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Magnesium · 33 Quellen ausgewertet

Magnesium in der Schwangerschaft: Wie viel ist sinnvoll?

Drei Uhr nachts, die Wade zieht sich zusammen, und am Morgen liegt die Magnesiumpackung auf dem Küchentisch. Was die Forschung zu diesem Griff sagt, fällt bescheidener aus als sein Ruf.

Illustration: KI-generiert
Stand der Evidenz Oktober 202633 QuellenLesezeit 9 Min.So bewerten wir

Die kurze Antwort

Schwangere und Stillende brauchen 300 mg Magnesium am Tag, also nicht mehr als andere Frauen. So sehen es die europäische Lebensmittelbehörde und die DGE. Aus Präparaten gelten bis 250 mg täglich als unbedenklich, 400 oder 800 mg sollten nur nach ärztlichem Rat genommen werden. Ob Magnesium gegen Wadenkrämpfe hilft, ist unklar. Vor jeder Einnahme lohnt sich ein Gespräch mit Frauenarztpraxis oder Hebamme.

Auf dieser Seite 7 Abschnitte
  1. Wie viel Magnesium in der Schwangerschaft?
  2. Welches Magnesium in der Schwangerschaft?
  3. Hilft Magnesium bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft?
  4. Wie lange? Trimester, Geburt und Klinik
  5. Magnesium in der Stillzeit
  6. Magnesium für Kinder: Bedarf und Dosierung
  7. Magnesium in den Wechseljahren und bei Periodenschmerzen

Spätestens ab der Mitte der Schwangerschaft hat fast jede Frau den Tipp gehört: Magnesium hilft gegen die Krämpfe und schadet dem Kind nicht. Gut gemeint ist das sicher. Doch die Studien stützen den Rat nur zum Teil, denn einen höheren Bedarf gibt es kaum, bei den nächtlichen Wadenkrämpfen widersprechen sich die Versuche, und manche übliche Dosis ist ohne ärztliche Begleitung zu hoch. Für Kinder und für Frauen in den Wechseljahren sieht die Datenlage ähnlich mager aus.

Rücksprache

In Schwangerschaft und Stillzeit sollte jedes Magnesiumpräparat vorher mit Frauenärztin, Frauenarzt oder Hebamme besprochen werden, bei Kindern mit der Kinderarztpraxis. Arbeiten die Nieren schlechter, kann sich das Mineral im Körper ansammeln.20

Wie viel Magnesium in der Schwangerschaft?

Schwangere brauchen 300 Milligramm am Tag, also so viel wie andere Frauen auch. Dabei ist alles zusammen gemeint, vom Essen über das Mineralwasser bis zu einem möglichen Präparat. Die europäische Lebensmittelbehörde fand keinen Grund für einen höheren Bedarf,1 und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kommt auf denselben Wert.2 Eine Übersichtsarbeit vermutet zwar mehr Bedarf. Doch ihre Autorinnen räumen selbst ein, dass ein Bluttest den Magnesiumvorrat nur grob zeigt.6

Das Kind selbst braucht erstaunlich wenig. Ein reifes Neugeborenes enthält im ganzen Körper nur rund 0,8 Gramm Magnesium, und das meiste davon lagert es im letzten Drittel der Schwangerschaft ein.4 Trotzdem kann es knapp werden, nur eben bei der Mutter. In der Nationalen Verzehrsstudie mit über fünfzehntausend Befragten erreichten 29 Prozent der Frauen den Richtwert nicht.5 Ein Magnesiummangel ist damit allerdings nicht bewiesen, denn der Richtwert beruht auf dem, was Gesunde im Schnitt essen.1

Was Wert pro Tag
Bedarf in Schwangerschaft und Stillzeit 300 mg12
Obergrenze aus Präparaten, angereicherten Lebensmitteln und Wasser mit Zusatz 250 mg3
Magnesium aus normalem Essen keine Obergrenze3

Die Grenze für Präparate gilt ausdrücklich auch für Schwangere und Stillende. Das ist wichtig. Diese Grenze schützt vor allem den Darm, weil größere Mengen den Stuhl weich machen, und wenn im Multivitamin für Schwangere schon Magnesium steckt, zählt das selbstverständlich mit.3 Gute Quellen auf dem Teller sind dagegen Nüsse, Kerne, Haferflocken, Vollkornbrot, Linsen, Bohnen und grünes Gemüse, wie die Liste zu Magnesium in Lebensmitteln zeigt. Für die meisten Schwangeren lohnt es sich also, zuerst auf das Essen zu achten und ein Präparat nur nach Rücksprache zu ergänzen.

Sind 400 oder gar 800 mg Magnesium zu viel?

Ohne ärztlichen Rat sind beide Mengen zu viel, denn sie liegen klar über der Grenze, die für Präparate als sicher gilt.3 Anders ist es, wenn eine Ärztin mehr verordnet. Dann gibt es dafür einen Grund. Selbst die Studien zu Krämpfen kamen allerdings mit deutlich weniger aus.811

Auf der Packung zählt dabei nur der reine Magnesiumanteil aus der Nährwerttabelle. Das Gewicht der ganzen Verbindung liegt viel höher und führt leicht in die Irre. Vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wie viel Magnesium pro Tag wirklich sinnvoll ist.

So wurde gemessen
  • Obergrenze: 250 mg täglich aus Präparaten; das Gutachten (SCF/EFSA) bezieht Schwangere und Stillende ausdrücklich ein.3
  • Dosis in den Krampfstudien: 300 mg Magnesiumbisglycinat8 bzw. 360 mg Magnesiumlactat/-citrat pro Tag.11

Welches Magnesium in der Schwangerschaft?

Eine Form, die speziell für Schwangere besser wäre, gibt es nicht. Zwar nimmt der Körper allgemein Citrat oder Glycinat leichter auf als Oxid.7 Doch bei Schwangeren, die in Studien Bisglycinat, Citrat oder Lactat bekamen, half das Präparat mal und mal nicht, ohne dass sich dabei ein Muster nach der Form zeigte.81112

Praktisch hilft ein anderes Detail: Eisen und Magnesium vertragen sich besser, wenn sie zu verschiedenen Mahlzeiten kommen. Die Frage, welches Magnesium am besten ist, entscheidet sich in der Schwangerschaft deshalb vor allem an der Verträglichkeit.

So wurde gemessen
  • Formen: systematischer Review mit 14 Vergleichsstudien; organisch gebundenes Magnesium gelangte leichter ins Blut als anorganisches.7
  • Getestet bei Schwangeren: Magnesiumbisglycinat8, Lactat/Citrat11, Citrat12.

Hilft Magnesium bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft?

Ob Magnesium hier hilft, ist unklar, denn die Studien widersprechen sich. Am meisten Hoffnung macht ein Versuch in Thailand. Dort bekamen Schwangere mit Krämpfen einen Monat lang Magnesium oder ein Scheinpräparat, also eine Tablette ohne Wirkstoff. In beiden Gruppen wurden die Krämpfe seltener, mit Magnesium allerdings bei mehr Frauen, und Nebenwirkungen gab es in beiden Gruppen gleich oft.8 Das klingt gut. Eine ältere Studie aus Schweden wies in eine ähnliche Richtung.9

Auffällig ist dabei die Gruppe ohne Wirkstoff, denn auch dort gingen die Krämpfe oft deutlich zurück.8 Andere Versuche fielen ernüchternd aus. So halfen in Norwegen und in Brasilien die Tabletten nicht besser als das Scheinpräparat.1112 Fasst man mehrere Studien zusammen, wurden die Krämpfe insgesamt nicht seltener.13 Dazu passt, dass die bekannte Cochrane-Gruppe die Studien sogar für zu unterschiedlich hält, um sie gemeinsam auszuwerten. Immerhin traten unerwünschte Wirkungen nicht häufiger auf als ohne Wirkstoff.10

Was bleibt, ist ein offenes Bild. Ein Versuch mit Magnesium ist deshalb vertretbar, sollte aber vorher abgesprochen werden. Bleiben die Beschwerden, lohnt der Blick auf andere Ursachen, denn Krämpfe trotz Magnesium sind häufig.

So wurde gemessen
  • Thailand: 86 Schwangere, 300 mg Magnesiumbisglycinat pro Tag, 4 Wochen; Krämpfe mindestens halbiert bei 86 % mit Magnesium und 61 % mit Placebo; Nebenwirkungen gleich.8
  • Schweden: 73 Schwangere, 3 Wochen; weniger Beschwerden als mit Placebo.9
  • Norwegen: 38 Schwangere, 2 Wochen lang 360 mg Lactat/Citrat; gleiches Ergebnis wie mit Placebo.11
  • Brasilien: 132 Schwangere, 300 mg Magnesiumcitrat, 4 Wochen; kein Unterschied.12
  • Meta-Analyse: 4 Studien, 332 Schwangere; Häufigkeit insgesamt nicht verringert.13
  • Cochrane-Review: 8 Studien, 576 Schwangere; uneinheitlich, niedrige Aussagekraft, keine gepoolte Auswertung möglich; Nebenwirkungen wie Placebo.10

Unsere Einordnung

Ein Versuch mit Magnesium bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft ist vertretbar und meist gut verträglich, ein nachgewiesenes Mittel ist es nicht. Abgesprochen werden sollte er mit Frauenärztin oder Hebamme. Ist ein Bein geschwollen, gerötet oder warm, braucht es zeitnah eine ärztliche Untersuchung.

Wie lange? Trimester, Geburt und Klinik

Die Menge bleibt von der ersten bis zur letzten Woche gleich.12 Zwar sammelt das Kind seine Mineralstoffe vor allem im letzten Drittel an.4 Daraus folgt aber keine höhere Menge zum Ende. Oft hört man auch die Sorge, Magnesium kurz vor dem Termin könne die Wehen bremsen. Belege dafür gibt es keine. Im Gegenteil versuchten Studien nach vorzeitigen Wehen, eine Frühgeburt mit Magnesium hinauszuzögern, und das gelang nicht, übrig blieb vor allem mehr Durchfall.16

Spannender ist die Frage, ob Tabletten Komplikationen vorbeugen. Eine Auswertung mehrerer Studien fand unter Magnesium seltener eine Präeklampsie, also eine ernste Form von hohem Blutdruck in der Schwangerschaft.32 Bei Frauen ohne besonderes Risiko war das allein aber nicht sicher. Auch für Frühgeburten kam eine zweite Auswertung zu einem günstigen Ergebnis.33 Die Cochrane-Gruppe sah dagegen keinen klaren Unterschied.14 Deshalb stufen wir beide Wirkungen als „wahrscheinlich“ ein, nicht als „belegt“.

Auch bei Todesfällen rund um die Geburt und bei zu kleinen Babys fand Cochrane nichts.14 Ebenso wenig brachte der bisher größte einzelne Versuch einen Vorteil: Schwangere mit erhöhtem Risiko nahmen bis zur Geburt Magnesium, hatten danach aber nicht weniger Komplikationen.15 Daraus lässt sich eine Einnahme für alle zur Vorsorge nicht ableiten.

Etwas ganz anderes ist Magnesium als Infusion im Kreißsaal, hoch dosiert und ärztlich überwacht. Bei schwerer Präeklampsie senkt sie die Gefahr eines Krampfanfalls, der sogenannten Eklampsie, um mehr als die Hälfte, wobei Nebenwirkungen in fast einem Viertel der Fälle auftreten.17 Droht eine sehr frühe Geburt, schützt sie offenbar auch das Gehirn des Kindes.18 Mit einer Kapsel aus der Drogerie hat das nichts zu tun. Wer ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie hat, sollte deshalb in der Vorsorge besprechen, ob Magnesium sinnvoll ist.

So wurde gemessen
  • Vorzeitige Wehen: Cochrane-Review, 4 Studien, 422 Frauen; Magnesium-Erhaltungstherapie ohne Unterschied bei Frühgeburten, mehr Durchfall.16
  • Präeklampsie: Meta-Analyse, 7 kontrollierte Studien, 2.653 Schwangere; seltener mit Magnesium (RR 0,76), bei normalem Risiko allein nicht signifikant.32
  • Frühgeburt: Meta-Analyse, 6 kontrollierte Studien, 3.068 Schwangere; seltener mit Magnesium (RR 0,58); eine Mitautorin aus einem Magnesium-Forschungsverein.33
  • Cochrane-Review: 10 Studien, 9.090 Schwangere; seltener Krankenhausaufenthalte; kein sicherer Unterschied bei Präeklampsie (3 Studien), Frühgeburt (7 Studien), Sterblichkeit rund um die Geburt (5 Studien) und zu kleinen Kindern (3 Studien).14
  • BRAMAG: 829 Risikoschwangere, 300 mg Magnesiumcitrat bis zur Geburt; kein Unterschied bei Komplikationen.15
  • Infusion bei Präeklampsie: Cochrane-Review, 6 Studien, 11.444 Frauen; Eklampsie-Risiko mehr als halbiert, 24 % Nebenwirkungen.17
  • Drohende Frühgeburt vor der 34. Woche: Cochrane-Review, 6 Studien, 5.917 Frauen; seltener Zerebralparese beim Kind.18

Magnesium in der Stillzeit

Auch nach der Geburt bleibt es bei 300 Milligramm am Tag,12 und die Grenze für Präparate ändert sich ebenfalls nicht.3 Interessant ist die Muttermilch selbst. Denn ihr Magnesiumgehalt hängt kaum davon ab, was die Mutter isst oder zusätzlich einnimmt.19 Ein Präparat versorgt also die Mutter, nicht das Baby, und auch in der Stillzeit empfiehlt sich vorher ein kurzes Gespräch mit Hebamme oder Ärztin.

So wurde gemessen
  • Grenze: 250 mg pro Tag aus Präparaten, auch für Stillende.3
  • Muttermilch: Übersicht über Milchanalysen; im Median 31 mg pro Liter, weitgehend unbeeinflusst davon, was die Mutter isst oder ergänzt.19

Magnesium für Kinder: Bedarf und Dosierung

Eine allgemeine Dosis für Präparate bei Kindern gibt es nicht. Festgelegt ist nur, wie viel Kinder insgesamt brauchen und wie viel höchstens aus Präparaten kommen darf.

Alter EFSA1 DGE2
1 bis unter 3 bzw. 4 Jahre 170 mg 170 mg
4 bis unter 7 Jahre 230 mg 190 mg
7 bis unter 10 Jahre 230 mg 240 mg
15 bis unter 18 bzw. 19 Jahre 300 mg (Jungen), 250 mg (Mädchen) 330 mg (Jungen), 260 mg (Mädchen)

Erst ab dem vierten Geburtstag liegt die Grenze für Präparate bei 250 Milligramm am Tag. Für Kinder zwischen ein und drei Jahren gibt es gar keine Grenze, weil die Daten fehlen.3 Dabei haben Kinder, die normal essen, selten einen Mangel.2 Das zeigt auch die deutsche KiESEL-Studie mit 890 Kindern zwischen ein und fünf Jahren, die im Schnitt auf drei Viertel bis knapp neun Zehntel des europäischen Schätzwerts kamen.21 Weil dieser Wert großzügig bemessen ist, folgt daraus noch kein Mangel.

Unterschätzt werden dagegen Abführmittel mit Magnesium. Das kann ernste Folgen haben. So bekam ein Mädchen von 20 Monaten vier Tage lang Magnesiumoxid gegen Verstopfung und musste danach mit stark erhöhten Blutwerten in die Klinik, wo es sich aber vollständig erholte.22 Präparate sollten Kleinkinder deshalb nur bekommen, wenn die Kinderärztin dazu rät.

Magnesium für Kinder mit Tics: Hilft es?

Dass Magnesium bei Tics hilft, ist nicht belegt. In einer kleinen Studie aus Spanien bekamen Kinder mit Tourette-Syndrom drei Monate lang Magnesium und Vitamin B6, und ihre Tics wurden danach deutlich schwächer.23 Eine Vergleichsgruppe fehlte aber, sodass offen bleibt, ob die Tics auch ohne das Präparat mit der Zeit von allein schwächer geworden wären. Zweifel weckt auch das Blut: Kinder mit Tics hatten genauso viel Magnesium im Blut wie gesunde Kinder.24 Am besten hilft nach heutigem Wissen eine spezielle Verhaltenstherapie.25 Erste Anlaufstelle sollte deshalb die Kinderarztpraxis sein, nicht die Drogerie.

So wurde gemessen
  • Tourette-Studie: Kinder von 7 bis 14 Jahren, Magnesium + Vitamin B6, 90 Tage, offene Studie ohne Vergleichsgruppe; Tic-Wert von 26,7 auf 12,9 gesunken.23
  • Blutwerte: rückblickende Auswertung, 1.204 Kinder mit Tics und 1.220 gesunde Kinder; kein Unterschied.24
  • Verhaltenstherapie: systematische Übersicht der American Academy of Neurology; mit hoher Sicherheit wirksam.25

Magnesium in den Wechseljahren und bei Periodenschmerzen

Der Bedarf bleibt gleich, und gegen typische Beschwerden ist Magnesium nicht belegt. Auch in den Wechseljahren gelten 300 Milligramm am Tag.12 Was die Studien zu den einzelnen Beschwerden zeigen, ist eine Geschichte von Hoffnungen, die sich oft nicht bestätigten.

Hilft Magnesium gegen Hitzewallungen?

Wohl kaum, denn die einzige gute Studie fand keinen Effekt. Zuerst sah es allerdings vielversprechend aus. Dabei hatten Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung in einer kleinen Studie nach einem Monat fast halb so viele Hitzewallungen.26 Eine Vergleichsgruppe fehlte jedoch. Dann wurde die Frage an viel mehr Frauen mit Scheinpräparat geprüft, und Magnesium wirkte nicht besser, machte aber öfter Durchfall.27

Für die Knochen gibt es nur Beobachtungen, und die sind zwiespältig. Frauen, die viel Magnesium aßen, hatten an der Hüfte etwas dichtere Knochen, brachen sich aber nicht seltener etwas.28 Ob Präparate die Knochen stärken, hat keine Studie mit Scheinpräparat geprüft. Bei Hitzewallungen ist die gynäkologische Sprechstunde deshalb der bessere Weg.

So wurde gemessen
  • Pilotstudie: 25 Frauen nach Brustkrebs, 400 bis 800 mg Magnesiumoxid, 4 Wochen, ohne Placebo; Hitzewallungen von 52 auf 28 pro Woche (−41 %).26
  • Placebostudie: 289 Frauen nach Brustkrebs erhielten 800 oder 1.200 mg Magnesiumoxid oder Placebo; Hitzewallungen gleich, Durchfall häufiger.27
  • Knochen: Beobachtungsstudie mit 73.684 Frauen nach den Wechseljahren; bei der höchsten Zufuhr lag die Knochendichte an der Hüfte um 3 % höher, Knochenbrüche traten aber nicht seltener auf.28

Blähbauch in den Wechseljahren und Periodenschmerzen: Hilft Magnesium?

Vor der Periode kann Magnesium etwas helfen, für die Wechseljahre fehlen Studien, und bei Schmerzen gibt es nur erste Hinweise, bei der Stimmung ist es unklar. Spannt der Bauch vor der Periode, steckt oft eingelagertes Wasser dahinter. In einer Studie hatten Frauen mit Magnesium im zweiten Monat weniger Wasser im Gewebe, weniger Spannen in der Brust und weniger Blähbauch.29 Für Blähungen nach den Wechseljahren fehlt dagegen eine solche Studie.

Bei Regelschmerzen fand eine ältere Cochrane-Übersicht einige kleine Studien, in denen Magnesium besser abschnitt als ein Scheinpräparat. Doch die neuere Fassung führt Magnesium gar nicht mehr auf.30 Das sind erste Hinweise, aber zu wenige und zu kleine Studien. Für Reizbarkeit und gedrückte Stimmung vor der Periode reichen die Belege nach einer neueren Übersicht nicht aus.31 Ein neuer, bleibender Blähbauch nach den Wechseljahren sollte ärztlich untersucht werden, und bei starken Regelschmerzen ist das ebenfalls ratsam.

So wurde gemessen
  • Blähbauch: 38 Frauen, 200 mg Magnesium oder Placebo über 2 Zyklen; Effekt erst im 2. Monat.29
  • Regelschmerzen: Cochrane-Review mit 7 Studien, 3 davon prüften Magnesium und fanden einen Vorteil gegenüber Placebo; die Neufassung von 2016 enthält Magnesium nicht mehr.30
  • PMS: systematischer Review, 31 kontrollierte Studien; Magnesium bei seelischen PMS-Beschwerden nicht ausreichend belegt.31

Häufige Fragen

Darf man in der Schwangerschaft Magnesium nehmen?

In üblichen Mengen spricht nichts dagegen. Die Höchstmenge für Präparate gilt ausdrücklich auch für Schwangere. Abgesprochen werden sollte es trotzdem, gerade wenn schon ein Multivitamin mit Magnesium im Schrank steht.

Muss Magnesium am Ende der Schwangerschaft abgesetzt werden?

Dass Tabletten die Geburt verzögern, ist nicht belegt. Ob die Einnahme bis zum Schluss weiterläuft, sollte mit der Hebamme geklärt werden.

Ändert sich der Bedarf im zweiten oder dritten Trimester?

Nein, der Richtwert bleibt von der ersten bis zur letzten Woche gleich. Die Frage kommt meist in der zweiten Hälfte auf, weil dann Wadenkrämpfe häufiger werden.

Hilft Magnesium bei Regelschmerzen?

Einige ältere, kleine Studien sahen weniger Schmerzen als mit einem Scheinpräparat. Heftige Schmerzen jeden Monat sollten ärztlich abgeklärt werden, zum Beispiel auf Endometriose.

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Alle 33 Quellen

#StudieWer / wasErgebnisTyp
1EFSA NDA Panel 2015, EFSA JournalErnährungserhebungen aus 9 EU-LändernFrauen 300 mg; kein Mehrbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit; Kinderwerte nach AlterOffizielle Bewertung
2DGE, ÖGE, SGE 2021, Referenzwerte MagnesiumSchätzwerteSchwangere und Stillende 300 mg; Kinderwerte nach Alter; Mangel bei üblicher Ernährung seltenOffizielle Referenzwerte
3SCF 2001 (EFSA 2006), BehördengutachtenBewertung der Obergrenzen250 mg/Tag aus Nahrungsergänzung, auch für Schwangere, Stillende und Kinder ab 4 Jahren; für 1 bis 3 Jahre keine ObergrenzeBehördengutachten
4Kovacs 2016, Physiol RevÜbersichtsarbeit zum Mineralstoffwechselreifes Neugeborenes enthält rund 0,8 g Magnesium; Großteil im letzten Drittel eingelagertReview
5Max Rubner-Institut 2008, Nationale Verzehrsstudie II15.371 Befragte29 % der Frauen unter dem ReferenzwertBundesweite Erhebung
6Dalton et al. 2016, Nutr RevÜbersichtsarbeitsieht höheren Bedarf in der Schwangerschaft; Status im Blut nur ungenau messbarReview
7Pardo et al. 2021, Nutrition14 Vergleichsstudienorganische Formen besser aufgenommen als anorganischeSystematischer Review
8Supakatisant & Phupong 2015, Matern Child Nutr86 Schwangere, Magnesiumbisglycinat 300 mg/Tag, 4 WochenKrämpfe halbiert bei 86 % vs. 61 % (Placebo); Nebenwirkungen gleichKontrollierte Studie
9Dahle et al. 1995, Am J Obstet Gynecol73 Schwangere, 3 Wochenweniger Beschwerden durch Krämpfe als mit PlaceboKontrollierte Studie
10Luo et al. 2020, Cochrane Database Syst Rev8 Studien, 576 SchwangereErgebnisse uneinheitlich, niedrige Aussagekraft; Nebenwirkungen wie PlaceboCochrane-Review
11Nygaard et al. 2008, Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol38 Schwangere, 360 mg Magnesiumlactat/-citrat, 2 Wochenkein Unterschied zu PlaceboKontrollierte Studie
12de Araújo et al. 2020, PLoS ONE132 Schwangere, Magnesiumcitrat 300 mg/Tag, 4 Wochenkein Unterschied zu PlaceboKontrollierte Studie
13Liu et al. 2021, Taiwan J Obstet Gynecol4 Studien, 332 SchwangereHäufigkeit der Krämpfe insgesamt nicht verringertMeta-Analyse
14Makrides et al. 2014, Cochrane Database Syst Rev10 Studien, 9.090 Schwangereseltener Krankenhausaufenthalte; Hauptziele in den besten Studien unverändert; kein sicherer Unterschied bei Präeklampsie (3 Studien), Frühgeburt (7 Studien), Sterblichkeit rund um die Geburt (5 Studien) und zu kleinen Kindern (3 Studien)Cochrane-Review
15de Araújo et al. 2020 (BRAMAG), BMC Pregnancy Childbirth829 Risikoschwangere, Magnesiumcitrat 300 mg bis zur Geburtkein Unterschied bei Komplikationen für Mutter und KindKontrollierte Studie
16Han et al. 2013, Cochrane Database Syst Rev4 Studien, 422 Frauen nach vorzeitigen WehenMagnesium-Erhaltungstherapie: kein Unterschied bei Frühgeburten; mehr DurchfallCochrane-Review
17Duley et al. 2010, Cochrane Database Syst Rev6 Studien, 11.444 Frauen mit PräeklampsieMagnesiumsulfat in der Klinik: Eklampsie-Risiko mehr als halbiert; 24 % NebenwirkungenCochrane-Review
18Shepherd et al. 2024, Cochrane Database Syst Rev6 Studien, 5.917 Frauen mit drohender Frühgeburt vor der 34. WocheMagnesiumsulfat in der Klinik: seltener Zerebralparese beim KindCochrane-Review
19Dórea 2000, J Am Coll NutrÜbersicht über Muttermilch-AnalysenMedian 31 mg/l; kaum abhängig von Ernährung und Ergänzung der MutterReview
20Rosner et al. 2023, Mayo Clin ProcÜbersichtsarbeitAnreicherung bei eingeschränkter NierenfunktionReview
21Burgard et al. 2024, Front Nutr (KiESEL)890 Kinder von 1 bis 5 Jahrenmittlere Magnesiumzufuhr 74 bis 89 % des EFSA-SchätzwertsVerzehrsstudie
22Araki et al. 2021, J Med Case Repein 20 Monate altes Kind, Magnesiumoxid gegen Verstopfungstark erhöhte Blutwerte, vollständige ErholungFallbericht
23García-López et al. 2008, Med Clin (Barc)Kinder von 7 bis 14 Jahren mit Tourette-Syndrom, Magnesium + Vitamin B6, 90 TageTic-Wert von 26,7 auf 12,9 gesunkenOffene Studie ohne Vergleichsgruppe
24Qian et al. 2019, Front Neurol1.204 Kinder mit Tics, 1.220 gesunde Kinderkein Unterschied beim Magnesium im BlutRückblickende Auswertung
25Pringsheim et al. 2019, Neurologysystematische Übersicht der American Academy of NeurologyVerhaltenstherapie für Tics mit hoher Sicherheit wirksamLeitlinien-Übersicht
26Park et al. 2011, Support Care Cancer25 Frauen nach Brustkrebs, 400 bis 800 mg Magnesiumoxid, 4 WochenHitzewallungen von 52 auf 28 pro Woche (−41 %)Pilotstudie ohne Placebo
27Park et al. 2015, Menopause289 Frauen nach Brustkrebs, 800 oder 1.200 mg Magnesiumoxidkein Unterschied zu Placebo; mehr DurchfallKontrollierte Studie
28Orchard et al. 2014, Am J Clin Nutr73.684 Frauen nach den WechseljahrenHüft-Knochendichte 3 % höher bei viel Magnesium; Brüche nicht seltenerBeobachtungsstudie
29Walker et al. 1998, J Womens Health38 Frauen, 200 mg Magnesium, 2 Zyklenim 2. Monat weniger Wassereinlagerung, Brustspannen, BlähbauchKontrollierte Studie
30Proctor & Murphy 2001, Cochrane Database Syst Rev7 Studien, davon 3 zu MagnesiumMagnesium wirksamer als Placebo bei Regelschmerzen; Nachfolgefassung 2016 ohne MagnesiumCochrane-Review
31Robinson et al. 2024, Nutr Rev31 kontrollierte Studien zu Ernährung und PMSMagnesium bei seelischen PMS-Beschwerden nicht ausreichend belegtSystematischer Review
32Yuan et al. 2022, Biol Trace Elem Res7 kontrollierte Studien, 2.653 Schwangere, Magnesium zum EinnehmenPräeklampsie seltener (RR 0,76); bei Schwangeren mit normalem Risiko allein nicht signifikantMeta-Analyse
33Zhang et al. 2021, Nutr Rev6 kontrollierte Studien, 3.068 SchwangereFrühgeburten mit Magnesium seltener (RR 0,58); eine Mitautorin aus einem Magnesium-ForschungsvereinMeta-Analyse

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