Die kurze Antwort
Fischöl und Algenöl liefern beide die langkettigen Fettsäuren EPA und DHA und kommen im Körper gleich gut an. Algenöl ist die vegane Wahl. Krillöl wirkt nach Vergleichsstudien nicht besser, enthält aber weniger pro Kapsel. Leinöl liefert nur die Vorstufe ALA, aus der der Körper kaum DHA macht. Entscheidend sind die Menge EPA und DHA, frisches Öl und geprüfte Reinheit.
Auf dieser Seite 7 Abschnitte
- Was bringen Omega-3-Fettsäuren in Kapseln?
- Fischöl oder Algenöl: Was ist besser?
- EPA und DHA: Was ist der Unterschied?
- Krillöl und Leinöl: Eine Alternative zu Fischöl?
- Omega-3 als Kapseln, Öl oder Tropfen?
- Wie rein ist Fischöl? Schadstoffe, Oxidation und Lebertran
- Welches Omega-3 ist das beste, welche Kapseln sind die besten?
Auf der Packung prangt die große Zahl, 1.000 Milligramm Fischöl, und erst darunter steht kleiner gedruckt, wie viel davon wirklich zählt. Denn das meiste in einer Kapsel ist gewöhnliches Fett, das der Körper wie jedes andere Fett verbrennt. Gemeint sind in fast allen Studien zwei bestimmte Stoffe. Es sind EPA und DHA. Ob sie aus Fisch, Alge oder Krill stammen, ist dabei weniger wichtig, als die Werbung im Regal nahelegt. Weit mehr entscheiden die Menge, die Frische und die Reinheit des Öls darüber, was am Ende im Körper ankommt.
Was bringen Omega-3-Fettsäuren in Kapseln?
Eine Kapsel bringt genau das, was an EPA und DHA in ihr steckt, und nicht die Menge Öl, die vorne auf der Packung steht. Nur sie zählen. Diese beiden langkettigen Fettsäuren hat die Forschung fast immer untersucht, wenn es um Herz, Blutfette oder Psyche ging. Ob das Produkt als Fischöl-Kapsel, Omega-3-Tablette oder Weichkapsel verkauft wird, ändert daran nichts.
Als Maßstab dient die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, die für Erwachsene 250 Milligramm EPA und DHA am Tag für angemessen hält.1 Wie viel davon in einer einzelnen Kapsel steckt, verrät die Nährwertangabe auf der Rückseite. Darauf ist nicht immer Verlass. Als Forschende in Neuseeland Fischöle aus dem Handel nachmaßen, enthielten die meisten deutlich weniger EPA und DHA, als auf dem Etikett stand.2 Eine ähnliche Prüfung in Australien kam dagegen zu einem beruhigenden Ergebnis, denn dort hielten alle Produkte ihre Angaben ein.3
Daraus folgt eine einfache Regel für den Einkauf: Verglichen werden sollten die Milligramm EPA und DHA, nicht die Menge Öl. Was diese Fettsäuren dann für Herz, Blutfette oder Stimmung bewirken, fasst der Überblick zur Omega-3-Wirkung zusammen, und welche Mengen in Studien üblich sind, steht bei der Omega-3-Dosierung pro Tag.
So wurde gemessen
- EFSA 2010: angemessene Zufuhr von 250 mg EPA+DHA täglich für Erwachsene; in Schwangerschaft und Stillzeit zusätzlich 100 bis 200 mg DHA.1
- Neuseeland: 32 Fischölpräparate; nur 3 erreichten ihren angegebenen Gehalt, 69 % enthielten weniger als zwei Drittel davon.2
- Australien/Neuseeland 2016: 10 Präparate in akkreditierten Laboren geprüft, alle innerhalb der Gehaltsangaben.3
Fischöl oder Algenöl: Was ist besser?
Beide Öle liefern EPA und DHA in gleicher Qualität, und der Unterschied liegt vor allem in Herkunft und Belastung. Algenöl stammt direkt aus Mikroalgen, die in Tanks gezüchtet werden. Fischöl dagegen kommt aus dem Körper fetter Fische, die ihr Omega-3 ursprünglich selbst aus Algen aufgenommen haben.
Ob das Algenöl im Körper genauso gut ankommt, hat eine Studie in den USA direkt geprüft. Dafür bekamen gesunde Erwachsene zwei Wochen lang dieselbe Menge DHA, die einen aus Algenöl-Kapseln, die anderen aus abgewogenen Portionen gegartem Lachs. Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Der DHA-Wert im Blut war in beiden Gruppen gleich stark gestiegen.4 Die Studie war klein und offen, alle wussten also, was sie bekamen. Für die schlichte Frage, ob Algen-DHA im Blut ankommt, reicht das aber aus.
Ein Unterschied bleibt. Schadstoffe wie Quecksilber oder Dioxine reichern sich über die Nahrungskette in Fischen an, in gezüchteten Algen dagegen nicht. Allerdings enthielt das Algenöl der Studie nur DHA, und ob ein bestimmtes Algenöl auch EPA liefert, zeigt erst ein Blick auf die Nährwertangabe. Damit ist Algenöl eine gleichwertige Alternative und nicht bloß ein Notbehelf für Menschen, die keinen Fisch essen.
So wurde gemessen
- Algenöl gegen Lachs: 32 Gesunde zwischen 20 und 65 Jahren, je 600 mg DHA täglich über 2 Wochen, offene randomisierte Studie. DHA in den Blutfetten (Phospholipide) in beiden Gruppen etwa +80 %, in den roten Blutkörperchen etwa +25 %; statistisch gleichwertig.4
Vegane Omega-3-Kapseln: Wie gut ist Algenöl?
Bei veganer Ernährung hebt Algenöl die niedrigen Werte zuverlässig an. Der Grund ist schlicht. Ohne Fisch fehlen EPA und DHA in der Nahrung fast ganz. In einer großen britischen Studie hatten vegan lebende Männer deutlich weniger davon im Blut als Fleischesser. Überraschend war dabei, dass der Wert auch nach vielen Jahren veganer Ernährung nicht weiter sank, offenbar bildet der Körper eine kleine Menge selbst und hält sie stabil.5
Wie niedrig solche Werte ausfallen können, zeigt eine Studie in den USA. Dort maßen Forschende bei veganen Erwachsenen den Anteil von EPA und DHA in den roten Blutkörperchen, den sogenannten Omega-3-Index, und er lag im Mittel unter vier Prozent. Wer besonders niedrige Werte hatte, nahm anschließend vier Monate lang eine kleine Menge Algenöl, und danach stieg der Index deutlich.6 Eine Vergleichsgruppe fehlte allerdings. Trotzdem passt das Ergebnis zu einer Übersicht aus 45 Studien: Vegetarier essen mehr pflanzliches ALA, haben aber weniger EPA und DHA im Blut, und Öl aus Mikroalgen verbessert den DHA-Wert.7
Wer keinen Fisch isst, findet in einer veganen Kapsel aus Algenöl deshalb den nächstliegenden Weg zu EPA und DHA. Das gilt auch in der Schwangerschaft und in der Stillzeit, wenn der Bedarf an DHA steigt.
So wurde gemessen
- EPIC-Oxford: 196 Fleischesser, 231 Vegetarier und 232 Veganer, alle Männer. EPA und DHA im Plasma bei Vegetariern und Veganern niedriger, ohne Zusammenhang mit der Dauer der Ernährungsweise (unter 1 bis über 20 Jahre).5
- Vegane Kohorte USA: 165 Personen, Omega-3-Index im Mittel 3,7 %. 46 Personen mit Index unter 4 % nahmen 254 mg EPA+DHA aus Algen täglich über 4 Monate: Anstieg von 3,1 auf 4,8 %, ohne Kontrollgruppe.6
- Systematische Übersicht: 45 Studien zu vegetarischer Ernährung und Fettsäurestatus.7
EPA und DHA: Was ist der Unterschied?
Die beiden Fettsäuren gehören zusammen, lassen sich aber nicht beliebig gegeneinander tauschen. DHA ist ein Baustein von Gehirn und Netzhaut, und dort lässt es sich kaum durch etwas anderes ersetzen. Weder pflanzliches ALA noch EPA heben den DHA-Wert im Blut nennenswert, das gelingt zuverlässig nur mit fertigem DHA.8
Anders liegt der Fall bei der Stimmung, mit der manche Kapseln mit viel EPA werben. Tatsächlich zeigte sich ein kleiner Vorteil, als Forschende viele Studien zur Depression gemeinsam auswerteten, und zwar vor allem bei Präparaten mit mehr EPA als DHA.910 Kapseln mit mehr DHA wirkten dagegen nicht besser als ein Scheinpräparat (Placebo).1011 Doch der Befund hat einen Haken. Die Vergleiche wurden erst im Nachhinein gezogen, keine einzige Studie war darauf angelegt, EPA gegen DHA zu testen, und die Ergebnisse gehen weit auseinander, weshalb die Frage nach unseren Regeln für beide unklar bleibt.
Für den Alltag heißt das, dass in der Regel eine Mischung aus EPA und DHA die richtige Wahl ist. Bei einer Depression gehört die Behandlung ohnehin in ärztliche Hände, und ein Präparat kann sie nicht ersetzen.
So wurde gemessen
- EPA-reich: 10 RCTs mit 1.426 Erwachsenen; Präparate mit mindestens 60 % EPA SMD −0,36 (−0,68 bis −0,05), Heterogenität I² 86 %, Hinweis auf Publikationsbias.9 Ältere Auswertung: über 50 % EPA SMD −0,45, kleinerer Effekt in größeren und besseren Studien.10
- DHA-reich: reines DHA SMD 0,00, über 50 % DHA SMD 0,14, beide nicht signifikant10; DHA-Präparate auch in einer zweiten Auswertung ohne Nutzen.11
- Stufe: depression_epa und depression_dha jeweils „unklar“ (einzelne oder widersprüchliche Studien).
Reines EPA als Arzneimittel
Reines EPA gibt es auch als Medikament auf Rezept, nicht als Nahrungsergänzung, und um dieses Mittel dreht sich eine der bekanntesten Studien der Omega-3-Forschung. In REDUCE-IT bekamen Menschen mit Herzleiden oder Diabetes, die alle schon ein Mittel gegen hohes Cholesterin nahmen, eine hohe Tagesmenge davon. Mit EPA gab es weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle am Herzen als mit dem Vergleichsöl.12 Das klingt eindeutig. Doch genau dieses Vergleichsöl wirft Fragen auf. Denn es war Mineralöl, und in dieser Gruppe stiegen Cholesterin und Entzündungswerte an.13 Ein Teil des Vorsprungs könnte also daher kommen, dass es der Vergleichsgruppe schlechter ging.
Dazu passt eine zweite große Studie namens STRENGTH, in der eine Mischung aus EPA und DHA in ähnlich hoher Menge gegen Maisöl antrat und nichts brachte.14 Für reines EPA gibt es damit erste Hinweise, aber zu wenige Studien, denn eine zweite große Studie mit einem neutralen Scheinpräparat fehlt. Der Nutzen bleibt deshalb unklar. Ohnehin gilt das Ergebnis nur für dieses eine Medikament, das ärztlich verordnet wird, und lässt sich nicht auf Fischölkapseln aus dem Handel übertragen.
So wurde gemessen
- REDUCE-IT: 8.179 Patienten mit Statin und Triglyceriden von 135 bis 499 mg/dl; 4 g Icosapent-Ethyl täglich über 4,9 Jahre gegen Mineralöl. Kombinierter Endpunkt HR 0,75 (0,68 bis 0,83); Krankenhausaufnahmen wegen Vorhofflimmern 3,1 vs. 2,1 %.12
- Placebo-Frage: unter Mineralöl stiegen CRP um 21,9 % und LDL um 10,9 %, unter EPA kaum.13
- STRENGTH: 13.078 Hochrisiko-Patienten, 4 g EPA+DHA als Carbonsäure gegen Maisöl; HR 0,99 (0,90 bis 1,09), vorzeitig abgebrochen.14
Krillöl und Leinöl: Eine Alternative zu Fischöl?
Krillöl ist kein besseres Fischöl, und Leinöl ist kein Ersatz dafür. Krill sind kleine Krebstiere aus dem Südpolarmeer, deren Öl EPA und DHA zum Teil an sogenannte Phospholipide bindet, und damit wird gern eine bessere Aufnahme beworben. In einer norwegischen Studie stiegen die Blutwerte mit Krillöl tatsächlich so stark wie mit Fischöl, obwohl die Krillgruppe weniger EPA und DHA bekam.15 Dafür brauchte sie doppelt so viele Kapseln. Bekamen alle Gruppen genau dieselbe Menge, unterschieden sich Krillöl und Fischöl im Blut nicht sicher,16 und auch auf die Blutfette wirken beide nach einer großen Auswertung gleich.17
Anders liegt es beim Leinöl. Es enthält zwar reichlich Omega-3, aber in Form der kurzen Vorstufe ALA, aus der der Körper nur wenig EPA und fast kein DHA baut. Das ist gut gemessen. Bei jungen Männern war in einer Studie gar kein neu gebildetes DHA nachweisbar.18 Junge Frauen schafften etwas mehr, doch auch bei ihnen wurde nur ein kleiner Teil zu DHA.19
Krillöl lässt sich also durchaus verwenden, wenn beim Vergleich nach Milligramm EPA und DHA gerechnet wird. Leinöl wiederum ist ein gutes Speiseöl, wie der Vergleich der Omega-3-Lebensmittel zeigt, taugt aber nicht als Quelle für EPA und DHA.
So wurde gemessen
- Krill gegen Fisch (Norwegen): 113 Personen, 7 Wochen; 6 Kapseln Krillöl mit 543 mg EPA+DHA oder 3 Kapseln Fischöl mit 864 mg oder nichts. Anstieg von EPA, DHA und DPA im Plasma zwischen den Ölgruppen nicht verschieden.15
- Gleiche Dosis: 66 Gesunde, 1,3 g EPA+DHA täglich als Fischöl-Ethylester, Fischöl-Triglycerid oder Krillöl, 4 Wochen, doppelblind; Plasmawerte nicht signifikant verschieden (p = 0,052), Omega-3-Index gleich. Die Autoren arbeiteten überwiegend für einen Omega-3-Hersteller.16
- Blutfette: Netzwerk-Meta-Analyse aus 64 RCTs, kein Unterschied zwischen Krill- und Fischöl bei Triglyceriden, LDL, HDL und Gesamtcholesterin.17
- ALA-Umwandlung: markiertes ALA, 21 Tage verfolgt. Männer: EPA und DPA gebildet, kein markiertes DHA.18 Frauen: geschätzt 21 % zu EPA, 9 % zu DHA.19
Omega-3 als Kapseln, Öl oder Tropfen?
Ob Kapsel, Öl oder Tropfen, die Form der Einnahme ist Nebensache, solange die Menge stimmt und das Öl frisch ist. Kapseln schmecken nach nichts. Das ist ihr Vorteil. Flüssiges Öl und Tropfen erlauben dafür größere Mengen ohne viele Kapseln, verderben nach dem Öffnen aber schneller und gehören deshalb in den Kühlschrank.
Wichtiger ist, in welcher chemischen Form die Fettsäuren im Öl stecken. Viele stark konzentrierte Kapseln enthalten sie als Ethylester, eine Form, die erst im Labor entsteht. In einer dänischen Studie kam davon weniger im Blut an als aus natürlichem Fischöl, während Öle, die wieder zu Triglyceriden umgebaut worden waren, sogar besser abschnitten.20 Auch nach einem halben Jahr lag der Omega-3-Index mit Triglyceriden höher als mit Ethylestern.21 Eine neuere Übersicht dämpft diese Unterschiede allerdings, denn was nach einer einzelnen Einnahme schneller ankommt, macht bei langer Einnahme oft kaum noch etwas aus.22
Zwischen Kapsel, Öl und Tropfen darf also der eigene Geschmack entscheiden. Für die richtige Omega-3-Einnahme zählt eher, dass sie regelmäßig und zu einer Mahlzeit erfolgt.
So wurde gemessen
- Fünf Zubereitungen: 72 Freiwillige, etwa 3,3 g EPA+DHA täglich über 2 Wochen. Gegenüber natürlichem Fischöl: rückveresterte Triglyceride 124 %, Ethylester 73 %, freie Fettsäuren 91 %.20
- Langzeit: 150 Freiwillige, 1,01 g EPA plus 0,67 g DHA täglich über 6 Monate; Omega-3-Index +197 % mit Triglyceriden, +171 % mit Ethylestern.21
- Übersicht: Rangfolge bei Einzelgaben freie Fettsäuren > Phospholipide > rückveresterte Triglyceride > Triglyceride > Ethylester; in Langzeitstudien oft ohne Folgen.22
Wie rein ist Fischöl? Schadstoffe, Oxidation und Lebertran
Ob Schadstoffe in Fischölkapseln der Gesundheit schaden, ist ungeklärt, denn keine Studie mit Vergleichsgruppe hat das je geprüft, und es gibt nur Messungen an Produkten. In älteren britischen Proben hätten 12 von 33 Fischölen den später eingeführten EU-Höchstwert für Dioxine überschritten.25 Neuere Tests fanden Schadstoffe dagegen meist weit unter den Grenzwerten: In polnischen Präparaten lag Quecksilber durchweg unter dem Grenzwert,23 und in japanischen Fischölen blieb die Aufnahme von PCB weit unter dem Richtwert der Weltgesundheitsorganisation.24 Zudem hat die EFSA ihre Grenze für Dioxine inzwischen deutlich gesenkt, und viele Menschen in Europa liegen schon mit der normalen Ernährung darüber.26
Ob ranziges Öl der Gesundheit schadet, ist ebenfalls ungeklärt, obwohl es das verbreitetere Problem ist, denn das Öl wird an Luft, Licht und Wärme leicht ranzig. In mehreren Tests lagen viele Kapseln über den Grenzwerten für Oxidation,2 in einer Prüfung von gut siebzig Präparaten aus den USA von den Kapseln mit Aroma 68 Prozent gegenüber 13 Prozent ohne Aroma, weil das Aroma den Geruch überdeckt.27 In der einzigen Studie mit Vergleichsgruppe nahmen dagegen gut fünfzig Gesunde sieben Wochen lang ranziges oder frisches Fischöl, und ihre Blutwerte für Stress und Entzündung unterschieden sich nicht.28 Länger hat das niemand geprüft, und die EFSA hält Fischöl nur dann für sicher, wenn das Öl frisch bleibt.29
Lebertran ist ein Sonderfall, und ob er in üblicher Menge schadet, ist ungeklärt, weil es Studien mit Vergleichsgruppe nicht gibt. Er wird aus der Leber des Fisches gewonnen und enthält viel Vitamin A, das in normalem Fischöl kaum vorkommt; schon ein Esslöffel liefert so viel davon, wie die EFSA einem Erwachsenen pro Tag höchstens zugesteht.3031 Zu viel Vitamin A kann der Leber schaden und in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind. Ein Giftnotruf in Frankreich beschreibt drei Vergiftungen nach dem Essen von Fischleber, wobei eine Frau ihr Kind verlor.32 Hinzu kommt das Vitamin D, das ebenfalls reichlich im Lebertran steckt, sodass mit weiteren Mitteln eine Vitamin-D-Überdosierung wahrscheinlicher wird.
Ratsam sind deshalb geprüfte Öle ohne Aroma, kühl und dunkel gelagert. Riecht ein Öl scharf oder schmeckt es bitter, gehört es in den Müll, auch wenn das Haltbarkeitsdatum noch lange nicht erreicht ist und die Flasche fast voll ist. Für Omega-3 in der Schwangerschaft empfiehlt sich statt Lebertran ein Fisch- oder Algenöl ohne Vitamin A. Aufstoßen und Fischgeschmack dagegen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen von Omega-3 und sind meist harmlos.
So wurde gemessen
- Quecksilber: 36 Präparate vom polnischen Markt, 0,023 bis 0,427 µg/kg, keines über dem Grenzwert von 0,10 mg/kg.23
- PCB: 37 japanische Fischöle, geschätzte Aufnahme 0,00078 bis 1,0 ng/kg Körpergewicht täglich gegenüber dem WHO-Wert von 20 ng/kg.24
- Dioxine: 33 britische Präparate aus 2000 bis 2002, 12 über dem später eingeführten EU-Höchstgehalt von 2 ng/kg.25 EFSA 2018: tolerierbare wöchentliche Aufnahme 2 pg TEQ/kg Körpergewicht.26
- Oxidation: Neuseeland 83 % über dem Peroxidwert, 50 % über dem TOTOX-Wert2; USA, 72 Präparate: TOTOX-Grenze bei 68 % der aromatisierten und 13 % der nicht aromatisierten Produkte überschritten.27
- Einzige RCT: 54 Gesunde, 8 g frisches oder oxidiertes Fischöl (je 1,6 g EPA+DHA) oder Sonnenblumenöl täglich über 7 Wochen; keine Unterschiede bei 8-iso-PGF2α, CRP und antioxidativen Enzymen.28 EFSA 2012: bis 5 g EPA+DHA täglich unbedenklich, sofern die Öle oxidationsstabil sind.29
- Vitamin A: Lebertran laut USDA 30.000 µg Retinol und 250 µg Vitamin D je 100 g, ein Esslöffel (10 g) also etwa 3.000 µg Vitamin A und 25 µg Vitamin D.30 EFSA-Höchstmenge 3.000 µg RE täglich für Erwachsene einschließlich Schwangerer.31 Fallserie: drei Vergiftungen nach Fischleber.32
Welches Omega-3 ist das beste, welche Kapseln sind die besten?
Das beste Omega-3 ist das mit genug EPA und DHA, frisch und geprüft, denn eine bestimmte Quelle ist nach den Studien nicht überlegen. Fischöl und Algenöl kommen gleich gut an, und Krillöl ebenfalls, nur mit weniger Wirkstoff pro Kapsel. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.
| Form | liefert | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|---|
| Fischöl | EPA und DHA | gut untersucht, meist günstig | Schadstoffe möglich, Fischgeschmack |
| Algenöl | vor allem DHA, oft auch EPA | vegan, keine Anreicherung von Schadstoffen | oft wenig EPA |
| Krillöl | EPA und DHA, teils an Phospholipide gebunden | kleine Kapseln, kein Vorteil belegt | wenig Wirkstoff pro Kapsel |
| Lebertran | EPA, DHA und Vitamin A | traditionell | Vitamin-A-Überdosis möglich |
| Leinöl | nur ALA | gutes Speiseöl | kaum Umwandlung zu DHA |
Damit bleiben drei Fragen. Sie lassen sich mit einem Blick auf Etikett und Ernährung beantworten. Wie viel EPA und DHA steckt in einer Tagesmenge? Ist das Öl auf Schadstoffe und Oxidation geprüft? Und passt die Quelle zur eigenen Ernährung, etwa Algenöl bei veganer Lebensweise?
Unsere Einordnung
Ob Fisch, Alge oder Krill: Im Körper kommt EPA und DHA aus allen drei Quellen an. Wer vergleicht, sollte nach Milligramm EPA und DHA rechnen, nicht nach Kapselgröße oder Preis pro Packung. Leinöl ist ein gutes Lebensmittel, aber kein Ersatz für eine Kapsel mit EPA und DHA.
Häufige Fragen
Sind Omega-3-Tabletten und Kapseln dasselbe?
Fast immer ja. Omega-3 ist ein Öl und steckt deshalb meist in einer Weichkapsel, auch wenn sie als Tablette verkauft wird. Entscheidend ist der Gehalt an EPA und DHA pro Tagesmenge, nicht die Form.
Ist Fischöl für Hunde dasselbe wie für Menschen?
Dazu wertet diese Seite keine Studien aus, sie behandelt nur Studien am Menschen. Ob und wie viel Fischöl ein Hund braucht, sollte mit der Tierärztin oder dem Tierarzt geklärt werden.
Was bedeutet „Omega-3 EPA DHA“ auf der Packung?
EPA und DHA sind die beiden langkettigen Omega-3-Fettsäuren, die in Studien fast immer gemeint sind. Auf der Packung sollte stehen, wie viel Milligramm von jeder in der Tagesmenge steckt, nicht nur die Menge Öl.
Woran erkennt man das beste Omega-3-Präparat?
Nicht an der Marke, sondern an drei Angaben: genug EPA und DHA in der Tagesmenge, ein Nachweis zu Schadstoffen und Oxidation und eine Quelle, die zur eigenen Ernährung passt. Ein Präparat ohne Milligrammangabe für EPA und DHA lässt sich nicht vergleichen.
Woran erkennt man ranziges Fischöl?
Am stechenden Fischgeruch oder bitteren Geschmack. Aromatisierte Produkte überdecken das, sie waren in einer Marktanalyse auch deutlich häufiger oxidiert.27
Hat Fischöl auch Vitamin D?
Normales Fischöl aus dem Fischkörper kaum. Lebertran aus der Fischleber enthält dagegen viel Vitamin D und Vitamin A. Bei Lebertran sollten diese Gehalte mit allen anderen Präparaten zusammengerechnet werden.
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Alle Themen zu Omega-3
Alle 32 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | EFSA NDA Panel 2010, EFSA Journal | Behördengutachten zu Referenzwerten für Fette | angemessene Zufuhr 250 mg EPA+DHA täglich für Erwachsene, ALA 0,5 % der Energie; in Schwangerschaft und Stillzeit 100 bis 200 mg DHA zusätzlich | Behördengutachten |
| 2 | Albert et al. 2015, Sci Rep | 32 Fischölpräparate aus Neuseeland | 83 % über dem empfohlenen Peroxidwert, 50 % über dem TOTOX-Wert; 69 % mit weniger als zwei Dritteln der angegebenen EPA- und DHA-Menge | Produktanalyse |
| 3 | Nichols et al. 2016, Nutrients | 10 Fischölpräparate aus Australien und Neuseeland | alle hielten Peroxid-Grenzwert und Gehaltsangabe ein | Produktanalyse (Gegenbefund) |
| 4 | Arterburn et al. 2008, J Am Diet Assoc | 1 offene RCT, 32 Gesunde, 600 mg DHA täglich aus Algenöl oder gegartem Lachs, 2 Wochen | DHA im Blut in beiden Gruppen gleich stark gestiegen, Quellen gleichwertig | RCT (offen) |
| 5 | Rosell et al. 2005, Am J Clin Nutr | 659 Männer aus Großbritannien: Fleischesser, Vegetarier, Veganer | EPA und DHA im Plasma ohne Fleisch und Fisch niedriger, aber unabhängig von der Dauer der Ernährung stabil | Querschnittsstudie |
| 6 | Sarter et al. 2015, Clin Nutr | 165 vegan lebende Erwachsene; 46 davon mit Algenöl (254 mg EPA+DHA täglich), 4 Monate | Omega-3-Index im Mittel 3,7 %; mit Algenöl Anstieg von 3,1 auf 4,8 %, ohne Kontrollgruppe | Kohorte mit Einnahmetest |
| 7 | Chamorro et al. 2026, Lipids | systematische Übersicht, 45 Studien | vegetarische Kost: mehr ALA, weniger EPA und DHA im Blut; DHA aus Mikroalgenöl verbessert den Status | Systematische Übersicht |
| 8 | Brenna et al. 2009, Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids | Übersicht der Fachgesellschaft ISSFAL | ALA erhöht EPA und DPA im Blut, DHA kaum; DHA-Status steigt nur mit fertigem DHA | Übersichtsarbeit |
| 9 | Kelaiditis et al. 2023, Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids | 10 RCTs, 1.426 Erwachsene mit Angst und/oder Depression | EPA-Anteil ab 60 %: kleiner Vorteil, starke Streuung, Hinweis auf Publikationsbias | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 10 | Martins 2009, J Am Coll Nutr | 28 Placebo-RCTs, Teilgruppen nach EPA- und DHA-Anteil | über 50 % EPA kleiner Vorteil, DHA-reiche Präparate ohne Effekt; kleinere Effekte in größeren Studien | Meta-Analyse |
| 11 | Liao et al. 2019, Transl Psychiatry | 26 Placebo-RCTs, 2.160 Personen | DHA-reine und DHA-reiche Präparate ohne Nutzen gegenüber Placebo | Meta-Analyse, Teilgruppe |
| 12 | Bhatt et al. 2019 (REDUCE-IT), N Engl J Med | 8.179 Patienten mit Statin und erhöhten Triglyceriden, 4 g Icosapent-Ethyl täglich, 4,9 Jahre | kombinierter Herz-Kreislauf-Endpunkt HR 0,75; mehr Krankenhausaufnahmen wegen Vorhofflimmern | RCT (Mega-Studie) |
| 13 | Ridker et al. 2022, Circulation | Biomarker-Auswertung aus REDUCE-IT | unter Mineralöl stiegen CRP, IL-6 und LDL an, unter EPA kaum; Bedeutung laut Autoren unsicher | RCT-Auswertung (Placebo-Frage) |
| 14 | Nicholls et al. 2020 (STRENGTH), JAMA | 13.078 Hochrisiko-Patienten mit Statin, 4 g EPA+DHA als Carbonsäure gegen Maisöl | kein Unterschied bei Herz-Kreislauf-Ereignissen (HR 0,99), vorzeitig abgebrochen | RCT (Mega-Studie) |
| 15 | Ulven et al. 2011, Lipids | 1 RCT, 113 Personen, Krillöl (543 mg EPA+DHA) oder Fischöl (864 mg) oder nichts, 7 Wochen | Anstieg der Omega-3-Werte im Blut mit beiden Ölen gleich, obwohl Krillöl weniger EPA+DHA lieferte | RCT |
| 16 | Yurko-Mauro et al. 2015, Lipids Health Dis | 1 RCT, 66 Gesunde, je 1,3 g EPA+DHA täglich als Ethylester, Triglycerid oder Krillöl, 4 Wochen | Blutwerte und Omega-3-Index ohne sicheren Unterschied; Autoren überwiegend bei einem Hersteller angestellt | RCT (doppelblind) |
| 17 | Kim et al. 2020, Nutr Rev | Netzwerk-Meta-Analyse, 64 RCTs | Krill- und Fischöl wirken gleich auf Triglyceride, LDL, HDL und Gesamtcholesterin; Senkung hängt von der Dosis ab | Netzwerk-Meta-Analyse |
| 18 | Burdge et al. 2002, Br J Nutr | 6 junge Männer, markiertes ALA mit einer Mahlzeit, 21 Tage verfolgt | ALA wurde zu EPA und DPA umgebaut, neu gebildetes DHA war nicht nachweisbar | Stoffwechselstudie |
| 19 | Burdge & Wootton 2002, Br J Nutr | junge Frauen, 700 mg markiertes ALA, 21 Tage verfolgt | geschätzte Umwandlung zu EPA 21 %, zu DPA 6 %, zu DHA 9 % | Stoffwechselstudie |
| 20 | Dyerberg et al. 2010, Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids | 1 RCT, 72 Freiwillige, etwa 3,3 g EPA+DHA täglich in 5 Zubereitungen, 2 Wochen | gegenüber natürlichem Fischöl: rückveresterte Triglyceride 124 %, Ethylester 73 % | RCT |
| 21 | Neubronner et al. 2011, Eur J Clin Nutr | 1 RCT, 150 Freiwillige, 1,68 g EPA+DHA täglich als Triglycerid oder Ethylester oder Maisöl, 6 Monate | Omega-3-Index mit Triglyceriden stärker gestiegen als mit Ethylestern | RCT (Placebo) |
| 22 | Alijani et al. 2025, Prog Lipid Res | Übersichtsarbeit zu Einzel- und Langzeitstudien | Unterschiede zwischen chemischen Formen zeigen sich nach Einzelgaben, in Langzeitstudien oft nicht | Übersichtsarbeit |
| 23 | Brodziak-Dopierała et al. 2023, Int J Environ Res Public Health | 36 Präparate vom polnischen Markt | Quecksilber in keinem Präparat über dem Grenzwert | Produktanalyse |
| 24 | Zhang et al. 2024, J Food Prot | 37 Fischölpräparate vom japanischen Markt | geschätzte PCB-Aufnahme weit unter dem WHO-Richtwert | Produktanalyse |
| 25 | Fernandes et al. 2006, Food Addit Contam | 33 Fischölpräparate aus Großbritannien, 2000 bis 2002 | 12 hätten den später eingeführten EU-Höchstgehalt für Dioxine überschritten | Produktanalyse |
| 26 | EFSA CONTAM Panel 2018, EFSA Journal | Behördengutachten zu Dioxinen und dioxinähnlichen PCB | tolerierbare wöchentliche Aufnahme auf 2 pg TEQ/kg Körpergewicht gesenkt | Behördengutachten |
| 27 | Hands et al. 2024, J Diet Suppl | 72 Omega-3-Präparate aus den USA, 2014 bis 2020 | TOTOX-Grenze bei 68 % der aromatisierten und 13 % der nicht aromatisierten Produkte überschritten | Produktanalyse |
| 28 | Ottestad et al. 2012, Br J Nutr | 1 RCT, 54 Gesunde, frisches oder oxidiertes Fischöl oder Sonnenblumenöl, 7 Wochen | keine Unterschiede bei Markern für oxidativen Stress und Entzündung | RCT (einzige kontrollierte Studie) |
| 29 | EFSA NDA Panel 2012, EFSA Journal | Behördengutachten zur Höchstmenge von EPA, DHA und DPA | bis 5 g EPA+DHA täglich unbedenklich, sofern die Öle oxidationsstabil sind | Behördengutachten |
| 30 | USDA FoodData Central (SR Legacy), U.S. Department of Agriculture | Nährwertdatenbank des US-Landwirtschaftsministeriums | EPA, DHA und ALA je 100 g; Lebertran 30.000 µg Vitamin A und 250 µg Vitamin D je 100 g | Nährwertdatenbank |
| 31 | EFSA NDA Panel 2024, EFSA Journal | Behördengutachten zur Höchstmenge für Vitamin A | 3.000 µg vorgeformtes Vitamin A täglich für Erwachsene einschließlich Schwangerer; Grund ist die fruchtschädigende Wirkung | Behördengutachten |
| 32 | Schmitt et al. 2020, Wilderness Environ Med | Fallserie eines französischen Giftinformationszentrums | drei Vitamin-A-Vergiftungen nach Fischleber, eine davon mit Fehlgeburt | Fallserie |
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