Die kurze Antwort
Zur Vorbeugung wahrscheinlich ja. In mehreren Studien nahmen Menschen mit Migräne täglich etwa 600 mg Magnesium. Nach zwei bis drei Monaten kamen die Anfälle seltener und waren schwächer als mit einem Scheinpräparat. Einige Studien fanden aber keinen Unterschied. Die deutsche Leitlinie führt Magnesium als schwächer belegte Vorbeugung. Mengen über 250 mg sollten ärztlich begleitet werden.
Auf dieser Seite 8 Abschnitte
- Hilft Magnesium bei Migräne?
- Wie viel Magnesium bei Migräne?
- Welches Magnesium bei Migräne?
- Wie schnell wirkt Magnesium bei Kopfschmerzen?
- Magnesium bei Migräne mit Aura und Menstruationsmigräne
- Hilft Magnesium gegen Kopfschmerzen ohne Migräne?
- Hilft Magnesium bei Tinnitus?
- Wann müssen Kopfschmerzen sofort ärztlich abgeklärt werden?
Drei, vier Anfälle im Monat, und jeder davon bedeutet einen verlorenen Tag im abgedunkelten Zimmer, mit Übelkeit, pochendem Schmerz und dem Gefühl, dass Licht weh tut. Wer so lebt, sucht nach Vorbeugung, am liebsten ohne die Nebenwirkungen der üblichen Medikamente. Früher oder später fällt dabei das Wort Magnesium. Tatsächlich wird das Mineral seit über drei Jahrzehnten bei Migräne erforscht, und die Ergebnisse sind besser als bei den meisten Nahrungsergänzungen. So eindeutig, wie Foren es darstellen, sind sie allerdings nicht.
Hilft Magnesium bei Migräne?
Zur Vorbeugung hilft Magnesium wahrscheinlich, wenn auch nur in Maßen. Den Grundstein legte eine deutsche Studie aus den Neunzigern, in der Erwachsene mit Migräne zwölf Wochen lang täglich Magnesium oder ein Scheinpräparat (Placebo) schluckten. Am Ende kamen die Anfälle mit Magnesium um gut 40 % seltener, mit dem Scheinpräparat nur um gut 15 %, und auch die Tage mit Migräne und mit Schmerzmitteln wurden weniger.1 Auch eine kleinere Studie kam nach drei Monaten zum gleichen Bild. Die Anfälle wurden seltener und milder.2
Die meisten Auswertungen, die viele Studien bündeln, zeigen in dieselbe Richtung. So fasste eine zehn Versuche zusammen, in denen Magnesium geschluckt wurde, und fand weniger und schwächere Anfälle.3 Ähnlich kam eine andere auf knapp zwei Migränetage weniger im Monat.4 Dazu nannte eine Übersicht, die wiederum viele solcher Auswertungen sichtete, die Belege sogar stark.7 Das klingt vielversprechend.
Doch es gibt auch Studien ohne Wirkung, und sie wiegen nicht leicht. So wurde ein Versuch mit der Form Aspartat vorzeitig abgebrochen, weil es mit Magnesium knapp drei von zehn Teilnehmenden besser ging und mit dem Scheinpräparat genauso vielen.16 Dazu passt, dass eine neue Auswertung von 2026 mit Magnesium zwar weniger Schmerz sah, aber nicht sicher weniger Anfälle.5 Und schon 2015 hielt eine Übersicht die Daten für dünn.28
Dazu kommen Schwächen in den Studien selbst. Die Gruppen waren oft klein, die Laufzeiten kurz, Formen und Mengen wechselten, und nicht überall wurde sauber ausgelost, wer was bekam.36 Erst eine große Cochrane-Übersicht soll mehr Klarheit bringen, doch sie liegt bisher nur als Plan vor.30 Trotzdem kann sich bei häufiger Migräne ein Versuch mit Magnesium lohnen, am besten abgesprochen mit der Ärztin oder dem Arzt. Wunder sollte dabei niemand erwarten.
So wurde gemessen
- Erste große RCT (1996): 81 Erwachsene, 600 mg Trimagnesiumdicitrat täglich über 12 Wochen. In Woche 9 bis 12 Anfälle −41,6 % gegenüber −15,8 % unter Placebo; weniger Migränetage und Schmerzmittel.1
- Citrat-Studie: n = 40, nur Migräne ohne Aura; Verteilung 30 zu 10 (Magnesium zu Placebo), 600 mg Magnesiumcitrat über 3 Monate.2
- Meta-Analysen: 10 Einnahmestudien mit 789 Teilnehmenden: seltenere und schwächere Anfälle; Randomisierung nicht in allen Studien angemessen.3 22 Studien zu Nahrungsergänzungen: −1,66 Migränetage pro Monat.4 Umbrella-Review über 16 Meta-Analysen: starke Belege.7
- Gegenbefunde: Aspartat-RCT, 69 Erwachsene ohne Aura, 2 × 10 mmol über 12 Wochen; Ansprechen 28,6 % vs. 29,4 % unter Placebo, bei Zwischenauswertung abgebrochen.16 Netzwerk-Meta-Analyse 2026 (14 Studien, 791 Erwachsene): Schmerzstärke −3,6 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10, Anfallshäufigkeit nicht signifikant verändert.5 Review 2015 (16 Blutwert-Studien, 4 Einnahmestudien): Belege begrenzt.28
- Bewertung: systematische Übersicht über 5 doppelblinde Studien: Grad C, „möglicherweise wirksam“.6 Cochrane-Übersicht bisher nur als Protokoll.30
Unsere Einordnung
Als Vorbeugung gegen Migräne wirkt Magnesium wahrscheinlich, aber eher mäßig. Am besten schnitten 600 mg täglich über acht Wochen und länger ab. Der Versuch mit Aspartat zeigte dagegen gar keinen Vorteil.
Was sagen Fachgesellschaften?
Die Fachgesellschaften sehen in Magnesium eine Möglichkeit, aber nicht die erste Wahl. So führt die deutsche Leitlinie von 2025 es unter den schwächer belegten Mitteln zur Vorbeugung. Dabei nennt sie die Daten nicht ganz schlüssig, die Verträglichkeit dagegen sehr gut, und denkt dabei an Menschen, die auf ein zugelassenes Medikament verzichten wollen.8 Das ist ein vorsichtiges Lob.
Auch zwei US-Leitlinien führen Magnesium zur Vorbeugung,910 wobei die ältere von beiden inzwischen als veraltet gilt.9 Vorsichtiger blieb eine Übersicht, die Magnesium nur bescheinigte, es wirke vielleicht.6 Magnesium kann also ein Baustein sein, gerade wenn ein gut verträgliches Mittel gewünscht ist. Ob es im Einzelfall passt, klärt sich aber besser gemeinsam mit der Praxis.
So wurde gemessen
- Deutschland: S1-Leitlinie der DGN und DMKG (2025): Einstufung als Prophylaxe mit geringerer Evidenz; Datenlage laut Leitlinie nicht ganz schlüssig, sehr gut verträglich.8
- USA: AAN/AHS 2012: „wahrscheinlich wirksam“ (Level B), inzwischen als nicht mehr aktuell geführt.9 Leitlinie von VA/DoD 2023: führt Magnesium als Option, um episodischer Migräne vorzubeugen.10
- Systematische Übersicht 2018: 5 doppelblinde Studien, Erwachsene 18 bis 65 Jahre; Grad C, 600 mg Dicitrat sicher und günstig.6
Warum Magnesium überhaupt?
Die Idee hat einen biologischen Grund, denn das Mineral wirkt an Nerven und Blutgefäßen mit. Diskutiert wird, dass es beeinflusst, wie leicht Nerven erregbar sind, wie die Gefäße reagieren und wie viele Botenstoffe freigesetzt werden.31 Dazu passt eine Messung aus dem Iran. Dort fanden Forschende bei Menschen mit Migräne weniger Magnesium im Blut als bei Menschen ohne, und je tiefer der Wert lag, desto öfter kamen die Anfälle.11 Allerdings passen andere Messungen nicht ins Bild: In einer Studie war der übliche Blutwert normal und nur in den roten Blutkörperchen bei Migräne ohne Aura tiefer.12
Befragungen aus den USA deuten in eine ähnliche Richtung wie die Werte aus dem Iran. Menschen, die viel Magnesium aßen, hatten seltener Migräne oder starke Kopfschmerzen.13 Allerdings galt das in einer zweiten Erhebung nur für Frauen.14 Ob es wirklich am Magnesium liegt, können solche Momentaufnahmen nicht zeigen.
Ein Bluttest auf Magnesiummangel sagt deshalb wenig darüber, ob sich ein Versuch lohnt. Mehr Magnesium über das Essen schadet dagegen nicht und kann eine sinnvolle Ergänzung sein.28 Nüsse und Vollkorn bieten sich an.
So wurde gemessen
- Mechanismen: Übersichtsarbeit zu Nervenerregbarkeit, Gefäßen und Botenstoffen.31
- Blutwerte: Fall-Kontroll-Studie, 140 Menschen mit und 140 ohne Migräne; Serum-Magnesium niedriger, je niedriger, desto häufiger Anfälle.11 Vergleichsstudie mit 44 Betroffenen: Serum gleich, in Erythrozyten bei Migräne ohne Aura niedriger.12
- Bevölkerungsdaten (NHANES): 3.626 Erwachsene von 20 bis 50 Jahren, höchste vs. niedrigste Zufuhr: Migräne oder starke Kopfschmerzen seltener (OR 0,76).13 10.798 Erwachsene: bei Frauen OR 0,62, bei Männern kein Zusammenhang.14 Querschnittsdaten, keine Aussage über Ursache.
- Ernährung als Alternative: Review 2015.28
Wie viel Magnesium bei Migräne?
Die Studien gaben meist 600 mg am Tag, doch ohne ärztliche Begleitung sind höchstens 250 mg ratsam.1215 Damit liegt die Studienmenge mehr als doppelt so hoch wie die Grenze der EU-Lebensmittelbehörde, und diese Grenze gibt es vor allem deshalb, weil größere Mengen Durchfall machen.15 Der Darm meldet sich entsprechend.
So bekam mit der hohen Studienmenge fast jeder Fünfte Durchfall.1 In einem anderen Versuch klagte fast die Hälfte über meist leichte Beschwerden wie weichen Stuhl, mit dem Scheinpräparat etwa jeder Vierte.16 Das ist kein Randproblem. Manchmal ist sogar von 800 mg die Rede, obwohl keine gute Migränestudie diese Menge je geprüft hat.117
Höhere Mengen gehören deshalb in eine Planung mit der Ärztin oder dem Arzt. Ohne diese Begleitung empfiehlt es sich, bei der Grenze für Magnesium pro Tag aus Präparaten zu bleiben, auch wenn die Studien mehr gaben. Denn mehr Wirkung ist auf eigene Faust nicht zu erwarten, mehr Bauchweh dagegen schon.
So wurde gemessen
- Studienmengen: in kontrollierten Migränestudien 360 bis 600 mg pro Tag; 800 mg wurden nie geprüft.117
- Obergrenze: 250 mg/Tag aus Nahrungsergänzung (SCF 2001, EFSA 2006).15
- Verträglichkeit: 600 mg Trimagnesiumdicitrat: Durchfall 18,6 %, Magenbeschwerden 4,7 %.1 Aspartat-Studie: überwiegend leichte Nebenwirkungen 45,7 % vs. 23,5 % unter Placebo.16
Welches Magnesium bei Migräne?
Die meisten guten Daten gibt es für Citrat, doch einen klaren Sieger kennt die Forschung nicht. Direkt gegeneinander getestet wurden die Formen bei Migräne nämlich nie. Was es gibt, sind einzelne Studien mit jeweils einer Form, die sich nur grob vergleichen lassen:
| Form | Untersucht an | Tagesmenge | Resultat |
|---|---|---|---|
| Trimagnesiumdicitrat | 81 Erwachsene, 12 Wochen1 | 600 mg | 41,6 % weniger Anfälle, mit Placebo 15,8 % |
| Magnesiumcitrat | 40 Erwachsene ohne Aura, 3 Monate2 | 600 mg | Anfälle seltener und milder als mit Placebo |
| Magnesiumoxid | 63 Erwachsene, gegen Valproat21 | 500 mg | etwa so viele Anfälle wie mit Valproat, kein Placebo |
| Magnesiumpidolat | 20 Frauen mit Menstruationsmigräne17 | 360 mg | nur unter Magnesium weniger Kopfschmerztage |
| Magnesiumaspartat | 69 Erwachsene ohne Aura16 | 2 × 10 mmol | gleichauf mit Placebo |
| Bei empfindlichem Magen werden organische Formen oft besser vertragen, und weitere Unterschiede zeigt der Blick auf die Magnesiumformen im Vergleich. Daher bietet sich für einen Versuch am ehesten Citrat an, sofern der Bauch mitspielt. Welche Form am Ende genommen wird, ist weniger wichtig, als dass sie vertragen wird. |
Wie schnell wirkt Magnesium bei Kopfschmerzen?
Als Tablette wirkt Magnesium wenn überhaupt erst nach Wochen. Getestet wurde es zum Schlucken nämlich als tägliche Vorbeugung, nicht als Mittel im Anfall, und die wichtigste Studie sah den Unterschied erst nach zwei bis drei Monaten.1 Je länger die Menschen es nahmen, desto stärker ging die Migräne zurück.5 Geduld gehört also dazu.
Wirkung in Minuten gibt es nur mit einer Infusion in der Notaufnahme, und das ist eine ärztliche Behandlung, die mit einer Tablette nichts gemein hat. Dafür spricht die größte Auswertung, nach der die Infusion den Schmerz schon nach einer knappen Stunde linderte und der Vorteil bis zum nächsten Tag hielt.3 Auch eine weitere Übersicht sah weniger Schmerz, fand die Daten aber nicht einheitlich.23
Der größte Einzelversuch lief in Notaufnahmen mit über tausend Menschen, die mit akuten Kopfschmerzen kamen. Alle bekamen ein Schmerzmittel, dazu entweder Magnesium oder Salzwasser in die Vene, und mit Magnesium half die Behandlung bei knapp acht von zehn, ohne bei gut sechs von zehn.24 Allerdings halten Fachleute diesen Abstand für zu klein, um im Alltag viel zu bedeuten. Dazu fand eine ältere Auswertung gar keinen Vorteil, nur mehr Nebenwirkungen.25
Wir halten die Infusion in der Notaufnahme deshalb für wahrscheinlich wirksam, aber nicht für bewiesen. Für den Anfall zu Hause sollten andere, ärztlich besprochene Mittel bereitliegen. Die Tablettendose gehört nicht dazu.
So wurde gemessen
- Tabletten: Unterschied zu Placebo ausgewertet in Woche 9 bis 12.1 Netzwerk-Meta-Analyse: längere Einnahme, stärkerer Rückgang.5
- Infusion, Meta-Analyse: 11 Studien mit 948 Teilnehmenden beim akuten Anfall; Linderung nach 15 bis 45 Minuten, nach 120 Minuten und nach 24 Stunden.3
- Infusion, Review: 7 Studien, 545 Erwachsene in Notaufnahmen; weniger Schmerz nach 60 bis 120 Minuten, Ergebnisse uneinheitlich.23
- Größte RCT: RCT in Notaufnahmen, n = 1.028 mit akutem Kopfschmerz; i. v. 2 g Magnesiumsulfat oder Kochsalzlösung, jeweils mit Paracetamol. Erfolgsrate 78,9 % gegenüber 65,1 %, weniger Rescue-Medikation; der Abstand verfehlte die vorab festgelegte Schwelle klinischer Relevanz.24
- Ältere Meta-Analyse: 5 Studien, 295 Erwachsene; kein Vorteil beim Schmerz, mehr Nebenwirkungen.25
Magnesium bei Migräne mit Aura und Menstruationsmigräne
Für beide Formen der Migräne gibt es kaum Daten. Zu Magnesiumtabletten bei Migräne mit Aura fehlt eine eigene Studie, und der positive Citrat-Versuch hatte Menschen mit Aura sogar ausgeschlossen.2 Nur bei Infusionen in der Notaufnahme gab es Hinweise, dass Menschen mit Aura teils stärker profitierten.23 Tritt eine Aura zum ersten Mal auf oder kommen Lähmungen oder Sprachstörungen dazu, ist sofort ärztliche Hilfe nötig.
Bei der Migräne rund um die Periode stützt sich alles auf eine Mini-Studie. Dafür nahmen Frauen in der zweiten Zyklushälfte Magnesium oder ein Scheinpräparat, und nach zwei Monaten hatte nur die Magnesiumgruppe weniger Kopfschmerztage, auch die Beschwerden vor der Periode wurden schwächer.17 Für eine Empfehlung reicht das nicht.
Für Magnesium in der Schwangerschaft gegen Migräne gibt die deutsche Leitlinie immerhin eine Orientierung. Unter ärztlicher Begleitung gelten bis 300 mg am Tag als vertretbar.8 Deshalb sollten Schwangere Magnesium gegen Migräne nur mit dieser Begleitung nehmen.
So wurde gemessen
- Aura: Die Citrat-Studie schloss Migräne mit Aura aus.2 Bei Infusionen in der Notaufnahme teils Vorteile bei Migräne mit Aura.23
- Menstruationsmigräne: RCT mit 20 Frauen, 360 mg Magnesiumpidolat ab Zyklustag 15 über 2 Monate; weniger Kopfschmerztage nur unter Magnesium, weniger prämenstruelle Beschwerden.17
- Schwangerschaft: Leitlinie DGN/DMKG 2025: bis 300 mg/Tag unter ärztlicher Begleitung vertretbar.8
Hilft Magnesium gegen Kopfschmerzen ohne Migräne?
Dazu gibt es kaum belastbare Daten. Für Erwachsene mit Spannungskopfschmerz fand sich keine Studie mit Vergleichsgruppe. In Italien nahmen zwar Kinder und Teenager, die unter Spannungskopfschmerz litten, drei Monate lang Magnesium und hatten danach rund 70 % weniger Kopfschmerztage.22 Weil es keine Vergleichsgruppe gab, bleibt aber offen, wie viel davon auf Zeit, Zufall oder Erwartung zurückgeht. Die US-Befragung warf Migräne und starke Kopfschmerzen ohnehin in einen Topf.13
Häufige Kopfschmerzen sollten daher ärztlich untersucht werden, bevor zu Präparaten gegriffen wird. Weil schlechte Nächte oft mitspielen, lohnt sich auch ein Blick auf Magnesium und Schlaf.
So wurde gemessen
- Spannungskopfschmerz: 45 Kinder und Jugendliche, Magnesiumpidolat über 3 Monate; Kopfschmerztage −69,9 %, keine Kontrollgruppe.22
Kann Magnesium Kopfschmerzen verursachen?
Das kommt kaum vor, denn in den Migränestudien traten vor allem Darmbeschwerden auf. Typisch waren Durchfall, weicher Stuhl und Magendrücken.116 Kopfschmerzen gehören zwar zu den Zeichen, die sehr viel Magnesium im Blut verursachen kann,29 doch so weit kommt es fast nur bei schwachen Nieren oder extremen Mengen.27 Die üblichen Nebenwirkungen von Magnesium treffen also vor allem den Darm. Bei schwachen Nieren sollte Magnesium deshalb nur nach ärztlicher Absprache genommen werden.
Hilft Magnesium bei Tinnitus?
Ob Magnesium bei Tinnitus hilft, ist nicht geklärt, denn eine Studie mit Scheinpräparat fehlt. In einem kleinen Versuch ohne Vergleichsgruppe nahmen Menschen mit belastendem Ohrgeräusch drei Monate lang täglich Magnesium und fühlten sich danach vom Tinnitus etwas weniger gestört.32 Gut jeder Vierte brach den Versuch allerdings vorzeitig ab.32
Ohne Vergleichsgruppe bleibt offen, ob die Besserung am Magnesium lag oder an Zeit und Erwartung, die ebenfalls mitspielen können. Immerhin sieht eine neue Übersicht bei Tinnitus und Hörsturz erste Hinweise auf einen Nutzen, hält die Behandlung damit aber für experimentell.33 Forenberichte ersetzen keine Studien. Deshalb sollte ein neues Ohrgeräusch zuerst ärztlich untersucht werden.
So wurde gemessen
- Einzige Einnahmestudie: offenes Design ohne Placebo; 26 Erwachsene, Ohrgeräusch mittel bis sehr schwer, 3 Monate lang 532 mg pro Tag. Belastung im Tinnitus-Fragebogen gesunken; bis zum Ende dabei waren 19 von 26.32
- Übersicht 2026: erzählende Literaturarbeit zu Hörsturz und Ohrgeräusch; ein zusätzlicher Nutzen gilt als möglich, die Anwendung in der Therapie als Forschungsstadium.33
Wie viel Magnesium bei Tinnitus?
Eine geprüfte Tinnitus-Menge gibt es nicht. Der kleine Versuch gab gut 500 mg am Tag,32 also doppelt so viel wie die Grenze für Präparate, und deshalb empfiehlt es sich ohne ärztliche Begleitung, bei höchstens 250 mg täglich zu bleiben.15 Mehr ist auf eigene Faust nicht ratsam.
Wann müssen Kopfschmerzen sofort ärztlich abgeklärt werden?
Bei bestimmten Warnzeichen ist sofort ärztliche Hilfe nötig, bei auffälligen Veränderungen zumindest zügig. Meist steckt hinter Kopfschmerzen nichts Ernstes. Allerdings haben Fachleute eine Liste von Warnzeichen erstellt, die auf eine andere, womöglich ernste Ursache hindeuten.26 Eine Diagnose liefert diese Liste nicht, sie zeigt nur, wann genauer hingeschaut werden muss.
Sicherheitshinweis
Magnesium ist weder Diagnose noch Therapie. Verordnete Mittel gegen Migräne sollten nie auf eigene Faust abgesetzt werden. Setzen Kopfschmerzen schlagartig und extrem stark ein („wie ein Donnerschlag“), ist sofort der Notruf 112 nötig. Dasselbe gilt, wenn Lähmungen, Taubheit, Verwirrtheit, ein Krampfanfall oder Probleme beim Sprechen oder Sehen dazukommen. Auch Fieber mit steifem Nacken gehört dazu, genau wie Kopfschmerz, nachdem der Kopf bei einem Sturz oder Schlag getroffen wurde. Zügig ärztlich untersucht werden sollten neue Kopfschmerzen ab 65 und Kopfschmerzen, die sich deutlich ändern oder ständig zunehmen. Gleiches gilt für Schmerzen beim Husten, Pressen oder Lagewechsel. Das gilt auch bei Krebs oder einer Immunerkrankung in der Vorgeschichte, bei sehr häufigem Gebrauch von Schmerzmitteln und bei neuen Kopfschmerzen in Schwangerschaft und Wochenbett.
Auch bei bekannter Migräne sollten Anfälle, die sich verändern, ärztlich abgeklärt werden.26 Mit schwachen Nieren ist Magnesium nur nach Absprache sinnvoll.27 Für Kinder ist die Kinderarztpraxis zuständig, weil sich Mengen aus Studien mit Erwachsenen nicht übertragen lassen. Bei Kindern und Jugendlichen milderte Magnesium in einer Studie zwar die Schmerzstärke, doch bei den Kopfschmerztagen war der Abstand zum Scheinpräparat unklar.18
Geprüft wurde Magnesium auch als Ergänzung zu Migränemitteln. Zusammen mit dem Vorbeugemittel Valproat schnitt es bei drei von vier Messgrößen besser ab als Valproat allein, während Magnesium ohne das Medikament schwächer war.20 Ein anderer Versuch verglich Magnesium direkt mit Valproat und fand ähnlich viele Anfälle, allerdings ohne Scheinpräparat.21 Auch ein Kombipräparat mit Vitamin B2 und Q10 senkte die Schmerzstärke. Bei den Migränetagen war der Unterschied aber nicht sicher, und bezahlt hatte die Studie der Anbieter.19
Unter allen Einsatzgebieten von Magnesium ist die Vorbeugung von Migräne damit gut untersucht, wenn auch nicht klar bewiesen. Deshalb sollte Magnesium zu verordneten Migränemitteln nur nach Absprache mit der Praxis dazukommen. Dann kann es ein sanfter Baustein sein.
So wurde gemessen
- Warnzeichen: SNNOOP10-Liste mit 15 Warnzeichen für Kopfschmerzen mit anderer Ursache.26
- Nieren: Anreicherung von Magnesium bei eingeschränkter Nierenfunktion.27
- Kinder: RCT, 118 Kinder und Jugendliche von 3 bis 17 Jahren, Magnesiumoxid 9 mg/kg über 16 Wochen; geringere Kopfschmerzstärke, Kopfschmerztage nicht sicher anders als unter Placebo; 27 % Abbrecher.18
- Valproat: Dreiarmige RCT (n = 222): Magnesium allein, Valproat allein oder beides kombiniert, 3 Monate; Kombination bei 3 von 4 Endpunkten besser als Valproat allein.20 Crossover, n = 63: Magnesiumoxid 500 mg gegen Valproat, Phasen von je 8 Wochen, ohne Placebo.21
- Kombipräparat: 130 Erwachsene, Kombipräparat (Q10 150 mg, Vitamin B2 400 mg, Magnesium 600 mg) über 3 Monate. Migränetage 6,2 → 4,4 (Placebo 6,2 → 5,2), Unterschied nicht signifikant; Schmerzstärke geringer; Sponsor war der Anbieter.19
Häufige Fragen
Sind 800 mg Magnesium bei Migräne sinnvoll?
Nein, diese Menge haben Migränestudien nie geprüft. Sie lagen zwischen 360 und 600 mg am Tag. Ohne ärztliche Begleitung empfiehlt es sich, höchstens 250 mg am Tag zu ergänzen.
Kann Magnesium Kopfschmerzen verursachen?
In den Migränestudien traten vor allem Durchfall, weicher Stuhl und Magendrücken auf, keine Kopfschmerzen. Kopfschmerzen können aber ein Zeichen für sehr viel Magnesium im Blut sein. Das kommt fast nur bei schwachen Nieren oder sehr großen Mengen vor.
Darf man Magnesium zusammen mit Migränemitteln nehmen?
Studien haben Magnesium schon zusätzlich zu Vorbeugemitteln wie Valproat gegeben. Die Kombination sollte trotzdem mit der behandelnden Praxis abgesprochen werden.
Helfen Kombipräparate aus Magnesium, Vitamin B2 und Q10?
Ein solches Präparat nahmen 130 Erwachsene drei Monate lang. Die Schmerzen wurden schwächer, bei den Migränetagen war der Abstand zum Scheinpräparat aber nicht sicher. Bezahlt hatte die Studie der Anbieter.
Können Kinder mit Migräne Magnesium nehmen?
Nur in Absprache mit der Kinderarztpraxis. In einer Studie milderte Magnesium bei Kindern und Jugendlichen die Schmerzstärke. Die Zahl der Kopfschmerztage unterschied sich aber nicht klar vom Scheinpräparat.
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Alle Themen zu Magnesium
Alle 33 Quellen
| # | Studie | Wer / was | Ergebnis | Typ |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Peikert et al. 1996, Cephalalgia | 81 Erwachsene mit Migräne, 600 mg als Trimagnesiumdicitrat, 12 Wochen | Anfälle −41,6 % gegenüber −15,8 % mit Placebo (Woche 9 bis 12); weniger Migränetage und Schmerzmittel; Durchfall 18,6 %, Magenbeschwerden 4,7 % | RCT |
| 2 | Köseoğlu et al. 2008, Magnes Res | 40 Erwachsene mit Migräne ohne Aura (30 Magnesium, 10 Placebo), 600 mg Citrat, 3 Monate | Anfälle seltener und schwächer als mit Placebo | RCT (klein) |
| 3 | Chiu et al. 2016, Pain Physician | 21 Studien, davon 10 zum Einnehmen mit 789 Teilnehmenden und 11 zur Infusion beim akuten Anfall mit 948 | Einnahme: seltenere und schwächere Anfälle; Infusion: Linderung nach 15 bis 45 min, 120 min und 24 h; Zufallszuteilung nicht in allen Studien angemessen | Meta-Analyse |
| 4 | Karami Talandashti et al. 2024, Neurol Sci | 22 Studien zu Nahrungsergänzungen bei Migräne | Magnesium: Migränetage pro Monat −1,66, weniger Anfälle, geringere Schmerzstärke | Meta-Analyse |
| 5 | Peng et al. 2026, Front Nutr | 14 Studien, 791 Erwachsene, 5 Nahrungsergänzungen | nur Magnesium senkte die Schmerzstärke (−3,6 Punkte auf 0 bis 10); Anfallshäufigkeit nicht sicher verändert; längere Einnahme, stärkerer Rückgang | Netzwerk-Meta-Analyse |
| 6 | von Luckner & Riederer 2018, Headache | 5 doppelblinde Studien, Erwachsene 18 bis 65 Jahre | Grad C („möglicherweise wirksam“); 600 mg Dicitrat sicher und günstig | Systematische Übersicht |
| 7 | Veronese et al. 2020, Eur J Nutr | 16 Meta-Analysen, 55 Endpunkte | starke Belege für seltenere und schwächere Migräneanfälle | Umbrella-Review |
| 8 | DGN/DMKG 2025, AWMF-Register 030/057 | S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne | Prophylaxe mit geringerer Evidenz; Daten nicht völlig schlüssig, Verträglichkeit sehr gut; in der Schwangerschaft unter ärztlicher Begleitung bis 300 mg/Tag vertretbar | Leitlinie |
| 9 | Holland et al. 2012, Neurology | Leitlinie AAN/AHS, episodische Migräne bei Erwachsenen | Magnesium „wahrscheinlich wirksam“ zur Prophylaxe (Level B); inzwischen als nicht mehr aktuell geführt | Leitlinie |
| 10 | Sico et al. 2024, Ann Intern Med | US-Leitlinie VA/DoD 2023 zu Kopfschmerzen | Magnesium unter den Mitteln zur Prophylaxe der episodischen Migräne | Leitlinie |
| 11 | Talebi et al. 2011, Neurosciences | 140 Menschen mit Migräne, 140 ohne | Magnesium im Blut niedriger; je niedriger, desto häufiger Anfälle | Fall-Kontroll-Studie |
| 12 | Schoenen et al. 1991, Cephalalgia | 44 Menschen mit Migräne, Vergleichsgruppen | Blutserum gleich; in roten Blutkörperchen bei Migräne ohne Aura niedriger | Vergleichsstudie |
| 13 | Slavin et al. 2021, Headache | 3.626 Erwachsene, 20 bis 50 Jahre, NHANES | meiste vs. wenigste Magnesiumzufuhr aus dem Essen: seltener Migräne oder starke Kopfschmerzen (OR 0,76) | Querschnitt |
| 14 | Meng et al. 2021, Front Nutr | 10.798 Erwachsene, NHANES | bei Frauen seltener Migräne (OR 0,62), bei Männern kein Zusammenhang | Querschnitt |
| 15 | SCF 2001 (EFSA 2006), Behördengutachten | Wissenschaftliches Lebensmittelkomitee der EU | Obergrenze 250 mg/Tag aus Nahrungsergänzung | Behördengutachten |
| 16 | Pfaffenrath et al. 1996, Cephalalgia | 69 Erwachsene mit Migräne ohne Aura, 2 × 10 mmol Magnesium als Aspartat, 12 Wochen | Ansprechen 28,6 % vs. 29,4 % mit Placebo; leichte Nebenwirkungen 45,7 % vs. 23,5 %; bei Zwischenauswertung abgebrochen | RCT |
| 17 | Facchinetti et al. 1991, Headache | 20 Frauen mit Menstruationsmigräne, 360 mg als Pidolat ab Zyklustag 15, 2 Monate | weniger Kopfschmerztage nur mit Magnesium; weniger prämenstruelle Beschwerden | RCT (sehr klein) |
| 18 | Wang et al. 2003, Headache | 118 Kinder und Jugendliche (3 bis 17 Jahre), Magnesiumoxid 9 mg/kg, 16 Wochen | geringere Kopfschmerzstärke; Kopfschmerztage nicht sicher anders als mit Placebo; 27 % Abbrecher | RCT |
| 19 | Gaul et al. 2015, J Headache Pain | 130 Erwachsene; Kombipräparat mit 600 mg Magnesium, 400 mg Vitamin B2, 150 mg Q10, 3 Monate | Migränetage 6,2 auf 4,4 (Placebo 6,2 auf 5,2), Unterschied nicht sicher; Schmerzstärke geringer; Sponsor war der Anbieter | RCT |
| 20 | Khani et al. 2021, J Headache Pain | 222 Erwachsene; Valproat, Valproat plus Magnesium oder Magnesium allein, 3 Monate | Kombination bei 3 von 4 Werten besser als Valproat allein; Magnesium allein schwächer | RCT |
| 21 | Karimi et al. 2019, Acta Neurol Belg | 63 Erwachsene, 500 mg Magnesiumoxid vs. Valproat, je 8 Wochen | ähnliche Anfallszahl wie mit Valproat; ohne Placebo | Crossover-RCT |
| 22 | Grazzi et al. 2007, Neurol Sci | 45 Kinder und Jugendliche mit Spannungskopfschmerz, Magnesiumpidolat, 3 Monate | Kopfschmerztage −69,9 %; keine Vergleichsgruppe | Beobachtung |
| 23 | Miller et al. 2019, Headache | 7 Studien, 545 Erwachsene in Notaufnahmen, Magnesium als Infusion | weniger Schmerz nach 60 bis 120 min; Ergebnisse uneinheitlich; teils Vorteile bei Migräne mit Aura | Systematische Übersicht |
| 24 | Messous et al. 2026, Ann Emerg Med | 1.028 Erwachsene mit akuten Kopfschmerzen, 2 g Magnesiumsulfat als Infusion plus Paracetamol | Erfolg 78,9 % vs. 65,1 %; seltener weiteres Schmerzmittel; Unterschied unter der klinischen Bedeutsamkeitsschwelle | RCT (Klinik) |
| 25 | Choi & Parmar 2013, Eur J Emerg Med | 5 Studien, 295 Erwachsene, Infusion bei akuter Migräne | kein Vorteil bei Schmerz, mehr Nebenwirkungen | Meta-Analyse |
| 26 | Do et al. 2019, Neurology | Übersicht zu Warnzeichen (SNNOOP10-Liste) | 15 Warnzeichen für Kopfschmerzen mit anderer Ursache | Review |
| 27 | Rosner et al. 2023, Mayo Clin Proc | Übersichtsarbeit | Magnesium reichert sich bei eingeschränkter Nierenfunktion an | Review |
| 28 | Teigen & Boes 2015, Cephalalgia | 16 Studien zu Blutwerten, 4 Einnahmestudien | Belege begrenzt; mehr Magnesium aus dem Essen als Alternative | Review |
| 29 | Aalhamad et al. 2023, Medicina | Übersichtsarbeit | stark erhöhtes Magnesium im Blut: u. a. Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, schwache Reflexe | Review |
| 30 | Rodriguez et al. 2025, Cochrane Database Syst Rev | Protokoll einer Cochrane-Übersicht | geplante Bewertung von Nutzen und Risiken bei Kindern und Erwachsenen; noch keine Ergebnisse | Studienprotokoll |
| 31 | Domínguez et al. 2025, Nutrients | Übersichtsarbeit | mögliche Mechanismen: Nervenerregbarkeit, Gefäße, Botenstoffe | Review |
| 32 | Cevette et al. 2011, Int Tinnitus J | 26 Menschen mit mittlerem bis sehr schwerem Tinnitus, 532 mg/Tag, 3 Monate | Tinnitus-Belastung gesunken; offen, ohne Placebo, 19 von 26 beendet | Studie ohne Vergleichsgruppe |
| 33 | Büntzel et al. 2026, Magnes Res | Narrative Übersicht | Bei Hörsturz und Tinnitus Hinweise auf Zusatznutzen; therapeutischer Einsatz noch experimentell | Review |
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