, die zu den Nebenwirkungen von Eisentabletten und Infusionen zählen.

So wurde gemessen
  • Maßgebliche Auswertung: 29 Vergleichsstudien mit 11.771 Schwangeren; Bluttransfusion in 14 Studien mit 9.413 Frauen seltener (RR 0,63), Hb bei der Geburt 0,59 g/dL höher.5 Bestätigung in 9 Vergleichsstudien.6
  • Cochrane: 13 Studien, 3.939 Schwangere; Hb 0,49 g/dL höher, Bluttransfusion ohne Unterschied (RR 0,97).7
  • Afrika: 1.056 Schwangere in Nigeria, Anämie in der 36. Woche 58 % gegenüber 61 %;8 862 Schwangere in Malawi, ebenfalls ohne gesicherten Unterschied.9

Eisenmangel in der Schwangerschaft: Welche Symptome?

Ein Eisenmangel in der Schwangerschaft zeigt sich oft erst im Blutbild, weil seine typischen Zeichen in dieser Zeit kaum auffallen. Müdigkeit, Kurzatmigkeit auf der Treppe, Blässe oder Herzklopfen gehören zu einer Blutarmut, aber eben auch zu einer ganz gewöhnlichen Schwangerschaft. Der Körper sendet also kaum klare Signale. Hinzu kommt, dass Beschwerden schon auftreten können, solange nur die Speicher leer werden und der Hb-Wert noch normal ist.10 Erst bei einem ausgeprägten Mangel zeigen sich Zeichen, die zu den typischen Symptomen von Eisenmangel gehören, etwa eingerissene Mundwinkel oder dünne, löffelförmig gewölbte Nägel.11 Gerade weil die Beschwerden so wenig verraten, wird der Blutfarbstoff in der Vorsorge regelmäßig bestimmt.

Wie viel Eisen in der Schwangerschaft?

Wie viel Eisen eine Schwangere braucht, richtet sich nach ihren Blutwerten, eine für alle passende Menge gibt es nicht. Als sichere Obergrenze ohne ärztliche Begleitung nennt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 40 mg am Tag aus Nahrung und Präparaten zusammen, ausdrücklich auch für Schwangere und Stillende.12 Bei einem nachgewiesenen Mangel kann die Praxis mehr verordnen und die Werte dann im Verlauf kontrollieren.

Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Das zeigen zwei Studien mit gesunden Schwangeren. Ob sie 20 oder 60 mg am Tag nahmen, machte für die Verträglichkeit kaum einen Unterschied, erst mit 80 mg kamen Verstopfung und Abführmittel deutlich häufiger vor.13 Solche Beschwerden zählen zu den typischen Nebenwirkungen von Eisentabletten. Eine Alternative ist ein langsamerer Rhythmus. Wer Eisen nur ein- bis dreimal pro Woche nahm statt täglich, hatte seltener Nebenwirkungen und seltener einen zu hohen Hb-Wert.14 Dabei war die Blutarmut am Ende nicht erkennbar häufiger. Ob das für die eigene Situation passt, lässt sich bei der Einnahme von Eisentabletten jeden zweiten Tag mit der Praxis klären.

Zu viel Eisen in der Schwangerschaft: Gibt es Risiken?

Zu viel Eisen zeigt sich in der Schwangerschaft vor allem an einem Hb-Wert, der über das Ziel hinausschießt, und dieser Befund ist wahrscheinlich. In sieben Studien mit 1.461 Schwangeren lag der Wert im mittleren und letzten Drittel mit täglichem Eisen öfter über 130 g/L als ohne, Anteile je Gruppe nennt die Cochrane-Zusammenfassung aber nicht.1 Damit liegt er über dem Bereich, der in dieser Zeit üblich ist. Das ist zunächst nur ein Laborbefund. Ein Schaden ist damit nicht gezeigt. In Beobachtungsstudien gehen hohe Werte zwar mit mehr Komplikationen einher, etwa mit Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes,15 doch dahinter kann auch ein zu kleines Blutvolumen stecken, in dem sich der Farbstoff schlicht stärker konzentriert, und kontrollierte Studien zu den Folgen fehlen.

Eng damit verbunden ist die Sorge um den Blutzucker. Ob Eisentabletten einen Schwangerschaftsdiabetes fördern, ist ungeklärt. Die kontrollierten Studien fanden zwar keinen Anstieg, darunter eine Placebo-Studie mit gut 1.100 Schwangeren in Hongkong,316 doch für eine Entwarnung sind es zu wenige. Deshalb sollte ein Eisenpräparat bei bereits hohem Hb- oder Ferritinwert nicht ohne Rücksprache weiterlaufen. Eine niedrigere oder seltenere Gabe ist dann eine Frage an die Praxis.

So wurde gemessen
  • Hb über 130 g/L: im zweiten und dritten Drittel doppelt so häufig mit täglichem Eisen (RR 2,00; 7 Studien), am Termin RR 3,96.1 Gabe ein- bis dreimal pro Woche statt täglich: RR 0,53 für zu hohes Hb, RR 0,56 für Nebenwirkungen.14
  • Beobachtungsdaten: 148 Studien; hohes Hb ging mit Präeklampsie (OR 1,34) und Schwangerschaftsdiabetes (OR 1,71) einher, ohne Nachweis einer Ursache.15
  • Schwangerschaftsdiabetes: 1.164 Schwangere in Hongkong, 60 mg Eisen ab der Frühschwangerschaft, OR 1,04.16
  • Menge: 482 gesunde Schwangere, 20 bis 80 mg täglich; nur 80 mg mit mehr Verstopfung.13 EFSA: sichere Zufuhr 40 mg pro Tag aus allen Quellen.12

Eisenmangel durch die Periode: Was hilft?

Bei einem Eisenmangel durch die Periode steht die Ursache der Blutung an erster Stelle, Tabletten gleichen den Verlust nur aus. Bei Frauen mit Regelblutung allgemein senkt tägliches Eisen das Risiko einer Blutarmut wahrscheinlich deutlich, in einer Cochrane-Auswertung um rund 60 Prozent.17 Ob das für Frauen mit besonders starker Periode genauso gilt, ist unklar, denn eine eigene Placebo-Studie für diese Gruppe gibt es nicht.

Auch die Infusion ist bei starker Gebärmutterblutung gegen ein Scheinpräparat nicht untersucht. In der einzigen großen Vergleichsstudie mit knapp 500 blutarmen Frauen brachte sie den Blutfarbstoff aber häufiger in den Normalbereich als Tabletten.18 Das gelang bei etwa drei von vier Frauen statt bei der Hälfte. Wichtiger als jede Eisenform ist bei sehr starker Periode jedoch die gynäkologische Abklärung. Erst wenn die Blutung selbst behandelt ist, können sich die Speicher dauerhaft füllen. Dabei helfen Lebensmittel mit viel Eisen, bei leeren Speichern ersetzen sie die Behandlung aber nicht.

So wurde gemessen
  • Frauen mit Regelblutung: Anämie in 10 Studien mit 3.273 Frauen seltener (RR 0,39), Hb in 51 Studien 5,30 g/L höher; Frauen mit starker Periode wurden nicht gesondert untersucht.17
  • Infusion bei starker Blutung: 477 Frauen mit Eisenmangelanämie, Vergleich mit sechs Wochen Tabletten dreimal täglich; Anämie behoben bei 73 % gegenüber 50 %.18

Eisen für Kinder: Wann ist es sinnvoll?

Eisen ist für Kinder sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen ist, ohne Mangel kann es bei Säuglingen sogar schaden. Bei Babys und Kleinkindern zwischen vier Monaten und zwei Jahren senkten Eisentropfen oder Eisensirup das Risiko einer Blutarmut wahrscheinlich um rund 40 Prozent, wie eine Auswertung von 17 Studien zeigt.19 Bei Grundschulkindern halbierte tägliches Eisen den Anteil der blutarmen Kinder wahrscheinlich, und sie wuchsen im Verhältnis zu ihrem Alter etwas besser.20 Allerdings stammen fast alle diese Studien aus Ländern, in denen Eisenmangel weit verbreitet ist. Auch die Menge muss nicht hoch sein. Eine große Auswertung von Studien mit Kindern und Jugendlichen, die eine Blutarmut durch Eisenmangel hatten, fand schon mit weniger als 5 mg Eisen je Kilogramm Körpergewicht am Tag einen günstigen Anstieg des Blutfarbstoffs.35

Für das Denken ist der Gewinn begrenzt. Schulkinder mit Blutarmut schnitten mit Eisen in Intelligenztests wahrscheinlich etwas besser ab, bei Kindern ohne Blutarmut zeigte sich dieser Vorteil nicht.21 Bessere Schulnoten brachte Eisen eher nicht,20 und bei Säuglingen förderte es die geistige Entwicklung eher nicht, obwohl sich ihre Blutwerte besserten.1922

Beim Wachstum ist ein kleiner Schaden wahrscheinlich, und das ist der deutlichste Grund zur Zurückhaltung. In einer Auswertung von acht Studien mit knapp neunhundert Säuglingen und Kleinkindern nahmen Länge und Gewicht während der Einnahme weniger zu als ohne Eisen.19 Wie das aussieht, zeigt eine Studie aus Indonesien mit 154 Säuglingen, die gute Eisenwerte hatten. Auf der Wachstumskurve lag ihr Gewicht mit zwölf Monaten mit Eisen weiter unter dem Durchschnitt als ohne, bei minus 1,97 gegenüber minus 1,60 Punkten.24 Die am Ende erreichte Größe unterschied sich in der Auswertung allerdings nicht, und eine große Studie mit über dreitausend Babys in Bangladesch sah beim Wachstum gar keinen Unterschied, weder direkt nach der Einnahme noch Monate später.22 Betroffen waren vor allem Kinder, die gar keinen Mangel hatten, so auch in einer Studie aus Schweden.23

Auch bei Durchfall ist für Kinder ein kleiner Schaden wahrscheinlich. In einer Auswertung von fünf Studien mit 1.530 Kindern, die zusätzlich zu Zink noch Eisen bekamen, trat er gehäuft auf, Anteile je Gruppe nennt sie aber nicht.34 Die Placebo-Studie mit 232 gestillten Säuglingen in Schweden und Honduras fand dagegen insgesamt keinen Anstieg.23 Die Befunde stammen vor allem aus Regionen mit vielen Darmerregern. Trotzdem folgt daraus eine klare Regel. Eisentropfen gehören bei Babys nicht vorsorglich auf den Löffel, sondern nur nach ärztlicher Empfehlung, etwa bei Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht oder festgestelltem Mangel.

So wurde gemessen
  • Kleinkinder: 17 Studien mit 4.825 Kindern von 4 bis 23 Monaten, Anämie RR 0,61; geistige und motorische Entwicklung in 6 Studien ohne gesicherten Unterschied.19
  • Schulkinder: Anämie in 7 Studien mit 1.763 Kindern halbiert, Größe für das Alter in 5 Studien leicht höher, Rechen- und Sprachtests ohne Unterschied.20 Intelligenztest in 10 Studien mit 3.105 Kindern besser, getragen von den Kindern mit Anämie.21
  • Durchfall: 5 Studien mit 1.530 Kindern, Zink plus Eisen gegen Zink allein, RR 1,10 (1,03 bis 1,18).34
  • Wachstum: 8 Studien mit 868 Kindern, Längen- und Gewichtszuwachs geringer, Endlänge und Endgewicht gleich.19 Schweden und Honduras, 232 gestillte Säuglinge;23 Indonesien, 154 Säuglinge mit gutem Eisenstatus.24 Bangladesch, 3.300 Säuglinge, kein Effekt.22

Eisenmangel bei Kindern: Welche Symptome?

Bei Kindern verrät sich ein Eisenmangel selten durch eindeutige Zeichen. Blässe, Müdigkeit, Lustlosigkeit oder ein schlechter Appetit können dazugehören, haben bei Kindern aber viele harmlose Ursachen. Gefährdet sind vor allem Kinder in Phasen schnellen Wachstums, und wie bei Erwachsenen können Beschwerden schon vor einer messbaren Blutarmut auftreten.10 Ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, klärt deshalb nur ein Bluttest in der Kinderarztpraxis, und erst danach ist ein Eisenpräparat sinnvoll.

Frühgeborene und Babys mit niedrigem Geburtsgewicht

Ob zusätzliches Eisen Frühgeborene vor Blutarmut schützt, ist unklar, es gibt aber erste Hinweise. Eine Auswertung kam auf ein deutlich geringeres Risiko, stützt sich dafür aber auf nur zwei Studien.25 Dazu passt eine schwedische Placebo-Studie mit leichten Neugeborenen zwischen 2.000 und 2.500 Gramm: Mit Eisentropfen hatten nach sechs Monaten weniger Babys eine Blutarmut durch Eisenmangel.26 Dagegen förderte das Eisen die geistige Entwicklung dieser Kinder eher nicht.25 Ob und wie lange ein Frühgeborenes Eisen braucht, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt.

Eisen für Kinder in Malariagebieten

In Malariagebieten wurde kein Schaden gefunden, solange Malariaschutz und Behandlung funktionieren. Lange war das umstritten. Denn auch Krankheitserreger brauchen Eisen, weshalb Fachleute fürchteten, zusätzliches Eisen könne Kinder für Infekte anfälliger machen. Eine Cochrane-Auswertung von 16 Studien fand mit Eisen insgesamt nicht mehr Malaria und schwere Malaria sogar etwas seltener, allerdings nur dort, wo Vorbeugung und Behandlung funktionierten, denn ohne diese Versorgung nahm die Malaria leicht zu.27 Auf der Insel Pemba im Sansibar-Archipel wurde sogar eine Studie mit rund 24.000 Kleinkindern vorzeitig beendet. Denn mit Eisen und Folsäure erkrankten dort mehr Kinder schwer und kamen ins Krankenhaus.28 Für Kinder, die in Deutschland leben, spielt das keine Rolle, vor einem längeren Aufenthalt in einem Malariagebiet gehört die Eisengabe aber in die reisemedizinische Beratung, zusammen mit Moskitonetz und Malariavorbeugung.

So wurde gemessen
  • Malaria: 16 Studien mit 7.843 Kindern, klinische Malaria RR 0,93, schwere Malaria RR 0,90; ohne Vorbeugung und Behandlung RR 1,15 (7 Studien, 19.754 Kinder).27
  • Pemba: 24.076 Kinder von 1 bis 35 Monaten, Eisen plus Folsäure; Tod oder Krankenhausaufnahme 12 % häufiger, Abbruch vor dem geplanten Ende.28

Eisentabletten und Kleinkinder: Vergiftungsgefahr

Wie oft verschluckte Eisentabletten aus dem Haushalt Kleinkinder schwer vergiften, ist ungeklärt, weil sich das aus naheliegenden Gründen nicht in Studien prüfen lässt. Eine Entwarnung ist das nicht. So starben in den USA vor der Pflicht zu Einzelverpackungen in zehn Jahren 29 Kinder an einer Eisenvergiftung, danach in fünf Jahren eines.29 Deshalb gehören Eisenpräparate verschlossen und außer Reichweite von Kindern, gerade auch die Tabletten der Schwangeren selbst.

Notfall

Hat ein Kind Eisentabletten verschluckt, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, auch wenn es zunächst gesund wirkt: über den Giftnotruf, bei Erbrechen, Bauchschmerzen, Benommenheit oder Atemproblemen über die 112. Die Packung gehört mit in die Praxis oder Klinik.

Unser Fazit

In der Schwangerschaft beugt Eisen einer Blutarmut wahrscheinlich vor, für das Baby ist der Gewinn klein. Bei nachgewiesener Blutarmut wirkt eine Infusion besser als Tabletten, zu viel Eisen hebt dagegen den Hb-Wert über das Ziel. Kinder brauchen Eisen bei einem festgestellten Mangel, nicht vorsorglich, und alle Eisentabletten gehören außer Reichweite.

Häufige Fragen

Welches Eisenpräparat ist in der Schwangerschaft gut verträglich?

In Vergleichsstudien mit Schwangeren verursachte Eisenbisglycinat seltener Magen-Darm-Beschwerden als klassische Eisensalze wie Eisensulfat.30 Welche Form und welche Menge passen, entscheidet die Frauenarztpraxis anhand der Blutwerte.

Welcher Ferritin-Wert ist in der Schwangerschaft normal?

Ein niedriger Ferritinwert zeigt leere Eisenspeicher an, auch wenn der Hb-Wert noch normal ist. Wie der Ferritinwert im Blut zu lesen ist und ab wann behandelt wird, beurteilt in der Schwangerschaft die betreuende Praxis zusammen mit dem Hb-Wert.

Hilft Eisen nach der Geburt?

Das ist unklar. In einer kleinen Schweizer Studie mit 52 Frauen, die nach der Geburt einen Eisenmangel hatten, lagen die Blutwerte nach zwölf Wochen mit Eisen etwas höher als mit einem Scheinpräparat.31 Ob Eisen gegen Erschöpfung oder Stimmungstiefs im Wochenbett hilft, ist offen.

Bekommt das gestillte Baby mehr Eisen, wenn die Mutter Eisen nimmt?

Das ist unklar. In der einzigen Placebo-Studie mit 168 stillenden Müttern hatten die Babys nach vier Monaten dieselben Eisenwerte, ob die Mutter Eisen nahm oder nicht.32

Hilft Eisen Kindern mit ADHS?

Das ist unklar. Eine Auswertung von drei kleinen Studien mit Kindern, die ADHS und niedrige Eisenwerte hatten, fand gegenüber einem Scheinpräparat keinen gesicherten Vorteil.33

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Alle 35 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Finkelstein et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev57 Studien, 48.971 Schwangere; Eisen gegen Placebo oder kein Eisen in 40 StudienAnämie am Termin RR 0,30; niedriges Geburtsgewicht RR 0,84; Frühgeburt RR 0,93; Hb über 130 g/L RR 2,00Cochrane-Review (maßgeblich)
2Watt et al. 2025, Fam Pract23 Studien, 4.492 Schwangere ohne AnämieAnämie RR 0,50, NNT 10; Hb +6,95 g/LMeta-Analyse
3Cantor et al. 2024, JAMA17 Studien, 24.023 Schwangere (Evidenzbericht für die US Preventive Services Task Force)Eisenmangelanämie am Termin 8,6 vs. 19,8 %; kein Unterschied bei Bluthochdruck, Kaiserschnitt, SchwangerschaftsdiabetesSystematische Übersicht
4Liu et al. 2013, JAMA Intern Med18.775 Schwangere im ländlichen China, Eisen plus Folsäure gegen Folsäureniedriges Geburtsgewicht und Frühgeburt ohne UnterschiedMega-RCT (Gegenbefund)
5Sales et al. 2026, JAMA Netw Open29 RCTs, 11.771 Schwangere mit Eisenmangelanämie, Infusion gegen TablettenBluttransfusion RR 0,63 (14 Studien); Hb bei Geburt +0,59 g/dLMeta-Analyse (maßgeblich)
6Qassim et al. 2019, Med J Aust9 Vergleichsstudien, Schwangere mit EisenmangelanämieBluttransfusion mit Infusion seltenerMeta-Analyse
7Nicholson et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev13 RCTs, 3.939 Schwangere mit EisenmangelanämieHb +0,49 g/dL; Bluttransfusion RR 0,97, kein UnterschiedCochrane-Review (Gegenbefund)
8Afolabi et al. 2024, Lancet Glob Health1.056 anämische Schwangere in NigeriaAnämie in der 36. Woche 58 vs. 61 %, kein gesicherter UnterschiedGroße RCT (Gegenbefund)
9Pasricha et al. 2023, Lancet862 anämische Schwangere in MalawiAnämie in der 36. Woche nicht gesichert seltenerRCT (Gegenbefund)
10Pasricha et al. 2021, LancetÜbersichtsarbeit zu EisenmangelBeschwerden auch ohne Anämie; besonders betroffen Kinder und Frauen vor den WechseljahrenÜbersichtsarbeit
11Novacek 2006, Orphanet J Rare DisÜbersichtsarbeit zu Zeichen der EisenmangelanämieMundwinkelrhagaden, Zungenentzündung, Löffelnägel bei ausgeprägtem MangelÜbersichtsarbeit
12EFSA 2024, EFSA JournalBewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheitsichere Zufuhr 40 mg Eisen pro Tag für Erwachsene einschließlich Schwangerer, Nahrung und Präparate zusammenBehördengutachten
13Milman & Bergholt 2024, J Pregnancy2 doppelblinde RCTs, 482 gesunde Schwangere, 20 bis 80 mg Eisen täglich20 bis 60 mg ohne Dosiseffekt; 80 mg mehr Verstopfung und AbführmittelRCT (Dosisvergleich)
14Peña-Rosas et al. 2015 (intermittierend), Cochrane Database Syst Rev21 Studien, 5.490 Schwangere; Eisen 1- bis 3-mal pro Woche gegen täglichHb über 130 g/L RR 0,53; Nebenwirkungen RR 0,56; Anämie am Termin ohne klaren UnterschiedCochrane-Review (Einnahmerhythmus)
15Young et al. 2023, BMC Pregnancy Childbirth148 Beobachtungsstudien zu Hämoglobin in der Schwangerschafthohes Hb verbunden mit Präeklampsie OR 1,34 und Schwangerschaftsdiabetes OR 1,71; nur ZusammenhängeMeta-Analyse von Beobachtungsstudien
16Chan et al. 2009, BJOG1.164 Schwangere in Hongkong, 60 mg Eisen oder Placebo ab der FrühschwangerschaftSchwangerschaftsdiabetes OR 1,04, kein UnterschiedRCT
17Low et al. 2016, Cochrane Database Syst Rev67 Studien, 8.506 menstruierende FrauenAnämie RR 0,39 (10 Studien, 3.273 Frauen); Hb +5,30 g/LCochrane-Review
18Van Wyck et al. 2009, Transfusion477 Frauen mit Eisenmangelanämie durch starke Gebärmutterblutung, Infusion gegen TablettenAnämie behoben 73 vs. 50 %RCT (ohne Placebo)
19Pasricha et al. 2013, Lancet Glob Health35 Studien, 42.306 Kinder von 4 bis 23 MonatenAnämie RR 0,61; Längenzuwachs geringer (8 Studien, 868 Kinder); Entwicklung ohne UnterschiedMeta-Analyse (maßgeblich)
20Low et al. 2013, CMAJ32 Studien, 7.089 Kinder im GrundschulalterAnämie −50 %; Größe für das Alter etwas höher; Schulleistung ohne UnterschiedMeta-Analyse (maßgeblich)
21Gutema et al. 2023, PLoS One13 RCTs mit Schulkindern; Intelligenz 10 Studien, 3.105 KinderVorteil im Intelligenztest nur bei Anämie zu BeginnMeta-Analyse (maßgeblich)
22Pasricha et al. 2021 (Bangladesch), N Engl J Med3.300 Säuglinge in Bangladesch, 3 Monate Eisensirup, Mikronährstoffpulver oder Placeboweniger Anämie; kein Effekt auf Entwicklung und WachstumGroße RCT
23Dewey et al. 2002, J Nutr232 gestillte Säuglinge in Schweden und Hondurasgeringerer Längenzuwachs mit Eisen in Schweden; in Honduras nur bei gutem HbRCT (Schadensbefund)
24Lind et al. 2008, Acta Paediatr154 Säuglinge in Indonesien mit gutem Eisenstatusgeringere Gewichtszunahme mit EisenRCT (Schadensbefund)
25Manapurath et al. 2022, Pediatrics8 Studien, 1.093 Frühgeborene oder Babys mit niedrigem GeburtsgewichtAnämie RR 0,25 (2 Studien, 381 Babys); kaum Effekt auf die EntwicklungMeta-Analyse
26Berglund et al. 2010, Pediatrics285 Babys mit 2.000 bis 2.500 g Geburtsgewicht, Eisentropfen gegen PlaceboEisenmangelanämie mit 6 Monaten 9,9 vs. 2,7 bzw. 0 %RCT
27Itzkovich et al. 2026, Cochrane Database Syst Rev40 Studien, 33.785 Kinder in Malariagebieten; Malaria 16 Studien, 7.843 Kinderklinische Malaria RR 0,93; schwere Malaria RR 0,90; ohne Malariaversorgung RR 1,15Cochrane-Review (maßgeblich)
28Sazawal et al. 2006, Lancet24.076 Kinder von 1 bis 35 Monaten auf Pemba, Eisen plus Folsäure gegen PlaceboTod oder Krankenhausaufnahme +12 %; vorzeitig abgebrochenMega-RCT (Schadensbefund)
29Tenenbein 2005, Arch Pediatr Adolesc MedUS-Giftnotrufdaten, Kinder unter 6 Jahren, vor und nach der BlisterpflichtTodesfälle 29 (10 Jahre) vs. 1 (5 Jahre)Meldedaten-Auswertung
30Fischer et al. 2023, Nutr Rev17 RCTs, Eisenbisglycinat gegen andere Eisenpräparate; Schwangere 9 StudienMagen-Darm-Nebenwirkungen bei Schwangeren IRR 0,36Meta-Analyse (Formvergleich)
31Krafft et al. 2005, BJOG52 Frauen mit Eisenmangel nach der Geburt, 80 mg Eisen oder Placebo, 12 WochenHb und Ferritin höher als mit PlaceboRCT
32Baykan et al. 2006, Turk J Pediatr168 stillende Mütter mit Neugeborenen, Eisen oder Placebo, 4 MonateEisenwerte der Kinder ohne UnterschiedRCT
33Elliott et al. 2024, J Neuropsychiatry Clin Neurosci3 RCTs, 124 Kinder mit ADHS und niedrigem FerritinHyperaktivität ohne gesicherten Unterschied zu PlaceboMeta-Analyse
34Mayo-Wilson et al. 2014, BMJ OpenKinder von 6 Monaten bis 12 Jahren, Zink plus Eisen gegen Zink allein; Durchfall in 5 Studien mit 1.530 KindernDurchfall mit zusätzlichem Eisen etwas häufigerMeta-Analyse (maßgeblich)
35Rehman et al. 2025, PLoS One28 Studien, 8.829 Kinder und Jugendliche mit Eisenmangelanämie, verschiedene Mengen und DauernHämoglobin im Mittel +2,0 g/dL; niedrige Mengen unter 5 mg je kg und Tag mit günstigem VerlaufMeta-Analyse zu Dosis und Dauer

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