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Zink · 23 Quellen ausgewertet

Zink bei Erkältung: Was hilft wirklich?

Kratzen im Hals, die Nase läuft: Viele greifen dann zu Zink. Ob das etwas bringt, hängt weniger vom Zink ab als davon, wie es in den Körper gelangt.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202623 QuellenLesezeit 8 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Zink-Lutschtabletten verkürzen eine Erkältung bei Erwachsenen um ein bis zwei Tage, wenn sie gleich zu Beginn und in hoher Menge genommen werden. Solche Mengen sind nur für wenige Tage gedacht, weil sie die Grenze für eine dauerhafte Einnahme weit übersteigen. Ob geschluckte Tabletten oder Sirup helfen, ist unklar, ebenso, ob Zink Erkältungen vorbeugt. Häufig sind schlechter Geschmack und Übelkeit.

Auf dieser Seite 6 Abschnitte
  1. Hilft Zink gegen Erkältung?
  2. Wie viel Zink am Tag bei Erkältung?
  3. Welches Zink bei Erkältung?
  4. Beugt Zink Erkältungen vor?
  5. Stärkt Zink das Immunsystem?
  6. Welche Nebenwirkungen haben Zink-Lutschtabletten?

Am ersten Tag ist es meist nur ein Kratzen im Hals, am zweiten läuft die Nase, und spätestens dann stellt sich die Frage, ob sich die nächste Woche irgendwie abkürzen lässt. Genau hier kommt Zink ins Spiel. Anders als bei vielen Hausmitteln gibt es dazu tatsächlich Dutzende Studien mit Scheinpräparat. Ihr Ergebnis fällt erstaunlich klar aus, allerdings nur für eine bestimmte Art der Einnahme. Wer die Studien genau liest, merkt bald, dass es weniger auf das Zink selbst ankommt als darauf, wo es landet: im Mund oder im Magen.

Hilft Zink gegen Erkältung?

Zink hilft bei Erkältung, aber vor allem als Lutschtablette im Mund, während geschluckte Tabletten und Sirup in den Studien nicht überzeugen. Die gründlichste Übersicht stammt von der Cochrane-Gruppe, einem unabhängigen Netzwerk, das zuletzt gut 30 Studien mit über 8.000 Menschen auswertete.1 Dabei klang die Erkältung in den Studien mit Lutschtabletten im Mittel knapp zwei Tage früher ab als mit einem Scheinpräparat (Placebo). Das deckt sich mit mehreren älteren Auswertungen, die auf ähnliche oder sogar etwas größere Vorteile kamen.23

Dabei war der Effekt nicht in jeder Studie gleich groß, und gerade das macht die Sache interessant. Am deutlichsten fiel er aus, wenn die Tabletten langsam im Mund zergingen, gleich zu Beginn genommen wurden und über den Tag reichlich Zink lieferten. Fehlte eine dieser Bedingungen, schrumpfte der Vorteil oder verschwand ganz. Das dürfte die vielen Enttäuschten erklären.

So wurde gemessen
  • Cochrane-Übersicht: 34 randomisierte Studien mit 8.526 Teilnehmenden, 15 davon zur Vorbeugung und 19 zur Behandlung. In der Teilauswertung der Lutschtabletten (5 Studien, 521 Personen) endete die Erkältung im Mittel 1,96 Tage früher.1
  • Über alle Darreichungsformen gerechnet (8 Studien) waren es −2,37 Tage (95 % KI −4,21 bis −0,53), bei stark schwankenden Einzelergebnissen (I² = 97 %) und niedriger Vertrauenswürdigkeit.1
  • Lutschtabletten mit mehr als 75 mg Zink täglich: 7 Studien, 575 Personen, Dauer um 33 % verkürzt (KI 21 bis 45 %).2 Einzeldaten aus 3 Zinkacetat-Studien mit 199 Personen: 2,73 Tage weniger bei durchschnittlich 7 Tagen Erkältung.3

Zink-Lutschtabletten: Wirken sie besser als Tabletten zum Schlucken?

Nach allem, was die Studien zeigen, ist die Lutschtablette die entscheidende Form. Nur für die Lutschtablette ist eine kürzere Erkältung gut belegt. Warum das so ist, klären die Studien nicht abschließend. Doch sie zeigen deutlich, dass die Darreichung mehr ausmacht als fast jede andere Frage rund um das Mittel.

Wie das in der Praxis aussah, zeigt eine amerikanische Studie aus den 1990er-Jahren, in der hundert erkältete Erwachsene alle zwei Stunden eine Tablette mit Zink oder eine gleich aussehende Attrappe lutschten, solange sie wach waren. Mit Zink waren die Beschwerden nach gut vier Tagen abgeklungen, mit der Attrappe erst nach mehr als einer Woche.4 Der Preis dafür war der Geschmack. Vier von fünf Teilnehmenden klagten über einen unangenehmen Nachgeschmack.4

So einfach ist es trotzdem nicht. In Finnland lutschten Erkältete fünf Tage lang handelsübliche Tabletten mit je 13 mg Zink, sechsmal am Tag, und wurden damit nicht schneller gesund als mit Placebo.5 Bei Schulkindern blieb ein Effekt ebenfalls aus: Mit niedrig dosierten Lutschtabletten dauerte die Erkältung genauso lange wie ohne, nämlich neun Tage.6 Gut belegt ist der Nutzen der Lutschtabletten deshalb nur für Erwachsene, die ausreichend hoch dosierte Präparate nehmen.

So wurde gemessen
  • USA, 100 Erwachsene: Zinkgluconat-Lutschtabletten mit 13,3 mg alle zwei Stunden im Wachzustand. Beschwerden im Median nach 4,4 statt 7,6 Tagen verschwunden; unangenehmer Geschmack bei 80 gegenüber 30 %, Übelkeit bei 20 gegenüber 4 %.4
  • Finnland, 87 Erwachsene: Zinkacetat-Lutschtabletten mit 13 mg, sechsmal täglich über 5 Tage. Genesung nicht schneller (Rate Ratio 0,68; KI 0,42 bis 1,08), nach dem Absetzen eher langsamer.5
  • USA, 249 Schulkinder und Jugendliche: Zinkgluconat-Lutschtabletten mit 10 mg, fünf- bis sechsmal täglich. Erkältung im Median 9 Tage in beiden Gruppen.6

Helfen Zinktabletten zum Schlucken bei Erkältung?

Ob geschluckte Zinktabletten oder Zinksirup eine Erkältung verkürzen, ist unklar, weil fast nur Kinderstudien existieren. In der Cochrane-Auswertung dauerten Erkältungen, die während solcher Studien auftraten, mit Zink nicht sicher kürzer als ohne.1 Zwei türkische Studien derselben Arbeitsgruppe, die Kindern Zinksirup gaben, widersprechen sich sogar: Die eine fand kürzere Erkältungen, die andere nicht,78 und auch eine größere Auswertung aller Zinkformen sah bei Kindern keinen sicheren Vorteil.9

Daraus folgt eine Unterscheidung, die auf vielen Packungen untergeht. Die guten Ergebnisse bei Erwachsenen stammen aus Lutschtabletten und lassen sich nicht auf Tabletten zum Schlucken übertragen, auch wenn beide gleich viel Zink enthalten. Wer Zink gegen eine Erkältung nehmen möchte, sollte deshalb zu einer Form greifen, die im Mund zergeht.

So wurde gemessen
  • Cochrane: Erkältungen in 3 Vorbeugestudien mit 740 Kindern, Zink als Sirup oder Tablette; kein gesicherter Unterschied in der Dauer, mäßige Vertrauenswürdigkeit.1
  • Türkei 2006: 200 Kinder, täglich 15 mg Zinksulfat als Sirup, bei Erkältung 30 mg; Erkältungen kürzer.7 Türkei 2007: 150 erkältete Kinder, 120 ausgewertet; alle Beschwerden im Median nach 6 Tagen vorbei, in beiden Gruppen; nur die Stärke ab Tag 2 geringer.8
  • Alle Formen von Zink zum Einnehmen, 17 Studien: Kinder −0,26 Tage (KI −0,78 bis 0,25), Erwachsene −2,63 Tage.9

Werden Halsschmerzen und Schnupfen milder?

Ob Zink die Beschwerden an sich lindert, ist unklar, nur einzelne fielen schwächer aus. Denn über die ganze Erkältung gemittelt fanden die großen Auswertungen keinen sicheren Unterschied zum Placebo.110 Bei einzelnen Beschwerden sieht es anders aus. In drei Studien mit Zinkacetat zum Lutschen verschwanden Schnupfen, verstopfte Nase und Husten deutlich schneller, Halsschmerzen und Niesen dagegen nicht sicher, Kopfschmerzen und Fieber gar nicht.11 Das Zink verkürzt die Erkältung also eher, als dass es die einzelnen Tage leichter macht.

So wurde gemessen
  • Gesamtbeschwerden: Cochrane mit 2 Studien und 261 Personen, SMD −0,03 (KI −0,56 bis 0,50), sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit.1 Durchschnittliche Tagesbeschwerden in einer zweiten Auswertung SMD −0,15 (−0,43 bis 0,13).10
  • Einzelne Beschwerden, 3 Zinkacetat-Studien mit 80 bis 92 mg täglich: Schnupfen −34 %, verstopfte Nase −37 %, Husten −46 %, Muskelschmerzen −54 %; Halsschmerz und Niesen nicht signifikant, Kopfschmerz und Fieber unverändert.11

Wie viel Zink am Tag bei Erkältung?

In den erfolgreichen Studien nahmen Erwachsene mehr als 75 mg Zink am Tag, verteilt auf viele Lutschtabletten. Das zeigte schon die bislang größte Auswertung von 13 Lutschtabletten-Studien, die einen klaren Vorteil nur oberhalb dieser Menge fand.12 Dazu passt eine spätere Auswertung, die zugleich eine Grenze nach oben fand: Mehr als 100 mg am Tag brachten keinen zusätzlichen Gewinn.2

Diese Mengen liegen weit über dem, was Behörden für die tägliche Dauereinnahme als unbedenklich ansehen. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU, dessen Wert die europäische Lebensmittelbehörde übernommen hat, setzt die Obergrenze für Erwachsene bei 25 mg pro Tag aus allen Quellen an.13 Grund dafür ist der Kupferhaushalt. Größere Mengen können ihn über längere Zeit stören. Damit gelten für die Zink-Dosierung im Alltag ganz andere Maßstäbe als für die kurze Behandlung einer Erkältung. Ob sich die Wirkung mit Vitamin C und Zink zusammen steigern lässt, haben die hier ausgewerteten Erkältungsstudien nicht eigens geprüft.

So wurde gemessen
  • Größte Auswertung: 13 placebokontrollierte Lutschtabletten-Studien mit 1.407 Erkältungsepisoden; deutlich kürzer nur in den Studien mit über 75 mg Zink täglich, niedrigere Mengen ohne gesicherten Effekt.12
  • Folgeauswertung: 7 Studien mit über 75 mg täglich und 575 Personen, 33 % kürzer; jenseits von 100 mg kein weiterer Vorteil.2
  • Obergrenze: 25 mg Zink täglich für Erwachsene, die Hälfte der Menge, bei der kontrollierte Studien noch keine Veränderung des Kupferhaushalts fanden.13

Hochdosiertes Zink bei Erkältung: 75 mg, wie lange?

In den Studien wurde hoch dosiertes Zink nur für die Dauer der Erkältung genommen, ab den ersten Beschwerden und für einige Tage. Zum Beispiel waren es in der finnischen Studie fünf Tage,5 und ohne Behandlung dauerte eine Erkältung in den Zinkacetat-Studien im Schnitt rund eine Woche.3 Für längere Zeiträume fehlen Erfahrungen. Halten die Beschwerden deutlich länger an als bei einer gewöhnlichen Erkältung, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoller als weiteres Lutschen. Eine Dauereinnahme in solchen Mengen gehört ohnehin nicht in die Selbstbehandlung.

Welches Zink bei Erkältung?

Für eine Lutschtablette eignen sich nach den Studien Zinkacetat und Zinkgluconat, die beiden Verbindungen, mit denen fast alle erfolgreichen Versuche liefen. Zwar fand eine Auswertung einen Unterschied zugunsten des Acetats, doch er war so unsicher, dass er ebenso gut Zufall sein kann.2 Deshalb scheint wichtiger, dass die Tablette tatsächlich langsam im Mund zergeht und über den Tag genug Zink abgibt. Wie sich die übrigen Zinkformen unterscheiden, etwa beim Schlucken, ist eine eigene Frage mit wenig Bezug zur Erkältung.

Eine Form scheidet ganz aus: Zink in der Nase. Ob es den Geruchssinn schädigt, ist in kontrollierten Studien zwar ungeklärt, weil gezielte Riechtests in Placebo-Studien fehlen. Doch die Warnsignale sind ernst. In den USA meldeten Betroffene nach zinkhaltigen Nasengelen den Verlust ihres Geruchssinns, teils dauerhaft, und die Arzneimittelbehörde FDA erhielt bis 2009 mehr als 130 solcher Berichte.14 In einer Fallserie aus einer Riechsprechstunde war der Geruchssinn bei allen 17 Betroffenen vermindert; alle hatten das Gel tief eingezogen, sofort ein Brennen gespürt und binnen zwei Tagen kaum noch etwas gerochen.15 Für Tabletten und Lutschtabletten gilt dieser Befund nicht, von zinkhaltigen Nasensprays ist dagegen abzuraten.

So wurde gemessen
  • Acetat gegen Gluconat, hoch dosierte Lutschtabletten: Erkältung um 40 gegenüber 28 % verkürzt; Unterschied 12 Prozentpunkte (KI −12 bis +36), nicht signifikant.2
  • Nasengel: mehr als 130 Meldungen an die FDA bis 2009 über Geruchsverlust nach zinkhaltigen homöopathischen Nasenmitteln.14 Fallserie mit 17 Patienten: Geruchssinn bei allen vermindert, Verlust binnen 48 Stunden, sieben von ihnen ohne jedes Erkältungszeichen.15

Beugt Zink Erkältungen vor?

Ob regelmäßig eingenommenes Zink Erkältungen verhindert, ist unklar, die Ergebnisse widersprechen sich. In der Cochrane-Auswertung von neun Vorbeugestudien erkrankten mit Zink etwas weniger Menschen als ohne. Doch der Unterschied war zu klein, um ihn sicher vom Zufall zu trennen.1 Eine andere Auswertung kam bei Erwachsenen auf einige Infekte weniger, zählte dabei aber auch Nasensprays mit.10

Bei Kindern sieht es ähnlich aus. In der Türkei bekamen gesunde Kinder sieben Monate lang täglich Zinksirup und hatten danach seltener Erkältungen als die Vergleichsgruppe.7 In Thailand dagegen nahmen Schulkinder drei Monate lang Zinktabletten, und am Ende war fast jedes Kind mindestens einmal erkältet, ob mit oder ohne Zink.16 Damit reicht die Lage nicht für einen ganzen Winter mit täglichem Zink. Hinzu kommt, dass eine Dauereinnahme unter der Obergrenze von 25 mg bleiben sollte und damit weit unter den Mengen, die bei der akuten Erkältung geholfen haben.13

So wurde gemessen
  • Cochrane: 9 Vorbeugestudien mit 1.449 Personen; Erkältungsrisiko RR 0,93 (KI 0,85 bis 1,01), niedrige Vertrauenswürdigkeit.1
  • Erwachsene, Zink geschluckt oder als Nasenspray zusammengerechnet: 5 Atemwegsinfekte weniger je 100 Personenmonate (KI 1 bis 8).10
  • Türkei: 200 Kinder, täglich 15 mg Zink als Sirup über 7 Monate; 1,2 gegenüber 1,7 Erkältungen pro Kind.7 Thailand: 100 Kinder von 8 bis 13 Jahren, täglich 15 mg Zinkbisglycinat über 3 Monate; mindestens eine Erkältung bei 84 gegenüber 82 %.16

Stärkt Zink das Immunsystem?

Zink ist für die Abwehr unverzichtbar, doch mehr Zink heißt nicht mehr Abwehr. Bei echtem Zinkmangel arbeitet das Immunsystem schlechter. Das zeigen vor allem Erfahrungen aus Ländern, in denen der Mangel weit verbreitet ist.17 Mehr Schutz folgt daraus nicht. Selbst in einer großen Auswertung von 19 Studien mit über 10.000 Kindern in ärmeren Ländern, die vorbeugend übliche Mengen bekamen, waren Atemwegsinfekte genauso häufig wie mit Placebo.18

Ob Zink älteren Menschen Infekte erspart, ist unklar. Erste Hinweise gibt es, aber zu wenige Studien. Eine kleine amerikanische Studie mit 50 gesunden Älteren fand unter täglich 45 mg Zink über ein Jahr deutlich weniger Infektionen.19 Bestätigt wurde das bis heute nicht. Umgekehrt hält sich die Sorge, sehr viel Zink könne die Abwehr schwächen. Sie stützt sich vor allem auf einen Versuch von 1984, in dem elf Männer sechs Wochen lang sehr hohe Mengen nahmen. Danach reagierten bestimmte Abwehrzellen im Labor schwächer, eine Vergleichsgruppe gab es allerdings nicht.20 Über einen Kupfermangel durch zu viel Zink kann eine dauerhaft hohe Menge die Abwehr zudem auf Umwegen schwächen.

So wurde gemessen
  • Kinder von 6 Monaten bis 12 Jahren in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, meist 10 bis 15 mg täglich: Atemwegsinfekte in 19 Studien mit 10.555 Kindern RR 1,01, hohe Vertrauenswürdigkeit.18
  • Ältere von 55 bis 87 Jahren: 50 Personen, täglich 45 mg Zink als Gluconat über 12 Monate; Infektionen seltener als mit Placebo.19
  • Hohe Dosis ohne Kontrollgruppe: 11 gesunde Männer, zweimal täglich 150 mg über 6 Wochen; Lymphozyten und Fresszellen reagierten im Labor schwächer.20

Hilft Zink bei Corona oder Grippe?

Bei COVID-19 ist ein Nutzen unklar, bei der Grippe nicht untersucht. Die größte Placebo-Studie aus Tunesien mit knapp 500 Erkrankten fand unter Zink seltener Aufnahmen auf die Intensivstation, aber keine sicher geringere Sterblichkeit,21 und eine Auswertung aller vier randomisierten Studien sah ebenfalls keinen Unterschied bei den Todesfällen.22 Dagegen gibt es zur echten Grippe keine kontrollierte Studie mit Zink allein. Untersucht wurde nur, ob Zink bei Pflegeheimbewohnern die Antwort auf die Grippeimpfung verbessert, und das tat es nicht.23 Was für Erkältungen gilt, lässt sich auf die Influenza also nicht übertragen.

Welche Nebenwirkungen haben Zink-Lutschtabletten?

Unter Zink kommt es wahrscheinlich oft zu schlechtem Geschmack und Übelkeit, beides harmlos, aber für viele lästig genug, um aufzuhören. In der amerikanischen Studie mit zweistündlichen Tabletten klagten 80 gegenüber 30 Prozent mit Placebo über den Geschmack. Über Übelkeit klagte jeder Fünfte, mit Placebo nur jeder Fünfundzwanzigste.4 Große Auswertungen bestätigen das Muster.9 Eine von ihnen rechnet mit einer zusätzlichen Nebenwirkung je sieben Behandelte, dazu kommen Reizungen in Mund und Rachen.10

Gefährlich ist das nicht. Nach dem Absetzen verschwinden die Beschwerden wieder. Allerdings fiel es vielen Studien schwer, den typischen Geschmack im Placebo nachzuahmen, sodass manche Teilnehmende vermutlich ahnten, was sie lutschten. Schwere Nebenwirkungen waren selten, doch dafür wurden zu wenige erfasst, um sie sicher auszuschließen.1 Bei starkem Brennen im Mund empfiehlt es sich, die Tabletten abzusetzen.

So wurde gemessen
  • Erwachsene, 28 Studien: Abneigung gegen den Geschmack RR 2,11 (9 Studien), Reizung in Mund und Rachen RR 1,55 (7 Studien); nicht schwere Nebenwirkungen RR 1,41, also eine zusätzliche je 7 Behandelte.10
  • Alle Zinkformen zur Behandlung: Übelkeit RR 1,64 (KI 1,19 bis 2,27), unangenehmer Geschmack RR 1,65.9
  • Cochrane: nicht schwere Nebenwirkungen in Behandlungsstudien RR 1,34; schwere Nebenwirkungen RR 1,67 (KI 0,78 bis 3,57) aus 3 Studien, zu wenige Ereignisse für eine Aussage.1

Unsere Einordnung

Zink-Lutschtabletten gehören zu den wenigen Erkältungsmitteln mit belastbarem Nutzen: Bei Erwachsenen verkürzen sie die Erkältung um ein bis zwei Tage, wenn sie früh und hoch dosiert genommen werden. Geschluckte Tabletten, Sirup und das tägliche Zink über den Winter haben diesen Nachweis nicht erbracht, und Nasensprays mit Zink sind keine gute Idee.

Was Zink im Körper sonst bewirkt und wofür es gut untersucht ist, reicht weit über die Erkältung hinaus. Für den Schnupfen bleibt die Bilanz trotzdem einfach: lutschen statt schlucken, früh beginnen und nach einigen Tagen wieder aufhören.

Häufige Fragen

Wieviel Vitamin C und Zink bei Erkältung?

Für die Kombination nennen die hier ausgewerteten Erkältungsstudien keine eigene Menge. Belegt ist der Nutzen nur für Zink als Lutschtablette in hoher Menge; ob zusätzliches Vitamin C die Erkältung weiter verkürzt, haben diese Studien nicht geprüft.

Ab wann sollte man Zink bei Erkältung nehmen?

In den erfolgreichen Studien begann die Einnahme gleich zu Beginn, sobald die ersten Beschwerden auftraten. Für einen späteren Beginn fehlen eigene Auswertungen, ob er noch etwas bringt, lässt sich deshalb nicht sagen.

Hilft Zink bei Halsschmerzen?

In drei Studien mit Zinkacetat zum Lutschen gingen Halsschmerzen nicht sicher schneller zurück als mit Placebo, anders als Schnupfen und Husten.11

Ist Zink bei Erkältung für Kinder geeignet?

Bei Schulkindern verkürzten niedrig dosierte Lutschtabletten die Erkältung nicht.6 Auch für Zinksirup ist ein Nutzen bei Kindern unklar.78 Die hohen Mengen aus den Studien mit Erwachsenen sind für Kinder nicht geprüft und gehören nicht ohne kinderärztlichen Rat in die Hausapotheke.

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Alle 23 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Nault et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev34 randomisierte Studien mit 8.526 Teilnehmenden zu Vorbeugung und Behandlung, alle DarreichungenLutschtabletten: Erkältung im Mittel 1,96 Tage kürzer; Vorbeugung ohne gesicherten Unterschied; mehr leichte NebenwirkungenCochrane-Meta-Analyse
2Hemilä 2017, JRSM Open7 Placebo-Studien mit Lutschtabletten über 75 mg Zink täglichErkältung um ein Drittel kürzer; Acetat und Gluconat ohne gesicherten Unterschied; über 100 mg kein ZusatznutzenMeta-Analyse
3Hemilä et al. 2016, Br J Clin PharmacolEinzeldaten aus 3 Placebo-Studien mit ZinkacetatErkältung fast drei Tage kürzer bei rund einer Woche DauerEinzeldaten-Meta-Analyse
4Mossad et al. 1996, Ann Intern Med100 erkältete Erwachsene, Zinkgluconat-Lutschtabletten alle zwei StundenBeschwerden gut drei Tage früher abgeklungen; viel häufiger schlechter Geschmack und ÜbelkeitRCT
5Hemilä et al. 2020, BMJ Open87 erkältete Erwachsene in Finnland, Zinkacetat-Lutschtabletten mit 13 mgkeine schnellere Genesung als mit PlaceboRCT (Gegenbefund)
6Macknin et al. 1998, JAMA249 Schulkinder und Jugendliche, Lutschtabletten mit 10 mg ZinkErkältung gleich lang wie mit Placebo; mehr Geschmacksbeschwerden und ÜbelkeitRCT (Gegenbefund, Kinder)
7Kurugöl et al. 2006, Acta Paediatr200 gesunde Kinder in der Türkei, Zinksulfat-Sirup über 7 Monateseltener und kürzer erkältet als mit PlaceboRCT
8Kurugöl et al. 2007, Pediatr Int150 erkältete Kinder in der Türkei, Zinksulfat oder PlaceboErkältungsdauer gleich, Beschwerden ab dem zweiten Tag etwas schwächerRCT (Gegenbefund zur Dauer)
9Science et al. 2012, CMAJ17 Placebo-Studien, alle Formen von Zink zum EinnehmenErkältung bei Erwachsenen kürzer, bei Kindern kein gesicherter Vorteil; häufiger Übelkeit und schlechter GeschmackMeta-Analyse
10Hunter et al. 2021, BMJ Open28 Studien mit Erwachsenen, Zink zum Einnehmen, Lutschen oder in der Naseetwas weniger Infekte bei Vorbeugung; häufiger Geschmacksabneigung und Reizung im MundMeta-Analyse
11Hemilä et al. 2015, BMC Fam Pract3 Studien mit Zinkacetat-LutschtablettenSchnupfen, verstopfte Nase und Husten kürzer; Halsschmerz, Kopfschmerz und Fieber nichtMeta-Analyse (einzelne Beschwerden)
12Hemilä 2011, Open Respir Med J13 Placebo-Studien mit Lutschtablettenklarer Vorteil nur bei mehr als 75 mg Zink am TagMeta-Analyse
13SCF 2003, Wissenschaftlicher Lebensmittelausschuss der EUBewertung der Obergrenze für Zink, von der EFSA übernommen25 mg Zink am Tag aus allen Quellen für Erwachsene, abgeleitet aus dem KupferhaushaltBehördengutachten
14FDA 2009 (zitiert in FDA-Leitlinie 2022), US Food and Drug AdministrationMeldungen zu zinkhaltigen Nasenmittelnmehr als 130 Berichte über Geruchsverlust, Warnung vor bestimmten ProduktenBehördenwarnung
15Alexander & Davidson 2006, Laryngoscope17 Patienten einer Riechsprechstunde nach zinkhaltigem NasengelGeruchssinn bei allen vermindert, Verlust binnen zwei TagenFallserie
16Rerksuppaphol et al. 2013, Paediatr Int Child Health100 Schulkinder in Thailand, Zinkbisglycinat über 3 MonateErkältungen gleich häufig wie mit PlaceboRCT (Gegenbefund)
17Prasad 2013, Adv NutrÜbersichtsarbeit zu 50 Jahren Forschung über ZinkmangelMangel stört Wachstum, Immunabwehr und geistige EntwicklungÜbersichtsarbeit
18Imdad et al. 2023, Cochrane Database Syst RevVorbeugende Zinkgabe bei Kindern in Ländern mit niedrigem und mittlerem EinkommenAtemwegsinfekte gleich häufig wie mit PlaceboCochrane-Meta-Analyse
19Prasad et al. 2007, Am J Clin Nutr50 gesunde Ältere, Zinkgluconat über 12 Monateweniger Infektionen als mit PlaceboRCT
20Chandra 1984, JAMA11 gesunde Männer, sehr hohe Zinkmengen über 6 Wochen, ohne VergleichsgruppeAbwehrzellen reagierten im Labor schwächerStudie ohne Kontrollgruppe
21Ben Abdallah et al. 2023, Clin Infect Dis470 Erkrankte mit COVID-19 in Tunesien, Zink oder Placeboseltener Intensivstation, Sterblichkeit nicht gesichert geringerRCT
22Wu et al. 2023, J Infect4 randomisierte Studien zu Zink bei COVID-19kein Unterschied bei Sterblichkeit, Krankenhausaufnahme und BeschwerdedauerMeta-Analyse
23Provinciali et al. 1998, Age Ageing384 Pflegeheimbewohner, Zink vor der GrippeimpfungAntikörper nach der Impfung nicht höherkontrollierte Studie ohne Placebo

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