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Vitamin D · 26 Quellen ausgewertet

Vitamin D und K2: Muss man beides zusammen einnehmen?

Im Regal stehen kaum noch Vitamin-D-Präparate ohne Begleiter: K2, Magnesium, Calcium. Ob die Zusätze etwas bringen, haben nur wenige Studien geprüft. Bei Calcium ist die Antwort am deutlichsten.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202626 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Nötig ist Vitamin K2 zu Vitamin D nach heutiger Studienlage nicht. Dass Vitamin D ohne K2 den Gefäßen schadet, ist nicht belegt, ein Zusatznutzen der Kombination ebenso wenig. Magnesium und Vitamin D vertragen sich gut. Calcium-Tabletten zusammen mit Vitamin D senken das Bruchrisiko nur wenig, führen aber etwas häufiger zu Nierensteinen. Bei Gerinnungshemmern, Entwässerungstabletten und Herzmitteln ist ärztlicher Rat nötig.

Auf dieser Seite 5 Abschnitte
  1. Muss man Vitamin D mit K2 einnehmen?
  2. Vitamin D und Magnesium zusammen einnehmen?
  3. Vitamin D und Calcium: zusammen oder nicht zusammen einnehmen?
  4. Zink, Eisen und Vitamin D zusammen einnehmen?
  5. Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Vitamin D?

Wer im Drogeriemarkt nach Vitamin D greift, bekommt selten nur Vitamin D. Auf der Packung steht ein ganzes Team: Vitamin D für den Darm, Vitamin K2 für die Knochen, Magnesium für den Stoffwechsel. Dahinter steckt eine Idee aus dem Labor, die durchaus einleuchtet. Ob die Begleiter im Alltag etwas bringen, haben Forschende allerdings nur selten geprüft. Am gründlichsten untersucht ist ausgerechnet der Partner, über den am wenigsten geredet wird, nämlich Calcium, und gerade dort fällt das Ergebnis gemischt aus.

Muss man Vitamin D mit K2 einnehmen?

Nach heutiger Studienlage ist K2 zu Vitamin D nicht nötig, auch wenn die Befürchtung dahinter verständlich klingt. Die Überlegung geht ungefähr so: Vitamin D holt mehr Calcium ins Blut, und ohne Vitamin K lande dieses Calcium in den Adern statt im Knochen. Doch bei üblichen Mengen hat sich das nicht gezeigt. Eine Auswertung von fast dreißig Studien, deren Teilnehmende bis zu ein Jahr lang Vitamin D ohne jeden Begleiter nahmen, fand danach keine steiferen Gefäße als in den Vergleichsgruppen.1

Ob Vitamin D die Gefäße verkalken lässt, ist trotzdem ungeklärt, auch wenn der Blick ins Herz gegen die Sorge spricht. Frauen, die sieben Jahre lang Calcium und Vitamin D nahmen, hatten am Ende einen Kalkwert in den Herzkranzgefäßen von 92 gegenüber 101 bei den Frauen, die nur ein wirkungsloses Präparat bekommen hatten, also nicht mehr Kalk.2 Den Kalk selbst haben nur wenige Studien gemessen, und sehr hohe Mengen über viele Jahre hat niemand auf diese Weise geprüft.

Daraus folgt für gesunde Menschen mit üblichen Mengen eine entspannte Antwort, denn den Zusatz brauchen sie nicht. Wer dagegen hohe Dosen schluckt, sollte eher die Menge selbst hinterfragen, und dafür hilft die Frage, wie viel Vitamin D am Tag überhaupt sinnvoll ist.

So wurde gemessen
  • Gefäßfunktion: Einzeldaten aus 29 Studien mit 2.641 Personen, 900 bis 5.000 IE täglich über bis zu ein Jahr. Pulswellengeschwindigkeit (Maß für steife Arterien) und Erweiterungsfähigkeit der Armarterie unverändert.1
  • Koronarkalk: WHI-Teilstudie, 754 Frauen zwischen 50 und 59, im Mittel sieben Jahre 1.000 mg Calcium und 400 IE D3. Kalk-Score im CT 91,6 gegenüber 100,5 unter Placebo, Unterschied zufällig (p = 0,74).2

Warum Vitamin D mit K2? Die Idee dahinter

Hinter der Kombination steckt ein Mechanismus, der im Labor gut verstanden ist: Vitamin K schaltet Eiweiße an, die Calcium binden. Vitamin D sorgt zunächst dafür, dass der Darm mehr Calcium aufnimmt. Wohin es danach wandert, regeln zwei Eiweiße mit. Das eine, Osteocalcin, baut Calcium in den Knochen ein, während das andere, das Matrix-Gla-Protein, es aus der Gefäßwand heraushält. Doch beide arbeiten erst, wenn Vitamin K sie aktiviert hat.

Dieser Schritt lässt sich gut messen. Ältere Männer, die zwei Jahre lang K2 zusammen mit Vitamin D nahmen, hatten danach deutlich weniger inaktives Matrix-Gla-Protein im Blut, ein Zeichen dafür, dass mehr von diesem Schutzeiweiß seine Arbeit aufgenommen hatte.3 Nur ist ein besserer Blutwert noch kein gesünderes Herz. Am Ende zählt, ob weniger Kalk entsteht oder ob seltener Knochen brechen, und genau das ist viel schwerer zu zeigen.

Was zeigen Studien zu Vitamin D plus K2?

Die Studien zeigen kleine Effekte auf Messwerte, aber keinen Nachweis für weniger Krankheit. Für die Knochen gibt es eine Auswertung von acht Studien mit knapp tausend Menschen, in denen die Knochendichte mit Vitamin K und Vitamin D etwas höher lag als in den Vergleichsgruppen.4 Diese Vergleichsgruppen bekamen allerdings oft gar nichts. Ob der Vorteil vom Vitamin K stammt oder schlicht vom Vitamin D, lässt sich so nicht auseinanderhalten. Zu Brüchen schweigt die Auswertung ganz.

Für die Gefäße liegen zwei Studien aus Dänemark vor, beide mit älteren Menschen und je zwei Jahren Dauer. Bei Männern mit verkalkter Herzklappe schritt der Kalk mit der Kombination nicht langsamer voran,3 während er bei Menschen mit stark verkalkten Herzkranzgefäßen etwas langsamer wuchs als mit einem Scheinpräparat, also einer Tablette ohne Wirkstoff.5 Herzinfarkte zählte keine der beiden.

Hinzu kommt eine Schwäche im Aufbau, die leicht übersehen wird. Beide Studien verglichen die Kombination mit einem Scheinpräparat und nicht mit Vitamin D allein, sodass offen bleibt, was das K2 zusätzlich leistet. Damit können gesunde Menschen nach heutigem Wissen auf den Zusatz verzichten. Bei bekannter Gefäßverkalkung ist das eine Frage für die Kardiologin oder den Kardiologen.

So wurde gemessen
  • Knochen: 8 RCTs, 971 Personen; Gesamt-Knochendichte höher (SMD 0,316; 95 % KI 0,031 bis 0,601), untercarboxyliertes Osteocalcin gesunken. Kontrollgruppen teils ohne jede Behandlung.4
  • Herzklappe (AVADEC): 365 Männer, im Mittel 71 Jahre, Klappenkalk über 300 Einheiten; täglich 720 µg MK-7 und 25 µg Vitamin D oder Placebo. Fortschreiten des Klappen-, Aorten- und Koronarkalks nicht verschieden; dp-ucMGP −212 gegenüber +45 pmol/l.3
  • Herzkranzgefäße (DANCODE): 398 Personen mit Kalk-Score ab 400, gleiche Dosis, 24 Monate. Score-Anstieg 196 gegenüber 248 Einheiten; Gesamtvolumen der Ablagerungen ähnlich.5

Unsere Einordnung

Vitamin K2 zu Vitamin D ist eine einleuchtende Idee mit dünner Studienlage. Ein Schaden durch Vitamin D ohne K2 ist bei üblichen Mengen nicht gezeigt. Ein Nutzen der Kombination für Knochen oder Herz ist ebenso wenig bewiesen.

Wie viel K2 zu Vitamin D?

Ein festes Verhältnis zwischen den beiden Vitaminen ist in keiner Studie untersucht worden. Angaben wie „so und so viel K2 pro tausend Einheiten Vitamin D“ klingen präzise, stammen aber nicht aus der Forschung. Die beiden dänischen Studien gaben eine hohe Menge Vitamin K zusammen mit einer üblichen Tagesmenge Vitamin D.35 Das ist eine Dosis, die Forschende für ihren Versuch gewählt haben, und keine geprüfte Empfehlung.

Dafür gibt es eine wichtige Ausnahme. Gerinnungshemmer vom Typ Vitamin-K-Antagonist wirken gerade dadurch, dass sie Vitamin K ausbremsen, und in Deutschland ist das meist der Wirkstoff Phenprocoumon. In einer kleinen Studie verschoben schon geringe Mengen K2 bei gesunden Freiwilligen, die ein solches Mittel nahmen, den Gerinnungswert spürbar.6 Für alle anderen gibt es aus Studien zwar keine Höchstmenge, nötig ist der Zusatz aber ebenso wenig.

So wurde gemessen
  • Studiendosis: in beiden dänischen Studien täglich 720 µg Vitamin K2 (MK-7) und 25 µg Vitamin D (1.000 IE).35
  • Gerinnung: 15 Gesunde unter Acenocoumarol, zusätzlich 10, 20 oder 45 µg MK-7 täglich. Bereits 10 µg senkten den INR-Wert bei mindestens 40 % der Teilnehmenden in klinisch bedeutsamem Maß; 45 µg senkten ihn im Mittel um etwa 40 %.6

Sicherheitshinweis

Bei Gerinnungshemmern vom Typ Vitamin-K-Antagonist (etwa Phenprocoumon) sollte Vitamin K2 nur nach Rücksprache mit der behandelnden Praxis eingenommen werden. Schon kleine Mengen können die Einstellung des Gerinnungswerts verändern.

Vitamin D und Magnesium zusammen einnehmen?

Magnesium und Vitamin D vertragen sich gut, und Magnesium hilft dem Vitamin D vermutlich sogar. Das liegt an den Enzymen, die Vitamin D im Körper umbauen, denn sie brauchen Magnesium für ihre Arbeit.7 Genau das hat eine amerikanische Studie geprüft. Erwachsene nahmen dort drei Monate lang Magnesium oder ein Scheinpräparat, und bei eher niedrigem Vitamin-D-Spiegel stieg dieser mit Magnesium an, während er bei schon hohem Spiegel leicht sank.7 Magnesium scheint den Spiegel also eher auszugleichen, als ihn einfach nach oben zu treiben.

In einer zweiten Studie mit übergewichtigen Erwachsenen stieg der Vitamin-D-Wert am stärksten, wenn beide Stoffe zusammen eingenommen wurden.8 Allerdings sind beide klein und kurz. Ob die Kombination Knochen oder Herz besser schützt, hat niemand untersucht.

Dass Vitamin D und Magnesium „nicht zusammen“ eingenommen werden sollten, lässt sich aus den Studien nicht ableiten, denn eine gegenseitige Störung ist nirgends beschrieben. So spricht nichts gegen dieselbe Mahlzeit. Wie sich Magnesium mit Eisen, Zink oder Calcium verträgt, beschreibt der Beitrag Magnesium mit anderen Mitteln kombinieren im Detail.

So wurde gemessen
  • Ausgleichender Effekt: 180 Erwachsene von 40 bis 85 Jahren, Magnesium in individuell angepasster Menge oder Placebo, 12 Wochen. Der Effekt auf 25(OH)D3 hing vom Ausgangswert ab: Anstieg bei Ausgangswerten nahe 30 ng/ml, Abfall bei höheren Werten zwischen etwa 30 und 50 ng/ml.7
  • Kombination: 95 Erwachsene mit Übergewicht, 1.000 IE D3 täglich mit oder ohne 360 mg Magnesiumglycinat oder Placebo, 12 Wochen. Stärkster Anstieg mit der Kombination (+6,3 ng/ml).8

Vitamin D und Calcium: zusammen oder nicht zusammen einnehmen?

Zusammen geht, aber Calcium-Tabletten bringen wenig und haben einen Preis. Kaum eine Frage der Vitamin-D-Forschung wurde so oft untersucht, in Studien mit zusammen weit über hunderttausend Erwachsenen, und das Ergebnis ist ernüchternd. Vitamin D allein verhinderte bei älteren Menschen keine Knochenbrüche.9 Mit Calcium brachen zwar etwas weniger Knochen, doch die Autoren der neuesten Auswertung halten den Gewinn für so klein, dass er im Alltag kaum zählt.9

Das zeigt am besten der Hüftbruch. Bei älteren Menschen, die noch zu Hause lebten, verhinderte die Kombination pro Jahr etwa einen Bruch unter tausend, im Pflegeheim waren es ungefähr neun.10 Studien, die nur selbstständig Lebende einschlossen, fanden gar keinen Vorteil.11 Bei Stürzen bleibt das Bild unklar,9 und die Knochendichte am Oberschenkelhals stieg bei Frauen mit Knochenschwund nicht an.12

Ziel Ergebnis mit Calcium Einstufung
Knochenbrüche insgesamt wenig weniger, laut Autoren kaum relevant9 unklar
Hüftbrüche wenig weniger, vor allem im Pflegeheim910 unklar
Stürze Ergebnis an der Grenze zu „kein Effekt“9 unklar
Knochendichte am Oberschenkelhals unverändert12 spricht dagegen
Ermüdungsbrüche bei Rekrutinnen eine Studie, etwas weniger13 unklar (erste Hinweise)
Demenz, Wechseljahresbeschwerden je nur eine große Studie, ohne klaren Effekt1415 unklar
Nierensteine häufiger1617 gut belegt (Schaden)

Daraus folgt nicht, dass Vitamin D und Calcium getrennt gehören. Vitamin D hilft dem Darm ja gerade dabei, Calcium aufzunehmen. Die eigentliche Frage lautet eher, ob Calcium aus der Tablette überhaupt nötig ist, denn meist reicht die Menge aus der Nahrung, etwa aus Milchprodukten oder calciumreichem Mineralwasser. Tabletten braucht es nur bei nachgewiesenem Bedarf.

So wurde gemessen
  • Brüche: größte Auswertung (69 RCTs, 153.902 Erwachsene). Vitamin D allein, 36 Studien: jeder Bruch RR 1,00. Mit Calcium, 15 Studien mit 51.126 Personen: RR 0,91, ohne Studien mit hohem Verzerrungsrisiko nicht mehr signifikant. Hüftbruch mit Calcium RR 0,84 (9 Studien). Stürze mit Calcium RR 0,92 (0,84 bis 1,00).9
  • Absolut: etwa 1 Hüftbruch weniger je 1.000 selbstständig Lebende und Jahr, etwa 9 weniger je 1.000 Heimbewohner.10 Nur selbstständig Lebende (33 RCTs): kein Effekt.11
  • Knochendichte: 11 RCTs, 43.869 Frauen mit Osteoporose nach der Menopause; nur am Becken höher.12

Fördert Vitamin D mit Calcium Nierensteine?

Mehr Nierensteine sind bei der Kombination ein belegter Schaden, und unter allen Befunden zu Vitamin D mit Calcium ist dieser am besten gesichert. In der amerikanischen Frauenstudie WHI nahmen über 36.000 Frauen nach den Wechseljahren sieben Jahre lang täglich Calcium mit etwas Vitamin D oder ein Scheinpräparat,16 und am Ende hatten mit der Kombination 449 gegenüber 381 Frauen ohne sie einen Nierenstein bekommen.18 Eine Auswertung der Cochrane-Gruppe, die als besonders streng gilt, kam mit drei Studien zum selben Ergebnis.17 Ein Bericht für die US-Präventionsbehörde rechnet mit etwa drei zusätzlichen Steinen unter tausend Menschen.19 Das ist selten. Doch auch der Nutzen für die Knochen fällt kaum größer aus.

Ob Vitamin D allein Steine fördert, ist dagegen ungeklärt, denn in den Studien führte es nicht zu zusätzlichen Steinen.20 Einzelne Fallberichte gibt es aber. Der Verdacht fällt deshalb auf das Calcium, auch wenn sich die beiden Stoffe nicht sicher trennen lassen.17 Wer schon einmal Nierensteine hatte, sollte Calcium-Tabletten nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen, und für alle anderen ist Calcium aus der Nahrung die bessere Wahl. Was bei zu viel Vitamin D mit dem Calcium im Blut geschieht, beschreibt der Beitrag zur Vitamin-D-Überdosierung.

So wurde gemessen
  • WHI: 36.282 Frauen von 50 bis 79, 1.000 mg Calcium plus 400 IE D3 täglich, 7 Jahre. Nierensteine HR 1,17 (1,02 bis 1,34); 449 gegenüber 381 Frauen.1618
  • Cochrane: 3 Studien, 42.753 Personen, RR 1,17 (1,03 bis 1,34), Evidenzqualität moderat; welcher Stoff verantwortlich ist, bleibt laut Autoren offen.17
  • US-Präventionsbehörde: +0,33 Prozentpunkte Nierensteine bei selbstständig Lebenden ab 50.19
  • Vitamin D allein: 9 Studien, RR 0,66 (0,41 bis 1,09).20

Zink, Eisen und Vitamin D zusammen einnehmen?

Weder bei Zink noch bei Eisen ist eine Störung durch Vitamin D beschrieben, gezielt untersucht hat das allerdings auch niemand. Dabei gibt es keine Studie, in der Vitamin D die Aufnahme von Zink oder Eisen messbar gebremst hätte. Zink und Vitamin D vertragen sich also.

Bei Eisen steckt der Haken woanders. Er heißt Calcium. Viele Vitamin-D-Präparate enthalten Calcium, und Vitamin D wird gern zum Frühstück mit Milch oder Käse genommen. Schon die Calcium-Menge eines kleinen Glases Milch hat in einer schwedischen Versuchsreihe die Eisenaufnahme ungefähr halbiert.21 Eisen gehört deshalb mit etwas Abstand zu Calcium und Milchprodukten auf den Tagesplan, und zwar nicht wegen des Vitamin D selbst.

So wurde gemessen
  • Eisen und Calcium: 126 Erwachsene, Testmahlzeiten mit unterschiedlich viel Calcium. 165 mg Calcium als Milch, Käse oder Calciumsalz senkten die Eisenaufnahme um 50 bis 60 %.21

Welche Medikamente vertragen sich nicht mit Vitamin D?

Heikel sind vor allem Mittel, die mit dem Calcium im Blut zusammenhängen, allen voran Entwässerungstabletten vom Typ Thiazid wie Hydrochlorothiazid gegen Bluthochdruck, weil sie Calcium im Körper zurückhalten. Ob sie zusammen mit Vitamin D den Calciumspiegel zu hoch treiben, ist ungeklärt. Beschrieben ist das vor allem bei Älteren und Nierenkranken, wenn zusätzlich Calcium hinzukommt.22 In einer Studie mit 84 Menschen, die ein Thiazid und bis zu 4.000 IE Vitamin D täglich nahmen, stieg der Calciumwert dagegen nur leicht, und zu hoch war er bei einer einzigen Person.23

Ähnlich liegt der Fall bei Herzmitteln aus der Digitalis-Gruppe, deren Wirkung ein hoher Calciumspiegel verstärkt. In einer kleinen Studie änderte Vitamin D zwar nichts daran, wie viel vom Herzmittel ins Blut gelangt, der Calciumwert stieg aber leicht.24 Ob das zu Herzrhythmusstörungen führt, ist nicht untersucht.

Beim Schilddrüsenhormon L-Thyroxin stört weniger das Vitamin D als das Calcium. Denn Calcium-Tabletten senkten in einer Studie die Menge an Hormon, die im Blut ankam.25 Dazu kommen die Gerinnungshemmer, die mit Vitamin K2 kollidieren, wie weiter oben beschrieben.6

Wer eines dieser Medikamente nimmt, sollte Vitamin D, Calcium oder K2 vorher mit Ärztin, Arzt oder Apotheke abstimmen. Zu welcher Tageszeit Vitamin D am besten aufgehoben ist, erklärt der Beitrag zur Einnahme von Vitamin D. Einen Überblick über alle untersuchten Wirkungen bietet die Seite Vitamin D: Wirkung und Studienlage.

So wurde gemessen
  • Thiazide: systematische Übersicht über 109 Arbeiten, überwiegend Fallberichte und Beobachtungen.22 Nachauswertung einer Dosisstudie: 84 Nutzer von Hydrochlorothiazid, Placebo oder 1.000 bis 4.000 IE D3 täglich über 3 Monate; ein einziger Fall von Hyperkalzämie.23
  • Digoxin: 8 gesunde Männer ohne Placebogruppe, 1.000 IE D3 täglich. Aufnahme des Digoxins unverändert, Calcium von 9,32 auf 9,68 mg/dl.24
  • L-Thyroxin: 20 Behandelte, 3 Monate zusätzlich 1.200 mg Calcium als Carbonat. TSH stieg im Mittel von 1,6 auf 2,7 mIU/l, nach dem Absetzen fiel es wieder.25

Unser Fazit

Vitamin D braucht keinen Begleiter, um sicher zu sein. Magnesium passt problemlos dazu, für K2 fehlt der Nachweis eines Zusatznutzens. Bei Calcium-Tabletten ist Zurückhaltung angebracht: wenig Gewinn für die Knochen, etwas mehr Nierensteine.

Häufige Fragen

Sind Vitamin-D-K2-Tropfen sinnvoll?

Ein Vorteil gegenüber Vitamin D allein ist nicht belegt. Die Studien zur Kombination arbeiteten mit Tabletten, Tropfen wurden nicht verglichen. Bei Gerinnungshemmern vom Typ Vitamin-K-Antagonist sollten solche Tropfen nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.

Kann man Vitamin D ohne K2 einnehmen?

Ja. Die großen Vitamin-D-Studien gaben fast immer Vitamin D ohne Vitamin K. Dass die Gefäße dabei verkalkten, zeigte sich nicht.12

Vitamin D, K2 und Magnesium zusammen: Ist das sinnvoll?

Diese Dreierkombination hat niemand untersucht. Die einzelnen Paare vertragen sich nach heutigem Wissen. Ob alle drei zusammen mehr bringen als Vitamin D allein, ist offen.

Kann man Vitamin C und D zusammen einnehmen?

Eine Störung ist nicht bekannt, gezielt geprüft wurde die Kombination aber kaum. Vitamin D sollte unabhängig davon zu einer Mahlzeit genommen werden, weil Fett seine Aufnahme verbessert.26

Kann man Vitamin D und Omega-3 zusammen einnehmen?

Ja, eine Störung ist nicht beschrieben. Omega-3 ist selbst ein Fett, und mit Fett wird Vitamin D etwas besser aufgenommen.26

Kann man Vitamin D und L-Thyroxin zusammen einnehmen?

Für Vitamin D selbst gibt es dazu keine Studien. Calcium bremst aber nachweislich die Aufnahme des Schilddrüsenhormons.25 Enthält das Vitamin-D-Präparat Calcium, sollte es mit Abstand zum Hormon genommen werden. Den Abstand legt am besten die Ärztin oder der Arzt fest.

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Alle 26 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Beveridge et al. 2018, J Am Heart Assoc31 RCTs, 2.751 Personen; 29 Studien mit 2.641 Pers. in der Meta-Analyse; 900 bis 5.000 IE/Tag, bis 12 MonatePulswellengeschwindigkeit 0,00 m/s (−0,36 bis 0,37); Gefäßerweiterung 0,37 % (−0,23 bis 0,97)Einzeldaten-Meta-Analyse
2Manson et al. 2010, MenopauseTeilstudie der WHI, 754 Frauen von 50 bis 59 Jahren, 1.000 mg Calcium plus 400 IE Vitamin D3, im Mittel 7 JahreKoronarkalk-Score 91,6 vs. 100,5 (p = 0,74)RCT (mit Calcium)
3Diederichsen et al. 2022, Circulation1 RCT (AVADEC), 365 Männer, im Mittel 71 Jahre, mit verkalkter Aortenklappe; 720 µg MK-7 plus 25 µg Vitamin D täglich, 24 MonateVerkalkung der Klappe, der Aorta und der Herzkranzgefäße schritt nicht langsamer fort als unter Placebo; inaktives Matrix-Gla-Protein deutlich gesunkenRCT (K2 plus D)
4Kuang et al. 2020, Food Funct8 RCTs, 971 Personen, Vitamin K plus Vitamin D gegenüber KontrollgruppenGesamt-Knochendichte höher (SMD 0,316; 0,031 bis 0,601); untercarboxyliertes Osteocalcin gesenktMeta-Analyse
5Hasific et al. 2026, Circulation1 RCT (DANCODE), 398 Personen mit starker Verkalkung der Herzkranzgefäße, 720 µg K2 plus 25 µg D3 täglich, 24 MonateKalk-Score stieg um 196 statt 248 Punkte (Placebo); Gesamtvolumen der Ablagerungen ähnlichRCT (K2 plus D)
6Theuwissen et al. 2013, J Thromb Haemost15 Gesunde unter dem Gerinnungshemmer Acenocoumarol, zusätzlich 10, 20 oder 45 µg MK-7 täglichschon 10 µg senkten den INR-Wert bei mindestens 40 % klinisch relevant; 45 µg senkten ihn im Mittel um rund 40 %Kleine Studie
7Dai et al. 2018, Am J Clin Nutr1 RCT, 180 Erwachsene von 40 bis 85 Jahren, Magnesium oder Placebo, 12 WochenVitamin-D-Wert stieg mit Magnesium bei Ausgangswerten um 30 ng/ml, sank bei höheren AusgangswertenRCT
8Cheung et al. 2022, Nutrition1 RCT, 95 Erwachsene mit Übergewicht; 1.000 IE D3 mit oder ohne 360 mg Magnesium oder Placebo, 12 Wochengrößter Anstieg des Vitamin-D-Werts mit der Kombination (+6,3 ng/ml)RCT
9Massé et al. 2026, BMJ69 RCTs, 153.902 Erwachsene; Vitamin D allein 36 Studien, mit Calcium 15 Studienjeder Bruch: allein RR 1,00, mit Calcium RR 0,91; Hüftbruch mit Calcium RR 0,84; Stürze mit Calcium RR 0,92 (0,84–1,00); Autoren: absolut wenig bis kein NutzenMeta-Analyse (maßgeblich)
10Avenell et al. 2014, Cochrane Database Syst RevVitamin D plus Calcium, Hüftbruch: 9 Studien, 49.853 Personenpro Jahr etwa 1 Hüftbruch weniger je 1.000 selbstständig Lebende, 9 weniger je 1.000 HeimbewohnerMeta-Analyse (Cochrane)
11Zhao et al. 2017, JAMA33 RCTs, 51.145 selbstständig lebende Erwachsene über 50Calcium plus Vitamin D ohne Effekt auf Hüft- und andere BrücheMeta-Analyse (Gegenbefund)
12Cong & Zhang 2025, BMC Musculoskelet Disord11 RCTs, 43.869 Frauen nach der Menopause mit OsteoporoseKnochendichte nur am Becken höher; Wirbelsäule, Schenkelhals und Hüfte unverändertMeta-Analyse
13Lappe et al. 2008, J Bone Miner Res1 RCT, 5.201 Rekrutinnen der US-Marine, 800 IE Vitamin D plus 2.000 mg Calcium täglich, 8 Wochen GrundausbildungErmüdungsbrüche 5,3 % gegenüber 6,6 % unter PlaceboRCT
14Rossom et al. 2012, J Am Geriatr SocWHI-Teilstudie, 4.143 Frauen ab 65, 1.000 mg Calcium plus 400 IE Vitamin D täglichDemenz und leichte kognitive Störung nicht seltener als unter PlaceboRCT
15LeBlanc et al. 2015, MaturitasWHI, 34.157 Frauen, 1.000 mg Calcium plus 400 IE Vitamin D täglich, im Mittel 5,7 JahreZahl der Wechseljahresbeschwerden, Schlaf und Energie unverändertRCT
16Jackson et al. 2006, N Engl J Med1 RCT (WHI), 36.282 Frauen von 50 bis 79 Jahren, 1.000 mg Calcium plus 400 IE Vitamin D3 täglich, 7 JahreNierensteine HR 1,17 (1,02 bis 1,34); Brüche insgesamt nicht seltenerGroße RCT
17Bjelakovic et al. 2014, Cochrane Database Syst RevCochrane-Übersicht; Nierensteine: 3 Studien, 42.753 Personen, D3 plus CalciumNierensteine RR 1,17 (1,03 bis 1,34), Evidenzqualität moderat; unklar, ob Vitamin D, Calcium oder beides verantwortlich istMeta-Analyse (Cochrane)
18Wallace et al. 2011, Am J Clin NutrNachauswertung der WHI, 36.282 FrauenSteine bei 449 gegenüber 381 FrauenRCT (Nachauswertung)
19Kahwati et al. 2018, JAMAEvidenzbericht für die US-Präventionsbehörde, 11 RCTs, 51.419 selbstständig Lebende ab 50Nierensteine +0,33 Prozentpunkte mit Vitamin D plus CalciumEvidenzbericht
20Malihi et al. 2016, Am J Clin Nutr48 RCTs, 19.833 Personen, Vitamin D allein, mindestens 24 Wochen; Nierensteine in 9 StudienNierensteine RR 0,66 (0,41 bis 1,09), nicht häufiger als unter PlaceboMeta-Analyse
21Hallberg et al. 1991, Am J Clin Nutr126 Erwachsene, Calcium zu Testmahlzeiten165 mg Calcium aus Milch, Käse oder Salz senkten die Eisenaufnahme um 50 bis 60 %Grundlagenstudie
22Robien et al. 2013, Nutr Clin Practsystematische Übersicht, 109 Arbeiten zu Wechselwirkungen von Arzneimitteln mit Vitamin DThiazide plus Calcium und Vitamin D können bei Älteren und Nierenkranken eine Hyperkalzämie auslösenSystematische Übersicht
23Chandler et al. 2014, Am J MedNachauswertung einer Dosisstudie; 84 Nutzer von Hydrochlorothiazid, Placebo oder 1.000 bis 4.000 IE D3 täglich, 3 MonateCalcium etwas höher als ohne Thiazid, nur ein Fall von HyperkalzämieRCT (Nachauswertung)
24Kota et al. 2012, Fundam Clin Pharmacol8 gesunde Männer, Digoxin vor und nach 1.000 IE D3 täglich, ohne PlaceboDigoxin-Spiegel unverändert; Calcium 9,32 auf 9,68 mg/dlPilotstudie
25Singh et al. 2000, JAMA20 Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion unter Levothyroxin, 3 Monate zusätzlich 1.200 mg Calcium als Carbonatfreies T4 sank, TSH stieg von 1,6 auf 2,7 mIU/l und fiel nach dem Absetzen wiederKohortenstudie
26Dawson-Hughes et al. 2015, J Acad Nutr Diet50 gesunde Ältere, einmalig 50.000 IE D3 zu einem fettfreien oder fetthaltigen FrühstückSpitzenwert im Blut mit Fett 32 % höherRCT

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