Die kurze Antwort
Erwachsene brauchen laut den Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz je nach Geschlecht und Ernährung 7 bis 16 mg Zink am Tag, aus allen Quellen zusammen. Die EU-Obergrenze liegt bei 25 mg täglich, weil mehr auf Dauer den Kupferhaushalt stören kann. Für ein Präparat empfiehlt das BfR höchstens 6,5 mg pro Tagesdosis. Mengen über 75 mg sind Studiendosen für wenige Erkältungstage.
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Im Drogerieregal stehen Zinktabletten mit 10, 15 und 25 mg nebeneinander. Ein paar Schritte weiter liegen Lutschtabletten für die Erkältungszeit, die über den Tag gerechnet noch weit mehr liefern. Mehr hilft mehr, könnte man meinen. Doch der Körper braucht erstaunlich wenig Zink, und schon das Doppelte seines Bedarfs rückt nahe an eine Grenze, die Fachleute aus gutem Grund gezogen haben. Wo diese Grenze verläuft und warum sie mit einem ganz anderen Metall zu tun hat, erklären Gutachten der Behörden und eine Reihe ungewöhnlicher Fallberichte.
Zink-Tagesbedarf: Wie viel Zink am Tag braucht der Körper?
Erwachsene brauchen je nach Ernährung 7 bis 16 mg Zink am Tag, und zwar aus allen Quellen zusammengerechnet. So steht es in den Referenzwerten, die die Fachgesellschaften für Ernährung aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam herausgeben und für Zink zuletzt gründlich überarbeitet haben.1 Dass die Spanne so breit ausfällt, liegt nur zum Teil am Geschlecht. Entscheidend ist der Teller. Den größeren Ausschlag gibt Phytat, ein Begleitstoff vor allem aus Vollkorn und Hülsenfrüchten, der Zink im Darm so fest bindet, dass weniger davon ins Blut gelangt.
Deshalb unterscheiden die Fachgesellschaften drei Stufen, je nachdem, wie viel Phytat täglich auf dem Teller landet. Wer viel Vollkornbrot, Linsen und Bohnen isst, braucht mehr Zink als jemand, der sich überwiegend von Weißmehl und Fleisch ernährt. Das wirkt widersinnig. Gerade diese Lebensmittel enthalten selbst reichlich Zink, nur eben in einer Form, die der Körper schlechter nutzen kann. Auch Schwangere und Stillende liegen innerhalb derselben Spanne, wobei ihr Wert das Wachstum des Kindes und den Verlust über die Muttermilch einrechnet.1
Ein Präparat ist deshalb nicht automatisch nötig. Auch Lebensmittel mit viel Zink tragen zum Tageswert bei. Bei manchen Männern liefert die Nahrung allein schon so viel, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung bei Präparaten ausdrücklich zur Zurückhaltung rät.3
So wurde gemessen
- Referenzwerte (D-A-CH): Die Fachgesellschaften addierten, was der Körper täglich verliert, über Darm, Urin, Haut und Schweiß, bei Männern zusätzlich über die Samenflüssigkeit, dazu den Bedarf für Wachstum und Schwangerschaft. Daraus ergeben sich für Erwachsene, Schwangere und Stillende Werte zwischen 7 und 16 mg pro Tag.1
- Phytat-Stufen: niedrige Zufuhr etwa 330 mg Phytat am Tag, mittlere etwa 660 mg, hohe etwa 990 mg; je mehr Phytat, desto höher der empfohlene Zinkwert.1
Ab wann ist Zink zu viel? Die Obergrenze von 25 mg
Für Erwachsene gilt in der EU eine Obergrenze von 25 mg am Tag, gerechnet aus Essen, Getränken und Präparaten zusammen.2 Festgelegt hat sie der frühere Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU, die heutige Lebensmittelbehörde EFSA hat den Wert übernommen, und abgeleitet ist er erstaunlicherweise nicht aus Übelkeit oder Magenbeschwerden. Der Grund ist das Kupfer. In kontrollierten Studien blieb der Kupferhaushalt bei 50 mg täglich noch unverändert, und von dieser Menge zogen die Gutachter zur Sicherheit die Hälfte ab.2
Diese Grenze gilt ausdrücklich auch in Schwangerschaft und Stillzeit, für Kinder liegt sie niedriger.2 Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht für Nahrungsergänzungsmittel noch weiter. Es schlägt höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis vor, und schon ab 3,5 mg soll ein Hinweis auf der Packung von weiteren zinkhaltigen Präparaten abraten.3 Dahinter steht eine einfache Rechnung. Wer über das Essen bereits viel Zink aufnimmt, und das betrifft vor allem manche Männer, landet mit einem hoch dosierten Präparat schnell jenseits der 25 mg.
Ein Vorschlag ist allerdings kein Gesetz. Viele Packungen liefern ein Mehrfaches dieser Menge. Umso wichtiger ist es, alle Quellen zusammenzuzählen, auch Multivitamin- und Erkältungsmittel, in denen Zink oft nebenbei steckt. Wer mehrere Mittel kombiniert, kommt sonst ohne es zu merken auf eine Menge, die eher zu einer Überdosierung von Zink passt als zu einer Ergänzung.
So wurde gemessen
- EU-Obergrenze: Ausgangspunkt waren 50 mg Zink täglich, bei denen sich in kontrollierten Studien keine Zeichen eines gestörten Kupferhaushalts zeigten; mit einem Sicherheitsfaktor von 2 ergibt das 25 mg für Erwachsene, auch für Schwangere und Stillende.2
- BfR-Vorschlag: 6,5 mg pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels, Warnhinweis ab 3,5 mg; keine Anreicherung gewöhnlicher Lebensmittel mit Zink. Begründet mit Männern, die schon über die Nahrung viel Zink aufnehmen.3
Zink hochdosiert: sinnvoll oder riskant?
Hohe Mengen haben sich in Studien nur kurzzeitig bei Erkältung bewährt, und auch dort nur in einer bestimmten Form. Gemeint sind Lutschtabletten, die langsam im Mund zergehen und vom ersten Kratzen im Hals an über den Tag verteilt genommen werden. In den Studien, die eine Wirkung fanden, kamen so meist mehr als 75 mg Zink am Tag zusammen. Die Erkältung dauerte dann im Schnitt etwa ein Drittel kürzer, während mehr als 100 mg keinen zusätzlichen Vorteil brachten.4 Dass solche Lutschtabletten eine Erkältung verkürzen, gilt deshalb als gut belegt. Solche Mengen sind aber Studiendosen für die wenigen Tage, in denen Zink bei Erkältung etwas ausrichten kann, und keine Empfehlung für den Dauergebrauch.
Wie empfindlich das Ergebnis auf Menge und Zubereitung reagiert, zeigt eine Studie aus Finnland. Erwachsene lutschten dort bis zu fünf Tage lang handelsübliche Tabletten mit Zinkacetat, sechsmal am Tag, kamen so auf eine ähnliche Tagesmenge wie in den erfolgreichen Studien und erholten sich trotzdem nicht schneller als mit einem Scheinpräparat (Placebo).5 Ältere Auswertungen hatten schon gezeigt, dass schwächer dosierte Lutschtabletten kaum etwas bewirken.6 Dazu kommt ein Preis. Übelkeit trat unter Zink zur Behandlung einer Erkältung etwa eineinhalbmal so oft auf wie ohne.7 Dass Zink Übelkeit auslöst, ist damit wahrscheinlich.
Über Monate verschiebt sich die Rechnung: Ob dauerhaft hohe Mengen etwa den Harnwegen schaden, ist ungeklärt, weil es dazu kaum Placebo-Studien gibt. In einer großen Augenstudie nahmen ältere Menschen rund sechs Jahre lang 80 mg Zink täglich, zusammen mit etwas Kupfer, und in einer späteren Auswertung kamen darunter 11,1 gegenüber 7,6 Prozent wegen Problemen der Harn- und Geschlechtsorgane ins Krankenhaus.8 Weil die Frage erst im Nachhinein gestellt wurde und eine zweite Studie fehlt, ist offen, ob der Zusammenhang echt ist.
Ob jahrelang hohe Mengen Prostatakrebs fördern, ist ebenfalls ungeklärt. In einer amerikanischen Beobachtungsstudie mit Zehntausenden Männern ging eine Einnahme von über 75 mg Zink am Tag mit tödlichem Prostatakrebs einher. Wie groß der Unterschied absolut war, nennt die Studie nicht. Prostatakrebs insgesamt trat nicht vermehrt auf.9 Ob das am Zink lag oder an anderen Gewohnheiten dieser Männer, kann eine solche Studie nicht klären. Die Augenstudie fand unter 80 mg keine Zunahme von Prostatakrebs.8
So wurde gemessen
- Lutschtabletten: 7 Placebo-Studien mit mehr als 75 mg Zink pro Tag und zusammen 575 Erkrankten; die Erkältung war um 33 % kürzer, über 100 mg täglich brachten keinen Zusatznutzen.4 In einer älteren Auswertung von 13 Studien zeigte sich ein klarer Effekt nur oberhalb von 75 mg.6
- Finnische Studie: 87 Erwachsene, Zinkacetat mit 13 mg je Tablette, sechsmal täglich (zusammen etwa 78 mg) über bis zu 5 Tage; Genesung nicht schneller als unter Placebo.5
- Übelkeit: 17 Behandlungsstudien mit 2.121 Teilnehmenden; Übelkeit RR 1,64.7
- Augenstudie: 3.640 Ältere, 80 mg Zink plus 2 mg Kupfer über rund 6 Jahre. Krankenhausaufnahmen wegen Harn- und Geschlechtsorganen 11,1 gegenüber 7,6 %, nachträglich ausgewertet; Prostatakrebs nicht häufiger.8
- Prostata-Kohorte: 47.240 Männer, rund 28 Jahre beobachtet; mehr als 75 mg Zink täglich: tödlicher Prostatakrebs HR 1,76, Prostatakrebs insgesamt nicht häufiger.9
Was passiert bei dauerhaft hoher Dosis mit dem Kupfer?
Dass zu viel Zink das Kupfer verdrängt, ist wahrscheinlich, und bei hoher Dauerdosis ist ein echter Kupfermangel in Fallberichten vielfach beschrieben. In Placebo-Studien mit Kleinkindern sank das Kupfer im Blut unter Zink leicht, um 4,1 µg/dl gegenüber Placebo.20 Beide Metalle konkurrieren im Darm um denselben Weg ins Blut, und wer über lange Zeit viel Zink schluckt, drängt das Kupfer zurück. In einer kleinen Studie mit gesunden Männern sank bei 50 mg am Tag schon nach sechs Wochen ein Enzym, das Kupfer braucht.10 Mit üblichen Mengen bis 30 mg über ein halbes Jahr fand eine europäische Studie mit älteren Menschen dagegen keinen nennenswerten Effekt.11
Die Fallberichte beschreiben den Ernstfall. Eine Übersicht über 37 Betroffene beschreibt Blutarmut, zu wenige weiße Blutkörperchen und bei manchen Nervenschäden mit Taubheit in Füßen und Händen und einem unsicheren Gang.12 Die Mengen lagen meist bei 50 mg täglich und mehr, über Wochen bis Jahre, und die Nerven erholten sich nach dem Absetzen langsamer als das Blut, manchmal nicht vollständig. Ähnliches zeigt die japanische Meldedatenbank für Nebenwirkungen. Dort fiel ein Kupfermangel unter verordnetem Zink im Mittel nach gut vier Monaten auf, häufiger bei höherer Dosis, bei Nierenkranken, bei Frauen und ab 70.13
Daraus folgt eine klare Regel: Mehr als 25 mg täglich gehören nicht ohne ärztliche Begleitung über Monate in den Alltag. Die Warnzeichen sind unauffällig: ungewohnte Müdigkeit und Blässe, häufige Infekte, Taubheitsgefühle oder ein unsicherer Gang. Treten sie unter längerer Zinkeinnahme auf, ist es Zeit, das Präparat abzusetzen, die Einnahme in der Praxis zu erwähnen und das Kupfer im Blut bestimmen zu lassen.
So wurde gemessen
- 50 mg täglich: gesunde Männer, zweimal 25 mg über 6 Wochen gegen Placebo; das kupferabhängige Enzym Superoxiddismutase in den roten Blutkörperchen nahm ab, das Kupfer im Plasma blieb gleich.10
- 15 oder 30 mg täglich: 387 Menschen zwischen 55 und 85 Jahren aus mehreren europäischen Ländern, 6 Monate; kein wesentlicher Nachteil für Kupfer und Eisen.11
- Fallberichte: 37 Fälle aus 34 Veröffentlichungen; Zink aus Präparaten, Haftcreme für Zahnprothesen oder verschluckten Münzen, etwa 50 bis über 1.500 mg am Tag; Kupfer bei allen erniedrigt.12
- Meldedaten Japan: 100 von 2.646 Behandelten mit gemeldetem Kupfermangel, im Mittel nach 137 Tagen.13
Wann sollte man Zink einnehmen, und welche Tageszeit ist am besten?
Ob Zink morgens oder abends besser wirkt, hat keine der hier ausgewerteten Studien verglichen. Der verbreitete Rat, Zink am Abend zu nehmen, wird meist damit begründet, dass dann weniger andere Mineralstoffe stören. Gemessen hat das am Menschen niemand. Wer morgens zuverlässiger an die Tablette denkt, verliert nach heutigem Wissen also nichts.
Wichtiger als die Uhrzeit ist, was gleichzeitig im Magen landet, denn neben Phytat bremsen auch große Mengen Eisen die Aufnahme von Zink, vor allem wenn das Eisen die Zinkmenge um mindestens das Doppelte übersteigt.14 Bei bestimmten Antibiotika, den Tetrazyklinen und Chinolonen, läuft es umgekehrt: Hier senkt Zink die Aufnahme des Medikaments, weshalb beides nicht gleichzeitig geschluckt werden sollte.15 Den nötigen Abstand hat niemand geprüft. Die Einnahmehinweise im Beipackzettel des Antibiotikums geben die Richtung vor. Was sonst beim Kombinieren von Zink mit Eisen, Magnesium oder Medikamenten zählt, hängt vom jeweiligen Partner ab.
So wurde gemessen
- Eisen: Übersicht über Aufnahmestudien; ein messbarer Effekt zeigte sich ab einem Verhältnis von Eisen zu Zink von 2 zu 1 und einer Gesamtmenge über 25 mg.14
- Tetrazyklin: 7 Freiwillige bekamen das Antibiotikum einmal mit 45 mg Zink und einmal ohne; mit Zink lag der Blutspiegel um etwa 30 % niedriger. Doxycyclin war nicht betroffen.15
Zink nüchtern oder zum Essen einnehmen?
Nüchtern wird Zink gut aufgenommen, doch ob es dann öfter auf den Magen schlägt, hat keine Studie geprüft. In einem Versuch in Zürich schluckten Erwachsene Tabletten mit 10 mg Zink ohne Mahlzeit, und rund 60 Prozent davon nahm der Körper auf.16 Zu einer phytatreichen Mahlzeit dürfte es weniger sein, darauf beruhen ja die unterschiedlichen Stufen der Referenzwerte.1 Auch die Form der Zink-Tabletten machte in diesem Versuch einen Unterschied, allerdings einen kleineren, als die Werbung oft verspricht.
Übelkeit ist allerdings die häufigste Nebenwirkung. Und sie wächst mit der Dosis. Bei Kindern mit Durchfall erbrachen binnen einer halben Stunde mit 20 mg 19,3 Prozent, mit einem Viertel davon 13,7 Prozent.17 Wer Zink nüchtern schlecht verträgt, kann es deshalb zu einer Mahlzeit versuchen und dabei eine etwas geringere Aufnahme in Kauf nehmen. Ob dieser Tausch die Übelkeit tatsächlich lindert, hat bisher niemand untersucht.
So wurde gemessen
- Aufnahme nüchtern: 15 gesunde Erwachsene, je 10 mg Zink als Citrat, Gluconat oder Oxid in zufälliger Reihenfolge, gemessen mit zwei markierten Zinkvarianten im Blut und Urin. Aufgenommen wurden im Median rund 61 % aus Citrat und Gluconat und rund 50 % aus Oxid.16
- Dosis und Erbrechen: 4.500 Kinder mit Durchfall; Erbrechen in der ersten halben Stunde nach der Gabe bei 19,3 % (20 mg), 15,6 % (10 mg) und 13,7 % (5 mg).17
Wie lange sollte man Zink einnehmen?
Wie lange, hängt vom Anlass ab, eine feste Kurdauer gibt es nicht. Bei einer Erkältung liefen die Studien mit Lutschtabletten nur über die Tage der Beschwerden; in der finnischen Studie etwa endete die Einnahme nach spätestens fünf Tagen.5 Wer dagegen über Monate täglich ein Präparat nimmt, sollte innerhalb der Obergrenze bleiben, denn die Kupferprobleme in den Fallberichten entwickelten sich über Wochen bis Jahre.12
Anders liegt der Fall, wenn ein Mangel ärztlich festgestellt wurde. Dann richtet sich die Dauer nach den Kontrollen der Blutwerte, und auch höhere Mengen kommen in Frage, solange eine Ärztin oder ein Arzt sie begleitet und dabei das Kupfer im Blick behält. Ein Zinkmangel und seine Symptome lassen sich allerdings kaum am eigenen Befinden ablesen, deshalb gehört die Diagnose in die Arztpraxis und nicht in den Selbstversuch.
Welche Zink-Dosierung ist für Kinder richtig?
Für Kinder in Europa gibt es keine Studiendosis, die sich einfach übertragen ließe. Die großen Kinderstudien stammen aus Ländern, in denen Zinkmangel verbreitet ist. Dort empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation bei akutem Durchfall 20 mg täglich für zehn bis vierzehn Tage,17 weil Zink die Erkrankung wahrscheinlich verkürzt. Ganz sicher ist das nicht. Die größte Einzelstudie mit über 3.000 Kindern in Laos fand keinen kürzeren Durchfall.18
Eine Studie mit 4.500 Kindern in Indien und Tansania prüfte, ob es auch mit weniger geht. Mit 5 oder 10 mg heilte der Durchfall genauso gut aus, und die Kinder mussten seltener erbrechen.17 Das ist ein Hinweis darauf, dass auch bei Kindern weniger oft genug ist, selbst dort, wo Zink tatsächlich gebraucht wird.
Für gesunde, gut ernährte Kinder sagen diese Ergebnisse dagegen wenig. Vorbeugend bekamen Kinder in solchen Studien meist 10 bis 15 mg am Tag, aber auch diese Mengen stammen aus Regionen mit häufigem Mangel.19 Wer einem Kind Zink geben möchte, sollte die Menge mit der Kinderarztpraxis absprechen. Die Obergrenzen liegen für Kinder niedriger als für Erwachsene, und ein Erwachsenenpräparat geht schnell darüber hinaus.2 Was die Forschung zur Wirkung von Zink bei Kindern sonst zeigt, reicht von Durchfall über Lungenentzündung bis zum Wachstum.
So wurde gemessen
- Dosisvergleich: 4.500 Kinder zwischen 6 und 59 Monaten mit akutem Durchfall, 5, 10 oder 20 mg Zinksulfat über 14 Tage; Durchfall länger als 5 Tage bei 7,2 %, 7,7 % und 6,5 %, also mit allen Mengen ähnlich selten.17
- Laos: 3.407 Kinder zwischen 6 und 23 Monaten, 20 mg Zink bei jeder Durchfall-Episode über 10 Tage oder Placebo, 9 Monate lang; die Dauer der Episoden unterschied sich nicht.18
- Vorbeugung: Cochrane-Übersicht mit Kindern von 6 Monaten bis 12 Jahren, fast alle Studien in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.19
Unser Fazit
Für Erwachsene reichen 7 bis 16 mg Zink am Tag aus allen Quellen, und mehr als 25 mg sollten es auf Dauer nicht werden. Hohe Mengen sind Studiendosen für wenige Erkältungstage in Form von Lutschtabletten. Wer über Monate viel Zink nimmt, riskiert einen Kupfermangel, der sich erst spät bemerkbar macht.
Häufige Fragen
Sind 25 mg Zink am Tag zu viel?
25 mg sind die EU-Obergrenze für alles zusammen, also Essen und Präparat. Weil auch die Nahrung Zink liefert, liegt ein Präparat mit 25 mg auf Dauer meist darüber. In Erkältungsstudien wurden für wenige Tage deutlich höhere Mengen gegeben, über Monate sollte so viel aber nur ärztlich begleitet eingenommen werden.
Wofür sollte man Zink einnehmen?
Vor allem bei einem ärztlich festgestellten Mangel. Gut belegt ist außerdem, dass Lutschtabletten mit viel Zink eine Erkältung verkürzen, wenn sie gleich zu Beginn genommen werden. Für viele andere Versprechen fehlt bei gut versorgten Menschen ein klarer Nutzen.
Wie nimmt man Zink richtig ein?
Nicht gleichzeitig mit Eisenpräparaten oder mit Antibiotika aus den Gruppen der Tetrazykline und Chinolone. Bei Übelkeit ist eine Mahlzeit einen Versuch wert, geprüft ist das aber nicht. Lutschtabletten müssen langsam im Mund zergehen, sonst entfällt ihr Vorteil.
Mit was sollte man Zink nicht einnehmen?
Nicht zusammen mit Tetrazyklin- oder Chinolon-Antibiotika, weil Zink deren Aufnahme senkt, und nicht mit großen Mengen Eisen, das umgekehrt die Zinkaufnahme bremst. Unter dem Medikament Penicillamin sollte jedes Zinkpräparat vorher ärztlich besprochen werden.
Warum soll man Zink abends einnehmen?
Begründet wird der Rat meist damit, dass abends weniger andere Mineralstoffe die Aufnahme stören. Verglichen hat das am Menschen keine der hier ausgewerteten Studien. Wichtiger als die Uhrzeit ist, Zink nicht gleichzeitig mit großen Mengen Eisen oder mit Tetrazyklin- und Chinolon-Antibiotika zu schlucken.1415
Wie viel mg Zink pro Tag für Erwachsene als Präparat?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung schlägt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6,5 mg pro Tagesdosis vor. Der Rest des Bedarfs von 7 bis 16 mg kommt dann aus dem Essen, ohne dass die Grenze von 25 mg in Gefahr gerät.
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Alle Themen zu Zink
Alle 20 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Haase et al. 2020 (DGE, ÖGE, SGE), J Trace Elem Med Biol | Überarbeitete D-A-CH-Referenzwerte für Zink (Juli 2019), faktorielle Berechnung | Erwachsene, Schwangere und Stillende 7 bis 16 mg/Tag je nach Geschlecht und Phytatzufuhr (niedrig, mittel, hoch: 330, 660, 990 mg Phytat/Tag) | Referenzwerte der Fachgesellschaften |
| 2 | SCF 2003, Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of Zinc | Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der EU, Wert von der EFSA übernommen | Obergrenze 25 mg/Tag aus allen Quellen für Erwachsene, auch Schwangere und Stillende; abgeleitet aus 50 mg ohne Veränderung des Kupferhaushalts; für Kinder niedrigere Werte | Behördengutachten |
| 3 | BfR 2021, Höchstmengenvorschläge für Zink | Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme 009/2021 (2024 für Zink unverändert) | höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln, ab 3,5 mg Warnhinweis gegen weitere zinkhaltige Präparate | Behördengutachten |
| 4 | Hemilä 2017, JRSM Open | 7 placebokontrollierte Lutschtabletten-Studien mit > 75 mg Zink/Tag, 575 Personen | Erkältung 33 % kürzer; Acetat 40 %, Gluconat 28 %, Unterschied nicht signifikant; kein Vorteil über 100 mg/Tag | Meta-Analyse (Lutschtabletten) |
| 5 | Hemilä et al. 2020, BMJ Open | 1 RCT, 87 erkältete Erwachsene, Zinkacetat-Lutschtabletten mit 13 mg, 6-mal täglich, bis 5 Tage | keine schnellere Genesung als mit Placebo | RCT (Gegenbefund) |
| 6 | Hemilä 2011, Open Respir Med J | 13 placebokontrollierte Lutschtabletten-Studien | deutlicher Effekt nur in Studien mit über 75 mg Zink pro Tag; niedrigere Dosen ohne gesicherten Effekt | Meta-Analyse |
| 7 | Science et al. 2012, CMAJ | 17 RCTs, 2.121 Personen, Zink zum Einnehmen zur Erkältungsbehandlung | Übelkeit RR 1,64 (1,19 bis 2,27); Nebenwirkungen insgesamt RR 1,24 | Meta-Analyse |
| 8 | Johnson et al. 2007, J Urol | Nachauswertung eines RCT, 3.640 Ältere mit Makuladegeneration, 80 mg Zink (mit 2 mg Kupfer) oder Placebo, rund 6 Jahre | Krankenhausaufnahmen wegen Harn- und Geschlechtsorganen 11,1 vs. 7,6 %; kein Anstieg von Prostatakrebs | RCT-Nachauswertung |
| 9 | Zhang et al. 2022, Eur J Epidemiol | 47.240 Männer, Nachbeobachtung median 28,3 Jahre | über 75 mg/Tag: tödlicher Prostatakrebs HR 1,76 (1,16 bis 2,66); Prostatakrebs insgesamt nicht häufiger | Kohortenstudie |
| 10 | Fischer et al. 1984, Am J Clin Nutr | Placebo-kontrollierte Studie, gesunde Männer, 2 × 25 mg Zink täglich, 6 Wochen | kupferabhängige Superoxiddismutase in roten Blutkörperchen gesunken; Plasmakupfer unverändert | RCT (50 mg/Tag) |
| 11 | Hininger-Favier et al. 2007, Br J Nutr | 1 RCT, 387 gesunde Europäer von 55 bis 85 Jahren, 15 oder 30 mg Zink oder Placebo, 6 Monate | keine wesentlichen Nachteile für Kupfer- und Eisenstatus | RCT (übliche Dosis) |
| 12 | Dutta et al. 2026, Biol Trace Elem Res | systematische Übersicht, 34 Veröffentlichungen mit 37 Fällen | Blutbildveränderungen durch zu viel Zink (rund 50 bis über 1.500 mg/Tag über Wochen bis Jahre), Kupfer stets erniedrigt; Nervenschäden besserten sich langsamer und teils unvollständig | Übersicht über Fallberichte |
| 13 | Hiyama et al. 2026, Clin Nutr ESPEN | japanische Nebenwirkungsdatenbank, 2.646 Patienten unter Zink zum Einnehmen | Kupfermangel bei 100 Patienten gemeldet, im Mittel nach 137 Tagen; häufiger bei höherer Dosis, Nierenerkrankung, ab 70 Jahren und bei Frauen | Meldedaten |
| 14 | Solomons 1986, J Nutr | Übersichtsarbeit zu Aufnahmestudien beim Menschen | Eisen hemmt die Zinkaufnahme messbar ab einem Verhältnis Eisen zu Zink von 2 zu 1 und einer Gesamtmenge über 25 mg | Übersicht (Mechanismus) |
| 15 | Penttilä et al. 1975, Eur J Clin Pharmacol | Crossover-Studie, 7 Freiwillige, 45 mg Zink gleichzeitig mit Tetrazyklin oder Doxycyclin | Tetrazyklin-Blutspiegel um etwa 30 % niedriger; Doxycyclin unverändert | Crossover-Studie |
| 16 | Wegmüller et al. 2014, J Nutr | 1 Crossover-RCT, 15 gesunde Erwachsene, je 10 mg Zink als Citrat, Gluconat oder Oxid ohne Mahlzeit, Isotopenmethode | Aufnahme im Median 61,3 % (Citrat), 60,9 % (Gluconat), 49,9 % (Oxid) | Aufnahmestudie |
| 17 | Dhingra et al. 2020, N Engl J Med | 1 RCT, 4.500 Kinder von 6 bis 59 Monaten mit akutem Durchfall in Indien und Tansania, 5, 10 oder 20 mg Zinksulfat für 14 Tage | 5 und 10 mg beim Durchfall nicht schlechter als die WHO-Dosis von 20 mg; Erbrechen binnen 30 Minuten 13,7 / 15,6 / 19,3 % | RCT (Dosisvergleich) |
| 18 | Barffour et al. 2020, J Glob Health | 1 RCT, 3.407 Kinder von 6 bis 23 Monaten im ländlichen Laos, 20 mg Zink je Durchfall-Episode über 10 Tage oder Placebo | Dauer der Durchfall-Episoden insgesamt nicht verschieden | RCT (größte Einzelstudie, Gegenbefund) |
| 19 | Imdad et al. 2023, Cochrane Database Syst Rev | 96 RCTs mit Kindern von 6 Monaten bis 12 Jahren, fast alle in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen | vorbeugendes Zink, meist 10 bis 15 mg/Tag: Durchfall etwas seltener (RR 0,91), Atemwegsinfekte unverändert | Cochrane-Meta-Analyse |
| 20 | Ceballos-Rasgado et al. 2022, Adv Nutr | Studien mit Kleinkindern bis 3 Jahre und verschiedenen Zinkmengen | leicht niedrigeres Kupfer im Blut gegenüber Placebo | Meta-Analyse (maßgeblich, Kleinkinder) |
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