Die kurze Antwort
Ein Vitamin-D-Mangel bleibt oft lange unbemerkt. Erst ein schwerer Mangel macht typische Beschwerden: Knochenschmerzen und schwache Muskeln. Dass Müdigkeit, Haarausfall oder Niedergeschlagenheit vom Mangel kommen, ist nicht belegt. Feststellen lässt er sich nur per Bluttest. Meist gilt ein Wert unter 50 nmol/L als Mangel, unter 30 nmol/L als schwerer Mangel. Gefährdet sind vor allem Ältere, Menschen mit dunkler Haut und alle, die selten Sonne abbekommen.
Auf dieser Seite 7 Abschnitte
- Ab welchem Wert spricht man von einem Vitamin-D-Mangel?
- Vitamin-D-Mangel: Welche Symptome gibt es, und wie äußert er sich?
- Macht Vitamin-D-Mangel Müdigkeit oder Kopfschmerzen?
- Vitamin-D-Mangel und Psyche: Macht er depressiv?
- Verursacht Vitamin-D-Mangel Haarausfall?
- Was sind die Ursachen eines Vitamin-D-Mangels?
- Vitamin-D-Mangel beheben: Was tun?
Im Februar kommt der Befund aus dem Labor, und fast alles darauf ist unauffällig, nur eine Zeile ist rot markiert: Vitamin D, deutlich zu niedrig. Das klingt zunächst beunruhigend. Wer daraufhin im Netz sucht, findet lange Listen mit Beschwerden, von Müdigkeit über Haarausfall bis zum Bauchansatz. Dabei ist ein niedriger Wert in Deutschland eher die Regel als die Ausnahme, denn in einer bundesweiten Untersuchung lag fast jeder dritte Erwachsene unter der Grenze für einen schweren Mangel.1 Was ein solcher Mangel sicher anrichtet, passt allerdings auf eine erstaunlich kurze Liste. Vieles andere steht nicht darauf.
Ab welchem Wert spricht man von einem Vitamin-D-Mangel?
Von einem Mangel sprechen Fachleute meist ab einem Wert unter 50 nmol/L, und als schwer gilt er unter 30.2 Gemessen wird dabei nicht das Vitamin selbst, sondern seine Speicherform im Blut, an der sich ablesen lässt, wie gut die Vorräte des Körpers gefüllt sind.
Verwirrend wird es erst, wenn ein Labor in einer anderen Einheit rechnet, nämlich in ng/ml. Dort heißen dieselben Grenzen 20 und 12.2 Wer zwei Befunde vergleicht, sollte also zuerst auf die Einheit schauen.
Wo genau der Mangel beginnt, ist umstritten. Eine große europäische Auswertung hat deshalb mit beiden Grenzen gerechnet und kam auf sehr unterschiedliche Zahlen: Nach der strengen war gut jeder achte Mensch in Europa betroffen, nach der weiteren waren es vier von zehn.3 Damit entscheidet schon die Wahl der Grenze mit darüber, wie verbreitet das Problem erscheint.
In Deutschland fällt das Bild ungünstiger aus. Gut sechs von zehn Erwachsenen lagen hier unter der weiteren Grenze und fast jeder dritte unter der strengen, und damit schneidet das Land schlechter ab als der europäische Durchschnitt.13 Gerade weil das so viele betrifft, ist ein einzelner niedriger Vitamin-D-Wert im Blut noch keine Krankheit. Das Ergebnis zeigt knappe Vorräte, und was es bedeutet, ergibt sich erst zusammen mit Beschwerden und Lebensumständen.
So wurde gemessen
- Grenzwerte: Mangel unter 50 nmol/L (20 ng/ml), schwerer Mangel unter 30 nmol/L (12 ng/ml); über 50 nmol/L gilt als erstes Behandlungsziel.2
- Europa: 14 Bevölkerungsstudien mit 55.844 Personen, alle Werte nachträglich auf dieselbe Labormethode umgerechnet. Unter 30 nmol/L: 13,0 % übers Jahr, 17,7 % im Winterhalbjahr, 8,3 % im Sommer. Unter 50 nmol/L: 40,4 %.3
- Deutschland: Untersuchung des Robert Koch-Instituts 2008 bis 2011 mit 6.995 Erwachsenen. Mittelwert 45,6 nmol/L, 61,6 % unter 50, 30,2 % unter 30 nmol/L.1
Vitamin-D-Mangel: Welche Symptome gibt es, und wie äußert er sich?
Solange der Mangel nicht schwer ist, macht er in aller Regel keine Beschwerden, die sich ihm klar zuordnen ließen. Eindeutige Anzeichen sind erst bei sehr niedrigen Werten beschrieben, und auch dann betreffen sie fast nur Knochen und Muskeln.4 Das hat eine unbequeme Folge. Ohne Bluttest lässt sich ein Mangel weder erkennen noch ausschließen, ganz gleich, wie man sich fühlt.
Welche Symptome hat ein schwerer Vitamin-D-Mangel bei Erwachsenen?
Ein schwerer Mangel zeigt sich bei Erwachsenen vor allem durch Knochenschmerzen und schwache Muskeln. Die Schmerzen sitzen oft in Schultern, Rippen, unterem Rücken und Oberschenkeln, und manchmal kommt eine bleierne Müdigkeit hinzu.4 Allerdings tauchen diese Zeichen vor allem bei Werten unter 25 nmol/L auf, also weit unter der üblichen Mangelgrenze.4
Dahinter steckt eine Knochenerweichung, die Osteomalazie. Dabei baut der Körper zwar weiter neue Knochensubstanz, kann sie aber nicht mehr richtig mit Mineralstoffen füllen, sodass die Knochen weich werden, schmerzen und sich sogar verformen können.5 Sinkt zugleich das Calcium im Blut stark ab, kommen eigene Beschwerden hinzu, bei Säuglingen etwa Krampfanfälle.45 Dass Vitamin D diese Krankheit verhindert, gehört zum medizinischen Grundwissen.6 Mit einem Scheinpräparat (Placebo) verglichen hat das bei Erwachsenen trotzdem niemand, und das hat einen einfachen Grund: Für einen solchen Versuch müsste man Menschen mit Mangel die Behandlung vorenthalten.
Auch die Muskelschwäche zeigt sich erst bei einem deutlichen Mangel. Bei Älteren mit nur leicht niedrigen Werten machte Vitamin D die Muskeln in einer Auswertung von 54 Studien nicht kräftiger.7 Ob es bei einem Mangel Stürze verhindert, ist offen. Teilauswertungen fanden etwas weniger Stürze, während die große VITAL-Studie, die gut fünf Jahre lief, keinen Unterschied zwischen Menschen mit niedrigem und normalem Ausgangswert sah.89
Wer anhaltende Knochen- oder Muskelschmerzen ohne erkennbaren Grund hat, sollte sie ärztlich abklären lassen. Dabei kann ein Bluttest auf Vitamin D ein Baustein sein, mehr aber auch nicht.
So wurde gemessen
- Beschwerdebild: Übersichtsarbeit zu Zugewanderten mit schwerem Mangel; bei Erwachsenen vor allem Muskelschwäche und Knochenschmerzen, im Röntgenbild teils Umbauzonen im Knochen.4 Klassische Zeichen der Osteomalazie laut einer weiteren Übersicht: Schmerzen an Muskeln und Skelett, Verformungen, Muskelschwäche und Folgen eines niedrigen Calciumspiegels.5
- Muskelkraft: 54 Placebo-Studien mit 8.747 Personen; an keiner Muskelgruppe ein Kraftgewinn, auch nicht bei niedrigem Ausgangswert.7
- Stürze: Teilauswertung von Studien mit Ausgangswert unter 50 nmol/L, Sturzrisiko RR 0,77.8 VITAL: 25.871 Erwachsene, 2.000 IE täglich über gut fünf Jahre, kein Unterschied zwischen niedrigem und normalem Ausgangswert.9
Vitamin-D-Mangel bei Frauen: Gibt es eigene Symptome oder Anzeichen?
Bei Frauen äußert sich ein Mangel nicht anders als bei Männern, eigene Frauensymptome sind nicht beschrieben. Auch die Werte selbst unterscheiden sich kaum, denn im Mittel lagen Frauen und Männer in Deutschland gleich hoch, wobei die Werte bei Frauen mit steigendem Alter und geringerem sozialem Status niedriger ausfielen.1
Interessant ist eine kleine Studie aus Indien. Begleitet wurden dort Frauen in den Jahren vor den Wechseljahren, die alle einen Mangel hatten. Nach einem halben Jahr mit Vitamin D fühlten sie sich weniger erschöpft und besser gestimmt als mit einem Scheinpräparat.10 Für die Schwangerschaft geht eine große Fachgesellschaft noch weiter und schlägt Vitamin D sogar ohne vorherigen Test vor, ebenso für Kinder und Jugendliche.11 Damit gilt für Frauen dasselbe wie für Männer: Es lohnt sich, auf Knochen, Muskeln und die bekannten Risikofaktoren zu achten.
So wurde gemessen
Schwerer Vitamin-D-Mangel: Gibt es Symptome am Herz?
Spürbare Herzsymptome sind bei einem Mangel nicht beschrieben. Beim Blutdruck liegt die Sache anders. Bei Menschen, die zugleich Bluthochdruck und einen Mangel haben, sank der obere Blutdruckwert mit Vitamin D in zwei Auswertungen, und für genau diese Gruppe gilt der Effekt als gut belegt.2526 Doch rechnete man alle Menschen mit Mangel zusammen, war er nicht mehr sicher.25
Bei hohem Blutdruck kann es sich deshalb lohnen, den Vitamin-D-Wert mitbestimmen zu lassen. Ersetzen kann es die Blutdruckmedikamente aber nicht. Allenfalls ergänzt es die Behandlung, die ohnehin läuft.
So wurde gemessen
- Erste Auswertung: 17 RCTs mit 1.687 Personen mit Mangel; insgesamt systolisch −1,94 mmHg (nicht signifikant). Bei Bluthochdruck −6,58 mmHg oben und −3,07 mmHg unten.25
- Zweite Auswertung: 11 Studien bei Bluthochdruck mit Mangel; oberer Wert gesenkt, unterer nicht, Größe in der Kurzfassung nicht beziffert.26
Macht Vitamin-D-Mangel Müdigkeit oder Kopfschmerzen?
Ein Mangel kann müde machen, doch sicher belegt ist das nicht. Die beste Studie dazu stammt aus der Schweiz, wo rund 120 junge Erwachsene teilnahmen, die sich ständig erschöpft fühlten und zugleich einen Mangel hatten. Ein Teil bekam einmalig eine hohe Dosis Vitamin D, der andere ein Scheinpräparat, und vier Wochen später ging es in der Vitamin-D-Gruppe sieben von zehn besser, in der Vergleichsgruppe immerhin der Hälfte.12
Dabei fiel auf, dass die Müdigkeit umso stärker nachließ, je deutlicher der Wert stieg.12 Die indische Studie fand Ähnliches.10 Das sind erste Hinweise, doch für ein festes Urteil reichen zwei kleine Studien nicht, zumal beide nur Menschen mit Mangel aufnahmen. Wer müde ist und normale Werte hat, findet in diesen Daten keine Antwort.
Bei Migräne sieht es besser aus. Hier hilft Vitamin D wahrscheinlich, denn in sechs kleinen Studien hatten Betroffene damit knapp drei Attacken weniger im Monat, während sich die Heftigkeit und die Dauer der einzelnen Attacke nicht sicher änderten.13 Ob das nur bei Mangel gilt, bleibt offen, und für gewöhnliche Kopfschmerzen ohne Migräne gibt es bislang nicht einmal eine eigene Auswertung.
Anhaltende Müdigkeit hat viele mögliche Ursachen, und wer ständig erschöpft ist, sollte sie deshalb ärztlich abklären lassen. Dabei liefert ein Vitamin-D-Test einen Hinweis, aber keine fertige Antwort.
So wurde gemessen
- Müdigkeit: 120 Personen, im Mittel 29 Jahre, Wert unter 20 µg/L, einmalig 100.000 IE oder Placebo. Erschöpfungsskala (FAS) −3,3 gegenüber −0,8 Punkten nach 4 Wochen (p = 0,01); Besserung bei 72 gegenüber 50 %.12
- Migräne: 6 RCTs mit 301 Personen; −2,74 Attacken und −1,56 Kopfschmerztage pro Monat; Dauer und Schwere ohne sicheren Unterschied.13
Vitamin-D-Mangel und Psyche: Macht er depressiv?
Dass ein Mangel depressiv macht, ist nicht belegt, doch bei einer bestehenden Depression kann Vitamin D die Behandlung unterstützen. Viele Beobachtungen zeigen zwar, dass Menschen mit Depression öfter niedrige Werte haben.14 Das kann aber auch umgekehrt laufen. Wer niedergeschlagen ist, geht seltener nach draußen und bekommt entsprechend weniger Sonne ab.
Die größte Vorbeugungsstudie dämpft diese Vermutung. Über 18.000 Menschen ab 50 Jahren nahmen gut fünf Jahre lang täglich Vitamin D oder ein Scheinpräparat. Das Ergebnis war ernüchternd: Depressionen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf, und die Stimmung entwickelte sich gleich.15 Wäre ein Mangel eine wichtige Ursache, hätte sich hier ein Unterschied zeigen müssen.
Anders liegt der Fall bei Menschen, deren Depression ärztlich festgestellt ist. Bei ihnen gingen die Beschwerden mit Vitamin D in mehreren Auswertungen stärker zurück als mit einem Scheinpräparat, meist als Zusatz zur üblichen Behandlung.16 Nur schwankt der Vorteil stark. Dabei zeigte er sich in einer Auswertung ausgerechnet nicht bei Mangel, sondern nur bei Werten über 50 nmol/L.17
Bei leichter Niedergeschlagenheit ohne Diagnose hilft Vitamin D wahrscheinlich ein wenig, doch der Effekt war klein und verschwand in Studien, die länger als ein Jahr liefen.18 Weil die sehr große Vorbeugungsstudie gar keinen Unterschied fand, bleibt ein Rest Zweifel.15 Gegen das Wintertief schließlich half Vitamin D in der einzigen kleinen Studie dazu nicht besser als ein Scheinpräparat.19
Damit ersetzt Vitamin D keine Depressionsbehandlung. Als Ergänzung lohnt es sich aber, das Thema mit der behandelnden Praxis zu besprechen, gerade wenn der Wert niedrig ist.
So wurde gemessen
- Beobachtung: 14 Studien mit 31.424 Personen; in Langzeitbeobachtungen war Depression bei den niedrigsten Werten gut doppelt so häufig (HR 2,21).14
- Vorbeugung: VITAL-DEP, 18.353 Personen, 2.000 IE täglich, im Median 5,3 Jahre; neue oder wiederkehrende Depression HR 0,97.15
- Diagnostizierte Depression: 18 RCTs mit 1.980 Personen, SMD −0,49, bei Erwachsenen −0,70, bei Kindern und Jugendlichen kein Effekt.16 Weitere Auswertung mit 18 RCTs: SMD −0,15, nur bei Ausgangswert über 50 nmol/L signifikant.17
- Leichte Beschwerden: 31 RCTs mit 24.189 Personen; Studien über 52 Wochen ohne Effekt.18 Wintertief: 34 Personen, 12 Wochen, kein Unterschied.19
Unsere Einordnung
Ein Mangel macht nach heutigem Wissen nicht depressiv, und Vitamin D beugt Depressionen nicht vor. Bei einer festgestellten Depression ist es dagegen eine gut belegte Ergänzung. Wie groß der Nutzen ist, schwankt aber von Studie zu Studie.
Verursacht Vitamin-D-Mangel Haarausfall?
Dass ein Mangel die Haare ausfallen lässt, ist nicht nachgewiesen, auch wenn ein Zusammenhang naheliegt. Menschen mit Haarausfall haben im Schnitt niedrigere Werte, und ein Mangel kommt bei ihnen rund dreimal so oft vor.20 Doch ein Zusammenhang ist noch keine Ursache. Ob das Vitamin die Haare zurückbringt, hat aber keine Studie mit Scheinpräparat geprüft. In der einzigen Vergleichsstudie, an der Frauen mit erblichem Haarausfall teilnahmen, besserte Vitamin D allein das Haarbild nicht.21
Bei Haarausfall lohnt sich deshalb die Suche nach der eigentlichen Ursache. Womöglich ist ein niedriger Vitamin-D-Wert dabei nur ein Nebenbefund, der wenig erklärt.
So wurde gemessen
Zeigt sich ein Vitamin-D-Mangel an Haut, Gesicht oder Fingernägeln?
Für Zeichen an Haut, Gesicht oder Nägeln gibt es keine Belege. In den Beschreibungen der Mangelkrankheit tauchen sie nicht auf,45 und zu Hautausschlag oder brüchigen Fingernägeln durch einen Mangel gibt es keine einzige Studie. Eine Ausnahme gibt es allerdings. Bei Neurodermitis wurde das Ekzem mit Vitamin D in elf Studien etwas milder.22
Das zählt zu den gut belegten Wirkungen von Vitamin D, hängt aber nicht erkennbar an einem Mangel. Wer Veränderungen an der Haut im Gesicht bemerkt, ist deshalb in einer dermatologischen Praxis besser aufgehoben als beim Selbsttest.
So wurde gemessen
- Neurodermitis: 11 RCTs mit 686 Kindern und Erwachsenen; Schweregrad des Ekzems SMD −0,41. Ob vor allem Menschen mit Mangel profitieren, ist nicht geklärt.22
Führt ein Vitamin-D-Mangel zu Gewichtszunahme und dickem Bauch?
Hier ist es eher umgekehrt. Menschen mit hohem Körpergewicht haben öfter niedrige Werte.1 Das liegt daran, dass das Vitamin im Fettgewebe eingelagert wird und das Blut schlechter erreicht. Wie stark dieser Effekt ist, zeigte ein Versuch mit UV-Bestrahlung, nach der der Wert bei stark Übergewichtigen um gut die Hälfte weniger anstieg als bei Schlanken.23
Ein dicker Bauch ist also eher ein Grund für niedrige Werte als ihre Folge. Umgekehrt lässt sich mit Vitamin D auch nicht abnehmen, denn in einer Auswertung von 26 Studien mit über 42.000 Menschen änderten sich weder Gewicht noch Fettmasse.24
So wurde gemessen
Was sind die Ursachen eines Vitamin-D-Mangels?
Die wichtigste Ursache ist zu wenig Sonne auf der Haut, denn den größten Teil seines Vitamin D bildet der Körper selbst, sobald UVB-Strahlung auf die Haut trifft.27 Dagegen liefert die Nahrung wenig, nennenswert eigentlich nur fetter Fisch.4 Über Vitamin D aus Lebensmitteln allein ist der Bedarf deshalb kaum zu decken.11
Im Winter fällt die Haut als Quelle fast ganz aus, weil die Sonne zu flach steht. Das zeigen Messungen im kanadischen Edmonton, das etwa auf der Höhe von Berlin liegt: Dort bildete die Haut von Oktober bis März kein Vitamin D, selbst bei klarem Himmel.28 Entsprechend sind die Werte in Deutschland im Winter und Frühjahr am niedrigsten, und im Norden liegen sie niedriger als im Süden.1
Warum kann man trotz Sonne einen Vitamin-D-Mangel haben?
Auch wer viel draußen ist, kann einen Mangel haben, weil vieles die Bildung in der Haut bremst. So braucht dunkle Haut mehr Sonne für dieselbe Menge, und Kleidung oder Sonnenschutz halten die Strahlung ab.27 Hinzu kommt das Alter, denn ältere Haut bildet weniger als halb so viel wie junge,29 und bei starkem Übergewicht kommt weniger im Blut an.23 Dazu können Krankheiten von Darm und Leber sowie einige Mittel gegen Epilepsie einen Mangel fördern.5
| Besonders gefährdet | Warum |
|---|---|
| Ältere, vor allem ohne regelmäßigen Ausgang | Haut bildet weniger, kaum Sonne |
| Menschen mit dunkler Haut | Pigment bremst die Bildung |
| Verhüllende Kleidung | kaum unbedeckte Haut in der Sonne |
| Starkes Übergewicht | Vitamin wird im Fettgewebe eingelagert |
| Darm- oder Lebererkrankungen | Aufnahme oder Umbau gestört |
| Bestimmte Mittel gegen Epilepsie | können einen Mangel fördern |
Wie stark allein die Hautfarbe wirkt, zeigen europäische Daten, nach denen ein schwerer Mangel in dunkelhäutigen Gruppen um ein Vielfaches häufiger war als bei Weißen.3 Wer gleich mehrere dieser Punkte erfüllt, sollte gerade im Winter an einen Mangel denken und den Wert bestimmen lassen.
So wurde gemessen
- Winter: Haut und Vorstufe des Vitamins im Sonnenlicht; in Boston (42° N) von November bis Februar, in Edmonton (52° N) von Oktober bis März keine Bildung.28
- Alter: Hautproben von 8- bis 92-Jährigen; die Haut von 77- und 82-Jährigen bildete nach Bestrahlung weniger als halb so viel wie die von 8- und 18-Jährigen.29
- Hautfarbe: schwerer Mangel bei dunkelhäutigen Gruppen 3- bis 71-mal häufiger.3
- Weitere Ursachen: Ältere ohne Ausgang, verhüllende Kleidung, gestörte Aufnahme im Darm, Lebererkrankungen, Antiepileptika.5
Vitamin-D-Mangel beheben: Was tun?
Der sinnvolle Weg lautet: erst messen, dann gezielt ergänzen. Ein Bluttest zeigt, ob überhaupt ein Mangel vorliegt, doch Gesunden ohne besonderen Anlass rät eine große US-Fachgesellschaft vom Routinetest ab, weil Studien keinen Nutzen solcher Tests zeigen.11 Bei Beschwerden oder Risikofaktoren sieht das anders aus.
Ist ein Mangel nachgewiesen, legt die Arztpraxis Menge und Dauer fest. Bei einer Knochenerweichung nennt eine Fachübersicht für Erwachsene 2.000 bis 3.000 IE am Tag, zusammen mit Calcium.4 Zur Vorbeugung genügen nach derselben Übersicht viel kleinere Mengen, etwa in der Größenordnung dessen, wie viel Vitamin D am Tag Gesunden empfohlen wird. Von sehr hohen Mengen auf eigene Faust ist abzuraten, denn eine Vitamin-D-Überdosierung kann den Calciumspiegel stark anheben.
Wie viel ein Ausgleich bringt, hängt offenbar davon ab, wie tief der Wert vorher war. Bei COPD, einer chronischen Lungenkrankheit, hatten nur Menschen mit sehr niedrigem Wert mit Vitamin D deutlich seltener schwere Verschlechterungen.30 In einer großen Studie mit Betroffenen, die nicht nach ihrem Wert ausgewählt waren, zeigte sich dagegen kein Schutz.31 Ein Nutzen bei schwerem Mangel ist damit wahrscheinlich, auch wenn er bisher nur in einer kleinen Gruppe gezeigt wurde.
Am Ende ist ein Mangel in der Regel einfach zu beheben. Entscheidend ist der Weg dorthin. Festgestellt werden sollte er per Bluttest, nicht per Selbstversuch.
So wurde gemessen
- Tests: Leitlinie der Endocrine Society; keine Studie stützt Routinetests in der Allgemeinbevölkerung, auch nicht bei Übergewicht oder dunkler Haut.11
- Behandlung: Osteomalazie bei Erwachsenen 2.000 bis 3.000 IE täglich plus 1.000 bis 2.000 mg Calcium; Vorbeugung je nach Alter 400 bis 800 IE täglich.4
- COPD: Einzeldaten von 469 Personen; insgesamt kein Effekt, bei Ausgangswert unter 25 nmol/L fast halb so viele Verschlechterungen (aIRR 0,55).30 Lung VITAL: 1.977 Personen, 2.000 IE täglich, 5 Jahre; 0,27 gegenüber 0,25 Verschlechterungen pro Jahr.31
Unser Fazit
Ein Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland häufig, macht aber meist erst Beschwerden, wenn er schwer ist: an Knochen und Muskeln. Müdigkeit, Haarausfall, Hautprobleme oder ein dicker Bauch lassen sich ihm nach heutiger Studienlage nicht sicher zuschreiben. Bei Risikofaktoren lohnt ein Bluttest, bei Depression oder Bluthochdruck mit Mangel auch das Gespräch über Vitamin D als Ergänzung.
Häufige Fragen
Wie wird ein Vitamin-D-Mangel getestet?
Mit einem Bluttest, der die Speicherform des Vitamins misst. Eine große Fachgesellschaft rät davon ab, Gesunde ohne besonderen Anlass routinemäßig zu testen, weil Studien keinen Nutzen dieser Tests zeigen.11 Bei Beschwerden oder Risikofaktoren ist das anders.
Ist ein Vitamin-D3-Mangel etwas anderes als ein Vitamin-D-Mangel?
Nein. Vitamin D3 ist die Form, die die Haut bildet und die in den meisten Präparaten steckt. Im Blut wird die gemeinsame Speicherform gemessen, egal woher das Vitamin stammt.
Kann ein Vitamin-D-Mangel Schwindel oder Augenprobleme auslösen?
Dazu gibt es keine Studien, die einen solchen Zusammenhang zeigen. Schwindel und Sehstörungen haben viele mögliche Ursachen und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Was bedeutet ein Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft?
Eine große Fachgesellschaft schlägt Schwangeren Vitamin D vor, auch ohne vorherigen Bluttest, weil es das Risiko für Präeklampsie und Frühgeburt senken könnte.11 Die Menge sollte mit der frauenärztlichen Praxis abgesprochen werden.
Woran merkt man einen Vitamin-D-Mangel, und wie macht er sich bemerkbar?
Ein leichter Mangel macht meist keine erkennbaren Beschwerden. Erst ein schwerer Mangel zeigt sich durch Knochenschmerzen und schwache Muskeln.4 Sicher feststellen lässt er sich nur im Blut.
Was passiert bei einem Vitamin-D-Mangel, und welche Auswirkungen hat er?
Fehlt Vitamin D lange und deutlich, wird neue Knochensubstanz nicht mehr richtig mit Mineralstoffen gefüllt. Bei Erwachsenen entsteht so eine Knochenerweichung (Osteomalazie), bei Kindern Rachitis.5
Kann ein Vitamin-D-Mangel Hautausschlag verursachen?
Dafür gibt es keine Belege. In den Beschreibungen der Mangelkrankheit kommt Hautausschlag nicht vor.45 Ein Ausschlag sollte ärztlich beurteilt werden.
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Alle Themen zu Vitamin D
Alle 31 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Rabenberg et al. 2015, BMC Public Health | DEGS1, bundesweite Untersuchung des Robert Koch-Instituts 2008–2011, 6.995 Erwachsene | Mittelwert 45,6 nmol/L; 61,6 % unter 50 und 30,2 % unter 30 nmol/L; niedriger im Winter, im Norden, bei hohem BMI und wenig Sport | Bevölkerungsstudie |
| 2 | Amrein et al. 2020, Eur J Clin Nutr | Übersichtsarbeit zur weltweiten Versorgungslage | Mangel unter 50 nmol/L (20 ng/ml), schwerer Mangel unter 30 nmol/L (12 ng/ml); über 50 nmol/L als Behandlungsziel | Übersichtsarbeit |
| 3 | Cashman et al. 2016, Am J Clin Nutr | 14 europäische Bevölkerungsstudien, 55.844 Personen, Werte nachträglich standardisiert | 13,0 % unter 30 nmol/L (Winter 17,7 %, Sommer 8,3 %), 40,4 % unter 50 nmol/L; bei dunkelhäutigen Gruppen 3- bis 71-mal häufiger unter 30 | Bevölkerungsdaten |
| 4 | Lips & de Jongh 2018, Bone Rep | Übersichtsarbeit zu Vitamin-D-Mangel bei Zugewanderten | Erwachsene: vor allem Muskelschwäche und Knochenschmerzen, bei Werten unter 25 nmol/L; Behandlung der Osteomalazie mit 2.000–3.000 IE/Tag plus Calcium, Vorbeugung 400–800 IE/Tag | Übersichtsarbeit |
| 5 | Francis & Selby 1997, Baillieres Clin Endocrinol Metab | Übersichtsarbeit zur Osteomalazie | klassische Zeichen: Schmerzen an Muskeln und Knochen, Verformungen, Muskelschwäche, Beschwerden durch niedriges Calcium; Ursachen u. a. Ältere ohne Ausgang, verhüllende Kleidung, Malabsorption, Lebererkrankung, Antiepileptika | Übersichtsarbeit |
| 6 | Munns et al. 2016, J Clin Endocrinol Metab | internationaler Konsens von 11 Fachgesellschaften | Rachitis und Osteomalazie gelten als vermeidbar; Vorbeugung durch Ergänzung und Anreicherung von Lebensmitteln | Leitlinie |
| 7 | Bislev et al. 2021, J Bone Miner Res | 54 Placebo-RCTs, 8.747 Personen, meist Ältere | keine Kraftzunahme an Hand, Arm oder Bein, auch nicht bei niedrigem Ausgangswert | Meta-Analyse |
| 8 | Ling et al. 2021, Clin Nutr | Untergruppe aus RCTs mit Vitamin D allein, Ausgangswert unter 50 nmol/L | Sturzrisiko RR 0,77 (0,61–0,98) | Meta-Analyse (Untergruppe) |
| 9 | LeBoff et al. 2020, J Clin Endocrinol Metab | VITAL, 25.871 Erwachsene, 2.000 IE täglich, im Median 5,3 Jahre | keine Wirkung auf Stürze, auch nicht bei Ausgangswert unter 50 nmol/L | RCT (Gegenbefund) |
| 10 | Ray et al. 2026, Bioinformation | 100 Frauen um die Wechseljahre mit Vitamin-D-Mangel, 6 Monate, doppelblind | Erschöpfung und Stimmung mit Vitamin D besser als mit Placebo | RCT |
| 11 | Demay et al. 2024, J Clin Endocrinol Metab | Leitlinie der Endocrine Society (USA) | schlägt Vitamin D ohne Test vor für 1- bis 18-Jährige, ab 75 Jahren, in der Schwangerschaft und bei Prädiabetes; rät von Routinetests ab | Leitlinie |
| 12 | Nowak et al. 2016, Medicine (Baltimore) | 120 Erwachsene, im Mittel 29 Jahre, Müdigkeit und Wert unter 20 µg/L, einmalig 100.000 IE | Erschöpfungsskala −3,3 vs. −0,8 Punkte nach 4 Wochen; Besserung bei 72 vs. 50 % | RCT |
| 13 | Hu et al. 2021, Am J Emerg Med | 6 RCTs, 301 Personen mit Migräne | −2,74 Attacken und −1,56 Kopfschmerztage pro Monat; Dauer und Schwere nicht sicher verändert | Meta-Analyse |
| 14 | Anglin et al. 2013, Br J Psychiatry | 14 Beobachtungsstudien, 31.424 Personen | niedrigere Werte bei Depression; Kohortenstudien HR 2,21 für niedrigste vs. höchste Werte | Meta-Analyse von Beobachtungsstudien |
| 15 | Okereke et al. 2020, JAMA | VITAL-DEP, 18.353 Personen ab 50, 2.000 IE täglich, im Median 5,3 Jahre | neue oder wiederkehrende Depression HR 0,97 (0,87–1,09); Stimmungswert unverändert | RCT (größte Studie) |
| 16 | Srifuengfung et al. 2023, Nutrition | 18 RCTs, 1.980 Personen mit diagnostizierter Depression | SMD −0,49; Erwachsene −0,70, Kinder und Jugendliche ohne Effekt | Meta-Analyse |
| 17 | Wang et al. 2024, J Affect Disord | 18 RCTs, Erwachsene mit Depression | SMD −0,15; nur bei Ausgangswert über 50 nmol/L signifikant | Meta-Analyse |
| 18 | Ghaemi et al. 2024, Psychol Med | 31 RCTs, 24.189 Erwachsene | SMD −0,32 je 1.000 IE/Tag; stärker bei bestehenden Beschwerden; über 52 Wochen kein Effekt | Meta-Analyse (Dosis-Wirkung) |
| 19 | Frandsen et al. 2014, BMC Res Notes | 34 Beschäftigte mit saisonalen Beschwerden, 70 µg/Tag, 12 Wochen | kein Unterschied zu Placebo | RCT |
| 20 | Chen et al. 2024, J Cosmet Dermatol | 23 Beobachtungsstudien, 3.374 Personen mit Haarausfall, 7.296 Gesunde | Wert im Mittel 7,3 ng/ml niedriger; Mangel OR 3,11 | Meta-Analyse von Beobachtungsstudien |
| 21 | Hassan et al. 2022, J Cosmet Dermatol | 45 Frauen mit erblichem Haarausfall, 6 Monate, ohne Placebo | Vitamin D allein ohne sichere Besserung | Vergleichsstudie |
| 22 | Nielsen et al. 2024, Nutrients | 11 RCTs, 686 Kinder und Erwachsene mit Neurodermitis | Schweregrad SMD −0,41 | Meta-Analyse |
| 23 | Wortsman et al. 2000, Am J Clin Nutr | Menschen mit BMI ab 30 und Normalgewichtige, Ganzkörper-UV oder Vitamin D2 zum Schlucken | Anstieg nach Bestrahlung bei Adipositas 57 % geringer | Experimentelle Studie |
| 24 | Chandler et al. 2015, Nutr Rev | 26 RCTs, 42.430 Erwachsene | Gewicht −0,05 kg, Fettmasse −0,43 kg, beide nicht signifikant | Meta-Analyse |
| 25 | He & Hao 2019, Medicine (Baltimore) | 17 RCTs, 1.687 Personen mit Vitamin-D-Mangel | insgesamt systolisch −1,94 mmHg (n. s.); bei Bluthochdruck −6,58 / −3,07 mmHg | Meta-Analyse |
| 26 | Serra et al. 2024, J Hypertens | 11 RCTs, Bluthochdruck mit Vitamin-D-Mangel | oberer Wert gesenkt, unterer nicht | Meta-Analyse |
| 27 | Neville et al. 2021, JBMR Plus | Übersichtsarbeit zur Vitamin-D-Bildung in der Haut | abhängig von UVB, Breitengrad, Jahreszeit, Hautpigment, Kleidung, Sonnenschutz, Alter | Übersichtsarbeit |
| 28 | Webb et al. 1988, J Clin Endocrinol Metab | Messung der Vitamin-D-Bildung im Sonnenlicht in Boston (42° N) und Edmonton (52° N) | Boston November bis Februar, Edmonton Oktober bis März keine Bildung | Messstudie |
| 29 | MacLaughlin & Holick 1985, J Clin Invest | Hautproben von 8- bis 92-Jährigen, mit UV bestrahlt | Haut von 77- und 82-Jährigen bildet weniger als halb so viel Vorstufe wie die von 8- und 18-Jährigen | Laborstudie |
| 30 | Jolliffe et al. 2019, Thorax | 4 RCTs, 560 Personen mit COPD, Einzeldaten von 469 | insgesamt kein Effekt; bei unter 25 nmol/L aIRR 0,55 (0,36–0,84) | Meta-Analyse (Einzeldaten) |
| 31 | Gold et al. 2025, J Nutr | Lung VITAL, 1.977 Personen mit COPD aus VITAL, nicht nach Mangel ausgewählt, 5 Jahre | 0,27 vs. 0,25 Verschlechterungen pro Jahr, kein Schutz | RCT (Gegenbefund) |
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