Stoff, Wirkung oder Frage
Magnesium · 28 Quellen ausgewertet

Krämpfe in den Beinen trotz Magnesium: Woran liegt es?

Nachts wird die Wade hart, am Morgen liegt die Magnesiumpackung bereit. Die besten Studien halten davon wenig. Zwei andere Mittel schnitten etwas besser ab.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202628 QuellenLesezeit 8 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Gegen gewöhnliche nächtliche Wadenkrämpfe eher nicht. Die gründlichste Übersicht sieht bei älteren Menschen ohne klare Ursache kaum Aussicht auf Nutzen. Krämpfe trotz Magnesium sind deshalb eher die Regel als ein Rätsel. Abendliches Dehnen und Kompressionsstrümpfe schnitten etwas besser ab. Für Schwangere ist die Lage unklar, zum Sport fehlen Studien. Häufige oder neue Krämpfe sollten ärztlich geprüft werden.

Auf dieser Seite 7 Abschnitte
  1. Hilft Magnesium gegen Krämpfe?
  2. Wadenkrämpfe trotz Magnesium: Woran kann es liegen?
  3. Was hilft gegen Wadenkrämpfe außer Magnesium?
  4. Nächtliche Wadenkrämpfe oder Restless Legs?
  5. Magnesium bei Krämpfen in der Schwangerschaft und beim Sport
  6. Hilft Magnesium bei Muskelverspannungen?
  7. Wann sollten Krämpfe ärztlich abgeklärt werden?

Drei Uhr nachts, das Bein zuckt, und plötzlich zieht sich die Wade zu einem harten Knoten zusammen. Mit einem Ruck sitzt man im Bett, zerrt an den Zehen und wartet, bis der Schmerz nachlässt. Am nächsten Tag steht Magnesium auf dem Einkaufszettel, so wie es Bekannte, Apotheke und Großeltern seit jeher raten. Ein paar Nächte später kommt der Krampf trotzdem wieder. Überraschend ist das nicht, denn die Hoffnung auf Magnesium war von Anfang an größer als das, was die Studien hergeben.

Hilft Magnesium gegen Krämpfe?

Gegen gewöhnliche nächtliche Wadenkrämpfe hilft Magnesium nach den besten Studien eher nicht. Zwar kann ein echter Mangel an Magnesium Krämpfe auslösen.27 Die meisten Menschen mit Wadenkrämpfen haben aber gar keinen Mangel, und ein Mittel gegen den Mangel ist noch lange kein Mittel gegen den Krampf.

Das zeigt ein Versuch mit Erwachsenen, die nachts oft von Krämpfen geweckt wurden. Vier Wochen lang nahmen sie entweder Magnesium oder ein Scheinpräparat (Placebo), und am Ende hatten beide Gruppen rund drei Krämpfe pro Woche weniger.2 Die Tablette mit Wirkstoff schaffte also nicht mehr als die ohne.

Zum selben Schluss kommt die gründlichste Zusammenfassung, eine Cochrane-Übersicht: Bei älteren Menschen, deren Krämpfe keine klare Ursache haben, ist ein spürbarer Nutzen unwahrscheinlich.1 Auch in Finnland, wo Menschen zwischen 50 und 85 Jahren Magnesium testeten, zeigte sich kein Vorteil.3 Ebenso sehen zwei weitere Auswertungen bei Erwachsenen, die nicht schwanger sind, keinen Nutzen.56

Nur eine größere Studie tanzt aus der Reihe. Dort nahmen Erwachsene zwei Monate lang abends Magnesium, und die Krämpfe wurden etwas seltener und kürzer als mit dem Scheinpräparat, die Nächte ruhiger.4 Bezahlt hat diese Studie allerdings die Firma, deren Präparat getestet wurde.4

Auffällig ist in all diesen Studien die Gruppe mit dem Scheinpräparat, denn auch ganz ohne Wirkstoff gingen die Krämpfe deutlich zurück.2 Ruhigere Nächte nach ein paar Wochen Magnesium sagen deshalb wenig über das Präparat. Auch Beobachtungen aus der Schweiz helfen nicht weiter, weil sie sich widersprechen: Bei älteren Hausarztpatienten hatten Magnesiumnutzer weniger Krämpfe,25 in einer Studie in Lausanne dagegen mehr.26 Ursache und Wirkung lassen sich so nicht trennen. Wer oft Krämpfe hat, kauft eben eher Magnesium.

Gegen gewöhnliche Wadenkrämpfe lohnt sich Magnesium daher kaum. Sinnvoll ist es bei einem Mangel, der per Blutwert festgestellt wurde. Dann behandelt es die Ursache.

So wurde gemessen
  • Mangel: Muskelkrämpfe zählen zu den bekannten Folgen eines Magnesiummangels (Übersichtsarbeit).27
  • Placebokontrollierte Studie: 94 Erwachsene mit nächtlichen Wadenkrämpfen, Magnesiumoxid über 4 Wochen. In beiden Gruppen rund 3 Krämpfe pro Woche weniger, kein Unterschied zu Placebo.2
  • Cochrane-Review 2020: 735 Teilnehmende aus 11 Studien. Für ältere Menschen mit idiopathischen Krämpfen ist ein klinisch bedeutsamer Nutzen unwahrscheinlich.1
  • Finnland: 121 Menschen von 50 bis 85 Jahren, 4 Wochen; Magnesiumchlorid nicht besser als Placebo.3
  • Weitere Meta-Analysen: 7 Studien mit 361 Personen, kein Effekt in der Allgemeinbevölkerung.5 13 kontrollierte Studien zu Elektrolyten: bei nächtlichen Krämpfen Erwachsener kein Unterschied.6
  • Positive Studie: 175 Erwachsene, Magnesiumoxid abends über 60 Tage. Krämpfe −3,4 vs. −2,6 unter Placebo, kürzer, besserer Schlaf; vom Hersteller finanziert.4
  • Beobachtungsstudien: 129 Hausarztpatienten über 50 in der Schweiz; die 25 %, die Magnesium nahmen, hatten weniger Krämpfe pro Tag.25 Bevölkerungsstudie Lausanne mit bis zu 3.887 Personen: Magnesiumnutzer häufiger mit nächtlichen Krämpfen.26

Unsere Einordnung

Gegen gewöhnliche nächtliche Wadenkrämpfe bringt Magnesium nach den besten Studien keinen nennenswerten Nutzen. Sinnvoll bleibt es bei einem nachgewiesenen Mangel, und nachgewiesen heißt: per Blutwert, nicht per Bauchgefühl.

Wadenkrämpfe trotz Magnesium: Woran kann es liegen?

Meist liegt es an einer anderen Ursache und nicht an einer falschen Einnahme. Krämpfe trotz Magnesium sind genau das, was die meisten Studien fanden. Fachleute erklären nächtliche Wadenkrämpfe heute vor allem mit müden Muskeln und Fehlsignalen der Nerven, während leere Speicher an Mineralstoffen kaum eine Rolle spielen.11 Beim Sport gilt Überlastung als Hauptgrund, Salz- oder Wassermangel dagegen nur als Nebensache.12

Auch Medikamente kommen infrage. Daten zu Verordnungen aus Kanada zeigen ein Muster: Menschen ab 50, die mit bestimmten Mitteln begannen, bekamen danach öfter ein Krampfmittel verschrieben, vor allem nach lang wirkenden Asthma-Sprays und einigen Entwässerungsmitteln. Bei Mitteln gegen hohes Cholesterin war der Effekt dagegen klein.13 Beweise für eine Ursache sind das nicht. Deshalb sollte ein Medikament nie auf eigene Faust wegfallen, doch ein Gespräch in der Praxis lohnt sich.

Dazu kommen Erkrankungen. Unter älteren Menschen kannte jeder Zweite Beinkrämpfe, und besonders oft betraf es Frauen und Menschen mit Arthritis oder schlecht durchbluteten Beinen.28 Auch ein enger Wirbelkanal, eine kranke Leber und Dialyse hängen mit Krämpfen zusammen.11

Schließlich braucht ein Mangel Zeit. Liegt wirklich ein Magnesiummangel vor, dauert das Auffüllen, denn der Blutwert steigt nur langsam und ist erst nach rund 20 Wochen stabil.20 Organische Formen nimmt der Darm leichter auf, und von großen Portionen kommt anteilig weniger an.21 Wer nach zwei Wochen aufgibt, hat also nicht unbedingt das Falsche genommen.

Möglicher Grund Was dahintersteckt Sinnvoller Schritt
Kein Mangel müder Muskel, fehlgeleitete Nervensignale dehnen, Training dosieren
Medikamente etwa Asthma-Sprays, Entwässerungsmittel Medikamentenplan mit Arzt oder Ärztin durchgehen
Erkrankungen Durchblutung, Gelenke, Wirbelkanal ärztliche Untersuchung
Echter Mangel erhöhte Verluste, knappe Zufuhr Blutwert bestimmen, dann gezielt ergänzen
Für Präparate liegt die Obergrenze bei 250 mg täglich.22 Innerhalb dieser Tagesmenge an Magnesium empfiehlt es sich, gut aufnehmbare Magnesiumformen in kleinen Portionen zu wählen. So kommt anteilig mehr davon an.
So wurde gemessen
  • Ursachen: Übersichtsarbeit: Als Ursache gelten eher ermüdete Muskeln und gestörte Nervenfunktion als Elektrolyte. Gehäuft bei peripherer Gefäßerkrankung, Spinalkanalstenose, Leberzirrhose und unter Dialyse.11 Sportkrämpfe: eher Überlastung und Ermüdung als ein Mangel an Salz oder Flüssigkeit.12
  • Medikamente: Verordnungsdaten von 4,2 Mio. Menschen in British Columbia, Auswertung ab 50 Jahren. Mehr Krampfmittel-Verordnungen nach Beginn von lang wirksamen Asthma-Sprays (Faktor 2,4), kaliumsparenden (2,1) und thiazidartigen Entwässerungsmitteln (1,5); Statine 1,2.13
  • Erkrankungen: Befragung von 365 Menschen ab 65 Jahren: 50 % mit Beinkrämpfen, häufiger bei Durchblutungsstörung, Arthritis und Frauen.28
  • Auffüllen: 2.131 Personen aus 48 RCTs: Der Serumwert hängt von Dosis und Einnahmedauer ab und erreicht nach rund 20 Wochen ein Plateau.20 Review von 14 Vergleichsstudien: Organische Salze werden besser resorbiert als anorganische; mit steigender Einzeldosis sinkt der resorbierte Anteil.21
  • Obergrenze: 250 mg/Tag aus Nahrungsergänzung (SCF 2001, EFSA 2006).22

Was hilft gegen Wadenkrämpfe außer Magnesium?

Am ehesten helfen Dehnen am Abend und Kompressionsstrümpfe, beides allerdings nur schwach belegt. Viel anderes hält der Forschung nicht stand. Für das Dehnen spricht ein Versuch, in dem ältere Erwachsene sechs Wochen lang jeden Abend vor dem Schlafen Waden und hintere Oberschenkel dehnten. Am Ende kam pro Nacht gut ein Krampf weniger, und es tat weniger weh als in einer Gruppe ohne Dehnen.14 Weil es keine Scheinbehandlung gab, kann die Erwartung allerdings mitgespielt haben.

Dagegen urteilt eine Cochrane-Übersicht vorsichtiger. Dehnen von Wade und Oberschenkel lindert womöglich den Schmerz, während es über drei Monate kaum etwas brachte, nur die Wade zu dehnen.15 Ein Wundermittel ist also auch das nicht.

Spannender ist der zweite Teil der finnischen Studie, in dem es neben Magnesium um kniehohe Strümpfe ging, die das Bein zusammendrücken. Damit halbierten sich die Krämpfe pro Woche, die Menschen wachten seltener auf und hatten weniger Schmerzen.3 Magnesium war in derselben Studie nicht besser als das Scheinpräparat. Das ist nur ein einzelner Befund, aber einer, der beide Mittel fair nebeneinanderstellt.

Wenn es akut zieht, hilft es, den Muskel lang zu machen, also die Zehen Richtung Knie zu ziehen oder aufzustehen und die Ferse fest in den Boden zu drücken. Beim Sport gilt Dehnen ohnehin als beste Soforthilfe.12 Kurios ist dagegen ein Befund aus dem Labor zu Gurkenwasser: Männer, denen per Strom ein Fußkrampf ausgelöst wurde, waren ihn danach rund 50 Sekunden schneller los als nach Wasser.16 Ob das bei echten Krämpfen in der Nacht genauso klappt, hat niemand geprüft.

Kalium oder Calcium als Tablette helfen nach den Studien nicht.6 Chinin und ähnliche Krampfmittel auf Rezept wirken mäßig, können aber selten schwere Nebenwirkungen haben.24 Deshalb gehören sie in ärztliche Hände.

Krämpfe trotz Magnesium sind kein Rätsel, sondern das häufigste Studienergebnis.

Einen Versuch wert sind daher abendliches Dehnen und, nach Rücksprache, Kompressionsstrümpfe. Beides ist einfach auszuprobieren. Ob ein Krampfmittel auf Rezept infrage kommt, sollte dagegen nur ärztlich entschieden werden.

So wurde gemessen
  • Dehnen: 80 Erwachsene über 55, abendliches Dehnen über 6 Wochen; Ergebnis: pro Nacht 1,2 Krämpfe seltener und geringere Schmerzen gegenüber der Gruppe ohne Dehnübungen; keine Scheinbehandlung.14 Cochrane-Review, 3 Studien (n = 201, alle ab 50): Kombiniertes Dehnen von Wade und hinterem Oberschenkel senkt möglicherweise den Schmerz; nur die Wade über 12 Wochen zu dehnen, änderte wenig.15
  • Kompressionsstrümpfe: 121 Menschen von 50 bis 85 Jahren, 4 Wochen. Median der wöchentlichen Krämpfe sank von 4 auf 2; Magnesiumchlorid nicht besser als Placebo.3
  • Gurkenwasser: Laborversuch mit Männern, elektrisch ausgelöste Fußkrämpfe; Krampf endete rund 49 Sekunden früher als nach Wasser.16
  • Kalium, Calcium: ohne Beleg in einer Meta-Analyse kontrollierter Studien.6
  • Chinin: mäßige Wirkung, seltene schwere Nebenwirkungen (Übersicht zu Älteren).24

Nächtliche Wadenkrämpfe oder Restless Legs?

Ein Krampf ist ein harter, schmerzender Muskel, Restless Legs dagegen sind ein Kribbeln mit dem Drang, sich zu bewegen. Nächtliche Krämpfe sind dabei häufig. In den USA berichtete etwa jeder vierte Erwachsene von leichten Beinkrämpfen in der Nacht,17 und bei Menschen ab 65 war es sogar jeder Zweite, wobei die Krämpfe meist nachts kamen.28

Typisch ist ein plötzlicher, heftiger Schmerz in der Wade oder im Fuß, der wenige Sekunden, höchstens aber zehn Minuten anhält und aus dem Schlaf reißt.18 Auslöser ist vermutlich meist die Lage im Bett, bei der der Fuß gestreckt ist und die Zehen nach unten zeigen.19 Unter einer straffen Bettdecke liegt man oft genau so. Deshalb kann es helfen, die Bettdecke am Fußende etwas zu lockern, was nichts kostet.

Anders fühlen sich Restless Legs an.18 Statt eines harten Muskels kribbelt oder zieht es in Ruhe, und die Beine wollen sich bewegen. Das ist eine eigene Erkrankung, auf die sich Ergebnisse aus Studien zu Krämpfen nicht übertragen lassen. Bei Restless Legs sollte deshalb eine Ärztin oder ein Arzt draufschauen.

So wurde gemessen
  • Häufigkeit: US-Bevölkerungserhebung (NHANES): Leichte Beinkrämpfe in der Nacht bei 24 bis 25 % der Erwachsenen, mittlere bis schwere bei 6 %.17 Befragung von 365 Menschen ab 65: 50 % mit Beinkrämpfen, 62 % davon nachts.28
  • Merkmale: systematische Übersicht aus 18 Studien und einer Expertenbefragung: heftiger Schmerz in Wade oder Fuß, Sekunden bis 10 Minuten, gestörter Schlaf; Abgrenzung zu Restless Legs.18
  • Auslöser: Übersichtsarbeit: Die meisten Krämpfe dürfte ein im Liegen gestreckter Fuß auslösen.19

Magnesium bei Krämpfen in der Schwangerschaft und beim Sport

In der Schwangerschaft ist die Frage offen, beim Sport fehlen Studien ganz. Für Magnesium spricht vor allem eine Studie aus Thailand, in der Schwangere vier Wochen lang Magnesium oder ein Scheinpräparat nahmen. Mit Magnesium halbierten sich die Krämpfe bei fast neun von zehn Frauen, mit dem Scheinpräparat bei sechs von zehn.7 Auch zwei Auswertungen sehen seltenere Krämpfe, eine allerdings nur in kleinem Umfang.56

Dagegen stuft eine Cochrane-Übersicht die Ergebnisse als uneinheitlich und wenig aussagekräftig ein.8 Eine weitere Auswertung fand keine selteneren Krämpfe,9 und in einer dritten Studie war Magnesiumcitrat in gleicher Menge nicht besser als das Scheinpräparat.10 Immerhin gab es mit Magnesium nicht mehr Nebenwirkungen als ohne Wirkstoff.8

Ein Versuch lässt sich deshalb vertreten, sollte aber mit der Frauenarztpraxis oder der Hebamme abgesprochen sein. Andere Fragen rund um Magnesium in der Schwangerschaft sind übrigens sehr unterschiedlich gut untersucht. Ein Blick dorthin lohnt sich.

Für Krämpfe beim Sport existiert dagegen keine einzige Studie mit Magnesium und Vergleichsgruppe.1 Diese Krämpfe entstehen meist durch Überlastung und Ermüdung,12 weshalb es sich eher lohnt, Umfang und Dehnen anzupassen, als zur Tablettendose zu greifen. Für Muskelkater und Leistung sieht die Lage zu Magnesium im Sport etwas anders aus.

So wurde gemessen
  • Thailand: 86 Schwangere, 300 mg Magnesiumbisglycinat täglich über 4 Wochen. Krämpfe halbiert bei 86 % vs. 61 % unter Placebo.7
  • Positive Meta-Analysen: 7 Studien, kleiner Effekt bei Schwangeren5; 13 kontrollierte Studien zu Elektrolyten, in der Schwangerschaft seltenere Krämpfe mit Magnesium.6
  • Gegenbefunde: Cochrane-Review, 8 Studien mit 576 Schwangeren: Ergebnisse uneinheitlich, Aussagekraft niedrig; Nebenwirkungen wie unter Placebo.8 Meta-Analyse, 4 Studien mit 332 Schwangeren: Häufigkeit insgesamt nicht verringert.9 RCT mit 132 Schwangeren, 300 mg Magnesiumcitrat über 4 Wochen: kein Unterschied zu Placebo.10
  • Sport: keine kontrollierte Studie zu belastungsbedingten Krämpfen.1 Übersicht: Überlastung und Ermüdung als Hauptursache.12

Hilft Magnesium bei Muskelverspannungen?

Harte Schultern, ein steifer Nacken: Auch hier greifen viele zu Magnesium, doch gute Studien gibt es dazu nicht. Eine kontrollierte Studie haben wir nicht gefunden, und ähnlich dünn ist die Lage bei Magnesium gegen Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Dass der Muskel Magnesium zum Arbeiten braucht, bestreitet niemand. Ob zusätzliche Tabletten bei gut versorgten Menschen eine Verspannung lösen, ist damit aber nicht beantwortet.

Amtlich zugelassene EU-Aussage

Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.

Bei anhaltender Verspannung empfiehlt sich deshalb eher ein Termin in der Arztpraxis oder bei der Physiotherapie, wo sich klären lässt, woher die Beschwerden kommen.

Wann sollten Krämpfe ärztlich abgeklärt werden?

Ärztlich abgeklärt werden sollten Krämpfe, wenn sie sich häufen, den Schlaf rauben oder trotz Dehnen wochenlang bleiben. Ein gelegentlicher Krampf ist dagegen harmlos. Eine zügige Abklärung ist ratsam, wenn:

  • ein Bein anschwillt, sich rötet oder warm anfühlt,
  • die Wade beim Gehen schmerzt und sich in Ruhe wieder beruhigt,
  • zusätzlich Schwäche, Taubheit oder Muskelzucken auftreten,
  • die Krämpfe kurz nach einem neuen Medikament begonnen haben,
  • die Nieren nicht richtig arbeiten und Magnesium eingenommen werden soll, denn dann kann es sich im Körper anstauen.23 Ein Bluttest auf Magnesium, Kalium, Calcium und Nierenwerte bringt dann Klarheit, denn entweder zeigt er einen Mangel, oder er schließt ihn aus, und die Suche geht in eine andere Richtung. Bei schwachen Nieren drohen die typischen Nebenwirkungen von zu viel Magnesium besonders leicht. Magnesium sollte dann nur nach ärztlicher Absprache genommen werden.

Häufige Fragen

Was hilft sofort bei einem Wadenkrampf?

Dehnen bringt meist am schnellsten Erleichterung: die Zehen Richtung Schienbein ziehen oder aufstehen und die Ferse fest in den Boden drücken. Danach kann es helfen, den Muskel sanft zu massieren.

Helfen Kalium oder Calcium gegen Krämpfe?

Für Tabletten mit Kalium oder Calcium fanden Studien keinen Nutzen. Ob wirklich ein Mineralstoff fehlt, zeigt ein Bluttest besser als ein Versuch mit Tabletten.

Sollte Magnesium gegen nächtliche Krämpfe abends genommen werden?

Die Uhrzeit spielt nach heutigem Wissen keine Rolle. In der einzigen größeren Studie mit positivem Ergebnis wurde das Präparat zwar abends genommen. Insgesamt sind die Daten aber dünn.

Warum kommen Muskelkrämpfe trotz Magnesium?

Meist, weil gar kein Mangel dahintersteckt. Als Ursache gelten heute vor allem müde Muskeln und Fehlsignale der Nerven, beim Sport Überlastung. Auch Medikamente und manche Erkrankungen kommen infrage.

Was tun bei Krämpfen in den Beinen und Füßen trotz Magnesium?

Im Moment des Krampfs hilft Dehnen, also die Zehen Richtung Knie ziehen. Weil oft der gestreckte Fuß im Liegen auslöst, kann eine locker liegende Bettdecke vorbeugen. Häufen sich die Krämpfe, sind ein Bluttest und ein Blick auf die Medikamente ratsam.

Welcher Mangel steckt hinter Wadenkrämpfen?

Häufig gar keiner. Zu wenig Magnesium kann zwar Krämpfe auslösen, hinter den meisten nächtlichen Wadenkrämpfen stecken aber andere Gründe. Klarheit bringt ein Bluttest auf Magnesium, Kalium und Calcium.

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Magnesium: der ÜberblickAlle Wirkungen mit Evidenz-Stufe, Formen, Dosis, Sicherheit
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Alle 28 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1Garrison et al. 2020, Cochrane Database Syst Rev11 Studien, 735 PersonenÄltere mit Krämpfen ohne bekannte Ursache: Nutzen unwahrscheinlich; Schwangerschaft widersprüchlich; keine Studien zu SportkrämpfenCochrane-Review
2Roguin Maor et al. 2017, JAMA Intern Med94 Erwachsene mit nächtlichen Wadenkrämpfen, Magnesiumoxid, 4 WochenKrämpfe in beiden Gruppen um rund 3 pro Woche weniger, kein Unterschied zu PlaceboKontrollierte Studie
3Kuusipalo et al. 2026, Trials121 Menschen von 50 bis 85 Jahren, 4 WochenKompressionsstrümpfe: Median der wöchentlichen Krämpfe sank von 4 auf 2; Magnesiumchlorid nicht besser als PlaceboKontrollierte Studie
4Barna et al. 2021, Nutr J175 Erwachsene mit nächtlichen Wadenkrämpfen, Magnesiumoxid abends, 60 Tageweniger (−3,4 vs. −2,6) und kürzere Krämpfe, besserer Schlaf als mit Placebo; vom Hersteller finanziertKontrollierte Studie
5Sebo et al. 2014, Fam Pract7 Studien, 361 Personenkein Effekt in der Allgemeinbevölkerung, kleiner Effekt bei SchwangerenMeta-Analyse
6Patil et al. 2026, Int Dent J13 kontrollierte Studien zu ElektrolytenSchwangerschaft: weniger häufige Krämpfe mit Magnesium; nächtliche Krämpfe Erwachsener: kein Unterschied; Kalium und Calcium ohne BelegMeta-Analyse
7Supakatisant & Phupong 2015, Matern Child Nutr86 Schwangere, Magnesiumbisglycinat 300 mg/Tag, 4 WochenKrämpfe halbiert bei 86 % vs. 61 % (Placebo)Kontrollierte Studie
8Luo et al. 2020, Cochrane Database Syst Rev8 Studien, 576 SchwangereErgebnisse uneinheitlich, Aussagekraft niedrig; Nebenwirkungen wie PlaceboCochrane-Review
9Liu et al. 2021, Taiwan J Obstet Gynecol4 Studien, 332 SchwangereHäufigkeit der Krämpfe insgesamt nicht verringertMeta-Analyse
10de Araújo et al. 2020, PLoS ONE132 Schwangere, Magnesiumcitrat 300 mg/Tag, 4 Wochenkein Unterschied zu PlaceboKontrollierte Studie
11Allen & Kirby 2012, Am Fam PhysicianÜbersichtsarbeitUrsache vermutlich Muskelermüdung und Nervenfunktion statt Elektrolyte; Zusammenhang mit Gefäßerkrankung, Spinalkanalstenose, Zirrhose, DialyseReview
12Nelson & Churilla 2016, Muscle NerveÜbersichtsarbeit zu Krämpfen beim SportÜberlastung und Ermüdung statt Flüssigkeits- oder Salzmangel; Dehnen als beste SoforthilfeReview
13Garrison et al. 2012, Arch Intern MedVerordnungsdaten von 4,2 Mio. Menschen, Auswertung ab 50 Jahrenmehr Krampfmittel-Verordnungen nach Start von Asthma-Sprays (2,4), kaliumsparenden (2,1) und thiazidartigen Entwässerungsmitteln (1,5); Statine 1,2Beobachtungsstudie
14Hallegraeff et al. 2012, J Physiother80 Erwachsene über 55, abendliches Dehnen, 6 Wochen1,2 Krämpfe pro Nacht weniger, weniger Schmerz als ohne DehnenKontrollierte Studie
15Hawke et al. 2021, Cochrane Database Syst Rev3 Studien, 201 Personen ab 50Dehnen von Wade und Oberschenkel: eventuell weniger Schmerz; reines Wadendehnen 12 Wochen kaum UnterschiedCochrane-Review
16Miller et al. 2010, Med Sci Sports ExercMänner im Labor, elektrisch ausgelöste Fußkrämpfenach Gurkenwasser endete der Krampf rund 49 Sekunden früher als nach WasserLaborversuch
17Grandner & Winkelman 2017, PLoS ONEUS-Bevölkerungserhebung (NHANES)24 bis 25 % leichte, 6 % mittelschwere bis schwere nächtliche BeinkrämpfeQuerschnittsstudie
18Hallegraeff et al. 2017, BMC Fam Pract18 Studien und Expertenbefragungheftiger Schmerz in Wade oder Fuß, Sekunden bis 10 Minuten, gestörter Schlaf; Abgrenzung zu Restless LegsSystematische Übersicht
19Brown 2015, Sleep Med ClinÜbersichtsarbeitgestreckter Fuß im Liegen löst vermutlich die meisten Krämpfe ausReview
20Zhang et al. 2016, J Nutr48 kontrollierte Studien, 2.131 PersonenBlutwert steigt mit Menge und Dauer, stabil nach etwa 20 WochenMeta-Analyse
21Pardo et al. 2021, Nutrition14 Vergleichsstudienorganische Formen besser aufgenommen als anorganische; Anteil sinkt mit der MengeSystematischer Review
22SCF 2001 (EFSA 2006), BehördengutachtenBewertung der ObergrenzenObergrenze 250 mg/Tag aus NahrungsergänzungBehördengutachten
23Rosner et al. 2023, Mayo Clin ProcÜbersichtsarbeitAnreicherung von Magnesium bei eingeschränkter NierenfunktionReview
24Rabbitt et al. 2016, Age AgeingÜbersichtsarbeit zu ÄlterenEntwässerungsmittel und Asthma-Sprays begünstigen Krämpfe; Chinin wirkt mäßig, mit seltenen schweren NebenwirkungenReview
25Sebo et al. 2019, Swiss Med Wkly129 Hausarztpatienten über 50 mit nächtlichen Krämpfen25 % nahmen Magnesium; Magnesiumnutzer hatten weniger Krämpfe pro TagBeobachtungsstudie
26Stadie et al. 2026, Eur J NutrBevölkerungsstudie Lausanne, bis 3.887 PersonenMagnesiumnutzer hatten häufiger nächtliche KrämpfeBeobachtungsstudie
27Bosman et al. 2021, Proc Nutr SocÜbersichtsarbeitMagnesiummangel: unter anderem MuskelkrämpfeReview
28Abdulla et al. 1999, Int J Clin Pract365 Menschen ab 65 Jahren50 % mit Beinkrämpfen, 62 % davon nachts; häufiger bei Durchblutungsstörung, Arthritis, FrauenQuerschnittsbefragung

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