Die kurze Antwort
Ja, Zink lässt sich überdosieren, vor allem schleichend. Kurzfristig machen große Mengen Übelkeit und Erbrechen. Wer über Monate deutlich mehr als 25 mg am Tag nimmt, riskiert einen Kupfermangel mit Blutarmut und Nervenschäden, den Fallberichte gut beschreiben. Für Nahrungsergänzungen empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung höchstens 6,5 mg pro Tagesdosis. Zinkhaltige Nasensprays stehen im Verdacht, den Geruchssinn zu zerstören.
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Eine Lutschtablette gegen die Erkältung, ein Multivitamin zum Frühstück, dazu ein Präparat für Haut und Haare: Zink steckt in erstaunlich vielen Produkten, und kaum jemand rechnet die Mengen zusammen. Meist bleibt das folgenlos. Manchmal aber summiert es sich über Monate zu einer Menge, die den Körper aus dem Gleichgewicht bringt, und dann zeigt sich der Schaden an einer Stelle, an die kaum jemand denkt, nämlich beim Kupfer. Wie weit das gehen kann, zeigen Fallberichte von Menschen mit Zahnprothesen, die jahrelang große Mengen zinkhaltiger Haftcreme verbrauchten und schließlich schwere Nervenschäden hatten.1
Kann man Zink überdosieren?
Zink lässt sich überdosieren, und zwar vor allem schleichend über Monate, weniger durch eine einzelne Tablette. Deshalb ziehen die Behörden die Grenze vergleichsweise knapp. Für Erwachsene gilt in der EU eine Obergrenze von 25 mg Zink pro Tag aus allen Quellen, also aus Essen und Präparaten zusammen.2 Abgeleitet ist sie aus dem Kupferhaushalt: Der Wert liegt bei der Hälfte der Menge, bei der kontrollierte Studien noch keine Veränderung fanden.
Noch vorsichtiger ist das Bundesinstitut für Risikobewertung. Es empfiehlt für Nahrungsergänzungen höchstens 6,5 mg Zink pro Tagesdosis, weil Männer, die viele zinkreiche Lebensmittel essen, die Obergrenze sonst schon überschreiten können.3 Ab 3,5 mg rät es außerdem zu einem Hinweis auf der Packung, keine weiteren zinkhaltigen Präparate einzunehmen. Genau darin liegt die Falle im Alltag. Wer ein Multivitamin, ein Erkältungsmittel und ein Präparat für Haut und Haare kombiniert, kommt schnell auf ein Vielfaches, ohne es zu merken.
Dazu kommen Medikamente. Ob Zink eine Behandlung mit bestimmten Antibiotika beeinträchtigt, ist ungeklärt, denn für Zink und Antibiotika gibt es keine Placebo-Studien. In einer kleinen Messung mit sieben Freiwilligen sank der Blutspiegel von Tetrazyklin, wenn sie es gleichzeitig mit 45 mg Zink nahmen. Doxycyclin blieb unverändert. Die Autoren hielten die Bedeutung für die Behandlung für gering.4 Damit hängt die sinnvolle Menge nicht nur von der Zink-Dosierung einzelner Präparate ab, sondern von allem, was zusammenkommt.
So wurde gemessen
- EU-Obergrenze: Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss (SCF) 2003, von der EFSA übernommen. 25 mg pro Tag für Erwachsene, die Hälfte der 50 mg, bei denen kontrollierte Studien keinen Einfluss auf den Kupferhaushalt fanden.2
- BfR, Stellungnahme 009/2021, 2024 für Zink unverändert: höchstens 6,5 mg je Tagesdosis in Nahrungsergänzungen, ab 3,5 mg ein Warnhinweis; die Anreicherung normaler Lebensmittel mit Zink empfiehlt das Institut nicht.3
- Antibiotika: Crossover mit 7 Freiwilligen, 45 mg Zink gleichzeitig mit Tetrazyklin, Blutspiegel und Ausscheidung um etwa 30 % niedriger; Doxycyclin unverändert.4
Welche Symptome hat eine Zink-Überdosierung?
Kurzfristig zeigt sich zu viel Zink vor allem durch Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, auf Dauer durch die Folgen eines Kupfermangels. Dabei kommen die Magenbeschwerden meist bald nach der Einnahme. Sie hängen stark von der Menge ab. In einer großen Studie mit Kleinkindern mit Durchfall erbrachen nach der von der WHO empfohlenen Dosis von 20 mg binnen einer halben Stunde 19,3 Prozent. Mit einem Viertel davon waren es 13,7 Prozent. Der Durchfall heilte mit den niedrigeren Dosen dabei genauso gut ab.5
Die eigentlich ernsten Zeichen entwickeln sich langsam. Zink und Kupfer konkurrieren im Darm um die Aufnahme, und fehlt Kupfer über Monate, leidet die Blutbildung. Es entsteht eine Blutarmut, die weißen Blutkörperchen nehmen ab, und bei manchen werden die Nerven geschädigt.6 Daraus folgen typischerweise Taubheit in Füßen und Händen und ein unsicherer Gang. Hinzu kommen Müdigkeit und Blässe durch die Blutarmut sowie häufige Infekte.
Notfall
Hat ein Kind eine Packung Zinktabletten erwischt oder hält nach einer großen Menge Zink das Erbrechen an, ist sofort ärztliche Hilfe nötig, notfalls über die 112.
Zu viel Zink: Symptome an der Haut?
Die hier ausgewerteten Studien und Fallberichte beschreiben keine eigenen Hautzeichen einer Überdosierung. Erst auf Umwegen wird zu viel Zink sichtbar. Eine Blutarmut durch Kupfermangel kann blass machen,6 und Brennen oder Reizungen betreffen bei Lutschtabletten den Mund, nicht die Haut.7 Hautausschläge, die oft mit Zink in Verbindung gebracht werden, gehören dagegen zum Bild eines Zinkmangels, also zum Gegenteil. Ein neuer Ausschlag nach Beginn einer Einnahme gehört trotzdem in ärztliche Hände, weil er viele Ursachen haben kann.
Welche Nebenwirkungen hat Zink?
Dass Zink gegen eine Erkältung insgesamt mehr Nebenwirkungen macht, ist ein belegter Schaden, wenn auch meist ein leichter, vor allem Übelkeit und ein schlechter Geschmack. Zwei Meta-Analysen sind sich darin einig, und eine weitere rechnet mit einer zusätzlichen Nebenwirkung auf sieben Behandelte.8117 In einer Einzelstudie mit 100 Erwachsenen, die alle zwei Stunden eine Lutschtablette nahmen, hatten 90 gegenüber 62 Prozent mit einem Scheinpräparat (Placebo) irgendeine Beschwerde.14 Bei den niedrigeren Mengen zur Vorbeugung zeigte sich dagegen kein sicherer Unterschied.8
Ganz einheitlich ist das Bild trotzdem nicht, denn ausgerechnet die größten Einzelstudien fanden kaum etwas. In Indien und Nepal bekamen über 3.000 schwer kranke Säuglinge zwei Wochen lang Zink oder Placebo, und Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen ähnlich oft auf, nur Erbrechen etwas häufiger.9 Auch in einer Studie mit über 1.000 Säuglingen mit Durchfall erbrachen die Kinder unter Zink nicht öfter.10 Beide liefen allerdings mit kleinen Mengen an sehr jungen Kindern, die Erkältungsstudien dagegen mit hohen Mengen an Erwachsenen.
So wurde gemessen
- Cochrane, Behandlungsstudien: nicht schwere Nebenwirkungen RR 1,34 (KI 1,15 bis 1,55; 16 Studien, 2.084 Personen), mit Lutschtabletten allein RR 1,44. Vorbeugung RR 1,11 (0,84 bis 1,47). Schwere Nebenwirkungen RR 1,67 (0,78 bis 3,57), zu selten für eine Aussage.8
- Erwachsene, 28 Studien: RR 1,41, also eine zusätzliche Nebenwirkung je 7 Behandelte.7
- Gegenbefunde: 3.153 Säuglinge von 3 bis 59 Tagen mit Verdacht auf Blutvergiftung, 10 mg Zink zusätzlich zu Antibiotika über 14 Tage9; 1.110 Säuglinge mit akutem Durchfall in Pakistan, Indien und Äthiopien, 10 mg über 14 Tage.10 Beide liefen mit kleinen Mengen an sehr jungen Kindern.
Nebenwirkungen von Zink-Tabletten: Übelkeit und Magenbeschwerden?
Dass Zink Übelkeit auslöst, ist wahrscheinlich, denn sieben Meta-Analysen sind sich darin einig.1112 Sie hängt deutlich von der Menge ab. Bei hoch dosierten Lutschtabletten gegen Erkältung war in einer Studie mit Erwachsenen 20 gegenüber 4 Prozent übel,14 und selbst bei 30 mg täglich über ein halbes Jahr, zusammen mit Folsäure, hatten Männer etwas häufiger Bauchbeschwerden als mit Placebo.13 Dagegen erbrachen in einer Studie mit über tausend Säuglingen, die nur eine kleine Menge bekamen, die Kinder nicht öfter als mit Placebo.10
Ob die Einnahme zum Essen den Magen schont, hat keine kontrollierte Studie verglichen. Ein Versuch liegt nahe. Verlässlicher hilft eine niedrigere Dosis. Bei Lutschtabletten, wie sie bei Zink gegen Erkältung üblich sind, kommt ein unangenehmer Geschmack hinzu, der in einer Studie vier von fünf Teilnehmenden störte.14
So wurde gemessen
- Erkältung, alle Zinkformen: Übelkeit RR 1,64 (KI 1,19 bis 2,27) in 9 Studien.11
- Kinder mit Durchfall: Erbrechen RR 1,57 (1,32 bis 1,86).12 Dosisvergleich mit 4.500 Kindern von 6 bis 59 Monaten: Erbrechen binnen 30 Minuten bei 19,3 % mit 20 mg, 15,6 % mit 10 mg und 13,7 % mit 5 mg.5
- 2.370 Männer, 30 mg Zink plus 5 mg Folsäure über 6 Monate: Bauchbeschwerden 6 gegenüber 3 %, Übelkeit 4 gegenüber 2 %.13
- Geschmack: unangenehm bei 80 gegenüber 30 % in einer Studie mit 100 Erwachsenen.14
Zink-Nasenspray: Kann es den Geruch zerstören?
Ob Zink in der Nase den Geruchssinn schädigt, ist ungeklärt. Die Warnsignale aus Fallserien sind aber ernst. In einer Riechsprechstunde war der Geruchssinn bei allen 17 untersuchten Betroffenen vermindert. Sie hatten ein zinkhaltiges Nasengel tief eingezogen, spürten sofort ein Brennen und bemerkten den Verlust binnen zwei Tagen, teils dauerhaft.16 Die US-Arzneimittelbehörde FDA erhielt mehr als 130 solcher Meldungen und warnte vor bestimmten Produkten.17 Die wenigen Placebo-Studien fanden dagegen keine bedeutsamen Schäden, waren aber klein und maßen den Geruch nicht gezielt.15 Für Tabletten gilt der Befund nicht. Zinkhaltige Nasensprays und Nasengele dagegen sind besser zu meiden.
Führt zu viel Zink zu Kupfermangel?
Dass zu viel Zink das Kupfer verdrängt, ist wahrscheinlich, und dauerhaft hohe Mengen können nach Fallberichten einen echten Kupfermangel auslösen. Zink und Kupfer konkurrieren im Darm um dieselben Aufnahmewege. In der maßgeblichen Auswertung von neun Placebo-Studien sank das Kupfer im Blut von Kleinkindern unter Zink leicht, um 4,1 µg/dl gegenüber Placebo.19 Eine weitere sah ebenfalls einen kleinen Abfall.20 Eine Übersicht über 17 Studien fand dagegen keinen sicheren Abfall.18 Ab welcher Menge es kritisch wird, lässt sich daraus kaum ablesen, denn die Placebo-Studien stammen fast nur von Kindern mit niedrigen Dosen.
Bei Erwachsenen gibt es nur kleine Studien. Mit 50 mg täglich sank bei gesunden Männern nach sechs Wochen ein Enzym, das Kupfer braucht, während der Kupferwert im Blut gleich blieb.21 Mit 15 oder 30 mg über ein halbes Jahr zeigte sich bei älteren Europäern dagegen kein wesentlicher Effekt.22
Was dauerhaft zu viel Zink anrichten kann, beschreiben Fallberichte. Eine Übersicht über 37 Fälle beschreibt Blutbildschäden nach Wochen bis Jahren mit rund 50 bis über 1.500 mg täglich, meist aus Nahrungsergänzungen, Haftcremes oder verschluckten Münzen.6 Das Kupfer war bei allen erniedrigt. Zudem erholten sich die Nerven langsamer als das Blut, manchmal nie ganz.
Wie viele Fälle unerkannt bleiben, weiß niemand. In Schottland fand ein Speziallabor 14 bestätigte Fälle von Kupfermangel durch ärztlich verordnetes Zink, und die Hälfte davon hatte vorher niemand bemerkt.23 Die Autoren vermuten viele weitere, weil Zink und Kupfer selten gemessen werden. In einer japanischen Meldedatenbank traf es vor allem Menschen mit höherer Dosis, kranken Nieren oder höherem Alter sowie Frauen.24
Warnzeichen für Kupfermangel
Ungewohnte Müdigkeit und Blässe, häufige Infekte, Taubheitsgefühl in Füßen oder Händen und ein unsicherer Gang können unter längerer Zinkeinnahme auf einen Kupfermangel hinweisen. Dann ist es Zeit, das Zink abzusetzen und ärztlich abklären zu lassen, die Zinkeinnahme dabei zu nennen und das Kupfer im Blut bestimmen zu lassen.
So wurde gemessen
- Kinder: 17 Studien mit 3.890 Kindern, kein signifikanter Effekt auf Kupfer im Blut.18 Kleinkinder bis 3 Jahre: −4,1 µg/dl gegenüber Placebo.19 11 Studien mit 3.071 Kindern: SMD −0,22, sehr geringe Vertrauenswürdigkeit.20
- Erwachsene: zweimal 25 mg über 6 Wochen; kupferabhängige Superoxiddismutase in den roten Blutkörperchen gesunken, Plasmakupfer und Ceruloplasmin unverändert.21 387 Gesunde von 55 bis 85 Jahren, 15 oder 30 mg über 6 Monate, kein wesentlicher Nachteil für den Kupferstatus.22
- Fallberichte und Meldedaten: 37 Fälle aus 34 Veröffentlichungen6; 4 Prothesenträger mit Haftcreme1; 14 bestätigte Fälle aus einem schottischen Labor23; Japan: 100 von 2.646 Patienten unter Zink, im Mittel nach 137 Tagen.24
Schadet Zink auf Dauer: Prostata, Harnwege, Immunsystem?
Für übliche Mengen haben Studien keinen Langzeitschaden nachgewiesen, doch ob sehr hohe Mengen über Jahre Prostatakrebs fördern, ist ungeklärt. In einer großen amerikanischen Beobachtungsstudie mit Zehntausenden Männern gingen mehr als 75 mg täglich oder eine Einnahme über 15 Jahre mit aggressivem oder tödlichem Prostatakrebs einher. Wie groß der Unterschied absolut war, nennt die Studie nicht, und Prostatakrebs insgesamt trat nicht vermehrt auf, wobei solche Studien nicht ausschließen können, dass andere Gewohnheiten der Zinknutzer dahinterstecken.25 Die einzige Placebo-Studie mit hoher Dosis, eine Augenstudie mit 80 mg über rund sechs Jahre, fand keine Zunahme, war dafür aber auch nicht angelegt.26
Ob so hohe Mengen den Harnwegen schaden, ist ebenfalls ungeklärt. Auch hier liefert die Augenstudie das Warnsignal. In einer späteren Auswertung kamen unter Zink 11,1 gegenüber 7,6 Prozent wegen Problemen der Harn- und Geschlechtsorgane ins Krankenhaus.26 Dazu zählten etwa Harnwegsinfekte oder Harnverhalt bei vergrößerter Prostata. Weil diese Frage erst nachträglich gestellt wurde und keine zweite Studie existiert, ist offen, ob der Zusammenhang mit den Harnwegen echt ist. Untersucht wurden zudem nur Ältere mit 80 mg täglich.
Für die Abwehr haben Studien mit üblichen Mengen dagegen keinen Schaden gefunden. In der Cochrane-Auswertung von 19 Studien mit über 10.000 Kindern waren Atemwegsinfekte unter Zink genauso häufig wie mit Placebo.27 Die Sorge, sehr viel Zink schwäche die Abwehr, stützt sich vor allem auf eine kleine Studie ohne Vergleichsgruppe, in der elf Männer sechs Wochen lang 300 mg täglich nahmen.28 Auf Umwegen kann eine dauerhaft hohe Menge die Abwehr trotzdem schwächen, nämlich über einen Kupfermangel, der die weißen Blutkörperchen vermindert.
So wurde gemessen
- Prostata: 47.240 Männer, Nachbeobachtung im Median 28 Jahre; über 75 mg täglich tödlicher Prostatakrebs HR 1,76 (KI 1,16 bis 2,66), aggressiver HR 1,80; Prostatakrebs insgesamt nicht häufiger.25 Augenstudie: 3.640 Ältere, 80 mg Zink mit 2 mg Kupfer, rund 6 Jahre; kein Anstieg von Prostata- oder anderen Krebsdiagnosen.26
- Harnwege: Krankenhausaufnahmen wegen Harn- und Geschlechtsorganen bei 11,1 gegenüber 7,6 %, nachträgliche Auswertung.26
- Abwehr: 19 Studien mit 10.555 Kindern, Atemwegsinfekte RR 1,0127; 11 Männer, zweimal 150 mg täglich über 6 Wochen, ohne Kontrollgruppe.28
Ab wann ist Zink in der Schwangerschaft zu viel?
Auch in der Schwangerschaft gilt die Obergrenze von 25 mg am Tag, denn die EU-Experten sehen keine höhere Empfindlichkeit Schwangerer und lassen den Wert auch für Stillende gelten.2 In kontrollierten Studien mit 20 bis 90 mg täglich fanden sie keine Nachteile für den Ausgang der Schwangerschaft.2 Weil Zink oft schon im Schwangerschafts-Multivitamin steckt, empfiehlt es sich, zusätzliche Präparate mit der Frauenarztpraxis abzustimmen.
Ob Zink in der Schwangerschaft dem Kind schaden kann, ist in Studien ungeklärt, weil die entscheidenden Ereignisse selten sind. In der Cochrane-Auswertung unterschieden sich Totgeburten unter Zink und Placebo nicht gesichert. Doch die Daten stammen aus nur sieben Studien mit 3.295 Frauen und sind unsicher, und absolute Zahlen nennt die Zusammenfassung nicht.29 Eine Studie mit 675 zinkarmen Schwangeren in Ägypten fand sogar weniger Totgeburten als mit Placebo.30 Untersucht wurden dabei meist übliche Mengen und überwiegend Frauen in Ländern, in denen Zinkmangel verbreitet ist, und für gut versorgte Schwangere in Europa und für die Stillzeit fehlen Sicherheitsstudien.
So wurde gemessen
- Cochrane: 25 Studien mit über 18.000 Schwangeren; Totgeburt RR 1,22 (KI 0,80 bis 1,88; 7 Studien), perinatale Todesfälle RR 1,10 (2 Studien), Frühgeburt RR 0,87; kein gesicherter Unterschied.29
- Ägypten: 675 Schwangere mit niedrigem Zinkspiegel, 30 mg Zinksulfat; Tot- und Frühgeburten seltener als unter Placebo.30
- SCF: in kontrollierten Studien mit 20 bis 90 mg täglich keine Nachteile für den Ausgang der Schwangerschaft.2
Unsere Einordnung
Zink ist kein harmloser Mineralstoff, den man nach Belieben stapeln kann. Kurzfristig drohen vor allem Übelkeit und Erbrechen, auf Dauer ein Kupfermangel, der Blut und Nerven schädigt und sich nicht immer ganz zurückbildet. Wer alle Quellen zusammenzählt und dauerhaft unter 25 mg am Tag bleibt, hat nach heutigem Stand wenig zu befürchten. Höhere Mengen gehören in kurze, gezielte Anwendungen oder in ärztliche Hand.
Häufige Fragen
Hat Zink Wechselwirkungen mit Antibiotika?
Placebo-Studien dazu gibt es nicht, wohl aber kleine Messungen der Aufnahme, bei denen Gesunde dasselbe Antibiotikum einmal mit und einmal ohne Zink nahmen. Gleichzeitig eingenommen sank der Blutspiegel von Tetrazyklin um rund ein Drittel, Doxycyclin war nicht betroffen.4 Weil es nur wenige kleine Studien sind, gilt die Frage als ungeklärt. Welcher zeitliche Abstand genügt, hat keine Studie geprüft; maßgeblich sind die Hinweise im Beipackzettel des Antibiotikums.
Ist eine einmalige hohe Dosis Zink gefährlich?
Eine einzelne Tablette zu viel ist kein Grund zur Sorge. Große Mengen auf einmal verursachen vor allem Übelkeit und Erbrechen, die ernsten Folgen entstehen durch dauerhaft hohe Mengen über Wochen bis Jahre.6
Kann Zink Herzrasen auslösen?
In den hier ausgewerteten Studien und Behördenbewertungen taucht Herzrasen als Nebenwirkung von Zink nicht auf, eine eigene Auswertung dazu gibt es nicht. Tritt es nach Beginn einer Einnahme auf, ist eine ärztliche Abklärung trotzdem sinnvoll.
Was berichten Erfahrungen mit Zink-Nebenwirkungen?
Erfahrungsberichte im Netz lassen sich nicht überprüfen. In Studien mit Vergleichsgruppe waren Übelkeit und ein schlechter Geschmack am häufigsten, vor allem bei hoch dosierten Lutschtabletten.11
Weiterlesen




Alle Themen zu Zink
Alle 30 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Nations et al. 2008, Neurology | 4 Prothesenträger mit jahrelang sehr hohem Verbrauch zinkhaltiger Haftcreme | Kupfermangel und schwere Nervenstörungen, nach dem Absetzen bei zweien nur leichte Besserung | Fallserie |
| 2 | SCF 2003, Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der EU | Bewertung der tolerierbaren Obergrenze für Zink, von der EFSA übernommen | 25 mg Zink am Tag aus allen Quellen für Erwachsene, auch in Schwangerschaft und Stillzeit; abgeleitet aus dem Kupferhaushalt | Behördengutachten |
| 3 | BfR 2021, Bundesinstitut für Risikobewertung | Höchstmengenvorschläge für Zink in Nahrungsergänzungsmitteln, 2024 bestätigt | höchstens 6,5 mg je Tagesdosis, ab 3,5 mg Hinweis auf keine weiteren zinkhaltigen Präparate | Behördenempfehlung |
| 4 | Penttilä et al. 1975, Eur J Clin Pharmacol | 7 Freiwillige, Tetrazyklin oder Doxycyclin einmal mit und einmal ohne Zink | Tetrazyklin im Blut um rund ein Drittel niedriger, Doxycyclin unverändert | Crossover-Messung |
| 5 | Dhingra et al. 2020, N Engl J Med | 4.500 Kleinkinder mit Durchfall, drei verschiedene Zinkdosen | mit der höchsten Dosis am meisten Erbrechen, niedrigere Dosen beim Durchfall gleich wirksam | RCT (Dosisvergleich) |
| 6 | Dutta et al. 2026, Biol Trace Elem Res | Systematische Übersicht über 37 beschriebene Fälle von Blutbildschäden durch Zink | Kupfer bei allen erniedrigt, Nervenschäden erholten sich langsamer und teils unvollständig | Übersicht über Fallberichte |
| 7 | Hunter et al. 2021, BMJ Open | 28 Studien mit Erwachsenen, Zink bei Atemwegsinfekten | häufiger leichte Nebenwirkungen, vor allem Übelkeit und Reizung in Mund oder Nase | Meta-Analyse |
| 8 | Nault et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev | 34 Placebo-Studien zu Zink bei Erkältung | bei Behandlung etwa ein Drittel mehr leichte Nebenwirkungen, bei Vorbeugung kein gesicherter Unterschied | Cochrane-Meta-Analyse |
| 9 | Wadhwa et al. 2025, PLoS Med | 3.153 schwer kranke Säuglinge in Indien und Nepal, Zink oder Placebo zusätzlich zu Antibiotika | Nebenwirkungen ähnlich häufig, nur etwas mehr Erbrechen | RCT (Großstudie, Gegenbefund) |
| 10 | Fischer Walker et al. 2006, J Pediatr Gastroenterol Nutr | 1.110 Säuglinge mit Durchfall in Pakistan, Indien und Äthiopien | Erbrechen unter Zink nicht häufiger als mit Placebo | RCT (Großstudie, Gegenbefund) |
| 11 | Science et al. 2012, CMAJ | 17 Placebo-Studien zu Zink bei Erkältung | Übelkeit und schlechter Geschmack häufiger | Meta-Analyse |
| 12 | Lazzerini & Wanzira 2016, Cochrane Database Syst Rev | 33 Studien mit Kindern, die wegen Durchfall Zink bekamen | häufiger Erbrechen, keine schweren Nebenwirkungen berichtet | Cochrane-Meta-Analyse |
| 13 | Schisterman et al. 2020, JAMA | 2.370 Männer, Zink zusammen mit Folsäure oder Placebo über ein halbes Jahr | etwa doppelt so oft Bauchbeschwerden und Übelkeit | RCT (Kombination) |
| 14 | Mossad et al. 1996, Ann Intern Med | 100 erkältete Erwachsene, Zink-Lutschtabletten oder Placebo | unangenehmer Geschmack bei der großen Mehrheit | RCT |
| 15 | D'Cruze et al. 2009, J Prim Health Care | kleine Placebo-Studien zu Zink in der Nase bei Erkältung | keine bedeutsamen Schäden berichtet, Geruchssinn nicht gezielt geprüft | Meta-Analyse |
| 16 | Alexander & Davidson 2006, Laryngoscope | 17 Patienten einer Riechsprechstunde nach zinkhaltigem Nasengel | Geruchssinn bei allen vermindert, Brennen beim Einziehen | Fallserie |
| 17 | FDA 2009 (zitiert in FDA-Leitlinie 2022), US Food and Drug Administration | Meldungen zu zinkhaltigen Nasenmitteln | mehr als 130 Berichte über Geruchsverlust, Warnung vor bestimmten Produkten | Behördenwarnung |
| 18 | Wuehler et al. 2022, Nutrients | Studien mit Kindern vor der Pubertät, Zink gegen kein zusätzliches Zink | Kupfer im Blut nicht gesichert verändert | Meta-Analyse (Kinder) |
| 19 | Ceballos-Rasgado et al. 2022, Adv Nutr | Studien mit Kleinkindern bis 3 Jahre und verschiedenen Zinkmengen | leicht niedrigeres Kupfer im Blut, Bedeutung unklar | Meta-Analyse (maßgeblich, Kleinkinder) |
| 20 | Mayo-Wilson et al. 2014, BMJ Open | Placebo-Studien mit Kindern von 6 Monaten bis 12 Jahren | Kupfer im Blut leicht gesunken, Daten wenig verlässlich | Meta-Analyse (Kinder) |
| 21 | Fischer et al. 1984, Am J Clin Nutr | gesunde Männer, Zink oder Placebo über 6 Wochen | kupferabhängiges Enzym gesunken, Kupfer im Blut gleich | RCT |
| 22 | Hininger-Favier et al. 2007, Br J Nutr | 387 gesunde ältere Europäer, zwei übliche Zinkdosen oder Placebo über 6 Monate | kein wesentlicher Nachteil für Kupfer und Eisen | RCT (Gegenbefund) |
| 23 | Duncan et al. 2023, Br J Clin Pharmacol | Daten eines schottischen Speziallabors zu Kupfermangel durch verordnetes Zink | 14 bestätigte Fälle, die Hälfte vorher unerkannt | Fallsammlung |
| 24 | Hiyama et al. 2026, Clin Nutr ESPEN | japanische Nebenwirkungsdatenbank, Patienten unter Zink zum Einnehmen | Kupfermangel häufiger bei hoher Dosis, kranken Nieren, ab 70 Jahren und bei Frauen | Meldedaten |
| 25 | Zhang et al. 2022, Eur J Epidemiol | 47.240 Männer, Beobachtung über fast drei Jahrzehnte | sehr hohe oder jahrzehntelange Zinkeinnahme mit mehr aggressivem und tödlichem Prostatakrebs verbunden | Kohortenstudie |
| 26 | Johnson et al. 2007, J Urol | Nachauswertung einer Augenstudie mit 3.640 Älteren, hoch dosiertes Zink oder Placebo | kein Anstieg von Krebs, aber mehr Krankenhausaufenthalte wegen der Harnwege | RCT-Nachauswertung |
| 27 | Imdad et al. 2023, Cochrane Database Syst Rev | Vorbeugende Zinkgabe bei Kindern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen | Atemwegsinfekte gleich häufig wie mit Placebo | Cochrane-Meta-Analyse |
| 28 | Chandra 1984, JAMA | 11 gesunde Männer, sehr hohe Zinkmengen über 6 Wochen, ohne Vergleichsgruppe | Abwehrzellen reagierten im Labor schwächer | Studie ohne Kontrollgruppe |
| 29 | Carducci et al. 2021, Cochrane Database Syst Rev | 25 Studien mit über 18.000 Schwangeren | Tot- und Frühgeburten nicht gesichert verändert | Cochrane-Meta-Analyse |
| 30 | Nossier et al. 2015, Br J Nutr | 675 Schwangere mit niedrigem Zinkspiegel in Ägypten | weniger Tot- und Frühgeburten als mit Placebo | RCT |
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