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Elektrolyte · 14 Quellen ausgewertet

Elektrolyte bei Durchfall: Was hilft Kindern und Erwachsenen?

Der Magen-Darm-Infekt kommt nachts, und am Morgen stellt sich die Frage: Reicht Trinken, oder braucht es mehr? Die Antwort der Studien ist erstaunlich klar, zumindest für Kinder.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202614 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Bei Durchfall ersetzen Elektrolyte vor allem das Wasser und Salz, das der Körper verliert. Eine Trinklösung behandelt Austrocknung bei Kindern so gut wie eine Infusion, und die heute empfohlene salzärmere Lösung schneidet wahrscheinlich besser ab als die alte. Ob sie bei leichtem Infekt mehr bringt als verdünnter Saft, ist unklar. Für Erwachsene mit gewöhnlichem Durchfall fehlen kontrollierte Studien. Selbst gemischte oder falsch angerührte Lösungen bergen Risiken.

Auf dieser Seite 7 Abschnitte
  1. Helfen Elektrolyte bei Durchfall?
  2. Ist eine Trinklösung so gut wie eine Infusion?
  3. Welche Elektrolytlösung ist bei Magen-Darm am besten?
  4. Brauchen Kinder bei Durchfall Elektrolyte?
  5. Helfen Elektrolyte bei Erbrechen?
  6. Kann man Elektrolyte für Kinder selber machen?
  7. Brauchen Erwachsene bei Durchfall Elektrolyte?

Der Infekt beginnt meist harmlos, mit Bauchgrummeln und einer unruhigen Nacht. Doch nach dem dritten oder vierten wässrigen Stuhl werden Kinder blass und matt, und Eltern fragen sich, ob Wasser und Tee noch reichen. Genau für diesen Moment wurde die Trinklösung erfunden, ein Pulver aus Salzen und etwas Traubenzucker, das in Wasser aufgelöst wird. Das Rezept ist simpel. Trotzdem gilt die Lösung als einer der großen Erfolge der Medizin im vergangenen Jahrhundert. Was sie leistet und wo ihre Grenzen liegen, lässt sich heute recht genau sagen.

Helfen Elektrolyte bei Durchfall?

Elektrolyte helfen bei Durchfall, indem sie Wasser und Salz ersetzen, die der Darm verliert, den Durchfall selbst stoppen sie nicht. Mit jedem wässrigen Stuhl gehen Natrium, Kalium und Flüssigkeit verloren. Das summiert sich schnell. Wasser allein reicht dafür nicht. Der Darm nimmt Wasser nämlich vor allem zusammen mit Salz und Zucker auf. Darauf beruht die Trinklösung: Sie liefert beides in einem Verhältnis, das der Darm auch während eines Infekts noch verwerten kann.

Wie viele Leben das rettet, ist mit einem fairen Vergleich allerdings nicht untersucht. Kinder mit Durchfall nach dem Zufallsprinzip ohne Trinklösung zu lassen, wäre unethisch, deshalb gibt es solche Studien nicht. Eine Übersichtsarbeit hat stattdessen Beobachtungen und Erfahrungen aus Gesundheitsprogrammen zusammengetragen und schätzt, dass Trinklösungen den größten Teil der Todesfälle durch Durchfall bei kleinen Kindern verhindern können.1 Das ist eine Schätzung, keine Messung. Trotzdem zweifelt niemand ernsthaft daran, dass Flüssigkeitsersatz bei schwerem Durchfall lebenswichtig ist.

Für den Alltag in Mitteleuropa zählt eine andere Frage. Hier sterben kaum Kinder an Durchfall, wohl aber landen viele mit Austrocknung in der Notaufnahme. Ob eine Trinklösung dann genügt oder eine Infusion nötig ist, haben Studien sehr gründlich geprüft.

So wurde gemessen
  • Sterblichkeit: Übersicht zu Trinklösungen bei Kindern unter 5 Jahren in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Eine Studie mit Vergleichsgruppe ohne Trinklösung gibt es nicht. Nach Expertenregeln geschätzt: 93 % der Durchfall-Todesfälle vermeidbar; für Hausgetränke reichten die Daten nicht.1

Ist eine Trinklösung so gut wie eine Infusion?

Bei Kindern mit Austrocknung wirkt eine Trinklösung praktisch so gut wie eine Infusion, und die Studien sprechen klar dagegen, dass der Tropf mehr bringt. Die maßgebliche Cochrane-Auswertung, eine Zusammenfassung aller guten Vergleichsstudien, umfasst 17 Studien mit Kindern, die wegen eines Magen-Darm-Infekts ausgetrocknet waren.2 Ein Teil von ihnen bekam die Lösung zu trinken oder, wenn sie nicht tranken, über eine dünne Magensonde, die anderen eine Infusion in die Vene.

Etwa eines von 25 Kindern kam mit der Trinklösung nicht aus. Es brauchte am Ende doch den Tropf. Die Autorinnen und Autoren halten diesen kleinen Abstand für klinisch unbedeutend, zumal er mit der heute empfohlenen salzärmeren Lösung ganz verschwand.2 Eine zweite Auswertung kam auf eine ähnlich niedrige Versagensrate und fand mit der Trinklösung sogar seltener schwere Komplikationen wie Krampfanfälle.3 Hinzu kommt ein praktischer Vorteil, denn eine Lösung zum Trinken erspart Kindern den Nadelstich und oft auch die Nacht im Krankenhaus.

Dass die Trinklösung eine vorübergehende Darmlähmung begünstigt, ist allerdings ein wahrscheinlicher Schaden. In der Cochrane-Auswertung mit 1.811 Kindern kam auf 33 mit Trinklösung behandelte Kinder rechnerisch ein zusätzlicher Fall, bei dem der Darm stillstand und der Bauch dick und hart wurde.2 Schwere Komplikationen wie Tod oder Krampfanfall waren mit Trinklösung dagegen seltener,3 und zu viel Natrium im Blut kam mit ihr genauso oft vor wie mit Infusion.4 Diese Studien betreffen allerdings Kinder mit Austrocknung und richtig angerührte Lösungen unter Aufsicht, und gerade zu Hause entstehen die meisten Nebenwirkungen von Elektrolyten durch Fehler beim Anrühren.

So wurde gemessen
  • Cochrane-Review 2006: 17 randomisierte Studien mit 1.811 Kindern. Behandlungsversagen mit Trinklösung 4 Prozentpunkte häufiger (1 bis 7), also etwa eines von 25 Kindern; mit der salzärmeren Lösung kein Unterschied. Darmlähmung: ein zusätzlicher Fall je 33 Kinder (20 bis 100), nur im Modell mit festen Effekten gerechnet.2
  • Vorversion 2004: 14 Studien; Behandlungsversagen 3 Prozentpunkte häufiger, nicht signifikant; Natrium zu hoch nicht häufiger als mit Infusion.4
  • Zweite Auswertung: 16 Studien mit 1.545 Kindern unter 15 Jahren, Versagensrate der Trinklösung 4 %, schwere Komplikationen seltener.3

Notfall

Wird ein Kind unter der Behandlung sehr schläfrig, ist es schwer zu wecken, krampft es oder hat es starke Bauchschmerzen mit grünlichem Erbrechen, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Welche Elektrolytlösung ist bei Magen-Darm am besten?

Am besten schneidet nach heutigem Stand die salz- und zuckerärmere Trinklösung ab, die die WHO heute empfiehlt. Sie ist dünner als die alte Standardlösung, enthält also weniger gelöste Teilchen, was Fachleute „reduzierte Osmolarität“ nennen. In der maßgeblichen Cochrane-Auswertung brauchten Kinder mit akutem Durchfall damit seltener eine zusätzliche Infusion als mit der alten Lösung, deshalb ist sie wahrscheinlich besser.5 Unumstritten ist das nicht. Die neueste, von der WHO beauftragte Auswertung fand den Vorteil bei den Infusionen nicht mehr gesichert, stützte sich dafür aber nur auf drei Studien.6

Geht es noch besser? Das ist offen. Trinklösungen, in denen gekochter Reis oder andere Stärke den Traubenzucker ersetzt, schnitten gegenüber der alten Lösung gut ab. Gegen die heutige salzärmere Lösung gibt es aber nur vier kleine Studien, und dort blieb der Vorteil unklar.7 Eine Mitautorin dieser Auswertung war zeitweise bei einem Hersteller von Trinklösungen angestellt, was bei einem so knappen Ergebnis erwähnenswert ist.

Anders liegt der Fall bei der Cholera, bei der der Darm extrem viel Salz ausschwemmt. Hier brachte die salzärmere Lösung keinen Vorteil, die Daten sprechen eher dagegen, dass sie bei Cholera besser ist als die alte.8 In Mitteleuropa spielt Cholera kaum eine Rolle, für Reisen in betroffene Gebiete ist der Befund dagegen wichtig.

Ob die salzärmere Lösung bei Cholera über einen Natriummangel schadet, ist ungeklärt. In einer Studie mit 300 Erwachsenen mit schwerer Cholera sank das Natrium im Blut am ersten Behandlungstag bei rund 20 gegenüber 11 Prozent der Behandelten unter den Normbereich, je nachdem, ob sie die neue oder die alte Lösung tranken.14 Beschwerden bekam dadurch niemand. Auch in der Cochrane-Auswertung von vier Studien trat kein Natriummangel mit Beschwerden auf.8 Der Befund betrifft Cholera, nicht den gewöhnlichen Durchfall, bei dem Kinder mit der salzärmeren Lösung keinen zusätzlichen Natriummangel hatten.5

Und Sportgetränke? Bei Erwachsenen mit Magen-Darm-Virus verglich eine kleine Studie ein Sportgetränk direkt mit zwei Trinklösungen. Stuhl, Gewicht und Urin unterschieden sich kaum, ein niedriger Kaliumwert hielt sich aber nur mit dem Sportgetränk.9 Ein Elektrolyte-Pulver aus dem Sportregal ist also nicht dasselbe wie eine Trinklösung aus der Apotheke, auch wenn beide Salze enthalten.

So wurde gemessen
  • Salzärmere Lösung (höchstens 270 mOsm/l) gegen alte Lösung (mindestens 310 mOsm/l): ungeplante Infusion OR 0,59 (0,45 bis 0,79) in 8 Studien.5 Neueste Auswertung: RR 0,77 (0,58 bis 1,02) in 3 Studien mit 1.258 Kindern, geringe Vertrauenswürdigkeit.6
  • Reis- und Stärkelösungen: gegen die salzärmere Glukose-Lösung 4 Studien mit 376 Personen, Infusion RR 0,66 (0,43 bis 1,02), Evidenz sehr niedrig; gegen die alte Lösung RR 0,75 (0,57 bis 0,98).7
  • Cholera: 7 Studien mit 718 Personen, Infusionen ohne Unterschied; Natrium unter 130 mmol/l RR 1,67 (1,09 bis 2,57) in 4 Studien, keine Fälle mit Beschwerden.8
  • Sportgetränk: 75 Erwachsene mit viraler Gastroenteritis, doppelblind, drei Getränke im Vergleich.9

Brauchen Kinder bei Durchfall Elektrolyte?

Das hängt davon ab, wie stark ein Kind schon ausgetrocknet ist. Bei deutlicher Austrocknung bleibt die Trinklösung Standard. Bei einem leichten Infekt, bei dem das Kind noch gut trinkt und kaum Flüssigkeit verloren hat, ist ihr Vorteil dagegen unklar.

Diese Frage hat eine Studie aus Toronto überraschend beantwortet. Dort bekamen fast 650 Kleinkinder mit leichtem Magen-Darm-Infekt in der Notaufnahme entweder eine fertige Elektrolytlösung oder halb mit Wasser verdünnten Apfelsaft, danach durften sie trinken, was sie mochten.10 Der Saft gewann: Den Kindern, die ihn bekamen, ging es seltener schlechter, und sie brauchten seltener eine Infusion, vermutlich weil Kinder Saft lieber trinken als die salzig schmeckende Lösung. Weil es nur diese eine Studie aus einem Land mit sehr guter Versorgung gibt, bleibt offen, ob das überall gilt.

Für mangelernährte Kinder, wie sie in ärmeren Ländern behandelt werden, empfiehlt die WHO eine eigene, natriumärmere Lösung. Ob sie besser ist als die normale, ist unklar, denn zwei kleine Studien fanden beim Erfolg der Behandlung keinen Unterschied, und unter der Speziallösung sank das Natrium häufiger zu stark.11 In Deutschland betrifft das kaum ein Kind, doch der Befund zeigt, wie fein die Zusammensetzung austariert sein muss.

So wurde gemessen
  • Leichter Infekt: 647 Kinder von 6 bis 60 Monaten mit höchstens minimaler Austrocknung, Notaufnahme Toronto, einfach verblindet. Behandlungsversagen 16,7 % mit verdünntem Apfelsaft gegen 25,0 % mit Elektrolytlösung; Infusion 2,5 gegen 9,0 %.10
  • Mangelernährung: systematische Übersicht mit 6 Studien ohne gepoolte Schätzung; in 2 Studien mehr Natriummangel unter der Speziallösung.11

Was gilt bei Babys und Kleinkindern?

Bei Babys gilt dasselbe Prinzip, nur mit weniger Spielraum für Fehler. Ein Säugling hat wenig Reserven, trocknet schneller aus und kann nicht sagen, wie es ihm geht. Gestillte Babys sollten deshalb weiter gestillt werden und die Trinklösung zusätzlich bekommen. Wichtig ist, das Pulver genau nach Packungsangabe mit der richtigen Wassermenge anzurühren.

Warum das so wichtig ist, zeigt eine ältere Beobachtung aus Kairo. Unter hundert ausgetrockneten Säuglingen hatte etwa jeder sechste zu viel Natrium im Blut, und diese Kinder hatten zu Hause häufiger eine Trinklösung bekommen, die in keinem Fall richtig angewendet worden war.12 Mal wurde sie zu lange gegeben, mal fehlte das zusätzliche Wasser oder die Muttermilch. Für Neugeborene fehlen Studien ganz. Bei Babys in den ersten Lebensmonaten gehört Durchfall deshalb früh in die Kinderarztpraxis.

So wurde gemessen
  • Kairo: 100 ausgetrocknete Säuglinge, Beobachtung. 17 % mit zu hohem Natrium; Trinklösung zu Hause bei 24 gegen 5 %, nie richtig angewendet.12

Helfen Elektrolyte bei Erbrechen?

Auch bei Erbrechen ist die Trinklösung das Mittel der Wahl, solange überhaupt etwas im Magen bleibt. In den Vergleichsstudien mit der Infusion bekamen Kinder, die nicht trinken wollten oder konnten, die Lösung teils über eine Magensonde, und auch das funktionierte so gut wie der Tropf.2 Zu Hause fehlt diese Möglichkeit. Wenn ein Kind alles wieder erbricht, keine Windel mehr nass macht oder auffallend schlapp wird, reicht Abwarten nicht mehr. Dann ist eine ärztliche Untersuchung noch am selben Tag nötig.

Kann man Elektrolyte für Kinder selber machen?

Möglich ist es, doch eine fertige Trinklösung aus der Apotheke ist die sicherere Wahl. Hausgemachte Mischungen aus Salz, Zucker und Wasser wurden nie so gründlich geprüft wie die fertigen Pulver, und schon die Übersicht zur Sterblichkeit fand für Hausgetränke keine ausreichenden Daten.1 Das Problem liegt in der Küche. Ein gehäufter statt eines gestrichenen Löffels oder ein Glas zu wenig Wasser genügt, damit eine Lösung viel zu salzig wird, und genau solche Fehler standen hinter den Fällen aus Kairo.12

Wer trotzdem auf Hausmittel zurückgreifen muss, etwa auf Reisen, sollte sich an eine erprobte Anleitung halten und kein zusätzliches Salz zugeben. Auch Kokoswasser oder Brühe ersetzen keine geprüfte Lösung, wie der Blick auf Elektrolyte zum Selbermachen zeigt.

Brauchen Erwachsene bei Durchfall Elektrolyte?

Für Erwachsene mit gewöhnlichem Durchfall ist der Nutzen einer Trinklösung nicht untersucht, jedenfalls nicht mit einem fairen Vergleich. Eine verblindete Studie, die eine Elektrolytlösung mit Wasser oder einem Scheinpräparat vergleicht, gibt es nicht. In einer kleinen offenen Studie mit Studierenden, die in Mexiko Reisedurchfall bekamen, brachte die Trinklösung zusätzlich zu einem Durchfallmittel keinen Vorteil,13 und gesunde Erwachsene überstehen einen kurzen Infekt ohnehin meist gut, wenn sie ausreichend trinken und etwas Salziges essen.

Anders sieht es bei schwerem, wässrigem Durchfall aus, bei Älteren, die wenig Durst spüren, und bei Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen. Hier kann Austrocknung rasch ernst werden, und eine Trinklösung ist sinnvoll, im Zweifel nach Rücksprache mit der Hausarztpraxis. Bei Nierenerkrankungen oder Medikamenten gegen Bluthochdruck lohnt dabei ein Blick auf den Kaliumgehalt, weil Kalium dann zum Risiko werden kann. Schwindel oder Krämpfe allein zeigen dabei noch keinen Elektrolytmangel an, und auch im Überblick zu Elektrolyten bleibt der Durchfall der Bereich mit der klarsten Studienlage.

So wurde gemessen
  • Reisedurchfall: 80 Studierende in Mexiko, Loperamid mit oder ohne Trinklösung (60 mmol/l Natrium), offen. Besserung gleich, kein Zusatznutzen bei freiem Trinken.13

Unsere Einordnung

Bei Kindern mit Austrocknung ist die Trinklösung so gut wie eine Infusion und erspart oft den Krankenhausaufenthalt. Die salzärmere Lösung nach WHO-Vorbild ist wahrscheinlich die beste Wahl. Ob sie bei leichtem Infekt mehr bringt als verdünnter Saft, ist unklar, und für Erwachsene fehlen faire Vergleiche. Wichtiger als jedes Produkt ist, das Pulver genau anzurühren und Warnzeichen ernst zu nehmen.

Häufige Fragen

Helfen Elektrolyte bei einer Erkältung?

Dafür gibt es keine Studien. Bei Fieber oder einer Erkältung reicht es nach heutigem Wissen, ausreichend zu trinken; eine Trinklösung ist vor allem für Durchfall mit Flüssigkeitsverlust gedacht.

Wie lange gibt man Elektrolyte bei Durchfall?

So lange, wie der Durchfall Flüssigkeit kostet, und in der Menge, die auf der Packung steht. Hält der Durchfall bei einem Kleinkind an, trinkt es schlecht oder wirkt es matt, gehört es in die Kinderarztpraxis.

Verkürzen Elektrolyte den Durchfall?

Nein, darauf sind sie nicht ausgelegt. Eine Trinklösung gleicht den Verlust von Wasser und Salz aus und schützt so vor Austrocknung. Der Durchfall selbst dauert damit in der Regel nicht kürzer, das zeigte auch eine kleine Studie mit Reisedurchfall.13

Welches Elektrolyte-Pulver ist bei Durchfall richtig?

Für Durchfall gedacht sind Trinklösungen aus der Apotheke, die nach dem Vorbild der salzärmeren WHO-Lösung zusammengesetzt sind. Sport-Elektrolytpulver enthalten oft andere Mengen Salz und Zucker und wurden für Durchfall kaum geprüft.

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Alle 14 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Munos et al. 2010, Int J EpidemiolArbeiten zu Trinklösungen bei Kindern unter 5 Jahren, überwiegend Beobachtungs- und ProgrammdatenTrinklösung verhindert geschätzt 93 % der Durchfall-Todesfälle; Hausgetränke: Evidenz unzureichendSystematische Übersicht (überwiegend Beobachtungsdaten)
2Hartling et al. 2006, Cochrane Database Syst Rev17 RCTs, 1.811 Kinder mit akuter Gastroenteritis, Trinklösung vs. InfusionBehandlungsversagen RD 4 % (1 bis 7), NNT 25; mit salzärmerer WHO-Lösung kein Unterschied; Autoren: keine klinisch bedeutsamen UnterschiedeCochrane-Review (maßgeblich, Vergleich)
3Fonseca et al. 2004, Arch Pediatr Adolesc Med16 RCTs, 1.545 Kinder unter 15 Jahren, Trinklösung oder Magensonde vs. InfusionVersagensrate der Trinklösung 4,0 %; schwere Komplikationen mit Trinklösung seltenerMeta-Analyse (Vergleich)
4Bellemare et al. 2004, BMC Med14 RCTs, Kinder mit Gastroenteritis und AustrocknungBehandlungsversagen RD 3 % (0 bis 6) im Zufallseffekt-Modell, nicht signifikant; Vorversion der Cochrane-AuswertungMeta-Analyse (Vorversion)
5Hahn et al. 2002, Cochrane Database Syst RevRCTs, Kinder im Krankenhaus mit akutem Durchfall; ungeplante Infusion in 8 Studien auswertbarungeplante Infusion OR 0,59 (0,45 bis 0,79)Cochrane-Review (maßgeblich, Vergleich)
6Zubairi et al. 2024, J Glob Health9 RCTs, Kinder bis 5 Jahre mit akutem und anhaltendem Durchfall; von der WHO beauftragtungeplante Infusion RR 0,77 (0,58 bis 1,02; 3 Studien, 1.258 Kinder), nicht signifikant, geringe VertrauenswürdigkeitMeta-Analyse (neueste, Gegenbefund)
7Gregorio et al. 2016, Cochrane Database Syst Rev35 RCTs, 4.284 Personen; gegen salzärmere Glukose-Lösung 4 Studien, 376 Pers.gegen Lösung höchstens 270 mOsm/l: Infusion RR 0,66 (0,43 bis 1,02); gegen alte Lösung: RR 0,75 (0,57 bis 0,98); Evidenz niedrig bis sehr niedrigCochrane-Review (maßgeblich, Vergleich)
8Musekiwa & Volmink 2011, Cochrane Database Syst Rev7 RCTs, 718 Erwachsene und Kinder mit Cholera (Glukose-Trinklösung)ungeplante Infusion kein signifikanter UnterschiedCochrane-Review (maßgeblich, Vergleich)
9Rao et al. 2006, JPEN75 Erwachsene mit viraler Gastroenteritis, fertige Elektrolytlösung vs. Sportgetränk vs. WHO-Lösung, doppelblindkein Unterschied bei Stuhl, Gewicht und Urin; niedriges Kalium hielt nur mit dem Sportgetränk anRCT (Vergleich zweier Lösungen, zählt nicht)
10Freedman et al. 2016, JAMA647 Kinder (6 bis 60 Monate) mit leichter Gastroenteritis, Notaufnahme Toronto, einfach verblindetBehandlungsversagen 16,7 % (Apfelsaft) vs. 25,0 % (Elektrolytlösung); Infusion 2,5 % vs. 9,0 %RCT (Vergleich)
11Houston et al. 2017, Wellcome Open Res6 RCTs, Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung und Durchfall, Asienkeine gepoolte Schätzung; Hyponatriämie unter der Speziallösung in 2 StudienSystematische Übersicht ohne Meta-Analyse
12Cleary et al. 1981, J Pediatr100 ausgetrocknete Säuglinge, Kairo, Beobachtung17 % Hypernatriämie, gehäuft nach falsch angewendeter Trinklösung zu HauseBeobachtungsstudie (Fehlanwendung)
13Caeiro et al. 1999, Clin Infect Dis80 Studierende mit Reisedurchfall in Mexiko, Loperamid mit oder ohne Trinklösung (60 mmol/l Natrium), offengleichwertige Besserung, kein Zusatznutzen der Trinklösung bei freiem TrinkenRCT (offen, ohne Placebo)
14Alam et al. 1999 (CHOICE), Lancet300 Erwachsene mit schwerer Cholera, salzärmere vs. Standard-Trinklösung, doppelblindNatrium unter 130 mmol/l nach 24 h: 29 von 142 vs. 16 von 150, alle ohne BeschwerdenRCT (Vergleich)

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