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Omega-3 · 24 Quellen ausgewertet

Omega-3 Nebenwirkungen: Gewichtszunahme, Herz und Blutungen

Fischgeschmack nach dem Frühstück, Sorge um das Herz, Fragen zum Blutverdünner: Zu Fischöl gibt es außergewöhnlich viele Sicherheitsdaten. Die meisten Beschwerden sind lästig, zwei Risiken verdienen Aufmerksamkeit.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202624 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Die häufigsten Nebenwirkungen von Omega-3 sind Fischgeschmack, Aufstoßen und etwas häufiger Durchfall. Schwere Nebenwirkungen waren in großen Studien nicht häufiger als mit einem Scheinpräparat. Zwei Risiken hängen an der Menge: Vorhofflimmern tritt bei hohen Mengen wahrscheinlich öfter auf, leichte Blutungen wie Nasenbluten ebenfalls. Gewichtszunahme ist nicht belegt. Die EU-Behörde EFSA hält bis 5 g EPA und DHA am Tag für unbedenklich.

Auf dieser Seite 8 Abschnitte
  1. Welche Nebenwirkungen hat Omega-3?
  2. Ist Gewichtszunahme eine Nebenwirkung von Omega-3?
  3. Zu viel Omega-3: Welche Symptome hat eine Überdosierung?
  4. Hat Omega-3 Nebenwirkungen am Herz?
  5. Erhöht Omega-3 das Blutungsrisiko?
  6. Hat Omega-3 Nebenwirkungen auf die Leber?
  7. Aufstoßen, Durchfall, Juckreiz: Nebenwirkungen von Omega-3-Kapseln
  8. Fördert Omega-3 Prostatakrebs?

Nach dem Frühstück kommt es wieder hoch, und es schmeckt nach Hering. So beginnt für viele die Erfahrung mit Fischölkapseln. Das ist lästig, aber nicht gefährlich. Die ernsteren Risiken spürt man dagegen meist gar nicht, denn es geht um einen unregelmäßigen Herzschlag bei hohen Mengen und um offene Fragen im Zusammenspiel mit Blutverdünnern. Immerhin ist kaum ein Supplement so gründlich geprüft, weil große Herzstudien Zehntausende Menschen über Jahre begleitet haben.

Welche Nebenwirkungen hat Omega-3?

Die meisten Nebenwirkungen sind eher lästig als ernst, allen voran Fischgeschmack, Aufstoßen und etwas mehr Durchfall. Deutlicher zeichnen sich zwei andere Risiken ab, die beide an der Menge hängen und mit mehr Fischöl wahrscheinlich häufiger werden: Vorhofflimmern und eine leichte Neigung zu Blutungen. Für Gesunde sind die Kapseln in üblicher Menge gut verträglich, doch bei Herzstolpern oder Blutverdünnern lohnt sich vorher ein Gespräch in der Praxis.

Ob Fischöl darüber hinaus schwere Nebenwirkungen verursacht, ist streng genommen ungeklärt, ein Warnsignal gibt es aber nicht. Die großen Auswertungen nennen dafür kaum eigene Zahlen, sondern nur ihr Urteil: Die Cochrane-Gruppe, die 86 Studien mit über 160.000 Menschen gebündelt hat, sah im Vergleich mit einem Scheinpräparat (Placebo) wenig oder keinen Effekt,1 und eine zweite Auswertung fand keine ernste Nebenwirkung, die eindeutig auf die Kapseln zurückging.2 In der VITAL-Studie nahmen über 25.000 ältere Menschen in den USA gut fünf Jahre lang jeden Tag ein Gramm Fischöl, und Blutungen oder andere ernste Probleme kamen dabei so selten vor wie ohne.3 Das gilt für übliche Mengen, denn Dosen über fünf Gramm täglich über Jahre und Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankung sind kaum untersucht.

So wurde gemessen
  • Cochrane 2020: 86 RCTs mit 162.796 Teilnehmenden, Laufzeit 12 bis 88 Monate, Mengen von 0,5 bis über 5 g am Tag. Urteil: wenig oder kein Effekt auf schwere unerwünschte Ereignisse.1
  • Chang 2023: 90 RCTs mit EPA und/oder DHA. Leichte Beschwerden häufiger, schwere nicht eindeutig präparatbedingt; eine Vergleichsschätzung für schwere Ereignisse fehlt.2
  • VITAL: 25.871 Teilnehmende ab 50 (Männer) bzw. 55 Jahren (Frauen), 1 g pro Tag, im Mittel 5,3 Jahre.3

Unsere Einordnung

Fischöl ist für Gesunde in üblichen Mengen gut verträglich. Die echten Risiken sind klein, aber messbar, und sie wachsen mit der Dosis. Mehr ist hier ausdrücklich nicht besser.

Ist Gewichtszunahme eine Nebenwirkung von Omega-3?

Dass Fischöl dick macht, dafür fehlt jeder Hinweis, denn in den Studien blieb das Gewicht gleich. Allerdings haben die Forschenden eher das Gegenteil gesucht, weil viele wissen wollten, ob Fischöl beim Abnehmen hilft. Eine Auswertung von 21 Studien mit übergewichtigen Erwachsenen fand weder beim Gewicht noch beim Body-Mass-Index einen Unterschied zum Scheinpräparat.5 Auch eine zweite fand null Kilo Unterschied.6

Natürlich ist Fischöl reines Fett. Doch bei ein bis drei Kapseln am Tag liefert das weniger Kalorien als ein Teelöffel Öl in der Pfanne. Hinzu kommt eine Lücke, denn untersucht wurden vor allem Menschen mit Übergewicht und kaum schlanke. Steigt das Gewicht unter Fischöl trotzdem deutlich, steckt wohl ein anderer Grund dahinter, so wie auch ein Omega-3-Mangel kein Übergewicht erklärt. Hält die Zunahme an, sollte sie ärztlich geklärt werden.

So wurde gemessen
  • Du 2015: 21 placebokontrollierte Studien bei Übergewicht und Adipositas, mit und ohne Diät. Gewicht SMD −0,07 (−0,21 bis 0,07), BMI ebenfalls ohne Unterschied.5
  • Zhang 2017: 11 RCTs mit 617 Teilnehmenden. Gewichtsunterschied 0,00 kg (−0,42 bis 0,43).6

Zu viel Omega-3: Welche Symptome hat eine Überdosierung?

Eine typische Vergiftung kennen die Studien nicht. Zu viel Omega-3 zeigt sich an denselben Problemen wie bei normalen Mengen, nur werden manche davon wahrscheinlicher. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, hält für Erwachsene bis zu 5 g EPA und DHA am Tag für sicher, konnte aber keine feste Obergrenze nennen.4 Für jede Fettsäure allein setzt sie kleinere Mengen an, nämlich 1,8 g für EPA und etwa 1 g für DHA.4 Darunter sah sie keine Probleme mit Blutungen, Blutzucker oder Abwehr.

Mit der Menge wächst vor allem das Risiko für Vorhofflimmern, besonders ab etwa einem Gramm am Tag.7 Beim Blutzucker zeigten sich Nachteile dagegen erst über 4,4 g am Tag.20 Deshalb lohnt es sich, alle Quellen zusammenzuzählen, auch Lebensmittel mit Zusatz. Wer ohne ärztliche Begleitung wissen will, wie viel Omega-3 am Tag sicher ist, liegt mit höchstens 5 g am Tag auf der sicheren Seite, bei Herzstolpern dagegen schon mit einem Gramm.

So wurde gemessen
  • EFSA 2012: Keine tolerierbare Höchstmenge festlegbar. Bis etwa 5 g EPA+DHA kombiniert, 1,8 g EPA allein bzw. rund 1 g DHA allein täglich für Erwachsene ohne Sicherheitsbedenken, gemessen an spontanen Blutungen, Blutzucker, Immunsystem und Fettoxidation.4
  • Blutzucker: 83 RCTs über mindestens 24 Wochen; ungünstige Signale erst oberhalb von 4,4 g pro Tag.20
  • Vorhofflimmern: pro zusätzlichem Gramm HR 1,11 (1,06 bis 1,15).7

Hat Omega-3 Nebenwirkungen am Herz?

Die wichtigste Nebenwirkung betrifft den Herzrhythmus, denn Vorhofflimmern ist bei hohen Mengen ein wahrscheinlicher Schaden. Dabei schlagen die Vorhöfe des Herzens wild durcheinander, und der Puls wird unruhig. In acht großen Herzstudien mit über 83.000 Menschen, die mindestens ein Jahr liefen, bekamen 4,0 Prozent mit Fischöl gegenüber 3,3 Prozent ohne diese Rhythmusstörung.9 Die bislang größte Auswertung mit mehr als hunderttausend Menschen sah das höhere Risiko dagegen nur bei Menschen mit hohem Herzrisiko, die mehr als anderthalb Gramm am Tag nahmen.8 Fast alle Teilnehmenden waren älter als fünfzig, sodass für junge, herzgesunde Menschen bislang Daten fehlen.

Wie stark die Menge zählt, zeigen sieben große Herzstudien mit über 80.000 Menschen, in denen Vorhofflimmern umso öfter auftrat, je mehr die Leute nahmen.7 Die große Auswertung, die das Risiko auf hohe Mengen bei hohem Herzrisiko eingrenzt, wurde allerdings von einem Branchenverband mitfinanziert.8

Daraus folgt ein klarer Rat. Bei bekanntem Vorhofflimmern oder hohem Risiko fürs Herz sollte mehr als ein Gramm nur nach Rücksprache mit der Praxis genommen werden. Auch Herzstolpern oder ein unruhiger Puls unter den Kapseln gehören ärztlich geklärt.

Notfall

Bei Herzrasen mit Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

So wurde gemessen
  • Gencer 2021: 7 RCTs, 81.210 Teilnehmende, im Mittel 4,9 Jahre. Vorhofflimmern HR 1,25 (1,07 bis 1,46); über 1 g/Tag HR 1,49 (1,04 bis 2,15), bis 1 g/Tag HR 1,12 (1,03 bis 1,22). Ohne die Studie mit reinem EPA: HR 1,23 (1,02 bis 1,49).7
  • Jia 2021: 8 RCTs, 83.112 Teilnehmende; 4,0 vs. 3,3 %, über 1 g RR 1,51.9
  • Abuknesha 2026: 35 RCTs, 114.592 Teilnehmende ab 50 Jahren. Signifikant nur bei hohem Risiko und über 1,5 g/Tag (OR 1,43; 1,14 bis 1,79), absolut +0,8 Prozentpunkte. Mitfinanziert von GOED, dem Verband der EPA/DHA-Hersteller.8

Erhöht Omega-3 das Blutungsrisiko?

Leichte Blutungen sind ein wahrscheinlicher Schaden von Fischöl, schwere Blutungen dagegen nicht. Fischöl bremst die Blutplättchen ein wenig, also die kleinen Zellen, die eine Wunde verschließen, und in neunzig Studien kam es deshalb leichter zu Blutungen wie Nasenbluten oder blauen Flecken; wie viele Menschen das betraf, nennt die Auswertung nicht in absoluten Zahlen.2 Die größte Auswertung zu Blutungen mit über 120.000 Menschen fand dagegen keinen Unterschied, auch nicht im Kopf oder im Darm; nur ein hoch dosiertes Medikament aus reinem EPA hob das Risiko, bei etwa 6 von 1.000 Behandelten zusätzlich.10 Menschen mit angeborenen Gerinnungsstörungen und Dosen über vier Gramm täglich über längere Zeit wurden kaum untersucht.

Bei Operationen sieht es ähnlich aus. Herzkranke, die vor einer Operation sehr viel Fischöl bekamen, bluteten nicht stärker. Dabei brauchten sie sogar weniger fremdes Blut.11 Deshalb muss Fischöl vor Operationen nach diesen Studien meist nicht abgesetzt werden, im Vorgespräch sollte es aber erwähnt werden, vor allem bei hohen Mengen.

So wurde gemessen
  • Chang 2023: Blutungsneigung OR 1,26 (1,03 bis 1,54), schließt Studien mit reinem EPA ein.2
  • Javaid 2024: 11 RCTs, 120.643 Teilnehmende. Jede Blutung RR 1,09 (0,91 bis 1,31). Reines, hoch dosiertes EPA: relativ +50 %, absolut +0,6 Prozentpunkte. Förderung durch den Hersteller dieses EPA-Medikaments.10
  • OPERA: 1.516 Herz-OP-Patienten, 8 bis 10 g EPA+DHA in den Tagen davor. Schwere Blutung OR 0,81 (0,53 bis 1,24); 1,61 statt 1,92 Blutkonserven.11

Omega-3 und Blutverdünner: Was ist mit dem INR-Wert?

Ob Fischöl zusammen mit Blutverdünnern Blutungen fördert, ist ungeklärt, denn Studien mit Scheinpräparat fehlen, es gibt aber Fallberichte. Eine ältere Studie mit 511 Herzkranken, die ASS oder den Blutverdünner Warfarin nahmen, fand mit 4 g Fischöl täglich über neun Monate keine zusätzlichen Blutungen, hatte aber keine Vergleichsgruppe mit Scheinpräparat.12 Auch in der großen Auswertung zu Blutungen mit über 120.000 Menschen spielte es keine Rolle, ob jemand zusätzlich ASS oder ähnliche Mittel nahm.10 Mit Blutverdünnern sollte Fischöl deshalb nur nach Rücksprache mit der Praxis genommen werden.

Die Fallberichte betreffen ältere Menschen mit Warfarin. Eine ältere Frau, die Warfarin nahm, verdoppelte ihr Fischöl, woraufhin ihr Gerinnungswert, der INR, deutlich stieg und mit der alten Menge wieder sank.13 Eine andere ältere Person nahm sehr viel Fischöl zusammen mit ASS und Warfarin und bekam nach einem leichten Sturz eine Blutung im Kopf.14 Doch bewiesen ist ein Zusammenhang in keinem der beiden Fälle.

Beruhigender wirkt eine Beobachtung an über 500 Menschen mit Warfarin, deren Einstellung mit Fisch- oder Krillöl nicht schlechter war.15 Neuere Blutverdünner wie Apixaban sind dagegen nicht eigens geprüft. Bei Phenprocoumon oder Warfarin ist es deshalb ratsam, den INR nach dem Start und nach jeder neuen Menge messen zu lassen, damit eine Verschiebung früh auffällt.

Notfall bei Blutverdünnern

Bei schwarzem Stuhl, Erbrechen von Blut, Blut im Urin oder starken Kopfschmerzen nach einem Sturz ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

So wurde gemessen
  • Eritsland 1995: 511 Bypass-Patienten, 4 g Fischölkonzentrat täglich zu ASS oder Warfarin über 9 Monate, Vergleich ohne Placebo.12
  • Fallberichte: 67-Jährige, Fischöl von 1.000 auf 2.000 mg erhöht, INR von 2,8 auf 4,313; ältere Person mit 6 g Omega-3 plus ASS und Warfarin, subdurales Hämatom nach Sturz.14
  • Pryce 2016: rückblickend 573 Warfarin-Patienten, davon 145 mit Fisch- oder Krillöl; Zeit im Zielbereich und Blutungen unverändert.15

Hat Omega-3 Nebenwirkungen auf die Leber?

Ein Schaden an der Leber ist nicht belegt. Bei Menschen mit Fettleber blieben die Leberwerte im Blut mit Fischöl gleich.17 Bei Präparaten vom Arzt lag ein Leberwert, die ALT, ganz leicht höher als ohne. Das ist ein reiner Laborbefund, ernste Folgen gab es dabei nicht.16

Ob Fischöl umgekehrt eine Fettleber bessert, ist offen. Menschen mit schwer kranker Leber sind kaum geprüft. Bei einer kranken Leber empfiehlt es sich deshalb, die Kapseln mit der Praxis abzusprechen.

Senkt Omega-3 den Blutdruck zu stark?

Gefährlich stark sinkt er nicht, wohl aber wahrscheinlich ein wenig. Im Mittel fällt der obere Wert um ein bis zwei Punkte, bei unbehandeltem Bluthochdruck um gut vier.18 Das kann die Wirkung von Blutdrucksenkern etwas verstärken. Wer solche Mittel nimmt und beim Aufstehen schwindelig wird, sollte das in der Praxis ansprechen.

Steigen LDL-Cholesterin und Blutzucker?

Ob Fischöl das LDL erhöht, ist ungeklärt, denn die Auswertungen widersprechen sich. Die maßgebliche fand keinen sicheren Anstieg.2 Andere zeigen dagegen, dass DHA das LDL leicht anhebt, EPA allein aber nicht.19 Die EFSA beziffert den Anstieg auf rund drei Prozent und hält ihn für das Herz wahrscheinlich folgenlos.4 Zugleich sinken die Triglyceride, eine andere Sorte Blutfette, deutlich.

Auch den Blutzucker verschlechtert Fischöl in üblichen Mengen nicht.20 Bei Typ-2-Diabetes sinkt der Langzeitwert HbA1c wahrscheinlich sogar leicht.21 Wer wegen hoher LDL-Werte behandelt wird, sollte die Kapseln deshalb beim nächsten Bluttest erwähnen.

So wurde gemessen
  • Leber: 20 RCTs, 1.615 Erwachsene mit Fettleber; ALT, AST und MRT-Leberfett unverändert.17 Verschreibungspflichtige Präparate: ALT leicht höher (p = 0,022).16
  • Blutdruck: 70 RCTs; −1,5/−1,0 mmHg insgesamt, −4,5/−3,1 mmHg bei unbehandeltem Bluthochdruck.18
  • LDL: Chang 2023, 34 Studien, kein signifikanter Anstieg.2 Reines DHA +7,2 mg/dL gegenüber Placebo, EPA ohne Anstieg.19 EFSA: etwa +3 % bei 2 bis 6 g EPA+DHA.4
  • Blutzucker: 83 RCTs, neuer Diabetes RR 1,00, HbA1c −0,02 %20; 46 RCTs bei Typ-2-Diabetes, HbA1c −0,19 Prozentpunkte.21

Aufstoßen, Durchfall, Juckreiz: Nebenwirkungen von Omega-3-Kapseln

Dass Fischöl solche Beschwerden macht, ist belegt, doch sie sind harmlos. Fischgeschmack im Mund kam in einer großen Auswertung gut dreimal so oft vor wie mit Scheinpräparat, und auch Durchfall trat etwas öfter auf als ohne die Kapseln.2 Bei Präparaten vom Arzt traten außerdem Aufstoßen, Übelkeit und Juckreiz häufiger auf.16 Nach dem Absetzen verschwinden die Beschwerden wieder.

Einen Versuch wert ist es, die Kapseln zu einer Mahlzeit zu nehmen und die Menge über den Tag zu verteilen. Allerdings ist dieser Rat nicht eigens geprüft, und auch beim Zeitpunkt, um Omega-3 richtig einzunehmen, zählt vor allem die Mahlzeit. Riecht oder schmeckt das Öl ranzig, sollte es nicht mehr verwendet werden, denn Fischöl, Algenöl und andere Formen unterscheiden sich auch darin, wie leicht sie verderben. Halten die Beschwerden an, empfiehlt es sich, die Menge zu senken.

So wurde gemessen
  • Chang 2023: Fischgeschmack OR 3,48, Durchfall OR 1,26 (43 Studien); Übelkeit und Aufstoßen insgesamt nicht sicher häufiger.2
  • Chang 2018: 21 RCTs, 24.460 Teilnehmende mit verschreibungspflichtigen Präparaten. Mehr Fischgeschmack und Hautveränderungen; bei EPA+DHA-Kombination mehr Aufstoßen und Übelkeit.16

Fördert Omega-3 Prostatakrebs?

In Studien, in denen Männer tatsächlich Fischöl einnahmen, zeigte sich kein sicherer Anstieg. Aufgekommen war der Verdacht 2013, als in einer großen US-Studie Männer mit den höchsten Fettsäurewerten im Blut häufiger Prostatakrebs hatten.22 Doch gemessen wurde damals nur das Blut und nicht, wer Kapseln nahm.

Mehr Gewicht haben Studien, in denen Männer per Los Fischöl oder ein Scheinpräparat bekamen. Zusammen ergaben sie im Mittel ein Zehntel mehr Fälle. Das kann aber gut Zufall sein.23

Nach dieser maßgeblichen Auswertung spricht die Studienlage eher dagegen, dass Fischöl Prostatakrebs fördert. Ganz ausgeschlossen ist ein Schaden aber nicht, zumal die Studien nur einige Jahre liefen. Bei Prostatakrebs oder hohem Risiko lohnt es sich deshalb, hohe Mengen mit der Praxis zu besprechen.

So wurde gemessen
  • Hanson 2020: 47 RCTs über mindestens 12 Monate, 108.194 Teilnehmende; zum Prostatakrebs 7 Studien mit 38.525 Männern und 1.021 Diagnosen. RR 1,10 (0,97 bis 1,24), mittlere Menge 1,2 g/Tag.23
  • Brasky 2013: Fall-Kohorten-Auswertung aus SELECT. Höchste Blutwerte: Prostatakrebs HR 1,43, hochgradiger Prostatakrebs HR 1,71. Präparate nicht erfasst.22

Unser Fazit

Fischöl ist für Gesunde in üblichen Mengen gut verträglich. Die typischen Beschwerden betreffen den Magen. Vorsicht ist bei hohen Mengen und Herzstolpern geboten, ebenso mit Blutverdünnern. Mehr Gewicht und Schäden an der Leber sind nicht belegt. Und für die Wirkung von Omega-3 zählt nicht die größte Dosis.

Häufige Fragen

Hat Omega-3 aus Algenöl andere Nebenwirkungen?

Eigene Studien zu den Nebenwirkungen von Algenöl gibt es nicht. Es liefert dieselben Fettsäuren EPA und DHA wie Fischöl, deshalb ist mit ähnlichen Effekten zu rechnen. Schadstoffe aus dem Meer wie Quecksilber spielen bei Algenöl dagegen keine Rolle.

Macht Omega-3 müde?

Dazu gibt es keine Studien. Hält Müdigkeit an, sollte sie unabhängig von den Kapseln ärztlich abgeklärt werden.

Kann Omega-3 Juckreiz oder Hautausschlag auslösen?

Das kommt vor. Unter verschreibungspflichtigen Präparaten wurden Hautveränderungen häufiger gemeldet als mit Scheinpräparat.16 Bei Schwellungen im Gesicht oder Atemnot ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.

Muss man Omega-3 vor einer Operation absetzen?

Nach den Studien meist nicht: Selbst Herzpatienten mit sehr viel Fischöl vor der Operation bluteten nicht stärker.11 Die Einnahme sollte trotzdem im Vorgespräch erwähnt werden, besonders bei hohen Mengen oder Blutverdünnern.

Wie lange darf man Omega-3 nehmen?

Eine Höchstdauer ist nicht bekannt. In der VITAL-Studie nahmen Zehntausende gut fünf Jahre lang täglich ein Gramm, ohne dass sich ernste Nebenwirkungen häuften.3 Für deutlich längere Zeiträume fehlen Daten.

Hat Omega-3 in der Schwangerschaft Nebenwirkungen?

In einer großen Studie mit Schwangeren kamen leichte Magen-Darm-Beschwerden mit Fischöl häufiger vor, schwere Nebenwirkungen nicht.24 Lebertran ist wegen seines Vitamin-A-Gehalts in der Schwangerschaft keine gute Wahl. Was Fischöl dem Kind nützt, ist eine eigene Frage zu Omega-3 in der Schwangerschaft.

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Alle 24 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Abdelhamid et al. 2020, Cochrane Database Syst Rev86 RCTs, 162.796 Personen, 12 bis 88 Monatewenig oder kein Effekt auf schwere NebenwirkungenCochrane-Review
2Chang et al. 2023, Adv Nutr90 RCTs mit EPA- und/oder DHA-PräparatenDurchfall OR 1,26, Fischgeschmack OR 3,48, Blutungsneigung OR 1,26; keine eindeutig zurechenbaren schweren NebenwirkungenMeta-Analyse
3Manson et al. 2019, N Engl J Med1 RCT (VITAL), 25.871 Personen ab 50 bzw. 55 Jahren, 1 g/Tag, 5,3 Jahrekeine Häufung von Blutungen oder anderen schweren NebenwirkungenGroß-RCT
4EFSA 2012, EFSA JournalBewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheitkeine Höchstmenge festlegbar; bis etwa 5 g EPA+DHA, EPA allein 1,8 g, DHA allein etwa 1 g ohne Bedenken; LDL +3 % bei hohen MengenBehördengutachten
5Du et al. 2015, PLoS One21 Placebo-RCTs, Erwachsene mit ÜbergewichtKörpergewicht und BMI unverändertMeta-Analyse
6Zhang et al. 2017, J Nutr Health Aging11 RCTs, 617 Personen mit ÜbergewichtGewicht ±0,00 kgMeta-Analyse
7Gencer et al. 2021, Circulation7 RCTs, 81.210 Personen, im Mittel 4,9 JahreVorhofflimmern HR 1,25; über 1 g/Tag HR 1,49; je 1 g mehr HR 1,11Meta-Analyse (maßgeblich)
8Abuknesha et al. 2026, Circ Arrhythm Electrophysiol35 RCTs, 114.592 Personen ab 50 Jahrenerhöhtes Risiko nur bei hohem Herzrisiko und über 1,5 g/Tag (OR 1,43); vom Branchenverband GOED mitfinanziertMeta-Analyse (größte)
9Jia et al. 2021, Cardiovasc Drugs Ther8 RCTs, 83.112 PersonenVorhofflimmern 4,0 vs. 3,3 %; über 1 g RR 1,51Meta-Analyse
10Javaid et al. 2024, J Am Heart Assoc11 RCTs, 120.643 PersonenBlutungen RR 1,09, nicht signifikant; nur hoch dosiertes reines EPA erhöhte das Risiko; unabhängig von PlättchenhemmernMeta-Analyse
11Akintoye et al. 2018, Circ Cardiovasc Qual Outcomes1 RCT (OPERA), 1.516 Herz-OP-Patienten, 8 bis 10 g vorabschwere Blutungen nicht häufiger, weniger BluttransfusionenGroß-RCT (Operation)
12Eritsland et al. 1995, Blood Coagul Fibrinolysis1 RCT, 511 Bypass-Patienten mit ASS oder Warfarin, 4 g/Tag, 9 Monate, ohne Placebokeine zusätzlichen BlutungenRCT
13Buckley et al. 2004, Ann Pharmacother1 Frau, 67 Jahre, WarfarinINR 2,8 auf 4,3 nach Verdopplung der Fischöldosis; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
14McClaskey & Michalets 2007, Pharmacotherapy1 ältere Person, 6 g Omega-3 mit ASS und WarfarinHirnblutung (subdurales Hämatom) nach leichtem Sturz; Zusammenhang nicht bewiesenFallbericht
15Pryce et al. 2016, Nutrients573 Warfarin-Patienten, 145 davon mit Fisch- oder KrillölEinstellung und Blutungen unverändertBeobachtungsstudie
16Chang et al. 2018, Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids21 RCTs, 24.460 Personen, verschreibungspflichtige Präparatemehr Fischgeschmack, Hautveränderungen, Aufstoßen und Übelkeit; ALT leicht höher; keine eindeutigen schweren NebenwirkungenMeta-Analyse
17Kim et al. 2025, Clin Nutr20 RCTs, 1.615 Erwachsene mit FettleberALT, AST und Leberfett im MRT unverändertMeta-Analyse
18Miller et al. 2014, Am J Hypertens70 RCTsoberer Wert −1,5 mmHg, bei unbehandeltem Bluthochdruck −4,5 mmHgMeta-Analyse
19Wei & Jacobson 2011, Curr Atheroscler RepPlacebo-RCTs mit EPA (10) und DHA (17)DHA LDL +7,2 mg/dL; EPA ohne LDL-AnstiegMeta-Analyse
20Brown et al. 2019, BMJ83 RCTs über mindestens 24 Wochenneuer Diabetes und HbA1c unverändert; Hinweise auf Nachteile erst über 4,4 g/TagMeta-Analyse
21Xiao et al. 2022, Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids46 RCTs, 4.991 Personen mit Typ-2-DiabetesHbA1c −0,19 ProzentpunkteMeta-Analyse
22Brasky et al. 2013, J Natl Cancer InstFall-Kohorten-Auswertung der SELECT-Studie, Männerhöchste Omega-3-Blutwerte mit mehr Prostatakrebs verbunden (HR 1,43); Einnahme von Präparaten nicht erfasstBeobachtungsstudie
23Hanson et al. 2020, Br J Cancer47 RCTs, 108.194 Personen; Prostatakrebs in 7 StudienProstatakrebs RR 1,10 (0,97 bis 1,24), nicht gesichertMeta-Analyse (maßgeblich)
24Makrides et al. 2019, N Engl J Med1 RCT (ORIP), 5.486 Schwangerschaften, 900 mg/Tagleichte Magen-Darm-Beschwerden häufiger, schwere Nebenwirkungen nichtGroß-RCT

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