Die kurze Antwort
Ja, Vitamin D lässt sich überdosieren, aber nur mit sehr großen Mengen über Wochen oder Monate, meist durch Dosierfehler oder falsch hergestellte Präparate. Dann steigt das Calcium im Blut stark an, mit Übelkeit, Erbrechen, großem Durst und Verwirrtheit. Für Erwachsene gelten 4.000 IE am Tag als sichere Obergrenze. In üblichen Mengen hatten Menschen in Studien nicht mehr Nebenwirkungen als mit einem Scheinpräparat.
Auf dieser Seite 7 Abschnitte
- Kann man Vitamin D überdosieren?
- Ab wann ist Vitamin D überdosiert?
- Welche Symptome hat eine Vitamin-D-Überdosierung?
- Was passiert bei zu viel Vitamin D im Körper?
- Welche Nebenwirkungen haben Vitamin-D-Tabletten in normaler Dosis?
- Vitamin-D-Überdosierung abbauen: Wie lange dauert das?
- Für wen ist Vitamin D riskanter?
Die Ärztin in der Notaufnahme sieht einen Mann, der seit Tagen erbricht, ständig Durst hat und zunehmend verwirrt wirkt. Das Calcium in seinem Blut ist viel zu hoch, und erst auf mehrfache Nachfrage erwähnt er das neue Vitaminpräparat, das er seit einigen Wochen jeden Morgen nimmt. So oder ähnlich beginnen viele Fallberichte. Eine Vitamin-D-Vergiftung ist selten, aber es gibt sie. Die gute Nachricht steckt im Detail, denn fast immer war die Menge, die diese Menschen geschluckt hatten, schlicht riesig.
Kann man Vitamin D überdosieren?
Überdosieren lässt sich Vitamin D durchaus, doch dafür braucht es sehr große Mengen über längere Zeit. Das liegt am Speicher des Körpers. Er legt das Vitamin im Fettgewebe ab, und kommt wochenlang viel zu viel nach, steigt der Spiegel immer weiter an. Das treibt das Calcium im Blut nach oben, und genau das macht krank.1
Wie es so weit kommt, zeigen die beschriebenen Fälle. Mal enthielt ein Präparat durch einen Herstellungsfehler mehr als das Tausendfache der angegebenen Menge,2 mal bekamen Kleinkinder ein Fischöl, das versehentlich ein Vielfaches an Vitamin D enthielt.3 Andere verwechselten Tages- mit Wochendosen oder bekamen eine falsche Verordnung. In einer Übersicht über solche Fälle lagen die Spiegel jedenfalls weit über allem, was übliche Mengen je erreichen.4
Wie häufig Vitamin D zu einer Vergiftung führt, ist ungeklärt. Studien, die eine Vergiftung gezielt herbeiführen, gibt es nicht, und es darf sie aus gutem Grund auch nicht geben. Das gesamte Wissen stammt deshalb aus Fallberichten, in denen Alltagsmengen praktisch nicht vorkommen. In der genannten Übersicht lagen die Spiegel bei 150 bis 1.220 ng/ml, weit über dem, was übliche Mengen erreichen.4
Daraus folgt eine einfache Regel. Wer mehrere Mittel nimmt, sollte alle Präparate zusammenzählen, und Tropfen gehören genau abgemessen statt nach Gefühl.
So wurde gemessen
- Übersichtsarbeit: Kennzeichen einer Überdosierung ist ein Spiegel der Speicherform 25-OH-Vitamin-D über 150 ng/ml (375 nmol/l). Daneben gibt es eine Überempfindlichkeit, bei der schon empfohlene Mengen den Calciumwert erhöhen.1
- Fallberichte: In 13 Artikeln lagen die Spiegel bei 150 bis 1.220 ng/ml, das Calcium bei 11,1 bis 23,1 mg/dl.4 Zwei Erwachsene nahmen über fehlerhafte Präparate mehr als das 1.000-Fache der Tagesmenge.2 Sieben Kleinkinder bekamen ein Fischöl mit etwa 4.000-fachem Gehalt.3
- Studienlage: Keine kontrollierte Studie berichtet eine Vergiftung als Ereignis.
Ab wann ist Vitamin D überdosiert?
Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit zieht die Grenze für Erwachsene bei 4.000 IE am Tag aus allen Quellen.5 Diese Menge gilt auch bei Dauereinnahme als sicher, und sie liegt mit Absicht weit unter der Menge, ab der in Studien die ersten Schäden überhaupt beobachtet wurden. Für Kinder und Säuglinge gelten niedrigere Grenzen.56
| Gruppe | Tageshöchstmenge (EFSA) |
|---|---|
| Säuglinge bis 6 Monate | 25 µg (1.000 IE) |
| Säuglinge 6 bis 12 Monate | 35 µg (1.400 IE) |
| Kinder 1 bis 10 Jahre | 50 µg (2.000 IE) |
| ab 11 Jahre, Erwachsene, Schwangere, Stillende | 100 µg (4.000 IE) |
| niedrigste Menge mit Schaden in Studien | 250 µg (10.000 IE) |
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist vorsichtiger und rät bei Präparaten zu höchstens 800 IE pro Tagesportion.7 Dahinter steckt eine nüchterne Überlegung. Vitamin D kommt auch aus dem Essen, und viele Menschen nehmen mehrere Mittel zugleich, sodass sich kleine Portionen über den Tag leicht zu großen Mengen summieren, ohne dass es jemand merkt.
Ob schon Mengen knapp an der Obergrenze über Monate schaden, ist ungeklärt. Eine Auswertung von 22 Studien mit solchen Mengen fand zusammengenommen ein leicht erhöhtes Risiko für Klinikaufenthalte und Stürze. Sie nennt dafür aber nur Verhältnisse.8 Viele Studien berichteten Nebenwirkungen zudem lückenhaft. Die größte Einzelstudie mit genau dieser Menge sah dagegen bei mehr als zweitausend Menschen über drei Jahre keine Nachteile.9
Bei noch höheren Mengen wird es deutlicher. Bei 10.000 IE täglich hatten in einer dreijährigen Studie 9 Prozent zeitweise leicht erhöhte Calciumwerte, bei der niedrigsten Menge niemand.10 Für die übliche Vitamin-D-Dosierung pro Tag rät das BfR ohnehin zu deutlich weniger.7 Wer mehr als 4.000 IE am Tag nehmen möchte, sollte das deshalb nur mit ärztlicher Begleitung tun.
So wurde gemessen
- Tageshöchstmenge: Die EFSA leitet 100 µg aus einer niedrigsten schädlichen Menge von 250 µg pro Tag ab, mit Sicherheitsfaktor 2,5. Maßgeblich war zu viel Calcium im Urin.5
- An der Grenze: 22 Studien, 12.952 Personen, 3.200 bis 4.000 IE täglich über mindestens 6 Monate. Klinikaufnahmen RR 1,16, Stürze RR 1,25; Nebenwirkungen in vielen Studien lückenhaft berichtet.8
- Gegenbefund: 2.423 Menschen mit Prädiabetes, 4.000 IE täglich über 3 Jahre. Nebenwirkungen IRR 0,94, schwere Nebenwirkungen IRR 0,96.9
- Dosisvergleich: 373 Erwachsene, 400, 4.000 oder 10.000 IE täglich über 3 Jahre. Leicht erhöhtes Calcium bei 0, 3 und 9 %, bei der Nachkontrolle jeweils normal.10
Vitamin D 20.000 IE: Welche Nebenwirkungen?
Ob 20.000 IE harmlos sind, hängt ganz und gar davon ab, wie oft sie genommen werden: Als Wochendosis ist das im Rahmen, als Tagesdosis deutlich zu viel. Einmal pro Woche genommen, liegt die Menge im Schnitt unter der Tagesgrenze der EFSA.5 Täglich genommen wäre sie das Fünffache davon. Das eigentliche Risiko ist deshalb die Verwechslung, wenn aus der Wochenkapsel aus Versehen eine Tageskapsel wird.
Ob sehr große Einzelgaben in langen Abständen schaden, ist ungeklärt, denn einzelne Studien senden ein Warnsignal. So hatten mehr als zweitausend ältere Frauen, die einmal im Jahr eine riesige Dosis bekamen, 171 Knochenbrüche gegenüber 135 ohne diese Gabe und stürzten auch häufiger, vor allem in den ersten Wochen direkt nach der Einnahme.13 In einer kleinen Studie mit zweihundert Älteren nach einem Sturz stürzten mit einer hohen Monatsdosis zwei Drittel, mit einer niedrigeren knapp die Hälfte.14 Eine Auswertung solcher Studien sah dagegen weder Schaden noch Nutzen,11 und auch die bisher größte Studie mit monatlichen Gaben an mehr als zwanzigtausend Menschen fand keine Nachteile.12
Ob eine jährliche Spritze in den Muskel Hüftbrüche fördert, ist ebenfalls ungeklärt. In einer britischen Studie mit 9.440 Menschen ab 75 lag das Risiko für Hüftbrüche damit eher höher.15 Zahlen je Gruppe fehlen dort. Für Tabletten sagt dieser Einzelbefund mit einer heute unüblichen Form wenig. Die Leitlinie der US-Hormonfachgesellschaft rät Menschen über 50 deshalb zur täglichen Einnahme statt zu seltenen hohen Gaben.16 Im Alter spricht damit vieles für die kleine tägliche Portion statt der Stoßgabe.
So wurde gemessen
- Jahresdosis: 2.256 Frauen ab 70, einmal jährlich 500.000 IE. Stürze RR 1,15, Brüche RR 1,26, in den ersten 3 Monaten nach der Gabe Stürze RR 1,31.13
- Monatsdosis: 200 Menschen ab 70 nach einem Sturz. Mit 60.000 IE fielen 66,9 % mindestens einmal, mit 24.000 IE 47,9 %.14 Große Studie mit 21.315 Menschen, 60.000 IE monatlich bis 5 Jahre: Stürze OR 1,02.12
- Auswertung: 9 Studien mit seltenen hohen Gaben, Stürze RR 1,02, Hüftbrüche RR 1,17, beides nicht gesichert.11
- Spritze: 9.440 Menschen ab 75, jährlich 300.000 IE Vitamin D2 in den Muskel. Hüftbrüche HR 1,49.15
Welche Symptome hat eine Vitamin-D-Überdosierung?
Die Beschwerden einer Überdosierung kommen vom zu hohen Calcium im Blut, nicht vom Vitamin selbst. Am häufigsten beschrieben sind Verwirrtheit und Teilnahmslosigkeit, wiederholtes Erbrechen und Bauchschmerzen, dazu großer Durst, sehr viel Urin und eine Austrocknung des Körpers, die rasch ärztlich behandelt werden muss.1 In den Fallberichten standen Erbrechen, Schmerzen und Appetitlosigkeit im Vordergrund.4
Leicht erhöhte Werte bleiben dagegen oft unbemerkt. Sie machen keine Beschwerden und fallen meist nur zufällig bei einer Blutabnahme auf.1 Wer unsicher ist, bekommt mit einem Bluttest auf Calcium und den Vitamin-D-Wert im Blut rasch Klarheit.
Notfall
Starkes Erbrechen, großer Durst mit Austrocknung oder Verwirrtheit unter hoch dosiertem Vitamin D sind ein Notfall. Dann ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112. Die Einnahme sollte dort genannt werden, mit Präparat und Menge.
Zu viel Vitamin D: Symptome bei Frauen
Bei Frauen sind keine eigenen Warnzeichen bekannt, die Beschwerden sind bei beiden Geschlechtern dieselben. Studien, die gezielt nach Unterschieden gesucht hätten, gibt es allerdings auch nicht. Eine Besonderheit betrifft eher die Gewohnheiten, denn Frauen nach den Wechseljahren nehmen oft zusätzlich Calcium. Gerade Vitamin D mit Calcium und K2 wirft deshalb eigene Fragen auf. Wer Calcium und Vitamin D zusammen nimmt, sollte bei Übelkeit oder starkem Durst an den Calciumwert denken.
Was passiert bei zu viel Vitamin D im Körper?
Als Erstes steigt das Calcium in Urin und Blut, und ein zu hoher Calciumwert im Blut ist bei längerer Einnahme ein wahrscheinlicher Schaden. In einem direkten Dosisvergleich über drei Jahre hatten bei der höchsten Menge 9 Prozent gegenüber 0 Prozent bei der niedrigsten zeitweise leicht erhöhtes Calcium,10 und an der Obergrenze kamen in zehn Studien auf tausend Menschen etwa vier zusätzliche Fälle.8 Die sehr große VITAL-Studie, in der Zehntausende Teilnehmende gut fünf Jahre lang 2.000 IE täglich nahmen, fand dagegen keine häufigeren Calcium-Erhöhungen.18 Meist waren die Werte nur leicht und kurz erhöht, sodass sie bei der nächsten Kontrolle wieder im Normalbereich lagen.10
Beim Calcium im Urin sieht es ähnlich aus, auch hier ist zu viel davon ein wahrscheinlicher Schaden. Im selben Dosisvergleich stieg der Anteil mit erhöhten Urinwerten von 17 auf 31 Prozent, wenn statt der niedrigsten die höchste Menge genommen wurde. Häufig war der Befund also auch bei kleiner Menge.10 Über alle Langzeitstudien gerechnet stiegen die Werte ebenfalls, Zahlen je Gruppe nennt diese Auswertung aber nur als Verhältnis.17 Gerade auf diesen frühen Befund hat die EFSA ihre Obergrenze gestützt.5
So wurde gemessen
- Calcium im Blut: 37 von 48 Studien mit zusammen 19.833 Personen, mindestens 24 Wochen; Hyperkalzämie RR 1,54.17 Bei 3.200 bis 4.000 IE täglich RR 2,21, etwa 4 zusätzliche Fälle pro 1.000 Personen.8
- Gegenbefund: VITAL, 25.871 Personen, 2.000 IE täglich über 5,3 Jahre, kein Unterschied.18
- Calcium im Urin: 14 Studien, Hyperkalziurie RR 1,64.17 Im Dosisvergleich 17, 22 und 31 % bei 400, 4.000 und 10.000 IE.10
Schadet zu viel Vitamin D Nieren und Gefäßen?
Ob Vitamin D den Nieren oder Gefäßen schadet, ist ungeklärt, in üblichen Mengen zeigte sich in Studien aber kein Schaden. Bei 1.312 Menschen mit Diabetes, die fünf Jahre lang Vitamin D oder Placebo nahmen, bekamen 32 gegenüber 26 einen Nierenstein, und die Nierenleistung blieb gleich.19 Über alle Studien gerechnet traten Nierensteine mit Vitamin D allein nicht gehäuft auf,1712 und steifere Arterien fanden sich ebenfalls nicht.20 Es gibt aber Fallberichte. Für seltene Schäden sind die Studien zu klein, und meist nahmen sie niemanden auf, der schon Steine hatte.
Das klingt beruhigend, doch Langzeitdaten zu Niere und Gefäßen gibt es nur wenige, und das Urteil bleibt dort offen. Schwere Schäden sind vor allem nach echten Vergiftungen beschrieben.1 Wer früher Nierensteine hatte, sollte vor höheren Mengen trotzdem ärztlichen Rat einholen.
So wurde gemessen
- Nierensteine: 9 Studien, RR 0,66, nicht gesichert;17 21.315 Menschen mit 60.000 IE monatlich, kein Unterschied.12
- Nierenleistung: 1.312 Menschen mit Typ-2-Diabetes, 2.000 IE täglich über 5 Jahre, Filterleistung wie unter Placebo.19
- Gefäße: Einzeldaten aus 29 Studien mit 2.641 Personen, bis 5.000 IE täglich, Gefäßsteifigkeit und Gefäßfunktion unverändert.20
Welche Nebenwirkungen haben Vitamin-D-Tabletten in normaler Dosis?
In normaler Dosis hat Vitamin D kaum Nebenwirkungen, jedenfalls nicht mehr als ein Scheinpräparat. Das zeigen viele Langzeitstudien übereinstimmend. In einer Auswertung von 62 Studien klagten Menschen mit Vitamin D nicht häufiger über Beschwerden als ohne, und das galt ausdrücklich auch für Magen und Darm.21 Hautprobleme waren etwas häufiger, der Unterschied war aber nicht sicher. Schwere Nebenwirkungen kamen ebenso oft vor wie ohne Vitamin D.22
Eine Lücke bleibt, denn Muskelschmerzen, Schwindel oder Haarausfall weisen diese Auswertungen nicht eigens aus. Ob Vitamin D Tropfen oder Tabletten besser sind, spielt für die Verträglichkeit nach heutigem Stand keine Rolle. Tropfen verlangen allerdings genaues Abzählen, und damit schließt sich der Kreis zu den Fehlern, die hinter den meisten Vergiftungen stehen.
So wurde gemessen
Unsere Einordnung
In der üblichen Menge ist Vitamin D eines der verträglichsten Präparate überhaupt. Das Risiko liegt fast nur beim Calcium und wächst mit der Dosis. Die meisten Vergiftungen gehen auf Fehler zurück, nicht auf Leichtsinn mit Alltagsmengen.
Vitamin-D-Überdosierung abbauen: Wie lange dauert das?
Bis eine Überdosierung abgebaut ist, kann es Wochen bis Monate dauern. Weil Vitamin D im Fettgewebe gespeichert ist, sinkt der Spiegel nach dem Absetzen nur langsam. Bei zwei Erwachsenen mit fehlerhaften Präparaten dauerte es etwa ein Jahr, bis die Werte wieder normal waren, bleibende Schäden trugen beide am Ende aber nicht davon.2
Schneller geht es mit dem Calcium, das sich rascher senken lässt als der Vitamin-D-Spiegel. Ein Säugling, der versehentlich wochenlang zu viel bekommen hatte, war nach dem Absetzen und einer Flüssigkeitsgabe schon nach zwei Tagen deutlich besser.23 Zuerst wird die Einnahme gestoppt. Alles Weitere gehört in ärztliche Hand, und in den Fallberichten wurden Kinder mit stark erhöhtem Calcium in der Klinik behandelt.3 Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte deshalb das Calcium im Blut bestimmt werden.
Für wen ist Vitamin D riskanter?
Ob höhere Mengen Säuglingen und Kleinkindern schaden, ist ungeklärt, und für sie ist größere Vorsicht nötig als für gesunde Erwachsene. Außerhalb von Studien kommt es immer wieder zu Vergiftungen. Ein Kleinkind etwa bekam monatelang ein viel zu hoch dosiertes Präparat aus dem Internet und hatte danach Kalk in den Nieren.25 In acht Studien mit 4.612 Kindern vertrugen Säuglinge und Kleinkinder dagegen auch höhere Mengen, ohne dass schwere Nebenwirkungen zunahmen.24 Für seltene Schäden reichte das nicht.
Selten liegt zudem eine erbliche Abbaustörung vor, bei der schon die übliche Stoßgabe zu viel ist.26 Für Vitamin-D-Tropfen fürs Baby gilt deshalb eine klare Regel. Gegeben wird genau die verordnete Menge, nichts zusätzlich.
| Gruppe | Warum Vorsicht |
|---|---|
| Säuglinge und Kleinkinder | Dosierfehler, Präparate aus dem Internet, seltene Abbaustörung |
| Sarkoidose und ähnliche Erkrankungen | Entzündungsknoten bilden selbst aktives Vitamin D |
| Nierenerkrankung, frühere Nierensteine | in Studien meist ausgeschlossen |
| Thiazid-Entwässerungsmittel | weniger Calcium wird ausgeschieden |
Wie riskant Vitamin D bei Sarkoidose ist, ist in Studien ungeklärt, ein Risiko ist aber gut begründet. Denn bei dieser entzündlichen Erkrankung bilden die Entzündungsknoten selbst aktives Vitamin D,1 und in einer Beobachtung mit 392 Betroffenen hatten 42 Prozent mit Vitamin-D-Verordnung gegenüber 18 Prozent ohne einen zu hohen Calciumwert.27 Ob Entwässerungsmittel aus der Gruppe der Thiazide zusammen mit Vitamin D und Calcium das Calcium zu stark erhöhen, ist ebenfalls ungeklärt. Beschrieben ist das in Fallberichten und Beobachtungen.28
Bei einer dieser Erkrankungen oder Medikamente gehört Vitamin D also vorher ins ärztliche Gespräch, und das gilt selbst für kleine Mengen, wie sie für Gesunde sonst völlig unbedenklich wären. Was die Studien zu Vitamin D an Nutzen zeigen, ist für genau diese Gruppen kaum geprüft.
So wurde gemessen
- Kinder: 8 Studien mit 4.612 Kindern von 0 bis 6 Jahren, schwere Nebenwirkungen RR 1,01, Hyperkalzämie RR 1,18.24 Fallbericht: 22 Monate altes Mädchen, sieben Monate das 25-Fache der empfohlenen Menge.25 Erbliche Störung im Abbau-Enzym CYP24A1 bei Säuglingen mit schwerer Hyperkalzämie.26
- Sarkoidose: Beobachtung, 196 Menschen mit und 196 ohne Vitamin-D-Verordnung, Hyperkalzämie 42,3 gegenüber 18,3 %.27
- Thiazide: systematische Übersicht über 109 Arbeiten, überwiegend niedrige Qualität.28
Sicherheitshinweis
Säuglinge zeigen eine Überdosierung oft nur durch Trinkschwäche, Erbrechen oder schlechtes Gedeihen. Dann ist eine rasche kinderärztliche Abklärung nötig, bei Teilnahmslosigkeit sofort, notfalls über die 112.
Häufige Fragen
Kann man zu viel Vitamin D nehmen, ohne es zu merken?
Ja. Ein leicht erhöhter Calciumwert macht oft keine Beschwerden und fällt erst bei einer Blutabnahme auf. Bei Mengen über 4.000 IE am Tag ist eine ärztliche Kontrolle deshalb sinnvoll.
Was passiert, wenn man einmalig zuviel Vitamin D nimmt?
Eine einzelne doppelte Tagesdosis ist kein Grund zur Sorge. Vergiftungen entstehen durch sehr große Mengen über Wochen oder Monate. Bei einem Säugling empfiehlt sich trotzdem ein kurzer Anruf in der Kinderarztpraxis.
Welche Erfahrungen mit Nebenwirkungen und Überdosierung von Vitamin D sind beschrieben?
Beschrieben sind vor allem Einzelfälle mit Präparaten, die ein Vielfaches der angegebenen Menge enthielten, oder mit verwechselten Dosen. Die Betroffenen erholten sich meist vollständig, teils dauerte es aber Monate. Berichte in Foren lassen sich nicht überprüfen.
Macht eine Vitamin-D-Überdosierung Muskelschmerzen?
Muskelschmerzen gehören nicht zu den typischen Zeichen, die in Übersichten über Vergiftungsfälle genannt werden. Eigene Studien dazu gibt es nicht. Halten die Schmerzen an, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Kann Vitamin D Hautausschlag oder Haarausfall auslösen?
Hautbeschwerden waren in Langzeitstudien mit Vitamin D nicht sicher häufiger als ohne. Zu Haarausfall durch Überdosierung gibt es keine Studien. Ein neuer Ausschlag nach Beginn der Einnahme sollte trotzdem ärztlich angesehen werden.
Kann eine Vitamin-D-Überdosierung Bluthochdruck machen?
Dazu gibt es keine Studien. Gesichert ist nur, dass eine Vergiftung vor allem über das Calcium wirkt und dann besonders die Nieren belastet. Bei hohem Blutdruck unter hoch dosiertem Vitamin D lohnt es sich, auch den Calciumwert prüfen zu lassen.
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Alle Themen zu Vitamin D
Alle 28 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Marcinowska-Suchowierska et al. 2018, Front Endocrinol (Lausanne) | Übersichtsarbeit zur Vitamin-D-Vergiftung | häufigste Zeichen: Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit, wiederholtes Erbrechen, Bauchschmerzen, viel Urin, viel Durst, Austrocknung; Kennzeichen einer Überdosierung sind Werte über 150 ng/ml (375 nmol/l) | Übersichtsarbeit |
| 2 | Araki et al. 2011, J Clin Endocrinol Metab | 2 Erwachsene mit falsch hergestellten Präparaten | mehr als das 1.000-Fache der empfohlenen Menge; Spiegel nach etwa einem Jahr wieder normal | Fallberichte |
| 3 | Kara et al. 2014, Pediatrics | 7 Kleinkinder von 0,7 bis 4,2 Jahren | Fischölpräparat mit etwa 4.000-fachem Vitamin-D-Gehalt; alle erholten sich in der Klinik | Fallserie |
| 4 | Galior et al. 2018, Nutrients | Auswertung von 13 Artikeln mit Vergiftungsfällen | Spiegel 150 bis 1.220 ng/ml, Calcium 11,1 bis 23,1 mg/dl; Ursachen: Herstellungsfehler und falsche Dosierung | Übersicht über Fallberichte |
| 5 | EFSA NDA Panel 2023, EFSA J | Neubewertung der Tageshöchstmenge durch die EU-Lebensmittelbehörde | 100 µg (4.000 IE) ab 11 Jahren, auch in Schwangerschaft und Stillzeit; 50 µg (2.000 IE) von 1 bis 10 Jahren; niedrigste schädliche Menge 250 µg (10.000 IE) | Behördengutachten |
| 6 | EFSA NDA Panel 2018, EFSA J | Tageshöchstmenge für Säuglinge | 25 µg (1.000 IE) bis 6 Monate, 35 µg (1.400 IE) von 6 bis 12 Monaten | Behördengutachten |
| 7 | BfR 2024, BfR-Stellungnahme Nr. 007/2024 | Bundesinstitut für Risikobewertung, Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel | höchstens 20 µg (800 IE) pro Tagesverzehrempfehlung für Jugendliche und Erwachsene | Behördenempfehlung |
| 8 | Zittermann et al. 2023, Eur J Nutr | 22 RCTs, 12.952 Personen, 3.200 bis 4.000 IE täglich | Klinikaufnahmen RR 1,16; Stürze RR 1,25; Hyperkalzämie RR 2,21; Berichte zu Nebenwirkungen oft lückenhaft | Meta-Analyse |
| 9 | Johnson et al. 2022, Eur J Clin Nutr | 1 RCT (D2d), 2.423 Menschen mit Prädiabetes, 4.000 IE täglich, 3 Jahre | Nebenwirkungen IRR 0,94; schwere Nebenwirkungen IRR 0,96, kein Unterschied | Große RCT |
| 10 | Billington et al. 2020, J Clin Endocrinol Metab | 1 RCT, 373 Erwachsene, 400, 4.000 oder 10.000 IE täglich, 3 Jahre | leichte Hyperkalzämie 0 / 3 / 9 %, bei Nachkontrolle normal; Hyperkalziurie 17 / 22 / 31 % | RCT (Dosisvergleich) |
| 11 | Zheng et al. 2015, PLoS One | 9 RCTs mit seltenen hohen Gaben bei Älteren | Stürze RR 1,02; Hüftbrüche RR 1,17; beides nicht gesichert | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 12 | Waterhouse et al. 2021 (D-Health), J Cachexia Sarcopenia Muscle | 1 RCT, 21.315 Menschen von 60 bis 84, monatlich 60.000 IE bis 5 Jahre | Stürze OR 1,02; Hyperkalzämie und Nierensteine nicht häufiger | Große RCT |
| 13 | Sanders et al. 2010, JAMA | 1 RCT, 2.256 Frauen ab 70, einmal jährlich 500.000 IE | Stürze RR 1,15; Brüche RR 1,26; Stürze in den ersten 3 Monaten RR 1,31 | RCT (Schaden) |
| 14 | Bischoff-Ferrari et al. 2016, JAMA Intern Med | 1 RCT, 200 Menschen ab 70 nach früherem Sturz, monatlich 24.000 oder 60.000 IE | Stürze 66,9 % (60.000 IE) vs. 47,9 % (24.000 IE) | RCT (Dosisvergleich) |
| 15 | Smith et al. 2007, Rheumatology (Oxford) | 1 RCT, 9.440 Menschen ab 75, jährlich 300.000 IE Vitamin D2 als Spritze | Hüftbrüche HR 1,49; alle Brüche HR 1,09 | RCT |
| 16 | Demay et al. 2024, J Clin Endocrinol Metab | Leitlinie der Endocrine Society zur Vorbeugung mit Vitamin D | über 50 Jahre tägliche Gabe statt seltener hoher Dosen; keine routinemäßige Bestimmung des Blutwerts | Leitlinie |
| 17 | Malihi et al. 2016, Am J Clin Nutr | 48 RCTs, 19.833 Personen, mindestens 24 Wochen | Hyperkalzämie RR 1,54; Hyperkalziurie RR 1,64; Nierensteine RR 0,66 (nicht gesichert) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 18 | Manson et al. 2019 (VITAL), N Engl J Med | 1 RCT, 25.871 Personen, 2.000 IE täglich, 5,3 Jahre | Hyperkalzämie nicht häufiger als mit Placebo | Große RCT |
| 19 | de Boer et al. 2019, JAMA | 1 RCT, 1.312 Menschen mit Typ-2-Diabetes, 2.000 IE täglich, 5 Jahre | Nierenfunktion wie mit Placebo | Große RCT |
| 20 | Beveridge et al. 2018, J Am Heart Assoc | 29 RCTs, 2.641 Personen, bis 5.000 IE täglich | Gefäßsteifigkeit und Gefäßfunktion unverändert | Einzeldaten-Meta-Analyse |
| 21 | Malihi et al. 2017, Nutr Rev | Nebenwirkungen in 62 RCTs, 19.389 Erwachsene | alle Nebenwirkungen RR 0,97; Magen-Darm RR 1,01; Haut RR 1,33 (nicht gesichert) | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 22 | Jolliffe et al. 2025, Lancet Diabetes Endocrinol | 38 RCTs, alle Altersgruppen | schwere Nebenwirkungen OR 0,96, kein Unterschied | Meta-Analyse |
| 23 | Sudarsan et al. 2025, BMJ Case Rep | 1 Säugling, 45 Tage 6.000 statt 400 IE täglich | erhöhtes Calcium; Besserung innerhalb von 48 Stunden nach Absetzen und Flüssigkeitsgabe | Fallbericht |
| 24 | Brustad et al. 2022, JAMA Netw Open | 8 RCTs, 4.612 Kinder von 0 bis 6 Jahren mit höheren Mengen | schwere Nebenwirkungen RR 1,01; Hyperkalzämie RR 1,18; beides kein Unterschied | Meta-Analyse (maßgeblich) |
| 25 | Pizzini et al. 2024, Front Pediatr | 1 Mädchen, 22 Monate | 7 Monate das 25-Fache der empfohlenen Menge aus einem Online-Präparat; Nierenverkalkung nach einem Jahr noch vorhanden | Fallbericht |
| 26 | Schlingmann et al. 2011, N Engl J Med | Säuglinge mit schwerer Hyperkalzämie | Erbliche Störung des Vitamin-D-Abbaus (CYP24A1), Hyperkalzämie schon nach üblicher Stoßgabe | Fallserie mit Genanalyse |
| 27 | Sodhi & Aldrich 2016, Am J Med Sci | 196 Menschen mit Sarkoidose mit und 196 ohne Vitamin-D-Verordnung | Hyperkalzämie 42,3 vs. 18,3 % | Beobachtungsstudie |
| 28 | Robien et al. 2013, Nutr Clin Pract | systematische Übersicht, 109 Arbeiten zu Wechselwirkungen | Thiazide plus Calcium und Vitamin D können bei Älteren und Nierenkranken eine Hyperkalzämie auslösen | Systematische Übersicht |
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