Stoff, Wirkung oder Frage
Inhaltsstoffe/Vitamin B12/Nebenwirkungen & Überdosierung
Vitamin B12 · 24 Quellen ausgewertet

Wieso ist Vitamin B12 so gefährlich? Nebenwirkungen und Überdosierung

Vitamin B12 soll Krebs fördern, Pickel machen und die Sterblichkeit erhöhen, so liest es sich in manchen Schlagzeilen. Die Studien zeichnen ein ruhigeres Bild, mit einigen ernsten Ausnahmen.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202624 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Vitamin B12 gilt als gut verträglich, und eine Höchstmenge ließ sich mangels nachgewiesener Schäden nicht festlegen. Die bekannten Warnungen stammen meist aus Studien mit Kombinationen aus Folsäure, B12 und B6 oder aus Beobachtungen. Ob solche Kombinationen Krebs oder Todesfälle fördern, ist ungeklärt: Einzelne Placebo-Studien fanden mehr davon, die großen Auswertungen nicht. Seltene Allergien nach Spritzen und Akne nach hohen Dosen sind aus Fallberichten bekannt.

Auf dieser Seite 6 Abschnitte
  1. Wieso ist Vitamin B12 so gefährlich?
  2. Kann man Vitamin B12 überdosieren?
  3. Macht Vitamin B12 Pickel oder Akne?
  4. Welche Nebenwirkungen haben Vitamin-B12-Spritzen?
  5. Erhöht Vitamin B12 das Krebsrisiko?
  6. Erhöht B12 die Sterblichkeit oder schadet es Herz und Nieren?

Die Frage, warum Vitamin B12 schaden soll, gehört zu den häufigsten, die rund um das Vitamin gestellt werden, und sie hat einen merkwürdigen Hintergrund. Denn kaum ein Vitamin gilt unter Fachleuten als so harmlos. Die Lebensmittelbehörden der EU fanden keinen nachgewiesenen Schaden, aus dem sich eine Höchstmenge hätte ableiten lassen.1 Trotzdem tauchen immer wieder Schlagzeilen über Krebs, Akne oder ein höheres Sterberisiko auf. Wer genauer hinsieht, stößt auf drei Quellen dieser Sorgen: Studien mit Vitamin-Kombinationen, Beobachtungen an Menschen mit hohen Blutwerten und einzelne Fallberichte.

Wieso ist Vitamin B12 so gefährlich?

Gefährlich ist Vitamin B12 nach den bisherigen Studien für die allermeisten Menschen nicht, doch einige Befunde verdienen einen zweiten Blick. Der größte Teil der Warnungen stammt aus großen Herzstudien, in denen Teilnehmende Folsäure und B12, oft zusammen mit B6, bekamen, um einen Blutwert namens Homocystein zu senken. Dabei bekamen in zwei norwegischen Studien mit den Vitaminen 10,0 Prozent der Teilnehmenden Krebs, ohne sie 8,4 Prozent.12 Doch die Gesamtauswertungen aller Studien fanden kein gesichertes Plus an Krebs oder Todesfällen, ausgeräumt ist der Verdacht damit aber nicht.11 Welcher Anteil auf B12 entfiel, lässt sich aus solchen Kombinationen ohnehin nicht herauslesen.

Die zweite Quelle sind Beobachtungen. In einer Auswertung von 22 solchen Studien mit über 92.000 Menschen gingen sehr hohe B12-Werte im Blut mit mehr Todesfällen einher. Das ist allerdings nur als relatives Maß angegeben.19 Allerdings nahmen viele von ihnen gar keine Präparate, sondern hatten hohe Werte, weil eine Leber-, Nieren- oder Bluterkrankung sie in die Höhe trieb. Die neueste Auswertung kommt deshalb zu dem Schluss, dass hohe Werte kein eigenständiges Sterberisiko anzeigen.20 Damit ist ein zu hoher Vitamin-B12-Wert auf dem Laborzettel vor allem ein Anlass, nach seiner Ursache zu fragen.

Die dritte Quelle sind Einzelfälle, etwa von Akne oder allergischen Reaktionen nach Spritzen. Sie sind ernst zu nehmen, aber selten. Für Menschen mit nachgewiesenem Mangel ändert das alles nichts Grundlegendes, denn bei ihnen geht es nicht um zusätzliche Vorsorge, sondern um ein fehlendes Vitamin, das Blut und Nerven dringend brauchen. Gerade ein unbehandelter Vitamin-B12-Mangel kann Nerven dauerhaft schädigen, und für die Behandlung mit B12 allein gibt es keine Studie, die einen ernsten Schaden zeigt.

Kann man Vitamin B12 überdosieren?

Ob dauerhaft hohe Dosen schaden, ist ungeklärt, weil kaum Placebo-Studien mit B12 allein Nebenwirkungen gezielt ausgewertet haben. Doch die beiden vorhandenen fanden keine Häufung. In Nepal bekamen 600 Säuglinge ein Jahr lang B12 oder ein Scheinpräparat, und von den 20 und 16 Aufnahmen ins Krankenhaus in den beiden Gruppen hing keine mit der Gabe zusammen.4 In einer kleinen Studie mit Krebspatienten unter Chemotherapie traten mit zweimal täglich einem halben Milligramm nicht mehr Nebenwirkungen auf als mit Placebo.5

Für Kombinationen aus mehreren B-Vitaminen liegt eine Cochrane-Auswertung vor, und dabei waren schwere Nebenwirkungen mit und ohne Vitamine fast gleich häufig, mit einem knappen Ergebnis an der Grenze zum Zufall.3 Eine echte Vergiftung mit B12 ist nicht beschrieben. Was der Körper nicht braucht, scheidet er zum Teil über die Nieren aus, und die Aufnahme aus dem Darm ist ohnehin begrenzt. Der wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU fand bis etwa 100 µg täglich aus Präparaten keine unerwünschten Wirkungen und konnte mangels nachgewiesener Schäden keine Obergrenze festlegen.1

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt trotzdem vor, dass Nahrungsergänzungen höchstens 25 µg pro Tagesdosis enthalten.2 Der Wert ist bewusst niedrig angesetzt. Er ist keine Grenze, ab der Schäden beginnen, sondern ein Vorsichtswert, weil Daten zu sehr hohen Dauerdosen fehlen. Bei einem Mangel werden ärztlich deutlich höhere Mengen eingesetzt, und die passende Dosierung von Vitamin B12 hängt deshalb vor allem davon ab, ob ein Mangel besteht.

Ob sehr viel B12 zusammen mit viel Vitamin B6 Hüftbrüche begünstigt, ist nicht untersucht, denn dazu gibt es nur eine Beobachtung. In einer großen US-Studie wurden über 75.000 Frauen nach den Wechseljahren über Jahrzehnte begleitet. Wer mit Essen und Präparaten von beiden Vitaminen weit mehr als empfohlen aufnahm, brach sich öfter die Hüfte als Frauen mit wenig von beidem; wie oft genau, nennt die Kurzfassung nicht.21 Ob die Vitamine schuld waren, kann so eine Studie nicht zeigen, denn Frauen mit sehr viel Vitaminen leben womöglich auch sonst anders. In Placebo-Studien zur Bruchvorbeugung, meist mit 500 µg B12 und Folsäure, gab es jedenfalls nicht mehr Brüche.22

So wurde gemessen
  • Säuglinge in Nepal: 600 Kinder von 6 bis 11 Monaten, etwa die doppelte Tagesempfehlung über 12 Monate; 20 gegenüber 16 Krankenhausaufnahmen, nicht mit der Gabe verbunden.4
  • Chemotherapie: 40 Patienten, 500 µg Cyanocobalamin zweimal täglich, Nebenwirkungen ohne Unterschied zu Placebo.5
  • Kombinationen: Cochrane-Review mit 8 Studien und 35.788 Personen zu schweren Nebenwirkungen; 8,3 gegenüber 8,5 %, relatives Risiko 1,07 mit einer Spanne von 1,00 bis 1,14.3
  • Hüftbrüche: Nurses' Health Study, 75.864 Frauen, 2.304 Hüftbrüche; B12 ab 30 µg täglich allein RR 1,25 (nicht gesichert), B12 ab 20 µg plus B6 ab 35 mg RR 1,47 gegenüber wenig von beidem.21 Placebo-Studien: 14 Studien mit 34.700 Personen, Brüche RR 1,06, nicht gesichert.22

Zu viel Vitamin B12: Welche Symptome hat eine Überdosierung?

Typische Symptome einer Überdosierung kennt die Forschung nicht, es gibt nur einzelne Fallberichte. Der ausführlichste beschreibt eine junge Frau mit perniziöser Anämie, die wegen ihres Mangels mehrmals täglich 1 mg Cyanocobalamin schluckte. Nach insgesamt zwölf Milligramm bekam sie Akne, Herzklopfen, innere Unruhe, ein gerötetes Gesicht, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, die zwei Wochen nach dem Absetzen nachließen.6 Ob das Vitamin der Auslöser war, lässt sich bei einem Einzelfall nicht beweisen.

Nach Gewichtszunahme oder Wassereinlagerungen wird oft gesucht, doch in den Studien und Fallberichten tauchen sie als Folge von B12 nicht auf. Gezielt geprüft hat das allerdings auch niemand. Wer solche Veränderungen bemerkt, sollte deshalb nach anderen Ursachen suchen lassen, statt das Vitamin vorschnell verantwortlich zu machen.

Macht Vitamin B12 Pickel oder Akne?

Ob B12 Akne auslöst, ist ungeklärt, weil es nur Fallberichte gibt. In einer italienischen Fallserie bekamen fünf Frauen zwischen Anfang zwanzig und Anfang sechzig nach B12-Spritzen oder -Tabletten Knötchen und Pusteln im Gesicht. Bei manchen waren auch Hals, Brust und Rücken betroffen, und alle heilten drei bis sechs Wochen nach dem Absetzen ab.7 In einer kleinen Studie ohne Vergleichsgruppe bekam eine von zehn gesunden Personen eine Woche nach der B12-Gabe Akne.8 Dazu passt ein Laborbefund, denn B12 regte die Aknebakterien auf der Haut zur Bildung von Stoffen an, die Entzündungen fördern. Damit ist ein Zusammenhang aber nicht bewiesen, zumal die Berichte meist hohe Dosen betreffen.

Dafür fehlen kontrollierte Studien mit dem Hautbild als Messgröße. Neue Pickel nach dem Beginn einer B12-Einnahme lohnen deshalb einen Besuch in der Hautarztpraxis, wo Dosis und Form überprüft werden können. Bei nachgewiesenem Mangel ist eigenmächtiges Absetzen keine gute Idee. Oft lässt sich die Dosis senken oder die Form wechseln.

Welche Nebenwirkungen haben Vitamin-B12-Spritzen?

Die häufigste Nebenwirkung ist eine leichte Reizung an der Einstichstelle, die seltenste und ernsteste eine Allergie. In einer Placebo-Studie mit Spritzen in den Muskel gegen Rückenschmerzen traten nur leichte Beschwerden an der Einstichstelle auf.14 Meist bleibt es dabei. Wie oft allergische Reaktionen vorkommen, ist ungeklärt, weil kontrollierte Studien fehlen. In einer britischen Fallserie hatten von 29 abgeklärten Patienten 18 eine Sofortreaktion und acht einen allergischen Schock, und sieben dieser Reaktionen folgten auf Spritzen, eine auf Tabletten.9

Dabei nennen die Autoren eine bestätigte B12-Allergie selten, und sieben Betroffene vertrugen die jeweils andere B12-Form.9 Mit einer Gewöhnung an das Mittel ließ sich die Behandlung in den beschriebenen Fällen meist fortsetzen.10 Bei Ausschlag oder Juckreiz nach einer Spritze sollte vor der nächsten Gabe allergologisch geklärt werden, ob eine andere Form infrage kommt. Dafür kommen bei einem Mangel auch Vitamin-B12-Tabletten statt Spritzen in Betracht.

Notfall

Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufprobleme nach einer B12-Spritze sind Zeichen einer schweren allergischen Reaktion. Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Erhöht Vitamin B12 das Krebsrisiko?

Ob Vitamin B12 zusammen mit Folsäure Krebs fördert, ist ungeklärt. In zwei norwegischen Studien nahmen 6.837 Herzpatienten Folsäure plus B12 oder ein Scheinpräparat, und über etwa sechs Jahre, die Zeit nach Studienende eingerechnet, erkrankten mit den Vitaminen 10,0 gegenüber 8,4 Prozent an Krebs, vor allem an Lungenkrebs.12

Ähnlich fiel die niederländische B-PROOF-Studie mit 2.524 älteren Menschen aus. Dort bekamen 3,4 Prozent mit den Vitaminen Darmkrebs, ohne sie 2,0 Prozent.13 Ob das an der Folsäure, am B12 oder am Zufall liegt, ist offen.

Doch die größte Auswertung sieht das anders. In dreizehn Folsäure-Studien mit fast 50.000 Teilnehmenden, viele davon mit B12, fand sie über im Mittel fünf Jahre kein gesichertes Plus an Krebs, auch nicht an Lungen- oder Darmkrebs.11 Damit betreffen die Signale hoch dosierte Mischungen mit Folsäure über Jahre bei Menschen ohne Mangel. Für die Behandlung eines nachgewiesenen B12-Mangels gelten sie nicht, und B12 allein wurde in solchen Studien nie geprüft.

Für B12 aus Einzelpräparaten liegen nur Beobachtungsdaten vor. In einer US-Kohorte mit über 77.000 Erwachsenen erkrankten Männer, die über Jahre mehr als 55 µg täglich nahmen, fast doppelt so oft an Lungenkrebs, besonders Raucher, bei Frauen fand sich nichts.15 In dieselbe Richtung weist eine große Auswertung von Blutproben aus 20 Kohorten, in der höhere B12-Werte mit etwas mehr Lungenkrebs einhergingen, und genetische Daten bestätigten das Muster; ein Präparat hat dabei niemand geprüft.23 Beweisen kann eine solche Beobachtung keinen Zusammenhang. Für Raucher und ehemalige Raucher spricht trotzdem einiges dafür, hoch dosiertes B12 ohne nachgewiesenen Mangel nicht dauerhaft zu nehmen.

So wurde gemessen
  • Folsäure-Studien: 13 RCTs mit 49.621 Personen, Einzeldaten, im Mittel 5,2 Jahre; Krebs 1.904 gegenüber 1.809 Fällen, relatives Risiko 1,06 (0,99 bis 1,13).11
  • Norwegen: NORVIT und WENBIT, 6.837 Herzpatienten, 0,8 mg Folsäure plus 0,4 mg B12, etwa 3 Jahre Einnahme und 3 Jahre Nachbeobachtung; Krebs HR 1,21, Krebstod HR 1,38, Tod jeder Ursache 16,1 gegenüber 13,8 %.12
  • B-PROOF: 2.524 ältere Menschen, 400 µg Folsäure plus 500 µg B12 für 2 bis 3 Jahre; Krebs 13,6 gegenüber 11,3 %, Darmkrebs 3,4 gegenüber 2,0 %, jeweils mit Langzeit-Nachbeobachtung.13
  • Lungenkrebs: VITAL-Kohorte mit 77.118 Personen; Männer mit über 55 µg täglich aus Einzelpräparaten HR 1,98.15
  • Blutwert und Lungenkrebs: 5.183 Erkrankte und ebenso viele Vergleichspersonen aus 20 Kohorten, je Verdopplung des B12-Werts OR 1,15; genetische Auswertung mit 29.266 Erkrankten OR 1,08 je 150 pmol/L.23

Erhöht B12 die Sterblichkeit oder schadet es Herz und Nieren?

Ob B-Vitamin-Kombinationen mit B12 die Sterblichkeit erhöhen, ist ungeklärt. In den beiden norwegischen Herzstudien starben mit Folsäure und B12 über etwa sechs Jahre 16,1 gegenüber 13,8 Prozent der Teilnehmenden, die Zeit nach Studienende eingerechnet.12 In der maßgeblichen Cochrane-Auswertung von elf Studien mit fast 45.000 Teilnehmenden starben mit B-Vitamin-Kombinationen dagegen nicht mehr Menschen als ohne.3 Welcher Anteil auf B12 und welcher auf Folsäure entfällt, lässt sich nicht trennen. Das gilt nicht für die Behandlung eines Mangels mit B12 allein.

Ungeklärt ist auch, ob hoch dosierte Kombinationen kranken Nieren schaden. In einer kanadischen Studie nahmen 238 Menschen, deren Nieren durch Diabetes geschädigt waren, eine hoch dosierte Kombination aus Folsäure, B6 und B12 oder ein Scheinpräparat. Nach drei Jahren war die Filterleistung ihrer Nieren mit den Vitaminen um 16,5 statt um 10,7 Einheiten gesunken, und dazu traten Herzinfarkte, Schlaganfälle, Eingriffe an den Gefäßen oder Todesfälle häufiger auf, wofür die Studie nur ein relatives Maß angibt.16 Doch eine Bestätigung fehlt. Welcher Bestandteil verantwortlich ist, bleibt ebenfalls offen. Dazu passt eine Auswertung zweier großer Studien zum Schlaganfall. Bei schwachen Nieren schützten die Vitamine mit viel Cyanocobalamin nicht vor einem Schlaganfall, bei gesunden Nieren schon, und die Autoren raten, für Nierenkranke andere B12-Formen zu prüfen.24

Ob die gleiche Kombination nach einem Stent im Herzkranzgefäß Wiederverengungen fördert, ist ebenfalls ungeklärt. In der einzigen Placebo-Studie mit Stents brauchten mit den Vitaminen 15,8 gegenüber 10,6 Prozent der Herzpatienten einen erneuten Eingriff. Das Ergebnis war ein Grenzfall.17 Nach einer Gefäßaufdehnung ohne Stent waren erneute Eingriffe in einer anderen Studie dagegen seltener.18 Wer eine Nierenerkrankung hat oder einen Stent trägt, sollte Kombinationen aus Vitamin B12 und Folsäure deshalb mit der behandelnden Praxis absprechen.

Unsere Einordnung

B12 allein ist nach heutigem Wissen gut verträglich, und für die Behandlung eines Mangels gibt es keinen belegten ernsten Schaden. Die Warnungen betreffen vor allem hoch dosierte Kombinationen mit Folsäure, Beobachtungen an Menschen mit Vorerkrankungen und seltene Einzelfälle. Ohne Mangel bringt viel B12 keinen Vorteil, und Raucher sollten auf hohe Dauerdosen verzichten.

Häufige Fragen

Ist Vitamin B12 mit 500 µg zu viel?

Für Menschen ohne Mangel liegt diese Menge weit über dem Bedarf von etwa 4 µg am Tag, und das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungen höchstens 25 µg pro Tagesdosis vor.2 Nachgewiesene Schäden durch solche Mengen gibt es nicht, Langzeitstudien ohne Mangel fehlen aber. Bei Mangel werden ärztlich oft noch höhere Dosen eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen haben Vitamin-B12-Spritzen?

Meist nur leichte Beschwerden an der Einstichstelle, wie in Studien mit Spritzen in den Muskel beschrieben.14 Selten kommt es zu allergischen Reaktionen bis zum allergischen Schock, häufiger nach Spritzen als nach Tabletten.10

Hat Vitamin B12 Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Wassereinlagerungen?

In Studien und Fallberichten tauchen Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen als Folge von B12 nicht auf, gezielt geprüft hat das allerdings niemand. Solche Veränderungen gehören deshalb ärztlich abgeklärt, statt sie vorschnell dem Vitamin zuzuschreiben.

Kann man zu viel Vitamin B12 nehmen, wenn man Tabletten und Spritzen kombiniert?

Der Körper scheidet überschüssiges B12 zum Teil über die Nieren aus, und schwere Vergiftungen sind nicht beschrieben. Doppelte Behandlungen ohne Absprache erhöhen aber unnötig den Blutwert, was spätere Laborbefunde schwerer lesbar macht.

Weiterlesen

Vitamin B12 Tagesbedarf: Wie viel Vitamin B12 am Tag?Vier Mikrogramm braucht ein Erwachsener am Tag, viele Tabletten enthalten das Zweihundertfünfzigfache. Beides kann richtig sein, je nachdem, ob ein Mangel besteht und woher er kommt.
8 Min. →
Vitamin B12 zu hoch: Was bedeutet der Blutwert?Ein Pfeil nach oben auf dem Laborzettel, ausgerechnet beim Vitamin B12: Das verunsichert viele. Meist steckt eine harmlose Erklärung dahinter, manchmal aber eine Krankheit, die nichts mit dem Vitamin zu tun hat.
8 Min. →
Vitamin B12 und Folsäure: Was bringt die Kombination?B12 und Folsäure arbeiten im Körper eng zusammen und stecken oft in derselben Tablette. In großen Studien sollte das Duo Herzinfarkte und Demenz verhindern. Die Ergebnisse fielen ernüchternd aus.
9 Min. →
Vitamin B12: der ÜberblickAlle Wirkungen mit Evidenz-Stufe, Formen, Dosis, Sicherheit
← Überblick

Alle 24 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1SCF 2000, Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der EUBewertung einer tolerierbaren Höchstmenge für Vitamin B12keine Höchstmenge festlegbar, weil keine Schäden nachgewiesen; bis etwa 100 µg täglich aus Präparaten ohne bekannte unerwünschte WirkungenBehördengutachten
2BfR 2021, Bundesinstitut für RisikobewertungHöchstmengenvorschlag für B12 in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungenhöchstens 25 µg je Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln, abgeleitet mit Sicherheitsfaktor; Veganer gefährdetBehördengutachten
3Martí-Carvajal et al. 2017, Cochrane Database Syst Rev15 RCTs mit 71.422 Personen, B6, Folsäure und B12 allein oder kombiniertTod jeder Ursache 11,7 vs. 12,3 % (RR 1,01); schwere Nebenwirkungen 8,3 vs. 8,5 %, RR 1,07Cochrane-Review
4Strand et al. 2020, PLoS Med600 Säuglinge in Nepal, B12 oder Placebo über 1 JahrKrankenhausaufnahmen 20 vs. 16, nicht mit der Gabe verbundenPlacebo-RCT
5Insin et al. 2026, Asian Pac J Cancer Prev40 Menschen unter Chemotherapie, 500 µg Cyanocobalamin zweimal täglichNebenwirkungen wie unter PlaceboPlacebo-RCT
6Morales-Gutierrez et al. 2020, Clin ToxicolFallbericht, junge Frau mit perniziöser Anämienach insgesamt 12 mg Cyanocobalamin Akne, Herzklopfen, Unruhe, Gesichtsrötung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen; Besserung nach AbsetzenFallbericht
7Veraldi et al. 2018, J Cosmet DermatolFallserie, 5 Frauen von 21 bis 62 JahrenKnötchen und Pusteln nach B12-Spritzen oder -Tabletten, Abheilung 3 bis 6 Wochen nach AbsetzenFallserie
8Kang et al. 2015, Sci Transl Med10 Gesunde ohne Kontrollgruppe und Laborversuche mit HautbakterienB12 veränderte die Genaktivität der Aknebakterien; eine Person bekam eine Woche danach AkneStudie ohne Kontrollgruppe
9El Rhermoul et al. 2024, J Allergy Clin Immunol PractFallserie, 29 abgeklärte Patienten aus britischen Kliniken18 Sofortreaktionen, davon 8 allergische Schocks; 1 Reaktion auf Tabletten, 7 auf Spritzen; 7 vertrugen die andere B12-FormFallserie
10Lis 2025, BiomedicinesÜbersicht über veröffentlichte Fälle von B12-Überempfindlichkeitnach Spritzen wahrscheinlicher als nach Tabletten; Gewöhnungsbehandlung ermöglicht meist WeiterbehandlungÜbersicht von Fallberichten
11Vollset et al. 2013, Lancet13 RCTs mit 49.621 Personen, Folsäure gegen Placebo, viele mit B12, im Mittel 5,2 JahreKrebs 1.904 vs. 1.809 Fälle (RR 1,06); kein Effekt auf Lungen- oder DarmkrebsMeta-Analyse
12Ebbing et al. 2009, JAMA2 RCTs, 6.837 Herzpatienten in Norwegen, 0,8 mg Folsäure plus 0,4 mg B12Krebs HR 1,21, Krebstod HR 1,38, Tod jeder Ursache 16,1 vs. 13,8 %, jeweils mit NachbeobachtungGroß-RCT (Kombination)
13Oliai Araghi et al. 2019, Cancer Epidemiol Biomarkers Prev2.524 ältere Menschen (B-PROOF), 400 µg Folsäure plus 500 µg B12 für 2 bis 3 Jahre, lange NachbeobachtungKrebs 13,6 vs. 11,3 %; Darmkrebs 3,4 vs. 2,0 %Groß-RCT (Kombination)
14Chiu et al. 2011, Singapore Med J60 Erwachsene mit chronischem Kreuzschmerz, 500 µg Methylcobalamin in den Muskel oder Kochsalznur leichte Nebenwirkungen an der EinstichstellePlacebo-RCT
15Brasky et al. 2017, J Clin OncolVITAL-Kohorte, 77.118 Erwachsene in den USAMänner mit über 55 µg B12 täglich aus Einzelpräparaten HR 1,98 für Lungenkrebs; bei Frauen kein ZusammenhangKohortenstudie
16House et al. 2010, JAMA238 Menschen mit diabetischer Nierenerkrankung (DIVINe), 2,5 mg Folsäure, 25 mg B6, 1 mg B12, im Mittel 32 MonateFiltrationsrate −5,8 mL/min stärker gesunken; Gefäßereignisse oder Tod HR 2,0Placebo-RCT (Kombination)
17Lange et al. 2004, N Engl J Med636 Patienten nach Stent im Herzkranzgefäß, Folsäure, B6 und B12, 6 MonateWiederverengung 34,5 vs. 26,5 %, erneuter Eingriff 15,8 vs. 10,6 %, beides an der GrenzePlacebo-RCT (Kombination)
18Schnyder et al. 2002, JAMA553 Patienten nach Aufdehnung eines Herzkranzgefäßes ohne Stent, Folsäure, B12 und B6, 6 Monateerneuter Eingriff 9,9 vs. 16,0 %Placebo-RCT (Kombination)
19Liu et al. 2024, Arch Gerontol Geriatr22 Kohortenstudien mit über 92.000 MenschenB12-Werte über 600 pmol/L mit 50 % mehr Todesfällen verbunden; Herkunft der hohen Werte meist unklarMeta-Analyse von Beobachtungsstudien
20Valdez-Martínez et al. 2025, Nutrients28 Beobachtungsstudien mit 69.610 Erwachsenenleicht erhöhtes Sterberisiko nur bei chronisch Kranken und Klinikpatienten; hohe Werte kein eigenständiges RisikoMeta-Analyse von Beobachtungsstudien
21Meyer et al. 2019, JAMA Netw OpenNurses' Health Study, 75.864 Frauen nach den Wechseljahren, bis zu 30 Jahre, 2.304 HüftbrücheB12 ab 30 µg/Tag RR 1,25 (0,98 bis 1,58); B12 ab 20 µg plus B6 ab 35 mg RR 1,47 (1,15 bis 1,89)Kohortenstudie
22Luo et al. 2024, Osteoporos Int14 RCTs, 34.700 Personen; B12 (meist 500 µg/Tag) mit Folsäure und/oder B6, 2 bis 8 JahreBrüche RR 1,06 (0,95 bis 1,18), nicht signifikantMeta-Analyse
23Fanidi et al. 2019, Int J Cancer5.183 Fall-Kontroll-Paare aus 20 Kohorten plus genetische Analyse (29.266 Erkrankte, 56.450 Vergleichspersonen)je Verdopplung des B12-Werts OR 1,15 (1,06 bis 1,25); genetisch OR 1,08 (1,00 bis 1,16) je 150 pmol/LBeobachtung und genetische Analyse
24Spence et al. 2017, Lancet NeurolÜbersicht mit Einzeldaten-Auswertung zweier großer Studien (VISP, VITATOPS)eingeschränkte Nierenfunktion mit hoch dosiertem Cyanocobalamin: Schlaganfall RR 1,04 (0,84 bis 1,27); normale Nierenfunktion RR 0,78 (0,67 bis 0,90)Übersicht mit Einzeldaten-Analyse

Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Keine Werbung, keine Kauflinks, keine Produktempfehlungen.